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Das Ruhrgebiet muss sexyer werden!

Geht nicht: Zollverein - Der alte Pütt ist so sexy wie eine Garage in einem Kieler Vorort!

„Mir ist über die Zukunft des Ruhrgebiets überhaupt nicht bange“, sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auf dem Kongress Der Phoenix fliegt des Initiativkreises Ruhr zu Beginn dieser Woche. Und recht hat sie: Das Ruhrgebiet ist nach einem Bericht von Spiegel online auf Augenhöhe mit Berlin: Die Hauptstadt und das Ruhrgebiet werden demnach zu Armutshochburgen. An die beiden kommt, was das Armutsrisiko betrifft ausser eine paar Zonenlandkreisen niemand ran. Spiegel-Online zitiert Ulrich Schneider, den Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, der die regionale Armutsstudie vorgestellt hat:

Dramatisch ist die Entwicklung dem Bericht zufolge auch in Nordrhein-Westfalen und hier besonders im Ruhrgebiet. Dort stieg die Armutsgefährdungsquote innerhalb eines Jahres von 17,4 auf 18,9 Prozent. Noch deutlicher war die Entwicklung in Berlin, wo die Quote um ganze 1,9 Prozentpunkte auf 21,1 Prozent zulegte. “Was die regionalen Entwicklungen angeht, sind Berlin und das Ruhrgebiet die Problemregionen Nummer eins”, so Schneider.

50 Jahre Strukturwandel und das Ruhrgebiet und die hippste Großstadt Europas, werden in einem Atemzug genannt. Was für ein Erfolg: Jetzt sind wir arm wie Berlin, aber leider  noch immer so sexy wie Bielefeld, Darmstadt oder Kiel.
Nachdem es nun offenbar gelungen ist, wirtschaftlich mit der Hauptstadt gleichzuziehen, braucht das Ruhrgebiet dringend eine Sexy-Offensive.  Ganz klar eine Aufgabe für Dieter Gorny: Wenn es schon mit dem Aufbau der realen Kreativwirtschaft hapert, könnten sich ja er und sein European Center für Creative Economy (ECCE) auf den Ausbau der symbolischen Kreativwirtschaft konzentrieren, die ja auch in Berlin sehr boomt:  Wir brauchen mehr hippnes, mehr Pollunder, mehr Nerd-Brillen,  mehr Kellner, die eigentlich Schauspieler sind und mehr junge Menschen, die irgendwas mit Medien machen wollen. Und die bekommen natürlich alle keine Arbeit und kein Geld – wie in Berlin. Aber auch auf uns Journalisten warten spannende Aufgaben: Wir können das Leben in feuchten, ungeheizten Wohnungen als frei gewählten Beitrag zu Bekämpfung des Klimawandels beschreiben, in Modeblogs über Trends  aus dem  Altkleidercontainer fabulieren und lange, poststrukturalistisch anmutende Texte über das Glück einer Wirtschaft ohne Wachstum formulieren. Darauf ein Doppelyeah!
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9 Kommentare zu “Das Ruhrgebiet muss sexyer werden!

  • #1
    Franz Przechowski

    Yeah für Dein Doppelyeah, Stefan! Endlich auch in Sachen amtlich anerkannter Armut auf Berliner Spitzenniveau. Das ist mal ´ne Meldung. Unsere Kultur des “Herum-Jammerns” in Tateinheit mit “Beihilfen-Abgreifen aus Subventionstöpfen” ist ja schon seit Jahrzehnten auf Berliner Niveau. Mann, ey – haben uns die Anerkennung wirklich verdient. Schade nur, daß wir noch kein ewig kaputtes U-Bahn Netz haben. Das wäre noch was! Oder ein anderes in die Binsen gegangenes Großprojekt bei der Infrastruktur. Doof nur, daß sich Mutti Kraft “keine Sorge um´s Ruhrgebiet macht”. Warum eigentlich? Will sie wegziehen, verduften? Wenn ja, dann wahrscheinlich wegen Deiner abenteuerlich bescheuerten Idee, Stefan. Meister Gorni und sein Kreativ-Schwuppen-Theater als Sexsymbol für den Ruhrpott aufzubauen! Da schmeckt mich dat Pilsken abba au nich mehr, ey. Mensch Stefan, arm sind wir wirklich, aber hoffentlich noch nicht ganz so doof. Glückauf, kann dat Schwatte nich mehr sähn…

