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Schwachsinn Bürgerkrieg

In Glaube, Sitte, Heimat | Am 30 Juni 2009 | Von Stefan Laurin

Udo Ulfkotte hat ein Buch mit dem Titel „Vorsicht Bürgerkrieg“ geschrieben. „Vorsicht Paranoia“ wäre auch ein schöner Titel gewesen.

Bad Godesberg kurz vor mörderischen Krawallen. Foto: nrw.de

Glaubt man Udo Ulfkotte, stehen wir in Deutschland vor schwersten sozialen Unruhen. Die Bücher des ehemaligen FAZ-Redakteurs erscheinen heute im Kopp-Verlag.  In Nachbarschaft zu Titeln wie „Befreit von dunklen Mächten – Wie kann man fremde Energien und Wesenheiten erkennen oder dämonische Besetzungen bemerken?“ oder Catherine MacCouns „Der Weg zum Alchimisten – Ein Leitfaden für den Magier des 21. Jahrhunderts“ finden wir auch Ulfkottes neues Buch „Vorsicht Bürgerkrieg“.

Gut, von den Rechtsradikalen, die zeitweise seine Nähe suchten, hat sich Ulfkotte distanziert, doch seine Bücher werden immer schriller, haben etwas vom Untergangsprediger, der weiß, dass das Ende nahe ist und der daran leidet, dass niemand ihm glaubt. Liest man Ulfkottes Buch, dessen Thesen zum Teil von der Welt ohne jede Kritik weiter verbreitet wurden, eröffnet sich einem ein Szenario des Untergangs: Die Bundesregierung wusste schon 2003 von dem Crash, Ausländer werden bei der Vergabe von Arbeitsplätzen bevorzugt und bei der Bundesregierung kursieren Listen mit potentiellen Brandherden – der angeblich so genannte "Atlas der Wut". Er listet Stadtteile auf, in denen die Sicherheitsbehörden angeblich von einer hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es zu schwersten sozialen Unruhen kommt. Akribisch fügt Ulfkotte Beleg an Beleg – da eine Ausschreibung des WDR für einen Mitarbeiter mit Migrationshintergrund, hier einen Artikel aus dem Handelsblatt von 2003, in dem es um Bad Banks geht – und den "Atlas der Wut" durfte er einsehen.

Zu den Stadtteilen, in denen bald marodierende Horden ihr Unwesen treiben könnten gehören das beschauliche Bad-Godesberg, das etwas schmuddelige Bottrop Boy, Berlin-Lichterfelde, das Bochumer Uni-Viertel und Gelsenkirchen Bismarck. Auch Dortmund-Hörde und das sauerländische Attendorn stehen angeblich kurz vor der Explosion. Es wird niemanden überraschen, dass ich beim Nachfragen nach diesem Atlas keine Bestätigung bekam. Mocki Diller, Mitarbeiter des Gelsenkirchener OBs Frank Baranowski hielt schon die Idee für Schwachsinn, bei der politischen Polizei in Bochum brach man in lautes Lachen aus, und bei der Pressestelle der Bundesregierung in Berlin bemerkte man trocken, dass wenn das Märkische Viertel auf der Liste fehlt, was es tut, die Liste sowieso Schrott wäre. Mag sein, dass es so eine Liste trotzdem gibt – es wird tausende von Listen geben.

Was erschreckend ist, ist die Einseitigkeit, mit der Ulfkotte seine Fakten zusammen trägt. Ja, es gibt Probleme mit Islamisten – aber es gibt auch Integrationserfolge. Ja, es gibt rechtsfreie Räume – aber die Kriminalität in Deutschland liegt im internationalen Vergleich auf einem niedrigen Niveau und ist leicht rückläufig. Ja, es gibt faule und korrupte Richter, Polizisten und  Politiker – aber solche Einzelfälle fliegen immer wieder auf und sind, bei aller Kritik an jedem Fall, nicht typisch. Ulfkotte malt das Bild eines Landes im Niedergang – in drastischen, dunklen  Farben. Was nicht zu seiner Katastrophenthese passt, wird ignoriert. Man kann das tun: Man kann alle Probleme auflisten, einen Strich drunterziehen, addieren und dann mit Erschrecken das Ergebnis betrachten: Den Untergang. Man kann sich aber auch die Probleme anschauen, nach erfolgreichen Lösungsansätzen suchen und zeigen, wie es besser geht. Nur, dann wird man keinen reißerischen Titel wie „Vorsicht Bürgerkrieg“ schreiben können.



