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Ruhrgebiet: Wir Nestbeschmutzer

In den fast fünf Jahren, die es dieses Blog gibt, wurde uns immer wieder vorgeworfen, zu sehr über die Schattenseiten des Ruhrgebiets zu berichten, die Region herunter zu schreiben. Die vergangenen zwei Wochen gaben uns Recht.

Viele fanden, dass wir hier auf den Ruhrbaronen in den vergangenen Jahren ein zu düsteres Bild des Ruhrgebiets zeichneten. Das Goosen-Motto “Woanders is auch scheiße” sei von uns nicht ausreichend berücksichtigt worden. Sicher, auch in München gibt es Armut, in Frankfurt Arbeitslosigkeit, in Düsseldorf Korruption und Vetternwirtschaft und auch in Köln verhalten sich Politiker so verantwortungsvoll wie mit Hepatitis infizierte Junkies beim Spritzentausch. Alles wahr, alles richtig. Nur in den vergangenen zwei Wochen sorgte das Ruhrgebiet mit einer Reihe von Geschichten für Schlagzeilen, die in dieser Kombination in keiner anderen Region denkbar wären. Wie unter einer Lupe wurden die wesentlichen Probleme des Ruhrgebiets, das Versagen der Politik und der Parteibuchmanager in den Tochterunternehmen der Städte, deutlich.

Der Skandal um die Stadtwerke-Bochum und die Erhöhung der Gehälter  der Geschäftsführung bei der  Essener GSE um 50 Prozent zeigte, mit welcher Verkommenheit mit dem Eigentum der Bürger hier umgegangen wird. Es wird nicht im Interesse der Bürger genutzt, sondern  dient vor allem der Bereicherung und der Pflege der eigenen Eitelkeit.

Das während das Geld auf der einen Seite beidhändig aus dem Fenster geworfen wird, die Gebühren für Kindertagesstätten im Ruhrgebiet die Höchsten  in Deutschland sind, zeigt, was das Wort “sozial” im Ruhrgebiet bedeutet: Die eigene Klientel zu versorgen. Wer nicht Teil der Bande ist, schaut in die Röhre.

Und in die blicken offenbar immer mehr Menschen. Duisburg und Dortmund gehören zu den Städten mit den meisten Armen in Deutschland. Und dass in der Studie Hans-Böckler-Stiftung nicht mehr Städte aus dem Revier genannt wurden, liegt daran, dass sie nur die 15 größten Städte Deutschlands erfasste. Glaubt jemand, in Gelsenkirchen, Oberhausen oder Herne  sei die Lage besser?

Das Ruhrgebiet wird regiert von einer Kaste von Politikern, Parteibuchmanagern und Verwaltungsspitzen, deren Unfähigkeit kaum jemals so deutlich wurde, wie in den vergangenen zwei Wochen. Neu ist sie indes nicht. Eine Kultur, in der Leistung weniger zählt als das richtige Parteibuch und gute Kontakte, hat dazu geführt, dass das Ruhrgebiet vor die Hunde geht. Und das Schlimmste ist – es scheint die Menschen hier nicht einmal mehr zu stören.

 

RuhrBarone-Logo

33 Kommentare zu „Ruhrgebiet: Wir Nestbeschmutzer

  • #1
    Nanuk

    Stört mich auch nicht… wer soll es denn besser machen? Gauck und Steinbrück to the rescue…

  • #2
    jot/e

    Jede Körperschaft entfernt sich von ihrem eigentlichen Zweck und entwickelt sich zur Versorgungseinrichtung der darin Tätigen – ob es sich um kommunale Gesellschaften handelt, um Krankenkassen oder Behörden. Dies ist der normale Weg und dieser Weg birgt die nepotistische Besetzung von Posten nach Parteibuch oder gegenseitiger Vorteilsgewährung – daraus resultiert die evtl. Unfähigkeit des Personals. Das öffentliche Eigentum dient der Alimentierung des Personals, bis es aufgebraucht ist. Sofern es Kontrolleure gibt, werden diese korrumpiert, bis ein Widerspruch gegen empörende Praktiken zugleich ein Verstoß gegen die eigenen Interessen ist. An diesem Verlauf lässt sich nichts ändern, außer durch maximale Transparenz aller Abläufe, die selbstverständlich aufs Äußerste von den Pfründeninhabern bekämpft wird. Deshalb ist der “Nestbeschmutzer” ein unverzichtbares Element im öffentlichen Raum.

