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Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 1: Hamburg

Los geht’s!  Wie letzte Woche angekündigt, startet heute die neue Serie
“Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium?”.

Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks (Bild: Michael Zapf)

Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks (Bild: Michael Zapf) via Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, HH

 

Den Auftakt macht das Bundesland mit der schnellsten Antwort: Hamburg.
Gesundheitssenatorin: Cornelia Prüfer-Storcks (57)
Parteibuch: SPD

Die Bewertung:
Für jede Antwort werden 0 bis 5 Globuli vergeben.
Je mehr Globuli, desto esoterischer das Gesundheitsministerium.
Insgesamt können also 15 Globuli erreicht werden, wobei dies wohl nur der DHU erstrebenswert erscheinen dürfte.

 

1) Wie steht Senatorin Prüfer-Storcks zur Alternativmedizin?
Sieht sie darin “zu überwachende Quacksalberei” oder eine “gleichzuberechtigende Alternative zur Schulmedizin und Naturheilverfahren”?

Naturheilkunde und Schulmedizin sind kein unüberbrückbarer Gegensatz. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass der Begriff “Naturheilkunde” keine einheitliche Methode beschreibt. Es gibt beispielsweise die traditionelle chinesische Medizin, die auf eine jahrtausendlange Erfahrung zurückgreifen kann, oder es gibt Homöopathie oder Akupunktur, die bei gewissen Krankheitsbildern bereits als Kassenleistung anerkannt ist, und viele Varianten mehr.

Außerdem beruhen auch einige Medikamente der sogenannten Schulmedizin auf Erkenntnissen der Naturheilkunde. Beispielsweise Penicillin, welches ein Produkt von Schimmelpilzen ist oder das Herzmedikament Digitalis, ein Produkt des Fingerhutes.
Aber wie auch die Schulmedizin, so kann auch die Anwendung der Naturheilkunde Nebenwirkungen haben oder nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Anwendungen gefährlich sein können.

Gute ,Naturheilkunde’ kann die sogenannte Schulmedizin also durchaus sinnvoll unterstützen, aber sie kann sie nicht ersetzen.

Bewertung: 1 Globulus

 

2) Wie steht Senatorin Prüfer-Storcks zur evidenzbasierten Medizin?
Welche Rolle schreibt sie allgemein empirischen Wirkbefunden zu?

Soweit Empfehlungen der evidenzbasierten Medizin vorliegen, sind diese sehr zu begrüßen. Denn wie auch immer in der Medizin gehandelt wird, das Handeln sollte überprüfbar und die Wirkungen nachweisbar sein. Allerdings sind nicht alle medizinischen Verfahren und Maßnahmen einer Evidenz zugänglich.

Vor allem dürfen wir aber nicht vergessen, dass Menschen Individuen sind, mit individuellen Krankheitsverläufen und dass verschiedene Menschen unterschiedlich auf vergleichbare Behandlungen reagieren.

Bewertung: 2 Globuli

 

3) Was empfiehlt Senatorin Prüfer-Storcks in Fällen, in denen alternativmedizinische Vorstellungen diametral zu denen der Schulmedizin sind, bspw. im Bereich des Impfschutzes?

Die Weigerung, z.B. Kinder gegen lebensbedrohliche Infektionskrankheiten impfen zu lassen, hat nichts mit Naturheilkunde zu tun, sondern ist vielmehr verantwortungslos.

Bewertung: 0 Globuli

 

Soweit die Antworten aus Hamburg.
Wir kommen somit auf eine Esoterikwertung von 3 Globuli.

Dabei wurden zwei kognitive Fehlschlüsse nicht zum Nachteil der Senatorin gewertet. Zum einen: Traditionelle Chinesische Medizin ist in Teilen wohl tatsächlich Tausende von Jahren alt. Was aber nicht heißen muss, dass diese wirkt, sondern eben einfach nur, dass sie alt ist.
Zum anderen: tatsächlich sind Homöopathie und Akupunktur teilweise Kassenleistungen. Dies bedeutet aber ebensowenig, dass sie evidenzbasierte Wirknachweise haben, sondern nur, dass Krankenkassen sie erstatten, sicherlich auch, um besser vor den Versicherten da zustehen.

