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Das Problem mit dem mansplaining-Problem=Argument

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21 Kommentare zu “Das Problem mit dem mansplaining-Problem=Argument

  • #1
  • #2
    Arnold Voss

    Natürlich kann ein Weißer in einer weitgehend weißen Gesellschaft/Land fast überall herumlaufen ohne wegen seiner Hautfarbe diskriminiert zu werden und das selbst wenn er arm ist. Tut er das aber in einer mehrheitlichen schwarzen Community dann kann es ihm auch als Wohlhabenden passieren, dass er als „Weißbrot“ verlacht wird oder sonstwie wegen seiner Hautfarbe angemacht wird.

    Farbige Menschen sind zweifellos häufiger Opfer von rassitischer Diskriminierung. Aber weder Weisse noch Farbige sind deswegen schon die besseren Menschen, weil sie Opfer von Diskrimnierung sind. Erst recht nicht wenn sie dies nur unter einem bestimmten Aspekt oder einer bestimmten Eigenschaft ihrer Person sind. Diese Welt ist weitaus komplizierter.

    Schwarze unterdrücken nicht nur in Afrika massenhaft Schwarze. Frauen diskriminieren nicht nur in Indien massenhaft Frauen. Schwule und Lesben können genauso rassistische und sexistisch sein wie Heteros. Farbige Islamisten hassen und töten weiße Gottlose. Weiße christliche Fanatiker bekämpfen weiße Ärzte die Abtreibungen vornehmen. Weiße und farbige orthodoxe Juden diskriminieren schwule orthodoxe Juden. Einwanderer die im Land ihrer Einwanderung Respekt verlangen zeigen diesen in ihrem Heimatland gegenüber Fremden nicht.

    Nur wenn es darum geht, sich selber als Individuum und/oder Gruppe gesellschaftlich höher als andere zu stellen und dadurch soziale, kulturelle oder ökonomischen Vorteile zu erhalten, sind sich fast alle Menschen unabängig von ihren sonstigen Eigenschaften gleich. Und einmal aufgestiegen verteidigen sie ihre Privilegien, ob verdient oder nicht, bis aufs Messer bzw. buckeln sie nach oben und treten nach unten. Ganz oben angelangt, sind sie dann in der Regel fest davon überzeugt, dass sie genau dort hingehören.

  • #3
    Silke Zeidler Beitragsautor

    @discipulussenecae: mansplaining ist bekannt? Sonst, na, hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Mansplaining
    Und die Überschrift ist eigentlich die Zusammenfassung des Comics. Mansplaining wird als Argument verwendet, um mansplaining abzuwehren. Und das kann halt schon ausgesprochen zutreffend sein. Klar gibt es das. Andererseits, naja… siehe, Comic. Also, es gibt sie einfach, Männer, die sehr viel tiefer in der feministischen Debatte stecken als Frauen, die z.B. behaupten, sie würden gar keinen Feminismus brauchen, weil sie ihren Freund ja lieben. (Was so absurd ist, das ich das vielleicht gar nicht weiter erklären muß.)

  • #4
    Silke Zeidler Beitragsautor

    @Arnold: Also, nicht ALLE Menschen… 😀 Ja, es ist wirklich kompliziert. Und naja, zu einer Demokratie gehört ganz klar der besondere Schutz von Minderheiten. Was sich hier die Mehrheit teils herausnimmt, ist schon wirklich derb. Homosexuelle z.B., die nicht heiraten dürfen, weil… kein vernünftiger Grund, einfach, isso. Das ist schon eine ziemliche Frechheit. Worum es mir hier aber besonders ging, ist die Frage, wer wann wie "recht bekommt", weil die Person Gruppe X zugehört. Und eigentlich kann ich dieses Argument "ich habe keine Ahnung, wie es ist, Teil von dieser oder jener Minorität zu sein, also hat deren Meinung auch sehr viel mehr Gewicht als meine Einschätzung" wirklich gut nachvollziehen. Aber, ich spreche ja auch als Frau ganz klar einigen anderen Frauen die Kompetenz ab, sich sinnvoll in das Thema Feminismus einzubringen. Und sage – oder denke – Himmel, lies dich doch bitte erst in das Thema ein, bevor Du hier so was heraus haust. Ab einem bestimmten Niveau ist es, denke ich, einfach unumgänglich, sich länger & tiefer gehend mit einem Thema auseinander gesetzt zu haben.

