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Wie gut sind Waldorfschulen?

In Glaube, Sitte, Heimat | Am 5 Oktober 2009 | Von Stefan Laurin

Eine Antwort einer Mutter aus dem Ruhrgebiet auf die gleichnamige TV-Dokumentation des SWR.

Eine Waldorfschule im Ruhrgebiet Foto: Ruhrbarone

„Eltern und Lehrer“, so die Selbstdarstellung der Waldorfschule, „stehen in einem kontinuierlichen Austausch- und Beratungsprozess, denn die Schule ist ein feiner Gradmesser gesellschaftlicher Entwicklung.“ Schön. Endlich nimmt mal jemand die Eltern ernst – „kontinuierlicher Austausch- und Beratungsprozess“ – Klasse!, denke ich und lese begeistert weiter: „Jedes Kind bringt die kulturellen Prägungen einer sich verändernden Gesellschaft mit in die Schule. Eine zeitgemäße Pädagogik muss darauf reagieren“ – na, die will ich doch auch, die „zeitgemäße Pädagogik“! – und weiter: „Im Mittelpunkt der Waldorfpädagogik steht der sich zu entwickelnde Mensch, der ganzheitlich als leibliches, seelisches und geistiges Wesen begriffen wird.“ Versprochen wird, dass „die Unterrichtsinhalte und -Methoden so eingesetzt werden, dass die Entwicklung des Kindes bzw. Jugendlichen unterstützt wird. Es werden gleichermaßen kognitive, künstlerische und handwerkliche Fähigkeiten geschult. Auf diese Art und Weise sollen die Schüler aus einer inneren Harmonie Sicherheit und Kompetenz gegenüber den Anforderungen des Lebens erlangen.“  

Diese großen Versprechen wurden auch an den Informations-Elternabenden, die vor der Einschulung stattfanden, wiederholt. Alles hörte sich gut und schön an – „ganzheitlich“  – wer will denn nicht das Beste für sein Kind? So wurde mein Sohn im Sommer 2002 in die Waldorfschule eingeschult. Der Einschulungstag war sehr familiär: Jeder der Erstklässler bekam einen Paten aus der 5ten Klasse zugeteilt, dieser überreichte dem Neuankömmling eine Blume und einen selbstgenähten Turnbeutel mit aufgesticktem Namen. Alle Beteiligten waren sich einig: „Ach wie nett, mal ganz anders als die üblichen Einschulungen.“ Draußen wurde ein Reigen gemacht, in der Klasse erzählte der Lehrer das Märchen ‘Die drei Brüder’ der Gebrüder Grimm. So verlief der erste Schultag. Alles sah kindgerecht und wohlbehütet aus.

Was die Eltern vorher nicht erfahren hatten: In einer Waldorf-Klasse sitzen bis zu 40 Schüler. Die ersten beiden Waldorf-Schuljahre sind von einem Kindergarten kaum zu unterscheiden. Von ‘Fördern und Fordern’ kann in dieser Schule keine Rede sein. Der Lehrer, selbst aus einem Waldorfelternhaus stammend, übernahm zum ersten Mal eine Klasse, war unqualifiziert und völlig damit überfordert, eine 1ste Klasse mit 38 Schülern zu leiten. Er war nicht in der Lage, auf die unterschiedlichen Charaktere der Schüler einzugehen, nicht nur wegen ihrer großen Zahl, sondern auch wegen seines sowieso nicht vorhandenen Einfühlungsvermögens.

Jeden Monat fand ein Elternabend statt. Pflichtbewußt nimmt man auch regelmäßig daran teil, man gehört ja jetzt dazu, zur großen Waldorf-Bewegung. Alles wird im Detail besprochen, so glaubt man. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, so glaubt man. Es ist aber vielmehr so, dass von Seiten der Schule vorgegeben wird, wohin z.B. eine Klassenfahrt geht. Unter welchem Thema z.B. die Karnevalsfeier steht, usw., usw.. Platz für eigene Ideen bleibt da nicht, sie sind auch nicht gefragt – jedenfalls nicht so, dass diese Ideen auch einmal umgesetzt würden. Hat man irgendwelche Fragen oder Einwände, so werden diese geschickt abgeblockt oder gar nicht erst zur Kenntnis genommen – es sei denn, sie könnten auch nur irgendwie der Sache Rudolf Steiners dienlich sein. ‘Steiner, Steiner über alles!’, so lautet die Devise der Waldorfschule, wie ich aber erst viel später verstehen konnte – leider verstehen musste.

