Angst als Fortschrittsmotor?

„Die Angst vor dem Untergang setzt die Kraft zum Fortschritt frei“ schreibt  Jakob Augstein in seiner neuesten Kolumne auf Spiegel-Online. Was für ein Unfug.

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Auf Spiegel-Online beschreibt Jakob Augstein in seiner Kolumne Angst als Fortschrittsmotor, was natürlich Unsinn ist. Nicht das Angst grundsätzlich etwas schlimmes wäre – es gibt immer wieder gute Gründe, sich zu fürchten, Angst ist ein wichtiges Warnsystem, aber es trügt auch oft: Die Angst vor dunklen Kellern, die viele von uns als Kinder hatten, war grundlos. Die Angst vor einem Sturm auf hoher See dagegen ist vernünftig – wer mit einem kleinen Boot in den Sturm segelt, ist dumm.

Die Warnungen des von Augstein hoch gelobten Club of Rome, dargelegt unter anderem  in der Schrift “Die Grenzen des Wachstums”  entsprachen eher der Furcht vor dem Keller: Wachstum ist komplizierter, dynamischer und hat verschiedenere Spielarten, als der Club of Rome es in seiner populären es beschrieben hat. Davon ab: Für das Ende des Wachstums hätten vor allem die Menschen in der dritten Welt einen hohen Preis bezahlt. Während das Wachstum in reifen Volkswirtschaften wie Deutschland seit Jahrzehnten eher moderat ist, hat das starke Wachstum in Ländern wie Indien, Korea, Brasilien oder China dazu geführt, dass sich die Lebensbedingungen vieler Menschen  verbessert haben. Sicher, es gibt Probleme: Umweltschutz, Menschenrechte, soziale Unsicherheit – aber wer die Lebensverhältnisse in diesen Ländern mit denen vor 40 Jahren vergleicht muss von den Fortschritten begeistert sein und die Überzeugung gewinnen, das auch die anderen Probleme lösbar sind.

Und die Grundlage für diese Überzeugung ist nicht die Angst vor dem Untergang, sondern die Zuversicht, dass Probleme lösbar sind, wenn man sich anstrengt. Und dass die Zukunft keine Zeit ist, vor dem man sich fürchten muss, sondern die  wir uns freuen können.

Die Angst vor dem Untergang lähmt – der Club of Rome ist mit seinen Prognosen für eine Technik- und Industriefeindlichkeit in Europa mit verantwortlich, die Arbeitsplätze und Wohlstand gekostet hat. Probleme aufzeigen und Lösungen einfordern ist notwenig – mit dem Untergang zu drohen unverantwortlich.

Fortschritt gibt es, wenn die Menschen glauben, dass es eine Chance gibt, dass es morgen besser sein kann als heute. Wenn Augstein die Furcht vor dem Untergang als Partner der Utopie, als ihre Grundlage beschreibt, ist das eine sehr abwegige Argumentation:

„ Konservative mögen keine Apokalypsen, weil sie auch keine Utopien mögen.“

Ein Kennzeichen konservativer Politik ist, dass sie mit der Angst arbeitet. Das hat alle konservativen Bewegungen ausgezeichnet: Sie machen den Bürgern Angst vor der Zukunft und empfehlen sich als mehr oder weniger autoritäre Garanten für Sicherheit. Nur wer diese Sicherheit bereit ist hinter sich zu lassen, wer seine Angst überwindet und bereit ist zu neuen Ufern aufzubrechen, ist in der Lage, Fortschritte zu erzielen: Politisch, technisch, wissenschaftlich – die Motivation dazu ist nicht die Angst vor dem Untergang sondern die Lust auf ein besseres Leben. Angst macht Menschen beherrschbar – der Glaube an eine bessere Zukunft unberechenbar…

 

 

 

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22 Kommentare zu „Angst als Fortschrittsmotor?

  • #1
    Jörg

    Sehr guter Kommentar. Die Angst lähmt die Menschen auch hier in Griechenland. Da wird auch Geld nicht helfen. Erst wenn die Angst vor der Zukunft überwunden ist, wird es wieder Fortschritt in Griechenland geben.

