Linke NRW wählen Landesliste in Mülheim an der Ruhr
An diesem Wochenende wählt die nordrhein-westfälische Linkspartei in Mülheim an der Ruhr ihre Kandidaten für die Landtagswahl 2010. Ein erstes Lagebild
Kein Mensch glaubt heutzutage mehr an eine rot-rot-grüne Landesregierung demnächst in Düsseldorf. Der Traum ist taktisch aus seit der als fundamentalistisch geltende Landesverband Nordrhein-Westfalen vor ein paar Wochen sein Programm zur Wahl beschloss.
Die fundamentalistischen linken Koalitionsgegner verbrämen seitdem ihr klares Nein in der beschlossenen Sprachregelung: "Wir werden uns an keiner Landesregierung beteiligen, die Privatisierungen, Personal- und Sozialabbau vornimmt und nicht die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen entscheidend verbessert."
Dabei macht mittlerweile die Macht des Faktischen den Linken schwerer zu schaffen als deren Allmachtsphantasie des Weltverbesserns durch Verweigerung: Nicht nur, daß es zur Stunde keine Mehrheit für Rot-Rot-Grün gibt. Sondern auch: In der Forsa-Sonntagsfrage dieser Woche liegen die Linken – bezogen auf NRW – mittlerweile bei nur sechs Prozent. So klar ist deren Einzug in den Landtag zur Stunde also nicht.
Dann ist da noch die Frage nach dem Kandidatenkontingent der Linkspartei im größten Bundesland: Welche Linken werden dem Bürger hierzulande zur Wahl stehen? Und was für Delegierte wählen diese Kandidaten aus?
Die Listenwahlversammlung dieses Wochenende ist mehrheitlich ein Agglomerat von Gegnern der Verantwortung, von schrillen Tönern, teilweise mit sektoidem Habitus versehen und mit platten Welterklärungsmustern.
Die Delegierten der Mülheimer Listenwahlversammlung rekrutieren sich mehrheitlich aus der ersten Generation der Linkspartei des Westens, es sind dies alte Leute, von denen viele mit der Politiktechnik Wer-zuletzt-vom-Tisch-geht-der-hat-recht jahrzehntelang durchgekommen sind. Wobei dabei klar ist, daß man dabei ganz allein bleibt. Und nur unter sich.
Ist Euch mal aufgefallen, daß von der nordrhein-westfälischen Linkspartei niemals ein relevanter Diskurs, eine fruchtbare Initiative, eine bewegende Idee ausgegangen ist?
Klar, für soziale Gerechtigkeit, gegen Hartz IV, gegen Krieg sind die schon – aber wer, der einigermaßen bei Groschen ist, ist das nicht?
Wen also werden diese Delegierten aus der Mitte der Partei wohl wählen?
An diesem Samstag werden sie als Spitzenkandidatin natürlich eine Frau wählen – Bärbel Beuermann aus Herne, die ihre schriftliche Kandatinnenvorstellung noch pathetischer verfasst hat als selbst Wolfgang Borchert sein Manifest Sag Nein!
Und als männlichen Spitzenkandidaten werden sie natürlich einen Trotzkisten wählen, Wolfgang Zimmermann aus Leichlingen. Est Nomen Omen?
Sie rechnen mit 15 aussichtsreichen Listenplätzen bei kalkulierten sieben Prozent Wählerstimmen. Um die 90 Kandidaten bewerben sich, seit Wochen wurde das Wahlszenario austariert.
Bis auf Rüdiger Sagel, den MdL, der den Grünen von der Fahne gegangen ist, sind keine Profis unter den Kandidaten.
Und noch immer haben diese Linken eine verdammte Medienparanoia:
So hat der Pressesprecher der NRW-Linkspartei, der Gladbecker Volkshochschullehrer Ralf Michalowsky, der übrigens mit seiner Medienexpertise für einen aussichtsreichen Listenplatz kandidiert, sich zunächst geweigert, mich für die Veranstaltung an diesem Wochenende zu akkreditieren. "Diese Ablehnung ist nicht gegen die Ruhrbarone gerichtet, sondern ausschließlich gegen Sie."
Ich schreib’ dann hier am Sonntag mal auf, was in der Mülheimer Sporthalle so vorgefallen ist. Und wenn ich mich vor Ort total langweilen sollte, dann schreib’ ich das auf Gonzo..





