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Wem gehört der Fußball?

Ich habe selbst mal Fußball gespielt. Ein paar Jahre ist das mittlerweile her. Lange genug, dass ich noch nichts gehört hatte von Flip-Cams, You Tube und Überall-Und-Immer-Internet. Hätte es das damals schon gegeben, ich hätte mich gefreut, hätte einer meiner Freunde eines meiner Tore - selten genug waren sie - mit dem Handy gefilmt. Und ins Internet gestellt. Ich hätte es allen gezeigt, den You Tube-Link über Facebook, Twitter, Studivz, Mail oder SMS verteilt. Eine Sensation wie diese hätte definitiv gefeiert werden müssen. Der Württembergische Fußballverband will nun verbieten, dass Hobbykicker ihre geilsten Szenen frei ins Internet stellen. Er verklagt die Hartplatzhelden, morgen beginnt der Prozess vor dem Bundesgerichtshof.

Ich habe selbst mal Fußball gespielt. Ein paar Jahre ist das mittlerweile her. Lange genug, dass ich noch nichts gehört hatte von Flip-Cams, You Tube und Überall-Und-Immer-Internet. Hätte es das damals schon gegeben, ich hätte mich gefreut, hätte einer meiner Freunde eines meiner Tore – selten genug waren sie – mit dem Handy gefilmt. Und ins Internet gestellt. Ich hätte es allen gezeigt, den You Tube-Link über Facebook, Twitter, Studivz, Mail oder SMS verteilt. Eine Sensation wie diese hätte definitiv gefeiert werden müssen. Der Württembergische Fußballverband will nun verbieten, dass Hobbykicker ihre geilsten Szenen frei ins Internet stellen. Er verklagt die Hartplatzhelden, morgen beginnt der Prozess vor dem Bundesgerichtshof.

Wem gehört der Fußball? So grundsätzlich muss fragen, wer über den Streit zwischen dem Württembergischen Fußballverband WFV und den Hartplatzhelden spricht. Der Verband will den Hartplatzhelden untersagen, Videos von Amateurspielen auf ihrer Webseite zu zeigen. Es geht ums Geld, sagt der Verband. Eigentlich aber geht es um viel mehr.

Ist der Sport ein Produkt der Funktionäre oder von mir, dem Sportler? Hat ein Verband das Monopol auf eine Sportart? Und wie wägt man Presse- und Meinungsfreiheit – auch in Zeiten des Mitmach-Internets – gegen Lizenz-Ansprüche ab? Mit seinem Urteil wird der Bundesgerichtshof in weiten Teilen Neuland betreten. Bisherige Urteile betrafen vor allem den Profisport.

Das Konzept der Hartplatzhelden ist denkbar einfach: Jeder kann Video-Schnipsel von Hobbykicks hochladen. Von seinen eigenen Spielen, denen seines Vereins, der Minikicker-Truppe seines Sohnes oder Enkels. Die Betreiber um den Sportjournalisten Oliver Fritsch ordnen die Beiträge, kommentieren, verlinken und empfehlen sie weiter. Die besten Clips werden schließlich von einer prominent besetzten Jury um Günther Jauch und Manni Breuckmann gekürt.

Tolle Solos, verrückte Fallrückzieher, knallharte Freistöße – auf hartplatzhelden.de findet sich alles. Fritsch selbst bezeichnet sein Projekt als Kreisliga-Sportschau. „Eine Hinwendung zum kleinen Sport“, sagt Fritsch am Telefon. „Wir packen die Spieler bei der Eitelkeit.“ Der Amateurfußball als eine Spielwiese für Liebhaber, eine Art Heimat gar.

Die Idee zum Projekt entstand 2006 nach einem Amateurspiel in der Kabine: Fritsch ist selbst Spielertrainer in der Bezirksliga. „Wir diskutierten gerade beim Bier über das zurückliegende Spiel – und wie schade es ist, dass der siegbringende Freistoß nicht im Fernsehen zu sehen sein würde“, beschreibt Fritsch in seinem Blog „indirekter freistoss“. „Doch es gibt ja das Internet. Bingo!“ Bereits Anfang 2007 kürten die Hartplatzhelden ihr erstes Tor des Jahres. Doch es dauerte nur wenige Wochen, bis der erste Beschwerdebrief des WFV ins Haus flatterte. Im Herbst 2007 folgte die Klage. Heise.de hatte damals bereits über die Abläufe berichtet. Dort wird auch fleißig diskutiert und verlinkt.

Vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht Stuttgart unterlagen die Hartplatzhelden bereits. Dennoch entschieden sich Oliver Fritsch und seine Kollegen, vor den Bundesgerichtshof zu ziehen. Sollten die Hartplatzhelden erneut verlieren, kämen auf sie Kosten von bis zu 50000 Euro zu. Der 39-Jährige Fritsch lebt deshalb seit zwei Jahren besonders sparsam, wohnt sogar nur noch in einer Wohngemeinschaft.

Das Oberlandesgericht hatte die Entscheidung gegen die Hartplatzhelden mit „unlauterem Wettbewerb“ begründet (Urteil). Die Webseite ahme ein Produkt des Fußballverbandes nach. „Aber der Fußball ist doch kein Produkt des Verbandes“, sagt Oliver Fritsch. „Wenn überhaupt, ist der Organisator doch der jeweilige Verein.“ Der WFV wiederum argumentiert, dass er die Voraussetzungen dafür schaffe, dass der Amateurfußball überhaupt stattfinden kann. „Wir Verbände sind eindeutig die Veranstalter. Es ist daher unsere Aufgabe, die möglichen Erträge an die Vereine und Ehrenamtlichen zurückzuleiten“, sagt Herbert Rösch, Präsident des WFV.

Zeit-Online berichtete zuletzt von ersten Regionalzeitungen, die Lizenzgebühren für die Veröffentlichung von Amateurfußball-Videos auf ihren Webseiten bezahlen. Der Hessische Fubßallverband verbot gar einer Jugendmannschaft, Videos von ihren eigenen Spielen auf der Internet-Plattform You Tube zu veröffentlichen, berichtete das WDR-Magazin Sport Inside. Szenen von offiziellen Fußballspielen sollen in Zukunft ausschließlich bei fussball.de, dem Portal des DFB, veröffentlicht werden dürfen. Sollte der Bundesgerichtshof dem Württembergischen Fußballverband Recht geben, dürfte so etwas kein Einzelfall bleiben. Und sich auch auf weitere Sportarten ausdehnen. Wenn sich dann irgendwann auch der Deutsche Leichtathletik Verband und die Deutsche Triathlon Union dem DFB anschließen, bin auch ich wieder betroffen.

Guckst du noch hier:

Diskussion bei Sportjournalist Jens Weinreich, der auch einen Beitrag von René Martens zum Thema „Wem gehört der Sport? Journalismus, TV-Rechte und die Kontrolle der Bilder im Zeitalter von Twitter“ veröffentlicht hat.

Interessante Anmerkungen von Jürgen Kalwa bei Carta.

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19 Kommentare zu “Wem gehört der Fußball?

  • #1
    BioBlubb

    Wenn ich sowas lese, könnte ich glatt ausrasten… Mit der nicht mehr zu bremsenden Kommerzialiserung des Profifußballs habe ich mich ja mittlerweile abgefunden, und da geht es ja auch tatsächlich um ziemlich hohe Geldbeträge. Aber Amateurfußball? Mir drängt sich der Eindruck auf, dass hier abseits jedweder Verhältnismäßigkeit auf Prinzipien rumgeritten wird. Es mag ja juristisch möglicherweise so sein, dass die Verbände tatsächlich die Bildrechte usw. besitzen. Aber mal im Ernst, in welcher Größenordnung soll sich denn hier ein möglicher finanzieller Schaden bewegen? Meiner Meinung nach fürchten hier ergraute Funktionäre um den Einfluss des Verbandes – wie dieser jedoch durch ein paar Youtube-Videos gefährdet sein soll, ist mir schleierhaft. Weiterhin dürften die Verbände ernsthafte Probleme damit bekommen, ihr Vorgehen und dessen Sinnhaftigkeit den -größtenteils jugendlichen- aktiven Fußballern und Videoerstellern zu vermitteln.

    Ich hoffe, dass in der zuständigen Kammer des BGH Richter sitzen, die einen Blick für Verhältnismäßigkeit und ein Herz für Amateurfußball haben.

  • #2
    Daniel Drepper Artikelautor

    Neben vielen Bloggern gibts übrigens auch ziemlich viele Rechtsexperten, die sich den Hartplatzhelden anschließen (hartplatzhelden.wordpress.com). Oliver Fritsch schreibt bei facebook: „Juristen sind sowas wie die Ultras der Hartplatzhelden.“

  • #3
    BioBlubb

    Muhaha… skandieren die dann „Hartplatzelden sind keine Verbrecher“ und zünden Bengalos im Gerichtssal?

