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11 Jahre – Mord an „Schmuddel“

Demonstration in Gedenken an "Schmuddel" im Jahr 2011 (Quelle: Indymedia; Lizenz: CC )
Demonstration in Gedenken an "Schmuddel" im Jahr 2011 (Quelle: Indymedia; Lizenz: CC )
Demonstration in Gedenken an "Schmuddel" im Jahr 2011 (Quelle: Indymedia; Lizenz: CC )

Demonstration in Gedenken an „Schmuddel“ im Jahr 2011 (Quelle: Indymedia; Lizenz: CC )

Heute vor 11 Jahren wurde der Punk Thomas „Schmuddel“ Schulz in der U-Bahnstation Kampstraße von einem Neonazi erstochen. Der 28. März 2005 war, genau wie in diesem Jahr, der Ostermontag. Thomas Schulz war mit Freunden unterwegs, sie wollten ein Konzert besuchen. In der U-Bahnstation Kampstraße wollte der Punk, den damals 17-jährigen Neonazi Sven Kahlin wegen seiner neonazistischen Einstellung zur Rede stellen. Kahlin diskutierte nicht, sondern erstach den Punk. Seitdem wurde in jedem Jahr an den Nazimord in der Innenstadt erinnert.

In den Tagen nach dem Mord an Thomas Schulz wurde es nicht ruhiger in Dortmund. Freunde von Schulz, die in der Kampstraße auf den Mord hinweisen wollten, wurden von Nazis bedroht, auch dabei wurde mit Messern gedroht. Die Dortmunder Nazis reagierten auf den Mord mit einer Stellungnahme in der es hieß, „die Machtfrage“ sei gestellt und zur Zufriedenheit der Nazis beantwortet worden. Sven Kahlin wurde zum Helden der Szene stilisiert. Wenige Tage nach dem Mord zogen tausende Nazi-Gegner durch Dortmund.

Der Mord an „Schmuddel“ hätte ein Wendepunkt für Dortmund und das Engagement gegen Nazis sein können. Schon in den Jahren vor dem Mord waren die Rechtsextremen äußerst umtriebig. Veranstaltungen, die über die Szene informieren sollten, wurden von den Nazis regelmäßig gestört. Die alte Garde um Siegfried Borchardt war noch aktiv und vermittelte bundesweit Kontakte. Junge Nazis betätigten sich als „Autonome Nationalisten“ und verübten Angriffe auf Nazi-Gegner. Einer ihrer führenden Köpfe war der heutige „Die Rechte“-Aktivist Dennis Giemsch.

Doch der Mord an Thomas Schulz führte nicht zu einem Umdenken bei Stadt und Polizei in Dortmund. Die Tat wurde entpolitisiert, als Auseinandersetzung zwischen verfeindeten Jugendlichen abgetan und erhielt von offizieller Seite nie die Aufmerksamkeit, die sie verdiente. Bis heute wird in der Kampstraße nicht mit einer Gedenktafel an den Mord erinnert.

Im letzten Jahr veranstalteten Antifas zum letzten Mal ihre Demonstration in Erinnerung an Thomas Schulz. Es sollte kein Märtyrerkult um „Schmuddel“ entstehen. Doch die Erinnerung an „Schmuddel“ ist weiter lebendig. Der Ostermarsch macht heute einen Stop an der Kampstraße, und Punks wollen sich treffen, um „ein Bier“ auf Schmuddel zu trinken.

 

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