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#EM2016: Das Turnier hat mit Portugal seinen logischen Europameister gefunden!

Foto: Robin Patzwaldt

Foto: Robin Patzwaldt

Es war ein irgendwie logisches Finale für dieses zähe EM-Turnier. Nicht die sportlichen Ereignisse rückten dabei in den Mittelpunkt des Interesses, sondern die eigentlichen Randgeschichten: Ein emotional aufgewühlter ‚Selbstdarsteller‘ zwischen Tränenmeer und freudiger Ekstase, eine kuriose Mottenplage im Stadion, ein Tränengaseinsatz auf der Fan-Meile am Eifelturm.

Das Alles regte zwar erwartungsgemäß emotionale Diskussionen unter den Fans an, der eigentliche Sport hingegen war allerdings einmal mehr von eher überschaubarer Qualität und lieferte so auch nur einen eher geringer Gesprächswert.

Dass die Portugiesen sich am Ende etwas glücklich mit 1:0 n.V. gegen die Gastgeber aus Frankreich durchsetzen, das empfanden viele Beobachter dann zwar als eine Art von ‚ausgleichender Gerechtigkeit‘ dafür, dass ausgerechnet Portugals Kapitän Christiano Ronaldo bereits früh in der ersten Halbzeit nach einem heftigen Foul verletzungsbedingt vom Platz musste, konnte über die vielen Schwächen des Spiels aber auch nicht wirklich hinwegtrösten, wenn man mal ehrlich ist.

Und obwohl Ronaldo dem Finale sportlich seinen Stempel notgedrungen somit gar nicht aufsetzen konnte, bestimmte er nach dem Schlusspfiff dann eindeutig die Feierlichkeiten, ließ dabei keine Gelegenheit aus sich dort mehr oder weniger gekonnt selbst maximal in Szene zu setzen. Wie gesagt, alles irgendwie gleichzeitig auch sehr bezeichnend für diese irgendwie ‚merkwürdige‘ Europameisterschaft des Jahres 2016.

Denn auch die 120 Minuten des Endspiels waren für Fußballfans ansonsten ähnlich schwer durchgängig konzentriert und mit Freude anzuschauen wie viele Begegnungen dieses vierwöchigen Turniers zuvor.

Erstmals mit 24 Teams ausgetragen, war besonders die Vorrunde, und damit immerhin auch die komplette erste Hälfte der Europameisterschaft, eine fußballerisch große Enttäuschung.

Dass es zum Ende dann trotzdem noch einmal so spektakuläre Bilder der sich feiernden Portugiesen, ganz speziell von Christiano Ronaldo, lieferte, welche vermutlich schon in wenigen Tagen in jedem Erinnerungsbildband zu finden sein werden, ist für wahre Fußballfreunde  dann auch wohl kein wirklicher Trost.

Mit Portugal hat zudem ein Team den Titel errungen, welches von seinen sieben Turnierspielen nur ein einziges (!!!) in den regulären 90 Minuten für sich entscheiden konnte. Irgendwie sehr ernüchternd, diese Bilanz für einen kontinentalen Champion.

Auch Gastgeber Frankreich vermochte in diesem Turnier eben nur relativ selten wirklich vollends zu überzeugen. Mag die Trauer über den verpassten Heim-Titel in unserem Nachbarland aktuell, aus verständlichen Gründen, auch noch relativ groß sein, wer verliert schon gerne ein Finale, wird man vermutlich auch dort schon bald erkennen müssen, dass dieses recht uninspiriert daherkommende Fußballturnier mit den wenig attraktiv aber letztendlich erfolgreich aufgetretenen Portugiesen seinen logischen Titelträger gefunden hat. Nicht schön, aber mit einer eher defensiv ausgerichteten Grundausrichtung am Ende irgendwie erfolgreich.

Wenn das so allerdings die Zukunft des Fußballs sein wird, dann werden sich viele der Millionen Fußballfreunde vermutlich schon recht bald von ihrem Lieblingssport gelangweilt abwenden.

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9 Kommentare zu “#EM2016: Das Turnier hat mit Portugal seinen logischen Europameister gefunden!

  • #1
    Klaus Lohmann

    Wirklich schade, dass der Schmierenkomödiant CR7 sich auch ohne Arbeitsnachweis und nach einer erstklassigen Mannschaftsleistung der Portugiesen derart in den (Kamera-)Vordergrund drängeln musste, dass die wirklichen Akteure kaum eine Chance hatten, den Pokal auch mal für ihre Leistung für sich zu ergreifen. Ich gönne einem diesmal wieder beinhart, aber fair agierenden Pepe oder einem diese EM auch prägenden Eder den Titel, den *die* sich verdient haben.

