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Der Ruhrpilot

NRW Finanzminister Norbert Walter-Borjans Foto:  Birgitta Petershagen

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NRW: Rund vier Prozent Nachschlag für höhere Beamte…RP Online

NRW: In Nordrhein-Westfalen gibt es 412 Internet-Start-ups…RP Online

NRW: Gemeinsames Lernen mit Behinderten verunsichert Lehrer…Der Westen

Debatte: ”Wir müssen den Amerikanern dankbar sein”…Welt

Ruhrgebiet: Xanten ist der erste Luftkurort des Ruhrgebiets…Welt

Bochum: Daniel Paeben ist PBN – mit einem DJ im Bermuda-Dreieck…Der Westen

Dortmund: Dortmunder kämpfen mit Fotobuch gegen Image der Nordstadt…Der Westen

Duisburg: Warum OB Link mit seinem Kunstverbot daneben lag…Der Westen

Duisburg: Feuerwerk begeistert Besucher beim Hafenfest…RP Online

Essen: Stadt kann sich wohl drei Übergangsheime für Flüchtlinge sparen…Der Westen

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Peter Behrens: Geschichten von ‚Trio‘ – Live in Kamen

Peter BehrensErinnern Sie sich an die Band ‚Trio‘ aus den 1980er-Jahren? Häufig als typische ‚Neue Deutsche Welle‘-Combo quasi ‚verschrien‘, war ‚Trio‘ zumindest auf seinen ersten Platten doch deutlich mehr, entwickelte minimalistische Musik zur echten Kunstform.

Am Ende einer wilden Reise durch die frühen Achtziger endete die Reise der 1979 gegründeten Band aus Großenkneten im Jahre 1986.

Peter Behrens war der Schlagzeuger von ‚Trio‘. Zusammen mit `Kralle‘ Krawinkel (Gitarre) und Stephan Remmler (Gesang) prägte Behrens mit seinem legendären Standschlagzeug und der Musik von Trio ein paar Jahre lang die deutsche Musikszene entscheidend mit. Hits wie ‘Da Da Da’ und ‘Anna – lassmichrein lassmichraus’ sind auch heute noch fast jedermann bekannt. Aber auch eher unbekannte Songs wie ‘Los Paul’ erfreuen sich bei Trio-Fans heute noch großer Beliebtheit.

Am Freitag, den 12. September, um 20 Uhr kommt Peter Behrens nun ins Freizeitzentrum Lüner Höhe, Ludwig-Schröder-Str.18, in Kamen. weiterlesen

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Ruhrtriennale: Der Spielplatz ist eröffnet

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Am 15. August startete die Ruhrtriennale 2014 – die letzte Saison von Heiner Goebbels. Den Auftakt um 15 Uhr machte im Duisburger Landschaftspark die Eröffnung des diesjährigen Kooperationsprojektes von Urbane Künste Ruhr und der Ruhrtriennale. Und als wollte das Wetter noch einmal an “Tower – Instant Structure” vom vergangenen Jahr erinnern, regnete es erstmal in Strömen.

Tatsächlich ist “Melt” vom Künstlerpaar Cantoni/Crescenti wieder eine interaktive Installation und noch mehr als “Tower” wird sie erst durch die Benutzung durch die Besucher sinnvoll. Es handelt sich um einen 70 Meter langen niedrigen Steg aus polierten Aluminiumplatten, die beweglich gelagert sind. Zunächst wirkt der Steg wenig beeindruckend und im Vergleich zu der Architektur des Stahlwerkes ziemlich klein. Selbst wenn man Besucher auf dem Steg beobachtet, ist das noch wenig spektakulär. Erst wer selbst auf den Platten steht, merkt die Macht der Vibration, die von jeder eigenen oder fremden Bewegung ausgeht. Bei der Eröffnung war viel die Rede von “Kommunikation”, die dabei entstehe. Das mag etwas hochgehängt sein, da schon bei mehr als zwei Besuchern nicht mehr feststellbar ist, von welchem Besucher die Bewegungen ausgehen, auf die man selbst gerade reagiert. Eine sehr lebhafte Interaktion ist es allerdings auf jeden Fall. Und eine fast sportliche noch dazu. Irgendwo zwischen Busfahren im Stehen und Training auf der Powerplate. Eine poetische Ebene erhält die Arbeit durch den Titel: “Melt” spielt darauf an, dass die polierten Aluminiumplatten sich in den Lichtreflexen, die sie an die umgebenden Gebäude spiegeln, zu verflüssigen scheinen. weiterlesen

