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Duisburger Hausbesetzer: „Vorerst gescheitert…“

Am Tag nach der erzwungenen Aufgabe der Hauptschule in der Duisburger Werthstraße zitierten die Besetzer auf ihrer Pressekonferenz im Djäzz heute Nachmittag mit „Vorerst gescheitert“ augenzwinkernd zu Guttenberg. Ans Aufgeben denken sie nicht. Und dann ist da noch eine fehlerhafte Pressemitteilung der Polizei.

Die Initiative Du it yourself trat vor einem Jahr an, um einen kulturellen Freiraum für Duisburg zu erstreiten. Die gestrigen Besetzung einer ehemaligen Hauptschule in Duisburg-Laar war nicht die erste Aktion der 30 bis 40köpfigen Gruppe. Du it yourself beteiligte sich auch am Euro-Mayday in Dortmund und veranstalte im April vergangenen Jahres eine Nachttanzdemo mit gut 700 Teilnehmern.

Die Besetzung der Hauptschule sollte nur ein Auftakt sein: „Wir wollten eine Aktionswoche mit einem ausführlichen Programm durchführen“, sagte einer der Sprecher. „Wir mussten die versiffte Schule grundreinigen. Um 10.00 Uhr sind wir rein gegangen, haben Löcher in den Wänden überdeckt und Böden gereinigt. Soviel zum Thema Sachbeschädigung. Wir haben es uns muckelig gemacht.“ Die Behauptung der Polizei, die Besetzer hätten Toiletten verstopft und so eine Überschwemmung verursacht, wurde zurückgewiesen: „Wir haben die Toiletten nicht geflutet. Wir wären  doch blöd gewesen, wenn wir das gemacht hätten – wir wollten doch in dem Haus bleiben.“ Sogar an neue Feuerlöscher und Brandschutzvorhänge hatte man gedacht. Die Stadt sollte das später nicht interessieren. 

Den Beginn der Besetzung hat die Polizei nicht mitbekommen. Sie datiert die Besetzung auf 15.30 Uhr – Stunden nachdem mit der Reinigung des Gebäudes begonnen worden war. Als die Polizei um 17.00 Uhr eintraf, gaben sich die Beamten entspannt.

Erst gegen 20.00 Uhr, so die Besetzer, sei die Stimmung gekippt. Da zog einen Hundertschaft in voller Montur vor dem Gebäude auf. Lange verhandeln wollten die Beamten wohl nicht:  „Die Polizisten machte uns deutlich, dass sie vom Fussball kämen und schnell Feierabend haben wollten.“

Stunden nach Beginn der Besetzung fand sich dann auch ein Vertreter der städtischen Immobilienverwaltung IMD ein. Auf der Pressekonferenz wurde eine Video mit IMD-Chef Uwe Rohde gezeigt,   in dem der erklärte, aufgrund des Brandschutzes sei eine Nutzung der Schule als Kulturzentrum nicht möglich.  Das vor drei Jahren dort noch Kinder unterrichtet wurden, irritierte Rohde indes nicht. Immerhin, sagte der Polizeivertreter, hätte man ja schon eine Katastrophe in Duisburg erlebt. Die Loveparade als Totschlagargument, die für alles in der Stadtverwaltung Duisburg herhalten muss, nur nicht für den Rücktritt des Stadtoberhauptes Adolf Sauerland. Ein Polizeibeamter sicherte den Besetzern wörtlich „Freien Abzug“ zu.

Inhaltlich mochte sich niemand mit den Forderungen der Besetzer auseinandersetzen. Immerhin: Rohde sicherte den Besetzern in dem Video Gespräche über andere Räume zu. Die Initiative Du it yourself will auf das Angebot in der kommenden Woche eingehen, auch wenn erhebliche Zweifel an der Redlichkeit der Stadt während der Pressekonferenz im Djäzz deutlich wurden.

Die Besetzer wollen versuchen, ihr angekündigtes Wochenprogramm umsetzen. Die für morgen angekündigte Diskussionsveranstaltung wird um 19.00 Uhr im Cafe Zentral stattfinden.

In der sich an die Pressekonferenz anschließendes Diskussion trat aber das Unverständnis über die Blockadepolitik der Stadt auch gegen Initiativen, die keine Kosten verursachen, deutlich zutage. Einer der Besetzer fasste es so zusammen: „Viele sind schon weg und wenn sich bald nichts ändert werden noch mehr gehen.“

Duisburg-Laar Besetzung auf den Ruhrbaronen:

Dumm, dümmer, Duisburg…

Besetzung Duisburg Laar: Besetzer räumen die Schule und bitten um Unterstützung!

