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Religionsstreit an der Uni Duisburg-Essen

Hier kam von linker Seite komischerweise kein Verweis auf zu respektierende religiöse Gefühle: Protest gegen den 1000 Kreuze Marsch in Münster.
Hier kam von linker Seite komischerweise kein Verweis auf zu respektierende religiöse Gefühle: Protest gegen den 1000 Kreuze Marsch in Münster.
Hier kam von linker Seite komischerweise kein Verweis auf zu respektierende religiöse Gefühle: Protest gegen den 1000 Kreuze Marsch in Münster.

Hier kam von linker Seite komischerweise kein Verweis auf zu respektierende religiöse Gefühle: Protest gegen den 1000 Kreuze Marsch in Münster.

An der Uni Duisburg-Essen tobt gerade ein Streit um ein pikantes Thema: Islam und religiöse Gefühle. Hintergrund sind Plakate zu der Graphc Novel „Habibi“, dessen Protagonistin eine junge Muslima ist. Nachgezeichnet wird ihr Leidensweg in einer patriarchalen Gesellschaft voller Ausbeutung.

Dies passt einigen muslimischen Studierenden an der Uni offenbar nicht. Die akduell berichtet:

Was ist geschehen? Am Montag hatten sich etwa zwanzig muslimische Studierende im Vorraum der Bibliothek versammelt und über das Poster diskutiert, das Thompsons Graphic Novel vorstellt. Auf dem Plakat sind drei Bilder aus dem über 600seitigen Wälzer neben einem erklärenden, englischsprachigen Text abgedruckt. Ein Bild zeigt die Vergewaltigung einer Frau durch einen stereotyp arabisch aussehenden Mann, daneben steht in arabischer Kalligraphie „Allah“. Während die anderen in der Gruppe noch diskutierten, was zu tun sei, nahm eine Studentin das Poster von der Wand und überreichte es den verdutzten Mitarbeiter*innen der Universitätsbibliothek.
Viele muslimische Studierende hätten in dem Plakat eine Herabsetzung und Beleidigung ihres Gottes gesehen, sagt Ali Nuhi, der Vorsitzende des Islamischen Studierendenbundes (ISB) an der UDE. „Es ist ein gutes Zeichen, dass das Plakat nicht wieder aufgehängt wurde“, so Nuhi weiter.

Es müsse eine Debatte über antimuslimischen Rassismus geführt werden, fordert der Kollege von der akduell. Eine Stellungnahme des ASta-Hochschulpolitik-Referenten Daniel Lucas sieht er kritisch. Dieser schreibt dazu, die Angelegenheit beleidige seine säkulären Gefühle:

Diskussionsgegner*innen, denen gar nichts mehr einfällt, hilft immer noch der Rückgriff auf die Verletzung ihrer religiösen Gefühle. Auf diese Weise kann vor allem verhindert werden, dass betreffende Personen sich mit dem Gegenstand, über denen sie sich beschweren, auseinandersetzen müssen. Schwierig ist dies, weil offensichtlich nur Anhänger*innen gewisser Weltanschauungen Gefühle haben. Pastafaris, die sich gegen das öffentliche Verspeisen von Spaghetti stellten, kämen wohl nicht weit. (…)

Dass es gerade Moslems waren ist für den Sachverhalt uninteressant. Alle drei monotheitischen Religionen sind in ihrem Aufbau reaktionär und autoritär. Christentum und Islam teilen sich wahrscheinlich eine maximale patriachale Struktur. Doch relevant ist überhaupt ein Fakt: Die wissenschaftliche Arbeit, in dem Fall auch die Kunst, muss einem religiösen Gefühl weichen. Dass man an religiösen Orten nicht unbedingt religionkritische Kunst ausstellen muss – wobei dies natürlich aus wissenschaftlich-kritischer Sicht wünschenswert wäre! – steht außer Frage. Aber das eine Bilungseinrichtung dem weicht, ist doch erschreckend.

Das Recht auf Kritik

Auch wenn es für mich persönlich nun etwas schwierig wird, da ich selbst Redaktionsmitglied der akduell bin: Ich finde, Lucas hat Recht. Ich habe den 700-Seiten Comic meinerseits mal überflogen und muss sagen: Nach dem was ich gelesen habe, geht es um die Unterdrückung der Frau in einer männerdominierten Welt. Islamfeindlich ist er nicht. Und wo bitte gehört Religionskritik, auch in scharfer Form, hin, wenn nicht in eine Bildungseinrichtung? Die Alternative wäre der Stammtisch.

