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Neujahrsskispringen in Garmisch-Partenkirchen. Da guckt man zu. Aber warum eigentlich?

Das Sportjahr beginnt traditionell beim Skispringen. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Das Sportjahr beginnt traditionell mit Skispringen. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Heute ist einer dieser Tage im Jahr, wo plötzlich Sportveranstaltungen in den Mittelpunkt des Interesses rutschen, die hierzulande sonst eher ein Schattendasein fristen. Denn Millionen von Zuschauern werden sich auch in diesem Jahr das heutige ‚Neujahrsskispringen‘ in Garmisch-Partenkirchen wohl wieder nicht entgehen lassen.

Zwar steht die sogenannte ‚Vierschanzentournee‘, deren zweites Springen traditionell eben dieses heutige ‚Neujahrsspringen‘ ist, bei den Skispringern ohnehin neben den Olympischen Spielen und den Weltmeisterschaften mit deutlichem Abstand am meisten im Blickpunkt der Öffentlichkeit, doch gerade eben auch diese zweite Station, die am Neujahrstag, sticht in Sachen Beachtung und Aufmerksamkeit noch einmal ganz deutlich hervor.

Und so wird nachher sicher wieder die sprichwörtlich ‚halbe Nation‘ vor den TV-Geräten sitzen und ein paar sportlichen Außenseitern über Stunden dabei zuzusehen, wie sie mit Skiern an den Füssen einen Hügel hinunterfliegen. Hoffentlich ohne dabei zu stürzen.
Schon eine merkwürdige Tradition. Denn seien wir mal ehrlich, der Unterhaltungswert dieser Veranstaltung für Zuschauer ist doch eher arg überschaubar.

Doch während man sich die Anziehungskraft dieser etwas merkwürdig wirkenden Veranstaltung für die Zuschauer vor dem TV-Gerät, nach einer vielfach wohl wieder nur kurzen und vermutlich häufig harten Silvesternacht, ja noch irgendwie erklären kann, denn so beginnt der Tag bzw. das Jahr für viele halt nicht nur traditionell, sondern eben auch schön langsam und entspannt, kann man sich als sportinteressierter Beobachter wohl schon deutlich weniger erklären, warum denn bitteschön Zehntausende an diesem Tag, so kurz nach der traditionellen Silvesterfeier, persönlich an die Schanze pilgern, sogar stundenlang im dortigen Stadion auf den Wettbewerb der Springer warten, nur um sich das Ganze dann direkt am Schanzenhügel anschauen, dafür sogar noch viel Geld zu zahlen bereit sind.

Warum bitteschön ist man bereit über Stunden in der Landschaft herumstehen, nur um dann für jeweils wenige Bruchteile von Sekunden etwas mitzuerleben, was man aus einiger Entfernung ohnehin nicht wirtlich erkennen kann, wo man vor dem Fernseher besser sieht was gerade passiert ist? Warum geben hier Tausende viel Zeit und Geld um Zeuge einer Veranstaltung zu sein, die bei allem Interesse für die sportliche Entscheidung, dann doch nur mäßig unterhaltsam und spektakulär daherkommt? Schwer bzw. nicht wirklich zu erklären.

Mit einem Glühwein oder Bier in der Hand, zusammen mit Freunden ein Freiluftevent zu besuchen…. Hätte man das so nicht auch auf einem nächstgelegenen Weihnachtsmarkt schon haben können? Und dort kostet es nicht einmal Eintritt, so wie heute in Garmisch-Partenkirchen. Davon ab, ist es in diesem Jahr für den beliebten Glühwein ohnehin viel zu warm.

Trotzdem wird das Neujahrsskispringen auch in diesem Jahr wieder sehr gut besucht sein. Wohl auch, weil mit Severin Freund nach Jahren mal wieder ein Deutscher vorne mit dabei zu sein verspricht. Das Auftaktspringen in Oberstdorf vor ein paar Tagen, das erste der Vierschanzentournee, hat er ja schon gewonnen, wie Sportfans sicherlich längst wissen.

Und was geht heute ab? Ich werde es mir ansehen, wie bereits seit rund 35 Jahren. Aber warum? Und warum jedes Jahr wieder? Diese Frage weiß ich eigentlich auch nach all den Jahren noch nicht wirklich zu beantworten. Es ist halt das Neujahrsskispringen. Das schaut man zu. So fängt das Jahr eben immer an….zumindest das ‚Sportjahr‘.

Es gibt schon wirklich merkwürdige Traditionen… 😉

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6 Kommentare zu “Neujahrsskispringen in Garmisch-Partenkirchen. Da guckt man zu. Aber warum eigentlich?

  • #1
    Klaus Lohmann

    Robin – weil nix anderes in der Glotze kommt, aber der Tach sowieso im Ar… ist, deshalb;-)

  • #2
    Robin Patzwaldt Artikelautor

    @Klaus: Mir schrieb gerade jemand auf Facebook, das würde vermutlich am Restalkohol liegen. Da formt sich offenbar so langsam ein Bild. 😉 😀 Aber ich muss einräumen, ich habe das auch schon als Kind, zu Zeiten eines Andreas Bauer, geguckt. Und da war noch nix mit Alkohol. Zumindest nicht bei mir. :-) 😉

  • #3
    Sebastian

    Vielleicht weil die meisten Leute heute frei haben? Wenn ich arbeiten müsste würde ich es nicht gucken.

  • #4
    kE

    Ich schaue es mir nicht an, aber mal etwas Schneesport jenseits der gefühlt 1000 Biathlon Wettbewerbe ist auch nicht schlecht. Skispringer im Sommer oder im Winter haben etwas. Das ist schon richtig mutig, die Schanze herunterzuspringen.
    In Moskau klappt das auch direkt in der Stadt.

    Rodeln Live in Winterberg ist da deutlich krasser.
    Warten, für ein paar ms ist etwas auf der Bahn, warten.
    Im Kreisel gibt es wenigstens "Verpflegung".

    OK, die Sportart interessiert nicht, ist richtig teuer, aber es gibt wenigstens ein paar Ehrungen für Deutschland, weil sich nur wenige Länder den Sport leisten wollen.

  • #5
    Klaus Lohmann

    Robin, teilweise ist es bei mir wohl familiäre Prägung (meine ski-begeisterten Eltern hatten irgendwie alles geglotzt, was sich auf Schnee abspielte und meine erste aktive Ulraubserinnerung hab ich vom Rummel des Neujahrsspringens in einem magisch verschneiten Partenkirchen – aber eigentlich hasse ich aktiven Wintersport;-)

    Und danach bot es sich wirklich schon allein wegen des ruhigen, gleichförmigen Ablaufs als therapeutische Katerbegleitung fast perfekt an.

  • #6
    Thorsten Stumm

    Also ich schon lange nicht mehr…ich gucke seit Jahren Darts zwischen den Jahren…und das ist sogar hipp geworden …. :)

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