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Bundesliga-Hinrunden-Fazit: Traditionsvereine in Schwierigkeiten – ‚Plastikclubs‘ auf dem Vormarsch

DFB-Pokal und Meisterschale. Foto: Robin Patzwaldt

DFB-Pokal und Meisterschale. Foto: Robin Patzwaldt

Am heutigen Sonntag geht die Vorrunde der Saison 2014/15 in der Fußball-Bundesliga nun auch schon wieder zu Ende. ‚Endlich‘ mag man rund um Dortmund vielleicht sagen. Die Erwartungen an die Liga waren insgesamt gigantisch im Sommer, als der Spielbetrieb, nach dem WM-Triumph des DFB in Brasilien, auch hierzulande endlich wieder Fahrt aufnahm. Einige Medien schürten teils ziemlich extreme Erwartungen unter dem Titel `Die Liga der Weltmeister‘.
Nun geht das Fußballjahr 2014 dem Ende entgegen, Zeit mal einen kritischen Blick auf die Geschehnisse der letzten vier Monate im Oberhaus des deutschen Fußballs zu richten.
Klar dürfte sein, dass die Dominanz des Titelverteidigers, des FC Bayern München, ein erdrückendes Maß angenommen hat. 11 Punkte Vorsprung verzeichnen die Münchener aktuell auf ihren ärgsten Verfolger, den VfL Wolfsburg. Auch dieser hat seinerseits bereits sechs Punkte mehr als Bayer Leverkusen auf Rang 3. Das ist, ganz neutral betrachtet, keine schöne Entwicklung.

 
Die Münchener spielen, trotz der ihnen vor Saisonbeginn noch prophezeiten WM-Nachwirkungen, eine sportlich phantastische Runde bisher. Selbst eher schwache Spiele, wie das 2:1 am Freitag in Mainz, gewinnen sie am Ende noch knapp, oder holen zumindest, wenn sie wirklich mal nicht das bessere Team auf dem Platz stellen, ein Unentschieden, wie beim 0:0 in Mönchengladbach vor ein paar Wochen.
Gepaart mit den Erfolgen in Pokal und Champions League setzen die Bayern aktuell neue Maßstäbe in Sachen erfolgsorientierter Fußball. Das muss man anerkennen. Ob dieses Auftreten für die Entwicklung der gesamten Liga aber auf Dauer so gut ist, das darf dann doch zumindest bezweifelt werden. Auch hier im Blog haben wir darüber zuletzt schon häufiger diskutiert.

 
Auffällig beim Blick auf die Liga aber auch, nach dem Wegfall von Borussia Dortmund aus der Spitzengruppe der Liga, rangieren die ‚Werksclubs‘ aus Wolfsburg und Leverkusen hinter den Münchenern. Auch Hoffenheim ist ordentlich dabei in dieser Saison. Augenfällig in diesem Zusammenhang auch, dass all diese Plastik-Clubs, welche aktuell Ambitionen auf das internationale Geschäft anmelden, trotz ihrer guten Bundesligarunde ihre Stadien häufig nicht wirklich voll kriegen, wie zuletzt regelmäßig zu sehen war.

 
Auch wenn sich die Liga insgesamt bisher noch sehr ordentlich vermarktet, hier kann man schon erkennen welche Entwicklung hier in den nächsten Jahren droht. Während die großen Traditionsclubs aus Hamburg, Bremen, Dortmund, Köln, Berlin usw., auch der VfB Stuttgart noch mit Abstrichen, welche ihr Stadion doch regelmäßig füllen, zumindest einen deutlich höheren Zuspruch bei den Fans haben als Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim usw., aktuell ziemlich weit unten in der Tabelle stehen, versammeln sich mehr und mehr Clubs an der Tabellenspitze, welche längst nicht über diese Faszination bei der Masse der Fußballfans verfügen, wie die ‚großen Traditionsteams‘ im Lande.

