0

Moskitos lassen Punkte unnötig in Berlin

Es sind zwar nicht mehr die Eisbären, aber im altehrwürdigen Wellblechpalast in Ostberlin wird weiterhin Eishockey gespielt. Foto: Simon Ilger

Es sind zwar nicht mehr die Eisbären, aber im altehrwürdigen Wellblechpalast in Ostberlin wird weiterhin Eishockey gespielt. Foto: Simon Ilger

Nach dem packenden Revierderby gegen den Herner EV hieß es am gestrigen Sonntag für das Team vom Essener Westbahnhof zu früher Stunde Abfahrt in Richtung Bundeshauptstadt. Das Gastspiel beim Freien Akademischen Sportverein Siegmundshof, kurz FASS Berlin, stand an. Das Team des in den 1960er Jahren von und für Studenten der TU Berlin gegründeten Vereins wird deshalb auch „Die Akademiker“ genannt. Das Hinspiel Anfang Dezember konnten die Moskitos sehr eindeutig mit 11:1 für sich entscheiden und damit war die Favoritenrolle im Aufeinandertreffen mit dem Tabellenvorletzen klar verteilt. Die Berliner starteten äußerst glücklos in die Saison und blieben die erste Hälfte der Hauptrunde komplett sieglos und wären sogar punktlos gewesen, wenn sie zwei Spiele nicht erst nach Penaltyschießen verloren hätten. Um 16 Uhr ließ Hauptschiedsrichter Marcel Metzkow den Puck das erste Mal auf das geschichtsträchtige Eis im Wellblechpalast zu Ostberlin fallen. Die erste Mannschaft von FASS Berlin trägt ihre Heimspiele überwiegend in der ehemaligen Heimspielstätte der Eisbären aus und so umgab dieses Spiel ein Hauch von großer Eishockey-Historie.

Die Essener waren sich ihrer Favoritenrolle bewusst und nahmen sofort das Heft in die Hand. Die Stechmücken erspielten sich in den ersten Minuten Chance um Chance und so benötigte Michal Velecky in der vierten Minute nur zwölf Sekunden im ersten Überzahlspiel um Christian Krüger im Tor der Berliner zu überwinden. Die Moskitos blieben im ersten Drittel das spielbestimmende Team, konnten die vielen Torschüsse jedoch nicht in zählbares umwandeln. Auch eine erneute Überzahl für Essen in einem insgesamt sehr fairen Spiel brachte keine weiteren Tore. Neben dem starken Christian Krüger im Tor sorgte auch ausbleibendes Glück in Form mehrerer Pfostentreffer für die nur knappe Führung am Ende des ersten Drittels. Mücken-Coach Frank Gentges konnte im ersten Drittel abgesehen von der Chacenverwertung zufrieden mit seinem Team sein, insbesondere da er erneut viele Ausfälle zu beklagen hatte. Neben dem Langzeitverletzten Michael Hrstka fehlten die gesperrten Tobias Brazda und Julian Airich sowie der starke Enrico Saccomani, welcher sich im Spiel gegen Herne so schwer an der Schulter verletzte, dass er noch am Wochenende operiert wurde und die Saison für ihn vermutlich beendet ist.

Das zweite Drittel gestalte sich wie das erste. Die Essener erspielten sich viele Torchancen bekamen den Puck jedoch nicht über die Linie und ließen auf Berliner Seite relativ wenig zu. Erneute Pfostentreffer und Christian Krüger ließen die Essener Stürmer schier verzweifeln. Mit insgesamt 42 zu 13 Torschüssen in den ersten beiden Dritteln für Essen ging es ohne weiteres Tor in die zweite Pause.

In dieser schien FASS-Coach Oliver Miethke die richtigen Worte gefunden zu haben. Nach nur eine Minute im dritten Drittel taucht der Berliner Justin Ludwig gefährlich vor seinem Namensvetter Justin Schrörs im Essener Tor auf und erzielt das 1:1. Analog zum Spielstand ist das Spiel nun ausgeglichener, die Moskitos können sich weiterhin zahlreiche Chancen erarbeiten, regelmäßig ist jedoch auch Mücken-Goalie Schrörs gefordert. In der 52. Spielminute ist es erneut Essens Top-Scorer Michal Velecky der Christian Krüger überwinden und das 1:2 aus Berliner Sicht erzielen kann. Der erneute Rückstand dämpft die Motivation der Berliner keineswegs und die 103 Zuschauer, darunter etwa 20 Essener, sahen nun einen Sturmlauf der Akademiker auf das Essener Tor. In der siebzehnten Minute kann Leonard Zink den Ausgleich nur noch Verhindern in dem er sich im eigenen Torraum einfach auf den Puck legt. Den dafür fälligen Penalty kann Schrörs parieren. Bei noch gut drei zu spielenden Minuten nimmt Miethke bereits seinen Goalie vom Eis. Mit Erfolg wie sich zeigt: 42 Sekunden vor der Schlusssirene erzielt Patrick Czajka den Ausgleich für die Berliner. Weniger Sekunden später geht Moskito Philipp Gejerhos noch wegen Stockschlags für zwei Minuten auf die Strafbank und so müssen die Essener die ersten anderthalb Minuten der Verlängerung in Unterzahl spielen. In der Overtime passiert wenig, beide Teams wollen keinen entscheidenen Fehler machen der das Spiel zu Gunsten des Gegners entscheiden würde. Die logische Konsequenz ist Penaltyschießen. Die Moskitos blieben in dieser Saison im Penaltyschießen bislang ungeschlagen und konnten auf diesem Wege den Zusatzpunkt zwei Mal für sich verbuchen. Analog zu den vorangegangen 65 Minuten vermochten es die Stechmücken aber auch im Penaltyschießen nicht ihre Chance zu nutzen und alle drei Essener Schützen scheiterten an Christian Krüger bzw. schossen neben das Tor und so reichte ein verwandelter Penalty durch Nils Watzke um den zweiten Punkt in Berlin zu halten und die Essener mit nur einem Punkt auf die lange Heimreise zu schicken.

Frank Gentges zeigte sich nach dem Spiel zu recht unzufrieden mit der Chancenauswertung seines Teams, ein Problem welches sich bereits durch die gesamte Saison zieht. Wenn aus insgesamt 67 Torschüssen und drei Penaltys nur zwei Tore gemacht werden reicht es selbst für die schwächeren Gegner in der Oberliga Nord nicht. Der direkte Konkurrent um Platz acht und damit den letzten Play-off-Platz aus Neuwied konnte durch einen 5:0 Heimsieg gegen Rostock seinen Vorsprung auf die neuntplatzierten Essener auf sieben Punkte bei einem Spiel weniger ausbauen. Am kommenden Freitag geht es zu den Black Dragons nach Erfurt, welche im unteren Tabellendrittel stehen. Will man die Play-offs nicht komplett aus den Augen verlieren ist ein Sieg pflicht.

Tore:
0:1 (3:09) Velecky (Klein, Barta) PP1
1:1 (41:41) Ludwig (Leers, Joecks)
1:2 (51:10) Velecky (Barta)
2:2 (59:18) Czajka (Patrzek, Leers) 6. Feldspieler
3:2 (PS) Watzke GWS

Strafen:
Berlin 8 – Essen 4

Zuschauer: 103

RuhrBarone-Logo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *