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Größte deutsche Banane vor dem Aussterben?

Hamborn liegt im Duisburger Norden und dort gibt es, direkt an der A 42, in Sichtweite der IKEA, einen hundertjährigen Botanischen Garten mit einem Tropenhaus. Von unserem Gastautoren Helmut Junge

Das Tropenhaus selbst ist nur etwa 40 Jahre alt, und ist wegen der Finanzkrise der Stadt Duisburg, und den, laut Umweltdezernenten Peter Greulich, viel zu hohen Renovierungs- beziehungsweise Unterhaltskosten stark Schließungsgefährdet. Zwar gibt es einen Ratsbeschluss vom März dieses Jahres, der dieses Tropenhaus als erhaltenswert betrachtet, aber die Stadt Duisburg kann längst nicht mehr souverän über ihren Haushalt entscheiden und am 7. Juli gibt es ein Gespräch mit dem Regierungspräsidenten, wobei dieser noch einmal mit darüber entscheidet, was die Stadt Duisburg mit ihrem Geld tun darf, und was sie nicht damit tun darf.
Kürzlich hat der Umweltdezernent Dr. Peter Greulich in einem Interview mit der WAZ die Heiz-und Personalkosten als unverhältnismäßig hoch, gegenüber dem Nutzen für die Bürger bezeichnet. Er hätte in der Vergangenheit die Örtlichkeit häufiger besichtigt, aber niemals einen Besucher angetroffen. Angesichts der geringen Resonanz müsste ernsthaft über den Erhalt des Tropenhauses nachgedacht werden, zumal das Dach, wie er sagte „abgängig“ sei. Die WAZ Duisburg-Nord schrieb vor ein paar Tagen einen Artikel darüber, der allerdings nur im kleinen Lokalteil DU-Nord zu lesen war!

Nun ist es in der Tat so, dass dieser botanischen Garten kaum über die Grenzen Hamborn hinaus bekannt ist! Aber daß das Tropenhaus gar nicht frequentiert wird, das stimmt nach meinem eigenen Beobachtungen nicht, denn in den 20 Minuten, in denen ich heute meine Fotos geschossen habe, waren außer mir noch vier Besucher gleichzeitig dort. Aufs ganze Jahr hochgerechnet würde das bedeuten, dass etwa jeder Hamborner Bürger einmal im Jahr das Tropenhaus besichtigt.

Ich halte das für eine akzeptable Resonanz, denke aber, da ist tatsächlich noch einiges an Werbung zu leisten. Dazu kommt noch, daß sich die Bevölkerungszusammensetzung in den letzten Jahrzehnten durch den Zuzug von Menschen aus dem mediterranen Ländern stark verändert hat.
Bei diesen Neubürgern ist nach meiner Beobachtung noch nicht so viel Symphatie für eine Dschungelatmosphäre gewachsen.
Diese Bevölkerungsgruppen wären aber sicher interessiert an Pflanzen, die aus ihrer Heimat stammen. Da wäre eine Sonderausstellung mediteraner Pflanzen sicher keine schlechte Werbeidee.

Nebenbei bin überzeugt davon, dass dieses Tropenhaus eine Attraktion auch für die Bewohner der Nachbarstädte werden könnte. Aber nicht mal im nur wenige Kilometer entfernten Oberhausen weiß jemand, daß dort einige echt attraktive Raritäten zu besichtigen sind.

Da ist also insgesamt, tatsächlich noch einiges an Werbung zu leisten.
Was gibt es denn da zu sehen?
Dort stehen die größten Bananenpflanzen Deutschlands, und die größte deutsche Banane trägt zur Zeit Früchte!
Dort steht ein 8 Meter hoher Ficus, und unzählige mittelgroße und kleinere Pflanzen erzeugen den Eindruck, dass sich der Besucher in einem fantastischen Tropenwald befindet.
Das Haus verfügt über riesige Sortenvielfalt von Fuchsien, vielleicht die größte im großen Umkreis. Die Vegetation im Inneren des Tropenhauses ist also bemerkenswert, und läßt sich, falls das Tropenhaus abgerissen würde, nicht mehr wiederherstellen.
Wie stehen die politischen Parteien in Duisburg dazu?
SPD und CDU haben jeweils bereits mit interessierten Bürgern Ortsbesichtigungen durchgeführt. Auf telefonische Nachfrage hat mir für die Duisburger Grünen deren Fraktionsgeschäftsführer Ralf Krumpholz gesagt, dass seine Fraktion im März für den Erhalt des Tropenhauses gestimmt hätte, und diese Beschlußlage noch gilt.
Die Position der Duisburger Linkspartei zu erfragen war etwas schwieriger, weil deren Geschäftsstelle erst nicht besetzt war und ich dann über die Telefonnummer der Ortsgruppe Hamborn deren Fraktionsvorsitzenden Hermann Dierkes persönlich am Apparat hatte. Der war grad nicht in Sachen Weltpolitik unterwegs, und erklärte mir, daß die Linkspartei das Konzept der Stadtverwaltung zur Stilllegung des Tropenhauses abgelehnt hat, und sich auch in Zukunft für den Erhalt dieses Tropenhaus einsetzen will. Der Regierungspräsident könnte seiner Meinung nach aber im Juli den gesamten Haushaltsentwurf der Stadt Duisburg noch kippen.

Ausblick: Das Tropenhaus ist technisch intakt, und könnte nach Ausbessern von ein paar Dachscheiben noch 20 Jahre ohne größere Kosten eine überregionale Bedeutung bekommen, wenn etwas Phantasie in zusätzliche Events gesteckt würde. Sonderausstellungen z.B. zur mediterranen Pflanzenwelt, oder attraktive Einzelpflanzen einfügen.
Also Werbung machen. Dann kann man vielleicht sogar Eintrittskarten verkaufen, denn bisher ist der Besuch kostenlos.

