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CDU: Herr Heibel mag die Homos nicht

Es gibt was zu feiern: Vor 20 Jahren wurde in der Bundesrepublik die Strafbarkeit von Homosexualität in der BRD aufgehoben. Seitdem müssen Betroffene nicht mehr mit Gefängnisstrafen rechnen. Bei der CDU hat diese Gesetzesreform anscheinen nicht überall Freunde.

Zum Beispiel Sven Heibel. Der Vorsitzende des CDU Gemeindeverbandes Wallmerod in Rheinlandpfalz beglückte die Facebook-Gemeinde am heutigen Donnerstag mit folgender Erklärung:

sh

In Zeiten der Scheiße-Stürme erfreut sich der Leistungssport „Zurückrudern“ bekanntlich großer Beliebtheit. Da es Kritik hagelte, unter anderem vom Grünen Bundespolitiker Volker Beck („Ach so! Er will Homosexuelle gar nicht diskriminieren, sondern nur inhaftieren. Für 5 Jahre. Na dann. /* ironie off“), zeigt Heibel, was er kann. Wenige Stunden später lässt er via Facebook verlauten:

Liebe Freunde und vor allem nicht-Freunde, zur Klarstellung:
Der von mir heute morgen veröffentlichte Post (…) bleibt so in der Welt. Er spiegelt meine e i g e n e Meinung wieder, und diese ist von der Meinungsfreiheit unserer Verfassung gedeckt. Diese lasse ich mir auch nicht verbieten, auch nicht von der eigenen Partei, in deren Namen ich nicht gesprochen habe. Was allerdings von der Meinungsfreiheit nicht gedeckt ist, sind Beleidigungen und Diffamierungen, die ich zuhauf bekommen und gelesen habe. Dies zeigt mir wie weit es mit der Toleranz “anderer Meinungen” in unserer Gesellschaft bestellt ist. Viele denken: Meinungsfreiheit ja, aber nur soweit auch die eigene Meinung abgedeckt wird. So ist es nicht!

Mit meinem Poste wollte ich auch nicht Homosexuelle diskriminieren, sondern vielmehr zum Ausdruck bringen, dass man nicht alles in unserer (angeblich so liberalen) Gesellschaft auch gut finden muss. Toleranz ja, aber Toleranz heißt nicht, dass man alles gut heißen muss.

Wenn man seine Meinung nicht mehr sagen darf, dann gute Nacht Deutschland!
SH

In bester Gesellschaft

Ein echter Profi aber schlägt zweimal zu. Vielleicht hat Heibel einen Rüffel „von Oben“ erhalten, vielleicht hörten die Tabletten auf zu wirken: Eine Stunde später fällt dem Mann mit dem vielsagenden Kürzel ein:

Ich möchte nochmals betonen, dass es sich bei meinem heutigen Facebook-Eintrag ausschließlich um meine private Meinung handelte – wenngleich ich zugeben möchte, dabei über das Ziel hinausgeschossen zu sein. In derartiger Schärfe würde ich einen Facebook-Eintrag nicht mehr verfassen. SH

Wahrlich, das ist echte (Zurück-)ruderkunst. Vielleicht ist der bekennende Single auch einfach wütend auf all die Schwulen und Lesben, die vor seinen Augen ein glückliches Leben führen. Oder vielleicht ist Sven Heibel auch einfach ein stramm rechter Betonkopf dem der Pollunder zu eng sitzt. Damit ist er in der CDU, die eine Rehabilitierung der nach §175 Verurteilten 2011 noch als Angriff auf den Rechtsstaat abgelehnt hat, in bester Gesellschaft.

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18 Kommentare zu „CDU: Herr Heibel mag die Homos nicht

  • #1
    Alerta

    “Mit meinem Poste wollte ich auch nicht Homosexuelle diskriminieren, sondern vielmehr zum Ausdruck bringen, dass man nicht alles in unserer (angeblich so liberalen) Gesellschaft auch gut finden muss. Toleranz ja, aber Toleranz heißt nicht, dass man alles gut heißen muss.” – merkt der Typ eigentlich was er sagt? Er drückt aus, dass Menschen mit anderer sexueller ausrichtung als hereosexuell in den Knast sollen, will ihnen gegenüber aber “tolerant” sein und jammert dann noch “Wenn man seine Meinung nicht mehr sagen darf, dann gute Nacht Deutschland!” – Herr Heibel, es ist ihr gutes Recht Schwule und Lesben in den Knast zu wünschen, es ist aber durchaus das gute und demokratische Recht aller ihrer Mitbürger Ihnen zu sagen, was von solchen Aussagen zu halten ist.