  • #2
  • #3
    Jan Sören K

    “Sicher, es gibt Probleme: Umweltschutz, Menschenrechte, soziale Unsicherheit – aber wer die Lebensverhältnisse in diesen Ländern mit denen vor 40 Jahren vergleicht muss von den Fortschritten begeistert sein und die Überzeugung gewinnen, das auch die anderen Probleme lösbar sind.”

    Lösbar sind die Probleme mit Sicherheit – die Frage ist nur: mit welchen Mitteln?
    Das Problem rund um den Umweltschutz war vor 40 Jahren schlicht noch nicht effektiv auf der Agend (damals ging es doch noch vor allem um selbst denken und alles rauchen), die Menschenrechte interessieren heute in weiten Teilen auch nicht. Die Fortschritte sind also sehr gering.
    Und die soziale Unsicherheit in Entwicklungsländern ist auch nicht weniger geworden. Wer in Entwicklungsländern keine Arbeit bei einem Westkonzern erreicht hat (und damit muss nunmal die Mehrzahl klarkommen) hat genauso die Ar….—- Hinterteilskarte gezogen wie zu Zeiten der Dekolonisierung. Hier gab es also auch wenig Fortschritte.
    Aber klar, die Lebensverhältnisse haben sich natürlich verbessert. Aber eben leider nur bei vergleichweise wenigen in den Entwicklungsländern. Die Mehrheit leidet. Die Gründe für diese Konzentration der Verbesserung abzustellen würde allen helfen. Auch bei den anderen drei genannten Problemen (und noch etlichen mehr!)

  • #4
  • #5
    TuxDerPinguin

    Den Artikel find ich gut, bis auf den Absatz, der den Club of Rome Technikfeindlichkeit und Wohlstandsverluste vorwirft.

    Das widerspricht auch der Aussage des restlichen Artikels. Denn die benannten Probleme sind ja real und müssen kreativ gelöst werden bzw. müssen Lösungen her, um mit den beschriebenen Folgen besser leben zu können.

    Von daher haben deren Berichte sicher für mehr Wohlstand und neue Technologien die Denkanstöße gegeben. Auch wenn in Medien Warnungen stärker Verbreitung finden, fand ich doch, dass in deren Umkreis immer auch mögliche Lösungsansätze gegeben wurden, die ja zum Denken anregen können.

    Aber dann kann man noch ergänzen zum Artikel. Es ist egal, ob Politik Angst oder Zuversicht verbreitet. Es kommt viel stärker auf die eigene Persönlichkeit an. Gab ja auch z.B. in der DDR noch genug Erfindungsreichtum, um den Lebensalltag zu verbessern trotz der Diktatur.

    Es gibt Menschen, die sich bei Problemen einsch…. oder diese verdrängen (Hauptklientel der konservativen Parteien… also Linke, CDU und SPD)
    und Menschen, die Lösungsansätze suchen und mit gewissen Risiken leben können.

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  • #7
    Ulrike Märkel

    Die Behauptung im Artikel, dass das wirtschaftliche Wachstum in Ländern wie China dazu geführt hätte, “… dass sich die Lebensbedingungen vieler Menschen verbessert haben” kann man so auf keinen Fall stehenlassen!

    Amnesty International und andere Menschenrechtsgruppen beschreiben die Lage der Menschenrechte in China als weiterhin repressiv und diskriminierend. Menschen wurden zu Unrecht inhaftiert, wie z.B. der regierungskritische Künstler und Blogger-Kollege Ai Weiwe, der erst nach massiven internationalen Protesten freigelassen wurde und gerade aktuell mit seinem Einspruch vor Gericht scheiterte.

    Manche andere verschwanden einfach in den letzten Jahren. Alles das ist nun wirklich kein Zeichen für die positive Wirkung des Wachstums und hat auch nicht mit “Kinder-Angst im Keller” zu tun! Auch nicht, wenn es gerade mal so hübsch ins eigene Welt-Wirtschafts-Bild passen könnte.

