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Das ehemalige Ostwallmuseum – Totgesagte leben länger

museum_am_ostwallDas Ostwallmuseum wird wieder mit Leben gefüllt. Das Haus wird für das Theaterfestival FAVORITEN 2014 nicht nur Festivalzentrum sein, sondern auch Veranstaltungsraum werden. Das bestätigte die Festivalveranstalter heute gegenüber diesem Blog. Das Gebäude des ehemaligen Museum am Ostwall sollte nach dem Umzug des Museums in den U-Turm eigentlich nach den marktüblichen Konditionen verkauft werden – in Dortmund eine höchst umstrittene Entscheidung. Für viele wird daher die vorübergehende Theaternutzung eine gute Nachricht sein, könnte das die Debatte doch neu befeuern.

Die Schönheit des Gebäudes erschliesst sich nicht unbedingt jedem Auswärtigen sofort, historisch gesehen ist der Standort jedoch für die Stadt Dortmund nicht ganz unbedeutend – stand doch hier das alte Landesoberberggamt. Das an dieser zentral gelegenen Stelle demnächst einer der zahlreichen Seniorenwohnsitze errichtet werden könnte, sehen nicht alle als ideale Lösung an. Dieser Plan bedient zwar ohne Zweifel einen wachsenden Markt, nicht aber die Seele der Dortmunder.

So wundert es auch nicht, das Oberbürgermeister Sierau bereits schon hektisch zurückruderte und den Rat der Stadt Dortmund sogar schriftlich um die Verschiebung der Verkaufs-Entscheidung bat, obwohl sich längst eine veritable Mehrheit für den Verkauf und möglichen Abriss gebildet hatte. Die Mehrheit im Rat sah die Verkaufs-Option als vernünftig an – war doch die in Aussicht stehende Verkaufssumme für das insgesamt 1.530 m² große Grundstück mit umliegenden Park angesichts leerer Kassen durchaus attraktiv. 2013 wurde ein Interessenbekundungsverfahren durch die Stadt ausgeschrieben.

Verschiedene Akteure aus dem Kulturumfeld bekundeten bereits in den Jahren davor ihr Interesse. Künstlerverbände (Atelier- und Ausstellungsflächen), der Verein Die Urbanisten und freie Kulturschaffende meldeten sich mit Ideen. Dennoch gab es keine Entscheidung für eine kulturelle Neu-Nutzung des Museums, auch weil zum Teil überzeugende Finanzierungskonzepte fehlten. Für den Einzug des Baukunstarchivs NRW gab es jedoch Zusagen für Landesmittel aus der Städtebauförderung und für diejenigen, die dem Gebäude von 1947 Denkmalwürdigkeit zusprechen, war dies eine „win-win“ Lösung.

Die Bürgerinitiative „Rettet das Ostwallmuseum“ kämpfte mit Demonstrationen und mit einer Petition um den Erhalt, Gespräche wurden mit der Politik geführt, tausende Unterschriften wurden für das alte Museumsgebäude gesammelt und die Künstlerin Uta Rotermund hielt bei der Ausstellung des Dortmunder Architekten Eckhard Gerber eine leidenschaftliche Rede wider die Abrissbirne.

Der Lichthof im Oswallmuseum

Der Lichthof im Oswallmuseum

Das nach den langen Kämpfen und Debatten jetzt für ein Theaterfestival der freien Theaterszene NRW eine „Zwischennutzung“ zugelassen wird, könnte der Startschuss für eine Neuauflage der Diskussion sein. Ob daraufhin weitere Interessenten für eine dauerhafte Nutzung aus dem kulturellen Feld auftreten werden, kann man gespannt erwarten. Das Schauspielhaus, das mit seinen Inszenierungen immer wieder die angestammten Theaterräumen verlassen hat, um neue Flächen zu bespielen und schon mehrfach mit Projekten in den urbanen Raum gegangen ist, wird möglicherweise die Entwicklung interessiert beobachten.

