Journalisten bloggen das Revier

  1. 13 März 2010

    Breaking News: Some Bullshit Happening Somewhere

    Source: The Onion

  2. 13 März 2010

    Parteichef oder Außenminister - Ein Rücktritt ist muss.

    westerwelle_public_domainParteichef, Vizekanzler, Außenminister, Bundestagsabgeordneter: Von einem dieser Jobs wird sich Westerwelle trennen müssen, wenn er nicht scheitern will. Und er muss sehr schnell lernen, sein Partei- und Privatleben vom Amt zu trennen.

    Der Außenminister ist normalerweise einer der beliebtesten Politiker Deutschlands. Die Gründe dafür liegen in seiner geringen innenpolitischen Bedeutung: Außenminister sagen schwerstichtig klingende Sätze in Mikrofone, äußern sich mit Bedacht zu Konflikten, die die meisten Bürger nicht direkt betreffen und tun vor allem nichts, was die eigener Bevölkerung gegen sie aufbringt: Sie erhöhen keine Steuern, sie kürzen keine Sozialausgaben und sie wollen keine Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Autobahnen.

    Selbst der blasse Kinkel war beliebt. Von Stars wie Fischer, Brandt und Genscher ganz zu schweigen. Außenminister stehen immer ein wenig über den Parteien - zumindest seit den Ostverträgen.

    Mit dem Job des Parteivorsitzenden verträgt sich das nicht: Der muss polarisieren, die Konturen seiner Partei scharf herausstellen und sich als Generalist zu allen denkbaren Themen äussern. Eine allzu große Nähe zur Partei passt nicht zur staatstragenden Aura des Aussenministers. Man kann nur einen der beiden Jobs richtig machen: Kinkel war eine Null als Parteivorsitzender, Fischer interessierte sich für seine Partei überhaupt nicht und Steinmeier war der wohl windelweichste Kanzlerkandidat aller Zeiten.

    mehr...

  3. 13 März 2010

    Eine Story aus New York: Williamsburg - Teil 6: Sehen und Gesehen werden

    williamsburg-6Der Manhattaner Kunstszene, zumindest aber einigen der dortigen Galeristen, war Williamsburg als Künstlerstandort sehr früh bekannt. Mein Freund S. hatte es z-B. in der Zwischenzeit an die Broadway-Galerie O.K Harris geschafft. Aber die Verantwortlichen dort kamen nie zu ihm sondern er besuchte seinen Galeristen in Manhattan. Nur dann, wenn es wirklich etwas Neues in seinem Loft anzuschauen gab, kamen Leute aus Manhattan zu ihm.

    Einen regeren personellen und informationellen Austausch gab es zwischen Manhattan und Williamsburg erst, als es dort auch Galerien gab, die sich einen wenn auch kleinen Rang und Namen am Kunstmarkt erobert hatten. Das gelang ihnen, in dem sie mutiger und innovativer in ihrer Künstler- respektive Kunstauswahl waren und sich eigene Vertriebswege aufbauten. So wurde in Williamsburg z.B. die kleinste Galerie der Welt erfunden. Nicht viel größer als eine Telefonzelle und dadurch hochmobil. Das Künstlerpotential selbst war dagegen vor der Haustür und es nahm von Jahr zu Jahr zu.

    Bis die etablierten Kunstzeitschriften allerdings einen Artikel über W-Burg schrieben bzw. schreiben ließen vergingen fast 10 Jahre. Auf ein Titelblatt schaffte es „Young and Wild W-Burg“ erst Anfang des neuen Jahrtausends. Danach erst begann der Stadtteil wirklich zu brummen. Vorher hatte jedoch schon die New Yorker - und vor allem die Manhattaner-Clubszene den Stadtteil entdeckt, und das ungefähr zeitgleich mit der Gastroszene, die sich nicht nur hier einander überlappen.

    Auch hier waren es vor allem die jungen und risikofreudige Leute die die Angst vorm imagemäßig immer noch als unsicher geltenden W-Burg auf der anderen Seite des Ost-Flusses verloren. An den Wochenenden schaute man dann doch mal rüber und später auch unter der Woche und musste entdecken, dass die Gegend um die Beford ziemlich cool war. Die Gesetze von Sehen und Gesehen werden brachen sich Bahn und je mehr Leute als Besucher nach W-Burg gingen desto mehr kamen neue Besucher hinzu. Die Eigendynamik des Szeneseeking eben.

    W-Burg wurde Kult und nun hatten auch weitere Boutiquen und Restaurants ihre Überlebenschance. Natürlich mussten sie selber noch hipper sein als die die schon da waren. Ein richtiggehender innenarchitektonischer Wettbewerb begann parallel mit der zunehmenden Mode- und Outfitkonkurrenz der Besucher und der kreativen Community im Outdoorbereich. Die Gebäude und der städtebauliche Gesamteindruck waren dagegen, im Verhältnis zu Manhattan, nach wie vor bescheiden.

    mehr...

  4. 12 März 2010

    Williamsburg, New York, Teil 5: Nachbarschaftsgärten und Hausbesetzer

    williamsburg-5Schießereien, im Williamsburg sowie schon weniger als zum Beispiel in Bed Stuy, in der South Bronx oder in Central Brooklyn,  wurden nach dem Zuzug der mutigen jungen und meistens engagierten Leute im Williamsburg zur absoluten Seltenheit.

    Es gab weiterhin die No-No-Go Arreas, aber die Stadtteilbereiche außerhalb dieser besonderen Risikozonen wurden immer sicherer. Die Hot-Zones wurden sozusagen eingehegt und ansonsten systematisch weiter gemieden. Die leeren Häuser wurden mit Hilfe der Stadt, die mittlerweile für all diese Viertels Hilfsprogramm aufgelegt hatte, entweder ganz abgerissen oder renoviert und neu bewohnt.

    mehr...

  5. 11 März 2010

    Williamsburg-Story Teil 4: Von Szene-Pionieren zu Szene-Buildern

    williamsburg-4An der Bedford gab es mit der Ausnahme von zwei kleinen öden Bierkaschemmen keine Kneipe weit und breit. Vom christlich-polnischen Greepoint bis zum Jüdisch Orthodoxen Viertel südlich der Williamsburg Bridge gab es außer Peter Lugers nur eine einzige ernst zu nehmende Bar: das Teddys.

    Aber nicht an der Bedford Avenue sondern an der in gleicher Richtung laufenden Berry Street. An der Bedford gab einen polnischen Metzger und einen italienischen Bäcker nahe der North 7th. Nicht weit davon eine noch heute von einheimischen Latinos betrieben Pizzeria und insgesamt zwei sogenannte Stehchinesen bei denen man auf ein paar abgewetzten Stühlen vor uralten resopalbeschichteten Tischen auch sitzen konnte.

    Das eigentliche „Einkaufszentrum“ von Williamsburg lag damals entlang des Broadways unterhalb der darüber aufgeständerten und schon erwähnte JMZ –Linie, genau auf der Grenze zwischen dem jüdischen und lateinamerikanischen Williamsburg. Eine kulturelle Demarkationslinie die drastischer nicht ausfallen konnte, denn es gibt nichts Widersprüchlicheres als der Unterschied zwischen dem Outfit einer lebenslustigen Latina und einer strenggläubigen Jüdin. Die immer schwarz und mit Käppi und/oder Hut gekleideten jüdischen Männer mit ihre langen gekräuselten Schläfenlocken vielen ebenfalls schon auf 100 Meter Entfernung zwischen den meistens wesentlich kleineren in der Regel mit Baseballkappen behüteten männlichen Latinos auf. Die damals wie ein Fort bewachte und gesicherte örtliche Poststelle lag und liegt heute noch, wenn auch nicht weit vom Broadway entfernt, auf Latinogebiet.

