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Dortmund: Lügt Polizeipäsident Lange oder hat er einfach keine Ahnung?

Gregor Lange

Gregor Lange


Der Welt gab Dortmund Polizeipräsident Gregor Lange ein Interview. Das wirft eine ganz entscheidende Frage auf: Belügt Dortmund Polizeipräsident Journalisten oder hat er schlicht keine Ahnung?

Der Tageszeitung Die Welt gab Dortmund Polizeipräsident Gregor Lange ein ausführliches Interview. Anlass war die Bedrohung von Journalisten auch dieses Blogs durch die Nazi-Szene der Stadt. Nicht alles was er sagt ist falsch, aber die  letzte Satz Antwort lässt  den geneigten Leser doch verdutzt zurück:

Die Welt: Was können Sie den Betroffenen raten, die in den Todesanzeigen genannt werden. Schweben sie in Gefahr?

Lange: Wir haben es mit einer Bedrohung zu tun, das ist für die Betroffenen schon schlimm genug. Wir nehmen das sehr ernst und ermitteln intensiv. Bereits aus der Vergangenheit sind uns vereinzelt vergleichbare Bedrohungen bekannt geworden. In allen Fällen ist es bei den Bedrohungen geblieben.

Auch wenn Gregor Lange noch kein ganzes  Jahr im Amt ist, hätte er einen solchen Unfug nicht erzählen dürfen. Entweder Lange weiß nicht wovon er spricht oder aber er hat gelogen:

2009 floh eine Familie vor den Nazis und zog aus Dorstfeld weg. Zuvor hatte es zahlreiche Drohungen und Angriffe gegen die Familien gegeben.  Ebenfalls im Netz wurde immer wieder die Szene-Kneipe HirschQ bedroht – es folgten mehrere Überfälle. Nach Drohungen gegen einen Redakteur der Ruhr Nachrichten flogen Ende des vergangenen Jahres Farbbeutel gegen sein Haus. Angegriffen wurden auch Parteibüros und Szenetreffs. Einer der von den Todesanzeigen bedroht Journalist wurde vor wenigen Wochen von einem Neonazi in der Stadt mit Steinen beworfen. Dazu kommt  Mord an dem Punker Thomas Schulz, den die Nazis in diesem Jahr feiern werden und die  Morde an drei Polizeibeamten, die zeigen, dass es auch mal ohne Drohungen tödlich werden kann.

Sicher, Gregor Lange verfügt über eine wichtige Qualifikation, um in NRW Karriere zu machen: Ein SPD-Parteibuch. Aber das alleine ist offenbar nicht ausreichend.

 

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9 Kommentare zu “Dortmund: Lügt Polizeipäsident Lange oder hat er einfach keine Ahnung?

  • #1
    keineEigenverantwortung

    In dem Interview, in dem eine erfolgreiche Polizeiarbeit beschrieben wird, fehlen ein paar kritische Fragen.

    Es ist offen, wie die Dortmunder Staatsanwaltschaft und evtl. Gerichte die Anzeigen beurteilen. Es ist auch offen, wie lange die Prüfungen der Staatsanwaltschaft dauern. Hier ist auch die Politik gefordert, Strukturen zu schaffen, dass der Staat schneller reagiert.

  • #2
    Klaus Lohmann

    Es ist die Art von teutschem Beamten-„Schulwissen“, das von der Nicht-Ermittlung des Oktoberfest-Anschlags bis zum völligen Versagen beim NSU hierzulande alles möglich macht – selbst ewige, gnädige Amnesie…

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @keineEigenverantwortung: Es hängt viel vom Personal ab. Langes Vorgänger Wesseler war ein hervorragender Polizeipräsident. Lange ist einfach Totalausfall mit SPD-Parteibuch. Mal schauen, wie lange sich Jäger das anschaut – Lange wird langsam aber sicher zu Jägers Problem.

