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Die Hisbollah ist Israels größte Bedrohung

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Arye Sharuz Shalicar

Die Sicherheitslage in Israel ist angespannt. Fast täglich gibt es Anschläge auf die Zivilbevölkerung und die Terrororganisation Hisbollah wurde mit Hilfe des Irans aufgerüstet. Die Ruhrbarone sprachen mit Major Arye Sharuz Shalicar,einem von vier Pressesprechern der  Israel Defense Forces (IDF).  

Ruhrbarone: Seit Monaten finden in Israel fast täglich Anschläge statt. Wie groß ist die Zahl der Opfer?

Arye Sharuz Shalicar: Es gab alleine 100 Messeranschläge in den vergangenen sechs Monaten. Dazu kommen weitere Attentate mit Schusswaffen, es werden Brandsätze auf Busse und Züge geworfen und es kam auch schon vor, das Terroristen in Bushaltestellen reinrasten mit dem Ziel Passanten, zu überfahren.

Ruhrbarone: Wer sind die Täter, wer die Opfer?

Shalicar: Die Täter greifen alle Menschen an, die sie für Juden halten. Die meisten Opfer sind Zivilisten. Die Täter sind Araber und kommen vor allem aus Ostjerusalem, dem Westjordanland oder aus Israel. Auffällig viele kommen aus Hebron und sehr viele von ihnen sind jung: Wir haben es zum größten Teil mit Kindern und Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren zu tun, die sich, aufgehetzt von Imanen, Terrororganisationen wie der Hamas oder auch Propaganda aus dem Internet dazu verleiten lassen, mit einem Küchenmesser auf Menschen loszugehen, um sie zu töten. Viele von ihnen sind auf Propagandalügen hereingefallen. Angeblich will Israel den Status der Al Aqsa Moschee ändern – alles Unsinn, aber sie glauben ihn.

Ruhrbarone: Immer wieder bezahlen Attentäter für ihre Aktionen mit dem Leben. Was tun die Führer der Araber, um die Mordserie zu stoppen?

Shalicar: Leider nichts. Es gibt keine Aufrufe, die Anschläge zu stoppen. Solange das nicht geschieht, wird diese Anschlagsserie weiter gehen. Egal ob Armee oder Polizei – wir haben keine Chance, diese Anschläge zu vereiteln, wir können nur versuchen, die Attentäter zu stoppen und das tun alle Israelis: Soldaten, Polizisten, ganz normale Bürger oder die Angehörigen von privaten Sicherheitsdiensten.

Ruhrbarone: Wie reagieren die Israelis auf die Bedrohung?

Shalicar: Das Leben geht weiter. Wir Israelis lassen und durch so etwas nicht einschüchtern. Wenn ich mich meinen Kindern im Zoo bin, denke ich nicht daran, dass uns jemand angreifen könnte. Wir sind erfahren im Umgang mit dem Terror.

Ruhrbarone: Wie reagiert die IDF auf die Anschläge?

Shalicar: Unser Hauptproblem als Armee ist nicht der palästinensische Terror. Wir schauen nach Norden, zur Hisbollah in Syrien und im Libanon, nach Gaza und wir behalten den Islamische Staat und den Iran im Blick. Das der Iran Langstreckenraketen testet, sollte allerdings nicht nur uns interessieren, sondern auch den Rest der freien Welt.

Die größte Herausforderung für uns ist zur Zeit allerdings die Hisbollah. Sie wird vom Iran mit modernen Waffen ausgestattet, verfügt über personalstarke und kampferfahrene Truppen. Die Hisbollah ist nicht besser als der Islamische Staat und sie ist eine nicht weniger gefährliche Terrororganisation. Die einen sind Sunniten und mehr auf Youtube aktiv, die anderen Schiiten – das sind die wesentlichen Unterschiede.

Ruhrbarone: Die Hisbollah wird in Deutschland kaum als Bedrohung wahrgenommen. Alle Augen richten sich auf den Islamischen Staat.