22 Kommentare und 0 Ping(s) zu »Schwachsinn Bürgerkrieg«

  1. #1 | Werner Jurga sagt am 30. Juni 2009 um 15:39

    Auch sehr hübsch, gestern in der “Welt”: Terrorismusexperte Udo Ulfkotte behauptet, die Koalition habe bereits Pläne in der Schublade, um soziale Brandherde einzudämmen:
    http://www.ruhrbarone.de/schwachsinn-burgerkrieg/
    Zwei Drittel der Welt-Leser halten “soziale Unruhen” für unvermeidbar. Schreck, lass nach! Die Deutschen und “soziale Unruhen”. Andererseits: es wäre doch auch einmal schön, wenn endlich mal etwas los wäre. Vielleicht träumt Ulfkotte insgeheim davon. Ich meine, die von der “Aktion saubere Leinwand” mussten sich ja auch ständig verdächtige Filme ansehen.

  2. #2 | Barbara Underberg sagt am 30. Juni 2009 um 16:09

    Udo Ulfkotte ist m. E. unseriös, jemand, der mit Krawallbüchern Geld verdient. Seine Bücher heißen “SOS Abendland, die schleichende Islamisierung Europas” oder “Heiliger Krieg in Europa”. Also bitte.

    Gleichzeitig wirbt er auf seiner eigenen Internetseite http://www.ulfkotte.de für einen Vortrag über “Muslimische Kunden und Mitarbeiter”, angeblich um für muslimische Belange zu sensibilisieren. Und das klingt so: “Wie also müssen Toiletten für Mitarbeiter und Kunden ausgerichtet sein, damit sie die religiösen Gefühle von Muslimen nicht beleidigen? Wie müssen Wudu-Waschräume für Muslime in einem Betrieb aussehen? Warum lehnen bestimmte Muslime den Kontakt mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln ab? Darf man während der Arbeitszeit zu Allah beten? Beleidigt eine Weihnachtskarte oder Osterdekoration Muslime? Muss ein Trend-Friseur auch eine vollverschleierte Muslima als Friseurin beschäftigen? Welche Unternehmen und Behörden stellen Dienstkopftücher zur Verfügung?”

    Da kriegt man vor der muslimischen Invasion ja direkt Angst – unsere Klos, christlichen und weltlichen Bräuche sind offenbar akut bedroht. Perfide Propaganda ist das, sonst nichts.

  3. #3 | Andreas Scholz sagt am 30. Juni 2009 um 17:10

    Ich weiß nicht, von wem das ist: Paranoid zu sein bedeutet nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.
    Ich wundere mich nur ein kleinse bischen darüber, wie viele Leute versuchen auf dieser Welle zu reiten.
    Es ist wohl, was es ist: die schlichte Bedienung einer selbst geweckten Nachfrage.
    Also Marktwirtschaft in Reinform.
    Erfinde ein Produkte und finde deinen Markt.
    Die Wahrheit ergibt sich aus dem Erfolg.
    Wenn der Erfolg nicht in Verkaufszahlen (der Bücher) dafür aber in ausländerfeindlichen Straftaten messbar wird, will der gute Mann davon sicher nichts wissen.

  4. #4 | Nicolai sagt am 30. Juni 2009 um 17:47

    Dein Zitat ist von Terry Pratchett. Aus dem Roman ?Strata?. Frag? mich bitte nicht von welcher Seite.

    Ich persönlich freue mich nicht auf deutsche Riots. Ich halt?s da mit Kulla: ?Germany might trick me once, I won?t let it trick me twice!?
    Ich fürchte mich davor, denn die deutsche Bevölkerung wird ? in ihrer jetzigen Verfassung ? als Mob die ?Schuldigen? lynchen. Und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass im Mob die Leser_innen des Herrn Ulfkotte sein werden?