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Ruhrgebiet schlägt Stuttgart heute mit 2:0

Der DFB-Pokal. Foto: Robin Patzwaldt

Der DFB-Pokal. Foto: Robin Patzwaldt

Schöner Nachmittag für den Ruhrgebietsfußball heute im DFB-Pokal beim Kräftemessen mit der Stadt Stuttgart. Während der Deutsche Vizemeister aus Dortmund zu einem relativ mühsamen 4:1 (1:0) Erfolg beim Drittligisten Stuttgarter Kickers kam, gelang dem Zweitligisten vom VfL Bochum die Sensation des Nachmittags mit einem überraschend ungefährdeten 2:0 (1:0)-Erfolg gegen den neuerdings von Armin Veh trainierten VfB Stuttgart aus Liga Eins.

Die Dortmunder taten sich, beim Comeback der Nationalspieler Marco Reus und Neven Subotic, vor gut 38.000 Zuschauern in der Stuttgarter Arena, in der sonst eigentlich der große VfB seine Heimspiele bestreitet, gegen die Kickers lange schwer. Auch das zwischenzeitliches 2:0 in Halbzeit zwei sollte nicht zur Nervenberuhigung bei den Dortmunder Fans reichen. Der Anschlusstreffer der Kickers sorgte kurzzeitig für Verunsicherung im Lager Schwarzgelben. Dem Gabuner P.-E. Aubameyang war es schließlich zu verdanken, dass dieser mit seinem zweiten Treffer des Nachmittags in der 77. Spielminute mit seinen Treffer zum 3:1 für die Vorentscheidung zugunsten der favorisierten Klopp-Truppe sorgte. Das ganz große Zittern ersparten sich die Ruhrgebietskicker somit. Die weiteren Treffer für den BVB erzielten Mkhitaryan (30.) und kurz vor Schluss Adrian Ramos (87.). weiterlesen

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Bochum: 500 gegen Islamisten-Terror

2014-08-16 13.30.14In Bochum haben heute Mittag, symbolisch um fünf nach Zwölf, über 500 Menschen gegen den Terror des “Islamischen Staates” demonstriert. Die Demo wurde organisert von Farat Toku, der füher unter anderem für Wattenscheid 09 und Preußen Münster Fußball spielte, und der Yezidischen Gemeinde in Bochum.  Nach Tokus Angaben Leben in Bochum etwa 300-400 Yeziden. Auf die neuerlichen Bedrohungen gegen Yeziden in Herford angesprochen fordert Farat Toku, dass “der deutsche Staat durchgreift, und den Angreifern klare Grenzen setzt.” weiterlesen

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“Anelka – Der Hund, der um die Ecke pupsen kann”

Adobe Photoshop PDFAnelka? Der Name kommt Ihnen bekannt vor? Das kann gut sein. Nicolas Anelka ist ein 1979 geborener französischer Fußballspieler. Der 69-fache Nationalspieler und Europameister von 2000 war in seiner erfolgreichen Laufbahn in verschiedenen europäischen Topligen bei Spitzenklubs erfolgreich.

Anelka heißt aber auch der Kromfohrländer (eine noch relativ unbekannte, neue Hunderasse) der Sportjournalistin Jessica Kastrop. Und um diesen soll es hier, merkwürdiger Weise werden Sie vielleicht sagen, gehen. Sportfans werden sich vielleicht noch an seine Auftritte in der Sky-Fernsehsendung ‚Samstag live‘ ab dem Herbst 2010 erinnern, als ‚Anelka‘ dort u.a. eine feste Rolle als ‚Orakel‘ für anstehende Fußballspiele in der Bundesliga einnahm.

Seit wenigen Wochen gibt es nun das Buch „Anelka – Der Hund, der um die Ecke pupsen kann“ auf dem Markt, welches die 40-jährige Sky-Journalistin zusammen mit dem Ruhrbarone-Lesern wohl spätestens seit dem von meinem Kollegen Sebastian Bartoschek vor wenigen Wochen mit ihm geführten Interview bekanntem Künstler Peter ‚Bulo‘ Böhling veröffentlicht hat. weiterlesen

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Ich kann das Wort Gott einfach nicht mehr hören

Michelangelo: Die Erschaffung Adams Lizenz: Gemeinfrei

Michelangelo: Die Erschaffung Adams Lizenz: Gemeinfrei

Verzeiht mir liebe Gläubige, aber ich kann das Wort Gott einfach nicht mehr hören. Seit dem es Menschen bei jeder sich bietenden Gelegenheit durch die Gegend brüllen, die nichts anderes als Mord und Totschlag im Kopf haben, um einen Staat zu errichten der dieses Wort im Namen trägt, tut es mir weh in den Ohren und verursacht Übelkeit in meinem Magen.