    Amnesty schreibt: “Aus Furcht vor einer Protestbewegung nach dem Vorbild der Ereignisse im Nahen Osten und Nordafrika gingen die Behörden im Februar 2011 so massiv gegen politisch engagierte Bürger, Menschenrechtsverteidiger und Internetaktivisten vor, wie sie es nicht mehr seit den Demonstrationen auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Jahr 1989 getan hatten. Im Berichtsjahr war ein merklicher Anstieg von Drangsalierungen, Einschüchterungen, willkürlichen und rechtswidrigen Inhaftierungen und Fällen von Verschwindenlassen gegen Regierungskritiker zu verzeichnen…. In Zeiten der weltweiten Finanzkrise konnte China aufgrund seiner Wirtschaftskraft einen größeren Einfluss des Landes auf Menschenrechtsfragen in der ganzen Welt nehmen – zumeist mit negativen Auswirkungen. (Stand: 31.12.2011)

    Weitere, vom Regime in China betroffene äußern sich, wie z.B. der Friedensnobelpreisträger, Schriftsteller und Menschenrechtler Liu Xiaobo: Er unterstreicht die Notwendigkeit von Menschenrechtsreformen in China. (Ein Pekinger Gericht hatte ihn am 25. Dezember 2009 zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt).

    Ganz aktuell vor einem Monat berichtete Amnesty, dass Ni Yulan, eine Wohnrechtsaktivistin im Gefängnis nur mangelhaft ernährt wird und an Atem-, Herz- und Verdauungsbeschwerden leidet und nicht mehr laufen kann, seit sie in Polizeigewahrsam gefoltert wurde.

    Also wirklich einfach nur: „Sicher, es gibt Probleme…“?

    http://www.amnesty.de/laenderbericht/china
    http://www.hrw.org/world-report-2012/world-report-2012-china
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-07/china-ai-berufung

  • #8
    Stefan Laurin Autor

    @Ulrike: Von den Problemen der sozialen Ungleichheit und der Menschenrechte habe ich ja geschrieben. Trotzdem hat sich die Lage der Menschen in China verbessert: Vor allem wirtschaftlich. Es ist ja nicht so, das China während Maos Kulturrevolution ein freierer Staat war als heute. Will man die Entwicklung eines Landes beschreiben, bezieht man sich immer auf das Land selbst. Das China noch weit davon entfernt ist, ein freies Land zu sein, würde ich nie bestreiten und das habe ich auch in meinem Text nicht getan.

  • #9
    sol1

    Wurde diese Passage im verlinkten Wikipedia-Artikel überlesen?

    Im Juni 2008 veröffentlichte Graham Turner von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) eine Studie, in der er die historischen Daten für die Jahre von 1970 bis 2000 mit den Szenarien der ursprünglichen Studie von 1972 verglich. Er fand eine große Übereinstimmung mit den Vorhersagen des Standardszenarios, das in einem globalen Kollaps in der Mitte des 21. Jahrhunderts resultiert.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Grenzen_des_Wachstums

    “Bis jetzt ist doch alles gut gegangen!” sagte der Mann, der vom Dach eines Hochhauses gesprungen war, als er am dritten Stock vorbeiflog…

  • #10
  • #11
    Hanno

    @Ulrike Märkel: Ist das Ihr Ernst? Entschuldigung, aber: Was für ein ahistorischer Unsinn! China hat im 20. Jahrhundert nicht nur die Kulturrevolution hinter sich gebracht, sondern auch den “Großen Sprung nach Vorn”. Jeweils gab es Millionen von Todesopfern, die Verantwortung trugen die Machthaber in der KPCh. Wie kann man da leugnen, dass sich die Lebensbedingungen der überwältigenden Mahrheit von Chinesen deutlich verbessert haben?
    Das heißt ja nicht, dass die heutigen Menschenrechtsverletzungen in China Peanuts wären. Und es heißt auch nicht, dass der Wohlstand nicht seine Schattenseiten hat. Aber denken Sie doch noch mal über die Relationen nach!