  5. #5 | Jens sagt am 30. Juni 2009 um 18:19

    Einfach mal nach Paris schaun, Bürgerkriegsansätze gibt es schon in den Vorstädten…

  6. #6 | Angelika Bartscherer sagt am 30. Juni 2009 um 19:25

    Wer spricht von Bürgerkrieg?
    Ist es wirklich so schwer vorstellbar, dass die Menschen sich gegen Ungerechtigkeit erheben?
    Die Frage ist doch ? Wollen die Menschen Gewalt oder wollen sie nur soziale Unruhe.?
    Was kann soziale Unruhe sein? Soziale Unruhe bedeutet in Deutschland schon, wenn sich Menschenmassen friedlich gegen die Meinung der Politik (herrschenden Parteien) erheben.
    Was meinen Sie warum für Opel der Staat eintrat und für Arcandor nicht. Sie wissen es nicht?
    Nun ich versuche es hier mal zu erklären. Die Mitarbeiter von Opel gehörten in der Vergangenheit immer zu den besser verdienenden. Was die Opel Mitarbeiter an Lohn bekamen das sucht in der Branche( außer bei den Werken VW, Mercedes, BMW, Fiat, Porsche) seines gleichen. Ein Auto Mechatroniker (früher Autoelektriker, oder Automechaniker) auf dem freien Markt, in den kleinen Betrieben verdient die Hälfte von dem was diese Werksarbeiter verdienen. Die Masse der Arbeitnehmer bei Arcandor, verdient auch überwiegend in der unteren Einkommenshälfte. Was meinen Sie wäre passiert wenn die Opelaner mit Ihrem überdurchschnittlichen Einkommen auf einmal nach einem Jahr Hartz VI Empfänger geworden wären. Ihre Belastung nicht mehr hätten tragen können? Glauben Sie das diese Menschen die gut organisiert sind sich ruhig hingesetzt hätten und nichts getan worden wäre. Ich glaube, da wäre die erste Unruhe vorprogrammiert gewesen.
    Was glauben Sie?

  7. #7 | Gumbo sagt am 30. Juni 2009 um 21:15

    Hinsichtlich des Kopp-Verlages habe ich auch Zweifel ? die leben hauptsächlich von mehr oder minder obskuren Verschwörungs-Schmökern. Na ja, ein Großverlag traut sich an solch ein ?heißes Eisen? wie das Ulfkotte-Buch aber wohl nicht heran ?

    Aber “Multi-Kulti” und die masslose Massenzuwanderung werden uns in den nächsten Jahren um die Ohren fliegen, dass es kracht, das halte ich für unausweichlich.

  8. #8 | Puck sagt am 30. Juni 2009 um 21:26

    @Angela Bartscherer
    Ich kann Ihren Argumenten nicht ganz zustimmen.
    Ob es vernünftig war, Opel zu retten – und ob Opel tatsächlich gerettet ist halte ich für keineswegs ausgemacht – kann man fragen. Fest steht, daß ein Vergleich mit Arcandor hinkt.
    Selbst nach der Pleite von Arcandor verschwinden die Kaufhäuser ja nicht aus den Innenstädten, es steht anschließend nur ein anderer Name über dem Eingang. Irgendwo müssen die Menschen schließlich ihr Zeug kaufen.
    Was ich viel mehr bedauere ist das Sterben der Fachgeschäfte. Das führe ich darauf zurück, daß sich noch immer hartnäckig das Gerücht hält, Fachgschäfte wären teuerer. Fachgeschäfte sind nach meiner ERfahrung nicht teuerer, sondern nur besser sortiert.
    Und das Sterben der Fachgeschäfte kostet mehr Arbeitsplätze als die Insolvenz großer Kaufhäuser, das nur nebenbei.
    Und daß über dem Eingang des insolventen Kaufhauses anschließend womöglich das Logo eines 1EUR-Billig-Ladens prangt ist nicht der Regierung anzulasten, sondern den Verbrauchern, die Geiz anscheinend noch immer geil finden.
    Außer beim Autokauf. Da darf es schonmal ein bißchen teurer sein.
    Und damit wären wir wieder bei Opel.
    Soziale Unruhen in Deutschland? Von der Belegschaft fest gesetzte Manager wie in Frankreich?
    Ich weiß nicht, kann ich mir nicht vorstellen.
    We’ve never chopped a king…
    In Deutschland lassen sich die Leute gefallen, daß mit Milliardenbeträgern Banken “gerettet” werden, ohne daß dabei Vorkehrungen getroffen werden, daß nicht weiter fette Boni an die ausgezahlt werden, die den Karren an die Wand gefahren haben. Man mosert ein bißchen über “die da oben” und läßt sich den Schneid abkaufen mit der Abwrackprämie.
    Es sei denn, der mit der Abwrackprämie gekaufte Neuwagen muß demnächst in der Garage stehen bleiben, weil der Sprit inflationsbedingt 10 EUR/l kostet…
    Das wäre vermutlich die einzige Gelegenheit, bei der in Deutschland ähnliches Temperament frei gesetzt würde wie bei den Nachfahren der Wütenden, die johlend hinter dem Karren zur Guillotine hergelaufen sind.

