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Evolution, Wissenschaft und die Giordano-Bruno-Stiftung

 

Zur aktuell verbreiteten Studie der Giordano-Bruno-Stiftung.

Zusammenfassend: die Studie ist über 7 Jahre alt, und die Ergebnisse können nur auf die Stichprobe angewandt werden, weil die Stichprobe der muslimischen Studenten zu klein ist.

    1.  Das n (die Anzahl der Personen) ist bei den Muslimen zu gering – 39 Personen. Bei so wenigen Personen ist keine Übertragung auf Personen ausserhalb der Stichprobe zulässig. Auch im Übrigen, weil das Verhältins von Nicht-Muslimen so ungleich ist, dass es dementsprechend statistische Tests nicht erlaubt.
    2. Es wurde Religionszugehörigkeit und nicht tatsächlicher Glaube abgefragt.
    3. Die Studie differenziert auch nicht zwischen verschiedenen Muslimen, oder gar verschiedenen türkischen Ethnien (auch dafür ist das n zu klein – siehe im Folgenden)
    4. Ob die einzelnen Items (Fragebogenfragen) wirklich Skepsis/ Ablehnung ggü der Evolutionstheorie erfassen (interne Validität) ist fraglich; ebenso wie einzelne Items nicht die behauptete Differenz zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen belegen
    5. Die Ergebnisse sind von 2007 bis 2009. Die Studie berücksichtigt also überhaupt keine aktuellen Entwicklungen. Genau das wird aber durch den Zeitpunkt der Veröffentlichung suggeriert.
    6. Ich habe die Studie bereits 2012 beim World Skeptics Congress 2012 in Berlin präsentiert bekommen. Die benannten Kritikpunkt (bis auf 5.) wurden dort vorgetragen und diskutiert; ein Verweis hierzu fehlt gänzlich bei der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid).
    7. fowid selbst ist dabei ein Projekt der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), und eben kein „neutrales“ Institut.
    8. Es macht den Anschein, dass die veröffentlichende Giordano-Bruno-Stiftung durch das Bedienen von Urteilen und Ressentiments punkten will; die grassierende Islamfeindlichkeit spielt ihr in die Karten.
    9. Die gbs hilft damit im Übrigen den Islamisten. Beide Organisationen arbeiten so unwissenschaftlich an einer Spaltung der Gesellschaft.
    10. Der Islamismus ist zu bekämpfen und der Islam muss ich derselben Kritik aussetzbar machen, wie jede andere Religion auch. Aber auf dem Boden der Wissenschaftlichkeit.

Eine Erwiderung der gbs findet ihr hier.

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12 Kommentare zu “Evolution, Wissenschaft und die Giordano-Bruno-Stiftung

  • #1
    kE

    Ich finde es immer wieder gut, wenn auf die Grundlagen von Umfragen/Statistiken hingewiesen wird. Hier brauchen sehr viele Journalisten "Nachhilfe". Sie müssen auch mal den Aufbau und das Fazit der Statistik-Autoren auf Plausibilität prüfen.

    Interessant sind auch immer wissenschaftliche Paper, die auf Beobachtungen/Umfragen an 20 Personen aufgebaut sind. Welchen Wert haben diese? Sollen Schlagzeilen für unnützes Wissen produziert werden?

    Die letzten Aussagen fand ich überzogen.

  • #2
  • #3
    Arnold Voss

    "Der Islamismus ist zu bekämpfen und der Islam muss ich derselben Kritik aussetzbar machen, wie jede andere Religion auch. Aber auf dem Boden der Wissenschaftlichkeit."

    Was soll eine Religionskritik auf dem Boden der Wissenschaftlichkeit sein, Sebastian? In der Wissenschaft gibt es per Definitionem keine "heiligen" Texte. Wer solche Texte zur Grundlage seines Handelns macht, der handelt deswegen per se unwissenschaftlich. Der Kern jeder Gottes-Religion ist doch nicht, nicht wissen zu können, sonder nicht wissen zu wollen.

    Genau das kann in einer freien Gesellschaft aber jeder so handhaben wie er will , bzw. wie es ihn/sie persönlich weiterbringt, und deswegen gibt es daran auch nichts zu kritisieren. Zumindest nicht, so lange der daraus sich bei einigen immer wieder entwickelnde Wahn nicht anderen schadet, oder das religiöse Nicht-Wissen-Wollen anderen aufgezwungen werden soll.