  • #12
    Ulrike Märkel

    @ Hanno,
    Ja, ich habe auch Geschichtsunterricht gehabt. Ich spreche aber nicht über die Kulturrevolution und die Greueltaten in dieser Zeit, sonder über die ganz aktuellen Menschrechtsverletzungen in China.
    Zurecht wurde immer wieder kritisert, dass die Lage der Menschenrechte bei (bilateralen) Gesprächen im Kontext der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen China und BRD nicht ausreichend im Vordergrund, sondern vielmehr hintenan stand. Auch bei Gesprächen von Merkel.
    Ich glaube aber, es ist unsere Aufgabe, auch heikle Themen anzusprechen. Sicherlich, China ist die zweitmächtigste Wirtschaftsmacht der Welt und für die BRD wichtig, aber gerade wenn man glaubt, dass Wirtschaftwachstum und globale wirtschaftliche Zusammenarbeit zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen führt, muss man in der Folge darauf bestehen, dass das Thema Menschenrechte immer wieder vehement angesprochen wird.

    http://www.spiegel.de/thema/menschenrechte_in_china/

  • #13
    sol1

    @ Stefan Laurin

    Das Handelsblatt kommt beim Faktencheck zu einem weniger apokalyptischen Ergebnis…

    Diese Klickstrecke beweist lediglich, daß die Club-of-Rome-Prognostiker keine Apokalyptiker waren bzw. sind:

    „Es erscheint möglich, die Wachstumstendenzen zu ändern und einem ökologischen und wirtschaftlichen Gleichgewichtszustand herbeizuführen, der auch in weiterer Zukunft aufrechterhalten werden kann. Er könnte so erreicht werden, dass die materiellen Lebensgrundlagen für jeden Menschen auf der Erde sichergestellt sind und noch immer Spielraum bleibt, individuelle menschliche Fähigkeiten zu nutzen und persönliche Ziele zu erreichen.“

    So die Prognose des Club of Romes 1972.

    (…)

    Allerdings halten auch die Autoren der neueren Studien an der Aussage fest, dass ein Gleichgewichtszustand ohne Kollaps möglich ist. Je eher die Menschheit sich entschließt, diesen Gleichgewichtszustand herzustellen, und je rascher sie damit beginnt, um so größer sind die Chancen, dass sie ihn auch erreicht. Das war bereits 1972 die Position des Club of Rome.

  • #14
    Hanno

    @Ulrike: Ja, ich schrieb ja auch, dass ich heutige Menschenrechtsverletzungen nicht für “egal” halte. Ich störe mich vor allem an dieser Aussage:

    “Die Behauptung im Artikel, dass das wirtschaftliche Wachstum in Ländern wie China dazu geführt hätte, “… dass sich die Lebensbedingungen vieler Menschen verbessert haben” kann man so auf keinen Fall stehenlassen!”

    Diesen Satz kann man nämlich sehr wohl so stehenlassen, denn: s.o.

  • #15
    grimmhold

    Und wieder faselt einer der das Leben aus den Medien kennt. Schon mal in der 3.Welt gewesen? Ich ja und nicht als Tourist. Den Preis den die MEHRHEIT der Menschen dort für das Wachstum und besonders das “moderate” Wachstum der Wohlstandsregionen sprich den Beherrschenden zahlen müssen.. Den würde ich Ihnen mal gönnen zur Ansicht, so für einige Wochen. Wenn Sie die überleben haben Sie gewonnen…