  9. #9 | Frank sagt am 30. Juni 2009 um 21:46

    Lichterfelde? Hihi.

    Ich finde, die ganzen PI-Hanseln und Ulfkottisten, die sich in ihren schlecht geschriebenen Pamphleten die Ausländer- Islamisten-Bedrohung zurechtkreischen, mögen doch bitte mal rausgehen, einen Spaziergang machen, bei schönem Wetter unbefangen auf die Welt blicken. So ein bisschen frische Luft tut dem Denken gut. So ein Quark wie

    Aber ?Multi-Kulti? und die masslose Massenzuwanderung werden uns in den nächsten Jahren um die Ohren fliegen, dass es kracht, das halte ich für unausweichlich.

    ergibt bei Tageslicht betrachtet nämlich erfreulich wenig Sinn.

  10. #10 | Angelika Bartscherer sagt am 30. Juni 2009 um 22:13

    Ich stimme Ihnen voll darin zu, dass der Einzelhandel bzw. die wirklichen Fachleute im Einzelhandel. Doch diesen Einwand habe ich schon vor einen halben Jahr geschrieben. Vielleicht wird mein Kommentar von damals ja Heute veröffentlicht Damals wurde er von Fokus online auf Grund von Rechtschreibefehlern ausgeschlossen.
    hier mein damaliger Artikel
    Wo ist das Geld?
    Es ist doch vollkommen egal wo das Geld ist, denn wir werden es für den Mittelstand nicht nutzen können. Die Gewinner in diesem Finanzgau sind wie immer die Industrie und Großaktionäre. Die Industrie weil sie auf einen Schlag viele Mitarbeiter loswerden kann. Die Großaktionäre weil sie die Börse mit den fallenden Aktienkursen als Schnäppchenmarkt nutzen können.
    Die Dummen sind die Mittelständler und die Arbeitnehmer, denn die dürfen alles blechen.
    Wenn auf Grund der heutigen Finanzlage, der Bäcker eine Arbeitskraft entlassen muss, dann kräht kein Hahn danach.
    Wenn VW oder Opel 1000 Arbeitplätze streichen muss aus dem gleichen Grund schreit ganz Deutschland auf. Ich versuche nun mal die Milch- Mädchen -Rechnung für so blöde wie mich.
    Wir haben ca. 12244 Städte in Deutschland wenn jede Stadt einen Bäcker hat und jeder eine Arbeitskraft entlässt auf Grund der Konjunktur, dann haben wir 12244 Arbeitslose. Das sind nur die Bäcker.
    Jetzt rechnen Sie mal weiter es gibt noch viele kleine Unternehmen im Mittelstand der Friseur, der Schuster, der Elektriker, der Dachdecker usw … Wenn der Mittelstand 6/10 der versicherten Beschäftigen zählt dann könnt ihr Euch ausrechnen, dass die Anzahl der Arbeitslosen viel höher wäre als in der Industrie.

