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SZ-Karikatur: Es tut uns leid! Mal wieder.

waffenszMorgen will sich das Süddeutsche Zeitung Magazin mal wieder mit einer Karikatur ins Gespräch bringen. Es geht wieder mal um die historisch eindeutig konnotierte Personalisierung abstrakter Verhältnisse. Zeichnete man im vergangenen Jahr noch Israel als gefräßigen Moloch, um vermeintlich die israelische Politik zu kritisieren, nimmt sich das SZ-Magazin diesmal „den Kapitalismus“ respektive „die Reichen“ vor, die ebenfalls als Monster erscheinen. Die entsprechende Karikatur wirkt wie ein Zitat der Moloch-Karikatur vom vergangenen Jahr. Wir wollen helfen und veröffentlichen die Rechtfertigung, die für die kommende Woche zu erwarten ist, schon einmal vorab.

In eigener Sache

Die Kritik an und die Empörung über die Illustration auf dem Titelblatt des SZ-Magazins vom 22. März sind beträchtlich. Wir bedauern die Verwendung dieser Illustration. Sie war der missglückte Versuch, mit den Mitteln der Karikatur darzustellen, wie der Kapitalismus von seinen Feinden gezeichnet wird.

Diese Intention aber wurde nicht deutlich, auch weil auf der Zeichnung zwar ein Monster mit Klauen und Reißzähnen zu sehen ist, nicht aber der Zusammenhang hergestellt wird, dass es dabei um die Symbolisierung der Anti-Reichen-Klischees geht. Im Gegenteil: Die Illustration lässt auch den Schluss zu, dass hier ‚die Reichen‘ als Monster gezeigt werden sollen. Es wurde also ein Klischee verwendet, um Klischees anzuprangern, und das hat nicht funktioniert, auch wenn im nebenstehenden Text die Erklärung versucht wurde.

Wir bedauern sehr, dass wir diesen Fehler gemacht haben. Und wir bitten jene, die wir dadurch verärgert oder verletzt haben, um Entschuldigung. Wir werden sehr darauf achten, dass sich ein solcher Fehler nicht wiederholt.“

Bis zur nächsten Ausgabe, versteht sich.

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14 Kommentare zu “SZ-Karikatur: Es tut uns leid! Mal wieder.

  • #1
    Nansy

    „Karikatur (von lateinisch carrus ‚Karren‘, also: Überladung, und italienisch caricare ‚überladen‘, ‚übertreiben‘) bedeutet die komisch überzeichnete Darstellung von Menschen oder gesellschaftlichen Zuständen, auch mit politischem bzw. propagandistischem Hintergrund.“

    Lasst uns die Karikatur abschaffen… 😉

  • #2
    Rita

    Zensiert endlich diese Zeitungen und Blätter, die sich erdreisten, Kritik per Bild zu üben!

  • #3
    T3o

    Ehrliche Ahnungslosigkeit: ist das Problem an der Karikatur jetzt das Motiv (das Monster) oder die vermeintliche Gruppe der karikierten (die „Reichen“)?

    Versteh ich das richtig, das die Schwierigkeit ist, dass das Bild als antisemitisch gelesen werden kann bzw. wegen seiner Ähnlichkeit zu historischen Karikaturen antisemitisch ist? Oder überseh ich irgendwelche bildlichen Merkmale? O_o

    Gruß

  • #4
  • #5
    Dr. Nathan Warszawski

    Die SZ sollte weder nach Ästhetik, noch nach Vernunft beurteilt werden. Das Bild ist keine Karikatur, sondern unverständlich. Die Finanzkrise ist kein Monster, sondern Folgen des menschlichen Tuns.
    Die Personalisierung eines Faktum ist ein Rückschritt in die Vielgötterei. Bei den Römern waren Fortuna und Victoria Göttinen. Bei den SZ-Lesern ist die Finanzkrise ein rotgesichtiges Monster mit vielen spitzen Zähnen, welches dieses Mal nicht an einen Juden erinnert.

  • #6
    Richard Wharfinger

    @T3o, Nr. 3:

    Ja, das verstehst Du richtig. Der Autor will es nicht explizit sagen, macht über seine Verweise aber klar, dass es genau darum geht: die SZ ist der „Stürmer“ des 21. Jahrhunderts. Martins These: Wer vom „Monster des Kapitalismus“ spricht, behauptet zwischen den Zeilen auch, dass die Juden die Welt beherrschen würden.

  • #7
  • #8
    Andi

    @T3o:
    Wenn „die Reichen“, „das Kapital“, „der Kapitalismus“ usw. personalisiert werden, ist das uralte Klischee vom „reichen Juden“ der irgendwo im Hintergrund die Strippen zieht meist nicht weit. Das geht zurück auf das Mittelalter, als zur Judendiskriminierung gehörte, dass diese in Europa keine Handwerksberufe ausüben durften und ihnen zum Lebensunterhalt kaum etwas anderes als die allgemein verachtete Tätigkeit des Geldleihens übrig blieb, was das Negativbild natürlich noch potenziert hat.