    Ansonsten fast an jeder Straßenecke die üblichen kleinen voll gepackten überteuerten und durch jede Menge Stahl gesicherten „Marcetas/Markets“ für die Nahversorgung. Sie wurden in der Regel von Latinos betrieben, die zwischen dem polnischen und dem jüdisch-orthodoxen Williamsburg entlang der Bedford Ave die Hauptbewohner waren. Dazwischen haben sich in den letzten 2 Jahrzehnten kontinuierlich die mehrheitlich weißen Neubewohner geschoben und dabei vor allem die Polen und die Latinos verdrängt, bzw. deren angestammten Wohngebiete dezimiert.

    mehr...

  6. 10 März 2010

    Die Williamsburg-Story Teil 3: Im Visier der Spekulanten

    williamsburg3Die  metropolitane Immobilienwirtschaft, New York nennt sich nicht umsonst  „ The World Capital of Real Estate“ , hatte zu dieser Zeit schon länger eine Blick in die „Outer Boroughs“ geworfen. Die Entdeckung der Urban-Waterfront war seit dem spektakulären städtebaulichen Projekt Battery-Park-City in vollem Gange, aber noch sehr stark auf die Wasserlinie um Manhattan fokussiert.

    Die weitsichtigeren unter New Yorks Immobilienspekulanten, die örtlichen Banken eingeschlossen, hatten Williamsburg jedoch schon im Visier. Ebenso den  heute so genannte DUMBO-Bezirk unterhalb der Manhattan-Bridge, der zu diesem Zeitpunkt ebenfalls hafenzugehöriges Gewerbegebiet mit riesigen Lagerhäusern war.

    mehr...

  7. 9 März 2010

    Williamsburg II: Gute Aussichten

    williamsburg2

    Den Hauptgrund für die kommende Aufwertung von Williamsburg bekam ich im wahrsten Sinne zu sehen, nachdem ich von S. an der mehrfach verriegelten großen Stahltür des 6-stöckigen Fabrikgebäudes abgeholt, mit einem uralten klapperigen Lastenaufzug in das oberste Geschoss geholpert war und dort durch eine weitere mit drei Schlössern und einem inneren Querbalken verschlossen Eisentür in ein riesiges, rundum verglastes Loft geführt wurde: Den unverstellten Blick auf Manhattan und die Williamsburg Bridge.

    Genauer gesagt auf drei Brücken, denn hinter der stadtteilbezogenen Wasserüberführung reihten sich in südlicher Blickrichtung weiter die Manhattan- und die Brooklyn Bridge auf. Noch überwältigender war jedoch der Besuch des direkt über dem Loft liegenden riesigen flachen Dachs mit dem typischen aufgeständerten Wasserbehälter. S. hatte sich die oberste Fabriketage mit einer Künstlerkollegin geteilt, wobei sie den kleineren Teil, dafür aber die eigentliche Wassersichtfront mit westlichem direktem Blick auf Manhattan bekommen hatte. Dafür verfügte S. über sage und schreibe 600 m² mit den drei anderen Blickseiten von denen zwei, die südliche und die nördliche, wenn auch seitlich, ebenfalls die Skyline im Visier hatten. Nach Westen konnte man weit über Brooklyn selbst schauen.

    Auf dem Dach gab es die Totale und das übertraf alles was ich auf den Rooftops in Manhattan mit Ausnahme vom damals noch existierenden World Trade Center und vom jetzt immer noch existierenden Empire State Building gesehen hatte. Die Skyline war von außen gesehen nämlich mindesten so beeindruckend wie von innen. Von hier aus war sie in der ganzen Länge zu betrachten. Von Downtown bis Midtown. Selbst die Queensborough Bridge, die, wie der Name schon sagt, den gleichnamigen Borough mit Manhattan verbindet und ebenso mächtig und filigran wie die Williamsburg Bridge ist, war von hier aus im ständigen Blickfeld.

    Dieses Panorama war und ist der Grund für das, was die folgenden 25 Jahre mit ganz Williamsburg geschehen sollte: die systematische soziale und bauliche Aufwertung die meistens auch mit einer Veränderung und Verjüngung der sozialen Struktur der Bewohner einhergeht, die von Fachleuten so genannte Gentrification. Diesen Wahnsinnsblick hatte man nämlich auch dann, wenn man hier nicht so hoch wohnte, und zwar direkt am Wasser. Ebenso unverstellt, noch näher an Manhattan und für alle. Die Williamsburg-Waterfront war aber zu diesem Zeitpunkt nur an wenigen Stellen zugänglich, denn die Blocks entlang des East River waren immer noch gewerblich-industriell genutzt, wenn auch bei weitem nicht mehr so intensiv wie noch in den 60ger und 70ger Jahren. Die Deindustrialisierung New Yorks war zu diesem Zeitpunkt jedoch schon fast abgeschlossen und die gewerblichen Leerstände in Williamsburg entsprechend groß und vielzählig.

    mehr...

  8. 8 März 2010

    From “No Go” to “Must Be” in New York City – Die Williamsburg-Story Teil 1

    williamsburg_bridgeIch erinnere mich noch sehr genau, wie ich zum ersten Mal nach Williamsburg kam. Es war im Sommer 85 an einem dieser feucht-heißen „Nothing is hotter than July“ Tagen. Die damals ziemlich runter gekommenen Waggons der JMZ-Linie, auf der NYC-Subway-Map auch heute noch braun eingezeichnet, hielten kreischend an der ersten Station in Brooklyn. Sie waren, vollgepackt mit mehrheitlich farbigen, eher ärmlich gekleideten Passagieren, durch das Stahlgestrüpp der Williamsburg-Bridge über den East River gekrochen um danach auf einer aufgeständerten Schienenkonstruktion in einem knappen Bogen über dem Broadway zu landen. Ja, Brooklyn hatte zu meinem Erstaunen auch einen Broadway und der führt tief ins Innere dieses Mehr-Millionen-Boroughs, der vor der Eingemeindung nach New York City die viertgrößte Stadt der USA war.

    Über diesem „Broadway für Arme“ scheppert und knirscht bis heute mit ohrenbetäubendem Lärm über viele Kilometer eine der längsten U-Bahnlinien der Stadt hinaus nach Jamaika Center. Fährt man sie in die andere Richtung dann geht es mit ihr über Downtown Manhattan wieder nach Brooklyn bis fast an den Atlantik.

    mehr...

  9. 28 Februar 2010

    Krieg interessiert nicht, Hauptsache Hauptschulabschluss

    “Als Soldatin oder Soldat in den Streitkräften erwarten Sie interessante und abwechslungsreiche Aufgaben mit hohen Anforderungen”, erklärt die Bundeswehr auf ihrem Karriereportal. Für Fragen stehen dort “die virtuellen Wehrdienstberater Hauptfeldwebel Stefanie Fischer und Christian Wagner bereit”.

    Mal sehen, wie diese “virtuellen Wehrdienstberater” programmiert sind, dachte ich mir, und gab als Frage “Herrscht in Afghanistan Krieg?” ein.

    bundeswehr-1

    Die Antwort auf diese Frage lautete:

    mehr...

  10. 28 Februar 2010

    AMI Leipzig: Renault Proprement

    ruhrbarone_seifenmobil_wasselowski

    Wir stellen einen dritten heißen Kandidaten für das Auto der Zukunft auf der Automobilmesse "Auto Mobil International" (AMI) in Leipzig vor, diesmal mit Seifenkisten-Feeling.

    Renault wird den Autoliebhaber in der Kompaktklasse mit dem preiswerten "Proprement" überraschen, bei dem Karosserie und Antriebsenergie aus ein und demselben Werkstoff bestehen: Aus Seife. Drei Motoren in Frühlingsduft, Rosmarinöl und Kamille stehen zur Auswahl. Eine Variante mit ätherischen Ölen wartet noch auf die Straßenzulassung.

    mehr...