  • #3
    Franz Przechowski

    Du schreibst es mir von der Seele. Es zieht sich wie ein Mehltau über die meisten relevanten kommunalen Institutionen. Ich habe das Stadium der Resignation schon erreicht.

  • #4
    Freidenker

    Ob NRW, Berlin oder Brüssel (selbst die UNO ist ein Dreckladen) – dieses von Stefan Laurin gezeichnete Bild trifft doch für alle Ebenen zu. Was sind denn die wahren Motive heutigen politischen Handelns? Gesellschaftsklempnerei und Machterhalt. Und habe ich eine Mehrheit von staatlich Abhängigen und versorge ich sie nur ausreichend, so habe ich eine Mehrheit an Wählerstimmen. Und so kann ich überwiegend ungestraft meine politischen Überzeugungen wechseln wie das tägliche Hemd oder sie gleich ganz über Bord werfen. Ein Trauerspiel! Deswegen ist es wichtig, dass sich die Blogsphäre weiter entwickelt. Erkenntnisgewinn gibts fast nur noch abseits des linientreu opportunistischen Mainstreams!

  • #5
    Anton Kowalski

    Es ist schon verrückt, wenn der, der auf den Schmutz hinweist, mehr verteufelt wird als der, der den Schmutz macht.

  • #6
    Walter Stach

    Stefan, ich teile Deine Meinung nicht in allen Details der Kritik, stimme aber dem vermittelten Gesamteindruck zu.

    Ich halte es zudem nicht für sinnvoll, alle kritikwürdigen Daten und Fakten mehr oder weniger beliebig zu einem “dunklen Gebräu zusammen zu rühren”
    Das erschwert das Erkennen der einzelnen Daten und Fakten, mit denen die Kritik belegt wird, vor allem erschwert es die Suche nach den Gründen für all die unterschiedlichen Mängel und Unzulänglichkeiten im Ruhrgebiet.

    Wir haben auch hier bei den Ruhrbaronen aus den unterschiedlichsten Anlässen über die Ursachen der Mängel und Unzulänglichkeiten gesprochen. Und es sind jeweils vielfältige Ideen für Problemlösungen erörtert worden.

    Wir haben jedoch stets alle gleichermaßen zur Kenntnis nehmen müssen, daß unsere Auffassungen, die wir nicht nur hier im Blog öffentlich äußern , niemanden interessieren, dh. weder die Funktionären in öffentlichen und privaten Organisatioen noch das Managament in der Wirtschaft, nicht die kommunalen bzw.regionalen Politikern, nicht die örtlichen Gewerkschaften, nicht die Kirchengemeinden vor Ort.

    Und vor allem -sh.der Schluß-in Deinem Beitrag:
    Was wir hier in Sachen “Istzustand des Ruhrgebietes” bzw. “Perspektiven des Ruhrgebietes ” problematisieren und diskutieren, interessiert bestenfalls einen äußerst kleinen Teil der Menschen, die hier leben, aber keine gesellschaftspolitisch relevante Anzahl.

    Und wenn Du den Zustand der kommunalen/regionalen Politik und den der kommunalen und regionalen Poltiker beklagst bzw. anklagst, dann will ich dazu nur anmerken:
    “In der Politik und in den Politikern bei uns spiegelt sich der Gesamtzustand der Gesellschaft im Revier”.

