Kanalglühen: Die Magie des Rhein-Herne-Kanales
Alle reden von den Schachtzeichen in der Kulturhauptstadt Ruhr – weil das nicht geklappt hat. Ich rede vom Kanalglühen in der Kulturhauptstadt – weil das klappt.
Die Magie das Rheinstromes ist dessen Mutation in Ruhrstadt, Gallowayrinder und grasende Schafe auf der linken Stromseite, fauchende Hütten und röchelnde Schlote auf der anderen.
Die Magie der Emscher ist deren Ausweis als Köttelbecke, Kollege Michael Holzach verlor dort sein Leben, um seinen Hund zu retten.
Die Magie des Rhein-Herne-Kanales ist noch nicht hinreichend beschrieben, es ist nicht dessen Folklore, nach deren die Kanalspringer im Sommer von den Brücken ihren Köpper oder ihre Arschbombe dem Kanal aufdrücken.
Mehr als hundert Brücken überführen den Kanal zwischen der Schleuse Duisburg-Meiderich und dem Recklinghäuser Stadthafen.
Allein das ist Sensation.
Berliner Künstler haben zur Kulturhauptstadt eine Performance auf einem Bötchen entlang des Kanales gestrickt.
Das Gesamtkunstwerk, es heißt Kanalglühen, ist sehr schön zu erleben – und es ist ausverkauft bis Jahresende, also vergeßt es.
Mitten in der Nacht fuhren mein Kameramann Manni Ganswindt und ich in Stille und Magie am Gasometer vorbei.
Wir waren draußen, auf dem Oberdeck.
Und es war arschkalt, und wir staunten über die Whitehouseartigen Samples, die uns die Künstler des Kanalsglühens vortrugen in unbestimmter Absicht, abgespielt mit I-Tunes auf einem Schiff namens Stadt Duisburg in einer Lautstärke, die die Welt ringsherum betäubte.
Ein Groove, der mich versöhnlich stimmte – ich sah das sanfte Vorwärtsstreben eines Kahns, der tuckert und der kärrnert.
Während der Kanal stockt.
Vier Stunden, auf dem Schiff: Zeichnungen, Texte, Projektionen und Musik.
Hier ist der Kanalclip – fast exclusiv für uns hier, geschnitten von Syrius-Azubi Paul Stenzel.





#1 | Alexander sagt am 28. Mai 2010 um 12:29
Großartige Veranstaltung! Ein Parallel-Universum – unmittelbar vor der eigenen Haustür. Bislang das Beste, was Ruhr.2010 kreiert hat!
#2 | Angelika sagt am 28. Mai 2010 um 18:48
“…weil das nicht geklappt hat…” (im Artikel, s.o.)
Stimmt nicht! Da hat jede Menge “…geklappt…”!
Wir waren am Pfingstsonntag auf der Halde Haniel (Bottrop) und waren (wie viele andere dort) begeistert. Bekannte berichteten uns von ihrem SchachtZeichen-Erlebnis auf der Halde Hoheward, andere vom Tetraeder usw..
Inzwischen haben ich Rückmeldung zu Fotos (fotografiert hat unser Filius, zu den Fotos von mir kurze Erklärg. des events) aus den U.S.A. (Atlanta, Boston), aus Großbritannien und Japan. Sehr positive Resonanz!
#3 | KanalGlühen | endoplast.de sagt am 28. Mai 2010 um 18:55
[...] Eine Veranstaltung der Kulturhauptstadt Ruhr 2010. Von Endoplast-Autor Manfred Ganswindt gefimt und von Paul Stenzel geschnitten. Exklusiv für Endoplast.de und für http://www.ruhrbarone.de [...]
#4 | Thomas sagt am 28. Mai 2010 um 19:32
@Angelika (#2):
Also, ich kann da in der Tat nicht aus Augenschein mitreden, weil ich ja während des Aufsteigens der Schachtzeichens auf dem Moers Festival war.
Aber – selbst da war ich nicht völlig von der Welt abgenabelt und konnte Ticker und die Locals usf lesen.
Ich habs kaum glauben wollen, den Fakt:
Die Offiziellen haben das mit den Schachtzeichen völlig verschissen, u.a. deswegen, weil die infolge der mit ein bißchen Wind verbundenen Wetterlage, bei der man gemeinhin locker einen Drachen steigen läßt, ihre Ballone nicht hochgekriegt haben.
Dieweil saß ich in Moers im Pressegetto – open Air im Winde auf Biergartenbänken – mit Kollegenz aus Osaka, Rotterdam, Rom und Köln, die gern auch mal was Positives zur Kulturhauptstadt mitgenommen hätten.
Die alle sind ja auch nicht doof, und haben sich die Locals und die Ticker übersetzt zu Gemüte geführt.
Und dann verworfen rauszugehen, weil die Nummer ja wohl voll verkimmelt war.
Soweit zur Imageprägung von Ruhrstadt.
#5 | Guntram Walter sagt am 28. Mai 2010 um 20:10
Ich war bei der Premiere dabei, Bilder hier: http://www.gunwalt.de/blog/2010/04/kanalgluhen/
#6 | Angelika sagt am 28. Mai 2010 um 20:54
@Thomas
Soso, da warst du also in Irgendwo und und ich stand am Pfingstsonntag auf der Halde Haniel und… Klar, wer da kompetenter ist. Immer der, der im Biergarten sitzt, mit Kollegen aus “…Osaka, Rotterdam, Rom und Köln…” …
Ich trink jetzt mal ein Bier – auf dein Wohl …
p.s.: Wäre nicht schlecht, wenn du dich mal mit anderen, die z.B. am Pfingstsonntag zum Tetraeder etc. ‘pilgerten’, unterhalten würdest.