 
Da aber der Einfluss der Zuschauereinnahmen auf die jeweiligen Budgets der Teams immer geringer wird, Sponsoren und Mäzene mehr und mehr Einfluss gewinnen, entsteht hier inzwischen offenbar so langsam ein Zustand, an den man sich wohl wird gewöhnen müssen.
Viele Traditionsclubs bekommen Schwierigkeiten (Dortmund sei hier aufgrund seiner vergleichsweise erneut hohen Wirtschaftskraft aktuell ausdrücklich einmal ausgenommen), können vielfach dem Geld der Wirtschaft, welches in andere Clubs investiert wird, nicht entsprechendes entgegensetzen, trotz der Liebe ihrer Fans. Das sollte alle Fußballfreunde, auch die in München übrigens, durchaus nachdenklich stimmen.

 
Verstärkt wird diese Sorge aktuell noch durch die Erkenntnis, dass in Liga 2 mit Ingolstadt und Leipzig ebenfalls zwei Clubs aufzusteigen ‚drohen‘, welche mit Audi und Red Bull im Hintergrund ebenfalls in die Kategorie fallen. Das Kaiserlauterns Clubchef Stefan Kuntz sich da über die mangelnden Chancen seines Clubs beklagt ist aus seiner Sicht nachvollziehbar. Seine zuletzt wiederholt vorgetragene Bitte die Zuschauermagneten, die Traditionsvereine, im Fußball mit relativ schwacher Wirtschaftskraft, wie eben seinen ‚Roten Teufel‘, dabei irgendwie solidarisch zu unterstützen ist jedoch auch umstritten und wäre wohl auch nur schwer zu konkretisieren.

 
Wenn man die Spitzenposition im Deutschen Ligafußball nun aktuell für die nächsten Jahre auch wohl schon an den Ligaprimus aus München vergeben zu haben glaubt, sich daher aktuell vielerorts über die Enge der Liga zwischen den anderen Teams freuen zu können glaubt (zwischen Dortmund und Leverkusen liegen aktuell ja ‚nur‘ 13 Punkte), so hat für jedermann sichtbar längst eine Entwicklung eingesetzt, welche der Liga auf Dauer nicht guttun wird.
Wenn ‚Plastikclubs‘ wie Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim, zukünftig auch Ingolstadt und Leipzig, jeder Verein natürlich etwas anders zu erklären und zu gewichten, sich zunehmend in Liga Eins ausbreiten, dann wird das nicht nur mehr und mehr Traditionsclubs wie Kaiserslautern & Co. aus der Eliteliga verdrängen, dann wird das der Fußballbegeisterung in diesem Lande insgesamt auf Dauer sicherlich auch nicht guttun.

Das wird man als Fan dieser künstlich gepuschten Teams natürlich nicht gerne hören, doch der Attraktivität der Liga tut das ebenso wenig gut wie die sportlich und wirtschaftlich erdrückende Dominanz des FC Bayern. Keine allzu schönen Erkenntnisse aus der gerade ablaufenden Bundesliga-Hinrunde 2014/15…

 

Passend zum Thema:
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12 Kommentare zu “Bundesliga-Hinrunden-Fazit: Traditionsvereine in Schwierigkeiten – ‚Plastikclubs‘ auf dem Vormarsch

  • #1
    ichoderdu

    Dieses alberne „Traditionsclub“ vs sogenannte „Plastik Clubs“ Sache ist schon sehr albern. Wie definiert sich den ein „Traditionsclub“? Kann RB Leipzig auch irgendwann ein „Traditionsclub“ sein wenn die Fans nur genug randalieren und sich daneben benehmen? Oder gibt es irgendeine Jahresgrenze wie lange man irgendwas gemacht haben muß damit man ein Traditionsclub ist? Um Kohle geht es doch heute bei allen Vereinen und um sonst nix(z.b. HSV will sich an Kühne verkaufen aber der will gar nicht mehr oder man wechselt einfach mal nach 75 Jahren den Bier Sponsor damit man mehr Kohle hat). Traditionsclub ist nur eine Ausrede wenn man Scheiße spielt sich aber trotzdem noch irgendwie besser fühlen will also die sogenannten „Plastikclubs“. Weiß nicht ob hier schonmal irgendwer was von Kapitalismus gehört hat. Oder ist Fußball was anderes und die“Traditionsclubs“ bewegen sich in irgendeiner Blase einer ehrlichen deutschen Arbeit und die anderen sind dann das böse raffende Kapital?

