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Der Ruhrpilot

Ruhr2010: Schimanski – Duisburgs ungeliebter Held…RP Online

Ruhr2010 II: Local Hero Recklinghausen…Recklinghäuser Zeitung

Ruhr2010 III: Jedem Kind ein Instrument…Tagesspiegel

Blogs: FIXMBR für BOBS nominiert…FIXMBR

Dortmund: Klage gegen OB-Wahl abgewiesen…Ruhr Nachrichten

Dortmund II: Amtsleiter gegen Sierau…Der Westen

Duisburg: Läppisches Existenzrecht Israels…FR Online

Duisburg II: Puff-Steuer soll kommen…Der Westen

SPD: …bricht Schröders Reformen auf…Spiegel

SPD II: …ist unsozial…Welt

ELENA: Mitmachen bei der  Verfassungsbeschwerde…Netzpolitik

Nazis: Bündnis gegen Rechts trifft sich…Bo Alternativ

Städte: Klamme Kommunen in NRW…Spiegel

Tourismus: Anmerkungen zur ITB…Muschelschubserin

Literatur: Lesung in SL-Leipzig…Kueperpunk

Bild: Schimanski Foto: Wikipedia)

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Paralympics VI: Eine schrecklich nette Familie

rabatt-bei-den-maskottchen

Wer hätte es gedacht: Es wird stressig bei den Paralympics. Vier Stunden Schlaf pro Nacht und trotzdem häufen sich die ausstehenden Geschichten. Deshalb gibt es unten als Update nur schnell eine Geschichte, die ich unter anderem für Zeit-Online geschrieben habe. Zum Eindruck, den ich nach drei Tagen von den Paralympics gewonnen habe:

Die Winter-Paralympics in Kanada wollen sich offiziell nicht mit den Olympischen Spielen messen. Trotzdem betonen sie bei jeder Gelegenheit, wie akzeptiert, erfolgreich und gleichberechtigt ihre Veranstaltung mittlerweile sei. Dabei hätten sie das gar nicht nötig.

In Whistler treffen sich derzeit nicht nur die 500 besten behinderten Wintersportler der Welt, sondern – wie jedes Jahr um diese Zeit – auch jede Menge gut betuchte Touristen. Denn in Whistler gibt es nicht nur tolle Pisten, sondern auch teure Hotels, teures Essen und teure Souvenirs. Wer etwas auf sich und seine Geldbörse hält, fährt nach Whistler in den Schnee. Besucher zahlen im größten Wintersportgebiet Nordamerikas für einen Tagesskipass fast 100 Dollar. Wer in einem der vielen edlen Hotels eincheckt, muss nochmal das Dreifache für eine Übernachtung rechnen. Und Bier und Burger haben selbst für ein Skigebiet gesalzene Preise.

Trotzdem sind die geschwungenen, durchgeplanten, akkurat gepflasterten Straßen Whistlers Mitte März voll von hippen Ski- und Snowboardfans. Sie sind hier, um Ski zu fahren und Geld auszugeben. Nebenher laufen auf den großen Bildschirmen an der Talstation der „Excalibur Gondola Blackcomb“ die paralympischen Wettbewerbe auf einem riesigen Bildschirm. Viele Ski-Touristen bleiben zwischendurch stehen, um sich die Wettbewerbe anzusehen und die schallend laute Moderation zu hören. Und wenn abends, nach Schließung der Skilifte, auf der Medal Plaza der immergleiche Medaillensingsang ertönt, um die paralympischen Gewinner zu ehren, dann sind trotz widerlich-schneeigen Wetters tausende Zuschauer dabei.

Vielleicht sind es diese kanadisch-leichten Momente der fröhlichen Verbundenheit, des lauten, begeisterten Jubels, die dem Betrachter die paralympischen Winterspiele weniger trostlos vorkommen lassen. Weniger trostlos, als es die nackten Zahlen, der direkte Vergleich mit den Olympischen Spielen vermuten ließe. Nach der gut besuchten, knallig-bunten Eröffnungsfeier im großen BC Stadium zu Vancouver bestimmt vor allem in Whistler der Schneematsch das Bild. Denn tagsüber, bei geöffneten Pisten, sind die Paralympics für die Besucher Whistlers ganz sicher nicht die Hauptattraktion.Die olympischen Fanfeste sind abgebaut und in den Souvenir-Shops herrscht längst Ausverkauf. Bis zu 50 Prozent Rabatt gibt es auf einzelne Produkte und gegen Ende dieser Woche dürften Maskottchen, Mützen, T-Shirts und Anstecker noch einmal günstiger werden.

Derweil treten die Athleten in fünf Sportarten an. Schlitten-Eishockey und Rollstuhlcurlen finden in Vancouver statt, Ski-Alpin, Biathlon und Langlauf in Whistler. In den drei letztgenannten wird unterteilt zwischen sitzenden, stehenden und sehbehinderten Athleten. Damit es fair zugeht, bekommen schwerer beeinträchtigte Sportler Zeitvorteile. Und auch wenn es zwischen Fußball und Formel 1 Gefahr läuft, unterzugehen: Die deutschen Athleten haben sportlich erfolgreich begonnen. Die blinde Biathletin Verena Bentele und der gelähmte Alpine Martin Braxenthaler haben Gold geholt, Deutschland liegt im Medaillenspiegel auf Rang vier.

Während vor drei Wochen hunderte deutsche Journalisten von den Befindlichkeiten unserer Gold-Lena berichteten, könnten sich die Berichterstatter der Paralympics – mit Ausnahme der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender und einiger Stipendiaten – gemütlich an einem Frühstückstisch versammeln. Von ehemals 800 Zuschauerbussen sind nur noch gut 120 im Einsatz. Und diese sind seltenst wirklich gefüllt.

Wer sich in Whistler während der Wettkämpfe auf den Tribünen umschaut, sieht neben normalen Zuschauern auch viele freiwillige Helfer, Verbandsmitglieder und Familienangehörige. Natürlich gibt es auch gut besuchte Wettkämpfe, aber als Verena Bentele am Samstag die letzte Entscheidung des Tages gewann, sahen dies im abgelegenen „Whistler Paralympic Park“ kaum noch mehr als 100 zahlende Zuschauer. Die „Familie der Paralympics“ bekommt da eine ganz neue Bedeutung.

Andersherum ist gerade die familiäre Atmosphäre das große Pfund der Paralympics. Die Athleten sind nah und authentisch und ihre individuellen Lebenswege fast immer faszinierender als die manch stromlinienförmiger Olympiastarter. Sie haben viel mehr zu erzählen, auch zu abseitigen Themen. Es gibt bei der Anreise kaum nervige Staus oder Schlangen und vieles wirkt entspannter, natürlicher als bei Olympischen Kommerzspielen. Und wer das komplizierte Verrechnungssystem der Schadensklassen als gegeben akzeptiert und sich führen lässt von der Wettkampf-Moderation, der kann auch die sportlichen Duelle genießen.

Doch statt sich auf ihre Stärken zu besinnen, geraten die Beteiligten immer wieder in Versuchung, ihren Sport zu überhöhen. Seit 1976 gibt es paralympische Winterspiele und seitdem hat sich viel getan. Die Wettkämpfe sind professioneller geworden, mehr Länder nehmen teil und mehr Medien berichten. Erstmals sind die paralympischen Empfänge im gleichen deutschen Haus untergebracht wie die olympischen Abende kurz zuvor. Und dass Politiker und Funktionäre dem deutschen Behindertensportverband ihre Aufwartung machen, ist längst selbstverständlich.

Das alles ist eine gute Entwicklung. Deshalb gleich vom „zweitgrößten Sportevent der Welt“ zu sprechen, wie es der IPC-Vorsitzende Sir Philip Craven immer wieder tut, ist dennoch übertrieben. Paralympische Spiele bleiben aus vielen Gründen vorerst ein Randsport-Ereignis. Wer sich darauf einlässt, wird dennoch belohnt.

Das Foto habe ich in einem der Souvenir-Shops gemacht. Was dort so preisgünstig beworben wird, sind die Maskottchen dieser Spiele. Ein Foto von mir und Sumi, dem Maskottchen der Paralympics, ist vorerst leider verschollen. Es ist aber gemacht und wenn es wieder auftaucht, stelle ich es online. Versprochen.