  • #5
    Helmut Junge

    Silke, du hast in einem einzigen Comic mindestens 4 klarabgrenzbare Themenbereiche miteinander vermengt. Arnold hat sich eines ausgesucht.
    Ich habe beim Namen Kutschera als Erstes gedacht, daß sein Buch seit einer Woche auf dem Markt sein müßte. Eine Vorbesprechung hatte ich schon vor 6 Wochen gelesen. Wenn ich jetzt ein typischer 2mansplainer" wäre, könnte ich dir stundenlang etwas über das Buch erzählen. Das wäre doch ok., oder? Aber ich les es erst, wenn ich mit dem Stapel ungelesener Bücher durch bin.
    Aber dann…., warte mal ab.
    Aber zu deiner Bemerkung "Und eigentlich kann ich dieses Argument "ich habe keine Ahnung, wie es ist, Teil von dieser oder jener Minorität zu sein, also hat deren Meinung auch sehr viel mehr Gewicht als meine Einschätzung" wirklich gut nachvollziehen."
    Da sage ich aber, daß nur das akzeptiert wird, was gesellschaftlicher Mainstream ist. Sagt diese Person, die zu einer Minderheit gehört, nämlich etwas, was nicht in Konzept der Gruppe in der sie sich befindet paßt, ist es aber ganz schnell vorbei mit dem größeren Gewicht das deren Meinung zugemessen wird. Zwei mit mir befreundete Physikerinnen haben auf einer Veranstaltung von Feministinnen gesagt, daß sie im Physikfachbereich von den Männern nicht untergebuttert werden, sondern sogar von fast allen unterstützt würden. Das kam aber bei den Feministinnen gar nicht an. Die beiden sind dann ganz giftig angegriffen worden. sie sind danach nicht mehr dahin gegangen, was m.E. eher den Feministinen geschadet hat. Ich könnte noch ein Beispiel von einer Bekannten, afrikanischstämmige Adoptivtochter von Freunden erzählen, die mir erzählt hat, daß sie seit ihrer Kindheit nur ein einziges mal einer rassistischen Beschimpfung ausgesetzt war. Danach hat sich das keiner mehr getraut. Und ich kenne sie seit ihrer Kindheit. Und ich kann es mir bei ihr sehr gut vorstellen. Und auch, daß das kein Biodeutscher, sondern ein Türke war, paßt auch nicht in die Vorstellung vieler Zeitgenossen. Von Biodeutschen sei sie noch nie rassistisch beschimpft worden, sagte sie mir. In der freien Gesellschaft außerhalb der Seminare geht es oft ganz normal gegen jede in den Seminaren entwickelte Theorie zu.
    Ach,bevor ich das vergesse: Meine Frau mag es morgens bei Sudoku überhaupt nicht, wenn ich ihr die Welt erkläre. Aber sonst kommt sie seit etwa 45 Jahren ganz gut mit meiner Art des "manplaining" zurecht. Manchmal hört sie sogar zu.