    Ich wiederhole mich -zum Xten Male-, wenn ich sage:

    W i r alle, die Bürgerschaft, quantitativ und qualitativ besser aufgestellt und engagiert als bisher, die örtlichen Parteien, die Unternehmer, die Kirchen, die Gewekschaften, die Vereine und Verbände, haben nur eine Chance, ein lebens- und liebenswertes Ruhrgebiet für möglichst viele Menschen zu gewährleisten, wenn über die gegenwärtige Lage und die Prognosen k l a r und w a h r informiert und wenn darauf gestützt ein allumfassender Kommunikationsprozeß organisiert wird..
    Dein Beitrag war wieder einmal eine notwendige, ungeschönte Erinnerung an das was ist. Er könnte -zumindes ein wenig helfen-,daß w i r alle gemeinsam endlich begreifen, daß es ein so weiter wie bisher für niemanden im Revier geben kann.

    Aber………..-Viele, besonders die interessierten Bürger, haben resigniert-.!

  • #7
    Stefan Laurin Autor

    @Walter: Bürgerschaftliches Engagement braucht selbstbewusste Bürger – davon gibt es im Ruhrgebiet nicht viele. Das ist ein Kernproblem der Region und umso stärke sie am Tropf staatlicher Unterstützungen hängt, umso weniger wird eine solche Gruppe entstehen. Das bedeutet: Die Versager in der Politik und den Verwaltungen sichern ihre Positionen in dem sie weiterhin das tun, was sie am besten können: versagen.

  • #8
    derHarry

    Ey Alter, suppi, da hasse abba voll krass denen maa gegeigt, watt hier im Pott so sache iss!

  • #9
    Walter Stach

    Der HARRY:
    Nee,nee, doch nich voll krass;ett war ein bisken meckern.Aber weiße: Ett bleibt doch allet wiett is -rech Dich nicht auf oder nur wenig.

  • #10
    derHarry

    #9 | Walter Stach

    Watt sachse, dett war nur ein bisken meckern?

    Hömma, ich happ doch keinen nagel im kopp, meintze etwa, ich merk nich, wennse mich veräppeln wollen?

  • #11
    Walter Stach

    DerHarry -1o-:

    Watt meinze mit die Veräppelei? Ett ist doch klar: En Späsken war datt alles ja nun nich, watt der Stefan da abgelassen hat. Und mein Senf dazu ? Meckern, datt nix ändert .Watt anders isset doch nicht.
    Oder bisse Optimist?

  • #12
    Manfred Michael Schwirske

    Hallo Stefan, hallo Walter,

    Volle Zustimmung meinerseits. Nur seid ihr mir zu nett und konstruktiv. Es ist viel trüber als die Ruhrbarone sehen. Im Hellen saehe man besser.

    Und weils so ist, steigt meine (unsere?) Motivation von Tag zu Tag, was dagegen zu setzen. Ist doch logisch kleine Aufgabe, kleine Motivation, große Aufgabe, große Motivation. Alles andre waer krank.

  • #13
    Puck

    Lieber Stefan Laurin!
    Die von Ihnen geschilderten Zustände gibts tatsächlich auch anderswo.
    Aber ich teile Ihre Meinung, daß es nicht weiter hilft darauf hin zu weisen, daß auch andere sich gelegentlich ins Tischtuch schneuzen.

    Nein, Sie sind kein Nestbeschmutzer.
    Sie machen den Dreck ja nicht, Sie zeigen nur mit dem Finger drauf.

    Rebellisch werde ich nur, wenn sich jemand von außerhalb übers Revier verbreitet. Und das womöglich mit einem Foto garniert, auf dem ein herunter gekommenes Kino, Graffitti und M Ü L L T Ü T E N zu sehen sind.

  • #14
  • Pingback: Kuhlmann’s SurftippBottblog - Blog zum Ruhrmetropölchen Bottrop anne Emscher | Bottblog - Blog zum Ruhrmetropölchen Bottrop anne Emscher

  • #16
    der, der auszog

    #14 Wolfgang

    wech gehn! hat was. Zum einen ist wech gehn sehr erholsam, zum anderen kann man sich anschließend einbilden, das Ruhrgebiet in einem etwas universelleren Zusammenhang zu sehen, quasi mit der globalen rosaroten Brille.

    wech gehn ist im Übrigen genauso einfach wie sich das Rauchen abgewöhnen, ich hab beides bestimmt schon ein Dutzend mal geschafft.

