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Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 13: Hessen

Landwappen von Hessen (Quelle: Wikipedia.de)

Landwappen von Hessen
(Quelle: Wikipedia.de)

Seien wir ehrlich: die letzten zwei Wochen waren nicht so prall für Bremen und Schleswig-Holstein.

Beide Bundesländer fielen in unserer Montagsserie „Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium?“ dadurch auf, dass ihre Gesundheitsministerien es nicht hinbekamen zu drei Fragen je eine Antwort abzugeben. Eine Leistung die immerhin 10 andere Landesministerien zuvor erbracht hatten.

Vielleicht hat dies ja mit der Nähe zur Küste zu tun? Wahrscheinlich eher nicht, aber der Autor dieser Zeilen tut sich schwer damit eine Überleitung ins Landsinnere zu konstruieren, denn heute geht es nach Hessen. 

In Hessen findet am Sonntag parallel zur Bundestagswahl auch die Landtagswahl statt.

Da könnte es ja für die eine Leserin oder den einen Leser interessant sein, was der bisherige Gesundheitsminister zum Thema Alternativmedizin zu sagen hat. Ohne das Ergebnis vorweg nehmen zu wollen: leider hat man in Hessen weniger zu sagen, als sich der Wähler sicherlich gewünscht hätte.

Doch wo Politiker sich in Schweigsamkeit üben, sollten Journalisten umso freimütiger erzählen. Und dies sei im Folgenden getan.

Anfang Januar 2013: Die Entscheidung fällt eine Serie zum Thema „Alternativmedizin“ in den Bundesländern zu machen. Hintergrund: Eso-Barbara.

18.1.2013: Erstmals werden alle 16 Bundesländer und der Bundesgesundheitsminister angeschrieben. Naja, eigentlich nur 15. Denn im Eifer des Gefechts wird das Bundesland Berlin vergessen.

1.2.2013: Rückmeldungen aus 6 Bundesländern liegen vor. Hessen ist nicht dabei.

März/ April: Nochmals werden die säumigen Bundesländern angeschrieben. 4 antworten. Hessen ist nicht dabei.

3.6.2013: Start der Serie „Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium?“. Parallel werden die sieben ausstehenden Gesundheitsministerien um Antwort gebeten.

10.6.2013: Mit Hamburg rückt das erste Bundesland in den Fokus unserer Serie.

17.6.2013: Berlin und Bayern antworten. Hessen nicht.

15.7.2013: Wieder eine Mail an die ausstehenden 5 Ministerien, eines antwortet. Es ist nicht Hessen.

5.8.2013: Anruf bei den 4 Ministerien, von denen bisher keine Antwort kam. Zwei liefern daraufhin zu. Und Hessen? Verspricht nach einer freundlichen Entschuldigung, die Antworten zeitnah zu liefern.

26.8.2013: Nachdem immer noch keine Antworten aus Hessen vorliegen, wird nochmals per Mail darauf hingewiesen – und per Telefon.

30.8.2013: Wie 26.8.2013.

Anfang September 2013: Mehrere Telefonate mit Menschen im Hessischen Gesundheitsministerium. Stets freundlich. Stets bemüht – und stets mit dem Versprechen, man werde sich umgehend melden. Doch: nichts passiert. Damit das Spiel nicht bis zur Landtagswahl fortgeführt werden kann, fällt der Entschluss zu einer deutlicheren Mail.

12.9.2013: Noch immer liegt keine Rückmeldung aus Hessen vor. Deswegen wird in einer Mail auf das Hessische Pressegesetz, und hier insb. § 3 (1) verwiesen, nach dem „Behörden (..) verpflichtet (sind), der Presse die gewünschten Auskünfte zu erteilen.“ Zudem wird ein Ultimatum gesetzt. Für Montag, 16. September, 18 Uhr.

16.9.2013; 13.16 Uhr: Hessen antwortet!

Gesundheitsminister Grüttner (Quelle: Martin Rulsch, Wikimedia Commons)

Gesundheitsminister Grüttner
(Quelle: Martin Rulsch, Wikimedia Commons)

Heutiges Bundesland: Hessen

Hessischer Sozialminister: Stefan Grüttner (56)

Parteibuch: CDU

Die Bewertung: Für jede Antwort werden 0 bis 5 Globuli vergeben. Je mehr Globuli, desto esoterischer das Gesundheitsministerium. Insgesamt können also 15 Globuli erreicht werden, wobei dies wohl nur der DHU erstrebenswert erscheinen dürfte.

 

Wie immer sind unsere Fragen:

1. Wie steht Ihr Ministerium zur Alternativmedizin? Sieht es darin „zu überwachende Quacksalberei“ oder eine „gleichzuberechtigende Alternative zur Schulmedizin und Naturheilverfahren“?

2. Wie steht das Ministerium zur evidenzbasierten Medizin? Welche Rolle schreibt es allgemein empirischen Wirkbefunden zu?

3. Was empfiehlt das Ministerium in Fällen, in denen alternativmedizinische Vorstellungen diametral zu denen der Schulmedizin sind, bspw. im Bereich des Impfschutzes?

Acht Monate sind vergangen seit das Hessische Sozialministerium erstmals gebeten wurde, diese Fragen zu beantworten. Die Antworten sollten dementsprechend ausgefeilt ausfallen. Sie sollten den Sachverhalten in Tiefe und Breite pointiert betrachten, Abwägungen beinhalten, Studien zitieren, Quellenarbeit leisten.

Hier also nun die Antwort des Hessischen Sozialministeriums:

Zu Ihren Fragen kann ich Ihnen mitteilen, dass unser Haus zu den verschiedenen Feldern, die Sie ansprechen, immer rät, sich an die Empfehlungen der jeweils hierfür kompetenten Stellen zu halten, bspw. an die des Robert-Koch Instituts und der dort angesiedelten Ständigen Impfkommission.

Soweit die Antwort aus Hessen.
Wir kommen auf eine Esoterikwertung von 10 Globuli.

 

Erläuterungen

Man könnte diese Antwort als Farce bezeichnen. Man könnte sich auch schlicht verarscht fühlen. Aber nein, das wäre ungerecht. Denn denkbar ist auch, dass die wackeren Hessen acht Monate lange alle Aspekte solange zu den einzelnen Fragen abgewogen haben, bis sie selbst nicht mehr wussten, was sie meinten – oder 6 Tage vor der Landtagswahl meinen sollten. Vielleicht versteckt sich aber doch eine tiefere Wahrheit in den 42 Wörtern aus Hessen.

42? Ja, die Antwort auf alle Fragen. Kann das Zufall sein?. Schauen wir genauer hin. Die hessischen Gesundheitshüter verweisen darauf, man solle sich hinsichtlich der gegenständlichen Fragen an „kompetente Stellen“ halten. Wann ist jemals einer politischen Behörde ein solches Eigengeständnis der eigenen Inkompetenz geglückt.

Man ist versöhnt, wertet den Verweis auf die Impfkommission mit 0 Globuli zu der Impffrage – und vergibt, nur logisch, je 5 Globuli für die beiden anderen Fragen, so wie durch die Antwort nahe gelegt.

Aus der Psychologie weiss man: Selbstreflexion dauert seine Zeit – und das Aussprechen einer selbstwertbedrohlichen Erkenntnis gelingt vielen ein Leben lang nicht.

In diesem Sinne: gut gemacht, Hessen – and thanks for the fish!

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5 Kommentare zu “Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 13: Hessen

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