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Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 2: BaWü

In Umland, Wissen | Am 17 Juni 2013 | Von Sebastian Bartoschek

Wieder Montag, wieder Esoterik. Nachdem wir letzten Montag genauer auf die Antworten aus Hamburg geblickt haben, wendet sich die Serie
“Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium?” heute einem südlich gelegenem Bundesland zu.

 

Altpeter

Sozialministerin Katrin Altpeter (Quelle: Wikipedia)

Heutiges Bundesland:
Baden-Württemberg

Gesundheitsministerin:
Katrin Altpeter (49)

Parteibuch: SPD

Die Bewertung:
Für jede Antwort werden 0 bis 5 Globuli vergeben. Je mehr Globuli, desto esoterischer das Gesundheitsministerium.
Insgesamt können also 15 Globuli erreicht werden, wobei dies wohl nur der DHU erstrebenswert erscheinen dürfte.

1) Wie steht Ministerin Altpeter  zur Alternativmedizin?
Sieht sie darin “zu überwachende Quacksalberei” oder eine “gleichzuberechtigende Alternative zur Schulmedizin und Naturheilverfahren”?

Über 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger wünschen sich eine nebenwirkungsärmere, ganzheitliche Medizin. Zum Beispiel hat sich die Verwendung von homöopathischen Arzneimitteln in Gesamtdeutschland in den letzten vierzig Jahren verdoppelt.

Frau Ministerin würde es begrüßen, wenn es gelingen würde, eine Brücke zwischen den sich oft unversöhnlich gegenüberstehenden Lagern der Alternativmedizin und der Schulmedizin zu bauen. In einer pluralistischen Gesellschaft müssen verschiedene Denkrichtungen Platz haben und damit sollten auch in unserem Gesundheitssystem Therapierichtungen nebeneinander bestehen können, die von unterschiedlichen theoretischen Denkansätzen und wissenschaftlichen Methoden ausgehen.

Ziel sollte es sein, zum Wohl der Patientinnen und Patienten zusammenzuarbeiten. Die unterschiedlichen Auffassungen zu alternativer Medizin sollten jedoch nicht von politischer, sondern von fachlicher Seite bewertet werden.

Bewertung: 1 Globulus.

 

2) Wie steht Ministerin Altpeter zur evidenzbasierten Medizin?
Welche Rolle schreibt sie allgemein empirischen Wirkbefunden zu?

Aufgabe der Politik ist, den ungehinderten Zugang zu Informationen zu ermöglichen, damit mündige Bürgerinnen und Bürger eine eigene Meinung bilden und ihr eigenes Urteil fällen können. Es ist nicht Aufgabe der Politik, über unterschiedliche Auffassungen zu richten.

Geht es jedoch um die Übernahme von Kosten durch Krankenkassen, Beihilfestellen etc. ist die Evidenzbasierung von großer Bedeutung, da hier die Wirksamkeit der Maßnahmen durch wissenschaftlich etablierte Methoden nachgewiesen ist.

Bewertung: 1 Globulus.

 

3) Was empfiehlt Ministerin Altpeter in Fällen, in denen alternativmedizinische Vorstellungen diametral zu denen der Schulmedizin sind, bspw. im Bereich des Impfschutzes?

Wenn alternativmedizinische Vorstellungen diametral zu denen der Schulmedizin stehen, wie etwa beim Impfschutz, spricht sich Frau Ministerin Altpeter dafür aus, sich an die Empfehlungen von Fachgremien zu halten, in diesem Fall an die STIKO-Empfehlungen (“Ständige Impfkommission”) bei Impffragen.

Vor der individuellen Entscheidung über eine Impfung ist aber auch zu beachten, dass es eben nicht nur um den Schutz des Einzelnen, sondern auch um den Schutz der Allgemeinheit geht. Die STIKO ist am Robert Koch-Institut angesiedelt und im Infektionsschutzgesetz verankert.

Bewertung: 0 Globuli.

Soweit die Antworten aus Baden-Württemberg.
Wir kommen somit auf eine Esoterikwertung von 2 Globuli.

 

Erläuterungen

Im Ländle ist man vorsichtig mit Formulierungen. Denn was genau eine “nebenwirkungsärmere, ganzheitliche” Medizin ist, das bleibt offen. Sind hier Verbesserungen in der Medizin gemeint – oder paramedizinische Verfahren? Die Verwendung des Begriffs “Schulmedizin” im nächsten Absatz läßt da nichts Gutes ahnen – gibt es doch nur gute und schlechte Medizin. Ebenso wie es nur die eine wissenschaftliche Methode gibt. Insofern wirkt die Ausführung zu “unterschiedlichen theoretischen Denkansätzen und wissenschaftlichen Methoden” befremdlich. Gleichwohl wird damit geschlossen, dass die schlussendliche Beurteilung von “fachlicher Seite” beurteilt werden sollte, was dann doch stark nach Wissenschaftsorientierung klingt. Deswegen nur ein Globulus für die erste Antwort.