    Bekommt der Bäcker oder bzw. der Mittelstand Subventionen?
    Muss nicht jeder Betrieb sich Gedanken machen, wie es in der Zukunft weiter gehen soll. Wenn der kleine Unternehmer merkt, dass ein Produkt sich nicht verkaufen lässt, dann muss er sich überlegen was er ändern kann. Wenn der Mittelstand oder der Kleinbetrieb nicht reagiert auf Angebot und Nachfrage, bekommt er von den Banken gesagt:? Ihr Betrieb ist nicht rentabel, wir können ihnen keinen höheren Spielraum einrichten.?
    In der Industrie ist es anders. VW hat ca. 329000 Mitarbeiter, das sind ungefähr 1/10 des Mittelstandes ob die alle in Deutschland beschäftigt sind weiß ich nicht, weil ja viele Arbeitsplätze ins Ausland verfrachtet wurden, sind ja auch billiger. Wieso soll ich jetzt für deren Fehler zahlen?
    Politiker sind nicht mehr für das Wohl des Bürgers zuständig sondern nur noch für das Wohl der Industrie und auf ihr eigenes Image bedacht.
    Ach so kann mir jemand sagen ob ich jetzt eine Ermäßigung für das Busgeld bekomme wenn ich mir mein Brötchen bei meinem Bäcker kaufe? Ich meine nur, ich bin doch dann besonders umweltfreundlich und es heißt doch es ist eine Umweltprämie, wenn ich mir ein Auto kaufe. Bekomme ich eine Verschrottungsprämie für mein Fahrrad? Dem Einzelhandel geht es doch auch nicht gut und ein gutes verkehrssicheres Fahrrad wäre nicht schlecht.
    Noch ein Satz zum Einstieg Deutschlands in die Commerzbank. Wenn ich zur Volksbank gehe bekomme einen Anteil den ich ja zahlen muss. Damit gehört ein Teil des erwirtschafteten Geldes mir. Nun sind wir als Staat ja Miteigentümer der Commerzbank geworden. Wie hoch ist jetzt der Anteil für jeden Bundesbürger? Da wir die schlechten Zeiten finanzieren bin ich schon gespannt auf die Dividende in der guten Zeiten bei Bedarf sende ich Ihnen meine Kontonr. zu.

    Natürlich hängen an der Autoindustrie auch noch Zulieferer die natürlich auch wieder Arbeiter entlassen müssen. Die Arbeiter tun mir leid, die Firmen nicht. Denn in jedem Bäckerladen bekommt man Heute mehr als nur Brot und Brötchen weil der Bäcker alleine davon nicht leben kann und sich schnell nach einem zweiten Einkommen umgeschaut hat.
    Die Zulieferfirmen haben sich dumm gehalten und gedacht wenn es mal in der Industrie nicht gut geht, dann wir man diese schützen weil wir ja auch noch da sind.
    Wer sich auf Andere verlässt sollte verlassen sein.

  11. #11 | Informant sagt am 30. Juni 2009 um 22:17

    Der amerikanische Geheimdienst CIA hat zusammen mit zahlreichen Nichtregierungs-Organisationen (NGO) im Dezember 2004 sein ?Mapping the Global Future? zur globalen Entwicklung bis 2020 vorgelegt. Als aufsteigende Mächte werden China und Indien charakterisiert, deren Wirkung auf den Wandel der geopolitischen Landschaft ?möglicherweise so drastisch wie jener in den vergangenen zwei Jahrhunderten? sein wird: China und Indien werden ?den Prozess der Globalisierung umwälzen?. Bereits in wenigen Jahren werde China Japan ökonomisch übertreffen. Auch Gefahren werden skizziert, so der demografische Faktor, die Überalterung der Gesellschaft (2020: rund 400 Millionen Chinesen über 65 Jahre) und die daraus resultierende Explosion der Altersvorsorge, epidemische Krankheiten, Korruption, hohe Arbeitslosigkeit und soziale Unruhen.

    Unter anderem gab es auch einen Arbeitskreis, der sich mit dem Thema Europa beschäftigt hat. Dort wurden verschiedene mögliche Szenarien durchgespielt. Also keine Tatsachen, sondern fiktive Darstellungen als Diskussionsgrundlage.

    Ein Szenario beinhaltet die Möglichkeit, dass in Verbindung mit niedrigem oder ausbleibendem Wirtschaftswachstum und fehlende politische Reformen, speziell in Deutschland und den Balkanregionen ethnische Auseinandersetzungen aufgrund von anhaltender Immigration auftreten könnten.

    Das Szenario sieht aber Unruhen oder Aufstände in Städten aufgrund politischem Extremismus eher in schlecht entwickelten Ländern der EU (wie beispielsweise den neu beigetretenen östlichen Mitgliedern) als möglich an.

    Deutsche Städtenamen werden dort nicht erwähnt und von Bürgerkriegen ist auch nicht die Rede. Das Buch schlägt also leicht über die Stränge würde ich sagen.