Erfreulich ist das klare Bekenntnis Prüfer-Storcks’ zu Impfungen! Allerdings irrt sie hier implizit: zwar hat die Impfweigerung nichts mit Naturheilkunde, durchaus aber mit Homöopathie zu tun.

Insgesamt ein mutmachender Auftakt aus der Hansestadt.
Mal sehen wie’s nächsten Montag weiter geht…

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15 Kommentare zu „Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 1: Hamburg

  • #1
  • #2
    Sebastian Bartoschek Autor

    Hey Andreas. Will Dir gar nicht wiedersprechen. Kümmer mich aber in der Serie eben “nur” um die Gesundheitsministerien/ -senatoren. Habe aber schon so viele gute Anregungen bekommen, dass ich daraus locker drei weitere große Serien machen könnte ;)

  • #3
    Panagrellus

    Prima Serie, bin sehr gespannt auf die nächsten Folgen.

    Ich finde, bei Frage 1 warst du sehr gnädig. Das Wiesel-Phrase über die “nicht unüberbrückbaren Gegensätze” ist gerade mit Bezug auf die Homöopathie und auch z.B. Akkupunktur doch einfach falsch – und dass sie H. offenbar zu den vertretbaren Ansätzen zählt, wäre doch allein schon Grund für 3-4 Globuli.

    (Aber vielleicht hab ich das auch falsch so herausgelesen?)

  • #4
    Andreas Lichte

    @ Sebastian Bartoschek #2

    Hallo Sebastian – die “Sektenschule” Waldorfschule hat natürlich auch DIREKT mit deinem Thema zu tun: Du weisst sicher, dass Anthroposophen “Impfgegner” sind, Masern von Waldorfschule zu Waldorfschule übertragen werden – u.a. hier beschrieben:

    Drei Gründe für die Waldorfschule

    Ich stelle mir vor – siehe Punkt 3 deines Artikels –, wie Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks die staatliche Waldorfschule von Senator Ties Rabe in Quarantäne nehmen muss …

  • #5
    Anakin Neuwalker

    Gingen diese Fragen nur an die Gesundheitsminister der Länder oder auch an den Herrn Bundesgesundheitsminister. Dieser hat sich ja am Wochenende öffentlich zu Antroposophischer Medizin bekannt – hier würde mich die Frage nach der Impfverweigerung interessieren.

  • #6
    Sebastian Bartoschek Autor

    Hey Andreas: wie gesagt, ich verstehe Deinen Punkt und kann ihn nachvollziehen. Habe dies aber hinter die Einheitlichkeit der Serie zurück treten lassen (was ja nicht heisst, dass man darauf mal an anderer Stelle was draus macht).

    Hey Anakin: Die Fragen sind auch an Bundesgesundheitsminister Bahr gegangen. Nach gestriger Aussage “Ich bin ein Anhänger der Anthroposophie” habe ich aber noch vier weitere Fragen an Bahr nachgelegt… mal sehen, was ich damit mache bzw. was zurück kommt…

  • #7
    Puck

    Für Punkt 1 hätte ich auch einen Globolus mehr vergeben, wegen der erkennbaren Absicht, niemandem weh zu tun. Das muß man aber zuweilen, wenns um ernste Dinge geht, auch wenn Politiker das aus naheliegenden Gründen gerne vermeiden.

    Daß die Schulmedizin teilweise auf Naturheilkunde aufbaut, stimmt natürlich, genau wie die moderne Chemie teilweise auf der Alchemie aufbaut – allerdings würde heute wohl kaum jemand ernst genommen, der mit Quecksilber und Schwefel herumpantscht, um Gold zu erzeugen, obwohl auch das gewissermaßen eine jahrhundertelange Tradition hat…

  • #8
    Markus Neumann

    Hey Sebastian,

    Ich denke, die Bewertung von Frage 1 ist auch zu niedrig: diese wird nämlich gar nicht beantwortet, Sondern nach der Annahme Alternativmedizin = Naturheilkunde Festgestellt, dass sich Naturheilkunde und Schulmedizin ganz gut vertragen!

    Wenn das so gewollt war, ist es richtig gut gemacht :-)

    Schönen Abend
    Markus

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  • #10
    inge koch

    Lieber Sebastian, mit Schüssler-Salzen im “Gepäck der Ruhrbarone” ???
    Ja, ja, die sind auch ganz natürlich…iss ja nur Salz…

  • #11
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