Ähnlich sieht es bei Ausgestaltung der zweiten Antwort aus. Eine Politik, die dem Bürger Informationen gibt, und ihn selbst entscheiden läßt, statt ihn zu entmündigen, passt zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Aber eine echte Antwort auf die Frage nach dem Nutzen der evidenzbasierten Medizin ist das nicht. Doch im Folgenden wird Altpeter deutlicher: wenn Krankenkassen Kosten übernehmen, sollen die Verfahren evidenzbasiert sein. Sind sie aber nicht, wie an anderer Stelle zur Homöopathie und Akupunktur ausgeführt wird. Es überrascht, dass die Ministerin dies nicht zu wissen scheint – oder willentlich falsch berichtet. Da hier nicht überinterpretiert werden soll, gibt’s auch hier nur einen Globulus.

Beim Impfschutz schließlich stellt sich Altpeter an die Seite der Wissenschaft. Hier gefällt auch die Betonung des Faktums, dass Impfschutz neben der persönlichen Entscheidung auch eine gesamtgesellschaftliche Komponente hat.


12 Kommentare zu »Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 2: BaWü«

  1. #1 | Wassergedächtnis? Hier der Beweis @ gwup | die skeptiker sagt am 18. Juni 2013 um 17:44

    [...] esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? (Teil 2), ruhrbarone am 17. Juni [...]

  2. #2 | excanwahn sagt am 19. Juni 2013 um 09:53

    “In einer pluralistischen Gesellschaft müssen verschiedene Denkrichtungen Platz haben und damit sollten auch in unserem Gesundheitssystem Therapierichtungen nebeneinander bestehen können, die von unterschiedlichen theoretischen Denkansätzen und wissenschaftlichen Methoden ausgehen.”

    Wenn ich dieses populistische Geschwätz, diese dummdämlichen Worthülse lese, könnte ich endlos in die Rabatten speien.

    Außerdem wünsche ich mir ein paar alternative Denkrichtungen an ganz speziellen Orten: Alternative Statik beim Bau der Gebäude, in den Gesundheitsminister so ihren Unsinn verzapfen, alternative theoretische Denkansätze bei den Mechanikern, die den Dienstwagen der Ministerin oder den Aufzug im Gebäude mit der alternativen Statik warten, alternative Denkmodelle in Sachen Hygiene – besonders solche, die Bakterien grundsätzlich pathogene Wirkung absprechen – in der Kantine des Ministeriums…

  3. #3 | schwarzbart sagt am 19. Juni 2013 um 11:18

    Die Piraten haben ein Programm. Überraschung! Und zum Thema Gesundheit sogar ein recht vollständiges. Lesen Sie selbst, was wir so über Homöopathie denken:

    http://julitschka.de/2013/06/bundestagswahl-2013-gesundheitspolitische-sprecher-im-interview-welche-perspektiven-hat-die-homoopathie/

  4. #4 | schwarzbart sagt am 19. Juni 2013 um 11:32

    Ach ja, konnte ich mir nicht verkneifen:

    Wenn die Theorien der Homöopathie zutreffen, sind Seebestattungen eine äusserst dumme Idee…

  5. #5 | Vor der Bundestagswahl: Die Politik und die Homöopathie @ gwup | die skeptiker sagt am 20. Juni 2013 um 21:09

    [...] esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 2: BaWü, ruhrbarone am 17. Juni [...]

  6. #6 | Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 3: Saarland | Ruhrbarone sagt am 24. Juni 2013 um 19:37

    [...] zur französischen Grenze – raus aus dem Ländle – auf der Spuren der Alternativmedizin. Ein kleines Bundesland heute in unserer Serie [...]

  7. #7 | Serie: Was denken unsere Gesundheitsminister über Paramedizin? @ gwup | die skeptiker sagt am 27. Juni 2013 um 22:31

    [...] bemängelt Bartoschek auch bei Storm (wie davor bereits bei BaWü-Gesundheitsministerin Karin Altpeter, CDU) den “Trend zu vorsichtigen [...]

  8. #8 | Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 4: Sachsen-Anhalt | Ruhrbarone sagt am 1. Juli 2013 um 16:03

    [...] der Impfung wird auf die Impfkommission des Robert-Koch-Instituts verwiesen. Nicht zum ersten Mal, andere Ministerien haben dies auch schon getan. Das ist nicht falsch, aber eben auch keine so eindeutige Aussage wie [...]

  9. #9 | Esoterische Ministerien und Parteien-Geschwurbel @ gwup | die skeptiker sagt am 31. Juli 2013 um 12:07

    [...] esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 2: Baden-Württemberg, ruhrbarone am 17. Juni [...]

  10. #10 | Zwischenfragen: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? | Ruhrbarone sagt am 18. August 2013 um 21:14

    [...] der Gesundheitsminister unserer Republik abgearbeitet, genauer liegen die Wertungen für Hamburg, Baden-Württemberg, das Saarland, Sachsen-Anhalt, Berlin, Bayern und Brandenburg vor. Überall vergaben wir insgesamt [...]

  11. #11 | Bundestagswahl: Geschichten von der Stuhlgangtherapie @ gwup | die skeptiker sagt am 28. August 2013 um 14:34

    [...] esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 2: Baden-Württemberg, ruhrbarone am 17. Juni [...]

  12. #12 | Nachbetrachtungen: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? | Ruhrbarone sagt am 29. Oktober 2013 um 07:55

    [...] sind sie in alphabetischer Reihenfolge zu finden:Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, [...]

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