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Update: Ruhr hoch n – Team-Work-Capital

Grey-Homepage. Bild: Ruhrbarone

Gestern startete auf blog.50hz.de eine Diskussion über die verschiedenen Slogans der Städte zur Kulturhauptstadt. In einem der Kommentare stand dann ein Slogan unwahrscheinlich schlechter Slogan - ich hielt ihn erst für eine Verballhornung der anderen Sprüchlein. Wer würde sich  schon "Ruhr hoch n Team-Work-Capital" als Slogan für das Ruhrgebiet einfallen lassen? Die Werbeagentur Grey. Im Auftrag des Initiativkreises Ruhrgebiet. Das Ruhr mit dem hochgestellten n als Zeichen für Unendlichkeit geht ja noch - aber der Rest hat eine Genialität, die sich meinen bescheidenen geistigen Fähigkeiten entzieht.…

Grey-Homepage. Bild: Ruhrbarone

Gestern startete auf blog.50hz.de eine Diskussion über die verschiedenen Slogans der Städte zur Kulturhauptstadt. In einem der Kommentare stand dann ein Slogan, den ich erst für eine Verballhornung der anderen Sprüchlein hielt. Wer würde sich  schon "Ruhr hoch n Team-Work-Capital" als Slogan für das Ruhrgebiet einfallen lassen? Die Werbeagentur Grey. Im Auftrag des Initiativkreises Ruhrgebiet.

Nachdem der erste Schock vorbei ist: So schlimm finde ich den Slogan nicht. (Obwohl der erste Schock  schwer war). Hauptstadt der Teamarbeit – das spielt auf die wesentliche Stärke der Region an: Die Menschen und ihre Offenheit. Capital klingt schön arrogant. Das mag ich.

Update: Auf Djure Meinens blog.50hz.de gibt es eine Zusammenfassung der Reaktionen auf den Slogan. Offiziell wird er Slogan bei einer Pressekonferenz vorgestellt, die für die übernächste Woche geplant ist.

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23 Kommentare zu “Update: Ruhr hoch n – Team-Work-Capital

  • #1
    50hz

    Schon schlimm, wenn man etwas so schlimm nicht finden muss 😉 Aber ich bin vielleicht einfach zu negativ. Auf Hauptstadt für „Capital“ ich noch gar nicht gekommen. Ich denke immer nur ans Geld.
    btw: n steht keineswegs für unendlich, sondern für beliebig. Ruhr hoch 0 ist übrigens 1. Auch ne schöne Zahl.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    Ich hätte auch lieber etwas, das ich richtig gut finden würde – aber wat willse machen? Der Slogan hat keine schöne Melodie, ist etwas technokratisch und hat keinen Humor – ich mag es lieber mit einem Augenzwinkern – aber er reduziert das Revier auf wesentliche Eigenschaften: Offenheit und Kooperation, Arbeit und Größe. Und er klingt arrogant. Wir treten hier viel zu bescheiden auf – etwas auf die Kacke zu hauen ist schon in Ordnung und Capital klingt besser als Hauptstadt – genau wegen der schönen Doppeldeutigkeit: Geld und Hauptstadt. Ich habe als Jugendlicher mal fünf Jahre in Frankfurt gewohnt (von 10 bis 15). Dieses Selbstbewusstsein, die Gewissheit der eigenen Bedeutung, vermisse ich im Ruhrgebiet.

  • #3
    RVR Kenner

    Wenn man genau drüber nachdenkt, ist der Spruch wirklich nicht sooooooo schlecht. Das riesige Problem, dass ich sehe ist, dass genau das eben die wenigsten Menschen tun werden. Wenn sie es nicht auf Anhieb verstehen, dann könnte man ja vermuten, dass sie GERADE DANN anfangen darüber nachzudenken und der Slogan dann umso besser im Gedächtnis bleibt. Aber das ist wohl utopisch. Aus diesem Grund fand ich „Der Pott kocht“ genau richtig. Selbstironie mit Selbstbewusstsein gepaart und für Menschen jeglicher Couleur fähig zur Interpretation oder auch eben nur plakativ. Über die Motive mag man sich nicht einig sein, fest steht aber, dass darunter etliche waren, die vielen Leuten sehr gut gefallen haben. Meine Gedanken gehen aber eher dahin, warum man immer Agenturen für sowas einschalten muss, die teuer und auch kein Garant für auf den Punkt gebrachte Kreativität sind. Warum nicht z.B. einen Wettbewerb zusammen mit regionalen Medien machen oder einen Wettbewerb an den kreativen Instituten unserer zahlreichen Hochschulen? Dass gesparte Geld hätte statt dessen einem guten Zweck im Revier zukommen können oder in die Verbreitung der Message gesteckt werden können. Vielleicht auch sowas wie die alte Taft Werbung, damit der Metropolgedanke in den Vordergrund rückt. So in etwa:

