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Tja, das ist sie dann wohl gewesen, mein letzte gekaufte WAZ

In Ruhrgebiet | Am 13 April 2013 | Von Robin Patzwaldt

Der WAZ-Schaukasten am Waltroper Marktplatz im Januar 2013.

Der WAZ-Schaukasten am Waltroper Marktplatz im Januar 2013.

Diese Tage sind, auch wenn es  wohl in der breiten Öffentlichkeit keiner so recht zu bemerken scheint, eine ziemlich traurige Zeit im Kreis Recklinghausen. Die Lokalausgabe der WAZ steht unmittelbar vor ihrem Aus. In Zukunft soll dort, ähnlich wie im Falle der Westfälischen Rundschau aus Dortmund vor wenigen Wochen, nur noch ein fremdproduzierter Lokalteil erscheinen. Die Redaktion soll geschlossen werden.

Ich habe daher gerade meine letzte Samstags-WAZ gekauft. Heute erschien diese nämlich noch einmal mit einem eigenen, selbstproduzierten Lokalteil. Die hier im Kreis bisher noch vertriebene Vest-Ausgabe fällt nun in Zukunft aber wohl der jüngsten Sparrunde im Kampf der Printmedien gegen das Zeitungssterben zum Opfer.

Um den redaktionellen Inhalt muss man dabei im Falle der Recklinghäuser Ausgabe, zumindest in weiten Teilen des Kreises, wohl gar nicht so wirklich traurig sein. Dieser war bereits seit Jahren deutlich auf dem Rückzug. Sicher auch ein Grund für viele ehemalige Leser und Abonnenten hier im Kreis Recklinghausen, sich von der WAZ nach und nach, in immer größerer Zahl zu verabschieden.

Die Ausgabe Vest der WAZ am 13.04.2013.

Die Ausgabe Vest der WAZ am 13.04.2013.

Die ehemaligen Lokalredaktionen in Waltrop und Datteln z.B. gibt es auch bereits seit Jahren schon nicht mehr. Alles konzentrierte sich zuletzt auf und in der Redaktion in Recklinghausen. Wollte man in der Lokalzeitung in erster Linie auch Lokalberichte lesen, dann griff man als Zeitungsleser hier im Kreis, aber wohl eh schon lange nicht mehr zur hiesigen WAZ, sondern favorisierte sicher eher die Ausgaben des Medienhauses Bauer aus Marl, welche auch hier bei mir am Wohnort, in Waltrop, seit jeher der klare Marktführer sind. Im Bereich der Lokalberichterstattung bekommt man dort immer gleich mehrere Seiten über seinen eigenen Wohnort. In der WAZ fand man aus und über Waltrop beispielsweise zuletzt leider so gut wie gar nichts mehr. Auch aus anderem Orten war es nur recht wenig. Und ganz ehrlich, als Waltroper will ich nicht seitenlang etwas über Marl, Herten oder Recklinghausen lesen. Da ging das Konzept der WAZ zuletzt einfach so nicht mehr auf.

Für mich persönlich ist das offenkundig anstehende Ende des eigenen WAZ-Lokalteils jetzt trotzdem eine recht traurige Sache. Von 1994 bis 1996 habe ich mal für den Lokalsport in der Dattelner Redaktion geschrieben, dort damals auch meine ersten Erfahrungen im (bezahlten) Journalismus gemacht, bevor es mich dann 1996 beruflich nach Münster verschlug.

Seit dieser Zeit war es für mich über all die Jahre hinweg zu einer liebgewonnenen Gewohnheit geworden mir zumindest aber immer noch die Wochenend-Ausgabe der (Ost-)Vest-WAZ regelmäßig am Kiosk zu kaufen.

...im Februar 2013...

…im Februar 2013…

Das werde ich nun in Zukunft nicht mehr tun. Denn zukünftig werden dort wohl nur noch eingekaufte Berichte aus dem Medienhaus Bauer erscheinen, welche ich aber bereits ohnehin per Abo der (anderen) Lokalzeitung bekomme. Der Kauf der Samstags-WAZ wird damit nun in Zukunft für mich komplett und endgültig überflüssig bzw. unlohnend.