  • #4
    Klaus Lohmann

    Das Schlimme ist, dass die Dortmunder Staatsanwaltschaft ja genauso auf Erst-mal-ignorieren-Kurs liegt wie Lange:
    „„Wir prüfen die Straftatbestände Bedrohung und Beleidigung. Doch die Frage ist, ob da tatsächlich jemandem mit einem direkt gegen ihn gerichtetem Verbrechen gedroht wird“, erklärt Oberstaatsanwältin Barbara Vogelsang.“
    http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/rechtsradikale-bedrohen-dortmunder-journalisten-id10310467.html#plx817785620

    Nein, liebe Frau Vogelsang, das sind wirklich pietätvolle Glückwünsche und Beileidskundgebungen und die Namen, an die das adressiert wurde, sind natürlich alle frei erfunden und haben sowieso nie nichts mit dem Kampf gegen Nazis zu tun. Never ever, wir haben uns alle lieb…:-(

  • #5
    keineEigenverantwortung

    @3: Dortmund war doch in den letzten Jahren immer auf den hinteren Plätzen in den Kriminalitätsstatistiken. Ebenso ist NRW im Landesvergleich hinten.

    Es scheint aus meiner Sicht eher große strukturelle Probleme zu geben und falsche Vorgaben. Wenn es um die Kriminalitätsbekämpfung in NRW geht, hat Herr Jäger natürlich ein Problem. Er ist zwar mit seiner fast täglichen Forderung nach irgendwas und vielen Talkshow Auftritten immer anwesend, aber seit dem Beginn seiner Amtszeit gab es schon zu viele große Versäumnisse. Personalmangel etc. wird immer wieder gerne aufgeführt. Wenn ich aber daran denke, wo und zu welchen Zeiten die Polizei bspw. den Verkehr überwacht, sehe ich klar falsche Prioritäten.

    Dass es für Polizisten nicht motivierend ist, wenn sie bspw. Seriendiebe mehrfach an einem Tag festnehmen können, ohne dass es spürbare Konsequenzen gibt, ist nachvollziehbar.

    Es wird ja in den nächsten Tagen wieder eine Statistik geben,, die auch in die Amtszeit des neuen Präsidenten fällt. Mal sehen, wie die Fakten aussehen.

  • #6
    keineEigenverantwortung

    @4:
    Vielleicht kann ein Kenner der Zustände beschreiben, wie es immer wieder zu so langen Prüfungen kommt.
    Der folgende Fall war für mich bspw. überhaupt nicht nachvollziehbar.

    http://www.ruhrbarone.de/chronologie-der-besetzungswoche/88401
    „Freitag, 29. 8. : In den frühen Morgenstunden wird die Albertus Magnus Kirche von mehreren Hundertschaften der Polizei umstellt und geräumt. Die Staatsanwaltschaft hat eine Durchsuchung und anschließende Beschlagnahmung der Kirche als Tatort angeordnet. Sechs Tage nachdem Steine vom Kirchendach geflogen sind, möchte man die Täter finden.“

  • #7
    Rainer Möller

    Klaus Lohmann spricht von einem „Erst-mal-ignorieren“-Standpunkt. Dabei verkennt er, glaube ich, dass es hier um Strafjustiz geht, und die kann sich nur auf das faktisch Vorgefallene beziehen und nicht auf das, was für die Zukunft zu befürchten ist. Sonst müsste man eben die Vorbeugehaft wieder einführen.

    Es ist ja nicht so, als lägen hier gar keine Straftatbestände vor. Versuchte Körperverletzung (bei Steinwürfen), Sachbeschädigung, evtl. Stalking sind doch drin. Aber bei Bedrohung sollte es nicht ausreichen, dass sich jemand an der Idee das Todes eines anderem ergötzt. Sonst steht die halbe Antifa wegen Bedrohung vor Gericht: alle diejenigen, die „Harris do it again“ u.ä. skandieren. Wenn man das nicht will, dann muss man für Bedrohung wenigstens der Ansatz einer Tötungsabsicht verlangen. Und diese Absicht müsste einer bestimmten Person nachzuweisen sein. Rückschlüsse aus Pauschalbehauptungen auf Einzelpersonen („die haben ja schon mal einen von uns umgebracht, also will der Herr X mich jetzt auch umbringen“) – nee, das geht so im deutschen Journalismus, aber in einer freiheitlich-rechtsstaatlichen Strafjustiz geht das nicht. Würde auch den Linken nicht gefallen, wenn diese Art von Rückschlüssen auf sie angewendet würden. Grüße an Herrn Lange und Frau Vogelsang.

  • #8
    Klaus Lohmann

    @Möllers Märchenstunde: Die Meldeauflagen und Gefahrenansprachen für Hooligans sind Ihnen unter den Aspekten des PolG NRW bzw. dessen Generalklausel in §8 ein Begriff? Nein? Wusste ich’s doch.

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