  • #2
    Werner Jurga

    “Wenn man seine Meinung nicht mehr sagen darf, dann gute Nacht Deutschland!”, trötet der gute Herr Heibel. Da hätte es aber ein stinknormales “Man wird in Deutschland doch wohl noch sagen dürfen…” aber auch getan.

  • Pingback: Die Wahrheit tut nun mal weh | Der gesunde (T)humor

  • #4
    Mario Herrmann

    Vielleicht möchte der Herr nur Gerüchten vorbeugen. Wenn man sich den strammen Männerbund der CDU Wallmerod auf dem Foto anschaut, könnte ja sonst jemand fragen, was da so abgeht, wenn die sich zur Klausurtagung zurückziehen… :-)

  • #5
    Rambow

    Die Antwort der JU Rheinland-Pfalz auf eine Anfrage zu dem Vorgang:

    Sehr geehrter Herr Rambow,

    Wir distanzieren uns klar und deutlich vom öffentlichen Posting unseres Landesvorstandsmitglied Sven Heibel zur Strafbarkeit von Homosexualität!

    Die Junge Union steht für freiheitliche und soziale Werte, in der solche Meinungen nicht toleriert werden. Wir positionieren uns klar gegen die Diskriminierung von ethnischen, religiösen und sexuellen Minderheiten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ralf Glesius
    Landesgeschäftsführer Vereinigungen

    CDU Rheinland-Pfalz
    Rheinallee 1a-d
    55116 Mainz

    Mail: Ralf.Glesius@rlp.cdu.de
    Web: http://www.cdurlp.de

  • #6
    Rambow

    Der eigentliche Skandal ist natürlich, dass Herr Heibel trotz dieser Anekdote und seines dadurch offengelegten Rechtsverständnisses offensichtlich einen juristischen Abschluss machen konnte. Die Anfrage bei der Goethe-Universität dazu läuft.

  • #7
    Schlotte K.

    Ein guter Text, aber das Ende ist ein bisschen platt. Ist doch egal, ob der Herr Heibel Single ist oder nicht. Und davon auszugehen, dass alle Singles neidisch auf Pärchen sind, ist irgendwie ein bisschen doof. Wie der Pullunder (mit “u” übrigens) sitzt und ob der Heibel Tabletten nimmt oder nicht, spielt auch keine Rolle. Nur weil er herablassend ist, musst du es ja nicht selbst sein, lieber Martin!

  • #8
    SteLu

    CDU, das ist doch die Partei in der viele Mitglieder im Zusammenhang mit dem Adoptionsrecht für schwule / lesbische Paare auf einmal das Kindeswohl entdecken und bezweifeln, dass dieses Recht zum Wohle des Kindes sei. Als würde eine Vater / Mutter /Kindfamilie das Kindeswohl garantieren. Das ist ja ganz neu :D. Aber das ist ja auch die Partei, die im Verbund mit der CSU gegen Nazis sein und gleichzeitig immer wieder rassistische Kampagnen lostreten kann. Mich wundert da nix mehr.

  • #9
    Heide

    Wieso fordern eigentlich immer nur die Intoleranten unter den Klappspaten nach Toleranz?

  • #10
    Ulrich

    Es soll Menschen geben die von sich behaupten sie stünden auf dem Boden des Grundgesetzes. Tatsächlich aber trampeln sie mit beiden Füßen auf ihm herum.

  • #11
  • #12
    Hank

    Meine Güte, da hat ein eher unbekannter Politiker unfug von sich gegeben und schon sind alle auf den Barrikaden. Da wünscht man ein bischen mehr Gelassenheit oder was macht Martin Hohmann eigentlich heute?

