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Die Wahl zwischen ‚Pest‘ und ‚Cholera‘?

Am Stadion in München. Foto: Robin Patzwaldt

Am Stadion in München. Foto: Robin Patzwaldt

OK, bei aller bedrückenden Tagesaktualität in Politik und Gesellschaft wird heute und morgen Abend dann auch noch einmal in der Fußball-Bundesliga gekickt. Werfen wir heute daher auch noch einmal einen kurzen Blick auf den anstehenden 16. Spieltag im Fußballoberhaus. Eigentlich ein Grund zur Freude, doch in Zeiten wie diesen, da fällt dies gleich aus mehrere Hinsicht schwer.

Nachdem Dortmund und Schalke aktuell mehr als gewünscht mit sich selber beschäftigt sind, da findet das Spitzenspiel zwischen Tabellenführer und Verfolger aktuell ohne Ruhrgebietsbeteiligung statt. Und aus eben dieser Ruhrgebietssicht könnten es auch wohl kaum weniger beliebte Teams sein, die da derzeit im Blickpunkt, im Scheinwerferlicht der Fußballnation stehen.

Branchenprimus und Tabellenführer Bayern München trifft auf den frechen Neuling, den Brauseclub RB Leipzig. Tja, was fängt man nun damit an?

Schon schade, dass die Bayern in dieser bisherigen Hinrunde mal wieder ungewohnt viele Schwächen angeboten haben und der BVB und auch S04 trotzdem gefühlte Lichtjahre von der Tabellenspitze entfernt sind. Denn wann, wenn nicht in einer solchen Saison, hätte man die Möglichkeit einen Meistertitel zu ergattern denn bitteschön sonst noch realisieren mögen?

Wirklich sehr schade, dass beide großen Ruhrgebietsclubs eben im entscheidenden Moment dann nicht da waren und diese zuletzt sehr selten gewordene Chance ergreifen konnten,  als die Serienmeister von der Isar (endlich) einmal wieder über Wochen hinweg vergleichsweise geschwächelt haben.

So ist es nun eben Leipzig geworden, der als einziger Vertreter in der Liga noch am ehesten schritthalten kann. Ausgerechnet der wohl unbeliebteste Bundesliga-Club Deutschlands fordert nun einen anderen Verein, der ebenfalls nur in Reihen der eigenen Fans wirklich beliebt ist.

Die Versuche vieler Medien das Ganze nun zu einem Ereignis von nationaler Strahlkraft emporzuschreiben und zu –senden läuft daher bis zu einem gewissen Masse auch ins Leere. In den Augen Vieler ist das hier halt nur das Gipfeltreffen von zwei ‚Übeln‘! Ungeachtet der sportlich durchaus anzuerkennenden Leistung des Neulings.

Wem wünscht man da als vergleichsweise unbeteiligter Beobachter jetzt eigentlich eher den Sieg, wem am Ende im Mai 2017 die Meisterschaft? Den seit gefühlten Ewigkeiten alles überstrahlenden Bayern, oder aber den von ungewöhnlichen Sponsorengnaden emporgepuschten Brausevertretern?

Egal wer über den Jahreswechsel, wer dann am Ende der Saison von den Beiden oben stehen wird, es wird kein gutes Signal für den fußballromantischen Fan im Lande sein. Das dürfte jetzt bereits feststehen. Entweder heißt es dann ‚schon wieder die Bayern‘, oder aber man jammert millionenfach ‚das ist das endgültige Ende des Fußballs, so wie wir ihn kannten‘.

Ganz egal also wie das Ganze ausgeht, es wird viel Gejammer folgen. Und das ja auch irgendwie zu Recht. Die Lage der Liga verändert sich aktuell radikal. Und das nicht zu ihrem Vorteil. Ungeachtet aller wirtschaftlichen Erfolgszahlen.