Nun kommt natürlich das bequeme Argument, dieses und jenes sei nicht „die wahre Religion“. Allein, das behaupten ja Protagonisten aller Seiten. Nehmen wir zum Beispiel das inzwischen eingestellte Hetzportal kreuz.net, das regelmäßig reformorientierte Kirchenfunktionäre denunziert. Beide Seiten nehmen für sich in Anspruch, die reine Lehre zu vertreten. Ähnlich verhält es sich mit dem Islam, und auch im Judentum sieht man am Beispiel ultraorthodoxer antizionistischer Gruppen, dass es durchaus verschiedene Interpretationen des Judentums gibt.

Mir ist das ehrlich gesagt scheißegal. Ich habe nichts mit Religionen am Hut, und möchte auch von den unsichtbaren Freunden irgendwelcher Leute nicht belästigt werden. Alles was ich verlange, sei es von Christen, Hindus, Naturreligiösen, Moslems oder Atheisten, ist, dass sie Menschenrechte und Meinungsfreiheit respektieren. Und da hat Lucas Recht: Auch Atheisten, Agnostiker und Konfessionslose haben Rechte und Gefühle. Warum sollen die weniger wert sein als religiöse Befindlichkeiten?

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63 Kommentare zu “Religionsstreit an der Uni Duisburg-Essen

  • #51
    paule t.

    Ja natürlich ist mein Kommentar zu Franks Ideen so zu verstehen, dass ich meine, dass damit [mit diesen Ideen, nicht mit der Ausstellung!] gezeigt würde, „dass hier tatsächlich Minderheiten ausgegrenzt und beleidigt werden sollen“. Das heißt aber nicht, dass ich die (selbst vorgenommene) Zensur der Ausstellung gut fände.

    Islamophobie, die Ausgrenzung, Diskriminierung und Beleidigung von Muslimen, ist real, und reicht von kleinen, alltäglichen Diskriminierungen, die rassistischen Diskriminerungen vergleichbar sind, über offene Forderungen zur Einschränkung der Religionsfreiheit bis hin zu Mord und Terrorismus. Wer das leugnet, indem er das Wort als „Kampfbegriff“ abtut (wozu gerne nachweislich falsche Märchen erzählt werden wie das, der Begriff sei im Iran erfunden worden, um theokratische Unterdrückung zu rechtfertigen), erklärt letztlich diese Diskriminierungen zur hinzunehmenden gesellschaftlichen Normalität; genau so wie jemand, der behaupten würde, Antisemitismus oder Homophobie seien bloß Kampfbegriffe.

    Und das gleiche gilt für die tolle Idee eines „Draw-Mohammed-Tages“. Was trägt das denn als die Botschaft „Ja klar werdet ihr mit solchen Sachen wie dieser Comic-Ausstellung beleidigt, das ist genau so gewollt, und deswegen jetzt noch mal mit Anlauf“.

    Stattdessen gälte es zu zeigen, dass sich die Hochschätzung und der Schutz der Kunstfreiheit (hier in Bezug auf den Comic) und der Freiheit der Wissenschaft (das Plakat) eben nicht gegen eine bestimmte Gruppe wie die Muslime richten, sondern zu einer freien Gesellschaft gehören, und dass Muslime solche Dinge genau deswegen hinnehmen müssen, weil sie selbstverständlich und fraglos gleichberechtigter Teil dieser freien Gesellschaft sind und sie deswegen nicht weniger, aber auch nicht mehr in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung hinnehmen müssen als jede andere Gruppe auch. Franks Vorschläge gehen genau in die entgegengesetzte Richtung.

    Das zu zeigen wäre übrigens nicht ganz einfach und erforderte ein gewisses Fingerspitzengefühl, weil in der öffentlichen Debatte ja tatsächlich oft mit zweierlei Maß gemessen wird. Wenn Muslime in solchen Fällen Zensur fordern, wird in der Debatte oft ganz schnell ihre Zugehörigkeit zu unserer Gesellschaft in Frage gestellt. Wenn Christen genau Vergleichbares tun, wird darüber zwar auch scharf diskutiert – dass Christen Teil unserer Gesellschaft sind und sich deswegen natürlich zu Wort melden dürfen, steht dabei aber nie in Frage.