Ich bedaure diese Entwicklung sehr, denn auch die Lokalberichterstattung des Marktführers ‘Waltroper Zeitung’ ist hier zuletzt bereits inhaltlich deutlich oberflächlicher und knapper im Umfang geworden. Nun wird einem das verbleibende Angebot als Leser im Kreis Recklinghausen aber wohl erst einmal so genügen müssen. Eine zweite, tägliche Informationsmöglichkeit im Bereich Print wird es dann so hier aus und über die Region nicht mehr geben, wenn die Pläne der WAZ so nun Realität werden. Erschreckend wie schnell der Niedergang der Zeitungen inzwischen offenbar von statten geht. Anfang des Jahres das redaktionelle Ende bei der WR, nun, im April, ‚erwischt‘ es wohl auch die Vest-WAZ. Das inhaltliche Angebot der Tageszeitungen wird dünn und dünner, die Meinungsvielfalt scheint in diesem Bereich inzwischen  tatsächlich ernsthaft bedroht.

.... im März 2013....

…. im März 2013….

Wahrlich keine schöne Zeit für die Medienlandschaft der Region. Und auch für mich stirbt mit den redaktionellen Inhalten der WAZ hier im Kreis Recklinghausen dann irgendwie ein weiteres Stück der eigenen beruflichen Vergangenheit.

Ich geh‘ jetzt zum letzten Mal, etwas wehmütig, noch ein Stündchen in meiner gerade am Kiosk gekauften Vest-WAZ lesen…

Am heutigen Samstag findet, gleich um 11.30 Uhr übrigens, in Recklinghausen eine Demonstration zum Thema statt. Wer in der Nähe wohnt, der schafft es vielleicht auch noch dorthin:

http://www.ruhrbarone.de/samstag-protest-gegen-die-schliessung-der-waz-redaktion-in-recklinghausen/


27 Kommentare zu »Tja, das ist sie dann wohl gewesen, mein letzte gekaufte WAZ«

  1. #1 | TuxDerPinguin sagt am 13. April 2013 um 11:07

    der Lokalteil an der WAZ dürfte doch der einzige Kaufgrund sein. Alle anderen Nachrichten gibts mit besserer Qualität in anderen Zeitungen bzw Internet.
    Kommt zwar das 2-Mann WAZ Recherche Team dazu, aber dafür eine ganze Tageszeitung?

    Die Lokalberichterstattung war nun auch nicht immer so qualitativ gut… Pressemitteilungen wurden gerne mit kleinen Änderungen übernommen etc. und in einer Stadt passiert vielleicht auch zu wenig, um täglich berichten zu können

    ist auch für die Kommunalpolitik ein Verlust, wenn die lokale Berichtserstattung zusammenbricht. Lokalpolitiker fanden es meiner Erfahrung nach immer gut, wenn mal ein Mensch von der Presse kam… und wenn jeder Mensch nun mehr über S21 oder Berliner Kommunalpolitik (die aus irgendeinen Grund ihren Weg häufig in die überregionale Berichte schafft) weiß als von der Kommunalpolitik in seinem Ort kann es gar keine nennenswerte Partizipation geben. Was aber die Hauptmotivation für Kommunalpolitik ist, sonst könnt man auch alles aus Düsseldorf heraus festlegen.

  2. #2 | Thorsten Stumm sagt am 13. April 2013 um 12:12

    @Robin
    Kann Ihre Einschätzung für die WR in Dortmund nur teilen. Sie ist seit der Schliessung der Redaktion eine bessere Zeitung, dank des viel besseren Lokalteils der RN. Und das sagt eigentlich alles zu der Unternehmensführung unter denen die Journalisten dort arbeiten mussten…

  3. #3 | der, der auszog sagt am 13. April 2013 um 13:04

    Im Ostvest ist man noch relativ “gut bedient”, wenn sich die WAZ zurückzieht und der Lokalteil vom Verlagshaus Bauer – in welcher Form auch immer – weitergeführt wird. Der umgekehrte Fall ist noch dramatischer.

    In Gelsenkirchen, dessen nördlicher Teil Buer historisch gesehen ebenfalls zum Vest Recklinghausen gehört, kennt man das Zeitungssterben und die damit einhergehenden qualitativen Einbußen in der Lokalberichterstattung bereits seit 2006, als die Buersche Zeitung, die ebenfalls zum Verlagshaus Bauer gehörte, eingestampft wurde und seitdem als mickrige Beilage der Hertener Allgemeinen ein Schattendasein fristet.

    Das, was die WAZ seitdem als Monopolist ihren Gelsenkirchener Lesern morgens beim Frühstück zum Fraß vorwirft, geht auf keine Kuhhaut mehr. Fast alles lässt sich 1:1 auf den Internetseiten der Stadt Gelsenkirchen, dem Presseportal der Gelsenkirchener Polizei und der Homepage der Gelsenkirchener SPD nachlesen. Der Rest ist Schalke.
    Für diese Form der Berichterstattung benötigt man dann eigentlich auch keine WAZ Lokalredaktion mehr und irgendwie trauert man dann schon ein Bisschen der Buerschen Zeitung aus dem Verlagshaus Bauer hinterher.