Es fällt tatsächlich schwer an der derzeitigen Situation der Fußball-Bundesliga noch etwas wirklich Positives zu entdecken, wenn man etwas genauer auf die aktuellen Entwicklungen blickt. Da bleiben einem eigentlich nur noch kleinere Freuden wie ‚Oh, die Frankfurter Eintracht spielt aber diesmal eine schöne Saison‘, oder aber ‚wirklich toll, wie der 1. FC Köln über weite Phasen der Vorrunde agiert hat‘.

Über die vielen Enttäuschungen der Vorrunde, darunter leider das Abschneiden von S04 und BVB, kann das aber nicht hinwegtrösten.

Und wenn man im finalen Spitzenspiel der Hinrunde beim Daumendrücken dann nur noch die Wahl zwischen Bayern und Leipzig hat, dann werden viele Fans in Deutschland das schlicht als Wahl zwischen ‚Pest‘ und ‚Cholera‘ empfinden.

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10 Kommentare zu “Die Wahl zwischen ‚Pest‘ und ‚Cholera‘?

  • #1
    thomas weigle

    Ich hatte Samstag vor einer Woche Gelegenheit mal wieder die Bundesligakonferenz zu sehen, als ich zu Besuch bei meiner Schwester und am Abend vorher mit Schwager und Neffe im Frankfurter Stadtwald war. Noch vor der Konferenzhalbzeit habe ich mich mit einem Ostfriesenkrimi zurückgezogen. Es hat mich einfach nicht mehr interessiert.

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Thomas: Ähnliche Tendenzen erkenne ich bei mir derzeit auch. Obwohl ich mich immer noch sehr damit auseinandersetze, jeden Tag viel Zeit damit verbringe. Aber ich nehme das Ganze aktuell deutlich weniger ernst. Es gibt einfach zu viele Dinge die mein Interesse an der Bundesliga torpedieren. Das ‚Projekt‘ RB und die zunehmende Dominanz der Bayern auf wirtschaftlicher Ebene sind dabei zwei Kernpunkte für mich. Aber auch die immer flacher zu werdende Berichterstattung darüber… Sport1.de kann ich inzwischen z.B. gar nicht mehr lesen und auch die TV-Diskussionen (sprachen wir ja hier schon drüber) finde ich leider immer weniger reizvoll. Mag aber auch ein Stück weit an mir liegen. Man wird halt älter und damit auch ‚konservativer‘ 😉

  • #3
    Walter Stach

    ThomasWeigle,
    kann das mit einer "Übersättigung" zu tun haben? Ich habe jedenfalls den Eindruck, daß das bei mir der Fall ist, denn auch ich bin nicht mehr "so scharf darauf", möglichst alle Bundesligaspiele via Konferenzschaltung sehen zu müssen. Wer alle die Möglichkeiten nutzt, internationalen Spitzenfußball sehen zu können, der ist a.) verwöhnt und für den könnte es b.) vermutlich irgendwann selbst des Guten zuviel sein. Allerdings kann ich die Spiele meines BVB gar nicht oft genug und gar nicht lange genug sehen -"uralte Aufzeichnungen" eingeschlossen.

    Robin,
    schön, daß Du uns mit Deinem Kommentar ‚mal wieder Gelegenheit zu einem Meinungsaustausch in Sachen Fußball bietest.
    Ich nehme jedenfalls die Gelegenheit gerne war, weil ich mich momentan durch die andauernde, ununterbrochen Berichterstattung und Kommentierung zu dem Terroranschlag in Berlin psychisch und physisch erschlagen fühle. Medial wird derzeit jedes noch so kleine Mosaiksteinchen in der Sache, jede noch so belanglose wie oberflächliche Kommentierung durch Politiker, durch Journalisten, durch Poltik-wissenschaftler aufgegriffen und in einer Endlosschleife wiederholt -bis zum "Gehtnichtmehr", jedenfalls bei mir. Da hilft mir eine Diskussion über den Fußball wie diese. Da wird mich gleich das Spiel des BVB gegen den FCA hoffentlich auf andere Gedanken bringen.

