6

Köln: Protest gegen das Jüdische Museum

Die Grabungszone - Archäologische Zone Köln Foto: 1971markus Lizenz: CC

Die Grabungszone – Archäologische Zone Köln Foto: 1971markus Lizenz: CC

In Köln organisiert  sich der Protest gegen den Bau des Jüdischen Museums. Mit dabei einer der Macher des Anti-Nazi Festivals „Arsch huh, Zäng ussenander“.

Ein Zusammenschluss von verschiedenen Kölner Initiativen will bis Ende März drei Monate  50.000 Unterschriften gegen den Bau des Jüdischen Museums und den Ausbau der Archäologischen Zone sammeln.

Gut 50 Millionen wird das Projekt die Stadt kosten, den Betrieb wird später der Landschaftsverband Rheinland (LVR) finanzieren. 7000 Quadtratmeter Ausstellungsfläche sollen vor dem Rathaus entstehen. In das Museum werden zu den Resten eines römischen Stadthalterpalastes auch die Ausgrabungen der ältesten jüdischen Siedlung nördlich der Alpen integriert. Seit dem Jahr 321 ist jüdisches Leben in Köln nachgewiesen.

Neben dem Hotelbesitzer und Vorsitzenden der „Partei der Nichtwähler“ Werner Peters beteiligen sich auch Frank Deja von der Initiative „Köln kann auch anders“ und Walter Pütz, Manager des Anti-Nazi-Festivals „Arsch huh, Zäng ussenander“, an dem Protest. Viel mehr als dessen Ablehnung eint die drei nicht. Frank Deja ist kein grundsätzlicher Gegner des Museums: „Ich vermisse ein durchdachtes Konzept. Das wurde bislang nicht vorgelegt und bevor Köln über 50 Millionen ausgibt, sollte die Stadt erst einmal überlegen, wie das Museum inhaltlich aufgestellt wird.“ Auch dass ein neues Museum gebaut wird, während die Stadt noch nicht einmal mehr das Geld hat, die vorhandenen Museen vernünftig zu unterhalten, stört ihn. Deja spricht sich für ein Moratorium aus. Dass eine Stadt, die kurz vor dem Nothaushalt steht, anstatt zu sparen so viel Geld ausgeben will, ist die Hauptkritik von  Werner Peters. Der Vorsitzender der Nichtwähler drängt auf solide Haushaltsführung: „Eine Stadt kann nur so viel Geld ausgeben, wie sie einnimmt. Köln fehlen 2013 über 300 Millionen Euro in der Kasse.“ Peters sieht auch nicht unbedingt die Notwendigkeit eines eigenen jüdischen Museums: „Die Kölner Juden sind Teil der Geschichte der Stadt und die gehört ins Stadtmuseum.“ Als Teil seiner Arbeit gegen den Rechtsradikalismus sieht „Arsch huh“ Organisator Walter Pütz den Protest gegen das Museum: „Die Stadtgesellschaft bricht auseinander, weil im Sozial- und Jugendbereich gekürzt werden muss.“ Eine solche Entwicklung, betont Pütz, müssen all jene verhindern, die gegen Rechtsradikalismus sind.

Alle Initiatoren sind sich darin einig, dass es nicht darum geht, ein Jüdisches Museum zu verhindern, sondern ein neues, unüberlegtes und zu teures Großprojekt.

Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) hält  eine Verschiebung des Projekts nicht für möglich: „ Wer zum jetzigen Zeitpunkt einen Verzicht auf das wichtige Zukunftsprojekt Archäologische Zone/Jüdisches Museum propagiert, muss sich im Klaren sein, dass ein solcher Stopp und eine Verschiebung auf einen ungewissen Zeitpunkt nicht nur die kulturelle und städtebauliche Entwicklung Kölns massiv beeinträchtigt, sondern der Stadt auch erhebliche finanzielle Nachteile bringt. Ein historische Chance würde vergeben, ohne dass eine spürbare Entlastung des städtischen Haushalts eintritt.“

Für Roters steht fest, dass die Initiatoren des Projekts über jeden Verdacht des Antisemitismus erhaben sind. Er warnt aber vor den Folgen der Protestaktion: „Es ist keine Frage, dass rechtsradikale Gruppierungen, die gegen den Bau Archäologische Zone/Jüdisches Museum agitieren, dadurch Morgenluft wittern.“ Pütz sieht das anders: „,Arsch huh’ ist eine bekannte Initiative gegen Nazis. Wir werden uns rechte Mitläufer nicht bieten lassen.“