  • #6
    Silke Zeidler Beitragsautor

    @Helmmut: Na, doch, auf einer bestimmten Ebene hängt das alles schon zusammen – oder, zumindest, finde ich interessant, das miteinander verbunden zu betrachten. Und, och, der Arnold kann sich das bestimmt gut verpacken, was ich da geschrieben habe. (Ich meinte ja überhaupt gar nicht, dass es falsch oder irrelevant sei, was er da geschrieben hat. Es ist halt eine Seite davon.) Im Übrigen, ja, wirklich die Fallbeispiele, die Du da erzählst – oder vergleichbare Situationen – hatte ich im Sinn. Das ist doch super, wenn das Arbeitsklima für die beiden Physikerinnen so gut ist. (Interessant wäre da noch der direkte Gehaltsvergleich. Der gender pay gap liegt in D. bei 7%. Also, in der bereinigten Form, bei genau gleicher Qualifikation, Arbeit usw. Nur die Chance, die beiden darauf hinzuweisen, wurde so wohl leider erst einmal vertan. Wobei das auch wieder so… naja, Feministinnen sind ja nun wirklich sehr heterogen, haben ganz unterschiedliche Schwerpunkte undsoweiter. Also, wenn die eine Gruppe nicht so war, vielleicht sich doch noch woanders umschauen.) Oder Dein anderes Beipiel: Ein einziges Mal ist mir zwar immer noch ein Mal zu viel, aber trotzdem ist das natürlich ausgesprochen erfreulich, dass die ganz überwiegenden Erfahrungen positiv waren. Was dabei aber auf gar keinen Fall vergessen werden darf: die NSU-Prozesse laufen noch… institutioneller Rassismus ist keine Erfindung. Da denke ich sollten wir alle aber so etwas von ein sehr scharfes Auge darauf werfen und nicht, weil es auch die guten Beispiele gibt, einfach hoffen, die Probleme seien nicht so sehr dringend.
    Was das mansplainig angeht: jupp, diese Spezies gibt es, ganz eindeutig. Da kann ich mir von vorne herein jede Diskussion sparen, weil meine Argumente für den Herren schlicht keine Gültigkeit haben werden. Und er wird mir dann die Welt erklärt, ob ich das nu interessant finde (oder längst alles weiß) oder halt eben nicht.
    Nur deshalb von vorne herein jeden Mann, der mir etwas erklärt, mit genau diesem mansplaining-Argument abzuwehren, halte ich für mich nun auch für Quatsch. Weil ich weiß, dass ich gar nicht so sehr viel weiß. So, und diese Offenheit für Argumente würde ich mir auch in einigen Fragen, bei denen es um Rassismus geht, wünschen. (Oder ergeben diese Zusammenhänge auf der Meta-Ebene echt nur in meinem Kopf Sinn? Kann ja sein.)
    Jedenfalls, schöne Grüße an Ihre Frau!

  • #7
    Helmut Junge

    @Silke, zu dem Thema paßt gut "Welträtsel" von Manfred Kyber.
    http://gutenberg.spiegel.de/buch/balduin-brummsel-und-andere-tiergeschichten-5505/6
    Die Kurzgeschichte paßt auch gut in die heutige Zeit. Humorvoll werden einige Geheimnisse zwischen Männern und Frauen abgehandeltt. Zumindest die Psychologie der Männer, die Ursache des mansplainingproblems sind, wird hinreichend erklärt.
    Den Gruß habe ich ausgerichtet. Das ist mir in den letzten Tagen jetzt dreimal aufgetragen worden.

  • #8
    discipulussenecae

    @ Silke Zeidler:

    Vielen Dank für den Hinweis, denn ich kannte den Begriff wirklich noch nicht.

    Aber nach Lektüre des Wikipedia-Artikels bin ich mir nicht ganz so sicher, ob wir diesen Begriff wirklich brauchen, oder ob er nicht auch wieder nur eine typische Kopfgeburt der Theorie-Debatten an amerikanischen Westküsten-Universitäten ist.

    Denn ich denke gar nicht gern daran zurück, wieviel dummes Zeug mir meine Mutter eingetrichtert hat, als sie mich in ebendieser Funktion großgezogen und dabei auch erzogen hat; sie hat damals gnadenlos das Hierarchiegefälle zu ihren Gunsten ausgenutzt. Sollten wir vielleicht von daher nicht zusätzlich die Kategorie ‚momsplaining‘ einführen?

  • #9
    Arnold Voss

    Das sind einige der immer noch ungelösten Rätsel des Feminismus: Dass die Mehrzahl der Männer weltweit im wesentlichen von Frauen zu Frauenfeinden erzogen werden. Dass es weltweit Mütter und Großmütter sind, die die immer noch massenhafte stattfindende Clitorisbeschneidung bei Mädchen vornehmen, bzw. ihnen billigend beiwohnen. Dass bei Witwenverbrennungen in Indien auch – sofern noch lebend – die Mütter der Witwen anwesend sind.