    „8 Uhr London, Meeting. 15 New York, Vertrag abschließen. 21 Uhr, Ruhrgebiet, endlich Zuhause.“

    Was weiß ich, jedenfalls gibt es sicher genug kreative Köpfe, die es unter Umständen besser hätten treffen können. Bei 50hz hatte ich bei den Kommentaren auch etwas von „Melting Pot“ gelesen, das finde ich auch gut, auch wenn das ebenfalls nicht die meisten Leute kapieren werden. Bleibt mir nur abschließend nochmal zu betonen, dass sich „alle Welt“ um das Revier und seine dringend angebrachte Vermarktung Gedanken macht, nur Klink im RVR nicht. Hochgradig peinlich und würdelos. Dazu fällt mir auch noch ein Slogan ein: „Restwürde waren durch Rücktritt!“

  • #4
    RVR Kenner

    ?Restwürde waren durch Rücktritt!? Bei waren fehlt natürlich ein h, wie peinlich! So ist das, wenn man an eine bestimmte Sache denkt und die Emotionen hochkochen.

  • #5
    Arnold Voß

    Wenn das unsägliche hoch n nicht wäre, wäre der Slogan schon ganz griffig. Und natürlich gibt es sicher noch was Besseres. Das Problem ist aber gar nicht welcher Slogan auch immer sondern das ?Ruhr? selbst. Das kennt so gut wie niemand auf der Welt bzw. müsste dieser Name erst einmal systematisch in alle Köpfe ?gerammt? werden. Dazu allerdings müsste sich das Ruhrgebiet selbst auf einen einzigen möglichst kurzen Namen einigen den dann auch alle überall und ständig benutzen. Wer wie das Ruhrgebiet zeitgleich auch als Revier, als Ruhrpott, oder nur Pott, oder Ruhrstadt, oder Metropole Ruhr oder Metropolregion Ruhr oder Rhein-Ruhr usw. firmiert während sich einzelne Städte des Ruhrgebietes z.B. als Westfalenmetropole, Kulturhauptstadt für das Ruhrgebiets oder gleich selbst als Weltstadt bezeichnen, muss sich nicht wundern das für den Außenstehenden da einiges durcheinander gerät bzw. der sich das alles einfach nicht merken kann. Und was der Mensch sich nicht merken kann, vergisst er sehr leicht. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, wieso bislang alle Werbekampagnen für das Ruhrgebiet keinen wirklich durchschlagenden Erfolg hatten.

  • #6
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Arnold: Die alte Kampagne von Butter, das Ruhrgebiet – Ein starkes Stück Deutschland“ war doch ziemlich erfolgreich oder malt das die Erinnerung in goldenen Lettern? Seitdem hört man außerhalb des Reviers Sätze wie „Es soll ja bei Ihnen auch grün sein“ etc. Immer noch ein wenig mitleidig, aber immerhin.

  • #7
    jens weissenberg

    in den ersten zwei Sekunden habe ich geschluckt…wahrscheinlich, weil ich etwas über die Länge gestolpert bin…dann aber habe ich mich begeistert…dieser Slogan bzw. Claim ist zukunftsweisend…und lässt irgendwelchen Clichees oder Vorurteilen Null Chance! Das ist gut…
    Dass jetzt viele Leute zu wenig Heimatgefühl, Identität usw. darin sehen, kann ich nachvollziehen, doch richtet sich diese Kampagne nach draußen…es geht darum neugierig zu machen…Aufmerksamkeit zu erlangen…Team-Work-Capital, wo bitte gibt es das sonst noch? Ruhr – die Metropole der unbegrenzten Möglichkeiten…schön!

  • #8
    Arnold Voß

    @Stefan Laurien: Der Unterschied zwischen einem Erfolg und einem durchschlagenden Erfolg ist bei der Werbung, dass er nicht nur ein Informations- sondern eine Art Bewusstseinsschub erzeugt auf den alle weiteren Kampagnen aufbauen können. Das war beim Slogan ?Ein starkes Stück Deutschland? (leider) nicht der Fall. Schon damals hätte es nicht mehr Ruhrgebiet sondern einfach nur Ruhr oder Ruhrstadt heißen sollen. Dieses Anhängsel ?Gebiet? beinhaltet bis heute ein Vermittlungsproblem, weil sich darunter keiner etwas vorstellen kann. Es schafft begrifflich keine Identität sondern verwischt sie vielmehr. Warum ist Ruhr, so fragt sich jeder, ein ?Gebiet?. Eine Gebiet ist nämlich alles, denn alles ist irgendwo und hat eine bestimmte, mehr oder weniger große Ausdehnung. Gebiet ist kein Name und eine Name an dessen Ende immer Gebiet steht auch nicht. Wenn dahinter Stadt oder Dorf steht, dann sieht die Sache schon besser aus. Nötig ist das allerdings nicht, wenn die Leute wissen, was sich hinter einem Namen verbirgt bzw. welches ?Gesicht? und welche ?Persönlichkeit? zu ihm gehört.