Gott ist ein Wort das offensichtlich alles ermöglicht, ein  Schlüsselbegriff zu jeder Art von Gräueltat,  Menschenverachtung und Unrecht. Alles was es jemals sonst noch bedeutet hat erblasst hinter dem was die sogenannten Gotteskrieger damit machen. Es steckt offensichtlich etwas in ihm drin, das solche Menschen unausweichlich anlockt es zu benutzen. Dass ihre Augen zum geradezu irren Erglühen und ihren Geist zu jeder Art von Wahnsinn bringt, wenn sie es, bevorzugt mit den Adjektiven allmächtig, allwissend, einzig und ewig, verwenden.

Alles in allem für einen Atheisten wie mich schon als solche eher bedrohliche Beschreibungen einer Wesenseinheit, die offensichtlich über Menschen herrschen kann ohne zu existieren. Die viele Menschen anscheinend brauchen, um ihrem Leben überhaupt einen Sinn geben zu können. Die ihnen Trost und Freude auf der Erde und die Hoffnung auf ein Weiterleben darüber hinaus macht. Im Himmel, der Hölle oder wo auch immer sie dieses allerhöchste Wesen hin beordert. weiterlesen

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Die Erde bei Nacht – Blick von der ISS


Ein Netzfundstück, welches ich, obwohl schon vor fast drei Jahren hochgeladen, also bereits nicht mehr ganz ‚frisch‘, für so faszinierend halte, dass ich es unseren Lesern hier heute nicht vorenthalten möchte. Auch wenn es der Ein oder Andere vielleicht schon kennt.

Wunderbare Bilder, die einem mal wieder klar machen, wie schön unser Heimat-Planet eigentlich ist und wie unwichtig wir hier als Einzelpersonen sind, auch wenn sich manch ein Zeitgenosse vielleicht immer noch für besonders bedeutend und mächtig hält. ;-) Schönes Wochenende!

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[Bilderrätsel Revival Nummer 15]

Einen wunderschönen Samstagmorgen wünsche ich allen unseren Lesern :)

Es ist wieder Rätselzeit …und auch das letzte wurde von Thorsten erfolgreich gelöst:

#1 | Thorsten Stumm sagt am 9. August 2014 um 10:37 |

Das ist ein Ladegerät für einen Canon Kameraakku…bei meiner Eos 5 sieht der jedenfals genauso aus….

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Das ist unser neues Bilderrätsel und vergeßt nicht nach Köln zu fahren.

>Gamescom Kartenkontingent begrenzt!Vorher erkundigen!

>Videodays  Kartenkontingent begrenzt!Vorher erkundigen!

>Gamescom City Festival  freier Eintritt!

Habt Spaß!

;O)

 

 

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Ein Abend mit Degenhardt. Teil 2: Leben, Singen, Kämpfen.

Für die Ruhrbarone traf sich Julius Hagen mit dem Düsseldorfer Rapper Degenhardt und sprach mit ihm über Pornographie und die Liebe, eine Jugend zwischen Stasi-Knast und Punkrock, drogeninduzierte Psychosen und den alltäglichen Wahnsinn. In Teil 2 der Serie erzählt Degenhardt von der Verhaftung seiner Eltern durch die Stasi und der Familienzusammenführung in einem bayrischen Asylantenheim.

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Degenhardt (früher: Disko Degenhardt) ist –im Slang der Vertriebsmenschen gesprochen- ein erklärungsbedürftiges Produkt. In seiner Lyrik verschmilzt eine Vielzahl doppeldeutiger, politisch aufgeladener Versatzstücke. Einzelne Passagen sind durchwoben von proletarisch angereicherten Slogans: Talent ist was für reich und schön/ Ich steh auf hart erarbeitet. Daneben wird die Stalinorgel aufgestellt. Dieser Eindruck wird in Johnnys Ende wieder ins Gegenteil verkehrt: Wir sind prokapitalistisch/ Also fick dich/ Alles Absicht. Dabei schwingt hintergründig das Unbehagen eines selbsternannten Egonazis in der spätkapitalistischen Konsumwelt mit. Doch noch bevor sich Degenhardts Texte als Ausdruck einer politischen Gesinnung überführen lassen, negiert er die Sphäre des Politischen in Terror Tradition selbst: Ich bin positiv politisch/ Das heißt: Nicht aktiv.

