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Ein Monat Loveparade-Katastrophe

Vor einem Monat geschah die  Loveparade-Katastrophe. Sauerland ist immer noch im Amt, Fritz Pleitgen stärkt ihm den Rücken und alle Verantwortlichen schieben sich gegenseitig die Schuld zu.

Heute vor einem Monat kam es bei der Loveparade in Duisburg zur Katastrophe. 21 Menschen verloren ihr Leben. Zeit einen Schlussstrich zu ziehen, findet Ruhr2010-Direktor Fritz Pleitgen in der WAZ. Er rät der Stadt Duisburg nun die Augen nach vorn zu richten, kritisiert das “ „in nicht akzeptabler Weise“ nach einem Hauptschuldigen gesucht worden sei““ und stärkt Duisburgs OB Sauerland den Rücken. Der Umgang mit ihm sei nicht angemessen gewesen. Nun soll in Duisburg wieder geführt werden.

Das sieht Sauerland genau so. Er will, in Ruhe aufklären. Einen entlastenden Bericht bezahlt deshalb er bei der Anwaltskanzlei Heuking. Ein PR-Berater sollte ihm helfen die ganze Situation zu überstehen. Im WDR und im Spiegel gab Sauerland  Interviews, die an Schmierigkeit kaum zu überbieten waren. PR statt Offenheit ist Sauerlands Motto. Bis heute blockt die Stadt Duisburg auf Geheiß ihres Chefs alle kritischen Fragen ab. Der Aufklärer Sauerland hat nur ein Interesse: Im Amt zu bleiben. Politischer Verantwortung? Für Sauerland ein Fremdwort. Lieber verklagt er Blogs, die Unterlagen veröffentlichen.

Sicher, er ist nicht der einzige Schuldige. Schaller und seine Loveparade-Veranstaltungsfirma Lopavent, die Stadt Duisburg, der Grundstücksbesitzer Aurelis, Polizei, Feuerwehr, das Land und auch wir als Medien haben unseren Beitrag zur Katastrophe geleistet. Wir hätten im Vorfeld kritischer nachfragen müssen.

Wie sich die Schuld verteilt – das festzustellen wird die Aufgabe der Gerichte sein.  Aber den von Pleitgen nun geforderten Blick nach vorn kann es nicht geben, solange im Duisburger Rathaus Adolf Sauerland sitzt und seine Verwaltung und das Geld der Steuerzahler dazu nutzt, seine Position zu festigen. Sauerland ist von einer Erbärmlichkeit, das man nur noch kotzen mag. Und nach seinen Aussagen in der WAZ steht Fritz Pleitgen ihm in nichts nach.

Was in Duisburg in dem Monat nach der Loveparade geschah war nichts anderes als ein elendes Schauspiel. Unwürdig angesichts des Todes von 21 Menschen.

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15 Kommentare zu “Ein Monat Loveparade-Katastrophe

  • #1
    Ex-Linker

    Ich habe heute folgnden Brief an den Kultur-Pilatus von der Ruhr abgeschickt:

    Herr Pleitgen,

    welch dreiste Aussage, die Sie im Interview mit der WAZ machen. Die Suche nach einem Hauptschuldigen erfolge in „nicht akzeptabler Weise“. Warum sprechen Sie den Hinterbliebenen das Recht ab, zu erfahren, wer an dem Tod ihrer Lieben die Hauptschuld trägt ? Als Sie noch beim WDR als Journalist vor der Kamera standen, waren sie nie zimperlich mit Schuldzuweisungen. Jetzt aber, wo Sie ein gerüttelt Maß Mitverantwortung an dem Tod von 21 Menschen tragen, wollen Sie der Öffentlichkeit die Suche nach dem Hauptschuldigen verwehren.

    Schlimmer noch: Heuchlerisch erklären Sie, Sie hätten sich beim Besuch im Todestunnel von Duisburg die Frage gestellt. „Was hätte ich tun können? Hätte ich das verhindern können? Aber ich habe keine schlüssigen Antworten darauf gefunden.“ Wirklich nicht ?

    Dabei hätten Sie es verhindern können! Zum Beispiel dadurch, wenn Sie allein auf den enormen Druck, den Sie und Ihr Kulturdirektor Gorny selbst auf die ehemalige Landesregierung ausgeübt haben, verzichtet hätten. Aber Sie wollten unbedingt die Loveparade! Und nahmen billigend in Kauf, dass sogar mit geschönten Zahlen operiert wurde.

    Sie haben bei Mabritt Illner im ZDF erklärt, Sie hätten nichts von den Sicherheitsbedenken gewußt. An anderer Stelle sollen Sie erklärt haben, „wenn ich von dem Tunnel gewußt hätte, ich hätte gesagt, macht es nicht.“ Wußten Sie wirklich nichts ? Oder geben Sie in diesem Drama nur den Kultur-Pilatus von der Ruhr ?

