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Probleme beim „Der Freitag“

freitagVorausgeschickt: ich bin nicht neutral. Es geht um meinen besten Freund in der "Freitag"-Redaktion, den Literatur-Redakteur, zeitweiligen Feuilleton-Chef, zeitweiligen Chefredakteur Ingo Arend. Er streitet sich mit der Freitag-Verlagsgesellschaft, die heute Jakob Augstein gehört, vor dem Arbeitsgericht. Und die Frage, die sich dabei stellt, ist, was das für das politische Projekt "Der Freitag" bedeutet.

Ingo Arend hat mich vor ca. 8 Jahren gefragt, ob ich nicht auch im "Freitag" schreiben wollte. Damals gehörte der einer Gruppe von VerlegerInnen, darunter den Journalisten Wolfgang Storz und Holger Schmale, die ihn vor der Pleite gerettet hatten, eine "operative schwarze 0" schafften, aber die Altschulden nicht wegkriegten, für sie alle ein existenzielles Risiko. Davor hatte und habe ich einen Riesenrespekt und war zu jeder Hilfe bereit. Schreiben hat mir dann vor allem viel Spass gemacht. Ich tat es vorwigend zu medienpolitischen Themen, in einer wunderbar angenehmen und effizienten Zusammenarbeit mit der damaligen Medienredakteurin Barbara Schweizerhof (heute bei epd-Film). Der "Freitag" trat jedoch strategisch auf der Stelle. Zu alte LeserInnenschaft, zu wenig innovative Themen, keine Chance zu aggressiver Expansion (wg. der Altschulden). Da war es für seine VerlegerInnen nur folgerichtig, ihn an einen reichen und publizistisch ehrgeizigen Mann zu verkaufen. Jakob Augstein ist als Miteigentümer des "Spiegel" sehr reich, beim "Spiegel" allerdings überhaupt nicht mächtig, weil er aufgrund des Testaments von Rudolf Augstein dort über keine Sperrminorität verfügt.

Er brachte neue und vernünftige Ideen mit, z.B. Ausbau der Onlinepräsenz, und auch einige neue Leute - die Mehrheit der Alt-Redaktion, auch Ingo Arend, war froh über die neuen Chancen.

Jetzt ist das Projekt in dem Stadium, dass sich die Hoffnungen bisher nicht erfüllt haben. Die Auflage steigt nicht wirklich, viele der dogmatischen Alt-LeserInnen sind sauer über das ganze neumodische Zeugs und die größere politische Diskussionsbreite, nur wenige neue und jüngere wurden hinzugewonnen.

freitagVorausgeschickt: ich bin nicht neutral. Es geht um meinen besten Freund in der „Freitag“-Redaktion, den Literatur-Redakteur, zeitweiligen Feuilleton-Chef, zeitweiligen Chefredakteur Ingo Arend. Er streitet sich mit der Freitag-Verlagsgesellschaft, die heute Jakob Augstein gehört, vor dem Arbeitsgericht. Und die Frage, die sich dabei stellt, ist, was das für das politische Projekt „Der Freitag“ bedeutet.

Ingo Arend hat mich vor ca. 8 Jahren gefragt, ob ich nicht auch im „Freitag“ schreiben wollte. Damals gehörte der einer Gruppe von VerlegerInnen, darunter den Journalisten Wolfgang Storz und Holger Schmale, die ihn vor der Pleite gerettet hatten, eine „operative schwarze 0“ schafften, aber die Altschulden nicht wegkriegten, für sie alle ein existenzielles Risiko. Davor hatte und habe ich einen Riesenrespekt und war zu jeder Hilfe bereit. Schreiben hat mir dann vor allem viel Spass gemacht. Ich tat es vorwigend zu medienpolitischen Themen, in einer wunderbar angenehmen und effizienten Zusammenarbeit mit der damaligen Medienredakteurin Barbara Schweizerhof (heute bei epd-Film).
Der „Freitag“ trat jedoch strategisch auf der Stelle. Zu alte LeserInnenschaft, zu wenig innovative Themen, keine Chance zu aggressiver Expansion (wg. der Altschulden). Da war es für seine VerlegerInnen nur folgerichtig, ihn an einen reichen und publizistisch ehrgeizigen Mann zu verkaufen. Jakob Augstein ist als Miteigentümer des „Spiegel“ sehr reich, beim „Spiegel“ allerdings überhaupt nicht mächtig, weil er aufgrund des Testaments von Rudolf Augstein dort über keine Sperrminorität verfügt.