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Polit-Prof aus Duisburg diffamiert Enthüllungen von Blogs als Gerüchte

korteHeute kofferte ein Politik-Prof in einem WAZ-Interview gegen die Polit-Blogs in Deutschland. Er warf ihnen vor, Gerüchte zu verbreiten, und Teil einer Schmierenkampagne gegen NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers zu sein. Karl-Rudolf Korte hieß dieser Professor und er wurde höflich befragt, was er denn vom Internet hält. Ein Beispiel für die Härte der Fragen gefällig?

„Empfinden Sie die Unkultur des Anonymen (im Internet. d.A.) , der üblen Nachrede, der Verwischung der Grenzen, was Journalismus ist, nicht als unerträglich?“

Die Antwort des Polit-Professionellen:

„Ja – eben als Herrschaft des Gerüchtes“.

Worum ging es in dem Interview? Um die Veröffentlichungen im Spiegel, in der Süddeutschen Zeitung oder im Wir-in-NRW-Blog zur Miet-Mich-Rüttgers und zur Email-Affäre. Das Interview erschien im Print auf Seite zwei. Die Passagen zum Internet waren unter der eigenen Überschrift “Herrschaft des Gerüchtes” zusammengefasst. Online erschien das Ganze im längeren Zusammenhang.

Der Professor bat „verantwortungsbewusste Tageszeitungen“ die Enthüllungen aus dem Netz nicht zu verfolgen, „sondern nach Inhalten zu fragen“. Sprich die Skandale der Regierung, die hier und da aufgedeckt werden, sollen nicht weiter verbreitet werden, sondern stattdessen gefragt werden: Herr Rüttgers, wie wollen Sie uns weiter beherrschen. Alles andere widere Wohl die Leser an.

Zu den Veröffentlichungen von internen Dokumenten aus der Landesregierung sagte Professor Korte:

Es ist eine Schmutzkampagne im Gange, die in der politischen Kooperationskultur von NRW neu ist, und da wird noch einiges kommen. Das widert auch Wähler an.“

Politisch nennt man das Nach vorne Verteidigung: Zunächst kriminalisiert der neue CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid die Blogs, in denen Fehlverhalten der Landesregierung enthüllt werden. Dann diffamiert ein Professor via WAZ die Enthüllungen im Netz als „Herrschaft des Gerüchtes.“ Arbeiten vielleicht Krautscheid und Korte Hand in Hand, um eine publizistische Strategie zu fahren und die Veröffentlichungen in Blogs zu diffamieren?

Tja. Überhaupt, seit wann sind Dokumente, die veröffentlicht werden, Gerüchte, Herr Korte?

Es wird Zeit nachzusehen, wer dieser Politik-Profi eigentlich ist und wie er sein Geld macht. Zunächst die Fakten: Korte, Jahrgang 1958, ist Chef der “NRW School of Governance” in Duisburg.

Der Blick fällt dann allerdings schnell auf eine Geschichte von Johannes Nitschmann und Marco Finetti in der Süddeutschen aus dem Jahr 2006 und die enge Zusammenarbeit von Rüttgers und dessen Staatskanzlei auf der einen und der neuen Einrichtung von Korte auf der anderen Seite.

Denn kaum ein Jahr nach Rüttgers-Amtsantritt lieferte Korte scheinbar ganz im Staatskanzlei-Denken verhaftet eine 436 Seiten starken Studie in der er Rüttgers Regierungsstil in die Nähe des legendären SPD-Landesvaters Johannes Rau rückte. Auch sonst preist der Politologe den CDU-Regierungschef als “bürgerlichen Arbeiterführer” und vertritt die These vom Konsensstaat NRW. Die Studie passte damit haargenau in die Strategie der Staatskanzlei, Rüttgers als politischen Erben von Johannes Rau zu stilisieren.

Noch enger wurde der Austausch durch ein Forschungsprojekt, in dem Korte den Mitte 2005 erfolgten Regierungswechsel in NRW untersuchte – mit finanzieller und ideeller Unterstützung der Düsseldorfer Staatskanzlei. Ein Jahr lang war ein Mitarbeiter von Kortes Lehrstuhl Gast in der Düsseldorfer Regierungszentrale, um „Gespräche zu führen, Arbeitsprozesse zu beobachten und Einsichtin Dokumente zu nehmen“, wie Nitschmann und Finetti berichteten. In einem zwischen der Staatskanzlei und Kortes Universität abgeschlossenen Werkvertrag wurde zudem fixiert, „dass im Rahmen dieser Arbeiten für die Landesregierung zwei kurze Expertisen zu konkreten Themen erstellt werden“. Die anfallenden Gesamtkosten von mehr als 50 000 Euro verbuchte die Staatskanzlei unter „wissenschaftlicher Beratung des Ministerpräsidenten“. Die Studie soll anders als sonstige Forschungsarbeiten nicht veröffentlicht werden.

Das Geld war wohl gut angelegt, wie man derzeit im WAZ-Interview sieht.

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Eine Geschichte aus New York: Williamsburg – Teil 8: Die Preise explodieren

williamsburg-71Die Phase der Scene-Seekers, die für den erhöhten Besuch des gentrifizierten Viertels von außen sorgen, brachte auch in W-Burg nicht nur die Professionalisierung und Einnahmesteigerung im Viertel voran, sondern unausweichlich Leute mit sich, die aus dem sporadischen oder regelmäßigen Besuch des Viertels einen Daueraufenthalt machen wollen. Die zusätzlich auf den dortigen Wohnungsmarkt drängen.

Der aber war in Williamsburg in der Zwischenzeit schon durch die zunehmenden und qualifizierten Wohnbedürfnisse der kreativen Eroberer enger geworden. Genau das  war das endgültige  Einfallstor der Immobilienhändler. Genauer gesagt hatten die, die schon länger in Williamsburg spekulierten genau auf diesen Moment gewartet. Auf die eigentliche Phase der Aufwertung, auf die, die sich auch in dauerhaft höheren Grundstücks-, Wohnungs- und Hauspreisen niederschlägt.   Sie bedeutet zugleich auch den Durchbruch der überlokalen Großspekulanten an der Waterfront.

Die Ironie dabei war, dass gerade die Befürchtung der Verdrängung ihrer angestammten Wähler aus der polnischen und lateinamerikanischen Community, die örtlichen Politiker bewog, den Neubauplänen am Wasser schlussendlich zuzustimmen. Die Waterfront wurde nach fast 15jähriger Auseinandersetzung in Wohngebiet umgewandelt. Um die Protestler zu befrieden, wurde der wilde Stadtteilpark von der Neubebauung ausgenommen, die Wohntürme am Wasser in der Anzahl und  in der Höhe reduziert und eine für alle begehbare Uferpromenade versprochen.

Für die Neubebauung außerhalb der unmittelbaren Waterfront wurde die Traufhöhe auf den Durchschnitt der vorhandenen Bebauung begrenzt. Dabei muss man jedoch den in New York  überall möglichen Luftrechtekauf mit berücksichtigen. Der bedeutet nämlich dass, wenn jemand die mögliche Geschossanzahl nicht ausnutzt, er diese als zusätzliches Geschosshöhe an den Besitzer des nächst gelegenen Grundstücks verkaufen kann. Dem flächendeckenden Wohnungsneubau war damit mit auf einem Schlag in Williamsburg Tür und Tor geöffnet und der Markt dafür war endlich vorhanden.

Der Immobilienboom begann mit einem heut noch währenden  Kampf um jede noch bebaubare Fläche, die nicht all zu weit vom Wasser entfernt liegt.
Die, die diese Flächen rechtzeitig genug gekauft hatten, waren dabei natürlich im Vorteil und oft wechselten die Grundstückseigentümer monatlich bevor endlich gebaut wurde. Und jedes Mal wurde und wird natürlich die Baufläche teurer. Der Abriss von unter- oder abgenutzten Gebäuden wurde attraktiv. Williamsburg verändert innerhalb von nur wenigen Jahren sein Gesicht total. Im neuen Jahrtausend brummten endlich die Kassen der Immobilienbesitzer, denn jetzt wollte jeder vom Boom profitieren und die berühmt berüchtigten Mondpreise begannen zu entstehen. Die in New York in solchen Fällen übliche lokale Immobilienblase.

Aber zugleich war dieser Stadtteil endgültig im Gesamtimmobilienmarkt der Metropole angekommen. Hier wollten jetzt auch die hin, die in Manhattan genug verdienten und trotzdem dort nicht mehr die Mieten bezahlen konnten. Bzw. denen der Mietanteil an ihrem hohen Einkommen zu groß geworden war.  Und auch die ausländischen Immobilienanleger hatten „Upcoming Williamsburg“ entdeckt.  Unterstütz von einem immer stärker werdenden Euro. Die Immobilienpreise, vor allem aber die bei Aus- und Umzug fälligen Neumieten explodierten.