  4. #4 | Wer Sonst sagt am 13. April 2013 um 14:38

    der, der auszog hat es auf den Punkt gebracht: Der Prawda braucht bis auf die Beschäftigten niemand nachzuweinen.

  5. #5 | Volker Steude sagt am 13. April 2013 um 15:27

    Warum kauft, man eine Zeitung wie die WAZ? Wegen des Lokalteils. Leider hat z.B. die WAZ in Bochum den Ruf der Hofeberichterstatter. M.E. wird es besser, man wird kritischer wie an den Berichterstattungen zu Atrium-Talk, 175-Sparkassen-Voting oder Schulschließungen bemerkt. Aber vermutlich ist es jetzt schon zu spät.
    Die Menschen im Ruhrgebiet dürsten nach kritischen Stimmen und einer Berichterstattung, die Dinge aufklärt, erklärt und kritisch beleuchtet. Berichte über Füchse im Vorgarten, den Spielen der Z-Jugend vom SV XY finden nur eine begrenzte Leserschaft.
    Unkritische Hofberichterstattung regt die Leute auf.

    Aber wahrscheinlich haben es die Redakteure in der Hand das Ruder rum zu reißen.

  6. #6 | Walter Stach sagt am 13. April 2013 um 16:42

    Robin,
    wie bei ähnlicher Gelegenheit schon ‘mal festgestellt: “Die Chancen, daß die Ruhrbarone für die Ruhrgebietler weiter an Bedeutung gewinnen, werden wachsen.” Und ich hatte ja schon ‘mal gegenüber Stefan Laurin “dezent” zu bedenken gegeben, ob nicht neben der “Rubrik” Dortmund eine weitere plaziert werden könnte: “Vest Recklinghausen”.

    Ich muß nichts sagen zu den negativen Folgen einer zukünftig “einseitigen” kommunalen (vor alllem kommunalpolitischen) Berichterstattung durch den zukünftigen Monopolisten Waltroper-Zeitung (Bauer-Verlag Marl).
    Als ich ‘mal in Waltrop Partei- und Fraktionsvorsitzender der SPD war -die hatte damals die absolute Mehrheit im Rat-, hat die WAZ, vor allem durch ihren damaligen Lokalchef Werner Funk stets ganz gezielt versucht, sich in wichtigen politischen Fragen konträr gegenüber der Waltroper-Zeitung zu positionieren. Dadurch wurde die örtliche SPD und ich in meinen Funktionen häufig mehr als uns lieb war herausgefordert, unser Tun bzw. unser Unterlassen öffentlich zu erklären, zu begründen, zu rechtfertigen und zugleich hatten wir -Partei,Fraktion und ich- die Chance, uns nicht wegen der Abhängigkeit von einem örtlichen “Medienmonopolisten” um ein “gutes Verhältnis” zu ihm, zu seinen Redakteuren “um jeden Preis” bemühen zu müssen; das war zwar oft anstrengend und gelegentlich auch ärgerlich, aber letztlich “gut so”; und heute?
    “Die Politik” in Waltrop ist in ihrer öffentlichen Wahrnehmung zukünftig ausscließlich auf das angewiesen, was die Redakteure der WAltroper-Zeitung schreiben oder eben nicht schreiben werden;Folgen für beide Seiten?

    Robin,
    Du hast schon mehrfach hier im Blog die politische Lethargie in Waltrop beklagt -parteiübergreifend-.
    Diese Lethargie wird m.E. zusätzlich befördert werden durch das lokale Medienmonopol der Waltroper-Zeitung.
    Das scheint allerdings weder die Poltik(er)in Waltrop noch die “Medienmacher”bei der WAZ,bei der Waltroper-Zeitung zu interessieren und vor allem, auch in der Bürgerschaft scheint das kein diskussionswürdiges Thema zu sein.

  7. #7 | Stefan Laurin sagt am 13. April 2013 um 16:45

    @Volker Steude: Was Sie über die WAZ in Bochum schreiben ist falsch und eine Frechheit. Auch ich vermeide es hier über Sie zu berichten was vor allem der Peinlichkeit ihrer Person und der Peinlichkeit Ihrer Aktionen geschuldet ist. Wenn Kollegen andere Medien auch versuchen Ihren Lesern das zu ersparen kann ich das gut verstehen.