Bereits Ende der 1sten, Anfang der 2ten Klasse, wurde mein Sohn von Mitschülern drangsaliert. So wurde ihm, hier nur einige wenige Beispiele: ein Bein gestellt, er wurde getreten, massiv gegen die Wand gedrückt, ihm der Hals zugedrückt – täglich wurde er mit übelsten Schimpfworten erniedrigt. Ich sprach den Klassenlehrer darauf an und bat ihn, diesen Misstand sofort abzustellen. Von anderen Eltern hatte ich gehört, dass es einigen Kindern in der Klasse ähnlich erging. Ich gab dem Lehrer ein Buch über Mobbing und Gewalt an Schulen, allerdings nicht aus den Waldorfschul-üblichen anthroposophischen Verlagen ‘Freies Geistesleben’ oder ‘Urachhaus’.  

Ich bestand darauf, das Thema ‘mobbing’ am nächsten Elternabend aufzugreifen und so schnell wie möglich nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Zweimal wurde aus nicht nachvollziehbaren Gründen vertagt. Als der Elternabend dann doch noch stattfand, hielt eine Gründungslehrerin der Schule den Einführungsvortrag, begann fast jeden Satz mit: „Rudolf Steiner hat gesagt …“ Was sollte Steiner gesagt haben? Die Gründungslehrerin: „Die Kinder wollen in Kontakt treten und sich dabei näher kommen, sich gegenseitig fühlen und Kräfte messen …“ Fazit: In der heilen Waldorfwelt gibt es keine Gewalt. Von Mobbing wollte man nichts wissen – es kann nicht sein, was nicht sein darf. Eltern, deren Kinder ebenfalls in die Opferrolle geraten waren, machten in rasender Geschwindigkeit eine Metamorphose durch: verstummten urplötzlich … und alles blieb beim Alten. Bei weiteren Übergriffen auf meinen Sohn setzte ich mich dann mit den Eltern der jeweiligen Schüler in Verbindung. Heraus kamen Antworten wie: „Der Lehrer macht doch Spiele mit den Kindern, damit diese sich austoben können …“ Auch hieß es: „Die Kinder müssen sich ihre Rangordnung erkämpfen …“, worauf ich antwortete: „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich meinen Sohn im Zoo angemeldet.“  

Die Eltern der Mitschüler suchten nach der besseren Alternative zur öffentlichen Schule: einer Schule ohne Leistungsdruck. Es waren Neueinsteiger, viele davon nach Hilfe suchende Allein-Erziehende mit einem unstillbarem Harmonie-Bedürfnis. Linientreue, die als Kind schon selber diese Waldorfschule besucht hatten. Nach ungefähr einem Jahr war der Großteil der Eltern auf Waldorf-Kurs gebracht. Niemand stellte mehr Fragen, schöne heile Welt: „piep, piep piep – wir haben uns alle lieb.“ Das begann schon an der Klassentüre. Der Klassen-Lehrer begrüßt die Schüler per Handschlag mit den Worten: „Guten Morgen lieber ‘…’“, worauf der Schüler brav zu antworten hat: „Guten Morgen lieber Herr ‘…’“ In der Klasse dann noch einmal alle im Chor. Mein Sohn fragte sich immer öfter: „Sind die wirklich alle so lieb?“ Und stellte fest, dass er tag-täglich anderes erlebte.  

