Sie betrat mein Zugabteil in Hagen. Nahm zwei Reihen hinter mir Platz, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ihr Handy-Telefonat zu unterbrechen oder dessen erstaunliche Lautstärke zu reduzieren. Bitte glauben Sie mir: Wanda aus Bergheim ("Das liegt zwischen Köln und Düren"), 24 oder 25 Jahre alt, ihre Aussagen variierten da, aber definitiv nicht "lockig und langhaarig" seiend, wie sie, offenbar mit einer Art Flirtline respektive ständig wechselnden Geschwätzpartnern telefonierend, behauptete, jawohl: Wanda aus Bergheim war eine besonders nervige Vertreterin der jungen Generation.
Wie denkst Du über das Theodizee-Problem, Wanda? Was sagst Du zum Fetischcharakter der Ware? "Du bist bestimmt Italienier! Ach, Marokkaner? Macht ja nix. Tschüss! Hallo ich bin Wanda. Ich bin 24. Und komme aus Bergheim. Ich sitze im Zug nach Warburg. Nee, das ist keine Automarke! Hallo, ich bin Wanda. Ich bin 25. Wer bist Du denn? Nee, ich will mich nicht mit Dir treffen. Nee, ich sag Dir auch nicht meine Körbchengröße. Aufgelegt! Hallo, ich bin Wanda…"
Alex "aus der DDR" sprach lieber von Angesicht zu Angesicht mit einer Dame, versüßte dergestalt auch mir die Rückfahrt durch den Ruhrpott: "In 90 Prozent aller Fälle mögen entweder Türken mich nicht oder ich mag die nicht. Dann gibt’s ein paar auf’s Maul, da kenn ich nix. Aber ich bin definitiv kein Nazi! Ach, Du kommst aus dem Irak? Ich kenne viele Leute in Köln-Porz. Ich hab da nen Kumpel. Das hört sich jetzt vielleicht blöd an, aber der hat sich ne Frau aus dem Irak gekauft. Mit der komme ich echt gut klar. Ich trinke immer Whiskey, aber das hier ist definitiv meine letzte Flasche. Ich muss zur MPU, Idiotentest. Und da müssen meine Blutwerte stimmen."
Möge er – toi, toi, toi! – den Idiotentest bestehen. Möge er demnächst wieder Auto fahren – bevorzugt stinkbesoffen und viel zu schnell. Möge Wanda dann seinen Weg kreuzen.



Keine Kommentare »
Noch keine Kommentare.
Einen Kommentar hinterlassen