RuhrBarone-Logo

13 Kommentare zu “Größte deutsche Banane vor dem Aussterben?

  • #1
    Anon

    Schön über solche Perlen bei den Ruhrbaronen zu lesen. Schade das für das Tropenhaus so wenige Werbung gemacht wird. Auch mir war es bis gerade unbekannt. Werde die nächsten Tage mal vorbei schauen. Danke für die Infos.

    Jetzt könnte ich mich auch wieder darüber Aufregen das Duisburg nicht in der Lage ist Werbung für sich und seine Highlights zu machen, aber das lasse ich dieses mal…

  • #2
  • #3
    Helmut Junge

    @crusius:
    seit Warhol 1966 die Banane in die Kunst einführte, taucht sie immer wieder als „Sensation“ auf.
    Unsere Hamborner natürliche Banane wächst übrigens auch vor der Kulisse der Thyssen-Krupp-Hochöfen!
    Da kann ich bei dem Projekt in Dortmund nun wirklich nichts aufregend Neues entdecken. Keine Konkurrenz also.

  • #4
    Helmut Junge

    Heute, am 13.4.2011 wurde bekannt, daß das Tropenhaus in Hamborn vorgestern, still und heimlich geschlossen wurde!
    Und das mit der fadenscheinigen Begründung:

    „„Die Glasscheiben sind nicht mehr standsicher“, so Pressesprecherin Anja Huntgeburth. Da zu befürchten sei, dass Scheiben vom Dach herunterfallen, habe man sich entschlossen, die Gewächshäuser sofort zu schließen. Und zwar für Besucher wie Gärtner. Das bedeutet: Die Pflegemaßnahmen, wozu auch das tägliche Gießen gehört, sind mit sofortiger Wirkung eingestellt worden. Nach nur einem Tag, so ein Informant, dem es gelang, trotzdem einen Blick ins Glashaus zu werfen, ließen Farne schon die Blätter hängen“.

    Dabei war das mit der Schließungsabsicht schon klar, als ich den Artikel vor fast einem Jahr schrieb, aber diese Begründung ist wohl der Gipfel an Falschheit.
    Im Juli 2010 waren ein paar wenige Scheiben auszubessern, jetzt soll das Dach lebensgefährlich sein?

    http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Tropenhaus-in-Duisburg-Hamborn-aus-Sicherheitsgruenden-geschlossen-id4536644.html

  • #5
    Bürokratenfeind

    Barbaren sind hier wieder am Werk. Ob dieses Vorgehens könnte man verzweifeln. Für alles Mögliche ist Geld da oder wird mit großem Aufwand Werbung betrieben. Dafür nicht.
    Die Schließung des Tropenhauses in Hamborn ist ein Armutszeugnis und wirft einen Blick auf das unterentwickelte Kulturverständnis dieser Region. Ich, der sich als „Kenner“ der Region versteht, habe gar nicht gewußt, dass es so etwas in Hamborn gibt. Deshalb mache ich mir jetzt auch Vorwürfe, denn ich hätte das Tropenhaus regelmässig besucht.

  • #6
    Helmut Junge

    @Bürokratenfeind,
    Ja genau, Barbarei ist das.
    Aber jetzt gibt es Proteste.
    Vermutlich wegen der vielen Proteste im „derWesten“ werden jetzt doch wenigstens die Pflanzen wieder gegossen!
    Immerhin.
    Und wenn Sie das Tropenhaus in Hamborn noch nicht kannten, dann war es ja gut, daß ich heute noch mal einen Kommentar zu diesem alten Artikel geschrieben habe.
    Und vielleicht hilft das ja auch ein wenig, wenn es hier bei den Baronen zu lesen ist?

  • #7
    Ulrich

    Gibt es keinen Verein, der das Haus übernehmen möchte? Keinen industriellen, gewerblichen oder kaufmännischen Sponsor, der das unterstützen würde? Es wäre unfassbar, wenn es da keinen Weg geben sollte.

  • #8
    Helmut Junge

    @Ulrich,
    Einen Sponsoren finden wäre ja schön, aber erst mal muß es über die Hamborner Grenzen bekannt sein, daß dort überhaupt etwas geschützt werden sollte, bevor es Sponsoren gibt. Aber leider behandelt der Rat der Stadt Duisburg die Vororte nicht besonders gut und hat nie Werbung für dieses Juwel gemacht.

  • #9
    duisblog

    Ja, wenn dem Gerste auch keiner sagt, dass es in Hamborn so was gibt? Wie soll er denn dan Werbung dafür machen? Deshalb macht er dass, was er kennt: I-Love-Duisburg-Frühstücksporzellan zu überhöhten Preisen.
    Fehlt nur noch ein Duisburg-Kuli mit dem Aufdruck: „Ich habe nichts unterschrieben.“

  • #10
    Helmut Junge

    Der Umweltausschuß der Stadt Duisburg will sich laut „Radio Duisburg“ am 3. Mai mit den „offenen Fragen“ zum Tropenhaus befassen.
    Dabei soll auch die Frage geklärt werden, warum es im vergangenen Winter trotz der gewaltigen Schneelast auf dem Dach des Tropenhauses, keine Sicherheitsbedenken gab, jetzt aber schon. Zur Sitzung ist ein unabhängiger Gutachter geladen.
    http://www.radioduisburg.de/Lokalnachrichten.1381+M523d47a1e1a.0.html

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