Shalicar: Das ist ein Fehler. Hisbollah hat sich insbesondere in den letzten zehn Jahren inmitten der Zivilbevölkerung verschanzt – und somit Dörfer zu Militärbasen transformiert. Damit macht sie Zivilisten zu ihren Schutzschilden und unterscheidet sich darin in nichts von der Hamas. Im Sommer 2014 wurde Israel auch von Raketenstellungen der Hamas aus angegriffen, die in Moscheen, Schulen oder Kindergärten untergebracht waren. Wenn wir zurückschossen wussten wir, dass da nicht nur Terroristen sind, sondern auch Zivilisten, hinter denen sie sich verstecken. Wir haben uns jedes Mal überlegt, was wir tun. Nach der Genfer Konvention ist es verboten, Militäreinrichtungen in der Nähe von Zivilisten einzurichten, aber Terroristen ist das egal. Sie halten sich an keine Regel. Die Djihadisten opfern ihre Familien für Propagandazwecke.

Ruhrbarone: Man fragt sich Angesichts des Terrors und der Bedrohung Israels, was Europa und der Westen für Israel tun kann. Aber man fragt sich auch, wie Israel Europa helfen kann, denn auch hier kommt es ja zu Anschlägen.

Shalicar: Auch wenn man es nicht immer mitbekommt: Die USA, die Europäer und Israel arbeiten eng zusammen. Wir unterstützen uns gegenseitig und arbeiten auch militärisch eng zusammen. Wir sind Verbündete. Die Zusammenarbeit ist wichtig für uns alle, denn wir wollen in Sicherheit, Frieden und Freiheit leben. Das geht nur, wenn wir zusammen halten.

Arye Sharuz Shalicar wurde in Göttingen geboren und wuchs in Neuköln auf. In Deutschland wurde er bekannt durch sein Buch „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“, das seine Jugend in Berlin schildert. 2001 wanderte er nach Israel aus.

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13 Kommentare zu “Die Hisbollah ist Israels größte Bedrohung

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  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @mike: Gaza ist nicht besetzt. Das Elend dort schafft die Hamas ganz alleine – und wird von den Europäern auch noch durchgefüttert.

  • #4
    Helmut Junge

    Was den Iran und seine Langstreckenraketen betrifft, hat Arye Sharuz Shalicar völlig Recht. Die könnten dazu führen, daß der Iran im Nahen Osten die Vormachtstellung erreicht und zur Bedrohung nicht nur für Israel, sondern auch für uns wird. Aber das geht auf Obamas Kappe. Und da kann ich durchaus verstehen, daß es zwischen der israelischen und der derzeitigen amerikanischen Regierung kriselt.
    Stefan,sei mir nicht böse, aber leider hast du den Punkt, warum die Hisbollah die größte Gefahr für Israel sein soll, nicht richtig hinterfragt. Der Text geht weiter mit Raketenstellungen der Hamas. Aber was macht die Hisbollah für Israel gefährlicher als die Hamas? Darauf finde ich keinen Hinweis. Daß sie eine Terrorgruppe ist, wie andere Terrorgruppen auch, sagt nichts über den besonderen Gefährlichkeitsgrad aus.
    Ich weiß schon über vergangene Auseinandersetzungen Israels mit der Hizbollah bescheid, und ich weiß auch, welche Aufgaben der Hisbollah im Syrienkrieg zufallen, also wie kampfstark die sind. Aber was sie zur Zeit gegen Israel betreibt, darüber fehlen mir die Informationen. Solange sie Assads Truppen unterstützen müssen, haben die auch keine militärischen Ressourcen frei. Vielleicht meint der israelische Offizier auch nur die potenzielle Bedrohung. Aber die hängt davon ab, ob es weiter Krieg der Sunniten gegen die Schiiten gibt, oder nicht. Solange dieser Krieg stattfindet, kann Israel für die Muslime nur eine begrenzte Rolle spielen. Und dieser Krieg weitet sich aus. Hizbollah muß machen, was der Iran sagt. Soweit ich weiß hat der Iran einige tausend Hizbollahkämpfer in den Yemen geschickt, wo der Iran auch drin hängt. Die Hizbollah also mit Aufträgen ziemlich eingedeckt.
    Andererseits, wenn ich israelischer Offizier wäre, müßte ich natürlich über die größtmögliche Bedrohung anders denken, als von meinem Sessel in Westdeutschland. Und meine Gedanken sind nun mal alle auf dem sicheren Sessel entstanden. Aber schade, daß du an dem Punkt nicht weiter gefraht hast.

