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Digitale Gesellschaft: Erfolg statt Basisdemokratie

Die von Markus Beckedahl gegründete Lobbygruppe Digitale Gesellschaft steht schon kurz nach ihren Stapellauf in  der Kritik. Der Vorwurf: Mangelnde Basisdemokratie.  Genau das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Für Chris von F!XMBR hat die  neue Lobbyorganisation Digitale Gesellschaft einen „ganz fiesen Beigeschmack“, für Nico Lumma ist sie „Nerds Berlin Mitte e.V.“ und auf Carta behauptet der CDU-Abgeordnete Peter Tauber: „Die “Digitale Gesellschaft” tarnt sich als lediglich als Bürgerbewegung – in Wirklichkeit ist sie die Lobbyorganisation einer selbst ernannten ‘Elite’, die ihren eigenen Transparenzansprüchen nicht gerecht wird.“

Ich sehe das anders: Markus Beckedahls Versuch, mit der „Digitalen Gesellschaft“ eine effektive und wahrnehmbare Lobbyorganisation aufzubauen kann nur nach dem von ihm gewählten Greenpeace-Prinzip funktionieren. Ich stell mir nur die endlosen Satzungsdiskussionen vor, die Streitigkeiten um die Wahl des Vorstandes und die Auseinandersetzungen über die ersten Ziele einer solchen Organisation, um Markus Entscheidung gut nachvollziehen zu können. Markus ist  bei den Grünen, war bei der Grünen Jugend – er hat den Schrecken basisdemokratischer Organisationen am eigenen Leib erfahren.

Dass er sich das nicht zumuten will, ist nachvollziehbar. Dass er daraus seine Lehren gezogen hat vernünftig. Glaubt jemand ernsthaft, DG wäre erfolgreicher, wenn sie sich so organisieren würde wie die Piratenpartei? Was da Selbstdarsteller und Spinner intern und in der Öffentlichkeit angerichtet haben, haben wir alle erlebt. Wer es so versucht, kann es auch gleich lassen.

Die Digitale Gesellschaft (DG) wird in den nächsten Wochen und Monaten versuchen, Themen in der Öffentlichkeit zu setzen und Einfluss zu nehmen. Die Themen bestimmt der kleine Verein selbst. Ob er Erfolg hat nicht. Setzt DG auf die falschen Themen, erwischen die falsche Tonalität, geht der Laden sang und klanglos unter. Setzt er aber, wie Greenpeace in der Vergangenheit, auf die richtigen Themen und erwischt die passende Tonalität, wird er erfolgreich sein. Ob DG das gelingt – davon wird alles abhängen. Und ob DG das gelingt, werden wir alle mitentscheiden – lachen sich alle Blogs über DG tot, nehmen die Medien DG nicht ernst, ist die Sache bald vorbei.

Aber das wird nicht passieren. Markus und die anderen von Netzpolitik haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie ein gutes Gespür für Themen haben und sachkundig und unabhängig argumentieren. Oft genug hat sich Markus sich dabei – wie beim Jugendmedienschutz-Staatsvertrag – gegen seine eigene Partei gestellt. Markus, Jörg-Olaf und den anderen von Netzpolitik ist es zudem gelungen, das bislang einzige bundesweit wirklich  relevante Blog aufzubauen.  Sie wissen also wie man Öffentlichkeit schafft.

Finde ich alles an DG gut? Nö. Das man die paar Mitglieder namentlich nicht kennt ist albern. Hier fehlt es tatsächlich an Transparenz. Ansonsten werden wir sehen, was aus dem Projekt wird:  Ich drücke DG die Daumen, dass sie auf die richtigen Themen setzt. Und sich mit der Zeit öffnet. Das macht auch das große Vorbild Greenpeace, wie Julia es in der taz beschrieben hat.

Viel Glück!

RuhrBarone-Logo

15 Kommentare zu “Digitale Gesellschaft: Erfolg statt Basisdemokratie

  • #1
    Jochen Hoff

    Komisch warum wundert es mich nur nicht, dass Stefan Laurin undemokratische Strukturen gut findet. Mich vertritt Herr Beckedahl auf jeden Fall nicht. Aber das wird ihn nicht stören. Er will ja auch niemanden vertreten sondern mochte eine Bühne auf der er sich selbst darstellen kann. Da ist er wieder mit Herrn Laurin auf einer Ebene.

  • #2
    Christian S.