    Noch schlimmer wird die Sache, wenn vor dem Namen so etwas steht wie Metropole oder Metropolregion. Die Wirkung auf Außenstehende ist die eines Menschen der dauernd darauf besteht mit all seinen Titeln angeredet zu werden, wobei in diesem Falle der zweite Titel obendrein für den Normalbürger irgendwie unverständlich klingt. Keine wirkliche Metropole würde sich übrigens selbst so nennen. Das hat sie gar nicht nötig. Genauso wenig wie es selbstbewusste Menschen nötig haben dauernd mit ihren Leistungen und Ehrungen aufzutrumpfen. Und hier gibt es eine lange Tradition in Ruhr die schon beim ?starken Stück Deutschland? beginnt. Wer penetrant behaupten muss, dass er stark ist, der ist es nicht mehr. Die Stärke eine Menschen spürt man ohne dass er dauernd seine Muskeln anspannen muss. Eine Metropole spürt man wenn man sich in ihr bewegt und nicht weil es draußen dran steht. Bis dahin ist es für Ruhr noch ein weiter Weg.

  • #9
    Stefan Funke

    Keine Kampagne kann das große Problem des Ruhgebiets lösen. Nämlich dass sich nur ein geringer Anteil der Einheimischen wirklich mit dieser Region identifiziert.

    Ich komme aus Wattenscheid. Seit es in den 70ern zu Bochum eingemeindet worden ist sehen sich viele Leute bis heute nicht als Bochumer, geschweige denn als „Ruhrgebietler“. Überall prangen Aufkleber mit „Wattenscheid statt Bochum“ – einer Anti-Bochum Kampagne die von vielen unterstützt wird. Und von diesen Fällen gibt es viele im Ruhrgebiet.
    Viele Städte sind schon durch den Fußball verfeindet (z.B. Gelsenkirchen und Dortmund). Und der Fußball ist hier für viele Die Religion. Die Kluft zwischen den sozialen Schichten ist ebenfalls sehr groß und es gibt zig Parallelgesellschaften.

    In Wirklichkeit ist es doch nur ein Gebiet mit vielen sehr nahe beieinanderliegenden Städten, die an einem Fluß liegen. Das erkennt man übrigens auch sehr gut durch das miese Schienenverkehrsnetz mit unterschiedlichen Verbünden.

  • #10
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Stefan: Sehe ich, wenig überraschend, anders. Die Fußballrivalität hast Du überall: St. Pauli – HSV, 60er – Bayern u.s.w.. Alle Umfragen, die ich kenne – eine haben wir hier auch verlinkt – zeigen, dass sich die Menschen mit dem Ruhrgebiet identifizieren, und der miese Schienenverkehr ist doch eher ein Zeichen der Unfähigkeit der Politiker im Ruhrgebiet, als der mangelnden Identifikation.

  • #11
    luclog

    Das ihr hier diesem Slogan etwas abgewinnen könnt ist mehr als verwunderlich. Er hat eigentlich nichts was einen Slogan ausmacht. „Ruhr hoch n Team-Work-Capital“ Klingt irgendwie nach einer typischen Gruppenentscheidung bei der irgendwie alles enthalten sein muss, und letztlich doch nichts enthalten ist. Teamworkkapital klingt nach Seite 4 der Unterlagen für Buisnessschulungen im Hinterzimmer der kleinen Eckkneipe an der Hanauer-Landstraße (Grey-Standort). Das da dann auch noch ein deutscher Teil hinzukommt, macht es natürlich besser ? man hat direkt zwei Slogan. Für die Altsprachler fände ich dann noch einen griechischen und einen römischen Teil gut, aber man könnte noch eine spanische Zusatz einbringen, immerhin wird spanisch weltweit auch recht häufig gesprochen. Aber das „hoch N“ wird, wie ich mir bei der WAZ erlesen musste (ich hätte es ja sowieso nicht verstanden, ich habe einfach erstmal Hochn gelesen), bekommen wohl auch alle Mathematiker in den falschen Hals, da es so einfach nicht richtig ist, und die Elite fühlt sich dann wahrscheinlich noch mehr beleidigt. Auch die O2 Geschichte zeigt eigentlich das Hochzahlen nicht unbedingt gut beim Publikum ankommen. Andererseits was wäre besser? Schwer zu sagen.