  • #5
    Ronni

    Sehr Schöner Artikel Top Recherchiert wie immer wenn es um den Staat Israel geht einfach nur Perfekt;-)
    Aber eine Frage brennt mir was haben Messerattacken durch besetzte gebiete mit der Hisbollah im Libanon zu tun haben die etwa ihnen die Messer geliefert, oder besser gesagt haben sie sonst keine Küchenmesser zuhause. Oder haben sie das gemacht aus Verzweiflung und Ohnmacht durch Jahrelange Unterdrückung.

  • #6
    Ronni

    @Helmut Junge

    Ich stimme dir 100 Prozent zu, für Israel stellen lediglich die Sunniten mit ihrer Absoluten Mehrheit eine Bedrohung das wissen sie ganz genau, deshalb läuft es für Israel Momentan sehr gut. Assad wäre schon längst weg wenn dies für Israel vorteilhaft gewesen wäre. Seit ca. 40 Jahren sind die Golan Höhen durch Israel besetzt ohne irgend einen Krieg zwischen Israel und Syrien. Die Hisbollah ist im Libanon schon längst ein Staat im Staat, Korruption hat schon längst da Ganz Land befallen und seit über einen Jahr gibt es keinen Präsident das sagt schon alles. Iran ist für sehr viel Terror im Nahenosten verantwortlich und das ist in der Interesse von Israel man kann ganz klar erkennen das erst Der Irak, dann der Jemen dann Syrien und Libanon an den Schiiten übergeben wurde.

  • #7
    Helmut Junge

    @Ronni, so präzise wie du das aus meinem Kommentar herrausliest, habe ich es nicht geschrieben.
    Aber eines stehr 100%ig fest. Eine Armee muß sich gegen den stärksten möglichen Feind rüsten.
    Das ist womöglich wirklich die Hizbollah. Israel hatte bereits Krieg gegen sie geführt.
    Aber die Politik kann und muß andere Spielräume ausloten.
    Wie das die Israelische Regierung macht, kann ich aber nicht wissen.
    Assads Truppen bewegen sich in der Nähe von Israel sehr vorsichtig, Und Israel hält sich auch zurück.
    Und wenn ich vom Ruhrgebiet aus politisch spekuliere kann ich gemütlich und gänzlich ungefährdet, ein paar Sachen zueinanderreihen, meine Fantasie spielen lassen, und schon habe ich ein weltpolitisches Szenario, das wahrscheinlich mit der rauhen Wirklichkeit gar nichts zu tun hat. Aber manchmal stimmt es doch so ungefähr. Es ist ja nicht so, daß alles nach meiner Logik abläuft. Nachdenklich macht, daß Assad auch die Unterstützung einer palästinensischen Kampftruppe genießt, die mit der Hizbollah gemeinsam kämpft. Welchen Preis erwartet die für ihren Einsatz?
    Das ist nicht die einzige Ungereimtheit in meinem Fantasiespiel. Nur, die sunnitische Koalition wird sich auf jeden Fall gegen Israel stellen? Auch das ist unsicher. Israel hat gute Beziehungen zu Saudi Arabien und bald auch wieder zur Türkei. Bäumchen wechsel dich heißt das in der Weltpolitik. Die Sache ist halt noch nicht ausgereift, um zu erkennen was sich wie entwickelt. Aber innerhalb des früheren gemeinsamen islamischen Lagers kriselt es. Das ist neu. Und das ergibt neue Handlungsspielräume bzw. Zwänge. Nach dem amerikanischen Wahlen werden neue Weichen gestellt und dann erst ist mit möglichen Veränderungen zu rechnen. Wenn der Sieger so weitermacht wie Obama, könnten Dinge geschehen, die wir uns heute nicht vorstellen können.

