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Superbowl – das größte TV-Ding der Welt

In Rest der Welt | Am 8 Februar 2010 | Von Thomas Meiser

Wie jeder erwachsene Mann des fröhlichen Amerikas hab ich in den frühen Stunden der Nacht auf heute mal die Frau auf Seite gelegt. Denn ich schaute mir die Superbowl-Show an. American Football, das Finale. Das wichtigste Ereignis der freien Welt, once a year. Eins ist klar: Die Halbzeitshow von The Who, hier live im Stadium, war voll schwach. (Und ich hab zwei The Who-Konzis gesehen, in London und in Kopenhagen. What about Pete?) Ein Telefonprotokoll
football_gefangenEine halbe Stunde davor.

Ich: Hi Mattes. Alles klar?
Mattes: Sicher. Ich war grad auf Fortuna. Euer Meiderich hat verkimmelt. (Der Meidericher Verein hat im Lokalderby gegen die Fortuna Düsseldorf voll verschissen. Aufstieg, in weiter Ferne.)

Ich: War zu erwarten. (Ich mag den MSV nicht wirklich, freue mich über jedwede Häme) War die Hütte voll?
Matthes: Voll voll.

Ich: Wie voll?
Mattes: Ausverkauft.

Ich: Wat? Für zweite Liga recht ordentlich.
Mattes: Sachse wat. Schließlich fasst die ESPRIT-Arena knapp 50 000 Leute.

Ich: Wat? Früher, am Flinger Broich hamm die Meidericher doch immer noch ihr Straßenbahnduell nach Hause geholt. (Mattes ist Düsseldorfer, ich bin Duisburger, beide jeweils nicht gebürtig in der Stadt. Der Begriff Straßenbahnduell rekurriert hier auf die Linie U 79, die vom Duisburger Hauptbahnhof bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof fährt und früher auch einen kleinen Speisewagen unterhielt, indem man etwa aufgebrühte Bockwurst, Kaffee oder Bier hat kaufen können.)
Mattes: Jau. Aber nu mal nich. Meiderich hat verkimmelt. Aufstieg können die vergessen.

Ich: Wasser auf meine Mühlen. Wo haste gestanden?
Mattes: Nich mal vor Gericht. Ich hab gesessen. Mitte oben, Block 135, Hause. Hat nur 18 Peitschen gekostet, war mit mein Schwager da.

Ich (neidisch): Wat? 18 Peitschen um den MSV gegen die Fortuna verkimmeln zu sehen? Das wäre mein Glück.

Mattes: Aber dat beste kennste noch nicht. Oben, auf dem Rang über uns war Klitschko. Der hat dann auch schwer die Geige getrommelt. Weil, der will ja in paar Wochen seinen Kampf hier bringen.
Ich: Ich glaub dem alles, ja klar. 50 000 Leute open air und der lahme Klitschko boxt. Ich glaub ja auch an Osterhasen.

Mattes: Die wollen das so. Klischko will größenwahnsinnig verkimmeln, der will den Rumble in the dschungel covern. Aber neben Klitschko hat auch son Typ aus Oelde die Trommel gedroschen. Hat sein 50jähriges gefeiert, wäre in jedem Heimspiel dabei gewesen, alles ein Brei.

Langsam, auf den Monitoren und meinem TV-Schirm zuhause.

Das mit Superbowl taucht auf. The Anthem was sung, und drei vier Leute drängen noch in das Telefonat mit Mattes. Ich schalte die Konferenz. Auch auf Skype sind sieben Leute.

Wir wollen das Spiel beobachten und uns zuwetten.

Der Dialog erstirbt. Und wir pfeffern uns nur Wettbegriffe um die Ohren.

Irgendwo in einer Bude des Ruhrgebietes steht eine müde Frau an der Tür eines Arbeitszimmers.

Am Ende führt die Feministin unsere Wettbuchhaltung und brüht mir Matetee auf. Total doof, ein Dutzend Experten zocken, und die Frau liegt vorn.

Ach ja, falls Ihrs hören wollt: Die Bilder.

Superbowl ist das wichtigste amerikanische Sportereignis. Damit ist es das wichtigste der Welt. In den US gibt es den wichtigsten Sport nur im Bezahlfernsehen zu sehen. Da zahlen Männer 49,99 Dollar für und schauen sich das auf Superbowl-Parties an.