  • #9
    Sandra Bildner

    #6, Du kannst den Kapitalismus gern als monströs bezeichnen, aber wer dort personalisiert kommt bei Verschwörungstheorien mit antisemitischer Konnotation heraus. Das liegt nicht daran, dass Kapitalismuskritik, selbst die personalisierende, per se antisemitisch ist, sondern daran, dass diese Erklärungsmodelle, historisch fest verankert, derart weit verbreitet und eingefahren sind. Es ist die Gewohnheit, die das Kätzchen in den Stall zieht. Der Starrsinn, den etwa die Redaktion der Süddeutschen Zeitung oder Augsteins Freitag zum Ausdruck bringt, trägt zur Überwindung dieses Sachverhalts nur wenig bei, im Gegenteil, sie ist sein Manifest.

  • #10
    Mario Nehse

    Der Beitrag verwendet übrigens zwei aus den Fingern gesogene Zitate:

    > nimmt sich das SZ-Magazin diesmal „den Kapitalismus“
    > respektive „die Reichen“ vor, die ebenfalls als Monster erscheinen.

    Auf dem Cover, das hier bemäkelt wird, ist nirgendwo von „dem Kapitalismus“, und auch nicht von „den Reichen“ die Rede. Letztere tauchen durchaus auf, sind bezeichnenderweise aber oberhalb der Erdoberfläche und werden damit eben nicht als Monster gezeichnet. Die viel naheliegendere Interpretation ist doch die, dass das Monster nicht „der Kapitalismus“, sondern die Krise. Dies alles muss der Autor obiger Zeilen aber vernachlässigen und verdrehen, um zu seinem Vorwurf zu gelangen.

    Ein Blick in den Heftartikel, auf den sich das Cover sich bezieht, zeigt noch deutlicher, wie abwegig der Vorwurf diesmal ist [von den anderen, tatsächlich auf die Juden und ihren Staat bezogenen Fällen spreche ich nicht]. Dort wird — genau das Gegenteil der üblichen Weltbeherrscherklischees — gleich zu Anfang klargestellt: die Mächtigen haben, all ihrer Macht zum Trotz, das Geschehen eben nicht im Griff.

  • #11
    Andi

    @Mario:
    Das Cover zeigt auf der Oberfläche „Spitzenpolitiker“, die sich selbstgefällig von den Medien dafür feiern lassen, die „Finanzkrise“ bezwungen zu haben; tatsächlich haben sie aber nur einen Finger des „Bankensystems“ notdürftig angebunden.

    Aus meiner Sicht geht das aus dem Bild in Zusammenhang mit dem kurzen Text jedenfalls eindeutig so hervor. Die blonde Frau mit der orangefarbenen Jacke soll vermutlich sogar Angela Merkel sein, so genau kann ich das bei dieser Auflösung hier aber nicht erkennen.

  • #12
    Mario Nehse

    @Andi: genau so ist es. Keine Spur von bösen Rothschilds, Bilderbergern und Freimaurern, die die Welt „am Gängelband führen“, wie es der olle Augstein einst ausdrückte. Nocheinmal: es geht mir nicht darum, dieses blöde Bild zu verteidigen. Worum es mir geht, ist, dass die Kritik an antisemitischen Klischees, und meinetwegen auch am „regressiven Antikapitalismus“ (um nochmal das Modewort der 90er aus der Mottenkiste zu holen) radikalisiert, d.h. vertieft werden müsste — nicht aber in die Breite getrieben und auf jeden x-beliebigen Gegenstand ausgeweitet werden, was nämlich hieße, sie zu verflachen.

  • #13
    Mario Nehse

    PS: vielleicht noch deutlicher: die Karikatur zeichnet (leider unfreiwillig) ein recht schönes Bild dessen, was in der Kritischen Theorie „subjektlose Herrschaft“ heißt. Im Kapitalismus wird die Welt eben nicht von „den Mächtigen“ beherrscht, sondern folgt ganz unabhängig von den Entscheidungen konkreter Personen, ihren eigenen Gesetzen. Die haben aufgrund ihrer Unzugänglichkeit nunmal etwas gespenstisch-monströses. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

  • #14
    der, der auszog

    @13

    Ein Glück, dass sich nicht nur die Frauenversteher und Putinversteher, sondern auch die Gilde der Kunstversteher wieder über einen größeren Zulauf erfreuen kann. Die Maus mit dem Faden sucht man indes vergeblich… zumindest oben auf dem Bild.

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