20 m² mit kleinem Bad und eingebauter Küchenzeile in einem der neuen Türme mit direktem Blick auf die Skyline kosten als Eigentumswohnung jetzt  600-700.000 Dollar. Ein One-Bedroom Apartment mit Blick zur Miete ist unter 3.000 pro Monat nicht mehr zu kriegen. Aber auch die Mieten um die Bedford Avenue sind trotz der vielen Neubauten in schwindelerregende Höhen geraten. Es reichte nicht mehr aus am äußersten Rand von Williamsburg und ganz weit weg von jedem Blick auf die Skyline und von einer Station der L zu hausen, um noch an der Szene teilhaben zu können. Jetzt versuchte man im anliegenden Bushwick einen bezahlbaren Unterschlupf zu finden. Wenn möglich in der Nähe einer  U-Bahn-Station der Linie L die auch diesen Stadtteil durchquert. So ist man immer noch relativ schnell am Hotspot Bedford/North 7th, der letzten Station bevor es unter den Fluss nach Manhattan geht.

Von dort kreuzen jetzt jeden Abend die Yellow Cabs auf und bevölkern W-Burgs Straßen. Wer billiger fahren will ruft den Brooklyn-Taxi-Service an, eine von Latinos geführtes Unternehmen, das mit dem Williamsburg Boom mit gewachsen ist. Aber Limos gibt es jetzt hier auch zu mieten. Die ersten Hummer stehen in den Straßen rum.  Schwere Jeeps sind gang und gäbe.  Porsche und Maseratis noch selten. Selbst die farbige Schickeria lässt sich ab und zu sehen. In riesigen weißen Geländewagen.  Sie kommen aus dem afroamerikanischen Brooklyn abends mal schnell ins nun  vorwiegend junge und weiße Central-Williamsburg.  Genauso wie die ebenfalls mehrheitlich weißen Manhattangirls and –boys , die hier jetzt täglich zum Lunch oder Dinner erscheinen. Selbst meine Freundin J. ist letztes Jahr gekommen und war begeistert.

Meine Künstlerfreunde aus meiner Loft Garage jedoch müssen dieses Jahr sehr wahrscheinlich dicht machen. Nach Ende des Vertrages wird die Mietet mindestens verdreifacht und muss jährlich neu ausgehandelt werden. Der Kaufpreis ist im Verhältnis zu der Zeit als sie nach Williamsburg kamen mindersten beim 10 fachen angelangt.  Die Garage liegt in der zweiten Linie zur Waterfront und das Grundstück darf mindestens doppelt so hoch bebaut werden wie die heutige ehemalige Lastwagengarage. Sie überlegen in die Bronx zu gehen. Aber selbst diesen neuen Trend haben die Immobilienhaie schon mitbekommen.

Die Lage ist recht aussichtslos, was die nicht so erfolgreiche Kreativszene in Williamsburg betrifft und auch die Winner unter ihnen kommen in Schwierigkeiten. Die Studentenszene hat sich ebenfalls geändert. In Williamsburg können jetzt nur noch die Kinder reicher Leute studentisch wohnen. Aber deren Anzahl hat auf Grund des amerikanischen Millionärsbooms der letzten Jahrzehnte erheblich zu genommen. Da zahlen die Eltern gerne höhere Mieten, wenn der Sohn und/oder  die Tochter wenigstens ein paar Jahre im nun hippsten  und irgendwie noch immer Künstlerviertel  der Welthauptstadt wohnen möchten.  Wenn es von zu Hause nicht ganz so reicht, dann teilt man sich zu mehreren ein Loft,  so wie die ersten kreativen Zuwanderer.  Nur dass die Gesamtmiete jetzt ein Vielfaches höher ist.

Auch das Straßenbild hat sich geändert, aber dazu in der nächsten Folge.

Was bisher geschah:
Die Willamsburg Story I…Klack

Die Willamsburg Story II…Klack

Die Willamsburg Story II…Klack

Die Williamsburg Story IV…Klack

Die Williamsburg Story V…Klack

Die Williamsburg Story VI…Klack

Die Williamsburg Story VII…Klack

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The Brew

[youtube NtIZBGXo7sg 570 385]

The Brew, Dienstag, 16. März, 20.00 Uhr, FZW, Dortmund

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Der Ruhrpilot

wittke_ddorfRuhrgebiet: CDU-Chef Wittke Interview…Pottblog

Linkspartei: Gysi und Pau distanzieren sich von Dierkes…xtranews

Ruhr2010: Capital cultural europea dedica muestra a héroes…El Universal

NRW: FDP verschreckt die Bürger…Der Westen

NRW II: FDP in verzwickter Lage…FAZ

NRW III: SPD in heikler Mission…Post von Horn

NRW IV: Guido gegen den Rest der Welt…taz

Dortmund: Stadt will Wissen verkaufen…Der Westen

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Das schwarz-gelbe Stipendium

Bibliothek Uni DortmundDas neue Stipendienmodell gibt es in NRW seit einem Semester, aber nicht viele wissen davon.

Ende Februar legte die Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) einen Gesetzentwurf zum Aufbau eines nationalen Stipendienprogramms vor. Danach sollen zukünftig acht Prozent der besten Studenten mit 300 Euro im Monat gefördert werden. Die Gelder sollen je zur Hälfte vom Staat und von der Wirtschaft kommen. Dieser Entwurf verwirklicht das leistungsbezogene Stipendiensystem, das die schwarz-gelbe Regierung im Koalitionsvertrag in Berlin festgehalten hat. Doch eigentlich weht der Wind nicht von der Spree, sondern vom Rhein.

Die Idee stammt vom NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). In Nordrhein-Westfalen bekommen bereits 1400 Studierende seit dem Wintersemester 2009/2010 dieses Stipendium. Nun soll das NRW-Modell bundesweit als Vorbild dienen.

Musterbeispiel: Uni Duisburg-Essen

„Liebe Studierende, nutzen Sie Ihre Chance und bewerben Sie sich!“ Der Rektor der Universität Duisburg-Essen Ulrich Radtke klickte im August 2009 auf „Verschicken“. Die E-Mail mit dem Betreff „NRW-Stipendienmodell“ wurde an mehr als 30 Tausend Studierende der Hochschule adressiert, landete jedoch oft im Nirgendwo. Denn nur wenige Studenten benutzen den Uni-Account. Eine kleine Umfrage auf dem Essener Campus bestätigt das. Nur drei von zwanzig Studenten haben vom Stipendienmodell überhaupt schon mal gehört. Die meisten Befragten machen große Augen: „Das NRW-Stipendienprogramm? Was ist das?“

Dabei gilt die Uni Duisburg-Essen als Musterbeispiel in der Umsetzung des Stipendienmodells. Ende Mai bekam der Uni-Fundraiser Bernd Thunemeyer einen Brief vom nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium. Es versprach Stipendien für 80 Studenten. Unter einer Voraussetzung: die Hälfte der Gelder soll die Uni selbst von Unternehmen und Stiftungen einwerben. „Wir haben doppelt so viel Sponsoren gefunden“, sagt Thunemeyer stolz. Darunter Hochtief, Evonik, Sparkasse, Volksbank Rhein-Ruhr, Kulturstiftung und Alumni-Vereine. Nun bekommen 151 Studenten in Duisburg in Essen ein Stipendium. Aber: Das sind nur 0,5 Prozent aller Studierenden.

Rund 1850 Studierende haben sich für das Stipendium beworben. Es könnten viel mehr sein – wenn sie die E-Mail vom Rektor gelesen oder sich auf der Uni-Homepage erkundigt hätten. Denn Plakate oder Flyer zum Stipendium gab und gibt es auf dem Campus nicht. Bei der Informationsveranstaltung des Uni-Beratungszentrums “Stipendium? Nichts ist unmöglich!“ im Dezember, wo verschieden Förderwerke vorgestellt wurden, fiel über das frisch eingeweihte NRW-Modell auch kein Wort.

Gefördert wird, wer der Wirtschaft nützt

Bei der Bereitstellung der Gelder können die Förderer entscheiden, welche Fächer sie unterstützen. An der Uni Duisburg-Essen bekamen die Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften zwei Drittel aller Stipendien, die Geistes- und Naturwissenschaften gingen praktisch leer aus. Auch an der RWTH Aachen spiegelt die Fächerverteilung der Stipendiaten das Interesse der Wirtschaft wieder: Maschinenbau – 90 Stipendien, BWL – 22, Philosophie – 3, Architektur – 2. Die durch Exzellenzinitiative ausgezeichnete Hochschule lockte am meisten Sponsoren an: 196 Stipendien für rund 0,7 Prozent aller Studierenden. „Wir haben einfach sehr gute Kontakte zur Industrie und Unternehmen“, erklärt die RWTH-Fundraiserin Angela Pohl.