Die Selbstverortung im Widersprüchlichen hat Methode: Wer sich darauf einlässt, erhält einen intimen Einblick in das Spielzimmer eines Dreckskindes aus dem Osten, das vom Durchbruch in Hollywood träumt. Degenhardts Alben klären niemanden auf, wollen nicht belehren, geschweige denn indoktrinieren. Der kommunistische Liedermacher Franz-Josef Degenhardt erzählte in seinen Liedern Geschichten, um politische Statements zu untermalen. Beim neuen Degenhardt erscheint Politik nur noch als das Bühnenbild eines Psychodramas, das mit der Hoffnung seiner Eltern auf eine Zukunft beginnt, die außerhalb der Zielreichweite der Mauerschützen der DDR liegt.

Raider und das MfS

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Auf dem Wohnzimmertisch habe ich -in der Bemühung, mich als Gastgeber zu bewähren- Süßigkeiten und Softdrinks aufgetürmt. Degenhardt greift nach der Flasche Arizona Ice Tea und betrachtet den Aufdruck. „Die Packung ist viel schöner als der Geschmack“ stelle ich fest. „Die ist echt gut. Tolles Produktdesign“ bestätigt Degenhardt mit leuchtenden Augen. Ich will mit ihm über „den Osten“ sprechen, seine Kindheit in Honeckers Arbeiter- und Bauernstaat. „Ich habe mir die Faszination für Verpackungen immer bewahrt.“ sagt er. „Da bin ich dankbar, Ossi zu sein. Ich steh immer noch vorm Schnapsregal und denk mir: Das sieht wunderschön aus! Du kannst dir das nicht vorstellen. Ich kannte kein Produktdesign. Es gab ja keine Werbung im Osten. Du weißt nicht, wie schön Werbung sein kann.

Der Lockruf der Bundesrepublik durchbrach den antifaschistischen Schutzwall schon vor der Wende. Niemand sprach darüber, aber fast jeder DDR-Bürger empfing West-Fernsehen. „Ich bin damals bei einer Freundin in Berlin-Lichtenberg rausgeflogen, weil wir zusammen Werbelieder von Raider aus dem West-Fernsehen gesungen haben.“ Von Lichtenberg aus agierte das Ministerium für Staatssicherheit. „Das Schlimme am Osten war, dass du schon als Kind dachtest, dass du niemandem vertrauen kannst. Du hattest ein Gefühl, wie wenn dir ein beschissener Chef über die Schulter schaut. Du denkst: Der zieht mich ab, der nutzt mich aus, der kontrolliert mich. Und deine Kollegen warten nur auf eine Gelegenheit, dich zu verpfeifen- auch, wenn du nichts falsch gemacht hast. Du spürst die Hinterfotzigkeit um dich herum. Niemand droht dir offen an, dich ins Gefängnis zu stecken. Aber du weißt, dass du in einer heimtückischen Gesellschaft lebst.

Rote Kirschen

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Die Heimtücke des real existierenden Sozialismus schildert Degenhardt in seinem Lied Rote Kirschen. „Meine Eltern haben damals einen Ausreiseantrag gestellt, der von der DDR natürlich geflissentlich ignoriert wurde. Der wird wohl in irgendeinem Papierkorb gelandet sein. Dann haben sie eine andere Fluchtmöglichkeit gesucht und sich mit einem Freund in Ungarn getroffen, der einen Brief an in die Bundesrepublik schmuggeln sollte. Darin stand, dass wir in der DDR festgehalten wurden. Der Freund wurde an der Grenze festgehalten. Der Brief wurde entdeckt. Einen Tag vor dem Geburtstag meiner Mutter sind meine Eltern vom MfS vorgeladen worden. Morgens erzählten sie mir von der Vorladung. Sie hatten Angst. Aber ich war zu jung und habe nichts verstanden.“

Die Eltern kamen nicht heim. Die Vorladung stellte sich als Vorwand für die Inhaftierung heraus. Statt der Eltern betrat ein Hippie mit Latzhose, ein Familienfreund und Systemgegner, die Wohnung. Dieser hatte von der Inhaftierung der Eltern erfahren und brachte Degenhardt in seine Wohnung. In derselben Nacht klingelte die Volkspolizei und fuhr Degenhardt zu seiner systemtreuen Großmutter, die ihm ihr Nähzimmer herrichtete, wo er als Junger Pionier die nächsten Jahre verbrachte.