    Es gab mindestens einen Artikel dazu auf dem Online-Portal der WAZ. Ihr Pressesprecher hätte das registrieren und im Pressespiegel Ihnen vorlegen müssen. Zudem ist Ihre Kulturdirektorin Asli Sevindim in Duisburg-Marxloh geboren. Dort aufgewachsen. Und sie lebt immer noch in Duisburg; arbeitet zugleich auch als Journalistin, moderiert die AKS. Hat auch sie nichts von den öffentlichen Warnungen des Duisburger Poliziepräsidenten mitbekommen ? Nichts von dem auf der Webseite der Duisburger CDU veröffentlichten Brief des Bundestagsabgeordneten Mahlberg an den ehemaligen Innenminister Wolf ? Immerhin wurde in diesem Schreiben der FDP-Politiker aufgefordert, „Duisburg von einer Bürde zu befreien“ und einen neuen Polizeipräsidenten einzusetzen. Kannte Sevindim als Duisburgerin weder Tunnel noch Austragungsgelände ? War sie wirklich ahnungslos ob der Sicherheitsdiskussionen ? Oder wurde nicht doch auch bei Themenkonfernezen der AKS darüber gesprochen ?

    Es ist kaum vorstellbar, dass sie gar nichts gewußt haben soll. Und noch weniger vorstellbar, dass sie mit Ihnen darüber nicht gesprochen haben soll.

    Vor laufenden Kameras haben Sie medienwirksam sehr schnell Ihre „moralische Mitverantwortung“ bekundet. Konsequenzen freilich folgten nicht. Weder spendeten Sie Ihr Gehalt für einen schnellen Nothilfe-Fond für die Opfer der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 noch traten Sie als Geschäftsführer dieser Gesellschaft mit beschränkter Haftung zurück. Allerdings werden Sie im WAZ-Interview mit folgendem Satz anläßlich der an Sie gerichteten, wohl berechtigten Schuldvorwürfen zitiert: „Das belastet mich nicht, so lange ich mit mir selbst im Reinen bin.“ Wie gewissenlos muß jemand sein, der sich angesichts der selbst eingeräumten moralischen Mitverantwortung zu einer solchen Äußerung hinreißen läßt ? Hätten Sie das auch so gesagt, wenn ein Familienmitglied von Ihnen bei der Loveparade ums Leben gekommen wäre ?

    Sie fügen durch solche Äußerungen der „Metropole Ruhr“, besonders aber der Stadt Duisburg weiteren Schaden zu. Die Bilder der verzweifelt um ihr Leben kämpfenden Menschen auf der Todesparade haben sich weltweit in den Köpfen der Menschen eingebrannt. Diese Menschen wissen auch, dass ausgerechnet der verantwortliche Geschäftsführer der Kulturhauptstadt diese Parade, die sich als als exzessive, subkulturelle Drogenparty längst selbst überlebt hatte, mit Macht durchgsetzt hat.

    Sie sind der Brandstifter, der nun den rückgratlosen Biedermann verteidigt, der als Oberbürgermeister menschlich wie politisch indieser Tragödie eine glatte Fehlbesetzung ist. Und der wie Sie, Patex am Podex kleben hat. Wohl eben aus dieser unsäglichen Mischung aus Gier nach Macht und schnödem Mammon heraus, die letztlich zum Tod von 21 Menschen führte.

    „The Show must go on“ scheint Ihre erbärmliche Devise zu sein. Beim Mahler-Konzert wollen Sie der Opfer gedenken lassen. Der Weltstar Lorin Maazel war ursprünglich als Dirigent vorgesehen, an vielen Stellen wird noch mit seinem Namen für die Aufführung geworben, die bereits ausverkauft ist. Ein User der Kommentarseiten des WAZ-Online-Portals will den Diriginenten angeschrieben und gefordert haben, „bei dieser schäbigen Trauerinszenierung von Fritz Pleitgen könne er nicht mitmachen“. Maazel bewies offenbar Charakter und Gewissen. Er sagte ab.

    Sie indes schwadronieren überheblich darüber, dass Duisburg jetzt aus eigener Kraft aktiv daran gehen müsse , aus dem Stimmungstief zu kommen. Nur wie, wenn ausgerechnet der Mann, der glaubte das Image durch Veranstaltungen wie die Loveparade weltweit glänzend zu machen, mit derart selbsgtgerechten Aussagen wie im WAZ-Interview eben dies so vehement verhindert.

