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Ich hasse Euch!

Drittligaeishockey im Ruhrgebiet ohne Polizei? Heutzutage undenkbar!

Drittligaeishockey im Ruhrgebiet ohne Polizei? Heutzutage undenkbar!

Ich bin enttäuscht. Enttäuscht von den Leuten, die meinen Sport kaputt machen. Vor einem guten Dutzend Jahren bin ich als Essener nach Iserlohn gefahren und habe nicht einen Polizisten gesehen, obwohl ich die verkackten Sauerländer abgrundtief hasste! Ich hasste sie so sehr, dass ich mit ihnen nach Augsburg fuhr, um mit den Drecksbauern Bier zu trinken und um ihnen beim Verlieren zuzuschauen. Und es war ein wunderbares Gefühl, mit 50 traurigen Trotteln zurück gen Sauerland zu fahren. Und heute?

Heute kann ich nicht mal nach Herne zum Drittligaeishockey fahren, ohne mit fünf Dutzend Bullen konfrontiert zu werden. Ich will nur Eishockey gucken und meinen Verein, diese verkackten Mücken aus diese verdammten Stadt, an denen und an der ich so hänge, siegen sehen. Dieser vermaledeite Club, der mir in den letzten über zwanzig Jahren so viel Freude, aber auch so viele Sorgen beschert hat. Diese verdammte Verein für den mein Herz schlägt, seitdem mein Vater mich irgendwann Anfang der Neunziger mal mit zum Westbahnhof nahm.  Damals noch auf der Stehtribüne auf der Gegengrade. 18 zu 2 gegen Zweibrücken. Ich weiß es noch wie gestern.

Und heute, mehr als zwei Dutzend Jahre später, müsste ich echt überlegen, ob ich meine Kinder mit zum Westbahnhof nehmen würde. Ich will doch nur Eishockey gucken und mein Team siegen sehen und auf den Gegner schimpfen und auf den Schiri. Wisst ihr noch? Dimmers, das Arschloch. Damals hatte man noch Feindbilder. Aber nur während der drei Drittel. Davor, dazwischen und danach waren die anderen zwar verrückte Teufel, weil sie rot-gelb, blau-weiß oder auch grün-weiß-rot trugen, aber sie waren Eishockeyfans. Wie ich. Sie mochten Bier. Wie ich. Sie wollten ihr Team siegen sehen. Wie ich. Sie fanden den Schiri scheiße. Wie ich. Und schuld war immer der Schiri oder der Gegner oder das Eis oder sonst was. Aber wenn am Ende das eigene Team gewann, dann hat es verdient gewonnen, auch wenn das entscheidene Tor aus klarer Abseitsstellung gefallen ist.

Die rot-gelb-blau-weiß-grün-weiß-roten Trottel haben es nicht anders verdient. Hätten sie sich mal für den richtigen Club entschieden. Aber auch wenn wir gewonnen haben oder wenn die rot-gelb-blau-weiß-grün-weiß-roten Trottel gewonnen haben, eines war klar: wir sind Freunde, weil wir alle diesen verdammten Sport mit diesem blöden schwarzen, kleinen Kackteil aus Gummi so dermaßen lieben. Und auch die rot-gelb-blau-weiß-grün-weiß-roten Trottel liebten wir, so sehr wir sie während des Spiels hassten. Aber vor dem Spiel und in den Drittelpausen und nach dem Spiel liebten wir uns. So sehr, dass wir einander unsere Kinder anvertrauten. Wie mein Vater Mitte der 90er und wie mein Opa Anfang der 70er.

Und heute, im Jahr 2017, fahre ich zum Drittligaeishockey und sehe mich mit zig Dutzend Polizisten konfrontiert, mit Arschgeigen, die sich als Fans bezeichnen, aber von dem was Eishockey ausmacht keinen blassen Schimmer haben. Menschen, die andere Menschen schlagen wollen, anspucken und nach dem Spiel aufs übelste Beleidigen, weil sie bemitleidenswerte grün-lila-rot-gelb-blau-weiß-grün-weiß-roten Trottel sind. Aber jeden dieser Trottel liebe mehr als Euch, jeder dieser Trottel ist mein Freund. Ihr macht meinen Sport kaputt, ihr macht, dass ich meine Kinder nicht mit zum Westbahnhof nehmen würde, ihr macht, dass zig Dutzend Polizisten da sind und ihr macht auch, dass mein Verein in der dritten Liga spielt.