  11. 28 Februar 2010

    Rot-Grün: “Ich hatte da mal ein Lager…”

    gruener_baerDie SPD setzt in NRW auf Rot-Grün. Die Begeisterung der Grünen über die Wiederbelegung des alten Projekts wirkt etwas pflichtschuldig, denn sie wissen: Es gibt keine Lager mehr.

    In den 90er Jahren war die Welt noch scheinbar einfach: Die Grünen hatten, zumindest oberhalb der kommunalen Ebene, nur einen denkbaren Koalitionspartner: Die SPD. Man schwärmte vom Rot-Grünen-Projekt. Die Sozialdemokraten sahen dass etwas pragmatischer: Wenn es passte, koalierte man mit den Grünen, ging auch aber Verträge mit der Union und der FDP ein und kooperierte auch schon mal mit der PDS. Die SPD war in einem strategischen Paradies: Sie konnte mit allen. Von einem Rot-Grünen-Projekt war da nicht die Rede und Schröder hätte 1998 lieber mit der CDU als mit den Grünen regiert.

    Heute ist das anders: Auf ihrem Parteitag in Dortmund beschworen sowohl Hannelore Kraft als auch SPD-Chef Sigmar Gabriel Rot-Grün. Das soll zum einen Aufbruchstimmung erzeugen, aber auch Diskussionen über die Zusammenarbeit mit der Linkspartei oder der Union verhindern. Beide Optionen wurden ja nicht ausgeschlossen, würden den Wahlkampf allerdings stören.

    mehr...

  12. 28 Februar 2010

    Waldorfschule: Curriculum und Karma - das anthroposophische Erziehungsmodell Rudolf Steiners

    klaus_prangeDie anthroposophische Pädagogik ist eine Mogelpackung für Herrschaft. Sie beutet das vielfach anzutreffende Orientierungsbedürfnis aus, um die Herrschaft einer selbsterwählten Elite zu begründen. Von unserem Gastautor Klaus Prange.

    Es gibt eine amüsante Anekdote, die mit dem großen dänischen Physiker Niels Bohr verbunden ist. Bohr hatte in den Bergen eine Hütte, und über der Tür zu dieser Hütte war ein Hufeisen angebracht, ein altes magisches Zeichen zur Abwehr böser Geister. Als nun Bohr einmal von Fachkollegen und Schülern besucht und gefragt wurde, ob er etwa an solchem Spuk und Aberglauben festhalte, hat er geantwortet, nein, natürlich nicht, er glaube nicht daran, dass das Hufeisen wirklich das Unglück vertreibe; aber sein Nachbar habe ihm gesagt, es wirke auch dann, wenn man nicht daran glaube.

    Diese Anekdote beleuchtet zunächst einmal, wie es sich für Anekdoten gehört, die Eigenart des Mannes, diese spezifisch dänische Mischung aus Verstandesklarheit und Verschmitztheit. Sie beleuchtet aber auch noch etwas anderes, viel Allgemeineres: Bei aller Rationalität und wissenschaftlichen Skepsis gegen Aberglauben, angebliche Volksweisheit und alte Weistümer bleibt doch ein Rest, der sich nicht auflösen lässt, eine Ungewissheit und Unsicherheit, der man mit Vernunft und Wissenschaft nicht beikommen kann. Die große Hoffnung der modernen Wissenschaft, die metaphysischen Gewissheiten durch einsehbare, nachprüfbare und distinkte Bestimmungen zu ersetzen, hat sich nicht erfüllt; vielmehr hat sich gezeigt, dass die Wissenschaft das Problem der praktischen Orientierung im Leben nicht bewältigen kann. Sie belehrt uns darüber, was wir wissen, und je genauer sie das tut, desto genauer wird auch die Grenze erkennbar, die dieses Wissen mit sich führt. Hans Blumenberg hat in seinem 1986 erschienenen Buch über Lebenszeit und Weltzeit überzeugend ausgeführt, dass jene Hoffnung der neuzeitlichen Reflexion illusorisch war, eine produktive, ergiebige Illusion, gewiss, aber doch mit dem Ergebnis, dass die Fragen des Lebens sich nicht in Reflexion ohne Rest und Bruch auflösen lassen. (1)

    Und genau dies ist ein Ergebnis des organisierten Wissens, auf das man nun unterschiedlich reagieren kann, nicht nur ironisch-verschmitzt wie Bohr, sondern auch resolut, indem man die Wissenschaft und ihre Ergebnisse umdeutet. In jedem Falle ist es so, dass gerade eine selbstkritisch sich bescheidende Reflexion dem “Glauben Platz schafft”, so das ausdrückliche Programm Kants, der dieses Problem scharf und deutlich gesehen und ausgesprochen hat. Aber dieser Platz wird nicht nur von dem gefüllt, was nach Kant allein übrig blieb, jenem spezifischen Vernunftglauben, der das Verfahren der Vernunft auf die Bestimmung der moralischen Handlungsgründe anwendet und eine menschliche Welt erzeugt, sondern auf diesem Platz tummeln sich auch ganz andere Konzepte. Die Philosophen interessieren sich in der Regel nicht allzusehr dafür, was es alles an metaphysischen Überlebseln gibt, aber der Pädagoge, der es ja nicht nur mit Akademikern zu tun hat, kann daran nicht vorbeigehen.

    mehr...

  13. 25 Februar 2010

    Jetzt ist es raus. Nacktscanner-Petition gescheitert

    nacktscannerDie Online-Petition gegen die Nacktscanner ist gescheitert. Jetzt ist es klar. Nur 17109 Leute haben gegen die Durchleuchtung der Unterwäsche an Flughäfen und so weiter unterschrieben. Damit die Nummer im Petitionsausschuss hätte verhandelt werden müssen, hätten 50.000 Leute unterschreiben müssen. Die Würde des einzelnen war wohl im Netz nicht sexy genug. Schade.

    Jetzt wird die Petition zwar noch geprüft und vielleicht wird sie auch im Bundestag verhandelt, aber eben nur vielleicht. Jedem Politiker wurde klar, dass die Nacktscanner nicht DER Aufreger sind. Das ist die Realität. Ich finde es doof, wie ich hier erklärt habe. klack.

    mehr...

  14. 22 Februar 2010

    AMI Leipzig: BMW Tadaradaaadaa Tadaradaaadaa

    SUV: Im Galopp zum Streetbanging. Von Gastautor Manfred Ganswindt.

    Die Zukunft des Automobils: Im April öffnen sich die Leipziger Pforten für die Automobilmesse "Auto Mobil International" (AMI). Wir greifen vor und stellen einen heißen Boliden der Zukunft vor. (Damit man weiß unter wessen Räder man kommt.)

    BMW-Kunden bemängeln häufig, dass sich das auf der Autobahn einzigartige Überholprestige ihres Geländewagens im dichten Innenstadtverkehr, zwischen Horden von Fussgängern, verlieren würde.

    mehr...

  15. 13 Februar 2010

    Ruhrunis noch nicht auf doppelte Abiturjahrgänge vorbereitet

    Die Universitäten im Ruhrgebiet stehen vor dem größten Ansturm von Studienanfängern, den es je gegeben hat. Wenn in drei Jahren die doppelten Abiturjahrgänge in Nordrhein-Westfalen die Schulen verlassen, wird die Zahl der Studienanfänger im Vergleich zu 2005 um fast ein Drittel steigen und erstmals die 100.000-Grenze überschreiten. In den vergangenen Jahren sind schon zusätzliche Studienplätze geschaffen worden, doch das reicht bei weitem nicht aus. In diesen Tagen beginnt das NRW-Wissenschaftsministerium mit den Universitäten darüber zu verhandeln, wie viele zusätzliche Studienplätze möglich sind. Doch ob die Universitäten dem Ansturm gewachsen sind, ist fraglich. Schon jetzt hat zum Beispiel die Mensa der TU-Dortmund ihre Kapazität überschritten und die Hörsäle der Ruhr-Uni Bochum sind laut dem dortigen Asta gerade bei den Geisteswissenschaften dauernd überfüllt.