Abraham Lehrer, Mitglied im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Köln, hält nichts von der Kritik an den Museumsplänen: „An den Sozialausgaben wird unabhängig von dem Museumsbau gekürzt, kommt er nicht, wird sich daran nichts ändern. Die Stadt soll endlich der Mehrheit des Rates folgen und anfangen das Museum zu planen und zu bauen.“ Die Online-Unterschriftensammlung hält Lehrer für ein Risiko: „Der Protest ist populistisch. Das ist kein Fischen am rechten Rand, aber es könnte eine Plattform für alle Rechten und Ewiggestrigen sein. Es wird nicht lange dauern, bis Pro Köln auf diesen Zug aufspringen wird. “

Andreas Hupke (Grüne), der Bezirksbürgermeister von Köln-Mitte, ist da skeptisch: „Immer mehr Menschen treten an mich heran und sagen, dass die Internetaktion gegen das jüdische Museen den politischen und religiösen Fanatikern eine Steilvorlage gibt, deren Folgen noch gar nicht abzusehen sind. Und ich befürchte, der Bewegung ,Arsch Hu’ wird durch die Teilnahmen an dem Protest die Strahlkraft genommen.“

Der Artikel ist in ähnlicher Form bereits in der Welt am Sonntag erschienen.

RuhrBarone-Logo

6 Kommentare zu “Köln: Protest gegen das Jüdische Museum

  • #1
    Achim

    Andreas hat Recht. Allein durch den Versuch der Initiatoren innerhalb von
    drei Monaten 50000 Unterschriften zu sammeln, wird da
    “ein Fass aufgemacht”.

    Es handelt sich um einen ausgesprochen sensiblen Baugrund.
    CCAA wurde praktisch auf dem sumpfigen Rheinufer errichtet.
    Inzwischen steht die Kölner Altstadt auf römischen, germanischen und
    mittelalterlichen Aufschüttungen. Es gibt eine Vielzahl von historischen
    Funden zu bergen und dokumentieren. Im eher liberalen Mittelalter befand
    sich dort erst das Judenviertel und dann das Judengetto.
    (In späteren Zeiten bis zur Befreiung durch die französische
    Revolurion war Köln eine verbotene Stadt für alle Nichtkatholiken und damit
    auch für Juden.)

    Die Kölner haben berechtigte Befürchtungen über die Kompetenz der
    Kölner Stadtverwaltung ein solches komplexes Bauvorhaben
    “zu stemmen”.
    Die Nord-Süd-Stadtbahn durch die Kölner Altstadt mag da nur als ein
    warnendes Beispiel dienen.
    Erst wurden die Kosten künstlich schöngerechnet.
    Dann gab es eine Vielzahl von Bauschäden u.a. neigte
    sich der Kirchturm von St. Johann Baptist.
    Dann stürzte das Kölner Stadtarchiv zusammen mit
    ein paar mehrstöckigen Wohnhäusern in einer U-Bahnbaugrube.
    Es starben nur zwei Menschen, da fast noch ein paar Minuten
    Zeit für die Evakuirerungen blieb und die Bauarbeiter
    ihr Leben riskierten um die Anwohner und die Besucherr
    des Stadtarchivs zu warnen. Das Stadtarchiv hätte auch
    in die Menschenmassen beim Rosenmontagsumzug
    oder am gleich grossen Sonntagsumzug stürzen können….
    Die Untersuchen ergaben unglaubliche Misstände, u.a.
    wurden 83% der Moniereisen für die Baugrubenwände
    gestohlen. Der Einsturz erfolgte aber wegen der Verwendung
    einerr zu kurzen Baggerschaufel, da die ausreichend
    lange Baggerschaufel zur Erstellung der Baugrubenwände
    im Schlitzverfahren mit Bentonit kaputt ging und ein
    Ersatz nicht verfügbar war und ausserdem extreme
    Grundwassermengen illegal abgepumpt wurden und dadurch
    die Fundamente unterspült wurden.
    An der Einsturzstelle und an weiteren Baugruben
    hätte eigentlich mit der viel teuren Bodenvereisung
    gearbeitet werden müssen.
    Aber dies wurde halt “eingespart”.
    Die Bahn ist jetzt immer noch nicht fertig…

    Die Kölner sind da sicherlich sehr skeptisch.

    Inzwischen gibt es eine politische Initiative für
    eine bessere Baukostenüberwachung und Bauüberwachung.

    http://www.gruenekoeln.de/ratsfraktion/juedisches-museum-einrichtung-eines-externen-kostencontrollings-und-einer-projektsteuerung.html

    Ich hoffe die “Kölsche Seele” kann besänftigt werden.

    In der “Giftsuppe” des Bürgerbegehrens werden sich dann
    neben einer allgemein Spardiskussion noch der
    “klassische Antisemitismus” und der muslimische Antisemitismus
    sammeln.
    Im Konflikt um den Bau der repräsentativen Ditibmoschee
    in Köln-Ehrenfeld wurde sehr viel “Porzelan zerschlagen”.
    Ich erinnere da mal an den “Pinguinvergleich” durch
    Ralph Giordano.