    Pest und Cholera?
    Ich werde jedenfalls als "geborener Gegner des FCB" diesem morgen gegen Red Bull L. erstmals in meinem Fußball-Leben die Daumen drücken. Ich wünsche mir zudem, wenn es denn nicht anders geht, auf jeden Fall ehe den FCB als deutschen Meister 2o16/2o17 als Red Bull L.
    Red Bull Leipzig ist jedenfalls bei mir der ungefährdete Spitzenreiter unter den mir absolut unsympatischen Fußball-Vereinen im Profi-Fußball in Deutschland.

    Ich plane jedenfalls, mir das Spiel morgen anzusehen. Und wem ich die Daumen drücke, ist klar.

    Zunächst jedoch geht es gleich ab 2o.oo Uhr darum, "unserem" BVB gegen den FCA die Daumen zu drücken -für einen Sieg, für einen guten Tabellenplatz am Ende der I.Hälfte der Spielzeit 2o16/2o17 und damit auch die Basis für eine gute Rückrunde zu festigen. Noch ist ja mein Wunsch nach wie vor nicht abwegig, nach dem der BVB die Spielzeit 2o16/2o17 auf den Plätzen 2 oder 3 oder 4 abschließen sollte.

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Walter: Auch ich habe mich dabei ertappt eigentlich eher den Bayern am Mittwoch den Sieg zu gönnen. Auch wenn die Liga dann wieder langweilig ist/bleibt. Aus Sicht der weiteren Verfolger wäre aber natürlich eigentlich ein Unentschieden günstiger, da dann beide Teams nur je 1 Punkt bekommen.

  • #5
    Walter Stach

    Robin,
    mich hat das Spiel wie gewünscht kurzzeitig befreit von den vielen Gedanken, den z.Teil widersprüchlichen Folgerungen, die ich aus dem Terroakt zu ziehen versucht haben -bezüglich meines eigenen Verhaltens und bezüglich meiner Erwartungen an die Gesellschaft, an die gesellschaftlichen relevanten Gruppen -Kirchen, Gewerkschaften, Unternehmerschaft, Parteien pp.- und an den Staat. Das Spiel hat mir allerdings wenig Freude gemacht, und das gar nicht ‚mal primär wegen des enttäuschenden Ergebnisses, sondern vornehmlich wegen der rundherum absolut unbefriedigenden Gesamtleistung der Mannschaft. Nur in den ersten 1o Minuten zu Beginn der 2.Halbzeit hat die Mannschaft das gezeigt, was ich von einem Anwärter auf einen Cham.lig-Platz erwarte. U.a. hatte ich bei jeder Annäherung der Augsburger an das BVB-Tor mit einem m.E. Unsicherheit vermittelnden Weidenfeller das Gefühl, es würde ein Tor fallen-das hätte ja auch kurz vor Schluß passieren können.
    Fazit:
    Gut, daß es jetzt die sog. Winterpause gibt. Und wenn die Mannschaft sich nicht deutlich steigert, wird das nichts mit der Erfüllung meines Wunsches, nämlich eine Schlußplatzierung des BVB auf den Plätzen 2 oder 3 oder 4. Jedenfalls liegen zur Zeit, nicht nur punktemäßig zwischen dem FCB und Red Bull einerseits und dem BVB anderseits Welten.

  • #6
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Tja, Walter, sowohl bei S04 als auch beim BVB liegen aktuell gefühlte Welten zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Daran hat auch der heutige Spieltag nichts geändert. Leider.

  • #7
    thomas weigle

    Nein, @Walter Stach, Übersättigung kann es bei mir eigentlich nicht sein, denn seit der Pleite von Premiere bin ich auf die ÖR und Privaten, gelegentliche Besuche im Stadtwald oder der Alm angewiesen, wenn`s um höherklassigen Fußball geht. Selbst EM- und WM-Spiele der DFB-Elf finden immer öfter nicht mehr meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Es ist das ganze Drumherum oder auch das Stehen unter Fans, die unentwegt bspw "Wagner, du Hurensohn brüllen". Da komm ich mir völlig fehl am Platze vor.

