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To the Süddeutsche Zeitung

Ein paar Worte zu der Karikaturen-Debatte in der Süddeutschen Zeitung.

Ist die Karikatur in der Süddeutschen Zeitung, die Israel als gefräßiges Monster darstellt, antisemitisch? Dazu hat sich bislang „die Redaktion“ und Franziska Augstein geäußert. „Die Redaktion“ sagt dazu, was sie sagen muss, nämlich Sätze wie diese:

„(…) eine Illustration veröffentlicht, die im Zusammenhang mit dem Bilduntertitel zu Missverständnissen Anlass gab (…) Leser haben die Darstellung, auf der ein Moloch mit Hörnern, im Bett auf sein Frühstück wartend, zu sehen war, als antisemitisch empfunden. Die Süddeutsche Zeitung bedauert, dass es zu solchen Missverständnissen kommen konnte. Die Veröffentlichung der Zeichnung in diesem Kontext war ein Fehler.“

Danke für nichts, aber ist ja auch egal. Die müssen sich jetzt halt so rauslavieren, dass sie auf keiner Seite Leser abschrecken. Ein Witz ist allerdings die Stellungnahme von Franziska Augstein, der die ganze Sache ebenfalls nur drei Absätzchen wert war:

„Ernst Kahls gehörntes, hungriges Monster hat mit den antisemitischen Klischees nichts zu tun.“

Ach so. Und schön zuerst den nichts damit zu tun habenden Karikaturisten erwähnen, um sich selbst aus der Schussbahn zu bringen. Ungefähr so: „Herr Kommissar, die Pistole wollte niemanden erschießen!“ Egal, weiter:

„Man muss das Bild zusammen mit der Bildunterschrift anschauen. Da heißt es: „Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde betrachten das Land als einen gefräßigen Moloch. Peter Beinart beklagt, dass es dazu gekommen ist.“ Also: Nur die Feinde Israels sehen Israel in der Weise, die dem abgebildeten Monster ähnelt.“

Letztere wärt dann ja ihr. Abgesehen davon, dass das nach einer billigen Ausrede klingt, wisst ihr ganz genau, wie das Bild neben der Überschrift „Der Niedergang des liberalen Zionismus“ wirkt. Es ist nicht mehr Trickserei, was ihr macht. Genauso gut könntet ihr morgen aufmachen mit einem riesigen Titelbild auf dem steht: „Ausländer raus!“, und in die Unterzeile dann schreiben: „Böse Menschen teilen diese Forderung“.

Am besten aber ist, was dann in der Augsteinschen Stellungnahme kommt:

„Außerdem ist der Staat Israel nicht mit dem Judentum gleichzusetzen.“

Halt immer so wie‘s passt. Einfach „Jude“ durch „Israel“ ersetzen und schon ist man aus dem Schneider. Oder durch was anderes: „Die Luden sind unser Unglück“ – Passt! Ich kann beim besten Willen keinen Antisemitismus erkennen. Schließlich sind nicht alle Luden Juden.

Und zum Schluss? Politiker-Geschwurbel plus Buchwerbung und wir sind wieder Freunde:

„Nachdem das Bild aber zu Missverständnissen geführt hat, wäre es besser gewesen, ein anderes zu wählen. Denn es soll ja über den Artikel diskutiert werden, nicht über die Bebilderung. Der Text von Heiko Flottau über zwei Israel-Bücher, deren Autoren für die Demokratie in Israel fürchten, lohnt das Lesen und die Debatte.“

Es ist schon erstaunlich, wie unterkomplex manche sich intellektuell schimpfenden Leute argumentieren (erinnert mich übrigens stark an den hier). Vor allem wenn man sich erinnert, wie ihr, SZ, den Tränen nah wart, als es um Mohammed-Karikaturen ging. Auch dies ein Indiz dafür, wie es in einigen von euch denkt.

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6 Kommentare zu “To the Süddeutsche Zeitung

  • #1
  • #2
    TuxDerPinguin

    Jeder Antisemit wird sich im Aufschrei bestätigt fühlen. Die Argumentation wird sein, dass Karikaturen über alle Länder ohne Probleme machbar wären, bis auf eines.

    Andererseits kann man es auch schwer unkommentiert lassen.

    Mit der Einsicht der SZ-Redakteurin einen Fehler gemacht zu haben, sollte man es beruhen lassen. Was kann man mehr „rausholen“? Eine größere Entschuldigung? Ist der Mühe nicht wert und füttert Antisemiten.

  • #3
    Emscher-Lippizianer

    Danke, eine sehr gelungene Stellungnahme.

    Mit Untertiteln bzw. Kleingedrucktem dürfen Satiremagazine arbeiten. Da kommt dann durchauf etwas Gescheites bei heraus. Siehe hier:

    http://www.titanic-magazin.de/uploads/tx_rgwallpaper/bild-wahrheit-1280×1024.jpg

    Eine überregionale Tageszeitung wie die SZ lebt von einer grundsätzlichen Seriösität. Diese Existenzgrundlage wird durch solch einen -bestenfalls als „dusselig“ zu bezeichnenden- Artikel gefährdet. Aber egal: Wenn die SZ den Bach heruntergeht, können die Verfasser dieser Artikel bei der nächsten Gaza-Flotte anheuern und die SZ kauft im WAZ-Stil die nächsten Artikel bei der Konkurrenz.

  • #4
    Arnold Voss

    Der Antisemitismus ist wieder beim deutschen Intellekt angekommen, ja er sprudelt erneut aus ihm heraus, als hätte es den Holocaust nie gegeben. Natürlich wird sich nachher entschuldigt. Aber das ist auch schon der einzige Unterschied zu den Vorgängern im Dritten Reich.

  • #5
    Lutz

    Eine wirklich widerliche Illustration. Und die Erklärung von Frau Augstein ist an Lächerlichkeit kaum mehr zu überbieten.

    Warum stellt die SZ den „Feinden Israels“ denn fast eine Drittelseite in Farbe zur Verfügung, um ihre Ansichten über Israel darzustellen?

    Und wer hat die Illustration ausgesucht? Die „Feinde Israels“ oder wohl doch eher die SZ-Redaktion? Mit welcher Motivation? Hat sich die Redaktion mal in die Lage eines „Israelfeind“ versetzt und überlegt, was für eine Grafik ein solcher „Israel Feind“ wohl verwenden würde?

    Das stinkt doch alles.

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