  • #8
    Thomas Weigle

    Es darf in diesem Zusammenhang mal daran erinnert werden, dass der Libanon mal als DIE SCHWEIZ des Nahen Ostens galt, bis, ja bis die Palästinenser kamen, nachdem sie im Spä6tsommer 70 einen blutig, sehr blutig niedergeworfenen Aufstand anzettelten, nein, nicht in Israel, sondern im Land ihrer arabischen Brüder, also in Jordanien. Kurzfristig stand damals auch ein Krieg Syriens gg. Jordanien im Raum, syr. Panzerkräfte hatten schon die Grenze zum Nachbarstaat überschritten, um den Aufständischen zur Hilfe zu eilen. Garniert wurde das ganze durch einen tagelangen Nervenkrieg um drei entführte westl. Passagiermaschinen, die dann auf dem Dawson-Field in Jordanien von palästinensischen "Freiheitskämpfern" ohne Passagiere gesprengt wurden. Die entführten Passagiere, u.a. brit. Touristen, hatten zuvor tagelang unter der Hitze und den Brutalitäten ihrer Entführer zu leiden

  • #9
    Ronni

    @Helmut Junge
    So ähnlich wie Die Terror Peitsche die wir im Westen kennen (Binladen ect. ) so ist es mit der Hisbollah im Libanon sie sollten den Libanon nicht mehr vor Israel Schützen sondern vor angeblichen Terroristen aus Syrien. Ich sagte doch Es läuft momentan sehr gut für Israel besser kann es kaum laufen.

  • #10
    discipulussenecae

    @ Mike:

    Nach der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel am 14. Mai 1948 wurde dieser am 15. Mai, kurz nach 0 Uhr, von regulären Armeeeinheiten einer Allianz angegriffen, die von den arabischen Staaten Ägypten, Syrien, Libanon, Jordanien und Irak gebildet worden war. (WIKIPEDIA)

    Nach der umfassenden arabischen Niederlage in diesem selbstverschuldeten Krieg wurden ca. 700.000 bis 800.000 Juden aus allen arabischen Ländern vertrieben und von Israel gastlich aufgenommen und integriert.

    Die Araber haben hingegen auf palästinänsischem Gebiet den Staat Jordanien gegründet und sich geweigert, die verbliebenen Palästinenser aufzunehmen und zu integrieren, sondern sie nur als politische Verschiebemasse und als Druckmittel gegen die USA und Israel instrumentalisiert und mißbraucht.

    Israel hat nach mehreren gewonnenen Kriegen Land besetzt, um die eigene sicherheitspolitische Lage zu verbessern und hat nach einem echten und ernsthaften Friedensschluß viel Land wieder zurückgegen, z. B. den kompletten Sinai.

    Jetzt noch einen israelischen Staat in den Grenzen vom 14. Mai 1948 zu fordern ist genauso unhistorisch und jede politische Realität ausblendend wie der Wunsch nach einem Deutschland in den Grenzen vom dem 1. August 1914.

  • #11
    Thomas Weigle

    Ich darf noch erwähnen, dass es von Seiten der damals vertriebenen Juden keinerlei Forderungen nach Rückkehr oder Wiedergutmachung gibt. Ein Großteil der damals "geflüchteten" Palästinenser wurden nicht von Kampfhandlungen oder den israelischen Truppen vertrieben, sondern folgten den Aufforderungen der kriegsführenden arab. Staaten sich vom Gebiet des durch die UNO gegründeten Staates Israel zu entfernen. Sie könnten nach dem Sieg der arab. Staaten zurückkehren. Darauf warten sie noch heute und es gibt nicht wenige bei uns, die das zwar wissen, aber dennoch unentwegt das selbstverschuldete Elend der Palästinenser als von Israel verursacht darstellen oder gar vom Holocaust in Gaza und Apartheit in Israel schwadronieren.

  • #12
    nussknacker56

    Ich würde vermuten, dass die Hisbollah deswegen so gefährlich ist, weil sie völlig ungehindert inzwischen ein riesiges Waffenarsenal ihr eigen nennen. Raketen aus dem Libanon sind deutlich schneller in Israel als es die gleichen aus dem Iran wären. Die Handlanger des Iran könnten zudem dafür sorgen, dass dieser vielleicht für eine entscheidende Zeit aus der Schusslinie bleibt.

    Apropos Palästinenser:
    Wenn diese freudig ihre eigenen Metzger wählen, wie sie das schon immer getan haben und weiter zu tun gedenken, ist natürlich nur einer schuldig: Israel. Daran gibt es keinen Zweifel.

  • #13
    Thomas Weigle

    Um noch mal auf die IDF zu kommen, da lese ich doch kürzlich, dass in dieser Armee auch Behinderte freiwillig im Rahmen ihrer Möglichkeiten dienen können, u.a. Menschen mit Down-Syndrom. Finde ich doch sehr erstaunlich.

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