  • #17
    Volker Steude

    Genau so ist es. Ahnungslosigkeit und Unfähigkeit regiert. Es fehlt in der Politik der Gestaltungswille. Ideenlose Vorlagen der Verwaltung werden nur gewohnheitsmäßig abgenickt. Man sonnt sich im schönen Schein. Dafür sorgen Promi-Sausen und Prestigeobjekte. Doch hinter den potemkinschen Dörfern sieht es übel aus.

    Ganz schlimm, wie man in Deutschland über die Städte im Ruhrgebiet denkt, es fallen immer die selben Worte: Pleite, verfilzt, Klüngel … . Leider zu recht.

    Aber doch, einige Menschen stört das:

    In Bochum formiert sich jetzt eine Gegenbewegung zu Filz und Klüngel:

    http://buergerbegehren-musikzentrum.de/wp-content/uploads/2012/11/b%C3%A4h-b%C3%BCrger.pdf

    http://www.facebook.com/baehbuerger

  • #18
  • Pingback: Links anne Ruhr (16.11.2012) » Pottblog

  • #20
    Viktor

    Also, ich habe 3 Jahre lang im Ruhrgebiet (Duisburg und Dortmund) gewohnt. Das ist vielleicht zu kurz, um einen wirklichen Eindruck zu bekommen. Aber was ich in der Zeit so mitbekommen habe, habe ich sonst ehrlich gesagt noch nie gesehen. Die Inkompetenz der Stadtverwaltung von Duisburg, dieses ständige Postengeschacher mit den städtischen Gesellschaften (aktuell der Fall Greulich), Wählerbetrug in Dortmund, usw. das ist schon einmalig.

    Leute im Ruhrpott sagen mir dann immer, “dat is woanders auch so!”, aber das ist es nicht. Vielleicht gibt es auch woanders Postengeschacher usw., aber die Konzentration von Inkompetenz auf den Top-Etagen des Ruhrgebiets in Verbindung mit einer vollkommenen Selbstbedienungsmentalität (Stichwort: Doris Janicki) ist wirklich ein Sonderfall. Und zu sagen, “woanders ist das auch so”, stützt nur die inkompetenten Eliten.

    Beste Grüße aus Dresden.

  • #21
    Wolfgang Hoinko

    Bin selbst “Wutbürger” und habe mich den Bochumer “Bäh-Bürgern” angeschlossen.
    Volker Steude hat bereits berichtet, dass es um einer Bürgerbewegung geht, die gegen Filz, Klüngel u.ä. vorgehen will!

  • #22
    Volker Steude

    Man kann sich vieles schön reden. Das Urteil von uns Menschen, die wir hier wohnen, ist natürlich in die ein oder andere Richtung gefärbt. Trotzdem bin ich erschreckt, wie deutlich und hart das Urteil der Menschen über unsere Region ausfällt, trotz Kulturhauptstadt 2010.

    Auch ist die Einschätzung von außen ganz eindeutig: Hier im Revier herrscht Filz und Klüngel, der für die Abwärtsspirale, in der sich die Städte befinden, hauptverantwortlich ist. Nicht-Ruhrgebietler halten dies für eine Tatsache, bei dieser Einschätzung besteht bei ihnen nicht mal ansatzweise Diskussionsbedarf. Nur wenige Menschen im Ruhrgebiet versuchen die politischen Zustände zu rechtfertigen, bzw. zu relativieren, nach dem Motto woanders ist doch auch schlecht.

    Erschreckend aber richtig ist der letzte Satz aus dem Artikel hier “Und das Schlimmste ist – es scheint die Menschen hier nicht einmal mehr zu stören.”

