Sehr geehrter Lokführer der Linie S5 Do Hbf -> Mönchengladbach Hbf
Wir haben uns gestern, am 18.2.2012 um 21.30 Uhr, kurz vor Deiner (ich darf doch „Du“ zu Dir sagen?) Abfahrt um 21.41 von Dortmund Hbf mit der S5 nach Mönchengladbach kennengelernt. Wir hatten einen kurzen heftigen Wortwechsel, aber so zum richtigen Kennenlernen hat es leider nicht gereicht, was ich aufrichtig bedauere. Also an mir hat es nicht gelegen, ich hätte Zeit gehabt. Aber Du wolltest ja total arbeitsbeflissen unbedingt los nach Mönchengladbach, in die Tiefebene der rheinischen Provinz, aber egal. Von unserem Gastautor Daniel Kasselmann.
Ich möchte deswegen hier noch mal etwas klar stellen, was auch in Cc an den Kundendialog der Bahn geht, und ich hoffe, dass Dir das nichts ausmacht:
- In Deiner beknackten und karnevalsversifften S-Bahn waren gestern Abend um 21:30 Uhr tatsächlich zwei Pfandflaschensammler unterwegs.
- Diese haben sehr dezent gearbeitet und keinen der Fahrgäste auch nur in irgendeiner Form belästigt
- Deine öffentliche Durchsage im Zug: „Pfandflaschensammler sofort aussteigen!“ war hochgradig diskriminierend und kriminalisierend
- Du hattest leider nur das Pech, dass einer der Pfandflaschensammler ICH war. Und ich bin eigentlich kein Pfandflaschensammler, sondern Journalist. Ich recherchiere derzeit über Hartz IV, die neue Armut in Deutschland und wie die Gesellschaft damit umgeht. Und dafür sammle ich Pfandflaschen. Um vielfältige Reaktionen – so wie zum Beispiel Deine – zu sammeln und mir ein Bild zu machen. Und Deine Aussage bedarf hinsichtlich der Frage von Diskriminierung der neuen Armut in Deutschland eigentlich keines weiteren Kommentars, nicht wahr?
- Ich habe Dich direkt danach in Deinem Führer (!) haus zur Rede gestellt, warum Du diese asoziale Durchsage gemacht hast
- Du hast gesagt, „Weil ich das nicht will.“
- Das ist keine Begründung, das ist Diskriminierung. Diskriminierung von Armut
- Ich weiß nicht, ob Du Dir das mit Deinem Lokführergehalt, Deinem Bausparvertrag und dem dazugehörigen Reihenhaus nebst Mercedes, Frau, Kindern und iPhone vorstellen kannst: Es gibt bei uns in Deutschland (zu) viele Menschen, die sind NICHT Lokführer, haben gar keinen Job, kriegen aus irgendeinem Grund kein HARTZ IV und sind bettelarm. Das sind diejenigen, die Pfandflaschen sammeln
- Deine Diskriminierung geht leider in Richtung Kriminalisierung, wie ich es am Dortmunder Hbf schon länger gegenüber auch vom Sicherheitsdienst und der Polizei wahrnehme.
- Entweder Du schreibst jetzt handschriftlich 100 x
„Armut ist keine Schande – ich werde zukünftig Pfandflaschensammler nicht mehr diskriminieren.“ und veröffentlichst das auf einem Online-Forum Deiner Wahl – DB auf facebook fände ich cool – oder es klatscht hier demnächst ganz gewaltig , aber garantiert keinen Beifall. Denn ich habe Dich auf dem Schirm
Für heute wünsche ich Dir eine gute Fahrt. Wenn Du irgendwann mal einen am Leben vollständig verzweifelten Menschen siehst, der Dir in seiner Lebensmüdigkeit vor Deine Lokomotive springt und sich durch Deine (!) Lokomotive umbringt, also wenn Du das spürst, wie Deine Lok diesen Körper schreddert und ein menschliches Leben auslöscht, dann wirst Du vielleicht ermessen können, wie verzweifelt Menschen jenseits von Lokführerglück und Bausparvertrag in richtigen menschlich schlimmen Notlagen sein können. Und dann wirst du hoffentlich irgendwann mal ein entspannteres Verhältnis dazu bekommen, dass da ein paar Menschen in Deiner parkenden und im übrigen total karnevalsversifften S-Bahn herumlaufen, die nach Pfandflaschen sammeln.
Das wünsche ich Dir, Du …!






#151 | Thomas sagt am 12. April 2012 um 13:22
Sorry für die Rechtschreibung es mußte schnell gehen ,muß zum Dienst.