#1 | Twitter Trackbacks for Linke NRW wählen Landesliste in Mülheim an der Ruhr » ruhrbarone [ruhrbarone.de] on Topsy.com sagt am 21. November 2009 um 09:57
[...] First Tweet: 1 hour ago ruhrbarone Highly Influential ruhrbarone Linkspartei wählt Landesliste: http://www.ruhrbarone.de/linke-nrw-wahlen-landesliste-in-mulheim-an-der-ruhr/ retweet [...]
#2 | Detlef Obens sagt am 21. November 2009 um 11:02
Erst einmal Respekt für diesen guten, inhaltlich von mir voll getragenen, Artikel. Klar hasst die NRW-Linke die Presse! Wie auch sonst? Liest sie doch, ausser in eigenen DKP-nahen Gazetten, nur negatives über sich. Klar ist das die Garde der “Alten”, die dort noch was werden wollen–auf die eine oder andere Art–. Sicher sind die Spitzenleute aussichtslose, da inhaltlose, Vorzeigekandidaten. Und ganz sicher ist, das Michalowsky, der Pressesprecher der NRW-Linken, von zeitgemässer PR-Arbeit nicht viel hält. Man/Frau bleibt doch lieber unter sich. Unterhält einen zensierten Live-Twitter, beobachtet mit Argusaugen die angereiste Presse und feiert sich selber gegenseitig über den Klee. Wenn solche Treffen wenigstens unterhaltsam wären? Aber selbst das können sie, die Linken, nicht! Wie schrieb der Kommentator: ” sektoider Habitus “—wohl war!
#3 | Engbert, Ingo sagt am 21. November 2009 um 14:42
In der Politik reicht ja normal schon der aufrechte Gang als Qualifikation für ein Mandat aus. In der LINKEN ist noch nicht einmal dieses Voraussetzung.
So haben sich Frau ? Mann im letzten Jahr teilweise ihre Delegierten in den Kreisverbänden zusammen manipuliert. Ein Wettkampf zwischen den Gruppierungen der AKL und der SL!! Bewerber, immer die Gleichen. Zum Beispiel:
Ein Landes Geschäftsführer welcher in diesem Jahr bereits im vierten Anlauf versucht von der Politik leben zu können und sich politisch mit Sicherheit ein anderes Programm wünscht. Ein Überläufer aus Rheinland-Pfalz, heute im Kreistag WAF, welcher immer noch verdächtigt wird mit Hilfe, so berichtet die Presse, krimineller Machenschaften seiner Partei einen immensen finanziellen Schaden zugefügt zu haben. (Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch) Ein Duisburger Richter welcher als Vorsitzender der Bundes-Schiedskommission in seiner Freizeit das Grundgesetz mit Füßen tritt. Ein Pressesprecher?? Das alles sind Menschen welche das kleine Wörtchen sozial nur auf sich selber beziehen und die Worte Menschenführung und Diplomatie nie mit der Politik verbinden würden.
Meinen Kommentar begann ich mit den Hinweis auf den aufrechten Gang. Ich habe ihn noch.
http://www.hlsa.de/DLWAF/wordpress/?
#4 | Thomas sagt am 21. November 2009 um 14:57
Tja. Diese Komiker. Die wollten mich vor Ort tatsächlich nicht als Pressevertreter zulassen. Die wollten doch tatsächlich einen legitmierende Ausweis sehen. Den zeig ich natürlich höchstens offiziellen Stellen. Irgendso ein Praktikant nahm dann Rücksprache mit Michalowsky und beschied mir, daß ich höchstens als Gast den Saal betreten dürfe. Lacher des Tages für mich!
#5 | David Schraven sagt am 21. November 2009 um 15:28
Ich find es ziemlich egal ob man als Presse, Gast oder Fuzzi da ist. Hauptsache man ist da. Und das hat ja geklappt. Ich würde da kein Aufjeben drum machen.
#6 | Jens Kobler sagt am 21. November 2009 um 15:34
@Thomas: Sag mal schöne Grüße. Wenn die lieber wieder mich haben wollen, können sie auch gerne einfach fragen. Das kann doch jedes Kind!
#7 | Dirk E. Haas sagt am 21. November 2009 um 15:37
Thomas, bitte keine gespielte Entrüstung ? und angesichts des Wagenknecht-Galgenstrick-Fotos würd? ich sagen: selber Komiker!