    Das hat aus meiner Sicht insbes. zwei Gründe:

    1. Vieles wird von der lokalen Presse gänzlich unkritisch verbreitet. Da kann man sich die Berichte zu Promi-Sausen und millionenteuren Prestigeobjekten der letzten Jahre, die nachher krachend gescheitert sind mal so im Nachhinein anschauen. Da wird man sehr nachdenklich.

    Was anderswo in der Presse zu einem Aufschrei führt, wird hier unter “wie üblich” abgehakt und man spart sich gerne mal die Berichterstattung, weil man ja auch nicht zu negativ über die Städte berichten will.

    2. Noch viel schlimmer: Viele Menschen haben einfach aufgegeben. Es herrscht die Meinung, es lässt sich ohnehin nichts ändern. Es gibt keinerlei Alternative zu den herrschenden Zuständen. Da wählt man lieber nicht als die vermeintliche Opposition. Denn die ist in den meisten Städten des Ruhrgebietes mindestens so schlecht wie der regierende Filz und Klüngel, wenn sie nicht sogar selbst tief in Filz und Klüngel verstrickt ist.

    Sind irgendwem alternative Konzepte, konstruktive Vorschläge der Opposition bekannt, die tatsächlich Filz und Klüngel ernsthaft heraus fordern? Irgendwie sind für die meisten Menschen Filz und Klüngel mittlerweile alternativlos!

    Dass man da Hoffnung schafft, dass sich doch was ändern lässt, dass wird dauern und leider nicht von heute auf morgen gehen.

    Positiv sehe ich momentan, dass zumindest einige lokale Journalisten erkennen, dass es eine, ja ihre, wichtige Aufgabe ist, die Vorgänge in der Lokalpolitik kritischer zu betrachten und zu beleuchten. Das zumindest weist in die richtige Richtung.

    In der Politik wird sich nur durch gravierende Personalwechsel was ändern, da gebe ich W. Stach völlig recht. Dazu bedarf es des Drucks der Bürgern. Leider sehe ich aber in den etablierten Parteien noch nicht die Lokalpolitiker, die die jetzigen ablösen könnten.

  • #23
    Robin Patzwaldt

    Und welche jungen Lokalpolitiker kommen denn in den etablierten Parteien nach oben? Doch auch nur die Angepassten und die Braven.
    Querdenker und Leute mit Veränderungswillen werden doch in der Politik nichts. Die bleiben an der Basis und können sich dauerhaft nur in der Politik halten, wenn ihnen das egal ist und wenn sie entsprechende Nerven und berufliche Unabhängigkeit haben. Auf überregionale Posten kommen sie in der Politik aber auch mit Nerven und Mut ohnehin nicht.

    Ich selber habe mich auch zwei Jahre lang in der Lokalpolitik versucht. Es hat mich, kurz gesagt, langsam ‘verrückt’ gemacht immer tiefer in diese Zustände Einblick zu bekommen.
    Jetzt, seit ich da offiziell wieder ‘raus’ bin, da kann ich wieder besser selber steuern wie intensiv und mit was ich mich hier am Ort beschäftigen will.
    Seither geht es mir wieder besser damit. Ich dosiere bzw. beschränke die Einblicke für mich jetzt einfach auf gewisse Themen und Probleme. Hört sich vielleicht ‘platt’ an, hilft aber ganz gut. Seither habe ich wieder mehr Spaß an Diskussionen und Aktionen.

  • #24
    Manfred Michael Schwirske

    Abseilen löst die politischen Probleme bestimmt nicht. Und die schlagen immer härter aufs Private durch. Ein Teufelskreis.
    Ich verrate eigentlich kein Geheimnis. Man kann einschreiten – auch innerhalb von Parteien – ohne Schaden zu nehmen. Tip: wer nix anderes erwartet, kann nicht enttäuscht werden. Mehr braucht’s nicht.

  • #25
    Walter Stach

    -18-DerHarry:

    Tolle persönliche Erfahrung.