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Ehemalige Schule in Duisburg Laar besetzt

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24 Kommentare zu “Duisburger Hausbesetzer: „Vorerst gescheitert…“

  • #1
    Augenzeuge

    Nur ein kleines Detail: den Verweis auf die Loveparade brachte der Chef der Polizeibrigade vor, nicht Herr Rohde.

    Und um das noch einmal zu erläutern. Die verstopften Klos, die in der Pressemitteilung der Polizei erwähnt werden, und auf die sich auch derwesten.de mittlerweile in dem viel sagenden Artikel „Shit-in statt Sit-in“ bezieht, waren schon bei der Ankunft der Besetzer verstopft. Während diese den Tag über damit beschäftigt waren, zu säubern was zu säubern ist, hat die Polizei dies dann als aktivistischen Sabotageakt gedeutet.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Augenzeuge: Danke für den Hinweis – ich habs geändert. Ich konnte die beiden auf dem Video kaum auseinanderhalten – der Ton war schon ziemlich mies.

  • #3
    Michael

    Betreff „Shit in“-Artikel: Kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen, was das soll.
    Angefangen über das verwendete Vokabular, über den herablassenden Tonfall bis zur generellen Recherche. Zunächst feiert der Autor sich noch selbst dafür, dass er persönlich vor einer Weile auf den Zustand der Schule aufmerksam gemacht hat. Dann macht er sich fast nur noch über die Aktion lustig. Wenn die WAZ sich schon nicht in der Lage sieht, jmd. zur Schule oder PK zu schicken, dann möge sie doch bitte entweder gar nicht berichten, sich mal mit der Initiative per Mail/Tel in Verbindung setzen oder sich an der öffentlichen Berichterstattung orientieren. Der WAZ-Autor hat ja selbst einen von Stefans zahlreichen Artikel kommentiert, warum setzt er sich nicht mit dem Inhalt auseinander?

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  • #5
    Katharina

    „Der Westen“ kennt die Situation nur vom Hörensagen.
    Der Bericht der Polizei reicht aus und schon ist alles klar.
    Die andere Seite wird erst gar nicht gehört, man spricht nicht mit ihr, erscheint auch nicht zur Pressekonferenz und schweigt.
    Hintergründe, Motivation unwichtig.
    Junge kreative Menschen, die mutig sind, sich Gedanken machen, Ideen haben, gewaltfrei ein Haus besetzen. Werden einfach „totgeschwiegen“
    Haben die Duisbürger und speziell die Laarer nicht das Recht auf Informationen? Wünschenswert auch noch neutral?
    Ist das nicht die Aufgabe der Presse? Scheinbar nicht.
    „Der Westen“ SPD-nah. Polizei unter Innenminister Jäger-SPD.
    Ich finde es toll, wenn junge Menschen ohne Gewalt etwas in Bewegung setzen wollen. Das ist mutig und sollte in Duisburg wahrgenommen werden
    können.

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  • #7
    Katharina

    Es ist gut so, dass wenigstens hier berichtet wird.
    Habe heute in der WAZ, in der NRZ und in der RP
    nach Artikeln gesucht. Nichts.
    So eine Aktion von mutigen gewaltfreien Jugendlichen gehört in die
    Tageszeitung.
    Wird die Presse so ausgebremst?
    Da werden sie ihrem Auftrag aber nicht gerecht.
    Naive Frage:
    „Haben Sauerland und Jäger auch ihre Händchen in der Presse?“
    Gute Nacht Duisburg.
    Wenn Gewalt mit im Spiel wäre, dann wären sie aber alle da.Oder?

  • #8
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Katharina: Auf Der Westen gab es einen Artikel mit der Überschrift „Shit in“ statt „Sit in“…
    http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/nord/shit-in-statt-sit-in-id6131253.html
    Ob er es in die Print-Ausgabe der WAZ geschafft hat weiß ich nicht. Ich habe den Duisburger Lokalteil nicht vorliegen.