#8 | Detlef Obens sagt am 21. November 2009 um 15:58
…die lassen doch alles rein! Hauptsache, du reckst am Ende des Meetings Deine Faust gen Himmel und stimmst beim “Wacht auf, Verdammte dieser Erde!” vollstem Herzens mit ein! Dann klappts auch mit der Wagenknecht!
#9 | Thomas sagt am 21. November 2009 um 15:59
@Dirk: Der Autor der Wagenknecht-Ablichtung ist Thomas Rodenbücher von xtranews.de,
das wird auch deutlich, wenn man das Bild anklickt.
Ansonsten bleibt der Sachverhalt komisch.
#10 | Manfred Michael Schwirske sagt am 21. November 2009 um 22:44
Ich habe auch Vorurteile. Aber Vorurteilen freien Lauf zu lassen, ist kein Journalismus.
#11 | zoom » Umleitung: Linke in Mühlheim, Kinderrechte, WAZ schreibt ab und mehr … « sagt am 21. November 2009 um 23:27
[...] Samstag, 21. November 2009 | Autor: zoom Linke I: wählen Landesliste in Mühlheim … ruhrbarone [...]
#12 | Burkard Schulte-Vogelheim sagt am 22. November 2009 um 09:28
“Klar, für soziale Gerechtigkeit, gegen Hartz IV, gegen Krieg sind die schon – aber wer, der einigermaßen bei Groschen ist, ist das nicht?”
Nun, “bei Groschen” werden ca. 6 – 10% der Wähler sein und in der Tat, weder die SPD noch die Grünen, von Union und FDP ganz zu schweigen, werden alle Groschen beisammen haben um, soweit das auf Landesebene überhaupt möglich ist, die schlimmsten Auswirkungen des Agenda-Wahnsinns abzudämpfen.
Es bleibt also für die nächsten 5 Jahre beim “Arbeiterführer”, dem mit Sicherheit nicht nur einige Groschen fehlen. Von “Trotzkisten” ist die Rede, ja und? Mir bekannt sind Jakob Moneta, langjähriger Chefredakteur der IG-Metall-Zeitung “Metall”, sowie Ernest Mandel, belgischer Hochschullehrer für marxistische Ökonomie, über längere Zeit Vorsitzender der IV Internationale und hoch geehrt durch ein langjähriges Einreiseverbot in die BRD. Daß Marxisten rar in diesem Land sind hat seine berüchtigten Gründe. Und daß das Klima des Antikommunismus, der Illegalität und der Berufsverbote nicht gerade charakterfördernd für die wenigen Marxisten ist, sollte auch nicht unbekannt sein.
Man mag sie nicht mögen, zumal dann, “wenn man nicht alle Groschen zusammen hat”. “Alle Groschen zusammen haben” ohne Zweifel die Gedemütigten, die von wild gewordenen “Clement-Ladies” aus den ARGEN vorgeführten, die den idiotischsten Schikanen und Maßnahmen ausgesetzt sind und kein einzigs Wort mehr dem Geschwätz der “ArbeiterfüherInnen” glauben. Und “alle Groschen zusammen? haben die, die den Schmutz der Hartz-Gesetze beim Namen nennen, möglicherweise bald im Parlament.
Beruhigt können also alle sein, die “nicht alle Groschen beisammen haben”. Es wird zu ihrer Befriedigung bei Bedarf ein “Florida-Rolf” kreiert, damit ist mitnichten Zumwinkel gemeint, bei Bedarf ein “Viagra-Kalle” vorgeführt und damit ist nicht gemeint ein einschlägig bekannter Peter Hartz und nicht nur im Schmuddel-TV werden weiterhin sogenannte Clement-Ladies, sprich Sozialdetektive, voller Selbstgerechtigkeit die Gedemütigten vorführen. Denn, die “Leistungsträger” haben “nicht alle Groschen beisammen”. “Nicht alle Groschen beisammen” wie die Parlamentarier, die über jedes Stöckchen springen, welches eine Lumpenjournaille, diese nicht nur von Springer, ihnen hinhält.
Denkbar natürlich ist, daß Frau Kraft irgendwann die Kraft findet, ihre Groschen zu sammeln. Denkbar sogar, daß auch die Grünen dazu in der Lage sind. Und dann könnte es sein, daß die LINKE überflüssig wird.