Der ganze Schulablauf ist sehr stark strukturiert – ritualisiert – und lässt für Freiheit keinen Raum. Man will ja „den Willen stärken“. Mit meinem heutigen Wissen sage ich: die Kinder und Jugendlichen werden manipuliert –  zu tun, zu denken und zu glauben, was die Waldorfschule will. Eigene Wünsche, Meinungen und Gefühle werden unterdrückt: Du gehst in eine Schule, die dich willentlich zum Zwangsschlaf verurteilt … auf dass, wenn du Glück hast, vielleicht ein Mensch aus dir wird … der dann auch noch mit beiden Beinen im Leben stehen soll … Die eigene Persönlichkeit wird untergraben, hat nicht in Erscheinung zu treten.

Das ist in allen Fächern so, wird für den Außenstehenden aber vielleicht am deutlichsten an der ‘Eurythmie’. Einem Fach, das nach Waldorf-Aussage, von den meisten Schülern geliebt wird. Bei der Eurythmie sollen Sprache und Musik durch Bewegungen ausgedrückt werden. Dabei gibt es, wie immer bei Waldorf, von Rudolf Steiner fest vorgegebene Gebärden für jeden Sprachlaut. Freiheit gibt es nicht, haben die Sprachlaute doch eine „kosmische“ Bedeutung, die bei ihrer Wiedergabe strengstens beachtet werden muss. Mein Sohn empfand die Eurythmie eher irdisch „als schwul sein“ oder „schwul werden“. Er gab sein Bestes, weil er ja vom System und vom Lehrer dazu gezwungen wurde. Es ist heute wie ein Befreiungsschlag für ihn, in der öffentlichen Schule keine Eurythmie mehr zu haben. Sich keine Gedanken mehr darüber machen zu müssen, ob er „noch richtig tickt“, so mein Sohn. Wenn man sich nicht voll auf die Eurythmie konzentriert, so die Lehrerin, hat „man sich mit dem Stoff nicht richtig verbunden“. Dann wird ‘Heileurythmie’ verordnet. Einen Grund dafür findet der Waldorflehrer immer, wenn er denn nur will: das Kind ist dann „unkonzentriert“, „zu ruhig“, „im Bewegungsablauf zu langsam“, egal … . Einige wenige Krankenkassen bezahlen die ‘Heileurythmie’, wenn nicht: „Bitte zahlen sie aus der eigenen Tasche, denn …“, so wird es einem plausibel gemacht, „die Waldorfschule will doch nur das Beste für Ihr Kind!“ Wie sich das Kind bei den Übungen vorkommt, was es dabei empfindet, spielt überhaupt keine Rolle. Es folgen die üblichen Erklärungen nach dem Muster: „Rudolf Steiner hat gesagt …“. Hat Steiner nicht auch von der ‘Philosophie der Freiheit’ gesprochen – ein leeres Versprechen, nur ein Versprecher? ‘Philosophie der Freiheit’ ist der Titel eines von Steiners 370 Werken … noch einmal in Worten: drei-hundert-siebzig Bände Steiner …

Lehrbücher gibt es in der Waldorfschule nicht, in keinem Unterrichtsfach. Man gibt sich total in die Hände des Lehrers. Der Unterricht orientiert sich stark an seinen persönlichen Vorlieben. So nahm Englisch in der Klasse meines Sohnes einen sehr großen Raum ein, obwohl die Kinder in Deutsch noch gar nicht gefestigt waren. Die Waldorf-typischen ‘Epochenunterrichte’, das heißt, Unterrichtseinheiten von mehreren Wochen Dauer, entpuppten sich als reines ‘Wischi-Waschi’: sie waren schlecht vorbereitet, wurden schlecht durchgeführt, der Stoff wurde wenig vertieft. Folge: Gelernt wurde wenig, und nach 4 Wochen war bei meinem Sohn – und nicht nur bei ihm – fast alles wieder weg. An ein „Wiederhochholen“, so der Waldorf-Fachausdruck, war nicht zu denken, ging es doch sofort mit neuen Themen oder Fächern weiter. Wenn der Lehrer scheitert – was natürlich niemals offen gesagt wird – sind die Eltern gefragt. So hieß es in der Klasse meines Sohnes des öfteren: „Um wieder eine erfolgreiche Leseepoche durchführen zu können, werden wieder freiwillige Eltern benötigt.“ Dasselbe galt auch für die Schreib- und Rechenepoche.  