  • #4
    Xray

    Das Milliardengeschäft Fußball wird von denen, die die Gelder kassieren, eben mit Klauen und Zähnen verteidigt, wobei diese Leute offenbar gute Verbindungen auch zur Justiz haben.

    Das ist eine Schande, und es ist gut, dass Stefan Laurin das hier darlegt.

    In der gesamten Wirtschaft sind sog. me-too – Produkte nicht grundsätzlich verboten, Wettbewerb lebt gerade auch dadurch, dass gute Ideen grundsätzlich auch nachgeahmt werden können.

    Aber Amateurfußballern will man vorschreiben, wie ihre eigenen Bilder veröffentlicht werden dürfen und wie nicht….

    Obwohl Fußball eindeutig massiv zur Entolitisierung der Gesellschaft missbraucht wird, wird an dieser Stelle klar, dass demokratische Rechte ihrer Verteidigung bedürfen.

  • #5
    Jürgen

    Meine Güte, bei denen hackt es wohl.

    Die regionale Presse wie auch die regionalen Fernsehsender nehmen doch jetzt schon kaum noch den Amateurfußball wahr (geschweige denn die überregionalen). Der WFV sollte froh sein, dass es Amateure gibt, die solche Spiele mitfilmen und über das Internet verbreiten. Auf diese Weise kommen wenigstens die Amateurvereine öfter ins Gespräch. Will der WFV zukünftig auch bei Kurzberichterstattungen der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender, so es sie noch gibt, die Hand aufhalten, oder dieser grundsätzlich untersagen?

    Wenn die Fußballfunktionäre (im Verbund mit den Medienunternehmern, öffentlich-rechtlichen wie privaten sowie den Sicherheits- udn Ordnungskräften) so weiter machen, werde ich mich für den offiziellen Fußball nicht mehr interessieren. So wie beispielsweise gestern bei Bayern-Bremen, der Fernseher blieb aus.

  • #6
    Torti

    Es geht nicht nur um den Amateurfussball. Mein Sohn ist Minikicker, die Webseiten fast aller Vereine dazu, teilweise mit Videos von Spielen werden ALLE von einfach nur stolzen Eltern gemacht. Wenn ich meinen Sohn beim Fussball filme und für unsere Familie bei youtube hochladen ist das zukünftig verboten.

  • #7
    Helmut Junge

    @Torti,
    Wenn Die Sportorganisationen erst mal zu „Öffentlich Rechtlichen Anstalten“ geworden sind, wirst Du Deinen Sohn auf dem Platz nicht mal ohne Genehmigung fotografieren dürfen.
    Wir alle werden dann wohl, ähnlich der Begründung für die Rundfunkgebühren, mit monatlichen Zwangszahlungen (GEZ) und mit immer mieseren Gegenleistungen klarkommen lernen müssen.
    Was die Rechtsprechung betrifft, denke ich, daß das zu erwartende Urteil vorher nicht berechenbar ist. Da wundere ich mich öfter.

  • #8
    Elmar

    @Torti:
    Ich glaube nicht, dass es hier um Youtube etc. geht. Ich glaube auch, dass die beklagte Website ökonomisch etwas anders ausgerichtet ist, als youtube. Und ich glaube auch, dass die genau deshalb beklagt werden.

    Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass jedermann den Amateurfußball filmen und senden sollte, so er nicht durch das Hausrecht des jeweiligen Vereins daran gehindert wird…

    Gruß, Elmar

  • #9
    Torti

    @Elmar
    Also, tut mir leid dein Beitrag ist einfach nur wirr. Scheinbar hast Du zugrundeliegende Frage nicht verstanden. Wenn die Bildrechte jedes Ligaspiels, und Minikicker spielen Ligaspiele, beim Verband liegen, dann darf ich nicht veröffentlichen ohne einen Bildrechteverstoss zu begehen. Und youtube heisst veröffentlichen. Dabei ist es dann egal, das ich es nur für unsere Verwandschaft tue, weil ich nicht alle um den heimischen Fernseher versammeln kann. Denn alle anderen interessiert mein kickender Sohn bestimmt nicht.