    "Ich war ja auch mal Ersti, aber was hier im Oktober los war, ist schon extrem gewesen. S-Bahn, Mensa, Cafes und die Hörsäle, alles überfüllt - total nervig", sagt Katja Weidlich, Studentin der Erziehungswissenschaften an der TU-Dortmund. 4.000 Abiturienten haben zum Wintersemester ein Studium an der TU begonnen, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit den 8.000 Studenten der FH Dortmund, sind nun 30.000 Menschen auf dem Dortmunder Campus unterwegs. Ähnlich sieht es in Duisburg und Essen aus, wo die Zahl der Studienanfänger um gut 8 Prozent auf 5.000 anstieg. Und auch in Bochum werden es jedes Jahr mehr. In den letzten fünf Jahren hat sich dort die Zahl der Studierenden um 1.600 auf mehr als 32.000 erhöht.

    mehr...

  16. 13 Februar 2010

    Manchmal tun sie es noch immer

    Um einige offene Streitfragen zu klären, sind Briten vor 65 Jahren in Richtung Deutschland geflogen. Seit dieser Zeit ist einiges geschehen, England hat den Streit für sich entschieden, wir sind demokratisch geworden und seit gestern senden ARD und ZDF endlich in HDTV (womit ich allerdings keine Prioritätenliste aufstellen möchte).

    Und dennoch, es passiert heute noch, daß Briten in Richtung Deutschland fliegen, wenn es gilt, Meinungsverschiedenheiten aus der Welt zu schaffen,

    mehr...

  17. 10 Februar 2010

    “Medienunternehmen verbreiten oft nur Propaganda”

    Der Amerikanische Recherche-Professor Peter Phillips leitete das Project Censored von 1996 bis vor wenigen Wochen. Im ausführlichen Interview mit den Ruhrbaronen am Rande eines Vortrags am Institut für Journalistik der Uni Dortmund spricht er über PR-Agenturen, moderne Zensur und spendenfinanzierten Journalismus. Weltweit, sagt Phillips, sei die Wahrheit zunehmend in Gefahr. Journalisten und ihre Geschichten würden immer häufiger beeinflusst.

    Ruhrbarone ?: Project Censored gibt es seit 34 Jahren. Ist die Mediendemokratie heute mehr gefährdet als bei dessen Gründung 1976?

    Peter Phillips !: 1976 dominierten 50 Unternehmen die US-Medien. Ben Bagdikian hatte das in seinem Buch The Media Monnopoly beschrieben und wir waren damals wirklich geschockt, dass nur 50 Unternehmen die Kontrolle über die Medien hatten. Heute sind es noch 10 Unternehmen. Obwohl es 700 Tageszeitungen in den USA gibt, kommt fast der gesamte Inhalt von AP, der New York Times oder der Washington Post. Beim Fernsehen das Gleiche: CNN, NBC, FOX – der Inhalt ist fast überall gleich. Reporter gehen zum Weißen Haus oder zu den Pentagon-Pressekonferenzen, aber es gibt kaum noch Korrespondenten weltweit. Die New York Times hat zwei Tage gebraucht, um jemanden nach Haiti zu schicken. Dafür sind wir super informiert, was Film- und Musikstars machen. Hinzu kommen Verschwörungs-Theorien um Al-Quaida: Wir müssen alle Angst haben, überall lauern böse Menschen in der Welt – wirklich ernste, negative Propaganda gegen Personen, die das Business nicht mag: Hugo Chavez, Ahmadinedschad, die Chinesen. Das sind sich ständig wiederholende Stereotype in den Medien.

    ?: Wie beurteilen Sie im Vergleich die Situation der Medien in Deutschland?

    !: Ich denke, das deutsche System ist vielfältiger. Zum Beispiel mit den subventionierten Fernsehstationen. Deutsche Reporter waren bei mir zu Hause, kamen extra bis nach Kalifornien, um mich zu interviewen. Ich war vermutlich öfter im deutschen Fernsehen, als im amerikanischen. Es gibt in Deutschland sicherlich stärkere, offenere und transparentere Medien. Aber es ist nicht perfekt. Es gibt die Initiative Nachrichtenaufklärung und Geschichten, die nicht veröffentlicht werden. Also ist es wichtig, dass es Universitäten und Medienmacher gibt, die sich für solche Geschichten stark machen. Und engagiertes, investigatives Schreiben fördern, damit transparent wird, was die mächtigen Leute tun.

    mehr...

  18. 10 Februar 2010

    Millionen Opfer - kein Bericht

    Über eine Millionen zivile Opfer hat der Irak-Krieg seit 2003 schon gefordert. Und über die Hälfte sind unmittelbar durch amerikanische Angriffe ums Leben gekommen. Das war die Top-Geschichte des Project Censored im Jahr 2009. Jedes Jahr veröffentlicht die Initiative 25 in den US-Medien nicht beachtete, brisante Recherchen. Reaktion der etablierten Medienkonzerne? Keine. Eine Geschichte über Lücken in der Berichterstattung – auch in Deutschland.

    Statt auf die Recherchen des Project Censored einzugehen und über die Millionen Toten im Irak zu berichten, veröffentlichte die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP) eine Gegengeschichte: Seit 2005 seien 87000 Tote Iraker zu betrauern, dies habe AP von einer geheimen Quelle aus der Irakischen Regierung erfahren.

    Gleich mehrfach brachte AP diese Geschichte im vergangenen Jahr. Die Wahrheit wurde dadurch verdeckt. Denn: Nach Untersuchungen seriöser amerikanischer Forschungsinstitute starben in Wahrheit allein im Jahr 2006 täglich 300 Iraker bei amerikanischen Truppeneinsätzen und Verhaftungen. Insgesamt sind mittlerweile mindestens 1,2 Millionen Iraker in Folge des amerikanischen Einmarsches gestorben.

    Warum diese kritischen Fakten von den etablierten US-Medien nicht erwähnt werden, lässt sich nur vermuten. Für Peter Phillips, Professor an der Sonoma State University in Kalifornien und bis vor kurzem Chef des Project Censored, sind die Gründe vielfältig. Der Großteil der amerikanischen Medien sei mittlerweile in wenigen großen Konzernen vereint, die mit Wirtschaft und Politik eng verbunden sind. Und während die Anzahl der Mitarbeiter von PR-Firmen in den letzten zehn Jahren immer weiter angestiegen sei, würden die Stellen für Reporter immer weiter heruntergefahren.

    mehr...

  19. 10 Februar 2010

    …und raus bist du! Kinderarmut im Revier.

    Kinder haben mehr verdient! Das ist die klare Meinung der Verfassungsrichter in Karlsruhe, die heute deutlich gemacht haben: Die Hartz-IV Sätze für Kinder sind verfassungswidrig und entsprechen nicht der Lebenswirklichkeit. Wie knapp das Geld bei vielen Familien ist und wie sehr die Kinderarmut auch im Ruhrgebiet verbreitet ist, konnte ich erfahren, als ich die Arbeit der Bochumer Kindertafel einen Tag begleitet habe. Hier meine Eindrücke:

    Die Frau weiß genau, wo die Tüte steht. Wenn sie ihre Tochter aus dem Kindergarten abholt, geht sie am Büro der Kita-Leiterin vorbei und nimmt sie unauffällig mit. Die Tüte ist gefüllt mit Lebensmitteln. Obst und Gemüse, zweiter Wahl. Sellerie, Kartoffeln, Bananen und Paprika. „Es gibt Kinder, die noch nie eine Paprika gesehen haben“ sagt Stefanie Rösen, die Leiterin der Kita. In dem Wattenscheider Kindergarten gibt es jeden Tag einen Korb mit frischem Obst und Gemüse.