  8. #8 | Mario Herrmann sagt am 13. April 2013 um 16:57

    Das Sterben der Lokalredaktionen ist in der Tat erschreckend. Insbesondere die Tatsache, dass in vielen Städten inzwischen nur noch eine Lokalzeitung existiert, finde ich höchst bedenklich. Hier in Gladbeck haben vor einigen Jahren die Ruhr-Nachrichten ihre Segel gestrichen. Seither gibt es nur noch eine WAZ-Lokalredaktion mit Meinungsmonopol und den Beweis für die alte marktwirtschaftliche These, wonach Konkurrenz das Geschäft belebt: Denn das Niveau der verbliebenen Zeitung ging rasant in den Keller.

    Hinzu kommt, dass die wegbrechenden Abonnentenzahlen offenbar zu Panikreaktionen geführt haben: In der irrigen Annahme, dass man zur eigenen Rettung jetzt den Wettbewerb mit Blogs und Internetforen aufnehmen müsse, besteht inzwischen ein relevanter Teil der täglichen Zeitung aus dem Abdruck von anonymen Forumskommentaren. Dies wirkt jedoch, so fürchte ich, als Turbo für den weiteren Abwärtstrend des klassischen Lokaljournalismus. Wenn ich derbe Kommentare und Beschimpfungen lesen will, gehe ich doch gleich in ein Internetforum. Dazu brauche ich keine WAZ. Für informative, ordentlich recherchierte Lokalartikel bleibt so immer weniger Platz.

    Ich will ja nicht schwarz malen, aber ich fürchte, ein Trend wird sich noch dramatischer zuspitzen: Dass die Menschen über das, was in Berlin, Brüssel oder Washington passiert, besser informiert sind als über Themen in der eigenen Stadt.

  9. #9 | der, der auszog sagt am 13. April 2013 um 17:08

    @Volker

    Wer soll das sein, der da nach Erklärungen, Aufklärungen und Beleuchtungen dürstet?

    Fressen, Ficken, Fernsehen. Kollektives Wohlfühlen ist angesagt in NRW, und im Ruhrgebiet erst recht. Wenn Vadda vonne Maloche kommt, dann will er seine Ruhe, vielleicht noch ein Pilsken und ein bisschen was aus der Glotze, am besten wäre Fußball, aber geh ihm weg mit Politik. Den meisten Leuten im Ruhrgebiet geht Politik doch am Arsch vorbei, deshalb kann die Gruppe derer, die Aufklärung und Erklärungen fordern, im Verhältnis gar nicht so groß sein.

    Das, was die Berichterstattung beispielsweise rund um den Atriumtalk für die meisten Eingeborenen im Ruhrgebiet so interessant macht, ist sein der Skandalcharakter, den diese Story hat und den man schon mit einfachem Hauptschulabschluss als solchen erkennen kann. Das beim Buhlen um den Leser Qualität in der Berichterstattung entsteht, weil sich auch Überregionale Medien für das Thema interessieren, ist dabei ein schöner Nebeneffekt für alle Beteiligten.

    Aus diesem Zusammenhang heraus zu schließen, die Menschen würden nach kritischer Berichterstattung dürsten, halte ich allerdings für eine optimistische Fehleinschätzung. Was man nicht vergessen darf: Die politischen Pappnasen, über die wir uns hier gerne aufregen, ob in Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen oder Duisburg sind alle gewählt worden und werden vermutlich auch in Zukunft wieder gewählt werden.

  10. #10 | Stefan Laurin sagt am 13. April 2013 um 17:27

    @der, der auszog: Die Berichterstattung über den Atrium-Talk war sowohl von der WAZ-Bochum als auch von den Ruhr-Nachrichten in Bochum kritisch. Bei den Stadtwerke haben sie über die WAZ geflucht.

  11. #11 | Volker Steude sagt am 13. April 2013 um 17:56

    @Laurin, kann es sein, dass aufgrund der verständlichen Solidarität zu den örtlichen Kollegen etwas die Kritikfähigkeit bzw. -willigkeit abhanden gekommen ist?

    Bei meiner Aussage gehe ich übrigens auch nicht von mir aus, sondern von denen, die das WAZ-Abo abbestellt haben und die z.B auf derwesten.de kommentieren. Und die sagen immer wieder, dass ihnen die Nachrichten nicht kritisch genug sind und dass Ihnen die immer mal wieder zu beobachtende so genannte “Hofberichterstattung” auf den Keks geht.

    Z.B. wenn die WAZ im September 2009 unkritisch berichtet, dass die Stadt in 2013 ggf. und u.U. vielleicht 17 Mio. bei unspezifierten deutlichen ungeplanten Mehrausgaben mehr einnimmt als ursprünglich erwartet und daraus unkritisch und ohne Reflektion der tatsächlichen Lage schlussfolgert, die Stadt stehe 2013 finanziell besser da als gedacht, einfach nur weil der Kämmerer dass so verlautbart hat.

