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Stell dir vor es ist Slutwalk…

In Rest der Welt | 9 Kommentare | Von Nadia Shehadeh

… und es kommen allein in Berlin knapp 3000 Leute zusammen, um gegen sexuelle Gewalt, Ver­gewaltigungs­ent­schuldigungen und -ver­harm­losungen zu protestieren. Und dann stell Dir vor, die Mainstream-Medien tauchen auf und versuchen, das Ganze irgendwie für die Leserschaft sinnhaft zu verarbeiten.

Dann wirst du schnell merken, dass da vor allem mit Anführungszeichen und higgeligen Headlines vor sich hingearbeitet wird: „Schlampen demonstrieren”, „Aufreizender Protest”, „Am Samstag kommen die Schlampen“. Und so weiter und so fort.

Und du wirst sehen, wie die BlattmacherInnen – von denen ja viele auch beteiligt waren an der sexistischen und biologistischen Berichterstattung zu Jörg Kachelmann und Dominque Strauss-Kahn – ein wenig ins Straucheln geraten, wenn es darum geht, das Phänomen der „Slutwalks“ publizistisch in den Griff zu kriegen: Ein bisschen hilflos und ganz nach der Fasson „Was machen die denn da und warum sind es so viele?“

Und du wirst es vielleicht lustig finden, ein klitzekleines bisschen, obwohl es eigentlich traurig ist – aber vielleicht ist das Ganze auch ein Anfang, und vielleicht werden auch die Zeitungsfritzen irgendwann großflächig in der Lage sein, cleverer mit derartig gelagerten Ereignissen und Themen umzugehen.

Stell dir vor es ist Slutwalk in Berlin, und neben den 3000 Demonstrierenden taucht auch Martin Sonneborn mit seiner PARTEI auf. Und dann stell dir vor, dass Helga Hansen von der Mädchenmannschaft ihn in die Schranken weist und er im Anschluss mit seinen PARTEI-KollegInnen des Platzes verwiesen wird. Von der Polizei, versteht sich. Und dann denk einfach daran, dass der Martin ja ganz nett und sympathisch und vor allem lustig ist, aber dass es schon ein bisschen doof ist, dass er da als Trittbrettfahrer mitbrummen wollte.

Stell dir vor es ist Slutwalk, und bundesweit gehen tausende Menschen auf die Straße, um Vergewaltigungsmythen anzuprangern. Und dann denk daran, dass Deutschland damit seit Jahren oder Jahrzehnten den größten antisexistischen Aktivismus-Erfolg verbuchen konnte – und zwar ohne dass Alice Schwarzer ihre Finger im Spiel hatte.

Stell dir vor, du bist in Köln auf dem Weg zum Slutwalk, im kurzen Rock, mit weitem Ausschnitt. Und dann steht da eine Frau, circa 60 Jahre alt, und sie kommt auf dich zu, und sie fragt: „Ach, Sie möchten doch bestimmt zum Slu… Slu… ähm…“… „Slutwalk?“, fragst du dann. Und sie sagt: „Genau! Ich habe davon schon gehört, ich finde es wirklich toll, dass ihr das macht, ich wünsche euch viel Erfolg!“

Und wenn du dir das alles nicht vorstellen kannst, dann ist das nicht so schlimm. Weil es nämlich schon genauso passiert ist. Und zwar am letzten Samstag.



9 Kommentare und 4 Ping(s) zu »Stell dir vor es ist Slutwalk…«

  1. #1 | GM sagt am 14. August 2011 um 20:27

    Wer aufreizend angezogen ist, geht auf den Slutwalk, voll unterstützenswert. Solange die das nicht im Alltag anziehen, da wäre das ja fehl am Platz.

  2. #2 | Janine sagt am 14. August 2011 um 20:37

    Genau so ist es passiert. Und wir werden mehr und wir werden lauter!
    Danke für deinen Bericht! <3

  3. #3 | Nadia Shehadeh sagt am 14. August 2011 um 20:44

    ftw. <3

  4. #4 | Bea sagt am 14. August 2011 um 21:47

    Fantastisch – endlich bekommen wir mal die Unterstützung, die wir brauchen. Ich bin für mehr Slutwalks… Danke für den Beitrag

  5. #5 | Pat Boone sagt am 14. August 2011 um 22:04

    sauber!