  • #2
    Nordenhaus

    Eher fraglich wenn man sich das mal aus statistisch-methodischer Perspektive (also bzgl. der zugrundeliegenden Daten) ansieht: „Für die Armut im Ruhrgebiet verwendet der Paritätische Wohlfahrtsverband das (leicht gestiegene) Medianeinkommen der Bundesrepublik Deutschland als Berechnungsgrundlage. Wird dagegen das Medianeinkommen der jeweiligen Großstadt als Berechnungsgröße verwendet, hatte Dortmund in 2010 eine geringere Armutsgefährdungsquote als Düsseldorf, Hannover, München oder Stuttgart.“ Mehr hier: http://www.rwi-essen.de/media/content/pages/presse/downloads/1201_Ruhrgebiet_Deutschlands_Armenhaus.pdf und hier: http://www.rwi-essen.de/media/content/pages/presse/downloads/Unstatistik_Oktober_2012.pdf

  • #3
    Stefan Laurin Autor

    @Nordenhaus: Ich halte auch nichts von der Armutsdefinition des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Aber das ändert nichts an der Grunderkenntnis der Studie: Nirgendwo sind so viele Menschen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten wie in Berlin und im Ruhrgebiet. Mit einer veränderten Armutsdefinition käme man zu den gleichen regionalen Aussagen – bei einer niedrigeren Armenquote.

  • #4
    Frank

    Ok, Stefan und Franz:

    Ihr habt den Gorny schon genommen. Wir haben gerade noch einen an die Rampe geschoben – Könnt Ihr den auch noch nehmen?
    http://www.berliner-zeitung.de/berlin/peinlichste-berliner-2012-klaus-wowereit-ist-die-nummer-1,10809148,21142582.html

    “Atze Peng” (Tip) würde aus dem Ruhrpott ne gefragte Survivalarea machen: Den DUS und die RE- und S-Bahn Linien stillegen, Bahnhöfe schließen und den ersten Schnee für ne flächendeckende Vereisung nutzen.

    Aus den Ruhrkohle Brachen würde er kreative Wiesenmeere machen. Aus dem Dortmunder U ein St. Oberholz mit WLAN. Das Dortmunder Technologiezentrum würde zum Technikmuseum.

    Die Perspektive für Euch:
    Die unter Anlagedruck leidenden Oberschichten von Madrid bis Kiew würden Euren Immobilienmarkt boosten. Unter 100.000 kaufen die ohne Besichtigung, weil: das kostet in Kiew schon der Stellplatz für den Panamera.

    Legt einfach mal nen Flyer in die Coolibri auf dem coole Studenten mit Grubenlampe am Helm in WLAN Cafe’s sitzen und Onlinesinglebörsen absurfen. Damit sackt man in Berlin die erste Finanzierungsrunde ein, das müsste auch zwischen DU und DO funktionieren :-)

  • #5
  • #6
  • #7
    Tati

    Dieter Gorny soll endlich Bürgermeister von Duisburg werden, erst dann kann behauptet werden, dass es nicht mehr peinlicher geht.

  • Pingback: Berliner helfen dem Ruhrgebiet I: So geht arm und sexy! | Ruhrbarone

  • #9
    Arnold Voß

    Wie wäre es, wenn wir die ganze Sache nicht als Desaster sondern als Herausforderung ansehen und annehmen. Sexyness kommt dann wie von selbst.

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