Der NRW-Wissenschaftsminister kann sich freuen. Vor einem Jahr sagte er: „Ich hoffe, dass unser Modell bundesweit Schule macht.“ Seine Worte wurden anscheinend gehört. Übrigens sponserte Herr Pinkwart selbst einen Stipendiaten. Macht Frau Schavan bald auch da mit?

Der Text ist in der taz erschienen.

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Dierkes: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – Ruhe im Duisburger Affenhaus

dreiaffenSie kennen doch die drei Affen; sie haben, so steht es bei Wikipedia „ihren Ursprung in einem japanischen Sprichwort und stehen dort für den vorbildlichen Umgang mit Schlechtem“. Und wie man damit vorbildlich umzugehen hat – die drei Affen machen es ja vor: „nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen“!

Von unserem Gastautor Werner Jurga

Dieser Tage demonstriert die Ruhr-Metropole Duisburg auf eindrucksvolle Art und Weise, dass buddhistische Weisheit keineswegs nur im Fernen Osten anzutreffen ist, sondern auch im Westen des Westens. Vordergründig geht es um den Nahen Osten, substanziell geht es im tiefsten Westen immer nur um das Eine. In der heilen Welt der wichtigen Leute in Duisburg geht es letztlich nur darum, dem Affen Zucker zu geben, was soviel bedeutet wie: seiner Eitelkeit frönen. Aber auch: ausgelassen lustig sein.

Aufmerksame Leser mögen es schon ahnen, und ich traue es mich kaum zu sagen: ja, es geht noch einmal um Hermann Dierkes, dem Duisburger Vorsitzenden der Linksfraktion, der am Dienstag endlich auch mal in einem Heimspiel dem Affen richtig Zucker geben will. Bei den Ruhrbaronen findet sich ein Video, auf dem in knapp sieben Minuten zu sehen und zu hören ist, was dieser Herr im November diesbezüglich in Berlin zum Besten gegeben hat, was folglich am Dienstag auch in Duisburg zu erwarten ist.

Dierkes wird „Israel (und den USA) vorwerfen, der „Aggressor Nr.1“ zu sein und eine systematische Ausrottung arabischer Bevölkerung zu betreiben“, und vielleicht auch schon einmal anregen, “gegen imperialistische Kriegstreiberei und Aggressionskriege Israels und der USA auf die Straße zu gehen.“

Vermutlich wird er sich jedoch noch etwas deutlicher äußern (siehe Video); denn diese etwas weichgespülten Sprüche waren nicht von ihm, sondern von der NPD, die sich umständehalber etwas vorsichtiger äußern muss. Trotzdem fragt man sich, wer hier eigentlich von wem abschreibt: Dierkes von der NPD oder die NPD von Dierkes.

Wenn sich Dr. Olaf Rose (NPD) zu den Kassam-Raketen äußert, bei denen „es sich immer noch um ungesteuerte, blind abgeschossene Raketen, ohne jede Zielgenauigkeit“ handelt, und deren Abschüsse nichts anderes als „Hilferufe“ sind, ist man geneigt, Herrn Dierkes eine Urheberrechtsklage ans Herz zu legen.

Doch sollen uns Streitigkeiten ums Copyright zwischen Rechts- und Linksextremisten genauso wenig interessieren, wie uns das ganze antisemitische Gejaule eigentlich am unbekleideten Gesäß vorbeigehen könnte. Der Einfluss hiesiger Judenhasser auf den Gang der Dinge im Nahen Osten tendiert gegen Null. Und dass Antisemiten noch einmal in Deutschland etwas zu sagen bekommen könnten, sollte eigentlich ausgeschlossen werden.

Wäre da nicht, nur mal so als ein Beispiel, der Umstand, dass Herr Dierkes in einem städtischen Gebäude, das der Volkshochschule der Stadt Duisburg zugeordnet ist, seinem Affen Zucker geben darf. Ja, der darf das!

Ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass man in einer Einrichtung der Stadt Duisburg den Holocaust – als Referent! – relativieren und das Existenzrecht Israels als „läppisch“ bezeichnen darf, um es infolgedessen in Abrede zu stellen und zum bewaffneten Kampf gegen diese „rassistische Vision“, wie Dierkes den Judenstaat nennt, aufzurufen. Wirklich nicht; doch ich bin eines besseren belehrt worden.

Als ich aus den Ruhrbaronen von diesem Vorhaben erfahren hatte, wandte ich mich an die Verantwortlichen und schrieb ihnen am Mittwoch, den 10. März:

„Sofern also diese Nachricht zutreffen sollte, gehe ich davon aus, dass Ihnen nichts von dieser Planung bekannt ist. Ich bin sicher, Sie werden sich darum kümmern, dass diese Veranstaltung nicht in einer städtischen Einrichtung stattfinden wird.“

Nun gut, ich habe mich daran gewöhnt: der Oberbürgermeister antwortet mir nicht, er lässt auch nicht antworten – oder doch? Gestern lese ich, dass sein Pressesprecher erklärt: „Der Oberbürgermeister vertraut wie bei allen übrigen Veranstaltungen dort der Entscheidungskompetenz ihres Leiters Dr. Gerhard Jahn.“

Und genau dieser Dr. Jahn hatte sich in der Tat bei mir gemeldet. Schon vorher, telefonisch. In dem Telefonat hatte mir der VHS-Leiter mitgeteilt, dass die Veranstaltung stattfinden wird. Ich machte eine kurze Gesprächsnotiz und ließ auch ihm eine Kopie zukommen. Irgendetwas scheint dem guten Jahn daran nicht gepasst zu haben. Er schrieb mir – am besten zeige ich Ihnen mal die eMail komplett im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Dr. Jurga,

zu Ihrer Mail an mir unbekannte Dritte bezüglich des Inhalts unseres heute Morgen geführten Gesprächs nehme ich wie folgt Stellung:

1. Sie sind von mir nicht autorisiert worden Gesprächsinhalte unseres Telefonats an Dritte weiterzugeben.

2. Weder Inhalt noch Verlauf des Gesprächs hat in der von Ihnen beschriebenen Form stattgefunden.

3. Als Quintessenz ist allerdings richtig, dass ich vor dem Hintergrund der Satzung des IZ´s keine Veranlassung sehe, die Veranstaltung zu verbieten.
Hochachtungsvoll

Dr. Gerhard Jahn

Hoppla, mein alter Freund Gerd! Was jetzt? Gar nicht antworten? Fragen, wo der Schuh drückt? – Ich dachte mir, komm, gieß mal kein Öl ins Feuer. Er wird sich schon irgendetwas dabei gedacht haben. Also antwortete ich dem sehr geehrten Herrn Dr. Jahn auch mit einem „Hochachtungsvoll“, ohne mir jedoch verkneifen zu können, darauf hinzuweisen, dass ich für gewöhnlich nicht auf Autorisierungen warte, wenn ich Dinge für erzählenswert halte.

Fair geht vor: da Jahn zufolge weder Inhalt noch Verlauf des Gesprächs in der von mir beschriebenen Form stattgefunden (hat), habe ich ihm Gelegenheit eingeräumt darzulegen, was wir denn wirklich besprochen hatten. – Doch Herr Dr. Jahn antwortete nicht.

Die Quintessenz ist richtig; ansonsten heißt es: „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“! Und wenn man jetzt schon sozusagen genötigt wurde, nicht umstandslos mehr auf das Nichtsehen und Nichthören verweisen zu können, dann sagt man zumindest nichts. Das gilt für Alle! Vielleicht außer für den Jahn; der hat den Schwarzen Peter. Und wenn der so dusselig ist, und dem Jurga etwas sagt …

Seine Sache, fast möchte man meinen: Privatsache. Aber ansonsten halten alle Affen dicht. Die ganze Verwaltung. Augen, Ohren, Münder – alle fest geschlossen. Auch für die Parteien gilt: die Reihen fest geschlossen. Kein Statement, nichts dergleichen. Die Lokalpresse – ebenfalls fest verrammelt im Affenhaus. Kein Mucks, still geblieben; das sitzen wir aus!