  6. #6 | Links anne Ruhr (15.08.2011) » Pottblog sagt am 15. August 2011 um 05:56

    [...] Stell dir vor es ist Slutwalk… (Ruhrbarone) – Siehe auch: Frauen in Dortmund demonstrieren mit dem Slutwalk gegen [...]

  7. #7 | Reaktionen zum SlutWalk Hamburg « SlutWalk Hamburg sagt am 15. August 2011 um 10:36

    [...] gegen Sexismus – Der „Slutwalk“, Marsch der Schlampen“, stellt die Emanzipationsfrage Ruhrbarone – Stell dir vor es ist [...]

  8. #8 | Irene sagt am 16. August 2011 um 21:38

    Was wollte der Sonneborn denn am Slutwalk?

  9. #9 | Slutwalks und Vergewaltigungskultur « Alles Evolution sagt am 17. August 2011 um 06:03

    [...] den Ruhrbaronen freut man sich über 3.000 Leute in Berlin und darüber, dass Alice Schwarzer nicht mitgeplant [...]

  10. #10 | Mira sagt am 17. August 2011 um 12:46

    Als erste Reaktion auf die Rede von dem kanadischen Polizisten finde ich eine derartige Reaktion noch vorstellbar. Aber alljährlich sich als Schlampe zu bezeichnen und halbnackt in der City Protestieren, nein, nicht mein Ding.

    Eher
    Angezogen mit Transparent vor einem Strafgericht ziehen. Denn damit die obige Botschaft auch in der breiten Gesellschaft ankommt muss sich vor allem die Rechtsprechung ändern.

    Wenn Frau sich von einem Vergewaltiger nicht blau und grün schlagen läßt, eindeutige Spuren hinterläßt, und es Aussage gegen Aussage vor Gericht steht zieht frau meistens den Kürzeren. Dann ist es nur noch ein Spiel der Anwälte und der Richter. Der Verteidiger wird solange darauf rumhacken, dass die Frau im Leben schon immer gelogen hat und im Grunde alles freiwillig war. So dass es auf ein in dubio pro reo hinausläuft. So auch typisch im Fall Kachelmann oder im Vorfeld schon im Fall DJK.

    Naja, ich überleg mir schon mal ein Spruch aufs Transparent für nächstes Jahr.

  11. #11 | Mira sagt am 20. August 2011 um 12:07

    # 8 Irene
    Martin Sonneborn will nur verarschen.

    Ein Tipp Fehler bei #10. Gemeint ist der französische Sozialist Dominique Strauss-Kahn, der auch schon mal 1200 Dollar für eine Edel-Prostutierte ausgibt und schwere Karren fährt und sich an Zimmermädchen vergreift -gewollt oder nicht gewollt. Ob er jurist. belangt wird, zeigt die Zukunft, zumindest als Sozialist hat er jede Achtung verloren.

  12. #12 | Mädchenmannschaft » Blog Archive » Schlampen und Schützinnen – die Blogschau sagt am 21. August 2011 um 17:01

    [...] vom Slutwalk in Berlin berichten die Ruhrbarone und [...]

  13. #13 | slutwalkgruetze sagt am 24. August 2011 um 02:53

    Nun, in ein paar GRRRRLLLLL-Blogs wird sich darüber beschwert, daß Fotografen da ganz böse Fotos von den Teilnehmerinnen gemacht haben. Das geht natürlich nicht. Frauenrecht vor Presserecht!

    Beim nächsten Slutwalk sollte die Presse keinen Zutritt haben – also Straßen absperren und ggf. Fenster zu betonieren. Damit die feministische SS…. hust…. ich meine die Grrrrrrlllz in Ruhe marschieren können.

    Überhaupt waren da ganz viele Gaffer, die so geguckt haben. Auch die würde man direkt mitausschließen, wenn am Tag der Demo die Stadtteile zu reinen Frauenstadtteilen ausgerufen werden. In einem Frauenstaat wie D mit verlässlichen Pudelparteien und Frauenjustiz sollte das ja kein Problem sein.

    Fragt sich dann noch, wer die ganz vielen tollen Schilder und Beschriftungen auf Cellulite lesen soll…. auch was…die Grrrrrlz lesen sich das gegenseitig vor und feiern sich. Deutschland´s freche Frauen übernehmen!

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