    Wer Englisch kann und mehr lesen will hat hier die Original-Quelle:

    http://www.dni.gov/nic/PDF_GIF_2020_Support/2004_04_28_papers/scenarios.pdf

  12. #12 | Angelika Bartscherer sagt am 1. Juli 2009 um 00:13

    Mein lieber Mitdenker,
    ich stelle doch nicht in Frage, ob andere oder unser Land schon ein Konzept zur Gegenwehr hat. Ich frage mich nur ob die Politik bzw. die regierenden Parteien, vielleicht Angst vor dem Wähler hat. Wir können ja nun nicht alles so weiter laufen lassen wie es Zeit ist. Weil wenn es keine Angst vor Unruhen gäbe, würden wir hier nicht darüber diskutieren, ODER?
    Die Frage ist doch, laufen die Unruhen im Zeichen von Austausch oder im Zeichen von Missverständnis ab. Sind wir bereit neue Wege zu gehen, oder wollen wir auf alten Wegen gleiche Fehler begehen.
    In Duisburg schafft ein neuer Gedanke Platz für eine ganz andere Perspektive. Gib mal Mimi Mueller in Google ein.

  13. #13 | Angelika Bartscherer sagt am 1. Juli 2009 um 00:40

    Mein lieber Mitdenker,
    ich stelle doch nicht in Frage, ob andere oder unser Land schon ein Konzept zur Gegenwehr haben. Ich frage mich d och nur ob die Politik bzw. die regierenden Parteien, vielleicht Angst vor dem Wähler haben. Wir können ja nun nicht alles so weiter laufen lassen wie es zurzeit ist. Weil wenn es keine Angst vor Unruhen gäbe, würden wir hier nicht darüber diskutieren, ODER?
    Die Frage ist doch, laufen die Unruhen im Zeichen von Austausch oder im Zeichen von Missverständnis ab. Sind wir bereit neue Wege zu gehen, oder wollen wir auf alten Wegen gleiche Fehler begehen. Wer ist denn bereit zum Krieg , wir oder die parteiliche Oberhand in diesen Staat?
    In Duisburg schafft ein neuer Gedanke Platz für eine ganz andere Perspektive.in der ganzen Republik könnten Bürger profitieren wenn sie einer anderen Denkweise mal die Möglichkeit geben würden. Raus aus dem Kleindenken und hin zur Globalen Denkweise Wir die Bürger sind der Staat und wir können entscheiden wer die Macht bekommt. Aber wie müssen Alle entscheiden wir dürfen uns nicht vor der Wahl drücken auch das sind soziale Unruhen in diesem unserem Land. Gib mal Mimi Mueller in Google ein.

  14. #14 | Faßbender sagt am 1. Juli 2009 um 02:25

    Bad Godesberg, ja? Ohmeingott.

    Das Bild beim Artikel zeigt ungefähr den Blick aus meinem Fenster.

    Vor meinem geistigen Auge rotten sich schon die hier im ehemaligen
    Diplomatenviertel der seinerzeitigen Bundeshauptstadt dahindarbenden Volksmassen
    zusammen, bestehend aus Post- und Telekomvorständen und Managern, Ärzten,
    Polit- und Bundespensionären, Ministerialbeamten, UN-Diplomaten, Bankern,
    Lehrern, den Dozenten der König-Fahd-Akademie und ein paar saudischen Prinzen,
    die hier Villen am Rhein besitzen. Besonders gefürchtet: Der Schwarze Block
    vom Jesuitenkolleg.

    Die wälzen sich dann unter Führung von Revolutionsführer Wolfgang Clement
    unter Absingen proletarischer Kampflieder an Peer Steinbrücks
    bescheidenem Anwesen und ein paar Ministerien, Konsulaten,
    Kliniken und Hotels vorbei durchs Villenviertel auf die Bastei am Rhein http://www.bastei-bonn.de/html/biergarten.html ,
    um dort durch die entschlossene Vernichtung von
    Seelachs und Grauburgunder für den endgültigen sozialen Ausgleich
    zu manifestieren. Dabei geht der eine oder andere Fidibus in Flammen
    und so manche Havanna in Rauch auf.