    Und ein paar Monate gibt die Stadt dann zu, dass sich die Gewerbesteuereinnahmen trotz steigender Sätze verringert haben, ganz anders als erwartet… . Wer sich die Mühe macht zu schauen, was von den Prognosen des Konsolidierungskonzeptes wirklich so eingetreten ist wie prognostiziert, der wird erstaunt sein. Berichterstattung darüber = 0.

    Eine sehr viel kritischere Haltung, gerade zu dem Finanzgebaren der Stadt wäre dringend angezeigt. Dass hier in der Vergangenheit viel zu unkritisch berichtet wurde, hat letztlich auch zu dem gigantischen Schuldenberg geführt. Angesichts der dramatischen finanziellen Situation der Stadt, wäre Alarmstimmung angebracht.

    Ich frage mich auch, warum die Presse beharrlich tod schweigt, dass Th. Eiskirch 2010 versprochen hat, wenn er und die SPD in die Regierungsverantwortung kommen, dann würde man “die Kommunen von ihrer drückenden Schuldenlast befreien”. Hier kann man versprechen, was man will, die Presse vergisst leider schnell.

    Eine Aktion, die keinerlei Schaden angerichtet hat, allein für einen selbst peinlich war, wofür man sich sogar entschuldigt hat, die wird einem allerdings wahrscheinlich von Ihnen noch Jahre nachgetragen.

    Herr Laurin, sie sind ein kritischer Mensch, sollten aber auch Ihre Berufsgruppe ebenso kritisch betrachten, wie die Welt sonst. Und auch zu diesem Thema sollte die Diskussion sachlich bleiben.

    PS: Wie gesagt sehe ich auch, dass in letzter Zeit, durchaus kritischer berichtet wird. Frage mich aber, ob das nicht etwas spät kommt.

  12. #12 | Volker Steude sagt am 13. April 2013 um 18:12

    @ der, der auszog
    Wenn die Beiträge kritisch sind, sich wirklich grundsätzlich mit Problemen der Kommunalpolitik auseinandersetzen, dann landen sie bei derwesten und RN aber z.B. auch beim lokalkompass zumeist bei den meistgelesenen. Zumindest diesen Zusammenhang kann man auf den online-Plattformen der Seiten klar erkennen.

    In Bochum: Jahrhunderthallen-Parkhaus, Sparkassen-Posse bei 175-Jahre-Aktion, Platz des Europäischen Verbrechens, Kostenexplosion Straßenbahn 310 u.v.a.m..

    Kritisch kann man natürlich auch nur berichten, wenn man Themen von Anfang an gut aufbereitet und den Lesern erklärt. Wenn die Leser den Eindruck haben, Beiträge geben nur unkritisch wieder, was die Stadtoberen gesagt haben, dann liest das keiner gerne.

    Noch ein Beispiel: Die Stadt teilt mit, in Bochum gäbe es einen Babyboom, alle berichten brav. Tatsächlich ist die Geburtenrate nach den Zahlen der Stadt deutlich gestiegen*, allerdings liegt Bochum weiterhin auf dem letzten ggf. vorletzten Platz aller Städte in NRW. Warum versäumen es die örtlichen Medien diese Relation herzustellen und verkünden unreflektiert einen Babyboom in Bochum?

    *nach den Zahlen des Landes übrigens nicht, weil man hier anders als die Stadt nachhaltiger zählt.

  13. #14 | der, der auszog sagt am 13. April 2013 um 19:31

    @Stefan
    ich will die Berichterstattung von WAZ und Ruhr-Nachrichten in Bochum rund um den Atriumtalk gar nicht in Frage stellen. In Dorsten, um einiges kleiner und provinzieller als Bochum und am anderen Ende des Gahlenschen Kohlenwegs gelegen, finde ich die Berichterstattung von WAZ und Dorstener Zeitung (=Ruhr-Nachrichten), ebenfalls recht kritisch, zumindest, da wo es die Umstände zulassen. Als Beispiel seien hier die Schlampereien und die unmenschliche Abschiebepraxis der Ausländerbehörde genannt, die 2010 für Schlagzeilen sorgten und ohne die Arbeit von WAZ und Ruhr-Nachrichten niemals in ihrer Dimension sichtbar geworden wäre.

    Ich meine allerdings einen Trend bei der WAZ Lokalberichterstattung auszumachen, der sich weg bewegt von der Lokalberichterstattung, wie wir sie beispielsweise vom Verlagshaus Bauer oder von Lensing gewohnt sind. Die WAZ scheint sich in Sachen Ruhrgebiet derzeit stark an der Lokalberichterstattung der Bildzeitung zu orientieren, die das Thema Politik eher stiefmütterlich behandelt. Statt wie früher mit Bauer und Lensing um die Gunst der Leser zu buhlen, sucht man jetzt in der Springerpresse den großen Konkurrenten.