Über den Verbleib seiner Eltern konnte ihm niemand Auskunft geben. Erst nach einem halben Jahr ließ die Gefängnisleitung erste Briefe zu. „Sie wurden in getrennten Gefängnissen untergebracht. Natürlich in den schwierigsten Haftanstalten. Es war üblich, politische Häftlinge mit den schlechtesten Haftbedingungen zu konfrontieren. Meine Eltern wurden zusammen mit Schwerverbrechern untergebracht. Mein Vater teilte sich das Hochbett mit einem Mörder. In den Gefängnissen gab es noch Wasserzellen. Sie wurden zwar nicht mehr genutzt, es gab sie noch, was man die Häftlinge auch wissen ließ. Ein halbes Jahr lang erfuhren meine Eltern nicht, wo der andere ist. Sie wussten auch nicht, was aus mir wurde. So hat man versucht, sie zu brechen.

Ein unmittelbarer Kontakt zu den Eltern wurde Degenhardt verwehrt. Mit seiner Großmutter packte er Zigarettenpakete, damit die Eltern im Gefängnis zur Existenzsicherung handeln konnten. Über die Haftbedingungen von Republikflüchtlingen erfuhr Degenhardt erst im Nachhinein mehr: „Ich bin mit meiner Mutter zusammen in die Gefängnisse gefahren. Mein Vater berichtet als Zeitzeuge an Schulen über die DDR.

Die Haft dauerte zwei Jahre. Anschließend wurden Degenhardts Eltern als zwei von insgesamt 33.755 politischen Gefangenen von der Bundesrepublik freigekauft. Der Häftlingsfreikauf diente dazu, die klinisch tote Planwirtschaft künstlich am Leben zu erhalten. „Meine Eltern sind Akademiker, Bauingenieure. Sie wurden natürlich sehr gerne freigekauft. Honecker hat auch richtig Kohle bekommen.“ Wenige Jahre vor der Wende betrug der Preis pro Häftling bis zu 100.000 DM. „Sie wurden in denselben Klamotten entlassen, in denen sie inhaftiert wurden.

Um ihren Sohn wiederzusehen, stellten die Eltern vom Westen aus einen Antrag auf Familienzusammenführung, der nach sechs Monaten angenommen wurde. „Ich war zu jung, um alleine über die Grenze zu gehen. Meine Oma war systemkonforme Sozialistin, also war niemand da, der mich rüberbringen konnte. Über zwanzig Ecken fanden meine Eltern dann aber doch jemanden, der mich abgeholt hat.“

Leben, Singen, Kämpfen

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Das Wiedersehen mit den Eltern verarbeitet Degenhardt in der letzten Strophe von Rote Kirschen:

Sie haben dieselben Klamotten an wie vor drei Jahren bei der Inhaftierung
Denn sie haben keine anderen und zur besseren Orientierung
Diplombauingenieure mit dreihundert Mark vom Staat
Verlieren Haus, Familie, Freunde, ihren Sohn an einem Tag
Sie wollten frei sein auch für mich- so etwas musst du dich erst trauen
Sie gaben das, was sie besaßen für das, woran sie glauben
Und jetzt sitz ich hier im Auto und ich kenn sie irgendwie nicht mehr
Ich weiß nicht, was ich sagen soll- drei Jahre sind sehr lange her
Ich weiß nicht, wie es mir geht, mir ist nicht nach Heulen oder Feiern
Wir fahren ins neue Zuhause- von Ostberlin nach Bayern

Den abrupten Systemneustart darf man sich nicht als Seifenoper vorstellen: „Wir lebten mit drei Familien in einer Dreizimmerwohnung in einem Asylantenheim zusammen mit Rumänen, Russen und anderen Flüchtlingen aus dem Ostblock. Als ich eintraf, sah auch ich aus wie ein Ossi und hatte den Geist der DDR aufgesogen. Man hatte mir diese Honecker-Brille verpasst. Sie wurde schnellstmöglich durch eine Brille von der Kasse ersetzt. Das war natürlich nur Kosmetik.