    Dass die Masse des Kindesmissbrauchs innerhalb und nicht außerhalb der Familie stattfindet zu der bekanntlich nicht nur Väter sondern auch Mütter gehören. Dass Ehrenmorde an Mädchen auch von ihren Müttern gebilligt werden. Dass zu den meisten männlichen Diktatoren, Folterern und Schlächtern dieser Welt nicht nur liebende Mütter sondern auch ihnen fest zur Seite stehenden (Ehe)Frauen gehören und dass die Frauen-KZs der Nazis von Nazi-Frauen geführt wurden. Von den Millionen hingebungsvoller weiblicher Fans Adolf Hitlers ganz zu schweigen.

  • #10
    Arnold Voss

    @ Silke Zeidler # 6

    Natürlich "verpacke" ich das. Eigentlich gabs auch garnichts daran zu "verpacken". 🙂

    Hast hier mit deinem Comic auf jeden Fall eine interessante Diskusssion angestoßen, an der du lobenswerterweise auch noch selbst teilnimmst. Genau darum gehts für mich bei den Ruhbaronen. Danke.

  • #11
    Silke Zeidler Beitragsautor

    discipulussenecae & Arnold: Na, das Frauen generell die besseren Menschen seien, hielt ich auch immer für ein Gerücht. Und, klar sind Frauen auch Teil der Gesellschaft, bekommen dieselben Rollenklischees beigebracht wie Männer und geben sie entsprechend an die nächste Generation weiter. (Allein verantworlich sehe ich da aber die Frauen nu auch wieder beim besten Willen nicht.) So absurd es heute klingt, aber viele Frauen fanden bei der 1. Welle des Feminismus die Forderung nach einem Frauenwahlrecht reichlich überflüssig. Sich gegen althergebrachte gesellschaftliche Zustände aufzulehnen, war schon immer der unbequemere Weg, selbstverständlich auch für Frauen. (Das kann man heute immer noch hübsch beobachten: die Frauen, die jetzt erklären, dass am Feminismus heutzutage aber ungefähr mindestens alles verkehrt sei, bekommen mit Sicherheit viel Applaus & Zustimmung. Das finde ich zwar nur noch absurd, weil das mit Sicherheit Frauen sind, die einen Führerschein haben, Hosen tragen & das Wahlrecht eher nicht abgeben würden. Aber, wenn sie denn meinen…)
    Über den Text hier bin ich heute gestolpert. Worum es grundlegend eigentlich geht, wird ganz gut erklärt: http://www.esquire.co.uk/culture/advice/a9641/things-men-dont-know-about-women-caitlin-moran/

    Zu den Sexualstraftaten: die Täter sind tatsächlich in den weit überwiegenden Fällen Männer. Bis jetzt deuten alle Statistiken darauf hin: https://de.wikipedia.org/wiki/Vergewaltigung (etwas weiter unten stehen die Zahlen, im vorvorletzen & vorletzten Abschnitt. Die Vermutung, dass sich Männer bei diesen Verbrechen einfach sehr viel weniger melden, eben wegen besagter Rollenklischees "ein Mann ist kein Opfer", habe ich bis jetzt auch einige Male gelesen. Schwierig, dazu etwas vernünftiges zu sagen, weil, sehr viel Spekulation dabei.) Nur, wogegen ich protestiere, ist, diese Verbrechen vor allem den Müttern anzulasten, weil sie wegsehen. Es ist ja das gesamte Umfeld, das lieber nicht so genau hinschaut. Also auch Onkel, Großvater undsoweiter. Und schuldig sind ausschließlich die Täter.

  • #12
    Silke Zeidler Beitragsautor

    @Arnold #10 Na, hatte ich doch richtig gehofft 🙂 Naja, ich lese eigentlich wirklich alle Kommentare mit. Nur ist’s halt unter anderem auch immer eine Zeitfrage, ob ich mitdiskutieren kann.