  • #52
    Roberta Sanders

    „Stattdessen gälte es zu zeigen, dass sich die
    Hochschätzung und der Schutz der Kunstfreiheit (hier in Bezug auf
    den Comic) und der Freiheit der Wissenschaft (das Plakat) eben
    nicht gegen eine bestimmte Gruppe wie die Muslime richten, sondern
    zu einer freien Gesellschaft gehören, und dass Muslime solche Dinge
    genau deswegen hinnehmen müssen, weil sie selbstverständlich und
    fraglos gleichberechtigter Teil dieser freien Gesellschaft sind und
    sie deswegen nicht weniger, aber auch nicht mehr in der
    gesellschaftlichen Auseinandersetzung hinnehmen müssen als jede
    andere Gruppe auch. Franks Vorschläge gehen genau in die
    entgegengesetzte Richtung.“ Grundsätzlich stimme ich soweit zu,
    dass es gegenseitigen Respekt geben sollte, aber „nicht weniger,
    aber auch nicht mehr“ kann nicht sein: Wenn ein religiöser Mensch
    z.B. die Evolution als nicht existent erklärt, wird das Maß an
    Auseinandersetzung ein anderes sein als wenn eine Bagatellfrage
    verhandelt wird. Auseinandersetzungen entzünden sich nun mal an
    strittigen fragen und werden in der Regel nicht um der
    Auseinandersetzung willen geführt. Und da beginnt im Übrigen auch
    schon das Dilemma. Bisweilen wird allein schon die Diskussion, so
    sachlich sie auch geführt werden mag, als Beleidigung empfunden.
    Davon abgesehen gilt dies auch andersherum – und ich denke, dass
    stört viele Menschen (und wird schnell unter islamophob
    subsumiert), dass es in beide Richtungen gilt. Wenn nämlich die
    deutsche/westliche/nichtislamische Welt als verkommen, unrein,
    verachtenswert und was auch immer (in all den kleinen und großen
    Abstufungen) gesehen wird. Müsste man eigentlich auch nicht
    hinnehmen, wird es aber meistens, weil davon ausgegangen wird, dass
    die Deutschen die Intoleranten, Migranten aber selbstverständlich
    nie rassistisch sind. Diskriminierenden sind und es umgekehrt nicht
    gilt, bzw. es diesen positiven Rassismus gibt, der andere in einen
    Opferstatus und man sie deshalb schonen muss.

  • #53
    Frank

    Verletzte Gefühle? Wenn ein Mensch gegen Birkenpollen
    allergisch ist, sollte man ihm/ihr adäquat helfen. Nicht, indem man
    alle Birken umschlägt, sondern indem man ihn/sie schrittweise daran
    gewöhnt. Desensibilisierung heisst das. Also mit was Kleinem
    anfangen, so eine Diskussion über vergleichende
    Religionswissenschaften beispielsweise, dann langsam steigern.
    Irgendwann kann man das reine Allergen applizieren und es erfolgt
    keine pathologische Reaktion 😉 Stete Konfrontation ist das Mittel
    der Wahl, ganz klar. Keine Toleranz der Intoleranz.

  • #54
    Helmut Junge

    Paule T.

    „Das zu zeigen wäre übrigens nicht ganz einfach und erforderte ein gewisses Fingerspitzengefühl, …..“
    Paule T., das mit dem Fingerspitzengefühl wird vielleicht mangels Masse nicht so klappen, wie Sie das gerne hätten. Diese Forderung kenne ich übrigens schon sehr lange, ohne das der dazu gehörende Menschentyp in der notwendigen Anzahl so geworden wäre, wie es zu Ihrer Theorie pasen würde.
    Leider? Vielleicht! Spielt keine Rolle.
    Sehen wir der Realität mal ohne hochgesteckte Erwartungen ins Auge. Was also, wenn immer weniger, statt mehr Menschen so denken, wie Sie?
    Evtl. fehlt es auch an Leuten, diemit ihrem persönlichem Beispiel auf dem von Ihnen erwarteten Weg vorgehen? Geben tut es sie ja durchaus. Aber ich habe das Gefühl, daß dieser Menschentyp auf kleiner Zahl verharrt. Nur, Paule T., was dann?

  • #55
    Christian Wee

    @Helmut Junge

    Zitat:

    „die Autorin ist weiß und eine Frau. Ich hatte mit ihr mal im Djäzz ein kurzes Gespräch. Für mich merkwürdig ist, dass sie offenbar damit kokettiert als “Nichtweiße” zu gelten. Aber ich muß ja nicht alles verstehen.“
    ———–
    Ob sie jetzt weiß ist oder nicht finde ich unerheblich im Rahmen einer politischen Diskussion, mich stört vielmehr dieser vulgärpoststruktrulalistische Ansatz hinter dieser Denke.
    Es wurde eine Ideologie gefunden, die es erlaubt Menschen aufgrund ihrer Ethnie, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Geschlechts abzuwerten, noch mehr, sie zählen als unwiderlegbares Argument gegen die Standpunkte der jeweiligen Person, wobei das Kollektiv „weißer-heterosexueller Mann“ den Gipfel der Bösartigkeit darstellt.
    Das ganze wäre nicht so schlimm, wenn sich das in irgendwelchen linksverwirrten Filter-Bubbles abspielt, jedoch ist das ganze staatlich subventioniert in öffentlichen Verdummungsanstalten (Unis), durch Genderseminare/studiengänge, in den Sozialwissenschaften und in der Pädagogik, aber auch in anderen Fachrichtungen.