    Für einige Kinder der einzige Ort, an dem sie vitaminreiches Essen bekommen. Gefüllt wird der Korb von den Eltern. Doch nicht alle haben das Geld für Obst und Gemüse. Da hilft die Bochumer Kindertafel. „Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung der Tafel, vielen Familien fehlt es am Existenziellen“, sagt Rösen. 48 Tüten mit Lebensmitteln hat die Tafel gebracht, verteilt auf das Gemeindehaus, ein Altenheim und den Kindergarten. Am Morgen hatte die Tafel die Lebensmittel angeliefert, nachdem sie sie in Supermärkten im Ruhrgebiet eingesammelt hatte.

    mehr...

  20. 8 Februar 2010

    Superbowl - das größte TV-Ding der Welt

    Wie jeder erwachsene Mann des fröhlichen Amerikas hab ich in den frühen Stunden der Nacht auf heute mal die Frau auf Seite gelegt. Denn ich schaute mir die Superbowl-Show an. American Football, das Finale. Das wichtigste Ereignis der freien Welt, once a year. Eins ist klar: Die Halbzeitshow von The Who, hier live im Stadium, war voll schwach. (Und ich hab zwei The Who-Konzis gesehen, in London und in Kopenhagen. What about Pete?) Ein Telefonprotokoll
    football_gefangenEine halbe Stunde davor.

    Ich: Hi Mattes. Alles klar?
    Mattes: Sicher.

    mehr...

  21. 5 Februar 2010

    Doppelt gute Fotos für Haiti

    restav_ruba

    Martin Steffen ist ein guter Fotograf. Ich habe erlebt, wie er mit Linse und Blitzlicht aus ostdeutschen Innenverteidigern Charakterköpfe machte. Martin hat das gelernt, war in Berlin bei Jim Rakete, in Paris. Kam wieder zurück nach Bochum, arbeitete für Werbung, für Prinz, Unicum, Playboy, Hattrick. Für Schauspieler, Musiker, Sportler. Seit ein paar Jahren ist Martin viel unterwegs. Er reist für Hilfsorganisationen wie Adveniat in Essen, macht Reportageaufnahmen in Lateinamerika, in Indien, Afrika. Fängt Bilder ein in Slums, Knästen, Armenhäusern, auf der Straße.

    Ein paarmal war er in Haiti, zuletzt im Dezember 2009. Haiti hat es ihm angetan, die härtesteten Erfahrungen, die schönsten Bilder, vor allem die Begegnung mit einem verstörenden Phänomen, den so genannten Restavecs - was sich vielleicht am besten wie ein Befehl liest: "Du bleibst hier!" Es soll in Haiti hundertausende Kinder geben, die aus dem Hinterland von armen Eltern in genauso arme aber städtische Familien weggegeben werden. Karibische Aschenputtelkinder rechtlos, perspektivlos, oft schikaniert, misshandelt, immer ausgebeutet, Sklaven, Kinder.

    mehr...

  22. 3 Februar 2010

    Auschwitz - oft verglichen, doch unvergleichbar

    Gut drei Jahre vor dem Fall der Berliner Mauer fand in der Bundesrepublik Deutschland eine heftige Debatte statt, die unter dem Namen „Historikerstreit“ Eingang (nicht nur) in die deutschen Geschichtsbücher finden sollte. Gestritten wurde über die Frage, ob es sich bei „Auschwitz“ – der Ortsname der Vernichtungsfabrik steht hier symbolisch für die millionenfache Ermordung europäischer Juden – um einen Völkermord handelt, der sich von den mannigfachen anderen Genoziden in der Menschheitsgeschichte im Grunde nicht nennenswert unterscheidet - "mit alleiniger Ausnahme des technischen Vorgangs der Vergasung" (Ernst Nolte). Oder ob der Holocaust bzw. die Schoah als ein historisch einzigartiges Verbrechen zu betrachten, „Auschwitz“ also mit nichts Anderem vergleichbar sei. Jürgen Habermas prägte das Wort von der „Singularität“ der Nazi-Verbrechen. Von unserem Gastautor Werner Jurga

    Diese Sicht der Dinge scheint sich im damaligen Historikerstreit durchgesetzt zu haben. Und so gilt bis heute ein Vergleich von „Auschwitz“ bzw. des Naziterrors insgesamt mit anderen historischen Ereignissen gemeinhin als ein Versuch, den Holocaust zu historisieren, zu relativieren und dadurch zu verharmlosen.

    Dagegen wird die stetige Warnung vor jedwedem Extremismus, egal ob von links oder rechts, selten beanstandet. „Unsere Historie hat bewiesen, dass Radikalismus von links oder rechts in den Abgrund führt“, heißt es jetzt bspw. in einem Kommentar hier bei den Ruhrbaronen, in dem der Verfasser („Junge Union Dortmund“) vor „linken Bedrohung“ warnt, die sich seines Erachtens aus rot-rot-grünen Koalitionen ergeben könnte.

    mehr...

  23. 2 Februar 2010

    Groundhog

    Marmota monax, Bild WikipediaMir reicht's, ich will nicht mehr, ich will, wenn schon nicht den Klima- (das wäre unkorrekt), den sofortigen Wetterwandel. Erst Schnee, dann Eis, Schneematsch, und schließlich irgendeine undefinierbare vereiste Pampe. Alles was ich bei diesem Wetter machen kann ist durch die Gegend schliddern, mich hin und wieder gepflegt auf die Fresse legen (Lederschuhe mit Ledersohlen) oder mit Zwiebeln (altes Hausmittel) die Streusalzränder von meinen Schuhen entfernen (s.o.). Alles Gründe für mich, um heute mit großer Spannung einen Blick nach Amerika zu werfen.

    Genauer gesagt, geht dieser Blick in die Vereinigten Staaten, noch genauer, nach Punxsutawney, Pennsylvania. Zu dieser Jahreszeit, um 7.26 Uhr Ortszeit, geht in diesem Örtchen die Sonne auf und gegen 7.30 Uhr verlässt Phil für gewöhnlich seine Wohnung, meistens jedenfalls. Vielleicht ist er ein wenig schüchtern oder einfach davon genervt, daß seit Stunden zig Leute vor seiner Hütte frierend und nüchtern herumlungern und auf ihn warten, keine Ahnung, dann lässt er sich vielleicht ein wenig mehr Zeit, ist dann aber auch schon beinahe egal, schließlich muß er keinen Bus erwischen...

    mehr...

  24. 1 Februar 2010

    Bundeslinke wirbt für rot-rot-grün

    Halina Wawzyniak ist Mitglied im Bundesvorstand in der Linkspartei. Die Berliner Bundestagsabgeordnete will ein Bündnis junger Kräfte von SPD, Grünen und Linken schmieden. Es soll strategisch eine rot-rot-grüne Koalition vorbereiten. Ein Gastbeitrag.

    Afghanistan, Mindestlohn, Ablehnung von Kostenpauschale im Gesundheitswesen – in der Opposition bewegt sich was. DIE LINKE wirkt und so denkt die SPD über einen –viel zu späten- Truppenabzug aus Afghanistan nach, Grüne und SPD versperren sich nicht länger einem Mindestlohn. Einig sind sich die Oppositionsparteien in der Ablehnung von Nacktscanner und Kopfpauschale, alle drei Oppositionsparteien vertreten ein Konzept einer solidarischen Bürgerversicherung.

    Es gibt also viele Gemeinsamkeiten, aber auch viele Unterschiede. DIE LINKE will Hartz IV überwinden, hin zu einer repressionsfreien sozialen Mindestsicherung. So klar sagen das weder SPD noch Grüne. Oder nehmen wir die Bürgerversicherung. Sollen die Beitragsbemessungsgrenzen auch aufgehoben und nicht nur erhöht werden? Sollen alle Einnahmen, also auch Zins- und Mieteinnahmen bei der Beitragsbemessung berücksichtigt werden?