Degenhardt musste nun die Spielregeln der kapitalistischen Gesellschaft erlernen, die er nur aus den Werbespots des Westfernsehens kannte. Ich möchte wissen, wie schnell die Integration dieses innerdeutschen Migranten gelang. Degenhardt erwidert mit einer Anekdote. Sein erster Schultag auf einer Würzburger Hauptschule begann mit der Aufforderung des Lehrers, zur Vorstellung  etwas singen. Der ehemalige Junge Pionier trat vor die Klasse und stimmte das erste Lied an, das ihm einfiel:

Ich trage eine Fahne,
und diese Fahne ist rot.
Es ist die Arbeiterfahne,
die Vater trug durch die Not.
Die Fahne ist niemals gefallen,
sooft auch ihr Träger fiel.
Sie weht heute über uns allen
und sieht schon der Sehnsucht Ziel.

Ich frage, ob er diese Situation so komisch findet wie ich. „Ich habe die klassischen Lyrics, die ich vom System geballert gekriegt habe, völlig frei und in vollster Überzeugung gesungen. Ich habe damals nicht realisiert, was ich da gesungen habe. Das waren halt Volkslieder. Das ist im Nachhinein nicht nur irre komisch, sondern auch verdammt peinlich. Ich habe mich immer dafür geschämt, Ossi zu sein. Als wäre ich behindert. Oder impotent. Früher gab es keine Ostalgie- als Ossi warst du ein Spasti.“ erzählt er. „Ich kann diese Lieder wahrscheinlich besser auswendig als meine eigenen Texte. Ich habe das Liederbuch immer noch. ‚Leben, Singen, Kämpfen‘ heißt es. Den Buchtitel ließ ich mir ins Tschechische übersetzen und auf mein Knie tätowieren.“ Ich stecke eine Zigarette an und scherze, dass der real existierende Sozialismus seinen Bürgern wohl tief unter die Haut ging. Es ist Zeit, zum letzten Themenblock überzugehen. Degenhardt nimmt einen Schluck Arizona Ice Tea. „Du wolltest mit mir noch über meine Drogenphase reden, oder?

Degenhardts Internetpräsenz findet man hier.

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Teil 1 der dreiteiligen Serie widmete sich der Koexistenz von romantischem Kitsch und Perversion.

In Teil 3 berichtet Degenhardt von der Arbeit in der Psychiatrie, seiner drogeninduzierten Psychose und dem schmalen Grat zwischen Kunst und Wahnsinn.

 

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Der Ruhrpilot

Sylvia Löhrmann Foto: Privat/PR

Sylvia Löhrmann Foto: Privat/PR

NRW: Neue Bildungsstudie – NRW schneidet unterdurchschnittlich ab…RP Online

NRW: Länder verklagen den Bund…Merkur

NRW: Offene Kritik am Kurswechsel der Bundesregierung…Frankfurter Rundschau

Debatte: Die Stuhlbeine unter Merkels Amtsschemel…Post von Horn

Ruhrgebiet: “Repräsentative Festivals gibt es genug”…Jungle World

Ruhrgebiet: Warum das Geschäft mit Holi-Festivals im Ruhrgebiet blüht…Der Westen

Ruhrgebiet: Zeltfestival Ruhr – 60.000 Karten sind schon verkauft…Der Westen

Bochum: 700 fünfte Strophen für Grönemeyers „Bochum“ – eine Auswahl…Der Westen

Dortmund: Zoff um ausgeweitetes Radfahrverbot am Phoenix-See…Der Westen

Duisburg: Bis zu acht Flüchtlinge teilen sich ein Zelt…Der Westen

Duisburg: Flüchtlinge – wie macht’s Duisburgs Partnerstadt?…Der Westen

Essen: Mit der Seilbahn in den Krieg…Kölner Stadtanzeiger

Essen: ”Alle wissen, dass es so nicht weitergehen kann”…Welt

Essen: Stadt schafft ein Groß-Asyl auf Probe…Der Westen

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RVR-Parlament: Gutachter fordern Eingreifen des Landes

Haus der Ruhrgebiets

Haus der Ruhrgebiets

Wegen eines schlampigen Wahlgesetztes des Landes wird das Ruhrparlament statt wie bisher 71 138 Sitze haben. Die theoretisch zu besetzenden 163 Sitze können nicht besetzt werden, weil die Listen der Parteien dafür nicht lang genug sind. Ein im Auftrag des Regionalverbandes Ruhr (RVR)  erstelltes Gutachten fordert nun  das Land auf einzugreifen.