  • #9
    Robin Patzwaldt

    @Katharina: Ich habe mal mit einem Lokalredakteur hier im Kreis Re gesprochen und ihn gefragt warum manche Themen nicht oder nur sehr selten in seinem Blatt vorkommen. Seine Antwort war erschütternd. Sinngemäss sagte er mir, dass es Linie des Hauses sei die Region positiv darzustellen, da der Verlag hier ja sein Auskommen finden muss und daher kein Interesse daran hat sich zu den lokal vorherrschenden Zuständen ‚allzu kritschisch‘ zu äussern. Na dann…. 🙁

  • #10
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  • #13
    D-punkt

    Das könnte Euch so passen, erst Besetzen und dann sich räumen lassen, und zu guter Letzt noch was von motivierten jungen Menschen mit ehrenamtlichem Engagement erzählen. Den Dialog mit der Gesellschaft, der Stadt suchen, sprich: dem Staat. Wenn zB. das AZ in MH als Beispiel angeführt wird wie man kreative Elemente in Selbstverantwortung für die städtische Kommune einbindet unterschlagt ihr den aspekt des sozialen Kampfes der dem vorausgegangen ist. In MH hat e jahrelang illegale Hausbesetzungen gegeben und erst das hat dazu geführt dass das AZ an den Start kam. Jetzt aus der Defensive heraus zu maulen, die Stadt wüßte ja nicht was ihr kulturell entginge ist schmierigste Anbiederung. Da braucht man sich nicht wundern wenn die FABRIK aufgegeben werden mußte wenn inhaltlich bereits im Vorfeld kapituliert wird und man sich als nette Besetzer von nebenan mit friedlichsten völig sozialverträglichen Zielen präsentiert. Soziale Verträglichkeit bedeutet im Polizeistaat BRD soziale Befriedung von inakzeptablen Verhältnissen. Kein Wunder das die Punks an dem Wochenende lieber Konzerte in OB/MH aufsuchten als sich als Manövriermasse für die „Besetzer“ herzugeben.

    Bei Räumung Krieg!
    Das ist mal ne klare Ansage auf die es politisch hinausläuft.
    Und nicht das Gewäsch von Kultur und Freiwilligkeit, ihr Volks-genossen.

  • #14
    Katharina

    zu 8 Stefan:
    Den Artikel gab es erst um 14.33Uhr, ich hatte mich um ca.10 Uhr über die WAZ beschwert -vielleicht haben sie es ja gelesen-

    zu 9 Robin:
    Es ist doch durchaus positiv, wenn junge Leute sich gewaltfrei engagieren und für eine Woche Kultiges planen.
    Hat der Lokalredakteur nicht verstanden?

    P.S. Hoffentlich bleibt alles gewaltfrei, auch wenn es mehr Geduld und Zeit erfordert.

  • #15
    D-punkt

    Da man hier anscheinend auch Polizeistaat schreiben darf wenn man Polizeistaat meint und der Kommentar auch erscheint also folgendes: Aus der Defensive heraus vom Polizeistaat den Polizeistaat einzuklagen den man am liebesten selber noch viel besser machen wollen würde (Die Bullen wollten schließlich auch nach Hause nach ihrem langen, anstrengenden Arbeitstag, kann man ja als BesetzerIn auch irgendwie verstehen) hat mit Hausbesetzung nichts zu tun. Hausbesetzung ist eine politische Haltung die Sozialreformertum unverträglich zu sein hat, wie man am Beispiel Rote Flora in Hamburg immer noch eindrucksvoll sehen kann. Wenn aber nicht nur wie im AZ in MH dann nach dem politischen Teilerfolg der Nutzung des Zentrums, sondern bereits vorher schon, im Zuge der Forderungen nach Räumen dem Polizeistaat das Wort geredet wird (jung, kreativ, gewaltfrei) und nichteinmal mehr im Ansatz eine Haltung zu erkennen gegeben wird die deutlich macht das die Eigentums- und damit Machtfrage grundsätzlich gestellt wird …

    dann verpisst euch doch in´s Hundertmeister …
    oder auch anders: vielleicht ist´s besser wenn solche Leute keine FABRIK mehr haben damit einige Grundsätzlichkeiten gegen die Nieschenpöstchenhalter und ihre zukünftigen gesellschaftlichen Ambitionen, das alternative Sozialarbeitertum, mal so formuliert werden können dass eine Gesellschaftskritik relevant zu werden droht. Und zwar aus der faktischen Notwendigkeit der Verteidigung gewisser Inhalte gegen die Vereinnahmung durch die Sozialreformer und deren Gefolge.