  • #10
    Michael Kolb

    Mich hätte ja mal interessiert, wie das Vergleichsangebot des WFV ausgesehen hätte, daraus hätte man ablesen können, welche Einnahmen sich der Verband aus der Vermarktung der Kreisligen hätte vorstellen oder erträumen können.

    Grundsätzlich kann ich den Verband als solchen sogar verstehen, irgendwie sind Verbände ja auch dazu da, so einen Mumpitz zu veranstalten. Mein Verständnis für den Verband würde sogar noch größer, wenn dort an einem ähnlichen Portal gearbeitet würde, was ich aber noch nicht erkennen kann.

  • #11
    Perik O'Loso

    @#9 Torti: Meine Güte, mein Lieber: kickende Söhne, so what? Ich finde, Kinder werden völlig überschätzt, man muss die doch nicht filmen! Die sollen mal alleine ohne diese komischen Eltern ihre Viertel durchstreifen und Abenteuer erleben. Ich käme in meinem ganzen Leben nicht auf die Idee, meine Kinder (15/21) zu filmen oder in dieses Dings da „hochzuladen“. Ihr spinnt wohl. Ihr seid doch pervers, Ihr neuen Eltern. Man sollte Euch einen Elternführerschein machen lassen. Und bei jeder Fahrt zum Klavierunterricht gibt’s 3 Punkte! Voltigieren: 5 Punkte, Strafe muss sein.

    @ #4 Xray: Ja, mir liegt auch sehr an der Entolitisierung der Gesellschaft. Mein ganzes Leben lang habe ich mich olitisiert gefühlt. Mir liegt seit meiner späten Pubertät (ich war 43!) sehr am „ent-„. (Ent – ging aber bisher nur bei Tolkien vielleicht.) Allein diese endlosen Abende, als meine Gespielin mich mit Oil of Olaz-Massagen terrorisiert hat! Mann, hab ich mich da olitisiert gefühlt, aber welche Solidarnosch hat mir da gehilft? Ich glaube aber, dear Xray, dass Du in Wirklichkeit einen Bruder hast. Heißt Du gar mit Nachnamen „Frank“? Aua.

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  • #13
    Daniel Drepper

    @Michael Kolb: Oliver Fritsch sagt in meinem Interview für ZDFonline: „Es gab ein Vergleichsangebot vom Oberlandesgericht Stuttgart. Das wirkte etwas konstruiert, aber wir hätten es angenommen: Beschränkung auf Spiele unterhalb der Bezirksliga, Videos von maximal 90 Sekunden Länge, keine Spieltagsberichterstattung. Das wäre in Ordnung gewesen. Der WFV wollte aber zusätzlich, dass wir unser Projekt nicht vermarkten dürfen. Da hat selbst das Oberlandesgericht mit dem Kopf geschüttelt. Wie sollen wir denn da die Unkosten wieder reinbekommen?“

  • #14
    Jo Frank

    „Wem gehört der Fußball“?

    Adidas. Steht zumindest auf meinem drauf.

    Und ich finde das völlig korrekt. Kann doch nicht einfach so jeden beim Fußballen filmen. Wo kommen wir denn da hin? Und dann auch noch in diesem Dingens, diesem Internetz, hochladen. Also nein! Ich will meinen Fußball im ZDF, denn mit dem zweiten schläft man besser (ein).

    Ich gründe übrigens jetzt den Deutschen Fick-Verband. Und gebe niemand Lizenzen aus. Niemand!! Dann ist endlich Schluß mit diesen ganzen Schweinkram-Filmen.

    @4: Stefan Laurin?

    @11: Bist ja völlig verölt. Ein Fall für Greenpeace.

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  • #16
    Michael Kolb

    @ Daniel

    Die Interviews hatte ich gelesen. Ich hatte mich ungenau ausgedrückt, ich meinte nicht den Vergleich vor Gericht, sondern das „wirtschaftliche Angebot“, das der Verband den Hartplatzhelden gemacht hat.

  • #17
    Daniel Drepper

    @ Michael: Da müsste man mal nochmal nachhaken. Das „wirtschaftliche Angebot“, das Herbert Rösch erwähnt hat, wollte er auf Nachfrage leider nicht genauer erklären.

  • #18
  • #19
    BioBlubb

    Wie ich bereits sagte, „Hartplatzhelden sind keine Verbrecher!“ Jetzt mit BGH-Siegel!

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