  • #2
    Thorsten Stumm

    Was die scheinbaren Traditionsclubs ja in die aussichtslose Lage gebracht hat ist die teilweise jahrzehntelange Wahl von Vollposten in die Clubführung….Ein Depp von uns war immer wichtiger als wirtschaftlicher Sachverstand…selber schuld….auch in Dortmund vernebelt der „Echte Liebe „-Quatsch notwendige Einschnitte im Kader und neue Erfolgsreize zu setzen….hoffentlich wacht der BVB vor der zweiten Liga aus dem Kuscheltraum auf…..Bundesliga ist knallharter Business, wer das anders sieht sollte es sein sein lassen, das kann man bedauern, aber dann niemand geht mit einem Messer zu einer Schiesserei und jammert dann rum….

  • #3
    Klaus Lohmann

    @Thorsten Stumm: Wir beide waren mit unseren Meinungen wohl noch nie so eng zusammen;-)

    @#1 ichoderdu: Grade der BvB geriert sich ja gern als *der* Arbeiter-/Malocher-Club der einfachen und „ehrlichen“ Menschen, war aber vor ca. 60 Jahren im Vergleich zu den anderen Revierclubs als versnobter Haufen von hochnäsigen Bessergebildeten verschrien. So „stabil“ sind also unsere Fußball-Traditionalisten;-)

  • #4
  • #5
    leoluca

    Mal kurz aus Schalker Sicht:

    Was Robin Patzwaldt da beschreibt, liegt ja durchaus in der Logik des Kommerzfußballs, dessen Gesetze sich auch die traditionellen Revierclubs schon lange beugen müssen.

    Red Bull ist allerdings ein dramatisches Indiz dafür, wie sehr die Investoren in den nächsten Jahren mit großer Macht in die Clubs drängen werden. Diese Riesenmacht ist neu für die Liga und so steht – zum Beispiel für Schalke – die brisante Frage, ob man auf Dauer das e.V.-Modell wirklich halten kann, wenn man einigermaßen konkurrenzfähig bleiben will.

    Für noch brisanter halte ich allerdings die Entwicklung der Reichtumsschere in der CL. Dazu habe ich einen Lesetipp aus königsblauer Sicht, den man problemlos verallgemeinern kann:

    http://koenigsblog.net/2014/12/16/zwei-ligen-champions-league/

  • #6
    keineEigenverantwortung

    Wenn die Wirtschaft ihren unattraktiven Standort pusht, ist das Ok.
    Finanziellens Fair play kann zu einfach umgangen werden, wer nicht CL spielt, hat deutlich weniger Chancen, so dass es eine kleine Gruppe der Superreichen gibt, die nur schwer zu knacken ist.
    Ärgerlich ist, wenn die öffentliche Hand die letzten Steuergelder im Fußball vernichtet. Sponsoring über städtische Unternehmen, Bewertungen von Grundstücken, Infrastrukturmassnahmen…. usw.
    es ist aber Wirtschaftsförderung.
    Interessant sind natürlich auch die Summen, die bspw. Die Chefs der doch eher kLeinen Unternehmen kassieren im Vergleich zu anderen Unrernehmen.
    Es ist ein hartes Geschäft, bei dem man auch auf Emotionen setzen darf, um sich zu differenzieren.

  • #7
    teekay

    Naja, jeder spricht, gerade zum Jahresende, immer gerne von ‚Trends‘ und will Entwicklungen voraus sagen, aber das ist natuerlich immer schwierig. Im Ruhrgebiet kann man mal beim MSV anfragen, wie das denn so ist, wenn man sich in die Spitzenränge des Fussballs einkaufen möchte…in 1, 3, 4 Jahren steht Hamburg mal wieder oben und Hoffenheim im untereren Mittefeld und die Fussballwelt ist wieder in Ordnung. Und natuerlich gehört Fussballfanschaft wie der Kleingarten zu einer konservativ-spiessigen Grundhaltung in der man immer von ‚Traditionen‘ träumt die es ja so nie gab, aber halt Rueckhalt geben in einer globalisierten Welt voller Komplexität….