Wikipedia weist noch darauf hin, dass die drei Affen in der westlichen Welt einen Bedeutungswandel durchgemacht haben: „Während die drei Affen in Japan eigentlich die Bedeutung ,über Schlechtes weise hinwegsehen` haben, werden sie in der westlichen Welt eher als ,alles Schlechte nicht wahrhaben wollen` interpretiert. Aufgrund dieses negativen Bedeutungswandels gelten die drei Affen daher häufig als Beispiel für mangelnde Zivilcourage.“

Bei den meisten in der Duisburger Verwaltung, Politik und Presse treffen die drei Affen, die in unserem Kulturkreis beispielhaft für mangelnde Zivilcourage stehen, den Nagel auf den Kopf. Feiglinge im Kartell der Mittelmäßigkeit, ängstlich bibbernd, dass am Dienstag Abend nicht irgendein Heckmeck geschehen möge, der das eigene Kaff abermals über Rhein und Ruhr hinaus mit dem hässlichen deutschen Antisemitismus zusammenbringt.

Doch fragt man sich, warum die Affen sich all diese Peinlichkeiten nicht einfach dadurch ersparen, dass sie sich klar und deutlich von Dierkes´ antisemitischer Hetze distanzieren. Warum beließ es OB Sauerland vor einem Jahr, als Dierkes zum Israelboykott aufgerufen hatte, bei der Anregung, Herr Dierkes solle seine Worte noch einmal überdenken? Warum weist sein Pressesprecher jetzt darauf hin, bei Dierkes handele es sich um einen „aufrechten Mann“? Warum wäre so ziemlich jedem dieser ach so wichtigen Leute Ähnliches über den geifernden Judenhasser zu entlocken?

Kant hatte die Dummheit und die Feigheit als die beiden wesentlichen Untugenden ausgemacht. Damit ließe sich die Ruhe im Duisburger Affenhaus hinlänglich erklären; es sei denn, es gäbe dort auch welche, die klammheimlich mit Dierkes´ Tiraden sympathisieren. Abschließend präsentiert Wikipedia noch eine dritte Bedeutung der drei Affen:

„Bei Strafgefangenen wurden die drei Affen auf drei Punkte reduziert, die in dreieckiger Anordnung auf der Handrückseite in die Kuhle zwischen Daumen und Zeigefinger tätowiert werden. Sie stellen eine Art Ehrenkodex dar und zeigen an, dass an Außenstehende nichts verraten wird.“

Werner Jurga, 13.03.2010

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Eine Geschichte aus New York: Williamsburg – Teil 7: Vom Lagerhaus zum Loft

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Lastwagengaragen bzw.  deren Reperaturwerkstätten gab es in Williamsburg zu Hauf. Die Güter auf den Schiffen an den ehemals florierenden Piers des Industrie- und Arbeiterstadtteils Williamsburg, von denen nur noch der an der Raffinerie in Funktion stand, wurden meistens direkt in die Lastwagen umgeladen und dann zu den naheliegenden Fabriken und Lagerhäusern oder sonstwo in die Stadt gebracht. Mit dem niedergehenden Hafen standen dann neben den Lager- , Ver- und Bearbeitungsstätten auch die Transportergaragen zunehmend leer.

Sie wurden von den kreativen Stadtteilzuwanderern mit viel Fantasie nicht nur zu Musikclubs und Restaurants sondern auch zu Lofts um- und ausgebaut. Ihre Höhe und ihre Fläche waren dazu perfekt geeignet. Die Baubehörden drückten beide Augen zu bzw. wurden sie gar nicht erst informiert. Erst wenn man erwischt wurde wurde nachinvestiert und nachgearbeitet. Vor allem was feuer- und hygienerechtliche Bedingungen betraf. Sanitärtechnisch waren die meisten Lofts zu Anfang auf einem sehr niedrigen Niveau ausgestattet.

Die Landlords waren erst einmal nur an der Miete bzw. überhaupt an Einnahmen interessiert, denn die Buden standen vor der Umnutzung oft viele Jahre leer. Sie spielten das Versteckspiel mit und so konnte so ein Umbau viele Jahre ohne große behördliche Kontrolle existieren. Ich hatte die ersten Jahre viele Monate an der Berrystreet bei S. verbracht und haben dann Leute kennengelernt, die Lofts monatsweise vermietet haben. In einer dieser umgebauten Garagen, was weniger Blick bzw. mehr  Ober- statt Seitenlicht bedeutete, denn die Garagen standen oft mit anderen Gebäuden Seite an Seite in einer Straßenflucht.

Aber da ich sehr  viele Zeit außerhalb des Lofts verbrachte war das relativ egal. Erst recht weil es auch eine wunderbare Dachterrasse für alle Mieter gab. Dort trafen sich alle „Lofties“ am Abend. Die meisten waren Künstler, viel davon aus Europa und später auch aus Asien und Lateinamerika. Die Umgangssprache war natürlich englisch bzw. amerikanisch. Manchmal aber auch Deutsch, den zunehmend hatte es sich auch in meinem Heimatland in einer kleinen Szene rumgesprochen, dass  es in Williamsburg komplette Lofts auf Zeit und zu einem fairen Preis zu mieten gab.

Die weiteren Treffpunkte  waren die Kneipen an und um die Bedford und natürlich unser wilder „Stadtpark“ am Wasser. Kocheinrichtungen gab es die ersten Jahre in den Lofts nur behelfsmäßig so dass man oft zum Essen ausging, was zu diesem Zeitpunkt in der Nachbarschaft sehr günstig war. Es gab zunehmend Auswahl bis man alles an internationaler Küche ein paar Straßen entfernt rauf und runter essen konnte. Und immer noch viel billiger als in Manhattan.

Dort bin ich nur noch zu Mahlzeiten gegangen, wenn ich dort auch unterwegs war und natürlich wegen meiner Freundin J. die sich standhaft weigerte außerhalb von Manhattan Nahrung zu sich zu nehmen, wie sehr ich ihr auch immer Williamsburg anpries. Da die Tangoszene und ihre Lokalitäten sich ebenfalls in Manhattan konzentrierten und noch konzentrieren, und natürlich die Shoopingmöglichkeiten dort insgesamt tausend Mal größer waren, war ich  gleichzeitig  „Brooklinite“ und „Manhattanie“ geworden. Ich kannte allerdings nach einiger Zeit auch die anderen Stadteile wie meine Westentasche, denn ich fuhr von  Anfang an in dieser Stadt leidenschaftlich gerne Fahrrad. Aber das ist eine andere Geschichte.

Viele meiner sporadischen Mitmieter in unserem Loftkomplex hatten, wie die meisten der  dauerhaften Zuzügler, diesen Stadtteil ja ausgewählt, weil er so nahe an Manhattan lag, viel billiger war  und zunehmend ein attraktives kulturelles Eigenleben entwickelte. Viele der Künstler arbeiteten in Ermangelung ihres Erfolges in einem ganz normalen Job in Manhattan. Meistens als Hilfskräfte, manche aber  auch in einem qualifizierten Job. Taxifahren war ebenfalls einer der bevorzugten Verdienstmöglichkeiten. Eine ebenso häufige Tätigkeit war, vor allem für das ganz schnelle Zwischendurchverdienen das „Artmoving“.

Die vielen Galerien und Museen in Manhattan setzen mit Vorliebe junge noch nicht erfolgreiche Künstler als Schlepper- und Transporteure von Kunstwerken ein, weil sie davon ausgingen, dass diese sozusagen naturgemäß vorsichtiger mit dem umgingen was sie zu tragen oder sonstwie zu bewegen hatten. Es gab sogar eine Agentur, die in Williamsburg die schnelle Verbindung zwischen den dortigen Künstlern und den Auftraggebern in Manhattan organsierte. Handys waren zu dieser Zeit noch nicht sehr verbreitet bzw. für die meisten Künstler zu teuer. Festnetz , Kneipe, Straße und Park  waren die vorrangigen Kommunikationsmedien respektive Orte.

Roofpartys waren bei entsprechendem Wetter die fünfte große Interaktionsform. Die Szene lud sich dort gegenseitig ein, es gab zunehmende Unterszenen und immer neue Clubs- und Restos als Treffpunkt, aber alles immer nur jeweils einen Steinwurf voneinander entfernt. Bis später auch die Galerien zu beliebten Meetingpoints wurden.

Danach kamen in einem  noch größerem sozialen Maßstab die ersten gemeinsamen Art- und Musikfestivals dazu,  die die Stadtteilszene gemeinsam organisierte.  Alles erfahren konnte man in den Szenezeitungen die zu Anfang monatlich, dann aber wöchentlich erschienen und fast an jedem Treffpunkt auslagen. Aber mittlerweile auch, was die größeren Events betraf, in „Time Out“ und „Village Voice“, den angesagten Programm- und Szenemagazinen Manhattans.