Gut, dass das seit längerer Zeit leerstehende Gebäude jetzt durch Die FAVORITEN wieder mit (Theater-)Leben gefüllt wird. Wenn das eine neue Debatte darüber anstösst, wem die Stadt gehört, ist das auch gut. Und wer sich mit dem aktuellen Diskurs „Recht auf Stadt“, also mit der Schaffung nichtkommerzieller Freiräume, der Vergesellschaftung von Immobilien und einer neuen demokratischen Stadtplanung beschäftigt, wird sich für das alte Ostwallmuseum vielleicht mehr vorstellen können, als nur einen temporären Theaterspielort, der auf kurze Zeit ausgelegt ist.

Er wird sich möglicherweise auch mehr für das Haus ausmalen können, als die Nutzung der Räumlichkeiten zur Archivierung alter Baupläne und Architekturmodelle. Denn das Baukunstarchiv, eher ein „special interest“-Kulturort, würde sicher auch an anderer Stelle ein würdiges, öffentlich zugängliches Zuhause finden. Aber ein starker Besuchermagnet in Innenstadtlage wird es vermutlich nicht werden. Alternative Ideen für einen Kulturort – mit einem tragfähigen Finanzierungskonzept – könnten daher doch noch mal spannend werden.

 

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5 Kommentare zu “Das ehemalige Ostwallmuseum – Totgesagte leben länger

  • #1
    Detlef Koester

    Eine gute Sache.

    Der Verein zur Förderung eines Baukunstarchivs NRW sieht in seinem Betreiberkonzept neben dem Betrieb des Archivs auch Raum für Kunst vor.

    Informationen darüber findet man hier: http://www.foerderverein.baukunstarchiv-nrw.de/fbk_07.htm

    Das Projekt Baukunstarchiv in Dortmund könnte schon längst umgesetzt sein, inclusive der avisierten Nutzung für künstlerische Aktivitäten, wenn sich die Architektenkammer NRW sowie die Bauingenieurkammer nicht mit völlig abstrusen Begründungen dagegen wehren würden.

    Leider hat Minister Groschek die Zusage von Fördermitteln für das alte Museum im Zusammenhang mit dem Baukunstarchiv bisher an die Bedingung geknüpft, dass diese beiden Kammern das Vorhaben akzeptieren.

    Die Bürgerinitiative für den Erhalt des Museums wird sich weiter für den Erhalt des Hauses einsetzen. Zu diesem Zweck werden wir kurzfristig einen Verein gründen, der unter Anderem den Betrieb des Hauses unterstützen will.

    Die Mischnutzung Archiv und künstlerische Tätigkeit wäre eine gelungene und tragfähige Lösung.

  • #2
    Ulrike Maerkel Beitragsautor

    @Detlef Koester: Liegt die Nicht-Akzeptanz und der Ausstieg der beiden Baukammern aus dem Projekt nicht vor allem auch an der Tatsache, dass die Unterstützung der Architekten und Bauingenieure in Form einer Mit-Finanzierung gefordert wurde?

    Bei der 2013 angedachten Lösung „Stadt betreibt Bauarchiv“ waren zwar von Minister Michael Groschek Landesmittel zugesagt worden, die nach Dortmund geflossen wären. Dann wäre aber auch ein Eigenanteil der Stadt von 370.000 Euro fällig geworden.

    Der „Förderverein für das Baukunstarchiv NRW“ hat im Januar diesen Jahres in seiner Satzung die Voraussetzungen dafür geschaffen, Betreiber des Baukunstarchivs zu werden – auch wissend, dass die Hälfte des Eigenanteils der Stadt aufgebracht werden muss. Diese Summe ist nicht ganz unbeträchtlich.

    Das hohe Engagement des Vereins und die Zähigkeit der UnterstützerInnen ist daher beachtenswert, aber einige Fragen sind noch offen: Die Betriebskosten des alten Gebäudes sind vermutlich – vor allem bei den Heizkosten – hoch. Reichen wirklich die im Finanzierungskonzept im Juli 2014 eingepreisten Betriebskosten von 75.000 Euro aus? Von wann datieren „die letzten Abrechnungen der Stadt Dortmund“, auf die sich das Konzept bezieht? Zumindest war bisher immer die Rede von ca. 300.00 Euro – keine ganz kleine Diskrepanz.

