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Flüchtlingswohnheim in Marl ausgebrannt. (Update: 17.17 Uhr)

Die Polizei ermittelt derzeit die Brandursache (Foto: Sebastian Bartoschek)

Die Polizei ermittelt derzeit die Brandursache (Foto: Sebastian Bartoschek)

Marl – In den frühen Morgenstunden am heutigen Donnerstag brannte ein zukünftiges Flüchtlingswohnheim in Marl (Kreis Recklinghausen). Ein fremdenfeindlicher Hintergrund erscheint wahrscheinlich, zumal die Polizei Ermittlungen des Staatsschutzes vom Tag zuvor bestätigt. Auch in einer Facebookgruppe soll gezielt Stimmung gegen das zukünftige Flüchtlingswohnheim gemacht worden sein.

Als die Feuerwehr gegen 5 Uhr in Marl in der umgewidmeten Turnhalle einer Grundschule eintraf, stand das Gebäude in Flammen. Bis zu 50 Feuerwehrleute seien mit der Brandbekämpfung befasst gewesen, die sich noch bis in den Nachmittag des heutigen Tages hinziehen wird. Menschen wurden nicht verletzt, an dem Gebäude entstand ein Totalschaden.

Die Offiziellen der Stadt Marl beraten seit Stunden über eine Presseerklärung, die für den frühen Nachmittag erwartet wird, mutmaßlich auch, da dann die ersten Berichte der polizeilichen Brandermittlung vorliegen sollten.

Bis in den Mittag dauerten die Löscharbeiten. (Foto: Sebastian Bartoschek)

Bis in den Mittag dauerten die Löscharbeiten. (Foto: Sebastian Bartoschek)

Nach Angaben der Polizei wurde bereits gestern gegen mittag der Staatsschutz eingeschaltet. Hintergrund sei gewesen, dass Hinweise auf rechtsradikale Schmiereien gegeben habe. Konkret sei an der Flüchtlingsunterkunft ein mit schwarzer Farbe angebrachtetes Hakenkreuz gefunden wurden. Zudem habe es Brandspuren in diesem Umfeld gegeben. Ein Polizeisprecher: „Das nährt natürlich den Verdacht, dass der heutige Brand damit im Zusammenhang steht.“

Das Dach ist völlig ausgebrannt. (Foto: Sebastian Bartoschek)

Das Dach ist völlig ausgebrannt. (Foto: Sebastian Bartoschek)

Nach Recherchen der Ruhrbarone gab es gestern in einer Facebookgruppe, die im Zusammenhang mit Marl steht, Hassposts – die Postenden hätten sich „für Köln“ an „den Flüchtlingen“ rächen wollen. Der entsprechende Post wurde mittlerweile entfernt.

(Dieses Artikel wird upgedatet)

Update (17.17 Uhr)

Mittlerweile gibt es eine offizielle Pressemitteilung der Stadt Marl. Sie ist hier verfügbar.
Im Vergleich zu unseren eigenen Recherchen steht darin wenig bis gar nichts Neues.

Wichtig ist allerdings, dass die Polizei Zeugen bittet sich zu melden:

Bisher haben sich keine Hinweise auf den oder die Täter ergeben.
Zeugenhinweise erbittet das Fachkommissariat unter der Rufnummer 0800 / 2361 111.

Auch wenn die Brandursache derzeit noch ungeklärt ist, intensiviert die Stadt Marl ihre Bemühungen zur Sicherung von Flüchtlingswohnheimen:

Der Bürgermeister hat veranlasst, dass alle Flüchtlingsunterkünfte in Marl auf Wandschmierereien untersucht werden und der Sicherheitsdienst für die Flüchtlingsunterkünfte vorsorglich verstärkt wird.

Zudem erfuhren wir, dass das Flüchtlingswohnheim Ende Februar/ Anfang März belegt werden sollte, und zwar mit ca. 40 Personen – vornehmlich Familien mit schulpflichtigen Kindern, die zur angrenzenden Grundschule gehen sollte. Die Stadt geht derzeit davon aus, diese Familien andernorts unterbringen zu können.

Im Vorfeld der Einrichtung des Wohnheim habe es laut Stadt keine Anwohnerproteste oder ähnliches gegeben, lediglich einzelne Personen hätten Sorgen um ihre Sicherheit geäußert.

Nicht zutreffend war unsere Angabe, nach der es sich bei dem Objekt um eine Turnhalle gehandelt habe – vielmehr ist das Gebäude ein leerstehendes Vereinsheim gewesen. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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4 Kommentare zu “Flüchtlingswohnheim in Marl ausgebrannt. (Update: 17.17 Uhr)

  • #1
    Walter Stach

    1.
    Fehlt in Marl eine Bürgerwehr ?
    Bin jedenfalls gespannt, ob die Fans , die den Bürgerwehren das Wort reden -u.a hier im Blog- jetzt noch vehementer als bisher diese aufgrund des Brandanschlages in Marl fordern werdenl

    2.
    Staatsversagen, polizeiliches Versagen -auch-in Marl?
    Der Brandanschlag rechtfertigt diese Fragestellung!!

  • #2
    kE

    @1:
    Wir haben geringe Aufklärungsquoten, wenig Polzeipräsenz, eine nachsichtige Justiz.
    Das bedeutet auch, dass im Bereich Brandanschläge, rechter Gewalt, linker Gewalt, religiöser Gewalt, Fußballgewalt … die Aufklärungsquoten nicht optimal sind. Ebenso haben wir ein Problem von Intensivtätern.

    Für mich hängt dies natürlich alles zusammen!

  • #3
    Walter Stach

    ke
    Ja, aber….
    Es muß doch zumindest nachdenklich stimmen, daß die Fans der Bürgerwehren deren Notwendigkeit nicht (auch) damit begründen, daß man den Gewalttätern aus "der rechten Ecke" begegnen muß, wenn sie z.B. Flüchtlingsunterkünfte wie auch immer angreifen, wenn sie Flüchtlinge auf offener Straße angreifen, wenn sie jeden, der ihnen "fremd vorkommt" öffentlich attackieren.
    (Dass auch diese Exezesse der Neo-Nazis -befeuert von den "Biedermännern aus der AFD, der Pegida und…..) für mich nicht als Rechtfertigung sog. Bürger-wehren herhalten dürfen, will ich nur erinnern.)

  • #4
    kE

    @3:
    Ich habe den Eindruck, dass die Bürger, die zuerst aktiv werden, auch schon vorher aktiv waren (Demos etc.). Dabei werden dann Prioritäten gesetzt und die Objekte/Personen zuerst geschützt , für die man sich auch vorher eingesetzt hat.

    Es wird dauern, bis wir merken, dass erfolgreiche Sicherheit nur funktionieren kann, wenn wir auf uns in unserer Nachbarschaft aktiver aufpassen und wenn Polizei dann auch transparent ermittelt und Erfolge aufweisen kann.

    Transparenz und Erfolge fehlen zurzeit bei der Polizei. Auch wissen viele Menschen nicht, wer wirklich in der Nachbarschaft wohnt, d.h. die soziale Kontrolle des Dorfes mit allen Vor- und Nachteilen gibt es nicht mehr.

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