Das isses aber auch wert. Es gibt keine bessere Bildregie, keine bessere Kameraführung als dieses Ding. Von Jahr zu Jahr ist die Bildregie ein klein wenig anders. Alles mit dem Ziel, das größtmögliche Drama abzubilden. Viele, die Sportregie machen, lernen viel davon.

Deswegen freu ich mich auch auf die Sportregie und die Kameraführungen bei den olympischen Winterspielen in Vancouver demnächst. Sie werden alle nur von der Übertragung der Superbowl 2010 gelernt haben.

Was schreiben die anderen?

NYT.

ChiTri.

The Times-Picayune.



3 Kommentare und 0 Ping(s) zu »Superbowl – das größte TV-Ding der Welt«

  1. #1 | Matthias sagt am 8. Februar 2010 um 21:16

    Lieber Thomas,

    zwei Dinge möchte ich kurz klarstellen.

    Erstens: Ich bin geboren in Düsseldorf-Flingern, einem Stadtteil der auch dir geläufig sein sollte.

    Zweitens: American Football ist kein Männersport!

    Auch wenn wir natürlich als Pappnasen Rheinländer eine gewisse Sympathie für den diesjährigen – politisch korrekten – Superbowl Sieger aus dem schwerverletzten New Orleans haben, (Mardis Gras ist ja nächste Woche)- Operetten-Liga bleibt Operetten-Liga.

    Mal im Ernst, du stilisierst dieses Poserereignis als wichtigstes Sportereigniss der freien Welt?
    Ich dachte immer das wäre Dortmund gegen Schalke.

    Hast Du schon mal ein Rugby oder Gaelic- Football Spiel gesehen? Ich schon – in ner Arena in Toulon, wo die sonst auch Stierkämpfe veranstalten… )))
    Da stehen die auch nicht ständig auf dem Spielfeld rum um einfach gut und einigermaßen beschäftigt auszusehen. Die sind auch nicht gepampert und behelmt wie Riesenbabies, und schon gar nicht werden die wie blöde Marionetten vom Defense- oder Offense Coordinator über Headsets gesteuert wie eine blöde japanische Computerfigur!

    Um die Who zu sehen reicht übrigens auch ein Blick ins Rockpalast Archiv , wo man das legendäre Konzert in der guten alten Gruga-Halle als Mitschnitt kaufen kann, das ich übrigens 1981 dort mit dem Fortuna Schwager besucht habe. Kannten wir uns da nicht eigentlich schon ?

    Kurz um, das was Al Bundy einst über europäischen Fußball sagte, trifft eigentlich auf American Football zu:
    Das ist kein Männersport, das ist Familienunterhaltung im kommerziellen US-Fernsehen.

    Ich möchte auch kurz an die komischen Versuche der Etablierung einer solchen Leharesken Liga namens NFL-Europe erinnern, bei dem auch Rheinland und Ruhrgebiet eine gewisse Rolle spielten.

    Auf der Pressekonferenz im damaligen Rheinstadion nach dem Spiel der Rhine-Fire gegen Amsterdam
    (Du warst mit dem Kollegen Range wegen ner MARABO-Geschichte dort.), auf der sich die anwesende Presse ziemlich für den köstlichen Mohnkuchen und dazu nicht wirklich passendem Pils interessierte, sagte der ziemlich desillusionierte und extra angereiste NFL Chef Paul Tagliabue im Randgespräch zu mir: (Der einzigen Person im Raum,die sich erbarmte mit dem Mann zu sprechen.) Keine Fffragen tsümm Spiel de Doitschen, only drinking Beer!!!

    Recht sollte er haben.!!!

    In diesem Sinne Jupp

    Güße aus Düsseldorf

    Matthias André Richter
    Immer noch Düsseldorf

  2. #2 | Philip sagt am 8. Februar 2010 um 23:07

    Fick nisch mit Flingern
    http://www.youtube.com/watch?v=bGn_Y1mkIMM

  3. #3 | affenkopf sagt am 11. Februar 2010 um 11:59

    Der Superbowl läuft in den USA nicht im Bezahlfernsehen, sondern ist ganz normal im frei empfangbaren TV zu sehen.

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