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Nachbetrachtungen: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium?


Viereinhalb Monate lang gingen wir in einer Serie der Frage „Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium?“ nach.

Nun ist Zeit für ein Resumee. Zunächst ein paar Zahlen.
(Danach ein, zwei Grafiken. Dazu vorab: nutzt sie gerne – verteilt sie.
Aber seid so nett, mich als Person und die Ruhrbarone stets als Quelle anzugeben – gerne so wie unter den Darstellungen jeweils zu finden.)

Alle 16 Bundesländer haben sich an unserer Serie beteiligt, einige antworteten umgehend und ausführlich, bei wenigen mussten wir hartnäckig nachfassen.

Hier sind sie in alphabetischer Reihenfolge zu finden:Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen.

Dabei vergaben wir insgesamt 0 bis 15 Globuli für Fragen zur allgemeinen Einstellung zur Pseudomedizin, zur evidenzbasierten Medizin und dazu wie mit dem Gegensatz zwischen Pseudomedizin und echter Medizin umgegangen wird.

 Die gute Nachricht: niemand bekam die vollen 15 Globuli. Statt dessen gab es mit Bayern, Brandenburg und Thüringen sogar drei Ministerien, die nicht einen einzigen Globulus erdulden mussten. Interessant hierbei: die drei zuständigen Minister gehört ganz unterschiedlichen Parteien an, nämlich der CSU, der LINKEN und der SPD.

Generell scheint die Parteizugehörigkeit des Ministers nur bedingt aussagekräftig für die Wissenschaftsfreundlichkeit eines Gesundheitsministeriums zu sein. Während die SPD-Ministerien im Durchschnitt auf 5 Globuli kommen, sind es bei den schwarzen CDU-Kollegen 5,4 Globuli. Einzelne Ministerien werden von CSU (0 Globuli), LINKE (0 Globuli), B´90/ Die GRÜNEN (13 Globuli) und einem parteilosen Minister (12 Globuli) verwaltet. Ein Ministerium war zum Punkt der Antworten gar im Interim (5 Globuli).

Im Durchschnitt gab es 5,44 Globuli pro Bundesland.

Wie es dabei um die Streuung bestellt ist, zeigt folgende Grafik:

Bundesländer und Globulianzahl

Bundesländer und Globulianzahl
Quelle: Sebastian Bartoschek, Ruhrbarone

Es gibt also für jeden etwas, samt aller Zwischenbereiche.

Wie verteilt sich das Ganze aber nun regional?

Die folgende Karte ermöglicht hierzu einen guten Überblick.

Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? grün = 0 bis 4 Globuli gelb = 5 bis 9 Globuli rot = 10 bis 15 Globuli Quelle: Sebastian Bartoschek, Ruhrbarone

Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium?
grün = 0 bis 4 Globuli
gelb = 5 bis 9 Globuli
rot = 10 bis 15 Globuli
Quelle: Sebastian Bartoschek, Ruhrbarone

Dabei fällt ins Auge, dass Wissenschaftsferne in der Gesundheitspolitik vor allem ein Phänomen des Westens der Republik ist. Im Osten und Süden sieht es weniger problematisch aus. (Anmerkung: möglicherweise wird sich in Bayern diesbezüglich leider etwas ändern – wir werden dem nachgehen!) Über die Gründe sollen andere mutmaßen.

Wäre man böse könnte man nun behaupten, dass Eso-Barbara in NRW mit ihrem traurigen Topwert von 13 Globuli möglicherweise wie ein Attraktor wirkt, wie ein esoterisches schwarzes Loch, das die umliegenden Gebiete mit in den Sog der Paramedizin zieht. Wahrscheinlicher ist aber, dass sie Ausdruck einer Stimmungslage ist, die im Nordwesten eher verortet ist, als im Südosten.

Übrigens: es gibt ja das Klischee, dass Frauen esoterischer sind als Männer. Dies wurde in unserer Serie nicht bestätigt. Im Gegenteil – die sieben Minister kommen auf einen Mittelwert von 6,57 Globuli während ihre acht weibliche Kolleginnen nur auf 4,5 Globuli im Mittel kommen.

Weder Partei noch Geschlecht sind also geeignet, die Wissenschaftsnähe eines Gesundheitsministeriums vorherzusagen. Vielmehr scheint es sehr an der individuellen Persönlichkeit des Ministerialen zu hängen – und vielleicht noch an wenig an einem geographischen Faktor.

Insgesamt merkte man vielen Antworten den Wunsch an, es sich mit der Paramedizinlobby nicht verderben zu wollen. Zudem wird die Aufnahme einer Leistung in den Katalog der gesetzlichen Krankenkassen mit einem Wirksamkeitsnachweis verwechselt – oder zumindest so getan, als verwechsle man dies. Gut: alle Ministerien sprechen sich mehr oder minder deutlich für Impfungen aus, mit der bedauenswerten Ausnahme von Barbara Steffens in NRW.

Was nach einem Vierteljahr bleibt, ist die Einsicht, dass viele Fakten mit Meinungen verwechseln. Und dass es um Deutschland vielleicht gar nicht so schlecht steht, wie befürchtet – oder doch schlimmer als gedacht, je nach Standpunkt der Betrachters!

Es bleibt mir zu sagen: bis bald, danke fürs Lesen – und vielleicht gibt es ja nochmal eine Serie zur Parawissenschaft.

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6 Kommentare zu “Nachbetrachtungen: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium?

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