    Wenn Sie schon nicht – wie der Oberbürgermeister von Duisburg – zurücktreten wollen, dann schweigen Sie wenigstens. Es reicht, wenn sich der Biedermann selbst bejammert Da bedarf es nicht noch der heuchlerischen Phrasen des Brandstifters. Denn Sie haben Ihre Glaubwürdigkeit längst so verspielt, wie der Duisburger Oberbürgermeister.

  • #2
    haber klaus

    Unwürdiges Schauspiel?
    Ist es nicht auch unwürdig, in wie ich finde ziemlich schmieriger Art und Weise über Sauerland herzuziehen um die schon um Pöstchen kreisenden Nachfolgegeier in Stellung zu bringen?
    So wie ich das sehe müßten „alle“ im Stadtrat von Duisburg die die Loveparade befürwortet haben zurücktreten. Schon aus moralischen Gründen.
    Auf Sauerland rumzutrampeln wie ihr und XtrablablaNews es gerne tut, ist nicht die Lösung, sondern recht einseitig.

  • #3
  • #4
    Arnold Voß

    Es gibt zwei wirklich grandios-gruselige Sätze im Interview mit Fritz Pleitgen.

    1. “Das belastet mich nicht, so lange ich mit mir selbst im Reinen bin.”
    2. „Die Katastrophe ist über Duisburg wie ein Meteoritenschlag gekommen.“

    Was will uns der hoch dotierte Meister des Zahlen- und des Wortebiegens mit diesen zwei Sätzen sagen?

    1. Selbst wenn ich schuldig wäre, bin ich (vor mir selbst) unschuldig.
    2. Ich kann aber gar nicht schuldig sein, weil etwas geschehen ist, das niemand verhindern konnte.

    Habe ich Aussagen dieser Art nicht schon mal irgendwo in geradezu penetranter Häufigkeit vernommen?… Ach ja… ich glaube es war in den Dokumentarfilmen über die Nürnberger Prozesse.

    Ich werde in Zukunft Veranstaltungen bei denen ich diesem Mann begegnen, ja ihn nur leibhaftig zu Gesicht bekommen könnte, soweit es mir möglich ist, meiden. Entweder der Typ merkt nicht mehr, was er sagt, oder er ist von solch unbeirrbarer Selbstgerechtigkeit, dass es aufs Gleiche hinauskommt. Vielleicht macht er das aber auch absichtlich. Dann allerdings ist er für mich nur (noch) ein äußerst abgezockter alter Demagoge.

  • #5
    Hella mit Sinnen

    @ HABER KLAUS

    Mindest so unwürdig, ist die Pöstchenkleberei. Wenn Sauerland zurücktritt, haben die keinen Fürsprecher mehr. Wahrscheinlich wird er von diesen Klebern so schlecht beraten. Ein neuer, unverfilzter Bürgermeister muss her. Je eher desto besser.

  • #6
    Jo Frank

    Äääh, „Blick nach vorn“??? Zur nächsten Katastrophe?

    Daß Herr Pleitgen nicht gerne zurückblickt, weil der Anblick zerquetschter Menschen sein ästhetisches Empfinden stört, klar.

    Diese Parole klingt aber eher nach „Augen zu und durch!“ und ist angesichts der Umstände an der Grenze der Geschmacklosigkeit.

    Und wie sähe wohl eine Suche nach einem Hauptschuldigen in für ihn „akzeptabler Weise“ aus? Würfeln??? Oder „order de mufti“?

  • #7
  • #8
    Mimi Müller

    Sapperlot! Jetzt also der Haber Klaus!
    Namen sind Schall und Rauch – Sprache ist es nicht.
    Sie sollten mit den Namen auch mal die „Argumente“ wechseln.
    Sonst fallen Sie am Ende noch auf…

  • #9
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  • #13
    Bürokratenfeind

    In seiner selbstgerechten Art quasselt sich Pleitgen um Kopf und Kragen.
    Geschieht ihm recht.
    Dass Menschen mit solch geringer sozialer Intelligenz in Ruhrgebiets-Führungspositionen gelangen, ist ein großes Problem dieser Region, die nicht gerade vor Selbstbewußtsein strotzt und deshalb nur allzu leicht auf Aufschneider hereinfällt. Wie kann bei solchen Menschen Verantwortungsbewusstsein entstehen, wenn das Einfühlungsvermögen völlig fehlt.
    Armes Ruhrgebiet!
    Die Machwerke dieser „Führernaturen“ , die den Zugang zu neuen gesellschaftlichen Entwicklungen nicht öffnen sondern behindern, sind fast immer zum Scheitern verurteilt.
    Trotzdem Glückauf!

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  • #15
    Wähler

    Echt ein Hammer, der Ex.Linke darf seinen schmierenbeitrag veröffentlichen, andere werden von der Antwort ausgegrenzt!

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