  • #8
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Also, ich beobachte ja schon seit Jahren auch den US-Sport ziemlich intensiv, besonders auch die Eishockeyliga NHL. Dort hat man natürlich nochmal eine ganz andere Vorstellung von Vereinen/Franchises. Dort wechseln die Teams, wenn ihr Eigentümer das wünscht, gerne auch schon mal die Stadt, ändern den Teamnamen usw.. Trotzdem gibt es auch dort sogenannte Traditionsteams. Auch dort erfreuen sich diese in der Regel einer deutlich höherer Beliebtheit bei den Fans, weisen höhere Einschaltquoten im TV auf, verkaufen mehr Fanartikel, füllen die Stadien leichter usw.. Mit verträumter Romantik hat das Alles also nicht wirklich zu tun. Traditionsmannschaften halten eine Liga attraktiv und in der Öffentlichkeit präsent. Natürlich unterliegt auch dieser Aspekt Veränderungen. So hat Bayer Leverkusen im Laufe der Jahre ja z.B. in der Buli schon eine ganz andere Wahrnehmung bekommen als sie diese vor gut 20 Jahren hatten, als ich meine ersten Besuche im damaligen ‚Ulrich-Haberland-Stadion‘ absolviert habe. Inzwischen gibt es in der BayArena sogar eine kleine Fankurve. Aber diese Entwicklungen dauern halt.
    Und ob in Ingolstadt, sollten die dieses Jahr wirklich schon aufsteigen, bald deutlich mehr los ist als aktuell?
    Man darf zumindest skeptisch sein, wenn diverse Vereine dieser Art die 1. Liga bevölkern. Auf Dauer ist das sicher nicht gut für die Liga…

  • #9
    PK

    Das Gejammere über sogenannte Plastikklubs kann ich nicht ganz nachvollziehen. Dazu braucht man wohl die rosa Brille des Fußballromantikers. Die Zeiten, in denen auf Schalke oder beim BVB nur Jungs kickten, die im Schatten des Vereinsheims aufgewachsen sind, sind schon lange vorbei. Und entsprechend die Zeiten, in denen die Finanzmittel des Klubs zum überwiegenden Teil aus den Zuschauereinnahmen stammten.

    Der qualitative Unterschied zwischen einer nahezu vollständigen Finanzierung des Klubs durch ein Chemie- oder Automobilwerk oder einen Brausehersteller und einem Verein, wie dem BVB, der börsennotiert ist und an dem Evonik, Puma und Signal-Iduna große Anteile gekauft haben, erschließt sich mir nicht.

    Natürlich wäre es auch auf Schalke schöner, nicht die Böklunder-Fanbox in der Pause ertragen zu müssen! Aber ohne Geld von Sponsoren spielten wir nicht im oberen Tabellendrittel…

    Auch als Anhänger und Mitglied eines der Traditionsvereine, der zudem weiterhin ein e.V. bleibt, halte ich die Aufregung über Vereine wie Wolfsburg, Hoffenheim oder RB Leipzig für bigott. Natürlich locken die nicht soviele Menschen in die Stadien, wie Schalke oder der BVB – zumindest im Moment. Aber daran ist auch zum Teil das von außen reingetragene Gerede vom Plastik-Klub schuld. Das törnt nämlich ziemlich ab – auch vom Besuch eines Heimspiels eines „Traditionsvereins“ gegen so einen Gegner!

  • #10
    Thomas Weigle

    Freuen wir uns auf einen neuen Zuschauerrekord 2015/16 in der 2. Liga durch einen Traditionsclub aus dem Pott, bei einem anderen Traditionsclub hofft man sicherlich schon auf ein ausverkauftes Stadion an der Castroper Straße wenn der Nachbar kommt.

  • #11
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Ganz spannender Ansatz, wie ich finde:

    http://www.focus.de/sport/fussball/bundesliga1/zoff-um-plastik-clubs-die-liga-brockt-sich-leipzig-und-wolfsburg-selbst-ein_id_4368137.html

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