    Mein Vorschlag:
    Trage doch den Machern von “Lebenshilfe………”Deine Erfahrung vor.
    Die können dann gegen Zahlung an Dich Deine Erfahrung/Deine Idee vermarkten:

    “Lebenshilfe -gegen Depressionen hilft bloggen bei den Ruhrbaronen”.

    Wenn das klappt, bekomme ich aber für meine Anregung etwas vom Honorar ab!

  • #26
  • #27
    Arnold Voss

    Ratet mal Leute, wieso Karl Ganser weder vor, noch während noch nach der IBA im Ruhrgebiet gewohnt hat? Ratet mal wieso Herbet Grönemeyer nie ins Ruhrgebiet zurück gekommen ist? Ratet mal, wieso Elke Heidenreich, alias Else Strathmann nicht im Ruhrgebiet lebt? Ratet mal wieso Christoph Schlingensief nach dem Abitur in Oberhausen für immer das Ruhrgebiet verlassen hat? …. Wer will die Reihe fortsetzen,Leute? Euch fallen doch bestimmt noch ein paar mehr oder weniger berühmte Köpfe ein, oder?

  • #28
    derHarry

    #25 | Walter Stach

    “Tolle persönliche Erfahrung.”

    Na, ich weiß nicht, sonne Krankheit will man Niemanden wünschen.

    Andererseits will ich mich aber auch nicht beklagen. Immerhin merk ich nichts,
    und weh tuts auch nicht.

  • #29
    der, der auszog

    @Arnold. ich setzt dann mal ein bisschen die Reihe fort.

    Wim Wenders, aufgewachsen in Oberhausen, lebt jetzt in Berlin und Los Angeles

    Sönke Wortmann, geboren in Marl, lebt jetzt in Düsseldorf

    Hape Kerkeling, geboren in Recklinghausen, lebt jetzt in Düsseldorf

    Heinz Rühmann, geboren in Essen, aufgewachsen in Wanne, lebte in Berlin und München, starb in Aufkirchen (Bayern)

    Hans Dieter Hüsch, geboren und aufgewachsen in Moers, lebte in Mainz, dann in Köln und die Jahre vor seinem Tod in Werfen, Rhein Sieg Kreis

    Gershon Kingsley, geboren in Bochum, floh 1938 nach Palästina, lebte nach dem Krieg in München, jetzt in New York

    die wenigsten kennen Gershon Kingsley, aber alle Welt kennt Popcorn:
    http://www.youtube.com/watch?v=OSRCemf2JHc

  • #30
    Hans Meier

    Hi ihr Ruhrbarone, das was ihr macht ist klasse, weil es den Aspekt einer kritischen Presse verkörpert, ihr seid die, die den „Schmuh des Kumpelfilz“ nicht so galant transportiert, wie die beim „Escort-Service“ der Lokal-Blätter im Parteibesitz. Ihr gendert euch auch nicht in die GEZ-Organe, mit dieser freien und kritischen Haltung, seid ihr eine Minderheit, die sich zunehmend Respekt verdient.
    Ihr seid nicht so drauf, wie die ökolinken Böllbuben, ihr seid die Journalisten! Ein kleiner und qualifizierter Teil einer vierten Macht.
    Der Macht die auch macht, und die digitalen Medien nutzt. Also dort wo der Strukturwandel in der medialen Welt schon Realität ist. Wo eine Perspektive im wirtschaftlichen Sinn, nicht nur den Dinosauriern des Gewerbes, täglich mehr Verluste beschert, u.a., weil sich die Ökolinken-Medien völlig von der Realität entfernt haben. Genauso wie die Revierfilzläuse sich noch sicher fühlen.
    Die Dynamik, die man sich wünscht, in der sich Entwicklungen verbessern, muss die Zähigkeit berücksichtigen, mit der die alten Seilschaften dagegen kämpfen, sich „abseilen zu müssen“. Darum bleibt bitte am politischen Ball und behaltet euren fairen Mut geradlinig zu bleiben.