    Schwarz-Gelb macht neoliberale Politik. Klientelpolitik für Besserverdienende und auf Kosten der Mehrheit der Bürger/innen. Da soll das Mietrecht zu Lasten der Mieter/innen verändert werden, da wird sich gegen eine Millionärssteuer gewehrt und es droht eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken. Diese Politik verlangt Widerstand und alternative Konzepte. Diese müssen in der Gesellschaft entstehen und dort mehrheitlich getragen werden. Wenn sich gesellschaftlicher Widerstand und andere gesellschaftliche Mehrheiten findet, wirkt das auch auf die Politik zurück.

    mehr...

  25. 31 Januar 2010

    Mehr Hilfe für Haiti

    width="250"Auf gleich zwei Veranstaltungen kann man heute den Erdbebenopfern in Haiti helfen. Und am kommenden Wochenende geht es weiter...

    Das ist erst einmal heute Nachmittag ab 15.00 Uhr der Run 4 Haiti - Spendenlauf. Natürlich auf einem Laufband und in geschlossenen Räumen. Mehr infos gibt es hier...Klack

    Heute abend veranstalten dann Bochumer Künstler in der Christuskirche ein Benefizkonzert für die Opfer des Erdbebens auf Haiti. Die Veranstaltung beginnt um 19.00 Uhr. Mehr Infos hier...Klack

    Und am kommenden Samstag findet im Riff ein weiteres Benefizkonzert statt. Dann treten Tommy Finke, Doris Klit und viele andere im Riff für den guten Zweck auf: Die Einnahmen gehen an Ärzte ohne Grenzen.

    mehr...

  26. 30 Januar 2010

    Lasst meine Mutter in Ruhe!

    Ein bekannter Online-Abzocker will an das Geld meiner Mutter ran. Bekommen wird er es nicht.

    Eine Rechnung hat meine Mutter nie bekommen, dafür eine Mahnung. Sie soll, so geht aus dem Schreiben hervor, bei Online-Downloaden.de einen Vertrag über einen 12-Monats-Zugang abgeschlossen und dann nicht bezahlt haben. Kosten soll der 86,00 Euro inklusive der Mahngebühr.

    Beides kann nicht sein: Meine Mutter zahlt ihre Rechnungen immer sofort, und sie ist nicht so blöd, einen solchen Vertrag abzuschließen.

    Wenn man sich die Firma Online-Downloaden.de etwas genauer anschaut, merkt man schnell, dass dahinter bekannte und erfahrene Online-Abzocker stehen. Laut Chip werden die Kunden über Googles-Textanzeigen für Allerweltsprogramme wie den Adobe Reader oder Google-Earth, die eigentlich gratis sind, angelockt, und geraten dann auf eine Seite, auf der sie nur ganz klein auf Kosten hingewiesen werden und sind schon in der Falle, wenn sie ein Programm runterladen.

    Hinter der Firma, der Online-Downloaden-Service Limited, steht Michael Bardenhagen. Der nennt sich bescheiden Director und ist in der Abzocker-Szene kein Unbekannter. Er steckte auch hinter 99 Downloads, die in der Vergangenheit massiv gegen kritische Berichterstattung vorgegangen ist.

    Nach der Lektüre des Chip-Artikels habe ich meiner Mutter geraten, zur Verbraucherzentrale zu gehen und mal mit ihrem Anwalt zu reden und auf gar keinen Fall zu zahlen. Sie ist sich übrigens sicher, nie auf der Seite Online-download.de gewesen zu sein.

    mehr...

  27. 29 Januar 2010

    Pleitestädte: Die Schuld der Kommunalpolitiker

    Die Städte sind pleite. Nicht nur im Ruhrgebiet. Das ist auch die Schuld der Kommunalpolitiker.

    Wolfgang Pantförder, (CDU), ist Bürgermeister von Recklinghausen. Und er ist sauer. Seine Stadt ist, wie viele in Deutschland, pleite. Nichts geht mehr. Und Pantförder fühlt sich allein gelassen: Vom Bund und vom Land, die den Kommunen immer mehr Aufgaben zuweisen, aber die bei der Finanzierung alleine lassen. Es geht um das Konnexitätsprinzip: „Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen“, verwies Pantförder zum Beispiel auf den großen Bereich der Kinderbetreuung. „Der Ausbau im Bereich U 3 ist richtig, aber jeder Platz wird aktuell mit 50 % aus dem städtischen Haushalt bezuschusst. Das summiert sich auf rund 10 Millionen Euro,“ sagte Pantförder der Recklinghäuser Zeitung.

    Pantförder ist mit seiner Kritik am Bund und an den Ländern nicht alleine. Immer, wenn eine Stadt in die Überschuldung rutscht, Nothaushalte ankündigt, und das geschieht in Krisenzeiten wie heute mehrfach täglich, mahnen Kommunalpolitiker an, Bund und Länder müssten sich endlich mehr um eine faire Finanzierung der Kommunen kümmern.

    Die hängt vor allem von der Gewerbesteuer ab. Einer stark schwankenden Einnahmequelle, mit der sich nicht verlässlich über einen auch nur mittleren Zeitraum rechnen lässt.

    mehr...

  28. 26 Januar 2010

    Bielefelder Studie beweist Langzeitwirkung von Killerspielen

    Nach Abschluss einer Bielefelder Studie, die heute mit der Anwesenheit aller Beteiligten veröffentlicht wurde, steht es nun fest: Killerspiele haben auch nach langen Jahren der Abstinenz noch ihre fatalen Auswirkungen.

    Wie einer der Probanden, der sich unter der Kontrolle professioneller Gutachter heute einem Teil der Öffentlichkeit stellte, sagte, habe er in jungen Jahren über ca. 2 Jahre relativ regelmäßig ein so genanntes MMG gespielt. Obwohl alternative Experten schon vor langer Zeit vor den gesellschaftlichen Spätfolgen dieser Massenspektakel gewarnt hatten, war die Kritik an den immer regelmäßiger erschienenen Updates in letzter Zeit eher abgeflaut.

    Die Verharmlosung der so genannten MMGs, das zeigen die heute veröffentlichten Ergebnisse, führen aber nicht nur zu möglichen Zwangshandlungen und Kollateral-Schäden, sondern machen zukünftige Studien eventuell noch schwieriger. Denn beinahe hätte die Studie auf die Aussagen von 81 "Zeugen" verzichten müssen. Schließlich führte nur ein Fehler in der Software des 83-jährigen MMG-Veteranen dazu, dass es zu einer vernünftigen Auswertung der Studie mit Hilfe aller Beteiligten kommen kann: Er hatte vor Antritt seines Einsatzes gegen die "Gotteskrieger" vergessen, seinen Weapon-Patch zu überprüfen.

    mehr...

  29. 14 Januar 2010

    Sieg für Blogger. Abmahnanwalt erlebt Desaster in Sachen Wagenknecht

    sahra-wagenknecht_pressefoto1Der Abmahnanwalt der Fotografin Helga Paris hat bei seinem Vorgehen gegen Blogs wegen der Verwendung eines alten Pressebildes von Sarah Wagenknecht (Die Linke) ein Desaster erlebt. Das Amtsgericht Charlottenburg in Berlin lehnte einen Eilantrag gegen den Blogger Thomas Rodenbücher, xtranews.de ab, diesen zur Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung - und damit zur Zahlung der Abmahnkosten - zu verpflichten. Rodenbücher bleibt damit vorerst straffrei. Der Abmahner kann nun überlegen, ob er in die Hauptsache geht. Bei der erlittenen Klatsche ist aber nicht davon auszugehen.