    Letztendlich ist es der Leser, der sich eine Zeitung oder ein Zeitungsabo kauft, und der dadurch entscheidet, wie gut es einer Zeitung finanziell geht. Da scheint der einfach gestrickte, an der Politik überwiegend uninteressierte Schlaglochsucher und Blitzerpunktmelder so eine Art “Leser der Zukunft” zu sein. Nicht nur für Bild, sondern auch für die WAZ… ich wollte Volker Steude eigentlich nur sagen, dass er das Bedürfnis eines Großteils der Bevölkerung dumm bleiben zu wollen, nicht unterschätzen sollte. Das hat weniger etwas mit den Journalisten zu tun, sondern viel mehr mit den Lesern.

  14. #15 | discipulussenecae sagt am 13. April 2013 um 20:43

    Herr Steude hält es wohl für eine besonders kritische Form von Lokaljournalismus, wenn die Bochumer WAZ bisweilen von seinen kindischen Aktionen berichtet oder den einen oder anderen populistischen Netz-Kommentar gegen das Musikzentrum abdruckt.

    Der Gipfel der Fechheit ist aber, ausgerechnet den dilettantisch gemachten Lokalkompaß als kritisches Organ im seichten Bochumer Blätterwald zu preisen!

  15. #16 | 68er sagt am 13. April 2013 um 23:57

    @ Volker Steude

    Sie haben es immer noch nicht kapiert, Journalismus ist doch für die Journalisten da. Wenn der ehemalige sagt, es gibt weniger Kinder und deshalb müssen Schulen geschlossen werden, stimmt das eben und muss so auch berichtet werden.

    Wen interessiert es dann, dass im Bezirk Mitte die Zahl der Schüler auch nach dem Schulentwicklungsplan der Stadt Bochum steigt?

    Wen interessiert es dann, dass gerade im Bezirk Mitte verhältnismäßig mehr Schulen geschlossen werden, als im schönen Süden der Stadt?

    Wen interessiert es, dass gerade Schulen mit hohem Migrantenanteil geschlossen werden?

    Wen interessiert es, dass es in unseren Grundschulen Klassen gibt mit 30 Kindern und einem Migrantenanteil von 80 Prozent?

    Wen interessiert es, dass im übrigen Bundesgebiet die durchschnittliche Klassenstärke in den Grundschulen bei 20,4 Kindern pro Klasse liegt und in NRW bei 23,2 Kindern pro Klasse und in Bochum in den ersten Klassen der Grundschulen noch viel schlechter?

    Wen interessieren Kinder, wenn man keine eigenen hat?

    Wen interessiert Kinder- und Fremdenfeindlichkeit in der eigenen Stadt, wenn es so wichtige Dinge gibt wie das Rauchverbot in Gaststätten?

    Kennen Sie einen Journalisten, der einen Taschenrechner bedienen kann?

    Oder eine Statistik lesen?

    Hier könnte man z.B. meine Zahlen zu den Klasengrössen in der BRD nachrechnen:

    http://www.kmk.org/fileadmin/pdf/Statistik/KomStat/Dok_198_SKL2011.pdf

  16. #17 | 68er sagt am 14. April 2013 um 00:03

    Der “ehemalige” in meinem letzten Post sollte natürlich der ehemalige Schulverwaltungsamtsleiter Ulrich Wicking sein.

  17. #18 | Volker Steude sagt am 14. April 2013 um 00:22

    @Jens Matheuszik: Das Versprechen war: “die Kommunen von ihrer drückenden Schuldenlast befreien”. Welche Kommune wurde bitte auch nur ein bisschen von der drückenden Schuldenlast befreit – keine einzige! Tatsächlich wurde allenfalls die jährliche Neuverschuldung einiger weniger Kommunen marginal reduziert. Das ist ein riesiger Unterschied.

    Aber genau da ist die Presse gefragt schonungslos den Finger in die Wunde zu legen. Die Befreiung von der Schuldenlast wird versprochen. Die marginale Reduzierung der jährlichen Neuverschuldung einiger weniger Städte wird so verkauft als würde damit das Wahlversprechen eingelöst. Solche Relativierungsversuche funktionieren nur, wenn die Presse nicht aufmerksam ist.