  • #31
    Walter Stach

    -27- Arnold, es wäre ja interessant, von den Genannten ‘mal zu hören, warum sie nicht im Ruhrgebiet gewohnt haben bzw. von dort weggezogen sind. Das kann wie bei uns allen berufliche/familiäre Gründe haben.Und über andere Gründe sollten die Betroffenen ‘was sagen. Vielleicht meldet sich eine(r)von denen. Oder hat jemand von den Ruhrbaronen zu diesen Personen pesönliche Kontakte, um sie befragen zu können?

    Soweit ich Karl Ganser verstanden habe -wir haben 2o11 ‘mal wieder telefonisch miteinander gesprochen-, war ihm zuletzt die Politik-Kultur im Revier-ihre Inhalte, ihre Prozesse- absolut zuwider, und zwar die Politik-Kultur, wie sie von der Herrschaft der Parteien, vornehmlich “meiner” SPD, geprägt ist.
    (Ich frage mich, ob in diesem Zusammenhang von einer Politik-K u l t u r überhaupt -noch- gesprochen werden darf.)

    Anderseits wußte Karl Ganser sehr wohl die vielfältige – oft kleinteilige- politischen Kultur der Bürgerschaft des Ruhrgebietes zu schätzen. Er hat es z.B. verstanden, im Rahmen von IBA-Projekte qualitativ hochwertiges Engagement in der Bürgerschaft für viele kleine Projekte zu wecken und für die jeweilige Sache zu nutzen.

    Ich habe schon ‘mal hier bei den Ruhrbaraonen gesagt -und Widerspruch geerntet-, daß ich mir mehr Persönlichkeiten vom Typ Karl Ganser für das Revier wünschen würde. Daß wir solche Typen derzeit nicht, nicht hinreichend öffentlich wahrnehmbar vorzeigen können, liegt m.E. nicht daran, daß es im Revier keine gibt, sondern daran, daß sie sich nicht für die Angelegenheit der örtlichen, der regionalen Gemeinschaft engagieren wollen. Und das hat wiederum zutun mit der hier immer wieder angesprochen und beklagten Problematik einer allumfassenden Herrschaft der Partei(en) und der mit ihnen verbundene/verbandelten Gewerkschaften, ( Kirchen?), Großkonzerne, Medien. Und diese Herrschaftsmacht ist nicht beschränkt auf die (kommunalrechtlich)verfaßte Kommune/Region, sondern umfaßt alle Bereiche der Gesellschaft im Ruhrgebiet.

  • #32
    Manfred Michael Schwirske

    Ich zitiere mal Arnold: die Reichen wohnen, wo sie wollen, die Armen wohnen, wo sie müssen. Wer will, soll gehen. Wir sind noch hier und es geht um die x Millionen andern Menschen hier. Das wird so bleiben. Egal, wieviele gehen.

    Ich finde den Konsens der Diskussion bemerkenswert und wichtig: Hier im Ruhrgebiet herrscht eine politische Kultur, die der Semantik dieses Begriffs nicht mehr ansatzweise gerecht wird.

    Damit zusammenhängend finde ich etwas anderes bemerkenswert. Die Insider dieser Unkultur haben dafür absolut keine Wahrnehmung. Und zwar weder deren Protagonisten, noch deren Umfeld. Meine Interpretation: die heutigen Parteiensysteme sind nach aussen hermetisch abgeschlossen und folgen ausschliesslich ihren eigenen inneren Interessenkalkülen. So etwas entgleist immer.

  • #33
    Joachim Jürgens

    Hervorragender Beitrag (incl. der vielen Kommentare)
    Als Kommunalpolitiker (mit 68 Jahren, Rente im Sack und eigene Wohnung, will sagen nicht in Zwängen eingebunden) laufe ich in unserer Kommune auch Don Quichotte gleich gegen den genannten Windmühlenflügen. Aber nur das Ruhrgebiet? Sicherlich ist hier die Häufung signifikant. Woanders aber auch, sh. http://www.welt.de/politik/article3802965/Diktatur-des-Hinterzimmers-auf-dem-platten-Land.html
    Nicht lockerlassen, wer verzagt, hat schon verloren.

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