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Kraftwerk Datteln: „Uniper baut immer auf eigenes Risiko“

Franziska Krasnici.

Franziska Krasnici.

Am vergangenen Wochenende, inzwischen immerhin rund sechs Jahre nach Inkrafttreten des gerichtlich verordneten Baustopps auf der Dattelner Kraftwerksbaustelle, kam nun das OK der Bezirksregierung in Münster das Kraftwerk im Kreis Recklinghausen nun kurzfristig weiterbauen zu können.

Bauherr Uniper (vormals E.ON) bekam somit vorläufig wieder ‚Grünes Licht‘ zum Weiterbau von ‚Datteln 4‘, einem der meistdiskutierten Kraftwerksprojekte der Republik.

Die immissionsschutzrechtliche Genehmigung, praktisch die Betriebserlaubnis, hat die Uniper Kraftwerke GmbH allerdings noch immer nicht. Ursprünglich war erwartet worden, dies könne bereits bis Ende 2015 erledigt sein. Es kam offensichtlich zu Verzögerungen. Doch zumindest dem Uniper-Antrag auf vorzeitigen Baubeginn hat die Münsteraner Genehmigungsbehörde nun schon einmal zugestimmt.

Bereits in dieser Woche will Uniper das Kraftwerks-Projekt durch die frische Einrichtung der riesigen Baustelle auch optisch fortführen. Der größte Teil des riesigen Kohlekraftwerks ist bekanntlich bereits seit Jahren weitgehend fertiggestellt. Im Herbst 2015 sprach man öffentlich von ca. 80%. Es fehlen aktuell aber u.a. noch das Kohlelager, der Bahnanschluss, das Verwaltungsgebäude, sowie diverse kleinere Anlagen. Bereits Anfang 2016 startete man mit dem Bau einer rund 13 Kilometer langen Fernwärmeleitung von Datteln nach Recklinghausen.

Die seit Jahren aktiven Datteln-4-Gegner haben bereits seit längerem weitere Klagen gegen den Meiler angekündigt. Ihrer Meinung nach hat sich an den ursprünglichen Planungsmängeln in den letzten rund 10 Jahren seit Baubeginn nichts Wesentliches geändert.

Die Ruhrbarone haben sich nun bei Projektsprecherin Franziska Krasnici noch einmal ganz frisch nach dem Stand der Dinge aus Sicht der Kraftwerksplaner erkundigt.

Ruhrbarone: Hallo Franziska! Schön, dass Du Dir kurz Zeit für uns nimmst! Mal wieder Neuigkeiten in Sachen ‚Datteln 4‘. Ihr dürft also jetzt weiterbauen. Was schätzt Du, wie lange wird der gesamte Prozess insgesamt noch dauern?

Krasnici: Wir rechnen damit in den nächsten zwei Jahren das Kraftwerk in Betrieb zu nehmen.

Ruhrbarone: Der BUND und auch die benachbarte Stadt Waltrop haben ja nach dem endgültigen OK der Bezirksregierung weitere juristische Aktionen bzw. Klagen angekündigt…

Krasnici: Klagen gibt es, wird es geben. Man muss dann sehen, was die Auswirkungen sind oder auch nicht. Wir sind von der Realisierung von ‚Datteln 4‘ überzeugt.

Ruhrbarone: Teile der technischen Anlagen sind nun ja schon wieder ein paar Jahre alt, ohne dass sie bisher jemals in Betrieb waren. Ich denke da z.B. an die Computertechnik in der Zentrale, welche man ja schon vor Jahren dort installiert hatte. Ist eurerseits daran gedacht diese so in Betrieb zu nehmen, oder werden dort neue Computerkomponenten nötig werden, noch bevor die Alten erstmals überhaupt einmal liefen?

Krasnici: Es ist alles noch modern und wird so entsprechend eingesetzt.

Ruhrbarone: Zu hören war kürzlich bereits von weiteren Aufträgen für weit über 100 Mio. Euro, die nun bereits für den Weiterbau vergeben wurden. Mit welchem Gesamtvolumen ist aktuell überhaupt noch in etwa zu rechnen, bis das Kraftwerk wirklich vollständig fertiggebaut wäre.

Krasnici: Es sind eher 150 Mio. Euro. Wir haben bereits mehr als 1 Mrd. Euro investiert. Andere Aussagen treffen wir nicht.

Ruhrbarone: Offenbar baut ‚Uniper‘ in den nächsten Tagen ja erst einmal wieder auf eigenes Risiko weiter. Ist das in Anbetracht der bisherigen Bausumme und der bereits angekündigten, weiteren Klagen nicht sehr riskant? Immerhin droht ja der komplette Rückbau und damit die Rückverwandlung der Fläche in Ackerland…

Krasnici: Uniper baut immer auf eigenes Risiko. Die Bezirksregierung Münster hat in ihrer Pressemitteilung die Erteilung der Genehmigung in Aussicht gestellt.

Ruhrbarone: Zum Schluss noch eine kleine Frage am Rande. Das Kraftwerk läuft ja seit Anfang 2016 offiziell unter dem Namen ‚Uniper‘. Am Gebäude steht aber aktuell noch immer ‚E.ON‘. Werdet Ihr das in absehbarer Zeit auch noch ändern?

Krasnici: Das Rebranding von E.ON zu Uniper läuft nach und nach noch bis Mitte des Jahres. Als einer der nächsten Schritte ist auch das Logo am Kesselhaus in Datteln dran.

RuhrBarone-Logo

2 Kommentare zu “Kraftwerk Datteln: „Uniper baut immer auf eigenes Risiko“

  • #1
    Sebastian

    Mich würde einmal interessieren wie Vorstand, Aufsichtsrat und Aktionäre von eon/Uniper die finanziellen Risiken einschätzen und wer für die große Verzögerung auf Firmenseite die Verantwortung trägt. Immerhin wurde beschlossen, ohne Genehmigung zu bauen. (wenn ich das richtig verstehe)

    Deckt sich das mit den Compliance-Richtlinien eines DAX30-Unternehmens?

  • #2
    Klaus Lohmann

    @Sebastian: Vielleicht muss man die Fragen ergänzen: Ist Datteln IV – evt. mit Zustimmung der Finanzbehörden – wie andere Eon-Großkraftwerke kurz vor der Aufspaltung des Konzerns evt. schon großteilig abgeschrieben worden, um die später, im Zuge des fortschreitenden Strompreisverfalls zu verbuchenden operativen Verluste in Gänze dem Steuerzahler unterzujubeln?

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