Das Netzwerk funktionierte einwandfrei, in guten wie in schlechten Zeiten machte der Lehrer wie selbstverständlich seine Hausbesuche – eine familiäre Atmosphäre ist bei Waldorfs ein absolutes Muss. Bei dieser Gelegenheit wird wie selbstverständlich auch das Zimmer des Schülers ins Visier genommen, um sich besserwisserisch auf Waldorfart einzumischen. Stein des Anstoßes war bei uns Kunststoffspielzeug, das man umbauen kann (z.B. zum Auto oder zum Roboter). Man wies mich darauf hin, dass der Gegenstand sehr starr und leblos sei und dass es sicherlich besser für meinen Sohn wäre, würde dieses Spielzeug aus seinem Zimmer entfernt werden. Besser wäre es, meinem Sohn eine Wurzel mit Wichteln und lebendige Materialien – Holz, das er selber zurechtschnitzen kann – zum Spielen zu geben. Ich war sehr überrascht, da mein Sohn bereits fast zehn Jahre alt war und wohl ein Mitbestimmungsrecht hat, was seine Spielsachen angeht. Wichtig, so der Lehrer, sei auch, dass die Hände meines Sohnes „ins Tun kommen, das steigert die Denk- und Merkfähigkeit – so hat Rudolf Steiner es gesagt.“ Ich antwortete, dass ich als Mutter durchaus in der Lage sei, selber zu bestimmen, mit welchem Spielzeug mein Sohn spielen dürfe. Zwei Tage später fragte der Lehrer meinen Sohn, ob denn jetzt die erwähnten Spielsachen aus seinem Zimmer entfernt seien, worauf mein Sohn antwortete: „Nein, warum?“ Eine Woche später wurde, wie mir mein Sohn erzählte, noch einmal nachgefragt, wieder gab mein Sohn die gleiche Antwort. Ich merkte, wie mein Sohn immer unsicherer wurde – er wollte es ja jedem recht machen. Danach wurde diesbezüglich nicht mehr gefragt. Von nun an ging es steil bergab.  

Mein Sohn wurde „ad acta gelegt“: ob er etwas lernte oder nicht, war von nun an egal, was aus ihm einmal werden sollte, „nun ja …“ Auf ärztliches Anraten hin sollte mein Sohn vorne sitzen, da er ein ruhiger, aber sehr aufmerksamer Schüler sei. Diese Bitte wurde vom Lehrer nicht beachtet: hinterste Reihe rechts, links … Hauptsache hinten, immer wieder saß mein Sohn neben den größten Rabauken der Klasse, die ihn einschüchterten und runtermachten. Dann endlich befanden wir uns wieder in der Leseepoche. Eingeschüchtert von Lehrern und Mitschülern fiel es meinem Sohn schwer, in der Klasse vorzulesen. Da ich ihn immer wieder dazu ermutigte, meldete er sich zaghaft, wurde aber nie aufgerufen. Ich setzte mich daraufhin mit dem Klassenlehrer in Verbindung und erklärte ihm, dass man Kinder nicht nur fördern, sondern auch fordern müsse. Fragte, warum er meinen Sohn auch dann nicht, wenn er sich selber meldete, einmal zum Vorlesen dran nehme. Darauf bekam ich zur Antwort, dass mein Sohn im Lesen noch sehr unsicher sei und er, als Klassenlehrer, nicht wolle, dass die anderen Mitschüler über meinen Sohn lachen. Ich war über diese Aussage sehr verwundert, war ich doch bis zu diesem Zeitpunkt der festen Überzeugung gewesen, dass es Pädagogen während ihrer Ausbildung lernen, mit dieser Routine-Situation umzugehen. Auch hier blieb alles beim Alten, sodass mein Sohn gar nicht erst die Chance für ein Erfolgserlebnis oder die Möglichkeit des „Wachsen und Werdens“ – wie es anhand von Steiner immer groß herausstellt wurde – bekam. Anders die Kinder von Gefolgsleuten und Linientreuen: Sie wurden in die erste Reihe gesetzt, und bekamen auch eine gewisse Aufmerksamkeit des Lehrers, was ihr Lernen anbetraf.  