  • #16
    Helmut Junge

    @Grimmhold,
    Eigentlich ging es im Artikel um die Frage, ob Angst lähmt, oder sogar beflügelt.
    Das ist eine spannende Frage.
    Eine andere Frage, sehr wichtige Frage sogar, ist die von Ihnen formulierte Auffassung, dass
    ” den Preis den die MEHRHEIT der Menschen dort für das Wachstum und besonders das “moderate” Wachstum der Wohlstandsregionen sprich den Beherrschenden zahlen müssen..”
    Der Autor hat sich in der Angstfrage gegen die Auffassung seines Kollegen vom “Spiegel” gestellt, der der Meinung ist, dass “Angst ein Fortschrttsmotor” wäre.
    Laurin meint dagegen, dass Angst lähmt.
    Also ob mit Angst, oder ohne Angst, beide Autoren predigen den Fortschritt und damit das Wachstum, den Sie @Grimmhold ja doch für die Verelendung der 3. Welt verantwortlich machen.
    Wenn Sie also kein Elend wollen und das Wachstum hier bei uns verantwortlich machen, sollten Sie der Auffassung sein, vermute ich wenigstens, dass es besser wäre, wenn wir alle Angst hätten, und diese Angst das Wachstum lähmen würde.
    Das wäre die Logik aus Ihrem Ansatz.
    Nun ist Stefan Laurin, der obige Autor tatsächlich der Auffassung, dass in den letzten Jahrzehnten die Angst vorgeherrscht hat.
    Tatsächlich aber gibt es die Entwicklung, die Sie persönlich kennengelernt haben.
    Es gibt eine zunehmende Verelendung großer Teile der 3. Welt, es gibt aber auch auch die von Stefan Laurin beschriebene Entwicklung in den von Ihm genannten Staaten, die sich wirtschaftlich verbessert haben.
    Jetzt wird das Problem noch dadurch komplizierter zu diskutieren, weil Laurin behauptet, dass es für viel mehr Staaten besser geworden wäre, wenn hier bei uns nicht seit Jahrzehnten ein Klima der Fortschrittsfeindlichkeit geherrscht hätte.
    Demzufolge müßten Sie dann sagen, dass es immer noch zu viel WAchstum gibt, und falls die Höhe des Wachstums von der Größe der Angst abhinge, müßten Sie sich wünschen, dass die Angst hier bei uns anwachsen sollte.
    Dass aber Angst wiederum nicht nebenwirkungsfrei ist, könnte Ihr Wunsch auch gefährlich sein.

  • #17
    grimmhold

    Aha… tut mir leid aber das verstehe ich nun nicht. Ist auch egal weil sehr theoretisch und fern der Wirklichkeit… Jedenfalls meiner. Meine Erfahrungen in der Welt brauchen sie mir nicht zu erklären Hr. Junge weil die können Sie nicht beurteilen. Das hat nichts mit dem gemein was sie aus TV-Dokus und Talkshows kennen. Was der Autor Angst nennt nenne ich die Betonierung bestehender Machtstrukturen. Veränderungen sind gefährlich und nicht gewünscht. Aber nicht aus Angst. Mit der beherrscht man die Bevölkerung. Schauen sie sich mal diesen Minikosmos Ruhrgebiet an, in dem sie vielleicht auch leben. Man ersetzt hier Industrie durch Kultur zB. was so abwegig nicht ist, auch die Industrie wurde subventioniert bis zum geht nicht mehr. Strukturwandel? Hat es nie gegeben, war auch nie gewollt. Primäres Ziel war und ist die Erhaltung der Wählerstrukturen und damit der Machtverhälnisse. Hr. Junge ihr Kapitalismus, ihre Wachstumswelt befindet sich in einer Dauerkrise. Je mehr Wachstum desto mehr Krise. Zumindest in den destabilisierten Regionen die ausgeplündert werden. Gerade mal wieder wunderbar zu studieren rund um das Mittelmeer. Noch was anderes. Da gibt es ungeheure Mengen an “Geld”. Hunderte von Milliarden wenn nicht Billionen die in den Schaltkreisen von Bank-Computern existieren. (Kennen Sie die Geschichte von den 15 Billionen $ über Lord James of Blackheath, Mitglied des britischen Oberhauses berichtete?) Und ja irgendjemanden gehören. Und diese Herrschaften verlangen nun mal Wachstum. Sprich Zinsen für ihre nutzlosen zusammengeraubten Billionen. Diese Zinsen müssen erwirtschaftet werden. Und zwar nicht elektronisch sondern real. Durch Arbeit letztendlich. Denn wie kann Geld Geld erzeugen? Gigawatt an menschlicher Leistung geistig wie körperlich. Auch Sie Hr. Junge sind eine kleine Ameise in dieser gigantischen Menschenmühle. Und wozu? Viel Spaß noch mit Ihrem Wachstum. Und glauben Sie im Ernst das hier in Europa die zunehmend vergreisenden und verkalkenden Bevölkerungen die Vermögen kontrollieren (der Rest hat nichts) sich jubelnd in “Fortschritt” stürzen? Aber keine Angst, das Leben mag keinen Stillstand. Die Dinge werden sich verändern.