    Und ich freue ich mich auf einen Raphael Guerreiro, der ebenfalls – trotz CR7 – glänzen konnte (obwohl er sich gegen Ende der Verlängerung von einem chargierenden Trainerdouble gängeln und vorführen lassen musste;-)) und für den BvB eine erstklassige Bereicherung werden könnte.

  • #2
    Helmut Junge

    Tränenfluß?
    Nicht daß ich nie weinen würde. Aber aus Selbstmitleid ? Ich finde das peinlich für einen Mann. Tut mir leid. Hab danach nicht weitergeguckt, weil sich auch dieses Spiel quälend hinzog. Vermutlich wird der Simulant bei mir die einzige Erinnerung an diese EM bleiben. Und der Umstieg auf Handball im Spiel davor natürlich.

  • #3
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Helmut: Mein Vater hat mir gerade erzählt, dass er nach dem Aus von Ronaldo direkt abgeschaltet hat, da er dachte, Frankreich würde nun wohl ohnehin gewinnen. Er war dann am Morgen ganz erstaunt, als er vom Ausgang des Ganzen hörte. 😉

  • #4
    Walter Stach

    Robin,
    Zustimmung : " hat mit Portugal seinen logischen…."

    Ja, Fußball, der ausschließlich nach den taktischen Weisungen des Trainers funktioniert -"kopf-fußball"-und der die EM geprägt hat, findet in Portugal seine "beste Abbildung".
    Deshalb war für mich das Spiel gestern eben nur eines von vielen während der EM , die mich als Fußball-Fan ganz und gar nicht begeistern konnten. Weder die EM-Spiele insgesamt noch das Endspiel gestern haben uns Fußball-Fans den Stoff für große Erzählungen geliefert -schade!

  • #5
    Arnold Voss

    Ein wahrhaft gelungener theatralischer Abgang von Ronaldo. Fallen, lange liegen, aufstehen, weiter spielen, fallen, lange liegen, aufstehen, und ein drittes Mal und dann humpelnder Abgang mit Schmerzensdauergrimasse. Christiano – Ich kämpfe bis zum letzten Blutstropfen für Portugal – Ronaldo ist wirklich das schaustellerisch Abgezockteste was ich seit langem auf dem internationalen Spielfeld gesehen habe. Und die Medienmeute spielt das Spiel bis zur letzten Minute mit.

    Wa war sonst noch? Frankreich spielte Deutschland gegen Portugal. Viel Gerenne, viele Schüsse, nix Tor.

  • #6
    thomas weigle

    @ Klaus Lohmann Beim "Schmierenkomödianten CR7" sind wir ganz nah beieinander. Der Kerl ist nur noch peinlich.
    Ein für Deutschland überaus schmeichelhaftes Fazit zieht der polnische Journalist Roman Kolton von POLSAT SPORT: "2006 in Deutschland war die Welt zu Gast bei Freunden. In Frankreich waren die Gäste oft nur ein Problem." KICKER, S.34

  • #7
    Klaus Lohmann

    @thomas weigle: Man muss sich nur mal diese SPON-Fotostrecke (http://www.spiegel.de/fotostrecke/em-2016-cristiano-ronaldos-comeback-an-der-seitenlinie-fotostrecke-139227.html) genehmigen, um zu erkennen, wie *affig* (im wahrsten Sinn des Wortes) ein Spieler werden kann, der kurz zuvor mit einer schlimmen, tränentreibenden Zerrung im Knie vom Platz musste.

  • #8
  • #9
    wernerinitaly

    ich hab auch nach den ersten Minuten Ballgeschiebe mir gedacht, dass da so schnell sowieso nichts passiert und bin beim zappen durch die anderen Kanäle an einem total süßen Film über Italien gegen Ende der 50er Jahre hängen geblieben .. in der Tat war es, wie ich am Ende mitbekam, eine Wiederholung aus dem Jahre 1960. Auch die parallel laufenden krimis waren nicht schlecht. Nachdem ich immer wieder mal nachgeguckt habe, ob etwa ein Tor gefallen wäre, habe ich mir auch noch den beim zappen vorgemerkten Tatort mit den entführten Kindern und der netten Kommissarin Saalfeld angeguckt, obwohl dessen Ende sich auch schon langsam abzeichnete … danach stand es immer noch 0:0 und ich kriegte per Wiederholung auch das Foul an Ronaldo mit. Gibts für sowas heutzutage keinen Platzverweis mehr? Naja ich hatte mich eigentlich schon auf ein Elfmeterschießen gefreut, aber dann machte Eder sie Sache klar. Irgendwie wusste ich die ganze Zeit, dass der Sieder Portugal heißen würde. Insofern stimmt die Überschrift total über diesem Artikel.

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