  • #8
    Mika

    Es sind ja mehrere Effekte. Zum einen die Dauerdominanz aus München, die damit zementierte Kommerzialisierung und der Hype. Im Grunde wird jede Woche etwas zum Jahrhundertereignis hochgejazzt, das nervt. Dann die unsagliche Zerfaserung des Spieltages. Aufs ganze Wochenende ausgedehnte Spielansetzungen verhindern die kompakte Verfolgung des Geschehens. Ich würde samstags in eineinhalb Stunden gerne vernünftige Zusammenfassungen aller Spiele sehen. Und abonnieren will ich auch nix und auch nicht alle Spiele live und ganz in voller Länge anschauen.
    Diese Saison lasse ich mir bewusst entgehen und genieße die Zeit am Samstag beim Aperitif.

  • #9
    Klaus Lohmann

    @#8 Mika: Es gibt ausreichend Fans, die aus ihrer Sicht zurecht sagen: "Warum alles am Samstag, wenn ich im Einzelhandel arbeiten muss"?, oder "Warum alles nur an einem Tag, wenn ich jeden Tag Bock auf Fußball habe?". Das wird sich auch in der nächsten, übernächsten und allen kommenden Saisons nicht mehr ändern.

    @#7 thomas weigle: Ich hab meine Leidenschaft fürs Live-Erlebnis im Stadion verloren, als immer mehr Fans auf der Süd um mich herum statt das Geschehen auf dem Spielfeld nur noch ihre Wettzettel oder die Bierkanne im Auge behielten und auch sonst außer einem sporadischen "Aaaah" oder "Keerrllll" und dumpf-nuschelnden "Gesängen" nichts Inhaltliches mehr zum Thema Fußball beitragen konnten. Insofern wird Live total überschätzt;-)

  • #10
    Walter Stach

    Ich bin vermutlich mißverstanden worden, wenn ich davon rede, ein Spiel "meines BVB" gesehen zu haben. Das geschieht schon lange nicht mehr . Ich habe mein "Bezugsrecht" für eine Dauerkarte -bester Sitzplatz auf der sog. Gegentribüne-abgeben, und zwar aus den Gründen, die unter -7-Thomas Weigle und unter -9-Klaus Lohmann anspricht; nicht verschweigen will ich, daß mich altersbeding das ganze "DrummHerum" zunehmend nervt. Dann und wann werde ich eingeladen, so auch gestern. Und so wie gestern lehne ich die Einladung aus den genannten Gründen regelmäßig ab.

    Wenn ich einen möglichen "Fußball-Überdruss" zu bedenken gegeben habe -3-, dann bezog sich das auf die Angebote international hochwertigen Spitzenfußballes durch die vielen diversen Fernsehsender, was bei mir u.a. zur Folge hat, daß ich auf Übertragungen von Bundesligaspielen mittlerweile durchaus verzichten kann, was bei mir vor einigen Jahren undenkbar war.

    Diese individuellen Verhaltensänderungen gegenüber Fußballübertragungen via Fernsehen bzw. gegenüber dem Stadionbesuch sind das eine, das andere ist die Tatsache, daß die Besucherzahlen in den Stadion nach wie vor sehr, sehr hoch sind -sh.beispielsweise und beispielhaft beim BVB- und auch die Einschaltquoten bei den Übertragungen via Fernsehen bemerkenswert hoch zu sein scheinen.
    Vielen gefällt es halt, im Stadion dabei zu sein, möglicherweise aus den Gründen, die uns -ThomasWeigle, KlausLohmann, mich- veranlaßt haben, auf den Stadionbesuch zu verzichten.

    Unsere Diskussionen anläßlich einschlägiger Kommentare von Robin lassen jedoch keinen Zweifel daran, daß "unser Fuball-Herz" trotz allem immer noch kräftig schlägt

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