    Herr Ulfkotte, wie Sie sehen, klingen Ihre Argumente in meinen Ohren
    ausgesprochen überzeugend, aber nach Angaben einiger weiterer Publikationen
    des Kopp-Verlages endet ohnehin am 21. Dezember 2012 die Welt, wie wir sie kennen,
    und wir werden alle von Aliens in Lichtsphären gehievt. Oder so ähnlich.

    Ob es sich da noch lohnt, jetzt einen Bunker in den Hang zu graben?

  15. #15 | Arnold Voß sagt am 1. Juli 2009 um 06:50

    Es wird zweifellos ökonomisch enger und sozial schwieriger in diesem unserem Land werden. Die Verteilungskämpfe werden in Anbetracht des Minuswachstums und der leeren Kassen zunehmen. Aber das alles geschieht auf Basis eines historisch nie dagewesenen technologischen Niveaus, einer unglaublichen Produktivität und einer immer noch und insgesamt und im Weltvergleich ausgezeicheneten Infrastruktur.

    Es ist auch nicht so, dass die Arbeit für die Menschen ausgeht. Im Gegenteil, es gibt jenseits des täglichen Bedarfs an Verbrauchs- und Investitionsgütern so viel an Erziehung, Bildung, Pflege und an materiellen ökologischen Reperaturleistung zu erbringen, dass noch für viele Jahre alle die, die arbeiten wollen und können, gut damit ausgelastet sein werden.

    Und für die, die nicht mehr arbeiten können oder wollen bleibt bei dieser ökonomischen Basis, wenn sie denn wieder eine neue und eher grüne Wachstumsdynamik entfalten kann, zumindst ein Grundsicherung über. Wenn dass alles, trotz heftigerer politischer Auseinandersetztung über die Verteilung des Bruttoszialproduktes, ein Grund zur Revolte sein sollte, dann fresse ich einen Besen.

    Das es zwischendurch mal kurzfristig knallt, dass die Proteste mehr werden und wohlmöglich auch die ethnisch-kulturellen Auseinandersetzungen zunehmen, ändert nichts an diesen gesellschaftlichen Grundbedingungen in Deutschland und im größten Teil Europas.

    Hier scheint mir doch bei vielen der eigene Wunsch nach dem “Aufstand” gegen die bestehenden Verhältnisse größer zu sein als die Fähigkeit sie zu analysieren. Soziale Unruhen sind für die Mehrzahl der Menschen eine Bedrohung und für die Aktiven letztlich auch schwere und zusätzliche Arbeit. Mit dem Kopf und mit der Faust. Wer tut sich so etwas an ohne selbst unter enormen Druck zu stehen.

    Und dieser persönliche Druck ist hier in Deutschland gerade bei der sogenannten Unterschicht nicht oder nur sehr eingeschränkt vorhanden. Die jedoch, die sich noch wehren wollen und können, tun dies ausschließlich für die eigenen Interessen. Wer also sollte das Subjekt für den Aufstand der Masse der Geknechteten sein, wenn sich keiner so richtig geknechtet fühlt? Wenn die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes allemal höher ist als vor der Ausbeutung durch die Arbeit selbst.Wenn selbst dann, wenn der Arbeitsplatz weg ist – und was ich alles natürlich gut so finde -, niemand verhungern oder verdursten muß, geschweige denn sein Dach über dem Kopf verliert .

    Wenn die ganze Welt bei diesem Standard angelangt wäre, dann wären wir einen riesigen Schritt weiter!

  16. #16 | Timo sagt am 1. Juli 2009 um 09:19

    Wie kein Neukölln?
    Ist jetzt wieder alles gut?
    Stimmt, die Rütli-Schule brennt auch gerade mal nicht.

  17. #17 | Arnold Voß sagt am 1. Juli 2009 um 12:31

    Woanders brennen Schulen nicht im übetragenen Sinn sondern in Wirklichkeit und der Stadtteil darum gleich mit.Also schön auf dem Teppich bleiben.

  18. #18 | Dirk Haas sagt am 1. Juli 2009 um 18:00

    Na ja Arnold, bei ?also schön auf dem Teppich bleiben? fallen mir da als Erstes die schönen Bürgerkriegsteppiche ein, die mittlerweile weltweit vertickt werden:
    http://www.warrug.com/

    ? hier ein besonders detailreiches Stück:
    http://strangemaps.wordpress.com/2009/06/25/395-strange-mats-afghan-war-rugs/

    Aber im Ernst: Udo Ulfkotte ist einer jener hysterischen Aufmerksamkeitskrieger, die mit ihrer notorischen political incorrectness nur noch an schwer sonnigen Tagen zu ertragen sind.