An den Wochenenden kamen dann zunehmend so viele Besucher aus der restlichen Stadt und aus Manhattan dazu, so dass sich spezielle In-Kneipen ausbildeten, wo die Szene unter sich bleiben wollte und konnte.  Entweder gab es einen bestimmten Dresscode und andere äußere Zeichen oder sie lagen weiter von der Bedford weg als üblich. Oder man traf sich wieder wie früher in den Lofts selbst und feierte dort.

Die erfolgreichen Kreativen hatten meistens auch die Größten und deswegen am besten zum Feiern geeigneten. Die Unterschiede innerhalb des Loft-Lifestyles nahmen, was Ausstattung, Ausdehnung und Lage betraf damit auch zu. Der eigene und dauerhafte spektakuläre Blick auf Manhattan war jetzt auch innerhalb der Szene das äußere Zeichen des Erfolgs. Damit nahm unweigerlich  auch die Wohnkonkurrenz innerhalb der Szene zu.

Es gab jetzt, wo der Stadtteil hip wurde, das Loft nicht nur als besonderen Arbeitsort sondern auch als  neues Statussymbol, vor allem wenn man noch erfolgreichere Kreative aus dem nach wie vor unerreichbaren Manhattan beeindrucken wollte. Die Landlords wussten das natürlich und die Kauf- und Mietpreise für diese Räume stiegen an.  Entsprechend entstanden die ersten nur auf Williamsburg fokussierten Immobilienbüros.  Natürlich an der  Bedford und Umgebung. Zu Anfang kleine Butzen im Souterrain, dann immer protzigere Läden mit einer großen  mit vielen Angeboten bestückten Fensterfront.

Die Leute die mein Loft umgebaut und vermietet hatten waren so klug gewesen für den ganzen Komplex von vorne herein einen langfristigen Vertrag  abzuschließen. Die, die das nicht getan hatten, wurden sehr bald mit ersten Mieterhöhungen konfrontiert, die, wenn sie sie nicht bezahlen konnten, unweigerlich zum Auszug führten. Mit dem vorhandenen Mietbudget musste man dann den guten Lagen in W-Burg entsagen und sich woanders eine neue Bleibe suchen. So wurden auch die Teile von L-City von den Zuzüglern infiltriert, die bislang davon verschont worden waren, was wiederum dort die Mieten tendenziell steigerte.

Damit war die friedliche Phase der Gentrification zu Ende. Jetzt  kamen nicht mehr Leerstände  und untergenutzte Räume ins Spiel sondern schon bewohnte. Die Verdrängung der angestammten Bewohner begann.  Hierzu weiter in den nächsten Folgen.

Was bisher geschah:
Die Willamsburg Story I…Klack

Die Willamsburg Story II…Klack

Die Willamsburg Story II…Klack

Die Williamsburg Story IV…Klack

Die Williamsburg Story V…Klack

Die Williamsburg Story VI…Klack

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Paralympics V: Gold für eine blinde Biathletin auf der Suche nach Vertrauen

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Verena Bentele steht dort in ihrer dünnen Wettkampfkleidung, ohne Handschuhe, ohne Mütze. Sie hat mit drei Fernsehsendern gesprochen und mit dem Radio. Jetzt wollen auch noch Nachwuchsreporter von der Paralympics-Zeitung ein Zitat bekommen. Aber Verena Bentele friert. Die blinde Biathletin hat am ersten Tag der Spiele, bei ihrem ersten Start für Deutschland das erste Gold gewonnen. Es ist das achte Paralympics-Gold ihrer Karriere. Sie soll der deutsche Star dieser Spiele werden. Doch wenn sie krank wird, wird daraus nichts. Deshalb ist jetzt erstmal Schluss mit Interviews.

Am Abend, nach der Medaillenvergabe auf der Medal Plaza in Whistler, ist der Andrang noch größer. Im deutschen Haus wird Bentele mit Jubel empfangen und obwohl aus Deutschland nur etwa ein Dutzend Medien bei den Paralympics vor Ort sind, ist der Andrang enorm: Blitzlicht, eine kurze Pressekonferenz, wieder Blitzlicht. Eine Unterschrift, ein weiteres Foto, noch eine Gesprächsrunde. Verena Bentele wird herumgereicht.

Schließlich geht es in den Nebenraum zum ZDF-Interview. Wieder hat jemand noch Fragen, die er nicht stellen darf. Diesmal ist es n-tv. In Whistler reißen sich an diesem ersten Wochenende alle um Verena Bentele. Ihre Geschichte ist einfach zu gut, als dass sie nicht erzählt gehört. Dabei dreht sich Verena Benteles Geschichte gar nicht um Verena Bentele allein. Sie dreht sich ganz entscheidend auch um Thomas Friedrich. Der ist ihr Begleitläufer und vermutlich der Hauptgrund dafür, dass Bentele bei diesen Spielen überhaupt am Start steht.

„Heute vor einem Jahr“, sagt Bentele am Samstagabend, „konnte ich mich kaum bewegen. An Sport war gar nicht zu denken.“ Denn Thomas Friedrichs Vorgänger als Benteles Begleitläufer verwechselte bei den deutschen Meisterschaften Anfang 2009 im Allgäu rechts mit links – und schickte die blinde Athletin so in einen Graben. Das Kreuzband riss und Bentele trug schwere innere Verletzungen davon. Später musste gar eine Niere entfernt werden.

Um überhaupt wieder Vertrauen zu können, benötigte sie einen Begleitläufer, den sie seit Jahren kennt. Thomas Friedrich ist seit einem Jahrzehnt ein Freund der Familie und führte schon Verenas Bruder Michael Bentele bei den Paralympics in Salt Lake City und Turin. Im Sommer taten sich die beiden für Vancouver zusammen – und es funktionierte auf Anhieb. Dabei brauchen Athlet und Begleitläufer laut Friedrich eigentlich bis zu zwei Jahre, um perfekt zu harmonieren.

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Bei Bentele/Friedrich ging alles viel, viel schneller. 150 Tage haben sie seit dem vergangenen Sommer zusammen verbracht. Friedrich ist dafür extra von seiner Arbeit freigestellt worden. In den ersten drei Monaten dieses Jahres war er insgesamt nur zehn Tage im Büro. Doch nach Vancouver ist Schluss damit. Friedrich hat Familie und die Begleitung Benteles von Anfang an beschränkt. Es ist unwahrscheinlich, dass die 28-jährige Bentele nach diesen Spielen, bei denen sie gute Medaillenchancen in all ihren fünf Entscheidungen hat, weitermacht. Sie will sich nicht noch einmal auf einen neuen Begleitläufer einstellen müssen. Die Suche nach Turin war zu beschwerlich. Selbst Zeitungsannoncen und Steckbriefen an ihrer Uni brachten keinen Erfolg. Nur über persönliche Kontakte kam Bentele an scheinbar geeignete Kandidaten. Doch vor Friedrich erlebte sie zwei Reinfälle, einer davon folgenschwer. Das soll nie wieder passieren.

Nach den Paralympics wird Bentele an der Uni München ihre Magisterarbeit mit dem naheliegenden Thema „Die Gestaltung von Büchern in Hörbuchfassung“ schreiben. Doch bevor es so weit ist, will sie in Whistler noch einige Erfolge sammeln. Die nächste Chance auf Gold hat sie heute Abend ab 20 Uhr MEZ über 15 Kilometer Langlauf in freier Technik. Benteles Lieblingsdisziplin. Es wäre nicht verwunderlich, müssten danach wieder einige Medienvertreter auf ihre Interviews warten.

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Kurz ein paar Worte zum Biathlon von blinden Sportlern: Blinde Sportler bekommen bei den Wettbewerbern einen Begleitläufer zur Seite gestellt, der vorweg fährt und Kommandos zuruft. Es gibt drei Schadensklassen für blinde Wintersportler. B1 – der Athlet sieht gar nichts mehr – und die beiden Abstufungen B2 und B3 für mehr oder minder sehbehinderte. Geschossen wird beim Blinden-Biathlon mittels eines akustischen Signal. Der Sportler bekommt einen Kopfhörer auf und schießt mit einem Infrarot-System nach Gehör. Er bekommt das Gewehr vorher bereit gelegt und wird von seinem Begleitläufer dort hingeführt.

Die Fotos sind von mir.