  • #18
    Helmut Junge

    @Grimmhold,
    ich habe keine Ahnung was Sie gesehen haben stimmt, und kann das schon gar nicht beurteilen, stimmt auch.
    “Auch Sie Hr. Junge sind eine kleine Ameise in dieser gigantischen Menschenmühle.”
    Aber klar , unterschreibe ich.
    “Hr. Junge ihr Kapitalismus, ihre Wachstumswelt befindet sich in einer Dauerkrise.”
    Es ist nicht mein Kapitalismus @Grimmhold, absolut nicht, ich bin da ohne Schuld reingeboren worden. Und eigentlich mag ich ihn nicht, was nur keine Alternative.
    bis jetzt jedenfalls nicht.
    Aber das mit der Dauerkrise glaub ich auch, @Grimmhold.
    “Je mehr Wachstum desto mehr Krise.”
    Glaub ich nicht, @Grimmhold.
    Da unterscheiden wir uns.
    Herr Grimmhold, ich bin sehr unter Zeitdruck, der noch bis Freitag dauern wird.
    Deshalb kann ich nicht tiefer auf Ihre Argumentation eingehen.
    Zudem ist das thema wirklich kompliziert und schwierig zu diskutieren.
    aber Sie diskutieren ehrlich. Sie bringen Sachargumente, auf die ich reagieren möchte. Andere Diskursteilnehmer, ich hatte gerade so eine(n), sind einfacher gestrickt und fordern keine wirklich durchdachten Antworten.
    Das ist bei Ihren Antworten anders.
    Ich möchte Sie verstehen, weil ich Ihre Welt tatsächlich nur aus den Nachrichten kenne.
    Mit den Talkshows liegen Sie allerdings falsch. Ich kenne keine.
    Jedenfalls würde ich mich freuen, Ihren Namen häufiger in dem einen oder anderen Diskurs zu finden.
    Dann kommen mir vielleicht auch ein paar Ideen, was ich zu Ihren Anmerkungen sagen könnte.

  • #19
    Hans Meier

    „Und die Grundlage für diese Überzeugung ist nicht die Angst vor dem Untergang, sondern die Zuversicht, dass Probleme lösbar sind, wenn man sich anstrengt. Und dass die Zukunft keine Zeit ist, vor der man sich fürchten muss, sondern `auf` die wir uns freuen können ist.
    Die Angst vor dem Untergang lähmt – der Club of Rome ist mit seinen Prognosen für eine Technik- und Industriefeindlichkeit in Europa mit verantwortlich, die Arbeitsplätze und Wohlstand gekostet hat. Probleme aufzeigen und Lösungen einfordern ist notwendig – mit dem Untergang zu drohen unverantwortlich.“
    Robert Malthus, die Pessimisten vom Club, die ganze Mischpoke der Knatscher artikuliert lediglich ihr persönliches Lebensgefühl, im Grunde Versager zu sein ohne das zugeben zu wollen.
    Der unvergleichliche Wohlstand, der trotz steigender Weltbevölkerung in der Konkurrenz der Intelligenz zur Anwendung kam und damit auch die Begrenztheit an Intelligenz der Pessimisten dokumentiert, scheint mir logisch.
    Es sind die Ingenieure die technologische, faktische Intelligenz bereitstellen die für Wohlstand sorgt. Nur wer bei der „Verteilung der Intelligenz“ nichts mitbekam, sieht die Realität verängstigt an.
    Sich symbolisch mit den minderklugen Einlassungen dieser Zeitzeugen zu solidarisieren, ist in der Konsequenz, nicht nur die eigene Existenz, sondern auch die der Mitmenschen als Deklassierung zu empfinden ist kein Alibi. Aber offensichtlich Snobismus dummer Gockel.