Er brachte neue und vernünftige Ideen mit, z.B. Ausbau der Onlinepräsenz, und auch einige neue Leute – die Mehrheit der Alt-Redaktion, auch Ingo Arend, war froh über die neuen Chancen.

Jetzt ist das Projekt in dem Stadium, dass sich die Hoffnungen bisher nicht erfüllt haben. Die Auflage steigt nicht wirklich, viele der dogmatischen Alt-LeserInnen sind sauer über das ganze neumodische Zeugs und die größere politische Diskussionsbreite, nur wenige neue und jüngere wurden hinzugewonnen. Der Verleger will rationalisieren. Ingo Arend ist der dienstälteste und damit teuerste Redakteur und ausserdem ja „nur“ für Literatur zuständig. Darum ist er das erste Opfer. Das ist schade. Denn er gehört sicherlich nicht zu den PDS-nahen Eisenärschen in der Redaktion.

In seiner Jugend war er Juso, hat sich aber, weniger politisch als alltagskulturell, im weiteren Leben sehr weit von traditioneller Parteipolitik entfernt, was ihn zu einem sehr angenehm diskussionsfreudigen Mitmenschen und zu einem erstklassigen Kulturjournalisten gemacht hat. Darum ist er als Rationalisierungsopfer beim „Freitag“ besonders schlecht gewählt – meine ich. Das finden auch viele angesehene Schriftsteller wie Christoph Hein, Anett Gröschner und Raul Zelik, in deren illustrer Gesellschaft ich mich als Mitunterzeichner beim Verleger über diesen beabsichtigten Rausschmiss beschwert habe.
Dieser traurige Vorgang könnte die Sichtweise bestätigen, die ich aus Berlin schon oft gehört habe:

Augstein und seine Freunde haben eine Menge modernerer Ideen für den Freitag mitgebracht, aber ihnen fehlt ein eigener politischer Kompass. Schade eigentlich.

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8 Kommentare zu “Probleme beim „Der Freitag“

  • #1
    Jens Kobler

    Ein interessanter Zeitpunkt für mich persönlich: Seit einigen Wochen linse ich beim Zeitschriftenhandel immer gen „Freitag“, schrecke aber vor zweierlei zurück: Das Blatt erscheint mir ideologisch zu sehr auf Linie, zu konservativ, vielleicht auch eine krude Mischung aus sozialdemokratisch und semi-intellektuell (sorry). Das Blatt wirkt viel zu sehr, als wolle man Meinungen festigen, die sich wegen wochenaktueller Einzelphänomene en Detail so und so prägen sollten, aber nicht wie eines, das Diskurs prägt, voranschreitet, agiert statt reagiert. Was aber ganz stumpf abschreckt, ist die unglaubliche Diskrepanz zwischen Auftreten (Layout), Historie (Background) und Inhalten, was auf mich wirkt, als hätte sich da jemand zwischen taz+, Tagesspiegel und SPD/Gewerkschaftsblatt für höhere Etagen ganz übel verlaufen. Kurz: Ich wüsste nicht, welche Einblicke in wessen Gedankenwelt (der „wichtigen“ Parteietagen etc.) mir das Blatt vermitteln sollte, und um mir da einfach Tendenzen meiner Meinung revidieren zu lassen oder andere Meinungen einzuholen… Sorry, zu spät, zu lahm, teils einfach zu irrelevant, auch in der Themenauswahl. Dann lieber einmal die Woche FAZ. Möge mich jemand vom Gegenteil überzeugen! (Die HP, die ich gerade wenigstens einmal besucht habe, reicht dazu jedenfalls nicht aus.)