    Im übrigen halte ich den Museumsbau für alternativlos,
    nachdem mit den Augrabungen (leider) einmal
    begonnen wurde.
    Die starken rheinischen jüdischen Gemeinden sind ein
    wichtiger Teil der deutschen Geschichte. Vor den
    Judenprogromen der Kreuzzüge waren ja die
    jüdischen Synagogen an Zahl und Grösse den
    christlichen Kirchen ebenbürtig.

    Achim

  • #2
    Klaus

    Man sollte vielleicht noch erwähnen, was sich seit dem ursprünglichen Ratsbeschluss geändert hat, bei dem der Museumsbau beschlossen wurde. Ursprünglich sollte ein privater Trägerverein über Sponsoren einen Großteil der Baukosten übernehmen. Mittlerweile ist der Verein pleite, privates Geld wird es nicht geben. Der Rat hat aber nicht neu beschlossen, gebaut werden soll nun auf Grundlage des alten Ratsbeschlusses, der gar keine Vollfinanzierung der Stadt vorsieht.

    Viele Kölner ärgert solche ein Vorgehen und begründet die Skepsis gegenüber dem Projekt. Das Museumsthema ist da bei den meisten Bürgen ein wenig bedeutender Aspekt der ganzen Angelegenheit.

  • #3
    rusma

    Auch die Finanzierung des laufenden Betriebs durch den LVR ist keineswegs sicher. Über die LVR-Umlage werden hier über die Hintertür alle Kommunen und Kreise im Rheinland an der Finanzierung eines Kölner Museums beteiligt, was zwischenzeitlich zu erheblichen Protesten geführt hat.

  • #4
    Stefan Laurin Autor

    @Rusma: Die Stadt Köln ist Nettozahler beim LVR. Der Protest geht von der Unionsfraktion im LVR aus. Eine Mehrheit ist für die Beteiligung des LVR an dem Museum. Und es gab Protest? Den gibt es immer wegen allem. Die Unterstützung des Projekts wurde mit demokratischer Mehrheit beschlossen.

  • #5
    Julia

    Ich habe lange in meiner geliebten Wahlheimat Köln gewohnt. Die Frage ist wirklich was genau solch ein Museum der Stadt bringen wird. Wie du schon geschrieben hast:

    “Alle Initiatoren sind sich darin einig, dass es nicht darum geht, ein Jüdisches Museum zu verhindern, sondern ein neues, unüberlegtes und zu teures Großprojekt.”

    Solch ein Projekt verschlingt Unmengen an Steuergeldern. Wenn dann solch eine Museum nicht ausreichend genutzt wird, sollte sich überlegt werden über 50 Millionen Euro in die Hand zu nehmen.

  • #6
    Don.Corleone

    Solange es ndoch 1 H-4 in Köln gibt,
    ist das jüd.Museum TOTAL überflüssig , die, die es befürworten , brauchen
    ja deswegen auf NICHTS verzichten, aber die, die dafür Steuern abdrücken, auf
    soziale ansprüche usw. verzichten müssen, diejenigen haben ein Recht darauf,
    das dieser 2000 Jahre alte “Steinhaufen ” einfach zubetoniert wird u. GUT IST !
    Warum will d.Kölner OB u. sein Anhang m.d. Verwirklichung profilieren ?
    Diese 50 mio sind buchstäblich f.d. Katz …

    Komme mir keiner, wg. d. angeblichen Verantwortung bezgl.d.3.Reiches, das ist
    TOTALER Nonsens, nach 45 war schluß u.d. ewig Gestrigen, die den Juden noch
    in 500 Jahren a.d. Deutschen Steuerkasse Wohltaten erweisen möchten ,
    sind TOTAL deplaziert.
    Diese Typen sollten sich um die Kölner Aufgaben kümmern, aber nicht 300 mio
    Schulden f. 2012 machen ,, einen Steinhaufen für 50 mio auf Pump finanzieren ,
    v.d. folgekosten ganz zu schweigen….
    Warum finanzieren die Juden nicht dieses Objekt, wenn sie sich schon so stark
    machen f.d.Projekt ?????
    Funkstille ? , Logo, dafür Kohle rausrücken, ? “Um gottes Willen , NEIN” ,
    Aber der Dumme Kölner Kleinbürger u. Steuerzahler soll auch diese 50 Mio
    noch zusätzlich stemmen …?

    Lachhaft, es ist einfach nur noch Lachhaft ,
    nein , hier wird d. Deutsche staat wieder mal ü.d.Tisch gezogen ,
    Kölner Steuern f. Kölner Bürger, aber nicht f. einen 1000Jahre alten Steinhaufen .der keinem nutzt !
    BASTA !

Hinterlasse eine Antwort

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>