Weil die rechte Splitterpartei UBP im Kreistag Recklinghausen genug Stimmen bekam, um einen Sitz im Ruhrparlament zu erhalten, wird dieses  nun massiv vergrössert werden müssen. Durch den Einzug der UBP reichen nun 10.490 statt gut 17.000 Stimmen für einen Platz im Parlament. Um die Verhältnisse zu wahren, müssen nun die anderen Parteien Ausgleichsmandate erhalten.  das würde zu einem Ruhrparlament von 163 statt wie bislang 71 Sitzen führen. Da die Listen der Parteien aber nicht lang genug sind, werden es 138 Abgeordnete sein, die über die Geschicke des Ruhrgebiets mitentscheiden werden.

Die neue Sitzverteilung führt auch dazu, dass es die rot-grüne Mehrheit im Ruhrparlament nicht mehr gibt. Nicht weil die Wähler sie nicht mehr wollen, sondern weil die Liste der SPD nicht ausreicht, um alle Sitze in dem aufgeblähten Parlament zu besetzen.

Für die  vom  RVR als Gutachter bestellten Bonner Juristen Christian-Dietrich Bracher und Imke Schneider der Kanzlei Redeker ist klar: Das Ergebnis spiegelt nicht den Wählerwillen wieder. Das muss es aber, damit die Wahlrechtsgleichheit gewährleistet ist. Der Spiegelbildlichkeitsgrundsatz, nachdem die Zusammensetzung eines Parlamentes das Wahlergebnis wiederspiegeln muss, sehen sie als verletzt an: weiterlesen

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“Selbst Pillepallesender kosten ein Schweinegeld!”

Audiomacher Holger Klein (Foto: Alexander Klink)

Audiomacher Holger Klein (Foto: Alexander Klink)

Holger Klein, Medienmacher. So könnte man verkürzt sagen. Audio-Medienmacher. Sei es im öffentlich-rechtlichen Radio, oder mit seinen Podcast-Produktionen, das gesprochene Wort ist das Metier des 44jährigen Wahlberliners.

Im zweiten großen Sommerinterview zur Zukunft des Journalismus sprach Sebastian Bartoschek mit Klein darüber, was Podcasting ist, was Radio ist – und was das eine mit dem anderen nicht zu tun hat. Außerdem erklärte, wieso es in Zukunft keine Journalisten geben wird.

Sebastian Bartoschek (SB): Hallo nach Berlin.

Holger Klein (HK): N’abend.

SB: Holger oder Holgi, wie Du ja im Internet primär genannt wirst: ich darf bei Holgi bleiben?

HK: Bitte.

SB: Holgi, stell Dich doch mal für diejenigen Menschen da draußen vor, die Dich noch nicht kennen.

HK: Ich bin Holger Klein, bin fast 45 Jahre alt, gebürtiger Kölner, lebe seit etwas über 17 Jahren in Berlin, mache seit über 20 Jahren “was mit Medien”, davon seit über 15 Jahren Hörfunk und seit knapp 3 Jahren produzier ich selber Podcasts, nehme seit 6 Jahren an einem Podcast teil, namens NSFW. weiterlesen

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Not und Elend in Nordrhein-Westfalen

NRW-Ministerpäsidentin Hannelore Kraft (SPD) bekommt von der britische Generalkonsulin Susan Speller ein kleines Lebensmittelpaket überreicht. Foto: Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen / Wilfried Meyer

NRW-Ministerpäsidentin Hannelore Kraft (SPD) bekommt von der britische Generalkonsulin Susan Speller ein kleines Lebensmittelpaket überreicht. Foto: Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen / Wilfried Meyer

Es ist eine der peinlichsten PR-Nummern seitdem die Grünen 2012 mit dem Slogan “Schön, wenn Frauen wieder den Haushalt machen” auf einem Plakat mit Hannelore Kraft (SPD) und Sylvia Löhrmann (Grüne) in den Wahlkampf zogen: Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat beschlossen, Gästen im Regelfall nur noch Leitungswasser anzubieten. Kaffee und Kekse gehören der Vergangenheit an. Ausnahmen müssen dem weiterlesen

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