Undenkbar allerdings, daß der ?Arbeiterführer? jemals ?alles Groschen beisammen hat?. Und schwer vorstellbar, daß die zu ?Leistungsträgern? mutierten Kleinen Leute in absehbarer Zeit ihre Groschen sammeln und solidarisch werden.
#13 | Detlef Obens sagt am 22. November 2009 um 14:55
Auffällig ist schon, das der Landesgeschäftsführer der NRW-Linken, immerhin der zweit-wichtigste Mann des NRW-Landesverbandes, durchgereicht wird. Er wollte auf Landesliste 10 antreten. Er fiel bei weiteren Wahlgängen kläglich durch. Dies entspricht einer politischen Demontage. Ich bin gespannt, wann der Landesgeschäftsführer Blocks die “Klamotten hin schmeisst”! Er wurde schon bei seiner ebenfalls glücklosen Bundestagskandidatur von den Genossen und Genossinnen abgestraft mit einer Nichtwahl. Der Landesverband der Linken in NRW erfindet sich personell an manchen Stellen neu. Die Wahl des “Pressesprechers” ist ebenfalls eine Ohrfeige. Schlappe 54% hat er erzielt. Die Delegierten straften ihn für eine PR-Arbeit, die eigentlich keine war. Aber, er hat sein Schäfchen mit Platz 6, scheinbar im Trockenen. Brüder zur Sonne…Brüder zu Mandaten! Lasst uns das Fell des Bären erlegen, bevor die Mitglieder den Bären überhaupt gesehen haben!
#14 | Thomas sagt am 22. November 2009 um 15:13
@Detlef Obens:
Auffällig war auch die fast schon devote Ranschmeisse von Blocks an die Antikapitalistische Linke in dessen Kandidatenrede und die Schwachheit der Rede selbst, hätte ich so nicht erwartet, zumal Blocks wegen seiner beruflichen Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit ja der einzige Medienprofi in dem Laden zu sein scheint.
(Geduld – ich schreib das hier alles noch zusammen heute. Wobei ich aber eine Diskussion zur linken Versammlung hier schon jetzt keinesfalls hindern will.)
#15 | UP. sagt am 22. November 2009 um 18:58
@Detlef, du hast es mit deinem Artikel trefflich getroffen:
http://www.hlsa.de/DLWAF/wordpress/?p=197
Aus Zeitmangel verfolge ich im Mom. die Sache aus dem Ssüden unserer schönen Republik nur leserisch. Bei meinem “Freund” Günter kann ich mich allerdings nicht enthalten vor dem Abendessen: nicht nur devot, lieber Thomas, es grenzt bei diesem SL-Kommunisten-Anbiederer fast an Prostitution. Die Splittergruppe aus WAF kennt diesen ‘Pappenheimer’ nicht nur > relativ gut.
UP.
#16 | Engbert, Ingo sagt am 22. November 2009 um 20:32
@ Thomas
Ich vermute dass ihr alle einen Blocks vollkommen falsch eingeschätzt habt. Er spielt hier im ganzen Land den guten Demokraten. Die devote ?Ranschmeisse? erleben wir hier im KV Warendorf von Beginn an. Würden Interessierte des öfteren unsere Webseite besuchen, wäre die
Überraschung sicher nicht so groß, denn dort werden Tatsachen beschrieben. So wurden im ganzen Land unter seiner Regie ehemalige PDS Kader installiert, um die Kontrolle über die Partei zu bekommen. Alle diese Leute kamen erst aus ihren Löchern als es Mandate zu vergeben gab. Für einen kontinuierlichen Aufbau der Partei hatten diese keine Zeit, denn für gute Arbeit ist nur selten ein gerechter Lohn gezahlt worden. Diese Situation erleben wir zur Zeit Bundesweit und es steckt System dahinter. Durch Mobbing, verbreiten von Lügen und Rufmord werden Mitglieder vor die Schiedskommissionen gezerrt und in abgesprochenen Verfahren der Partei verwiesen. Dieses sind natürlich die kritischen, mit den ruhigen Mitgliedern kann man jetzt Katz und Maus spielen. Die Gerüchte über Oskar Lafontaine tauchen nicht von ungefähr zu diesem Zeitpunkt wieder auf. Eine holländische Zeitung sowie die ?Junge Welt? berichteten schon vor ca. 2 Jahren darüber.
Ach ja, alle Unterlagen gibt es Schwarz auf Weiß.
http://www.hlsa.de/DLWAF/wordpress/?p=164