    Ach, das eigentlich Wichtige hätte ich fast vergessen: die WAZ empfängt neuerdings Trackbacks.

  • #12
    Freihals

    Als nicht hier Geborener ist schon eine starke Identifizierung der hier Lebenden (nicht nur der Geborenen) mit dem Ruhrgebiet ersichtlich. Fragt doch mal die Leute ab wann die sich freuen wenn sie mit dem Auto nen sehr langen Heimweg hinter sich haben (Urlaub, Geschäftsreise etc); kaum einer wird nicht irgendwelche Merkmale / Randorte des Ruhrgebiets nennen, ganz egal wo er dort genau wohnt.

    Den neuen Slogan finde ich unmöglich, es wird vermutlich nur 2 Reaktionen darauf geben wenn er wirklich eingeführt und aktiv beworben wird: die einen werden ihn gar nicht verstehen und die anderen, größtenteils Entscheider etc, sich an den Kopf fassen ob der mathematischen Blödheit hinter dem Spruch. Eigentlich müsste man da generell „n = -1“ o.Ä. drunterkritzeln wenn man den irgendwo sehen sollte.

  • #13
    Peter Sonnenschein

    ?Ruhr HOCH N? statt ?Rock´n´Roll? ?

    Mit Sex, Drugs und Rock`n Roll, so tönten die Werbestrategen aus Düsseldorf noch vor kurzem, sollen die negativen Wachstumstrends im Ruhrgebiet gebrochen und so das Ruhrgebiet zum coolsten Platz der Welt werden.

    Ruhr Hoch n heißt also die neue pseudoakademische Zauberformel für die die Sponsoren aus dem Initiativkreis_Ruhrgebiet eine Million Euro springen lassen wollen. Statt aber mit diesem Geld das Kreativpotential aus dem Ruhrgebiet zu nutzen und damit Arbeitsplätze in der Region zu sichern werden ausgerechnet die Hochnasen aus Düsseldorf vorgezogen. Ist es nicht gerade die Politik aus der Landeshauptstadt, die seit Jahrzehnten das Ruhrgebiet bewusst klein hält?

    Mit dem Doppelslogan Ruhr Hoch N / Team-Work Capital wird diese Million eines sicher nicht: Die Menschen der Region erreichen. Nur wenn wir die Menschen der Region bei dieser Titanenaufgabe mitnehmen, werden Sie zu wichtigen Multiplikatoren. Aber diese Million werden wir wohl sicher brauchen, um dieses angeblich international verständliche Wortgebilde den Ruhrstädtern zu erklären. Das n steht hier wahrscheinlich für die Zahl der Jahre oder der Euros, die dieser Prozess benötigen wird.

    Wie schön, das es noch Alternativen gibt. Mit der www.Initiative-Ruhrstadt.de wurden ohne Euros schon heute mehr als 250 Bürger und Unternehmer zu bekennenden und werbenden Ruhrstädtern. Und ein schlüssiges Logo muss auch nicht neu erfunden werden.

  • #14
    weltkind

    das n in der potenz ist falsch – es steht nicht fuer unendlichkeit, sondern beliebigkeit. zeichen der unendlichkeit ist die liegende acht. aber die ist leider unbeschreiblich weiblich und von ganz anderer potenz….guckst du: http://de.wikipedia.org/wiki/Unendlichkeit. „als gott das revier erfand, uebte sie nur“.

  • #15
    Arnold Voß

    Ich finde – Ruhrstadt, Stadt der Städte – wirklich gut. Aber dieser Slogan läßt sich sehr schlecht ins englische transferieren. Da Meckern nicht weiter hilft und wenn es schon international d.h. englisch sein soll, wie wäre es mit Ruhr: Creativity – Cooperation – Courage habe ich gerade auch dem WAZ-Westen-Blog zum selben Thema vermacht. Als Geschenk eines Ruhrbarons sozusagen. Bin mir allerdings nicht sicher, ob die das zu schätzen wissen.

  • #16
    Stefan Laurin Beitragsautor

    Also, wenn was mit Städten, dann den alten KVR-Spruch: "Mehr als eine Stadt" – und das geht auch wunderbar auf Englisch: "More than a City". Voilá, es ist alles schon da, man muss es nur nutzen.