  • #20
    Widukind

    Die Angst ist berechtigt. Grimmhold beschreibt es treffend: Im Grunde sind wir längst zu Soldaten einiger Weniger geworden, die längst sturmreif geschossen haben, was wir Souveränität nennen. Ausbeutung der Mehrheit um jeden Preis einhergehend mit Vernetzung, Geheimhaltung und Gleichschaltung. Ach Herr Meier, wie wir uns freuen können.

  • #21
    Widukind

    Die Angst ist berechtigt und Grimmhold beschreibt es treffend. Im Grunde sind wir längst zu Soldaten einiger Weniger geworden, die längst sturmreif geschossen haben, was wir Souveränität nennen. Intelligente Technik könnte allen dienen, ist aber nicht gewollt. Stattdessen Ausbeutung der Mehrheit um jeden Preis einhergehend mit Vernetzung, Geheimhaltung und Gleichschaltung. So sieht es aus! Ach, Herr Meier, schön, dass Sie uns Mut machen. Wir von der Verteilung der Intelligenz Ausgeschlossenen dürfen uns demnach freuen. Wenn ich demnächst die Armen der Stadt, die mit Sicherheit selbst Schuld an ihrem Schicksal sind, die Abfallkörbe durchwühlen sehe, brauche ich mich nicht mehr zu fragen, warum alles so gekommen ist.

  • #22
    Hans Meier

    Zu den Ansichten von Robert Malthus oder dem Club of Rom, dem IPCC und wie sie sich so im Trend einer gleichen Engstirnigkeit verrennen, sie verbreiten eben keine Vernunft, sondern orakeln und ihre Gläubigen erkennen den Unfug nicht, lassen sich ängstigen, irre führen.

    Ich halte es für kindlich albern, dass das politische „Gefühlsverhalten“, in Wahlverwandtschaft zu sozialistischen Ansichten die Menschheit durch Verordnungen bedrohlich zu beglücken und zur Gleichheit einer uniformierten Masse, im Auge und Ansinnen von sich als zum Häuptling berufenen, den Comandante zu spielen. Parteifunktionärskarriere ist Schleimertum, nur Anpassung ist gefordert und rhetorisch medial Phantom-Gegner aufbauen, die angeblich usw…

    Jede politische Meinung sollte die der Bevölkerung widerspiegeln und nicht die einer abgehobenen sich als politisch elitäre Kaste aufspielender Darsteller.
    Wie stark dabei eine freie, aufgeklärte Vernunft, als liberale Eigenschaft gefürchtet ist, zeigt das ergriffen ausgestoßene Schlimmwort „neo-liberal“, womit ein Glaubensbekenntnis abgelegt wird.
    Man kann zwar nicht mehr zur „Hexenverbrennung“ übergehen, oder den noch viel schlimmeren Verbrennungen, die politische „Menschen-Verächter“ im Namen ihres politischen Vereines diensteifrig
    gegen ihre erfolgreicheren Mitbürger aufführen, aber drangsalieren und bewirtschaften der Bevölkerung ist linke und rechte Tradition.
    Weder sozial-demokratisch, konservativ-demokratisch noch liberal-demokratisch Gesonnene halten die Menschheit oder Teile der Menschheit für eine Gefahr und betrachten Menschen als „Schädlinge“, das gelingt nur solchen, die sich ihr Problemleiden zwar nicht selbst mit Hilfe von 3 Meter tüchtigem Tau vom Hals schaffen, aber „ständig Anderen was an die Backe nähen“.
    Freiheit und Vernunft sind kostbare menschliche Optionen, weiter dazu:

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/das_geschaeft_der_untergangspropheten/

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