Ich hasse Euch. Ich hasse Euch mehr als alle Iserlohner, Duisburger und Herner zusammen. Ich hasse Euch, weil ihr meinen Sport kaputt macht. Ich hasse Euch, weil ihr keine Ahnung habt, was Eishockey bedeutet. Ich hasse Euch, weil ihr Scheiße seid. Ich hasse Euch, ihr Spacken mit Lederhandschuhen in der Arschtasche, Euch Spacken, die die Polizei und Ordner provozieren, Euch Spacken, die ihr nur kommt, weil ihr auf Gewalt aus seid. Verpisst Euch! Geht zum Fußball, in den Boxclub oder sonst wo hin, aber verpisst Euch einfach von meinem Eishockey. Ich will Euch nicht sehen und ertrage Euch nicht mehr. Ihr habt bei uns nichts verloren. Ihr nervt nur! Ich will, dass Leute ihre Kinder mit in die Eishalle nehmen, wie mein Vater damals, ich will die Herner hassen und nach dem Spiel ein Bier oder zwei oder sieben mit ihnen trinken, ich will dass keine Polizei in der Eishalle ist und vor allem will ich, dass ihr weg bleibt. Das ist mein Sport, mein Verein und mein Leben und ich lasse mir das von Euch nicht kaputt machen. Verpisst Euch, ihr Spackos!

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62 Kommentare zu “Ich hasse Euch!

  • #51
    Ron

    Sorry, die Ultras, die umgedichtete Kinderlieder in Dauerschleife singen und das dann Stimmung nennen, brauche ich nicht in der Halle. Gewalt auf den Rängen und vor oder in der Halle gehört ebenfalls nicht zum Eishockey. Und ja, ich weiß, die Polizei ist schuld wenn sich Pupertierende versuchen gegenseitig den Schädel einzuschlagen und dabei "zufällig" Unbeteiligte verletzen.

    Der Text ist etwas gewöhnungsbedürftig geschrieben, aber ich kann mich mit großen Teilen identifizieren.

  • #52
  • #53
    huibuh

    10.04.2005 – Was haben wir Euch gehasst, ihr selbst wart zwar nicht schuld, dass Schiri Rademaker uns mit seinen Auslegungen eine Liga tiefer schickte, in dem er uns vor dem entscheidenden Duell um den Abstieg gegen Kaufbeuren imSpiel bei Euch mehrere Spieler mit Diszis vom Eis schickte. Von daher keine guten Erinnerungen. Im selben Sommer dann Fantreffen in Braunlage, Gnade Gott es läuft uns ein Essener über den Weg… Das es ausgerechnet auf dem Rasen zum Duell kommen muss, nun ja… aber wir haben uns gerächt, 1:0 und ihr wart draussen…

    Naja, Zeiten ändern sich – die Fantreffen gibts auch nicht mehr. Aber dennoch kann ich sagen, dass es zum Glück noch nicht so schlimm ist, zumindest bei uns. Polizei gabs auch früher schon bei Derbies, vielleicht nicht so viel wie heute. Und getrennte Blöcke gibts zum Glück auch nur sehr selten.

    Schön geschrieben!

  • #54
  • #55
  • #56
    Arnold Voss

    Falls ihr noch einen Hashtag für diesen Thread braucht, hier isser: Hassmachtrichtigspass.

  • #57
    Sandro

    Super geschrieben.
    Mit gewissen Fans geht’s aber heute noch, während dem Spiel sich hassen und nachher zusammen suafen. Aber ist leider sehr selten geworden 🙁

    So ein grün, weiss, gelber Trottel

  • #58
    Michael Clemens

    Hihihi, wäre nicht ganz meine Wortwahl…..aber als ehemaliger "Kufen-Trottel" der sich über jeden gewaltfreien Fan bei diesem geìlen Sport. Als Spieler von Hannover, Wedemark, Salzgitter, und Herford habe ich auf dem Eis viele Spiele erlebt….und meistens ging es nur 60 Min auf dem Eis heiss her… Fans wie Spieler waren damals eine Eishockey- Familie….ich hoffe, da wo es ist bleibt es so….und wo es nicht so ist, wird es wieder so !!!! In diesem Sinne: "Liebe Grüße an alle Freunde des geilsten Sports der Welt"

  • #59
  • #60
    Jackxon

    Die ganze fanszene heute ist fürn Arsch!
    Diese ganzen ultra spackos, die denken sie hätten das Fan sein erfunden, die nicht raffen wollen, dass sie zu der zeit, wo die stimmung noch jede halle zum brodeln gebracht hat, noch joghurt in papas sack waren…
    Egal wieviel "hass" damals in den derbys zwischen den mücken und meinen "blau weißen trotteln" war… Ich würde auf alles scheißen um solches eishockey und diese stimmung von damals wieder zu erleben …

    Danke für diesen text und viele grüße vom seilersee!

    In peru, in peru, in den Anden… 😉

  • #61
    Sly

    ESSEN! HERNE! BAD NAH HEIM!
    Oeeh oooh SCHEIß LEGROS!!!
    IHR! HABT! MA! LARIA, ihr habt malaria, ihr habt ihr habt…
    😀 😉
    In dem Sinne: PROST!

  • #62
    Sebbi P.

    Sehr gut geschrieben und den Nagel auf den Kopf getroffen. MFG ein Iserlohner Bauern Trottel. 😉

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