    Da sind im Ruhrgebiet fast alle Kommunen finanziell ruiniert worden, stehen kurz vor dem finalen finanziellen Kollaps. Und die Verantwortlichen werden von der Presse immer noch mit Samthandschuhen angefasst. Wenn Unternehmer so wirtschaften würden wie Kommunalpolitiker, dann werden sie zu recht von der Presse entsprechend kritisch dargestellt und hinterfragt (siehe z.B. GM).

    Im Verhältnis zu den gigantischen Versäumnissen in der Lokalpolitik und den daraus resultierenden schwerwiegenden Folgen für die Bürger, ist die Kritik an den Verantwortlichen in der Presse leider immer noch nur ein laues Lüftchen.

    @der, der auszog: Ich habe ja auch fast 20 Jahre in Dorsten gelebt und dort die Lokalpoltik insbesondere in der RN verfolgt. Als ich vor mehr als 20 Jahren nach Bochum kam, war ich echt schockiert wie wenig kritisch die Presse hier im Gegensatz zu Dorsten berichtet hat.

    Lokalredaktionen sind sehr unterschiedlich und auch in Bochum hat sich einiges gebessert. Aber es stimmt, gleichzeitig ist auch eine “Boulevardisierung” zu beobachten. Mit der man meint sich den Lesern anzupassen. Nur mehr kritischer Journalismus wird den Lokalredaktionen natürlich auch nicht helfen, das Problem ist vielschichtiger.

    @discipulussenecae: Kritischer Journalismus bedeutet sachlich über Dinge zu berichten und eben nicht einfach irgendwelche Behauptungen in den Raum zu stellen, wie sie es mit ihrem Kommentar tun.

  18. #19 | Pöcksken sagt am 14. April 2013 um 10:04

    Zumindest was die Einschätzung Volker Steudes zur Bochumer WAZ-Ausgabe angeht, muss man ihm doch recht geben. So unreflektiert, wie Ottilie und Konsorten dort regelmäßig hochgejubelt werden, kann man doch keinen anderen Begriff als “Hofberichterstattung” finden, oder? Wenn nicht Menschen mit Familien in den Redaktionen säßen, würde ich mich über jede schließende WAZ-Redaktion freuen.

  19. #20 | nusskati72 sagt am 14. April 2013 um 15:34

    @Walter Stach: Guter Punkt. Es ist ohnehin verwunderlich, dass ausgerechnet im Ruhrgebiet populäre Online-Medien als Landing Pages für WAZ, Bauer, Lensing, Springer – also die Medien des Verlegerbandes – fungieren. Es wäre an der Zeit, die Gunst der Stunde zu nutzen und das eigene Medium zu stärken. Vest als Ergänzung zu Dortmund wäre ein erster Schritt, Ignoranz gegenüber den Traditionsmedien die logische Folge.

  20. #21 | Links anne Ruhr (15.04.2013) » Pottblog sagt am 15. April 2013 um 06:45

    [...] Recklinghausen: Tja, das ist sie dann wohl gewesen, mein letzte gekaufte WAZ (Ruhrbarone) – Siehe auch: Protest gegen [...]

  21. #22 | Jens Matheuszik sagt am 15. April 2013 um 17:13

    @Dr. Volker Steude (18):
    Ich persönlich bleibe für mich dabei, dass Leistungen des Landes i.H.v. 5,85 Milliarden Euro nicht marginal sind.
    Natürlich ist das nicht die Lösung aller Finanzprobleme aller Kommunen dieses Landes, aber zu behaupten, dass nichts gemacht wird, ist schon ein wenig an der Wahrheit vorbei argumentiert.

  22. #23 | Steude sagt am 15. April 2013 um 17:51

    Ich habe nie behauptet, es wurde nichts getan. Darum ging’s ja auch nicht. Es geht darum, dass man den Bürgern nicht das Blaue vom Himmel verspricht, was man gar nicht halten kann.

    Die Aussage war:
    “Ich frage mich auch, warum die Presse beharrlich tod schweigt, dass Th. Eiskirch 2010 versprochen hat, wenn er und die SPD in die Regierungsverantwortung kommen, dann würde man “die Kommunen von ihrer drückenden Schuldenlast befreien”. Hier kann man versprechen, was man will, die Presse vergisst leider schnell.”

    Wenn Sie eine Kommune kennen, die durch das Land von ihrer Schuldenlast befreit wurde, dann bitte ich um Nennung.

    Der Stärkungspakt soll 34 Kommunen helfen ihre Neuverschuldung zu bremsen, mit dem optimistischen Ziel dass diese Städte ab 2021 keine neuen Schulden mehr aufnehmen müssen. “Im Gegenzug müssen die Städte und Gemeinden ihre Haushalte bis zum Jahr 2020 sanieren.” heißt es. Also werden die Kommunen mitnichten von der Schuldenlast befreit, sondern müssen dieses eigentliche Problem ganz alleine schultern.