#152 | Flori sagt am 19. April 2012 um 19:44
Sehr geehrter Herr Kasselmann,
auch ich bin ein Triebfahrzeugführer. Sie können sich darauf verlassen, dass ich Sie, alleine schon aus eigenem Schutz, von der Bundespolizei aus dem Zug entfernen lasse (einen entsprechenden Hinweis auf diesen missratenen Artikel werde ich den Beamten selbstverständlich geben), wenn Sie in irgendeiner Form “journalistischen Tätigkeiten” ohne Genehmigung der DB (eine Genehmigung würden Sie nach diesem Artikel nie erhalten…) im Zug nachgehen. Weil ich möchte nicht mit einem solchen Artikel belegt werden, wenn ich mich mit Ihnen auseinandersetzen müsste, aus welchem Grund auch immer…
Hoffentlich kommen Sie mit diesem Artikel nicht ungeschoren davon. Ich gönne Ihnen eine Strafanzeige wegen Bedrohung und eventuell auch Beleidigung. Ebenfalls gönne ich Ihnen eine Klage des betreffenden Kollegen, den Sie hier in herabwürdigender Weise niedergeschrieben haben. Ich fände es gut, wenn ein Beschluss es Ihnen verbieten würde, weiterhin Ihren “Journalismus” zu verbreiten.
Dies ist meine Meinung zu dem Thema. Und ich habe es im Gegensatz zu Ihnen geschafft,
1. Nicht ausfallend und beleidigend zu werden
2. Eine Person, die ich nicht kenne, zu Siezen
und
3. Halbwegs sachlich zu bleiben, obwohl mir dies bei einem solchen Artikel sehr schwer gefallen ist…
#153 | Fabian sagt am 19. Mai 2012 um 03:14
Herr Kasselmann,
dieser Beitrag hat mich zu tiefst erschüttert. Nicht nur das sie anscheinend ein aggressiver Mensch sind, nein sie meinen auch das ein Selbstmord vor der eigenen Lok diesen Triebfahrzeugführer zu einem “enspannterem Verhältnis” helfen würde. TF´s erleiden nach einem solchen Unfall oft schwere Depressionen die sie für immer Arbeitsunfähig machen. Wünschen sie das einem Menschen nur weil er sie aus einem Zug geschmissen hat, als Journalist der noch mehr verdient als er? Ich respektiere alle Lokführer für ihre Leistungen, aber was du dir mit diesem Beitrag leistest ist unglaublich!
Außerdem müssen sie doch mit ihrem professionellem Arbeitsverhältnis wissen, dass Sie in der Deutschen Bahn nicht ohne Genehmigung Journalistisch tätig werden dürfen.
#154 | Daniel K. sagt am 19. Mai 2012 um 09:35
Herr Fabian,
1. Ich bin grundsätzlich kein aggressiver Mensch. Lediglich die Arroganz und Dummheit mancher Mitmenschen regt mich temporär so sehr auf, dass ich solche Tendenzen entwickle. Allerdings nur verbal als #Wutausbruch
2. Natürlich wünsche ich das beschriebene Szenario diesem Lokführer (und auch keinem anderen) nicht in der Realität, das war eine polemische Zuspitzung. Ich meine mehr, dass er sich mal in die Vorstellung hineinversetzen sollte, wie verzweifelt so ein Mensch sein muss, der sich vor eine Lok wirft. Es gibt dafür viele Gründe, bittere Armut ist einer davon. Und dann wird ziemlich schnell klar, welchen karitativen Hintergrund es hat, es so jemandem zu erlauben, sich durch das Sammeln von weggeworfenen Pfandflaschen etwas dazu zu “verdienen”. Vielleiht würde er dann so etwas wie ein #soziales Gewissen in sich entdecken
3. Thema Vorurteile; als Journalist verdiene ich persönlich derzeit nichts. Ich mache diese Projekt als vorbereitende #Feldstudie für ein Buchprojekt über Pfandflaschensammler. Mit dem ich schätzungsweise auch nicht reich werde. Akzeptieren Sie das bitte, dass es Menschen gibt, die solche Dinge nur um der Sache willen tun. Weil es wichtig ist.
4. Zum Thema der Genehmigung journalistisher Tätigkeit in den den Zügen der Deutshen Bahn empfehle ih ihnen die Lektüre von #Günter Wallraff und das GG #Meinungsfreiheit #Pressefreiheit
#155 | Norbert sagt am 19. Mai 2012 um 16:52
Guten Tag,
schon mal versucht, diese Aggressionen dann im Zaum zu halten? Doch irgendwie ungünstig, wenn dauerhaft im Netzt dokumentiert ist, was für ein cholerischer Typ man so ist.
Trotz der Ausführungen unter 2 gerade, erschließt sich mir immer noch nicht, warum das im Zusammenhang mit dem angeblich thematisiertem Problem überhaupt zur Sprache kommt. Und gerade, wenn Sie das nicht wirklich wünschen, ist das noch absurder.