“Ein schwarzer Tag für Dortmund” – Demonstration zur Schließung der “Westfälische Rundschau”-Redaktionen – und der temporäre Ausfall von @ruhrbaroneDO

Demo anlässlisch der Schließung der WR-Redaktionen in Dortmund
Die Gewerkschaften dju und DJV hatten heute zu einem Trauermarsch aufgerufen – denn die Meinungsvielfalt sollte exemplarisch in Dortmund zu Grabe getragen werden, da durch die Schließung der Redaktionen der Westfälischen Rundschau (WR) durch die WAZ-Mediengruppe in Essen eine wichtige Stimme vor Ort in Dortmund fehlt (wobei auch zahlreiche andere Orte insbesondere im Sauerland betroffen sind).
Am ehemaligen Sitz der WR-Redaktion im Dortmunder Brüderweg begann die Demonstration und bevor der Trauerkranz (mit der Beschriftung “Zu früh gestorben”) unter dem großen WR-Werbeplakat (“Guten Morgen Dortmund!”) drapiert wurde, wandten sich Frank Stach (DJV) und Uwe Tonscheidt (Betriebsrat der WR) an die anwesenden Personen:
Danach führte der Trauerzug dann über den Ostenhellweg und die Kampstraße zum Petrikirchplatz am Westenhellweg. Hier gab es eine Zwischenkundgebung – gegenüber des Lensing-Carrées, wo die Ruhr Nachrichten (RN) ihre neue Heimat gefunden hat. Zwar wird die Übernahme des Lokalteils Dortmund der RN in die WAZ- bzw. WR-Ausgabe Dortmund kritisiert, aber diese Kritik betrifft natürlich nicht die Journalisten der RN, die eine gute Arbeit abliefern. Jetzt wo es in Dortmund nur noch eine Lokalredaktion der RN gibt, dürften notwendige Investition eher ausbleiben.
Dies wurde am Rande auch während der Zwischenkundgebung von Jutta Reiter (vom DGB) thematisiert:
Es ist ja auch nicht so, dass irgendwer sauer auf die Ruhr Nachrichten Dortmund wäre – im Gegenteil. Die Blattmacher der Dortmunder Redaktion der Ruhr Nachrichten machen eine gute Arbeit und freuen sich (nicht nur insgeheim) über die Ruhrbarone Dortmund – sondern auch via Twitter:
Öfter mal was Neues: Hallo Lokalteil Dortmund der @ruhrbarone – auf guten Wettbewerb! ruhrbarone.de/category/dortm…
— RN Dortmund (@RN_DORTMUND) 1. Februar 2013
Der Trauermarsch führte dann zum Schluss auf den Alten Markt, wo es wieder zahlreiche Reden gab. Dass Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) nicht persönlich präsent war, erzeugte nicht viel positive Resonanz. Seine Grußworte, in denen er mutmaßte, dass sich die WAZ-Mediengruppe ein Eigentor geschossen haben könnte, wurden jedoch verlesen. Im Anschluss dessen äußerte sich der Kabarettist Fritz Eckenga, teilweise sehr pointiert und scharfzüngig:
Der von Eckenga erwähnte Kommentar des WAZ-Chefredakteurs Ulrich Reitz (bei dessen Namensnennung kam es zu deutlichen Umutsäußerungen auf dem Platz) bezog sich auf das Editorial “Die Beute eines Jägers”.
Hier wurde – zurecht – vom WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz gelobt, dass mit Daniel Drepper und Niklas Schenck zwei Reporter der WAZ-Mediengruppe für ihre investigative Recherche ausgezeichnet wurden.
Aber muss man ausgerechnet an dem Tag, an dem eine komplette Zeitung mitsamt ihren Redaktionen ihre Arbeit einstellen musste, mit den folgenden hehren Worten auf der Seite 1 der WAZ sich äußern?
Die Leser schätzen es, wenn Missstände von ihrer Zeitung aufgeklärt werden. Journalisten, die an solchen Geschichten arbeiten, sind hartnäckig, unerschrocken, respektlos. [...]“
Leider gibt die WAZ-Mediengruppe 120 fest angestellten und rund 180 freien Journalisten diese Chance nicht mehr. Zusätzlich betrifft es natürlich auch noch weitere Mitarbeiter dort – denn mit dem Wegfall der WR als eigenständiger Zeitung wird es beispielsweise vermutlich auch bei den Fotografen (die der WR ja nicht mehr zuliefern müssen) aber auch in der Verwaltung eher zu Stelleneinsparungen führen.