  23. #24 | der, der auszog sagt am 15. April 2013 um 22:49

    @Steude #23

    Es ist nicht die Presse, die schnell vergisst, sondern der Bürger, oder von mir aus auch der Wähler. Die Medienhäuser sind alle im 21. Jahrhundert angekommen, unterhalten Internetseiten mit Archiven die fast alle für jedermann zugänglich sind. Artikel sind jederzeit abrufbar, egal ob man sie gerade braucht oder erst in hundert Jahren. Und für diesen tollen Service muss man noch nicht einmal ein Zeitungsabo haben.

    Ich weiß nicht, wie Du Dir die Arbeit in einer Lokalredaktion vorstellst Volker, aber wenn Journalisten nicht anderes tun sollen, als ständig ihre Finger in ein und dieselbe Wunde zu legen, dann kann so eine Zeitung dicht machen, weil sie nämlich keiner mehr liest. Zum Thema Atriumtalk beispielsweise ist von Seiten der Presse alles gesagt. Jeder kann sich zu dem Thema seine eigene Meinung bilden wenn er will, das Internet ist voll mit Informationen, die von den Zeitungshäusern bereit gestellt werden. Das muss reichen. Es ist nicht Aufgabe der Presse ein Thema künstlich aufrecht zu erhalten und jeden Tag an die Fehlleistungen von Politikern zu erinnern. Das wäre unseriös und für den Leser langweilig. Du verwechselst die Verantwortung, die ein Zeitung lesender Bürger und Wähler hat, mit der Verantwortung, die ein Journalist oder eine Zeitung hat.

    Zum Thema Stärkungspakt, der ja mit dem eigentlichen Thema dieses Artikels nicht viel zu tun hat, über den man politisch allerdings ausgiebig streiten könnte, gibt es übrigens auch eine Menge Artikel im Internet. Vielleicht nicht unbedingt von einer Lokalredaktion in Bochum, aber dafür von anderen Medienverlagen… und deshalb verstehe ich eigentlich gar nicht, wo Du Dein Problem hast.

  24. #26 | Steude sagt am 16. April 2013 um 11:03

    @der, der auszog
    Etwa aller zwei Wochen wird über die städtischen Finanzen berichtet. Da wäre mir wichtig, dass die Redakteure das kritisch beleuchten und mal nachfragen, da hat doch wer was versprochen im Wahlkampf 2010. Da fragen wir doch mal nach, was daraus geworden ist. Da kann mal Th. Eiskirch mal ein paar kritische Fragen stellen. Stattdessen veröffentlicht Eiskirch irgendwann mal wieder irgendeine Stellungnahme und wieder wird nur unkritisch das wieder gegeben, was er sagt.

    Die Politik hat sich darauf eingestellt, dass nicht nachgefragt wird und das man im Zweifel einfach irgendein Placebo vorschiebt, was im Zweifel sowie so niemand richtig beurteilen kann (siehe Argumentation von Jens Matheuszik bezüglich Befreiung von der Schuldenlast).

    Sind wir ehrlich, fast keiner der Redakteure kennt sich im Bereich kommunale Finanzen aus. Deshalb wird zumindest in Bochum im Wesentlichen immer nur das (ab)geschrieben, was die Stadt oder die Opposition so verlautbart.

    Zu dem drängendsten Problem der Kommunen in unserer Region fehlt es an Fachkompetenz in den Redaktionen, das merkt man den Artikeln leider auch an. Die meisten, die sich mit sowas wirklich auskennen, lesen WAZ und RN schon deshalb nicht.

    In unserer Zeit gehört auch in jede Lokalredaktion jemand, der sich mit Kommunalfinanzen auskennt. Das es da jemanden gibt, der sich mit Kultur auskennt, wird ja auch nicht in Frage gestellt.

    Du hast völlig recht, wir brauchen keinen Lokalteil, wir können uns auch anderswo informieren und uns das, was wir wissen wollen, zusammen suchen.

    Aber ein Lokalteil, in dem alles gut aufbereitet und dargestellt wird, ohne dass man alles lange zusammen suchen muss, wäre schon eine gute Sache. Da ist die Lücke, wo sich die Lokalredaktionen profilieren können.

  25. #27 | mel sagt am 16. April 2013 um 11:31

    Wenn “qualitativ hochwertiger und objektiver” Journalismus sich inzwischen lieber mit aktuellen Häkelkursen statt mit lokalem Protest beschäftigt, dann brauchen wir diesen einfach nicht!

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