    Das sollte aber kein Grund sein, die Themen, die da berührt werden, klein zu schreiben. Die sozialen Konflikte, die vielleicht in anderen Teilen der Welt noch schärfer verlaufen als hier, blieben ja längst nicht mehr nur in diesen anderen Teilen der Welt ? und sie werden zunehmend religiös und ethnisch aufgeladen, auch hierzulande.

    ?Wenn Gott in den Städten der industriellen Revolution starb, so ist er in den postindustriellen Städten der Dritten Welt wieder auferstanden” ? diesen Befund von Mike Davis muss man möglicherweise auf einige europäische Großstädte ausdehnen (ich erinnere mich bspw. noch sehr gut an die Schilderungen eines Stadtteilplaners aus E-Katernberg, dem die rasante Zunahme von untereinander spinnefeinden Religionsgemeinschaften im Stadtteil in punkto sozialer Friede sehr viel mehr Kopfzerbrechen bereitet als die ?walled city? Zollverein).

    Wen es interessiert: Global Prayers, so nennt sich ein gerade begonnenes Forschungsprojekt, das sich mit der sozialen und stadtpolitischen Rolle von Religionsgemeinschaften in Metropolen beschäftigt:
    http://www.metrozones.info/

  19. #19 | Bert B. sagt am 1. Juli 2009 um 20:31

    Übrigens: 2003 musste Ulfkotte`s Buch ?Der Krieg in unseren Städten? auf Antrag von der ?Islamischen Föderation? und zahlreichen anderen Islamverbänden vom Markt genommen werden ? Die Vorwürfe mussten jedoch alle fallengelassen werden. Gegen die von Udo Ulfkotte in dem verbotenen Buch beklagten islamischen Interessensvertreter wird mittlerweile ausnahmslos strafrechtlich ermittelt ? vielleicht eine späte Genugtuung.

  20. #20 | Arnold Voß sagt am 2. Juli 2009 um 08:01

    @ Dirk

    Sie wissen aus meinen Beiträgen in diesem Blog wie sensibel ich gerade gegenüber der religiösen Fundamentalisierung auch der deutschen Gesellschaft respektive der davon betroffenen Einwanderer-Stadtteile bin. Aber hierfür selbst bei sehr negativer Prognose den Begriff Bürgerkrieg als Beschreibungskategorie auch nur in Erwägung zu ziehen ist maßlos übertrieben.

    Das erinnert mich sehr an den inflationären Gebrauch des Namens des neben Manhattan mittlerweile berühmtesten Boroughs von New York, der Bronx, für den sozialen und baulichen Zerstörungsgrad europäischer und speziell deutscher Stadtquartiere. Dabei wären die Einwohner der South-Bronx zur Zeit ihres Niedergangs sicher gerne in die Stadtteile gezogen, die man hier als Bronx bezeichnet bzw. bezeichnet hat.

    Aber auch der South-Bronx selbst geht es schon lange wieder besser und trotzdem hallt ihr negativer Ruf bis heute in der ganzen Welt noch nach.

    P.S. Ich waage allerdings nicht zu prognostizieren was passiert, wenn in Deutschland der erste Terroranschlag und/oder das erste Selbsmordattentat gelingt. Da könnte dann die Beschreibungskategorie Bürgerkrieg zumindest in manchen Städten und Stadtteilen ein Stück näher an die Realität rücken

  21. #21 | Timo sagt am 2. Juli 2009 um 19:06

    @Arnold: Welche Brandschäden an Schulen sind als Wahrzeichen für soziale Revolten in die Geschichte eingegangen?

    Ich bin sehr froh mit meiner Nachbarschaft und muss immer wieder grinsen, wenn von der angeblichen Krise in Neukölln geschrieben wird.

  22. #22 | Arnold Voss sagt am 2. Juli 2009 um 19:39

    Timo, wenn ich in Berlin bin lebe ich im Wedding. Ich weiß genau was sie meinen.

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