Mittags konnten die Kinder, wenn sie wollten, im Speisesaal essen. Zweimal machte mein Sohn davon Gebrauch. Beim ersten Mal war das Gericht, das er gerne aß, bereits vergriffen. Beim zweiten Mal rannte er, um es doch noch zu bekommen. Das gefiel der Lehrerin überhaupt nicht. Sie bestrafte meinen Sohn, indem er nichts zu Essen bekam und die ganze Zeit am Tisch stehen musste (Mitschüler bestätigten mir diese Vorgehensweise). Ich selber war entsetzt, dass man so verfährt, und rief daraufhin den Klassenlehrer an. Ich sagte ihm, dass jeder Strafgefangene unberücksichtigt seiner Straftat dreimal täglich seine Mahlzeiten bekommt, und dass diese Vorgehensweise das Letzte sei. Danach ging’s erst richtig los: Die Lehrer schlossen sich, wie ich heute rückblickend sagen muss, gegen mich und meinen Sohn zusammen. Mein Sohn war damals noch keine 10 Jahre alt, ein aufgeschlossener, aber stiller Junge, der nun fortwährend von den Lehrern beobachtet und reglementiert wurde. So lange, bis er sich in der Schule gar nichts mehr zutraute und völlig verunsichert war. Er fing an, zum Perfektionismus zu neigen, wollte alles gut und noch besser machen. Hatte Angst, etwas Verkehrtes zu sagen oder zu tun, wollte wirklich jedem gefallen. Hoffnungslos.

Was sich hinter der verschlossenen Schultüre abspielte, war genau das Gegenteil von dem, was dort angeblich praktiziert wurde. Im Handarbeitsunterricht wurden die Kinder dazu erzogen, brav, braver, am bravsten nach dem benötigten Arbeitsmaterial zu fragen. Wenn die Lehrerin guter Dinge war, bekam auch mein Sohn sein Arbeitsmaterial. An schlechten Tagen wurde mein Sohn von der Lehrerin nicht beachtet oder abgewiesen. Dann traute er sich nicht, noch einmal nachzufragen … Wenn seine Arbeit dadurch nicht fristgerecht fertig wurde, tadelte ihn die Lehrerin vor der ganzen Klasse. Ich beschloss daraufhin, für das Arbeitsmaterial meines Sohnes selber zu sorgen. Zum Bittsteller möchte ich meinen Sohn nicht erziehen. Was soll das für eine ‘Erziehungskunst’ sein? „Körper, Geist und Seele werden bei der Waldorf-Pädagogik angesprochen … Kopf, Herz und Hand“, Wiederholungen machen die Waldorf-Lügen auch nicht wahrer. Hier werden Kinder und Jugendliche systematisch zu unfreien, unselbständigen, ängstlichen Menschen erzogen.  

Mein Sohn lebte in zwei Welten. Zuhause geht es bei uns locker und fröhlich zu, in der Schule war das ganze Leben und Lernen ein einziger Krampf: Von Fröhlichkeit und Spontaneität  keine Spur. Alles nur zu Steiners Bedingungen – versteinert. Oftmals wollte mein Sohn morgens nicht in die Schule, weinte dann. Ich konnte ihn immer wieder ermutigen, hinzugehen – trotzdem! Mittags leistete ich oftmals 2 Stunden Aufbauarbeit. In dieser Zeit gingen wir beide durch die Hölle. Im Sommer 2006 teilte mir dann der Lehrer mit, dass mein Sohn auf der angeschlossenen Waldorf-Sonderschule ‘Sonderförderung’ bekommen solle. Ich glaubte, „ich bin im verkehrten Märchen“. In vier Jahren war davon nie die Rede gewesen, jeder Elternabend wurde wahrgenommen, niemals wurde dazu auch nur die kleinste Andeutung gemacht. Ich gab dem Klassenlehrer zu verstehen, dass nicht mein Sohn, sondern er und das Waldorf-System versagt hätten. Teilte ihm mit, dass mein Sohn ab sofort die Schule nicht mehr besuchen würde. Das ganze ereignete sich zwei Tage vor den großen Ferien. Wie sich später herausstellte, war der Lehrer mit soviel elterlichem Ungehorsam völlig überfordert. Die Schule bot mir ein Gespräch mit allen meinen Sohn unterrichtenden Lehrern an – wenn nichts mehr geht, dann funktioniert immer noch das große Waldorf-Netzwerk. Ich lehnte dankend ab – Danke für soviel Inkompetenz und Menschenverachtung.