    —–

    Der Fall macht weiter die Runde, bei RTL kam ein Kommentar zum Vorfall

    https://www.facebook.com/photo.php?v=10201557898175921&comment_id=54775557&notif_t=like

  • #56
    Wolfram Steinfortana

    Die Religionsfreiheit muß im Grundgesetz überarbeitet
    werden, sonst wird die Religionsfreiheit die letzte Freiheit sein
    die bleibt.

  • #57
    Helmut Junge

    @Christian Wee,
    „Ob sie jetzt weiß ist oder nicht finde ich unerheblich im Rahmen einer politischen Diskussion, mich stört vielmehr dieser vulgärpoststruktrulalistische Ansatz hinter dieser Denke.“
    Ich würde Ihnen gerne zustimmen. Normalerweise, also in allen anderen politischen Diskussionen sollte so etwas keine Rolle spielen, wäre es nebensächlich.
    Nur in dieser Diskussion geht es im Kern darum, dass wir es mit einer zentralen Aussage zu tun haben, die Sie selbst so formulieren: „wobei das Kollektiv “weißer-heterosexueller Mann” den Gipfel der Bösartigkeit darstellt.“
    Deshalb dachte ich, dass meine obige Anmerkung doch eine passende Bemerkung sein könnte, nur auf die Rolle einer „weißen Frau“ bezogen.
    Aber ich will nicht darauf beharren, weil ich üblicherweise auch argumentativ anders vorgehen würde.
    Reden wir über dem von Ihnen angesprochenen „vulgärpoststruktrulalistische Ansatz hinter dieser Denke“, der sich „…staatlich subventioniert in öffentlichen Verdummungsanstalten (Unis), durch Genderseminare/studiengänge, in den Sozialwissenschaften und in der Pädagogik, aber auch in anderen Fachrichtungen“ abspielt.
    Sehe ich auch genau so wie Sie. Aber ich sehe auch die Schwächen dieser Form von Fehlausbildung. Die eignet sich ausschließlich für Die Seminare an den Unis und vielleicht bei einigen sich selbst so nennenden “ Grünen“ und „Linken“. Sobald aber Widerstand gegen solche Positionen auftaucht, ziehen sich deren Verfechter vornehm zurück. Sie wollen ihre Position nicht diskutieren! Sie wollen sie so schützen, ähnlich wie eine Religion, die sie eigentlich auch ist. Die Gendertheorie steht im Widerspruch zu allen Wissenschaftszweigen, die sie berührt. Und die Vorstellung von der quasi angeborenen Schuld des „heterosexuellen weißen Mannes, der den Gipfel der Bösartigkeit darstellt“ ist doch leicht erkennbar zutiefst rassistisch.
    Das läßt sich in breiten Bevölkerungsschichten nicht vermitteln, und hier bei den Ruhrbaronen gibt es für solche Ansichten nicht das richtige Publikum.
    Da macht es sich dann schnell negativ bemerkbar, dass Diskurse,die an den Unis, also im eigenen Saft gekocht, gut gelingen, aber außerhalb wenig praxistauglichkeit beweisen.
    Das Thema ist zu kompliziert um es hier breit auszuarbeiten. Des halb habe ich einen Link ausgewählt, der kurz beschreibt, was mit der Genderforschung in Norwegen geschehen ist, und interessierten ermöglicht sich danach selbständig weiter zu informieren.
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=Y2wyzo6ROgg
    Viel Spaß.

  • #58
    rtq

    Mittlerweile ist wohl eine Strafanzeige gegen die Studentin gestellt worden.

    http://www.derwesten.de/staedte/essen/strafanzeige-gegen-studentin-nach-eklat-bei-comic-schau-in-der-uni-essen-aimp-id8134702.html

  • Pingback: Snickers und PIssrinnen | Ruhrbarone

  • Pingback: Tagsspiegel: Muslime vs. Kunst! | Journalistenwatch.com

  • #61
  • #62
    Roberta

    Wenn es einen Prozess des Nachdenkens und auch eine deutliche Stellungnahme auslöst, ist das langsame Reagieren sicher angemessener.
    Vor allem finde ich aber wichtig, dass ein solcher Vorfall nicht zum vorauseilendem Gehorsam führt. Man stelle sich vor, es gäbe eine Ausstellung über die Entwicklung der pol. Karrikatur, in der auch die Mohamed -Karrikatur thematisiert wird, und sie dürfte nicht gezeigt werden.

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