    Ich persönlich finde eine Selbstbeteiligung der Interessenten eine moderate Lösung. „Alles für umsonst“ mag für die freie Kunstszene eine existentielle Grundbedingung sein, für zwei große, mitgliederstarke Kammern wäre das nicht der Fall gewesen.

  • #3
    Detlef Koester

    Hallo Frau Märkel,
    gerne antworte ich zeitnah auf ihre Worte, um einige „Missverständnisse“ aus dem Weg zu räumen.

    Die Finanzierung der Betriebskosten für ein Baukunstarchiv wären gesichert, ohne dass die Kammern auch nur „eine müde Mark“ dazu tun müssten. Dies wird nur leider von den Kammern, bzw. von einzelnen, unwilligen Personen, welche die Kammern nach aussen hin vertreten, nicht verstanden. Ob das an Unvermögen oder Ignoranz liegt, wir wissen es nicht.

    Die von Ihnen angesprochene Diskrepanz zwischen den vom Förderverein kalkulierten Betriebskosten und den mehrfach von anderen Stellen verlauteten existiert nicht. Die früher angegebenen 300 T€ sind schlichtweg zu hoch angesetzt worden. Dies ist inzwischen mehrfach von verschiedenen Personen eingeräumt worden. Zudem stossen Sie mit der Frage leider ins selbe Horn wie einige Andere, die das Baukunstarchiv um keinen Preis in Dortmund sehen wollen und hier Machtspielchen betreiben, die unerträglich sind.

    Das Betreiberkonzept und der Geschäftsplan des Fördervereines sind durch unabhängige Wirtschaftsprüfer als tragfähig testiert worden. Die Prüfer haben sich auch mit den zugrunde liegenden Zahlen beschäftigt. Im Übrigen dienen die von Minister Groschek avisierten Fördermittel dazu, das Haus für den Betrieb zu ertüchtigen, was auch die Modernisierung u. a. der Heizung beinhaltet.

    In den vergangenen Monaten haben einige unabhängige Institutionen landes- und bundesweit ihre Unterstützung für das Projekt zugesagt. Desweiteren wird sich aus der BI heraus ein Verein gründen, der unter Anderem ebenfalls den Betrieb unterstützen wird.

    Noch einmal ganz deutlich: die Finanzierung der Betriebskosten ist gesichert. Es gibt keinerlei Sachargumente mehr gegen diese Lösung.

    Aber genau das scheint für einige Leute die „Gefahr“ zu sein. Nämlich, dass es sein könnte, dass ein Baukunstarchiv NRW in das „provinzielle“ Dortmund kommt. Und nicht nach Düsseldorf oder Köln.

  • #4
    Ulrike Maerkel Beitragsautor

    @Detlef Koester: Danke für Ihr Statement. Ich stelle Fragen, die sich auf die Zahlen beziehen, die in den Dortmunder Medien (Ruhrnachrichten, Der Westen) zu lesen waren. Wenn die Betriebkosten -nun von Wirtschaftsprüfern bestätigt- um so viel geringer sind, als damals diskutiert wurde, und zudem die langfristige Finanzierung gesichert ist, ist das für Ihr Vorhaben doch sehr gut. Bleibt nur noch die Frage in Blick auf die Landesmittel (für die Gebäudeertüchtigung inklusive Heizung), ob „avisiert“ nur angekündigt bedeutet, oder „schriftlich fest zugesichert“ heisst. Wir werden in jedem Fall mit Interesse die Vereinsgründung und die Weiterentwicklung rund ums das ehemalige Ostwallmuseum verfolgen.

  • #5
    Detlef Koester

    Hallo Frau Maerkel,

    Minister Groschek hat die Mittel unter einer Bedingung zugesagt: dass die Architekten- und Bauingenieurkammern der Einrichtung des Archivs in Dortmund zustimmen.

    Aus völlig unsachlichen Gründen verweigern die Vertreter der Kammern diese Zustimmung und gefährden damit nicht nur die Erhaltung des Museums, sondern die Einrichtung eines Baukunstarchivs überhaupt.

    Das kann und muss man werde verstehen, noch akzeptieren.

    Die BI wird dazu in Kürze einen offenen Brief an den Minister schreiben. Es wird ein offener Brief, damit in der Öffentlichkeit ganz deutlich wird, was da gerade passiert.

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