  • #13
  • #14
    Helmut Junge

    @Silke, Du machst ziemliche viele Abstriche am radikalen Feminismus, und trägst das auch ganz selbstbewußt vor. Ich frage mich u.A. auch deshalb, wieviele diesbezügliche Abstriche man machen kann, um noch Feministin zu sein.
    Und, wo liege ich da? Am Ende bin ich ja doch tatsächlich der Feminist, für den ich mich selbstbewußt, wie ich bin, immer gehalten habe.
    Deinen Kommentaren entnehme ich, daß Du keine Dogmatikerin bist, sondern nach Begründungen und Wegen suchst. Diese Haltung ist aus meiner Sicht die Einzige, die auch zu Antworten führen kann.
    Aber zurück zu Fragen aus vorigen Kommentaren. Die von beschriebenen Frauen haben Kinder, die ins Jugendalter gelangt sind. Die Sache der Physikerinnen liegt also etwa 20 Jahre zurück. Das pay gap bei Naturwissenschaftlerinne entsteht im Laufe des Berufslebens. Die Anfangsgehälter sind m.W. überall für Männer und Frauen ähnlich. Wie es aber zu Gehaltserhöhungen kommt, ist nirgends transparent. Da vermute ich schon gewisse Vorlieben.
    Die beschriebene Adoptivtochter von Freunden ist eine sehr resolute Frau. Diese Eigenschaft schützt sie. Obwohl sie es mir erlaubt hat, will ich keine weiteren Details zu ihrer Person nennen. Aber so wie sie mir das erzählt hat, kam ich zu dem Schluß, daß Rassisten es meist nicht zu mögen scheinen, wenn sie auf der Straße laut als Rassisten beschimpft werden. Bei solchen Personen, die das machen, überlegen Rassisten es sich wohl gründlicher als sonst, ob sie einen Spruch ablassen oder nicht. Und mit der deutschen Sprache kann die junge Frau sehr gut und treffend umgehen. Es ist ihre Muttersprache. Aber diese Ausnahme habe ich erwähnt, um zu begründen, daß es Erwartungshaltungen gibt, die NICHT auf jeden Fall anwendbar sind, und das diese Fälle meist nicht als erwähnenswert gelten. Und das ist falsch, wenn man aus der Sichtweise des Ändernwollens an solche Fälle herangeht. Nur wenn man das nicht unbedingt will, aber dafür auf alle Fälle nur die Dramitik anzeigen möchte, dann sind solche Fälle uninteressant. wer Lösungen sucht, sollte sich gerade besonders um die Ausnahmen kümmern, denn die bergen das Geheimnis, wie was geändert werden kann.Das ist so wie bei Ärzten, die fragen, warum einer krank wird und der Andere nicht.

  • #15
    Arnold Voss

    @ Silke Zeidler # 11
    "Nur, wogegen ich protestiere, ist, diese Verbrechen vor allem den Müttern anzulasten, weil sie wegsehen. Es ist ja das gesamte Umfeld, das lieber nicht so genau hinschaut. Also auch Onkel, Großvater undsoweiter. Und schuldig sind ausschließlich die Täter."

    Es ist keine Frage das Frauen oft in von Männern verursachten innerfamiliären Unterdrückungs- und Gewaltzusammenhängen als Opfer mit eingebunden sind. Aber in Deutschland kann jede Frau mit ihren Kindern diesem Gewaltvehältnis entfliehen, seitdem es Frauenhäuser und entsprechende Gesetze gibt, die , wenn gewollt, den gewalttätigen Mann durch Polizeieinsatz aus der Wohnung verbannen.

  • #16
    Arnold Voss

    @ Thomas Weigle # 13

    Es gibt im Falle von Zuschauern/Billigern egal welchen Geschlechtes, die keine Hilfe leisten, eben nicht nur den Täter und seine Tat, sondern die Mittäterschaft durch unterlassene Hilfeleistung.Und es gibt, was häusliche Gewalt gegen Kinder betrifft, sehr wohl – wenn auch in einem verhältnismäßig wesentlich geringeren Anteil- auch Täterinnen.Was die mittlerweise nachgewiesenen massenhaften außerhäuslichen Gewalttaten gottgläubiger Schwestern in den kirchlichen Kinderheimen verschiedener christlicher Länder betrifft, scheint es sich allerdings nicht um eine kleine Minderheit gehandelt zu haben.