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Ruhrpilot – Das Navigationssystem für das Ruhrgebiet

pinkwart_pkNRW: Pinkwart will 10 + X…Welt

NRW II: Westerwelle will sich nicht beirren lassen…Welt

NRW III: Kraft  will höhere Hartz IV-Regelsätze…Spiegel

Steuern: Diät für den Mittelstandsbauch…Sprengsatz

Dierkes: German politician belittles Holocaust…Jerusalem Post

Medien: Schüler müssen auf Abos warten…Kress

RRX: Es fährt ein Zug nach irgendwo…Welt

Ruhr2010: “Man weiss nie, wo man gerade ist”…NZZ

Umland: Revervoir Dogs…Zoom

Israel: Gefährliche Siedlungspolitik?…xtranews

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Vom schwierigen Weg in die Formel 1

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Die Formel 1 gilt als das höchste, was ein Motorsportler erreichen kann. Am morgigen Sonntag startet die neue Saison. Mit Michael Schumacher, Sebastian Vettel und fünf weiteren Deutschen. Es fahren die 24 besten Fahrer der Welt um die Krone ihres Sports. Aber sind es wirklich die besten Fahrer? Wie Geld und die richtigen Kontakte bestimmen, wer in der Formel 1 starten darf.

Wenn am Sonntag ab 13 Uhr ein Millionenpublikum zusieht, wie in Bahrain die neue Saison beginnt, dann sitzt David Hemkemeyer vermutlich in seinem kleinen Studentenzimmer in Peking und lernt. Vielleicht wird im Hintergrund der Fernseher laufen und wenn der 24-Jährige dann hochguckt, dann kann er sehen, was aus ihm hätte werden können. Denn David Hemkemeyer ist der erfolgreichste deutsche Kart-Fahrer, den es jemals gab. Er war zweifacher deutscher Meister und Europameister. So gut war nicht einmal Michael Schumacher. Jetzt sind Fahrer ganz oben, die im Kart nur seinen Auspuff zu sehen bekamen. Und den meist ziemlich klein.

Wenn man David und seinen Vater Theo Hemkemeyer reden hört, könnte man denken, die beiden sind frustriert. Frustriert, weil andere geschafft haben, was ihnen nicht gelang. Nachdem der damals 17-jährige David im Jahr 2002 die Kart-EM gewonnen hatte, wollte er mit einem Schweizer Team die Kart-Weltmeisterschaft fahren. Die Schweizer zogen Familie Hemkemeyer, die selbst einen Kart-Service in Rinkerode – südlich von Münster – besitzt, über den Tisch. Die Saison war gelaufen. Zum Jahresende fuhr David mit Unterstützung des deutschen Motorsport-Bundes drei Formel 3-Rennen. 20.000 Euro zahlten die Hemkemeyers, ein Sonderpreis. Zunächst fehlten David – ohne einen einzigen Test – fünf Sekunden pro Runde auf die Spitze, im dritten Rennen nur noch eine halbe. Im Motorsport gilt derjenige als besonders talentiert, der schnell ist, ohne zu trainieren.

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“Es wäre kein Problem gewesen, in der Formel 3 ganz vorne mitzufahren”, sagt David deshalb. Dennoch fand sich kein Sponsor, der den talentierten Nachwuchsfahrer unterstützen wollte. Zwei Kart-Saisons später beendete Hemkemeyer seine Karriere und konzentrierte sich auf sein Abitur. “Im Motorsport”, da sind sich Vater und Sohn einig, “geht es am wenigsten ums Fahren.” Der Rinkeroder war bei den wichtigen Leuten nicht beliebt genug. Jetzt studiert er in Aachen und Peking Maschinenbau.

Besser hat es Sebastian Vettel gemacht. Als Hemkemeyer 2002 neben der Kart-EM auch seinen zweiten nationalen Titel gewann, landete Vettel im selben Wettbewerb neun Plätze hinter ihm (hier der Saison-Endstand als PDF). Der 22-Jährige Vettel galt im Kart als engagiert und talentiert, aber nie als Überflieger. Den Unterschied zu Hemkemeyer machte Vettels Berater: Gerhard Noack. Der Kerpener hat nach eigener Aussage weltweit die meisten Fahrer vom Kartsport in die Formel 1 gebracht. Er förderte neben Vettel auch Michael und Ralf Schumacher mit privatem Geld. Zudem lernten Nick Heidfeld und Heinz-Harald Frentzen auf seiner Kartbahn in Kerpen das Fahren. Nicht umsonst kommen viele deutsche Formelsportler aus dem Rheinland. (Im Übrigen sind auch die Fahr-Fotos dieses Beitrags in Kerpen entstanden).

Für Noack ist das Kart immer noch die Grundschule des Motorsports. “Wer nicht Kart fahren kann, wird nicht erfolgreich”, sagte er (vor mittlerweile einem Jahr, damals für Zeit-Online) den Ruhrbaronen. Umgekehrt gilt das aber nicht: Wer Erfolg im Kart hat, wird noch lange kein Formel 1-Fahrer. “Ein Rennfahrer muss außerdem interessant sein, ein echter Typ. Er muss mit den Medien umgehen können und die Sponsoren müssen ihn mögen”, sagt Noack. Talent haben viele, ganz nach oben schaffen es die wenigsten. „Leider scheitern viele schon früh, weil sie einfach kein Geld haben. Heutzutage ist der Aufstieg wirklich extrem schwer. Viele unterschätzen das immer noch“, sagte damals auch Sebastians Vater Norbert Vettel. „Und es wird immer teurer.“ Den Umstieg vom Kart in die Formel-Klassen hätte Sebastian Vettel laut Vater Norbert heute nicht mehr geschafft. „Das erste Jahr Formel BMW haben wir schon damals nur mit Hängen und Würgen hingebracht.“

Um nach ganz oben zu kommen, muss ein Motorsportler alles opfern. Und selbst das reicht nicht aus. Bei Sebastian Vettel hat sogar der Großvater seine Brieftauben verkauft, Vater Norbert und Mutter Heike steckten den Gewinn der familieneigenen Zimmerei in Sohnemanns Karriere. Einziges Hobby waren der kleine Basti und sein Kart. Auch die drei Geschwister steckten zurück. Mit drei Jahren raste Vettel im selbstgebauten Vehikel erstmals über das bucklige Pflaster des elterlichen Hofs im kleinen Heppenheim an der Bergstraße. Rechtskurve, wenden, Linkskurve, wenden. Immer und immer wieder. Schön zu sehen ist das in einer alten 37°-Reportage des ZDF, die David Hemkemeyer und Sebastian Vettel als damals noch unbekannte Kart-Verrückte Kinder portraitiert. Vettel war damals acht oder neun Jahre alt. Leider ist die Reportage nicht online verfügbar. Im Alter von zehn Jahren übernahm dann Gerhard Noack. Der richtige Kontakt zur richtigen Zeit bedeutet im Motorsport die Karriere.

Wer im Kart Erfolg hat, braucht laut Schumacher-Entdecker Noack im Schnitt noch etwa 2,5 Millionen Euro bis in die Formel 1. Zwei Jahre Formel BMW, zwei Jahre Formel 3, ein Jahr GP2-Serie. In dieser Zeit steigt der Druck von Jahr zu Jahr. Dabei zerbrechen schon im Kartsport, wo eine Saison fünfstellige Summen verschlingt, viele an den psychischen Belastungen. Auch Familie Vettel dachte oft darüber nach, aufzugeben. „Es gab viele Momente, wo ich gedacht habe: Das reicht, ich lasse mir mein Kind nicht kaputt machen“, sagt Vater Norbert Vettel. Jetzt ist sein Sohn Deutschlands neuer Schumacher, Vize-Weltmeister, Superstar – die Opfer haben sich gelohnt.

David Hemkemeyer kennt dagegen kaum jemand. Aber der 24-Jährige ist auch ohne Formel 1 glücklich. Obwohl er sich bei Fahrfehlern von Niko Rosberg oder Adrian Sutil immer noch die Haare rauft, hat er Abstand gewonnen zum Formel-Zirkus. In Peking macht er ein Auslandsjahr, vielleicht fährt er zum Formel 1-Rennen nach Shanghai oder Kuala Lumpur. Aber nur vielleicht, das Studium geht vor. Nächstes Jahr macht Hemkemeyer sein Diplom an der RWTH Aachen, später einmal will er im Automobilbereich arbeiten. Aber nicht im Motorsport. Da ist er vorgeschädigt.

Der Text ist in gekürzter, unverlinkter Form bei ZDFonline und in der Neuen Osnabrücker Zeitung erschienen. Ein Interview mit Sebastian Vettels Vater Norbert aus dem Vorjahr zum selben Thema findet sich auf Zeit-Online.