    Dem potentiellen Wahn selbst ist dagegen weder durch Wissenschaftlichkeit noch durch äußere Kritik überhaupt beizukommen. Dem kann man in den bekannten Extremformen nur durch gesetzlichen Zwang und im Sonderfall sogar nur durch permanente Überwachung entgegenwirken, was insbesondere auch für die gilt, die diesen religiösen Wahn systematisch schüren.

  • #4
    Kurt

    Habe den Vortrag in Berlin selbst gehört. Religiöse Gruppen wurden mit keinem einzigen Wort erwähnt!
    Ich frage mich, wie Du dazu kommst zu behaupten, das sei diskutiert worden. Ich kann mich deswegen so genau erinnern, weil ich mir genau zur Religionsfrage einige Infos gewünnscht hätte

  • #5
  • #6
    Wolfram Obermanns

    Typisch GBS, von denen habe ich noch nie etwas gelesen, das essayistisches Niveau übersteigt, auch und gerade wenn die Truppe angeblich wissenschaftlich unterwegs ist.
    Giordano Bruno ist schon der richtige Namenspatron. Die haben Ideen, die so ähnlich auch in der Wissenschaft vertreten werden, sind ansonsten aber eher "mittelalterlich" aufgestellt: hermetisch, exklusivistisch, simplifizierend, selbstaufwertend durch Fremdabwertung…
    Wenn das Aufklärung sein soll, dann für Arme.
    Die durchaus gekonnte Medienarbeit, läßt vermuten, daß den Initiatoren der halbgaren Stories die inhaltliche Schwäche bewußt sein dürfte, man sich also gezielt in der Bildungslücke plaziert. Die GBS will sich nicht durch das Verbreiten von Vorurteilen und Ressentiment profilieren, sie ist eine Organisation von und für vorurteils- und ressentimentgeladenen Persönlichkeiten, WissenschaftsPEGIDA gewissermaßen. Wir sehen hier weniger einen Profilierungsversuch, sondern GBS "at its best".

  • #7
    Walter Stach

    "Jedem Tierchen sein Pläsierchen" oder "Jedem Narren gefällt seine Kappe".

    Und wenn die Narren sich bemühen, ihre Kappe möglichst vielen Menschen überzuziehen, dann ist das ihrem Wesen und in ihrem Anliegen gemäß. Und wer sich dem verwehrt, der ist so frei. Wer das "Sichverwehren" dann mit Gleichgesinnten macht, aus welchen Gründen auch immer, der ist auch dieserhalb " so frei.

    Deshalb gehe ich relativ gelassen mit all den "Narren" und ihren Bemühungen um, mir ihre Kappe überziehen zu wollen und mit ihrem Bemühen, "gesellschaftsverändernd" wirken zu wollen . Das schließ die Streitigkeiten, die all diese "Narren" untereinander führen, ein, was nicht bedeutet, daß ich den Diskurs der "Narren" völlig auszublenden versuchen oder mich einem Diskurs mit ihnen verweigere- Nein, aber in großer Gelassenheit , mit dem steten Bemühen um einHöchstmaß an Toleranz.

    Allen "Narren" das ihre und jedem das Seine, vor allem wenn es um Kulturen, Religionen, Ideologien geht, aber nur dann und immer nur dann , wenn die " Narren" darum wissen und sich angehalten sehen, stets zu bedenken und stets darauf zu achten, daß ihre Kultur, daß ihre Religion, daß ihre Ideologie -egal, welche- in Deutschland "eingehegt ist" durch die Prinzipien der freiheitlich-rechtstaatlichen-demokratischen Verfassung -und das unabdingbar und unverhandeltbar.
    Gelegentlich , so scheint mir, gilt es, Letzteres allen "Narren" unmißverständlich zu erklären -auch im Diskurs hier bei den Ruhrbaronen- und ggfls. zu fordern, seitens des Staates seitens des Staates von den "Narren", welcher Coleur auch immer, die Achtung der Prinzipien der Verfassung einzufordern und ggls. zu erzwingen.
    Also…….
    laßt die "Narren" ‚mal machen, hier die von der Giordano Bruno Stiftung. Wer sich deren Kappe aufsetzen läßt, der ist dazu so frei wie jeder, der das nicht macht. Einen diesbezüglichen Diskurs kann jeder führen, der diesen für geboten, der diesen für sinnvoll hält.
    Ich sehe hier -bei zugegeben gehöriger Distanz zu dem, was die Giordano Bruno Stiftung ist und zudem, was sie letztendlich bewirken will- nicht, daß die hier agierenden "Narren" zweifelsfrei , wissend- und willentlich wider die Prinzipien unserer Verfassung handeln, so daß zu erwägen wäre, ob ihnen durch den Staat das Aufsetzen "ihre Narrenkappe" oder der Versuch dazu verwehrt werden müßte, z.B. dann, wenn sie sich, wie hier problematisert, gegen den Islam -gegen den Islamismus, gegen radikal-fanatische Islamisten?- offen oder verdeckt positionieren.
    PS
    Wer will, der kann mich als kath.Christem den "Narren " im o.a. Sinne zu ordnen.