  • #17
    Silke Zeidler Beitragsautor

    @Helmut: Na dann willkommen im Club der Feministen! Die Grundlagen sind da so umwerfend simpel: Wer für Gleichberechtigung ist, ist Feminist.
    Und was genau ist denn radikaler Feminismus für Dich & wo mache ich da Abstriche? (es gibt da ja so viele verschiedene Stömungen, Unterströmungen, Konzepte, die sich gegenseitig behaken usw…) Transparente Gehälter z.B finde ich eine ernsthafte Überlegung wert. Wie sonst könnte man denn den Gehaltsunterschieden beikommen? Oder, die care revolutin, die bisher medial aber leider völlig untergeht… (bessere Bezahlung für Pflegeberufe, die – was auch sonst – größtenteils von Frauen ausgeübt werden, etc…)
    Ja, wirklich gut, dass es auch Positivbeispiele gibt. (Sonst wäre es ja auch völlig zum Verzweifeln.) Aber zum einen wirft das ja die Frage auf, was denn dann mit den weniger resoluten ist, die sich einfach nicht so gut zu Wehr setzen können? (und ansonsten, dieses Phönomen mit der Überdramatisierung lässt sich glaube ich in allen Bereichen beobachten. Wir leben im Zeitalter der Aufmerksamkeitsökonomie. Wer am lautesten ist, bekommt die meiste Beachtung. Nur leider ist die Formel nicht zwangsläufig laut = wichtig. Hm, anderes Thema, dass da aber sicher auch mit hineinspielt.)

  • #18
    Silke Zeidler Beitragsautor

    @ Arnold: Ach wenn’s doch nur so wäre. Ärgerlicherweise finde ich jetzt den Artikel nicht mehr, aber: Frauenhäuser sind unterfinanzeirt und es kann nicht allen Schutzsuchenden Hilfe angeboten werden. So, und ab genau hier bewege ich mich auf ziemlich dünnem Eis, weil ich keine Psychologin bin. Also, soweit ich das verstanden habe, sind die Frauen in solchen missbräuchlichen Situationen wohl auch teils in einem Abhängigkeitsverhältnis. Das Stockholmsyndrom gibt es ja nun einfach. (Was keine Entschuldigung sein soll, sondern einfach nur ein Erklärungsansatz, warum das für einige Frauen schlicht nicht so einfach zu sein scheint wie es klingt. Die bekommen es teils wohl einfach nicht gebacken, zu gehen.) Ein weiterer Grund für das, was ich schon gesagt hab: das geht tatsächlich alle etwas an. Also wenn ein Kind mit einem sichtbaren Handabdruck im Gesicht in der Schule erscheint, ist das für die Lehrer sehr eindeutig der richtige Moment, zum Jugendamt zu gehen.

  • #19
    Thomas Weigle

    @ Arnold Voss Mein kurzer, zu kurzer Satz(?) ist so zu verstehen, dass eine Billigung der Tat durch andere die Verantwortlichkeit des Täters keinesfalls aufhebt, unabhängig davon, ob die Umstehenden sich unterlassener Hilfeleistung schuldig machen oder nicht.