    „Markus ist bei den Grünen, war bei der Grünen Jugend – er hat den Schrecken basisdemokratischer Organisationen am eigenen Leib erfahren.“

    lol 😀

    Lob von Dir ist irgendwie vergiftet. 😛

  • #3
    Stefan Laurin Artikelautor

    @CS: Ich war auch bei den Grünen und habe Basisdemokratie am eigenen Leib erfahren. Ich würde es genau so machen wir Markus. Dieses Lob war nicht vergiftet. Ehrlich 🙂

  • #4
    Jumbo

    @ Jochen Hoff

    das Logo von „Digitale Gesellschaft“ hat was von Friedhof, leblos

    da finde ich die „Ruhrbarone“ doch viel, viel besser

    und der Elefant posaunt bestimmt in der richtigen „Tonalität“ und vor allem: laut

  • #5
    Julius

    Wenn Markus Beckedahl einen „Markus Beckedahl e.V.“ gründen will, dann soll er das bitte machen. Wenn Markus Beckedahl jedoch meint, mit einer Seilschaft aus teils Anonymen unter streng hierachischen Strukturen einen Alleinvertretungsanspruch für die Interessen der Netzbürger zu haben, dann hat er sich aber geschnitten. Falls er dies nicht beabsichtigt, sollte er sich noch einmal Gedanken über den Namen seines Vereins, das Auftreten und die Intention machen.
    (Es tut mir in der Seele weh, daß ich – insbesondere da um das Themengebiet Netzpolitik geht – der Kritik von Tauber Recht zustimmen muß, da das MdB und ich daraus wahrscheinlich völlig andere Konsequenzen ableiten.)

  • #6
    Stefan

    Zunästst mal gibt es zwischen Greenpeace und den Verein Digitale Gesellschaft einige Unterschiede. Schon die Entstehungsgeschichte ist unterschiedlich. Den damals unbekannten Gründern von Greenpeace gelang es ihre ersten spektakulären Aktionen (Aktionen gegen Atombombentests der USA im Nordpazifik) durchzuführen, weil es ihnen gelang ein Benefizkonzert namhafter Musiker zu organisieren, um diese Aktionen (Kauf eines Schiffs etc.) zu finanzieren. Dies wäre ohne „Vitamin B“ kaum möglich gewesen. Durch die Aktionen machte man sich einen Namen und dann kamen auch weitere Spenden. So konnte man sich das Demokratiedefizit erst einmal leisten. Mittlerweise ist bei Greenpeace der Schneid etwas raus. Die spektakulären Aktionen werden in Deutschland mittlerweile häufiger von Robin Wood (eine Greenpeace-Abspaltung) durchgeführt, den internationalen Kampf gegen Walfänger hat man Sea Shepard (ebenfalls eine Greenpeace-Abspaltung) überlassen. In Deutschland fällt Greenpeace inzwischen vor allem durch kommerzielle Aktivitäten (Ökostrom) auf. In der Umweltbewegung gibt es neben Greenpeace noch zahlreiche weitere Organisationen, die alle demokratisch strukturiert sind und genauso gut funktionieren. Greenpeace hat nie einen Alleinvertretungsanspruch erhoben.

    Markus Beckedahl hätte daher den Verein erst einmal in aller Stille gründen können, dann vielleicht seine Beziehungen nutzen können, Geld einzusammweln und dann durch Taten auffallen können. Stattdessen wird erst einmal ein Alleuinvertretungsanspruch erhoben (durch die Namenswahl „Digitale Gesellschaft“), dann geht man an die Presse und vergleicht sich mit Greenpeace. Hinzu kommen Zweifel an der Überparteilichkeit, wenn zwei der drei auf der Homepage genannten Vertretungsberechtigten Mitglied der Grünen sind.

  • #7
    Christian S.

    „Ich war auch bei den Grünen und habe Basisdemokratie am eigenen Leib erfahren. Ich würde es genau so machen wir Markus.“

    Ja, das glaube ich Dir ja. 😀 Eben darum ist das Lob ja vergiftet, wenn auch nicht von Dir vergiftet gemeint. 😉

    Nein, ernsthaft: eine anti-basisdemokratische Vereinigung passt nicht in die Zeit, vor allem nicht bei diesem Thema.

    So bleibt die „dg“ ein Lobbyverband. Nicht mehr, nicht weniger. Was legitim ist. Arbeit/Zeit werde ich für meinen Teil da aber keine investieren.

  • #8
    David

    Ich denke auch, die Strategie von Markus Beckedahl ist richtig.

    Der Erfolg wird ihm recht geben.

    Misserfolg wird das Ding ruinieren.

    Ich traue ihm aber den Erfolg zu.

    Es ist richtig eine Lobby zu gründen. Alles andere wäre Unfug.

    Die Partei zum Thema gibt es schon. Die braucht er nicht schaffen.

    Das Ding als Lobby aufzuziehen kann im Konzert der Mitagierenden mehr Durchschlagskraft bringen.

    Go Markus go. 🙂

  • #9
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