  • #17
    Markus Pingel

    Ich lese bei den Kommentaren öfter was von mathematischer Blödheit, deswegen möchte ich mal als blöder Mathematiker argumentieren: Ich denke der Spruch soll sich nicht an die Ureinwohner richten, sondern an den interessierten Fremdsprachler. Und im englischen liest man den Spruchanfang doch eher „Ruhr to the power of n“. Und die Gesamtheit aller Potenzen nennt man kurz „Powers of …“. Also 10 hoch n für alle n: Powers of 10. Dann ergibt sich für mich (und auch ein paar amerikanische Kollegen): „Powers of Ruhr: Team-Work-Capital“

    Ob das so bei der Zielgruppe ankommt, ist auch mir ein Rätsel.

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  • #20
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  • #22
    Haihappen

    Ich denke es gibt noch einen interessanten Aspekt, der bis jetzt noch gar nicht in der Diskussion betrachtet wurde. Er ist mir aufgefallen, als ich mich näher mit dem Thema Industriekultur im Ruhrgebiet beschäftigt habe.
    Die Route der Industriekultur führt quer durch das gesamte Ruhrgebiet und so ziemlich jeder Mensch innerhalb des Ruhrgebietes kennt diese Marke.
    Ein großer Teil war evtl. sogar schon auf der öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung namens „Extraschicht – Nacht der Industriekultur“ (ich will hier keine Werbung machen, aber der Begriff dürfte bekannt sein).
    Jetzt kommt der Punkt, wo es in meinen Augen spannend wird. Warum findet diese Route so einen großen Anklang in der Bevölkerung und wieso identifizieren sich noch so viele Menschen mit dieser Form der Vergangenheitsbewältigung?
    Denn nichts anderes ist Industriekultur. Die ehemaligen Industriestandorte, die bis zur Umnutzung nur den Arbeitern der verschiedenen Standorte zugänglich waren, sind nun für alle zugängig. Die Arbeitsverhältnisse waren damals, wie teilweise auch heute noch, nicht die Schönsten. Und doch finden diese Flächen reges Interesse. Ehemalige Arbeiter kehren an ihren (wegrationalisierten) Arbeitsplatz zurück und erfreuen sich daran anderen Menschen näher zu bringen, wie sich die Geschichte des Ruhrgebietes anhand von eigenen Erlebnissen und Erfahrungen entwickelt hat. Sie lassen die Geschichte also wieder lebendig werden. Diese Lebendigkeit der Orte ist es auch, die die Industriekultur dem Großteil der Menschen so nahe bringt. Sie können sich mit der Vergangenheit identifizieren. Die Route der Industriekultur konserviert ihre Arbeitsstandorte für die Zukunft, um sich an sie erinnern zu können. (Nicht umsonst sind das alles Denkmäler) Aber sie raubt sie einem Großteil ihrer Funktionen. Die wenigsten Denkmäler sind noch im Betrieb und erfüllen noch ihren eigentlich Zweck. Sie sind zu Anziehungspunkten für Tourismus geworden. Die Industriekultur ist eine eigene Marke, mit der geworben wird.
    Zusammenfassend würde ich sagen: Die Route der Industriekultur spricht so viele Menschen an, weil sie sich mit der eigenen Vergangenheit der Region identifiziert und bestimmte Strukturelemente in die Zukunft rettet.

    Jetzt will ich zum hier so heiß diskutierten Slogan von Grey kommen. Ich will ein Stück eine kleine Lanze für diesen Slogan brechen. Es ist nämlich wirklich die Frage, wer damit angesprochen werden soll. Es geht hierbei nicht darum einen großen Teil der Bevölkerung mitzunehmen in diese Zukunft, die den Machern des Slogans vorschwebt. Hier wird ganz klar eine Bildungselite angesprochen, die eine andere Ansprache erfordert als es für die breite Masse der Bevölkerung von Nöten wäre. Hier wird die Zukunft von NRW bzw. dem Ruhrgebiet im Forschungs- und Entwicklungsbereich (F&E) gesehen und die Vergangenheit von Kohle und Stahl ist unwichtig. Hier wird tabula rasa gemacht und eine neue Zukunft verkauft, die richtungsweisend sein soll. Die Zukunft liegt klar im F&E-Bereich – gerade hier im Ruhrgebiet, wo die Hochschuldichte so extrem hoch ist und es so viele Menschen auf wenig Raum geballt sind. Hier lebt Kreativität und Kompetenz, gepaart mit vielen Möglichkeiten sich selbst zu verwirklichen.

    Ich denke das Problem beruht in der Ansicht, dass mit diesem neuen Leitbild keine Vergangenheit transportiert wird, sondern nur eine erst einmal inhaltsleere Vision der Zukunft verkauft wird.

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