  • #20
    Helmut Junge@gmx.de

    Transparente Gehälter wären insofern ein guter Ansatz, weil dann darüber diskutiert werden könnte, ob jemand mehr verdienen sollte, als Andere. Wenn jemand mehr Geld für gleiche Arbeit kriegen sollte, wäre es ungerecht. Steckt da aber eine erkennbare Mehrleistung dahinter, fände ich es als ungerecht, wenn diese Person nicht besser bezahlt würde. Einen Einheitslohn lehne ich ab, denn das gab es schon, und viele haben sich dann ausgeruht. Ich denke, daß es in der Gesellschaft Anreize geben muß. Das gilt für alle. Aber ich kann von meinem Sitzplatz aus nicht entscheiden, wer mehr leistet. Diese Beurteilung fällt meist ein oder eine Zahl von Vorgesetzten. Und das schließt Ungerechtigkeiten absolut nicht aus. Ich kenne Naturwissenschaftlerinnen, die in der Forschung und in der Lehre gute Arbeiten machen. Wie das in den Ingenieurwissenschaften ist, oder gar in der Industrie, weiß ich nicht. Es gibt übrigens in den Ländern mit feministischer Tradition eklatant weniger Absolventen und Studierende der Ingenieurwissenschaften als in den Ländern, in denen Feminismus bis vor kurzem ein Fremdwort war,(z.B. Polen und Italien). Selbst im Iran!!! studieren bei einem Gesamtanteil 60% Frauen bei allen Studierenden, zum Verdruß der Mullahs, so viele Frauen Ingenieurtechnik, daß die Mullahs dort eine "Männerquote" beschlossen haben. So läuft das eben, wenn das Paradies so wichtig wird, daß ein Studium keinen Sinn mehr zu machen scheint. Können sich die Mullahs doch selber durch die Mthematik quälen. Mir zeigen diese Beispiele und meine eigenen Beobachtungen lediglich, daß Frauen, wenn sie wollten, durchaus könnten. Aber wenn Spaß dabei sein sollte, müßte man schon früh Interesse bilden. Als ich im Mai 2015 hier bei den Ruhrbaronen http://www.ruhrbarone.de/humanistische-genderkritik/106017
    mit der Feministin @LF heftig darüber diskutiert hatte, kam nach anfänglicher Zustimmung dann doch die Antwort, "Wenn von Frauen* plötzlich erwartet wird, dass sie ein ausgeprägtes Interesse für Naturwissenschaften entwickeln, um als ‚emanzipiert‘ gelten zu können, würde dies vermutlich eine Geringschätzung derjenigen Frauen* nach sich ziehen, die sich entsprechend ihrer persönlichen Präferenzen eben doch mehr für Mode oder was weiß ich interessieren. Das kann aus meiner Sicht nicht die Lösung sein!"
    Aber wenn Dich das interessiert, was hier schon Diskussionen über Feminismus stattgefunden haben, kannst Du in dem obigen Link so ziemlich eine extreme Bandbreite von Positionen finden. Es würde aber reichen reichen, ab Kommentar 67 zu lesen. Es gab aber noch etliche andere Diskussionen zu diesem Thema bei den Ruhrbaronen. Das nimmt sowieso kein Ende.

    http://www.ruhrbarone.de/humanistische-genderkritik/106017

  • #21
    Silke Zeidler Beitragsautor

    Oh. Guck an. Der Herr Kutschera wurde hier also auch… 😀
    Jedenfalls, transparente Löhne: da geht es mir erst einmal wirklich darum, diese Frechheit mit der Lohnungleichheit zwischen Männern & Frauen, bei gleicher Ausbildung, vergleichbarer Leistung etc… abzuschaffen. (Und nicht gleich das ganze kapitalistische System – wobei, auch da bin ich durchaus offen für Verbesserungen. Nur würde das hier zu weit führen.)
    Und die gute @LF scheint in anderen Ecken herumzuturnen als ich. Die Frage, warum weniger Frauen in den Naturwissenschaften arbeiten, habe ich wirklich schon häufig diskutiert gesehen. Eine Überlegung ist da, dass im IT-Bereich die Männer erst dann angefangen haben, die Frauen zu verdrängen, als IT sehr viel wichtiger wurde. Und ab da die gesamte IT auch einherging mit starken Lohnsteigerungen etc. Der erste Programmierer war kein Programmierer, sondern eine Programmiererin: Ada Lovelace.
    Hier steht das ausführlicher beschrieben:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Women_in_computing
    Also die Frage, ob Frauen* in den Naturwissenschaften genau so gut sein können wie Männer, stellt sich mir gar nicht mehr.
    Die Antwort wurde längst mit "ja na klar" beantwortet.
    Dafür gibt es aber solche Studien:
    http://www.wn.de/Muensterland/2245781-Studie-Schuelerinnen-schlechter-bewertet-Maedchen-im-Nachteil

    Und das ist bitter: zum einen zeigt es, wie halt natürlich auch Frauen die Vorurteile sich selbst gegenüber einfach weitergeben. An die nächste Generation. Und zum anderen, genau so demotiviert man ja auch ganz prima Talente. Also, die künftige Krebsforscherin, die eigentlich ein umwerfend innovatives Mittel gegen Krebs gefunden hätte, hat sich das dann leider doch nicht zugetraut und lieber etwas anderes studiert.
    Weshalb ich ja immer wieder sage, Feminismus ist für die gesamte Gesellschaft wichtig.
    (Zum Iran, oder Italien, oder Polen, müßte ich mich erst gründlich einlesen. Warum es in den Ländern besser funktioniert – hm – die sind ja in sich noch mal jeweils doch sehr unterschiedlich strukturiert.)
    Ja, das Thema wird uns sicher noch lange begleiten.

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