Twitter: @RuhrbaroneDO
Mit dem Start der Ruhrbarone Dortmund wurde auch kurzfristig ein eigener Twitter-Account @RuhrbaroneDO – in Abgrenzung zu @ruhrbarone – gestartet. Wir danken übrigens unseren ersten knapp 100 Followern dort und hoffen, dass es noch mehr werden!Über diesen Account wollen wir mit unseren Lesern auch in die Diskussion über Dortmunder Belange kommen, auf spezifische Dortmund-Artikel hinweisen – und auch von Dortmunder Ereignissen berichten. So auch beispielsweise gestern von der Demonstration anlässlich der Schließung der Redaktionen der Westfälischen Rundschau (WR).
Leider funktionierte das nur für kurze Zeit:
Wenn ich @ruhrbaronedo folgen will kommt: „Sorry der ist gesperrt“ oO @ruhrbarone
— Daniel (@ment0r) 2. Februar 2013
Es stellte sich dann im Nachhinein heraus, dass der Account suspendiert wurde (da kommen einem Gedanken an den Vortrag von Sascha Lobo auf der re:publica XII, wo dieser aufforderte, dass man mehr auf eigenen Plattformen machen sollte…). Mit Hilfe von Twitter gelang es schnell wieder den Account zu reaktivieren (Danke an die entsprechenden Personen bei Twitter). Der Rückmeldung zufolge lag die Suspendierung daran, dass sich (andere Twitter-Accounts bzw. deren Nutzer) über Beiträge beschwert haben. Aha. Honi soit qui mal y pense.
Nachfolgend eine aggregierte Zusammenfassung der Tweets von der gestrigen Demo:






#1 | Ulrike Märkel sagt am 3. Februar 2013 um 17:53
Tatsächlich ein schwarzer Tag. Aber dass über 700 Protestierende trotz des schlechten Wetters kamen, zeigt deutlich, dass die Redaktionsschliessung den Dortmundern nicht egal ist. Komisch, das trotz der beachtlichen Anzahl an Menschen, die Demo manchen keine Nachricht wert war. Der nur virtuell anwesende Oberbürgermeister könnte jedenfalls Recht behalten: Die WR-Abonnenten, die ich kenne, wollen alle aus Protest ihr Abo kündigen – und tun sich gleichzeitig schwer damit, einfach zu den Ruhrnachrichten zu wechseln. Die meisten hängen eben doch an “ihrer” gewohnten Zeitung. Vielleicht klicken sie ja trotzdem demnächst mal bei den Ruhrbaronen Dortmund …
http://www.newsroom.de/news/detail/$HVIUISGOEKHL/trauerzug_in_dortmund_700_protestieren_gegen_wr-schlieung
#2 | Robin Patzwaldt sagt am 3. Februar 2013 um 18:00
@Ulrike: Ich bin in der Sache auf deiner Seite. Aber ich möchte dazu zu bedenken geben, dass das nicht allen so geht. Es gibt eben auch Leute die den ‘Wechsel’ bei der WR gar nicht wirklich bemerkt haben. Habe meinem Vater z.B. , wie gewohnt die Sa-Ausgabe der WR vorgelegt. (Wir haben hier (ausserhalb des Verbreitungsgebietes) seit Jahren immer nur die SA-Ausgabe der WR am Kiosk gekauft.) Er hat gar nicht gemerkt das da etwas anders war, bis ich ihm davon erzählte.
#3 | Ulrike Märkel sagt am 3. Februar 2013 um 18:17
Na dann lohnt es sich ja umso mehr viel darüber zu berichten, wie es hier zum Beispiel Jens Matheuszik getan hat und hoffentlich am Montag noch viele andere (Dortmunder) Journalisten – damit es jeder mitbekommt und nicht versehentlich auf die Mogelpackung hereinfällt…
#4 | Pottblog sagt am 3. Februar 2013 um 22:00
Twitter-Account @RuhrbaroneDO wurde bei der Westfälische Rundschau (WR)-Demo suspendiert…
Gestern fand eine Demonstration zur Schließung der Redaktionen der Westfälischen Rundschau (WR) in Dortmund statt. Wie in einem Ruhrbarone Dortmund-Artikel angekündigt, haben wir (in diesem Fall eigentlich ich) live von der Demo getwitte…
#5 | Ruhr Nachrichten Dortmund: Die Chefredaktion schweigt – wenn es um die Westfälische Rundschau (WR) geht | Ruhrbarone sagt am 16. Februar 2013 um 10:39
[...] der nunmehr lokalen Monopolzeitungen anscheinend nicht mehr angesprochen. So wurde z.B. der schwarze Tag für Dortmund mit der Trauerdemonstration anlässlich der Redaktionsschließungen der WR in den Print-Ausgaben [...]