  • #13
    Rambow

    Und hier noch die Antwort der Goethe-Universität auf meine Anfrage:

    Sehr geehrter Herr Rambow,

    Herr Heibel ist nicht für die Goethe-Universität tätig. Nach meiner Kenntnis hat er hier studiert und ist derzeit Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Wallmerod und Ortsbürgermeister der Gemeinde Herschbach. Wie er dazu kommt zu behaupten, er arbeite für die Goethe-Universität, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olaf Kaltenborn

    Dr. Olaf Kaltenborn | Pressesprecher, Leiter Marketing und Kommunikation

  • #14
    Klaus Lohmann

    @#13 | Rambow: Mir fehlt jetzt etwas der Zusammenhang zwischen einem Abschluss und einer Fakultäts-Tätigkeit. Hat denn “Homo-Heibel” irgendwo behauptet, er würde für den Lehrstuhl irgendwie “arbeiten”??

  • #15
    Ben

    Als offen schwul lebender Mann sehe ich solche Shitstorms immer mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite macht mich so eine Denke wütend, auf der anderen Seite sorgt man mit all der Aufmerksamkeit für zweierlei: Einerseits eben die Aufmerksamkeit selbst (ich mein, kannte den Typen irgendwer vor heute Mittag?), andererseits gibt man ihm jetzt unfassbar viel Brennstoff um sich ein schönes “Das muss man doch noch wohl mal sagen können”-Eisen zu schmieden. Man macht durch eine so heftige Reaktion auf so dumme Äußerungen nichts besser – man treibt solche Menschen nur noch weiter in ihr merkwürdiges Gedankenkonstrukt.

  • #16
    Thomas Weigle

    Der Herr, wie war noch der Name, hat seine 15 Minuten “Berühmtheit” bekommen, wird außerhalb seines Lebensumfeldes die verdienten Nichtbeachtung weiterhin bekommen. “Tiefer hängen” in Zukunft sowas.

  • #17
    SteLu

    Nun ja, man kann sich jetzt an diesem Mann abarbeiten oder ihn auch ignorieren. Man könnte aber auch darüber nachdenken, inwiefern Herr Heibel eine besonders extreme Ausprägung eines auch in der bürgerlichen Mitte vorhandenen (menschlichen) Hanges zur Ausgrenzung, Vourteilen, Diskriminierung ist. Aber Herr Glesius hat ja schon klar gestellt. Soetwas gibt e in der Union und anderen bürgerlichen Parteien nicht. Natürlich nicht. Gott sei dank gibt es ja die Nazis oder auch die AFD und andere Parteien, an denen man sich abarbeiten und auf die man eigenene nicht so gern angesehene Persönlichkeitsanteile projizieren kann. Ich habe die Message schon lange verstanden: Wir sind die “Guten”, wir sind “sauber”, wir sind “rein”. Rassisten und Diskriminierer, das sind die anderen – “wir” nicht. Das können “die Guten” ja gerne so sehen, ernst nehmen muss ich das nicht. Ich traue den “guten” Menschen egal welcher politischen Coleur grundsätzlich nicht – keine drei Meter weit.
    Wenn Frau Merkel sagt, sie ist sich unsicher, ob das volle Adoptionsrecht für homosexuelle Paare dem Kindeswohl entspricht, dann resultiert das nicht aus einer der Kanzlerin angemessenen rationalen Haltung, sondern aus einem diffusen, vorurteilsbehafteten Bauchgefühl. Sehr geehrte Frau Merkel nach nun mehr 25 Jahren, in denen ich mit den fürchterlichen Folgen, die Missbrauch, Gewalt emotionale und körperliche Verwahrlosung und andere ebenso grausame Dinge bei Kindern hinterlassen, konfrontiert bin, kommen mir zunehmend Zweifel daran, ob die klassische (heterosexuelle) (Klein)familie für das Kindeswohl grundsätzlich förderlich ist. Aber darüber reden wir besser nicht, das würde zu sehr an den Grundfesten dieser verlogenen und scheinheiligen bürgerlichen Gesellschaft rütteln.

  • #18

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