  • #8
    kE

    Die gesamtgesellschaftliche Verantwortung liegt aus meiner Sicht daran, dass ca. nur ca. 80 Prozent der Lehramtsstudenten dem folgenden Satz zustimmen: „Die Evolutionstheorie ist eine wissenschaftlich anerkannte Theorie“ .

    Wer will da unsere Kinder unterrichten? Dass die Evolutionstheroie eine anerkannte Theorie ist, ist zweifelsfrei richtig.
    Ob man daran glaubt oder nicht ist eine andere Sache.

    Der verlinkte Artikel ist bzgl. der Datenlage doch sehr transparent.

    Bei Studien etc. ist immer der Stichprobenumfang zu berücksichtigen:

    Zu "Das Gesetz der kleinen Zahl":
    http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=14878

    Es bleibt dann natürlich zu klären, was unsere Lehre und neuen Lehrer so alle zu den Themen Medizin, Impfungen, … denken.

    Irgendwoher muss es ja kommen, dass in D wissenschaftliches Arbeiten und Forschung immer weniger attraktiv wird.
    Wenn viele Hochschulabsolventen lieber behütet bei Mama Staat arbeiten wollen, statt sich dem Wettbewerb in Forschung, Technologie etc. zu stellen, läuft etwas falsch.
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/deutschlands-studenten-wollen-in-den-staatsdienst-13021446.html

  • Pingback: Evokids-Kinderfilm zur Evolution jetzt auch auf Türkisch @ gwup | die skeptiker

  • #10
    AS

    Die Evolution ist keine Theorie sondern ein Faktum. Wer das immer noch leugnet, ist ein ungebildeter Hinterwäldler oder Hinterweltler (Jenseitsgläubiger).
    Punkt 1. ist eine Lachnummer. Wenn eine Gesamtheit nur 20% EvoLeugner enthielte, dann 37mal zu ziehen und davon leugnen 22 die Evolution, dann ist es EXTREM unwahrscheinlich, dass die 20% stimmen. Auch mit so kleinen Gesamtheiten (n=37) kann man SO grobe Differenzen, wie zwischen 20% mit Eigenschaft X und 60% mit Eigenschaft X, durchaus schon mit 99% Sicherheit feststellen.
    Jedenfalls liegt der Anteil an Evoleugnern deutlich über 20%.

    Das als angebliche Entwertung dieser Studie in den Raum zu stellen, zeugt jedenfalls von statistischer Inkompetenz des Autors.

  • Pingback: gbs erwidert zur Kritik an Evolutionsstudie | Ruhrbarone

  • #12
    Michael Fischer

    "Es wurde Religionszugehörigkeit und nicht tatsächlicher Glaube abgefragt."

    Die Frage nach der Affinität zum Glauben scheint auf den ersten Blick zwingender zu sein als die Frage nach der Zugehörigkeit, aber tatsächlich hätten die Befrager damit vermutlich ein klassisches Eigentor geschossen.

    Die stillschweigende Voraussetzung soll offenbar lauten, dass eine starke Affinität zum Glauben mit einer starken Ablehnung der Evolutionstheorie korreliert. Dementsprechend wäre bei hundertprozentig Ungläubigen (= Atheisten) eine hundertprozentige Akzeptanz der Evolutionstheorie zu erwarten, während bei Strenggläubigen eine hundertprozentige Ablehnung derselben zu erwarten wäre.

    Was bei Freikirchlern und Muslimen zutrifft, verkehrt sich jedoch bei Katholiken und Protestanten genau ins Gegenteil (siehe z.B. mein Lieblingsprotestant Harald Lesch).

    Unschön! Und nun?

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