    Andere betroffene Blogger dürfen dank dieser Entscheidung aufatmen, wenn sie ebenfalls von dem Abmahnanwalt Ronald Schmidt aus der Kanzlei Haupt aus Berlin in Sachen Sarah angegriffen wurden. Es dürfte diesem nun extrem schwer fallen, Blogs an die Wäsche zu gehen.

    Der Blogger Rodenbücher hatte eines der meistverbreitesten Bilder von Wagenknecht benutzt, um damit einen Beitrag über die Politikerin zu illustrieren. Das Bild stand wahrscheinlich jahrelang frei und kostenlos zum Download auf der Seite der Linken bereit. Dort war es in verschiedenen Varianten als Pressefoto ausgewiesen. Fast jeder Deutsche kennt es.

    mehr...

  30. 1 Januar 2010

    Gute(n) Rutsch(partie) !(?)

    Rutschgefahr: Wird es ein Rutsch in ein gutes Jahr oder eine endlose Rutschpartie? Schlittern wir doch noch in die Wirtschaftskatastrophe? Werden am Ende wir abgewrackt?…

    mehr...

  31. 31 Dezember 2009

    Wem die Sanktionen gegen den Iran nützen - im Iran

    Im Iran gab es diese Woche neue Proteste, manche sagen, sie seien noch stärker gewesen als im Sommer. Gleichzeitig fordert der Westen neue Sanktionen nach dem Scheitern der Atom-Verhandlungen im Herbst. Warum schottet sich das Land eigentlich ab? Warum verzichtet es auf Handel und dringend benötigte Investitionen in seine Energie-Wirtschaft, indem es Sanktionen in Kauf nimmt?

    Tehran besteht auf seinem Atomprogramm, weil es eine regionale Großmacht sein will. Ein leicht übersehener Grund ist aber, dass – wie bei Bürgerkriegen, die Jahrzehnte andauern – wirtschaftliche Interessen hinter den Sanktionen stehen, Gruppen, die sich in ihnen eingistet haben, die ihre Macht auf die durch Sanktionen entstehenden wirtschaftlichen Strukturen stützen.

    mehr...

  32. 29 Dezember 2009

    Der neue Theo

    Das Ruhrgebiet im Kino war selten so abgerockt, liebenswert und erfolgreich wie in den "Theo"-Filmen. Die zwei Streifen mit Marius Müller Westernhagen atmeten den Versuch ohne Pütt zu überleben, weiter zu machen - jung, bekloppt, neu, schnell, hartnäckig, loser with attitude. Damals war das Revier in einem Aufbruch als die Kreativwirtschaft noch kein Cluster war. Und jetzt ist Theo wieder da...

    Nee, natürlich ist das ...

    Theo 2010.

    Adam Bousdoukos spielt Zinos Kazantsakis. Besitzer einer alten Lederjacke und Industriehalle in einem Gewerbegebiet, in der er die "Soul Kichen" betreibt. "Das ist ein romanisches Kaffee, die Leute werden euch die Bude einrennen", sagt der Meisterkoch zu dem speziellen Ambiente, das wir im Ruhrgebiet ja ganz gut kennen.

    mehr...

  33. 25 Dezember 2009

    Papst verlegt Christmette vor: Anfang vom Ende der Christenheit?

    Die Geschichte des Urbi et Orbi muß umgeschrieben werden. Einen ganzen Tag vor der katholischen Christnacht vermeldete Radio Vatikan, daß der Papst die heilige Christmette nicht um wie seit Jahrtausenden bei der Christenheit üblich, um Mitternacht römischer Ortszeit abzuhalten gedenke. Sondern, schon zwei Stunden früher: Um 22.00 Uhr römischer Ortzeit.

    Bild: VatikanJetzt ist das Zeitgefüge der Christenheit, des Felses der Zivilisation, völlig durcheinander, also abermals krähte der Hahn, zwei Stunden früher jedenfalls, die Kreuzigung Jesu wird kurz vor Ostern vermutlich mitten in der Nacht von statten gehen, die Pfingstzungen kommen wahrscheinlich schon als Karnevalskamelle nieder, die ganze Kanonik ist durcheinander gebracht. Hieronymus Bosch wird wiederauferstehen und das ganze Durcheinander als Comic für die Simpsons zeichnen. Weh uns, das hat uns der…

    mehr...

  34. 20 Dezember 2009

    Ein Wort zum Sonntag: Alles über Albee

    Der größte Dramatiker der Neuzeit wird vorgestellt von einem alten Sack mit Binder - einem typischen Literaturprofessor



    Viel ist nicht zu sagen über Edward Albee. Nur, dasses keine mehr reinhauenden Teile als dessen Dramen gibt.

    Was früher Shakespeare war, was Brecht im Irrweg des epischen Theaters kanalisiert hatte, was Fernando Arrabal gegen den Krieg auf die Spitze trieb - allein Albees Szenen werden uns ewig im Herzen bleiben. Und Strindberg war sowieso zu protestantisch dunkel. Artaud hab ich übrigens vergessen, der ist mir jetzt, zur romantischen Stunde, zu krank.

    Es ist kein Zufall, daß Liz Taylor und Richard Burton Edwards Albees Stück Who is afraid of Virginia Woolf? gegeben haben. Der beste Ehekrieg der Welt. Ihrer. Der: Sublimiert als Bühnenstück im Film.







    mehr...

  35. 24 November 2009

    »Die Brennpunkte des Klimawandels sind die Brennpunkte des Hungers«

    Ein ungebremster Klimawandel führt zu mehr Dürrekatastrophen und zu mehr Hungernden. Thomas Hirsch, Klimaexperte von Brot für die Welt, plädiert deshalb für Klimagerechtigkeit und für substanzielle Minderungsziele auf dem Kopenhagener Klimagipfel Anfang Dezember

     

    Herr Hirsch, Brot für die Welt ist eine entwicklungspolitische Organisation. Warum engagieren Sie sich so vehement für den Klimaschutz?

    Weil die Bekämpfung des Klimawandels und der Kampf für das Recht auf Entwicklung und Ernährung zwei Seiten der selben Medaille sind. Früher, in den 1950er Jahren, musste man in Subsahara-Afrika alle sieben biblischen Jahre mit einer Dürre rechnen. Heute finden Dürren alle drei, künftig wohl alle anderthalb Jahre statt. Die Häufigkeit und Intensität von Dürren hat also drastisch zugenommen. Schuld daran ist der Klimawandel. Aktuell warnt die kenianische Regierung vor einer Dürrekatastrophe mit zwanzig Millionen Hungernden.





    mehr...

  36. 21 November 2009

    Linke NRW wählen Landesliste in Mülheim an der Ruhr

    An diesem Wochenende wählt die nordrhein-westälische Linkspartei in Mülheim an der Ruhr ihre Kandidaten für die Landtagswahl 2010. Ein erstes Lagebild

    SaraWagenknecht_xtranews.deKein Mensch glaubt heutzutage mehr an eine rot-rot-grüne Landesregierung demnächst in Düsseldorf. Der Traum ist taktisch aus seit der als fundamentalistisch geltende Landesverband Nordrhein-Westfalen vor ein paar Wochen sein Programm zur Wahl beschloss. Die fundamentalistischen linken Koalitionsgegner verbrämen seitdem ihr klares Nein in der beschlossenen Sprachregelung: "Wir werden uns an keiner Landesregierung beteiligen, die Privatisierungen, Personal- und Sozialabbau vornimmt und nicht die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen entscheidend verbessert." Dabei macht mittlerweile die Macht des Faktischen den Linken schwerer zu schaffen als deren Allmachtsphantasie des Weltverbesserns durch Verweigerung: Nicht nur, daß es zur Stunde keine Mehrheit für Rot-Rot-Grün gibt. Sondern auch: In der…

    mehr...