  • #2
    dr.friedrich schreyer

    ich verstehe nicht, was das Herunterschreiben des Freitags eigentlich soll. Ich lese den Freitag seit einem Jahr und seit 3 Monaten online und kann Ingo Arend nicht als herausragende Größe erkennen.
    Was mir aber zunehmend stinkt, ist das kampagnenartige Vorgehen.
    Ich finde den Freitag – so wie er ist – sehr interessant. Ich bewundere auch die Offenheit von Jakob Augstein.

    Ich empfinde den FREITAG als lernendes System und mir gefällt das. Auch die online-community ist traumhaft im Vergleich zu SZ und DIE ZEIT.

    Aber dieses Austragen Konfikten in anderen Web-Seiten, halte ich für kontraproduktiv. Ich glaube auch nicht, dass man Ingo Arend in seiner arbeitsrechtlichen Situation dadurch hilft.

  • #3
    David Schraven

    Sehr schöner Bericht. Nur eine Frage hab ich. Wie soll ein politischer Kompass aussehen?

  • #4
    Elmar

    Hmm. Beim Freitag soll rationalisiert werden, O.K. Und das schaffen die, indem ein Redakteur entlassen wird? Oder müssen da noch mehr gehen?
    Ich lese den immer mal wieder unregelmäßig ganz gern.

    Und jetzt die doofe Frage:

    Hat der „angesehene“ Schriftsteller Martin Walser da auch unterschrieben?

    *duckundweg*

    Elmar

  • #5
    Dirk Kropp

    Was soll das sein? Ein Bericht? Eine Nachricht? Ein Kommentar.

    Nichts gegen die persönliche Betroffenheit, wenn ein guter Freund von Arbeitslosigkeit bedroht ist.

    Doch was hat das in diesem Blog zu suchen?

    Zudem stellt sich die Frage, ob ein Verleger und Herausgeber sich schon dadurch dikreditiert, dass er reich ist. Sind jetzt automatisch alle armen Verleger gute Verleger bzw. Arbeitgeber?

  • #6
    Martin Böttger

    @ dr.friedrich schreyer
    Ich teile Ihr Lob des Freitag und bin auch heute noch froh, dass Jakob Augstein ihn gerettet hat. Aber ein „lernendes System“ kann Kritik nicht nur vertragen, sondern braucht sie sogar. Schlimmer für ein Medium wäre, wenn sich niemand mehr um es streiten mag. Und Webseiten, auf denen nicht gestritten wird, sind langweilig.
    @ Dirk Kropp
    Reichtum ist kein Vorwurf, sondern eine Eigenschaft. Daraus ergibt sich keine automatische Bewertung. Richtig. Reichtum gibt aber Stärke und Sicherheit – anders, als bei Menschen die arbeiten müssen, um davon ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Ein sehr gegensätzliches Kräfteverhältnis, kein Vorwurf, sondern eine schlichte Tatsache.
    Und: ja, ein Kommentar, kein Bericht, haben hoffentlich alle gemerkt.
    @ David Schraven
    Der Kompass, das ist die schwierigste Frage. Den sollte im optimalen Falle ein „lernendes System“ (s.o.) in einem gemeinsamen Prozess erarbeiten. Wenn ich Zeit habe, versuche ich mal ein Buch drüber zu schreiben 😉

  • #7
    Anja Rauch

    Also, dass sie Kritik vertragen können zeigt bereits, dass dieser Post auf dem Freitag verlinkt erscheint. Auch wenn ich nicht so tief in der eigentlichen Materie drinstecke, die nun die Grundlage für diesen Post bilden, so sehe ich das Ganze grundsätzlich wohl eher wie Dr. Friedrich Schreyer, das offene System und die Community online sind klasse und funktionieren. Plus sie sind neben der FAZ eine der am besten designten (Anglizismus, Entschuldigung) Zeitungen im Print: http://blog.twingly.com/2010/02/17/derfreitag-one-of-the-best-designed-newspapers-of-the-world/.

  • #8
    pmn

    Ich oute mich jetzt mal als Kulturbanause: Was genau trägt Ingo Arend als Kulturredakteur (?) zum Freitag bei? Welchen Stellenwert hat die (Alltags-)Kulturberichterstattung im Blatt?

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