  • #16
    Robin Patzwaldt

    @Katharina #14: Das war auch nicht speziell auf diesen Fall hier bezogen, sondern erklärt nur ein wenig allgemein warum gewisse Themen eben nicht (oder nur selten) in der Zeitung stehen. Zumindest hier bei uns. Ob es in der Lokalredaktionen der Zeitungen dort ähnliche ‚Leitlinien‘ in den Redaktionen gibt, da kann ich nur spekulieren. Das müssten andere Leute hier besser beantworten können…

    Und ob es für den durchschnittlichen Frührentner in Duisburg aber ‚positiv‘ ist, wenn in seiner Nachbarschaft eine Hundertschaft Polizei um ein Schulgebäude herum aufzieht, das möchte ich bezweifeln. Denn der ‚Durchnschnittsbürger‘ macht sich da doch wahrscheinlich gar nicht so viele Gedanken um die evtl. Hintergründe, das Wieso und das Warum. Der sieht wahrscheinlich nur das Blaulicht, die vielen Polizisten und die Transparente am Haus. Ich könnte mir denken das das für die Mehrheit der Nachbarn, ob berechtigt oder nicht, erst einmal negativ und abschreckend bzw. verunsichernd wirkt. Vielleicht meidet die Zeitung dort das Thema ja auch deshalb. Aber da kann ich nur spekulieren.

  • #17
    D-punkt

    Wieso endeten alle Hausbesetzungen in MH nach Erkämpfung des Zentrums?
    Wie kann es angehen das nachdem eine Infrastruktur geschaffen worden hätte sein können mittels derer man neuerlich und erfolgreicher Häuser besetzen hätte können das Gegenteil eintrat?

    Und, wenn dem doch so ist, wie kann man allen Ernstes dann auch noch hinter die politischen Forderungen zurückgehen und damit in vorauseilendem Gehorsam selbst dafür sorgen, dass, sollte es ein Zentrum geben dies ganz sicher ebenso wenig das in MH genutzt werden würde, um, jung,kreativ,gewaltfrei, …
    den Sozialarbeitern die Arbeit für den Polizeistaat abzunehmen?

    Wie war das noch mit dem „warum sich da inhaltlich niemand mit auseinander setzt?“ Wer eigentlich? Die verständnislose Stadt und die böse Hetzpresse?

    Es ist Krieg in den Städten, jeder soziale Konflikt hat auch eine militärische Ebene, und dieser Krieg wird vom Staat gegen die Bevölkerung geführt. Das die Bullen im Winter Wasserwerfer einsatzbereit haben ist nichts als eine Morddrohung.
    Antworten wird man nur auf Fragen finden die man auch stellt.
    Und sie geben können. So „gewaltfrei“ wie die Verhältnisse selbst.

  • #18
    D-punkt

    Da niemand darauf zu entgegnen geneigt scheint:

    Wenn erst einmal die Titelschlagzeile lautet:
    CHAOTEN PLANEN TERRORZENTRUM

    und darauf kein Dementi folgt sondern mit „Ganz genau“ geantwortet wird,
    dann, und erst dann ist Hausbesetzung auch ein politischer Erfolg beschieden.
    Und zwar indem die Verhältnisse zu eben denen gebracht werden sollen die man noch als „Wir werden noch tanzen wenn an Euch schon keiner mehr denkt“ kennt.

  • #19
    Katharina

    @ 16 Robin

    Ich habe mir vor einiger Zeit in einer Kirche eine Karte gekauft.
    Die wollte ich jetzt kopieren und hier einfügen. Hat nicht geklappt.
    Schade, aber hier ist der Text:

    „Ein gewisses kreatives Chaos ist immer noch
    besser als ein geordneter Friedhof“

    Vielleicht wird Laar etwas lebendiger mit den jungen,gewaltfreien Chaoten.

  • #20
    Katharina

    an 18 D-Punkt

    Irgendwie stimmt das schon. Immer, wenn Gewalt im Spiel ist, wird in den Medien berichtet.
    Etwas ohne Gewalt scheint nicht gut genug, nicht interessant genug zu sein.
    Ein Merkmal unserer Zeit, unserer Gesellschaft.
    Ich will trotzdem keinen Krieg und keine Gewalt.
    Alles, was mit Gewalt erzwungen, erkämpft wird, hat KEINEN BESTAND.
    Aufgeben braucht man trotzdem nicht, man braucht allerdings einen längeren Atem.
    Ein gewaltloser Tag und friedliche Begegnungen sind einfach schön.

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