  37. 13 November 2009

    Die EU braucht die Türkei, nicht anders rum

    Jetzt ist schwarz-gelb. In der Außenpolitik wird ein wesentlicher Unterschied zur vorherigen Regierung in der Haltung zur Türkei liegen. Eine wichtige strategische Entscheidung. Es geht um unsere Interessen: Europa braucht die Türkei in der EU, um einen eigenen außen- und sicherheitspolitischen Pfeiler im Nahen Osten zu haben.

    Die AKP-Regierung betreibt seit einigen Jahren eine aktive regionale Außenpolitik. Nicole Pope hat in der jüngsten Ausgabe von Middle East International geschrieben, dass die Türkei seine von Generälen und sakulärer Elite über Jahrzehnte geschnürte Zwangsjacke endlich abgestreift hat: "Long constrained by rigid policy laws drawn by the army and the secular establishment, Turkey is now bursting out of its straight-jacket and developing its potential."  Von der neuen Bewegungsfreiheit macht Ankara auch Gebrauch: es hat die Beziehungen zum Irak nach Saddam gepflegt, unter anderem durch einen historischen Besuch in Erbil. Auch ihr Verhältnis mit anderen Nachbarn wie Syrien und Armenien hat die Türkei verbessert und ihre Beziehungen zum Iran weiter gepflegt. Einige Beobachter fragen sich schon, ob sie damit ihre West-Orientierung aufgegeben hat. Das glaube ich nicht, und vor allem: je weiter die Türkei auf diesem Weg in den nächsten Jahren kommt, desto mehr gibt es für die EU zu gewinnen: 

    • Israel: Durch den Gazakrieg hat das Verhältnis gelitten, aber die Türkei hat grundsätzlich gute Beziehungen zu Israel, zum Beispiel in der Sicherheitspolitik. Bis zum Gazakrieg hat es zwischen Syrien und Israel vermittelt.
    • Syrien: Wenn Damaskus eines Tages seine Außenwirtschaft komplett öffnet, werden türkische Firmen da den Laden schmeißen.

    mehr...

  38. 4 November 2009

    Der ewige Opel-Patient

    Bochum muss nach dem geplatzten Deal mal wieder um seine Jobs beim Autobauer bangen

    Foto: Ruhrbarone

    Bochum. Als sich morgens um kurz vor sechs Uhr die Kameras auf ihn richteten wusste Daniel Hadert sofort: Sein Job ist in Gefahr. „Es ist die fünfte Krise die ich durchmache“, sagt der 42-Jährige Bandarbeiter bei Opel. Aber diesmal sei alles noch viel schlimmer. In der ersten Schicht des Tages sei es still gewesen unter den Opelaner. „Was sollen wir denn noch sagen?“, fragt der schlaksige Mann.

    Vielen Arbeitern scheinen am Tag nach der überraschenden Wende von General Motors die Worte zu fehlen. Beim Schichtwechsel rennen sie im Nieselregen zu ihren vorm Werkstor geparkten Astras und Omegas. Sie kennen die Rituale der Krise, die fragenden Reporter, die Kameras. Vor wenigen Monaten erst bangten sie um einen Milliardenkredit der Bundesregierung, dann hofften sie auf einen Verkauf an Magna. Nun beginnt das Spiel von vorne.

    „Reine Veräppelung war alles“, sagt Ralf Beneke und setzt sich in seinen historischen und giftgrünen Ascona. Unter der Belegschaft blühen inzwischen ganz eigene Theorien über den geplatzten Deal. „Es ist doch sonnenklar, dass ein Amerikaner einem Russen nichts verkauft“, sagt Beneke. Und die Bundesregierung habe nur versucht, sich über die Wahl zu retten. „Das ist ein ganz übles Spiel“, sagt er und macht mit dem Zeigefinger das Kotzzeichen. Seiner Meinung nach sollte nun nicht mehr über Lohnzugeständnisse verhandelt werden. „Wir haben die letzten zehn Jahre verzichtet und gebracht hat das gar nichts“, sagt er aufgebracht. Am Ende würden alle nur weniger Arbeitslosengeld bekommen. Die Bochumer sind ausgelaugt. Sie haben das Gefühl, bei ihnen würde immer als erstes gespart, schlimmer als am Hauptwerk in Rüsselsheim. „Wir sind am Ende der Kette“, sagt Beneke.

    In der Krise sind die Opel-Arbeiter zwischenzeitlich immer mal wieder zu Konkurrenten geworden. Schon immer hat General Motors versucht die einzelnen Werke gegeneinander auszuspielen. Dabei hat bislang jedes Werk bluten müssen. Knapp 6000 Menschen arbeiten bei Opel in Bochum, 35 Betriebsräte wachen über die Löhne und Stellen. Früher eine dankbare Aufgabe: Die zu Spitzenzeiten rund 25 000 Arbeiter verdienten überdurchschnittlich, hatten viele Urlaubstage und jedes Jahr mehr Kollegen. Seit 15 Jahren kriselt es. Betriebsrätin Annegret Gärtner-Leymann fordert nun eine harte Reaktion. „Wir können nicht nur zwei Stunden lang die Arbeit nieder legen und dann wird alles gut“, sagt sie mit Blick auf die so genannten „Informationsveranstaltungen“, die am heutigen Donnerstag republikweit stattfinden sollen. Jetzt müssten alle Werke in Europa zusammen stehen. „Wir werden um wirklich jeden Arbeitsplatz kämpfen“, so die Betriebsrätin. Ein bloßer Erhalt der Standorte sage noch gar nichts aus. „Das kann auch heißen das nur noch der Pförtner dort rumsitzt.“ Jahrelanges Feilschen um Stellen und Geld haben die Arbeitnehmervertreterin misstrauisch gemacht.

    Vor vier Jahren waren sie noch mächtiger.









    mehr...

  39. 1 November 2009

    Gestern war Halloween - Abzählreim für meine Logopädin

    Gestern war Halloween - Abzählreim für meine Logopädin 

    www.mupfl.comHexen häxeln hechelnd Spätzle

    Gruselmusens Kürbiskopf

    Du hast einen blöden Zopf

    Sächseln kannste

    Trick or treat

    Without  ti-äitsch

    nor smooth, nor soft

    Lispeln, lallen

    stimmlos knallen - pah

    nuscheln, fuscheln - Sprache puscheln.

    Hexen sächseln,

    Mußt halt häxeln.

     …

    mehr...

  40. 31 Oktober 2009

    Der kalte Hintern der Atomkraftfreunde

    Französische AKWs sollen 40, deutsche gar 80 Jahre laufen, fordern zumindest deren Freunde. Doch in Frankreich fallen viele Atom-Meiler schon jetzt aus. Zu viele!

    Bei uns herrscht schwarz-gelb gefärbte Euphorie: Die deutschen Atomkraftwerke könnten bis zu 80 Jahre laufen, meint der Boss des Energie-Konzerns RWE, und der CDU-Generalsekretär betont die Bereitschaft der neuen Bundesregierung, die AKW-Laufzeiten zu verlängern. In Frankreich, dem Traumland des Atomstromfreundes, ist man längst auf dem Boden der Tatsachen gelandet: Weil 15 der 58 Kraftwerke wegen Störungen vom Netz genommen wurden, muss man massig Strom importieren.

    Schon wird darüber spekuliert, ob die Stromnetze das überhaupt mitmachen. Oder ob die vielen (Atom-)Stromheizungen irgendwann ausgehen werden. Wie lautet doch gleich der alte Slogan der Fürsprecher des Nuklearen? Ach, ja:

    Atomkraftgegner überwintern/
    Bei Kerzenschein mit kaltem Hintern!


    Jetzt droht eher den manischen Atomkraftfreunden eine undezente Kühle untenrum. Monsieur Président macht sich derweil warme Gedanken: Wie lange seine Atom-Meiler am Netz bleiben sollen? Nicht 80, aber immerhin 40 Jahre statt 30!








    mehr...