Die Fotos sind von mir, das Rennbild aus dem Jahr 2004, das Portrait im Rennanzug im Kart-Service seines Vaters Theo Hemkemeyer in Rinkerode aus dem Jahr 2005.

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Parteichef oder Außenminister – Ein Rücktritt ist muss.

westerwelle_public_domainParteichef, Vizekanzler, Außenminister, Bundestagsabgeordneter: Von einem dieser Jobs wird sich Westerwelle trennen müssen, wenn er nicht scheitern will. Und er muss sehr schnell lernen, sein Partei- und Privatleben vom Amt zu trennen.

Der Außenminister ist normalerweise einer der beliebtesten Politiker Deutschlands. Die Gründe dafür liegen in seiner geringen innenpolitischen Bedeutung: Außenminister sagen schwerstichtig klingende Sätze in Mikrofone, äußern sich mit Bedacht zu Konflikten, die die meisten Bürger nicht direkt betreffen und tun vor allem nichts, was die eigener Bevölkerung gegen sie aufbringt: Sie erhöhen keine Steuern, sie kürzen keine Sozialausgaben und sie wollen keine Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Autobahnen.

Selbst der blasse Kinkel war beliebt. Von Stars wie Fischer, Brandt und Genscher ganz zu schweigen. Außenminister stehen immer ein wenig über den Parteien – zumindest seit den Ostverträgen.

Mit dem Job des Parteivorsitzenden verträgt sich das nicht: Der muss polarisieren, die Konturen seiner Partei scharf herausstellen und sich als Generalist zu allen denkbaren Themen äussern.
Eine allzu große Nähe zur Partei passt nicht zur staatstragenden Aura des  Aussenministers. Man kann nur einen der beiden Jobs richtig machen: Kinkel war eine Null als Parteivorsitzender, Fischer interessierte sich für seine Partei überhaupt nicht und Steinmeier war der wohl windelweichste Kanzlerkandidat aller Zeiten.

Westerwelle will beides machen und stößt an seine Grenzen. Er ist ein Terrier, im Auftreten noch immer mehr Generalsekretär als Parteivorsitzender. Er polarisiert und sucht den Konflikt. Immer. Westerwelle ist alles, nur kein Diplomat. Will er einer werden, muss er sich vom Parteivorsitz trennen. Ein Außenminister darf auch keine Parteispender bevorzugen. Er muss die Interessen Deutschlands vertreten und  nicht die ihm lieb gewonnener privater oder politischer Freunde.
Das Westerwelle die Kritik an sich als infam bezeichnet ist albern.
Wie groß wäre der Aufschrei gewesen, wenn Fischers Frau ihn auf Dienstreisen begleitet und die Gelegenheit zur Schaffung von Geschäftskontakten genutzt hätte? Nein, Westerwelle hat keinen Grund sich über die Kritik an sich und seiner Amtsführung zu beschweren.

Als Parteivorsitzender kann man anders agieren als ein Minister, solange es offen geschieht. Der Wähler kann sich dann ja entscheiden, ob er einer solchen Partei vertraut oder nicht. Westerwelle ist nicht der Außenminister der FDP, er ist der Außenminister der Bundesrepublik. Versteht er das nicht, ist er für dieses Amt nicht geeignet. Ohnehin hat man das Gefühl, dass da einer auf der Karriereleiter mindestens eine Sprosse zu hoch geklettert ist. Das Peter Prinzip – es könnte auch Guido Prinzip heißen.

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Ruhrgebiet: Wer wird was?

rotgruenkoalitionrvrIn der  Rot-Grünen Koalition im Ruhrparlament hat die Diskussion um das Führungspersonal des Ruhrgebiets begonnen.

Eigentlich wollte die Rot-Grüne Koalition in Ruhe die Landtagswahl abwarten und dann ganz entspannt die Personalfragen des kommenden Jahres besprechen. Durch den Tod des Chef-Wirtschaftsförderers des Ruhrgebiets, Hanns-Ludwig Brauser, hat sich die Personaldiskussion nun beschleunigt. Neben einem Nachfolger für Brauser müssen sich SPD und Grüne auch noch auf Nachfolger für den RVR-Regionaldirektor Heinz Dieter Klink und die Dezernenten Thomas Rommelspacher (Grüne) und Dieter Funke (SPD) einigen. Auch soll eine neuen Kulturabteilung als Nachfolger der Ruhr2010 GmbH aufgebaut werden und auch die braucht einen Chef.

Grüne und SPD wollen sich möglichst diskret einigen und lange Personaldiskussionen vermeiden. Beiden Parteien wäre eine Paketlösungen am liebsten. Wer wird am Ende in diesem Paket stecken? Diese Frage ist nicht nur die wichtigste der gerade begonnenen Legislaturperiode des Ruhrparlaments, sie wird auch zeigen, wie ernst es den beiden Parteien mit der vollmundig verkündeten Stärkung des RVR und der Zusammenarbeit im Ruhrgebiet ist.

Vor allem die Posten des Chefs der Wirtschaftsförderung und des Regionaldirektors sind entscheidend.

Der nächste Regionaldirektor, so hört man aus beiden Parteien, soll nicht wieder so eine Null wie der jetzige Amtsinhaber Heinz-Dieter Klink (SPD) werden. Der war vom damaligen Dortmunder OB, Gerhard Langemeyer (SPD) auf den Posten bugsiert worden. Langemeyer wollten einen möglichst schwachen RVR-Chef und Klink war dafür der Richtige: Völlig ambitionslos, mit mäßigem Arbeitseifer und ohne eigene Ideen machte Klink brav was man ihm sagte. In seiner Amtszeit gab es aus dem RVR heraus nicht eine einzige nennenswerte Initiative. Mit jedem seiner Auftritte vor Publikum gelang es Kling zudem sich lächerlich zu machen – und die Region gleich mit.

Aus beiden Parteien hört man, dass ein peinlicher Komplettausfall wie Klink  nicht wieder an die RVR-Spitze kommen soll.  Ein Stadtplaner, so ist man sich einig, wäre nicht schlecht.  Die SPD widerspricht allerdings den Gerüchten, sie hätte sich schon personell festgelegt. Bochums ehemaliger Stadtplaner Martin zur Nedden, im Moment Stadtbaurat in Leipzig, könnte ein Kandidat werden. Oder Ullrich Sierau: Scheitert er bei der OB-Wahl in Dortmund ist es unwahrscheinlich, dass er unter Pohlmann als Dezernent arbeiten würde. Sicher ist das alles aber noch lange nicht.

Schwierig wird auch die Brauser-Nachfolge. Im Moment ist Dieter Funke provisorischer Geschäftsführer. Hanns-Ludwig Brauser war extrem gut vernetzt und in der Lage, Mehrheiten im Ruhrgebiet für seine Projekte zu organisieren. Die gefielen nicht immer allen Wirtschaftsförderern: Das Brauser  Immobiliendaten für das gesamte Ruhrgebiet erheben und veröffentlichen ließ, störte viele, lagen doch Brausers Zahlen zum Teil deutlich unter den von den Städten veröffentlichten.  Klar ist, dass keiner der Wirtschaftsförderer der drei großen Ruhrgebietsstädte Dortmund, Duisburg und Essen den Posten haben will.  Unklar ist jedoch, ob die Wirtschaftsförderung überhaupt als GmbH erhalten bleibt oder stärker in den RVR eingegliedert wird, wie es sich manche in der Koalition vorstellen können.

Es kursieren zur Zeit zwei Modelle für die Spitze der Wirtschaftsförderung: Ein direkter Brauser Nachfolger oder derer gleich zwei: Einen Verwaltungsmann für das interne Management und die Zusammenarbeit mit der Politik und einen ehemaligen Manager oder Unternehmer für die Aussendarstellung und den Kontakt mit der Wirtschaft. Bei beiden Modellen kommt es letztendlich auf die künftig handelnden Personen an: Wählt man Männer oder Frauen mit eigenen Vorstellungen und kräftigen Ellenbogen oder einen reinen Koordinator, einen Business-Klink, dessen Agenda die Wirtschaftsförderer der Städte diktieren?

Klar ist, das Ruhrgebiet braucht durchsetzungsfähige Persönlichkeiten mit eigenen Ideen und Ambitionen auf beiden Positionen. Rot-Grün können mit der richtigen Auswahl wichtige Weichen stellen – oder aber zeigen, dass das Gerede von der Stärkung des Ruhrgebiets nicht mehr als heiße Luft ist.

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