Danke für die ganzheitliche Erfahrung der „Freien“ Waldorfschule. Geläutert machte ich mich auf den Weg zu der in Waldorfkreisen geächteten, bösen „Staatsschule“ (so der Waldorf-Sprachgebrauch). Ich ging mit meinem Sohn zu einer öffentlichen Grundschule, um ihn dort einschulen zu lassen. Wie die erfahrenen Pädagogen durch einen Test feststellten, entsprach der Wissensstand meines damals 10 Jahre alten Sohnes dem eines Zweitklässlers: die Direktorin, sowie die anwesende Lehrerin schüttelten ungläubig den Kopf. Alle waren sich sehr schnell einig, dass es nicht an meinem Sohn lag, auch dass er vom Auftreten und von der Größe her (1.52m), nicht in die 2. Klasse passte – für die weitere schulische Laufbahn wäre es auch nicht sinnvoll gewesen.  

Wie ich rückblickend sagen muss, ist das Waldorfsystem raffiniert und an Verlogenheit nicht zu überbieten. Ist man einmal in dessen Fänge geraten, kommt man nur ganz schwer wieder heraus. Mit dem Eintritt in die Waldorfschule begibt man sich automatisch in ein Abhängigkeitsverhältnis – ohne sich dessen bewusst zu werden. Der Lehrstoff der Waldorfschulen ist so angelegt, dass Kinder beim Wechsel in eine öffentliche Schule erhebliche Lücken haben, die nur sehr schwer, oder gar nicht, wieder zu schließen sind – mein Sohn hatte diese erheblichen Wissenslücken und wurde schliesslich in die 4te Klasse zurückversetzt. Ein Schulwechsel geht auf Kosten der Kinder und Jugendlichen, die sich als Versager fühlen müssen, auch wenn sie keine sind. Ich hatte Glück, da wir an der öffentlichen Schule auf kompetente, erfahrene und verständnisvolle Pädagogen trafen.  

Die Waldorfschul-Karriere meines Sohnes erschien der jetzigen Lehrerschaft anfänglich eher unglaubwürdig. Die Waldorfschule verkauft sich nach außen hin sehr gut. Kennt man sie aber von innen, wird man eines Besseren belehrt. Die große Waldorf-Gemeinschaft lebt nach der Devise: „Bist du nicht für uns, bist du gegen uns.“ Die gegen uns sind, lassen wir außer Acht und entledigen uns dieser Eindringlinge schnellstmöglich, egal wie … Die Wahnvorstellungen Rudolf Steiners werden in der Waldorfschule ausgelebt – mit kräftiger finanzieller Unterstützung des Staates. Dieser lässt diese Sekte schalten und walten, wie es ihr gefällt. Ohne Gegenleistung, ohne Auflagen, ohne wirksame Kontrollen. Wo leben wir? Der Gesetzgeber verpflichtet die Schulaufsicht, auch die Qualität von Privatschulen zu überprüfen. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass nur kompetente, gut ausgebildete Lehrer Schüler unterrichten dürfen. Selbstverständlich sollte es auch sein, dass jederzeit die Möglichkeit gegeben ist, an eine andere, auch öffentliche Schule zu wechseln – ohne riesige Wissenslücken und seelische Schäden aus der Waldorfschule im Ranzen mitzunehmen. An der PISA-Studie haben sich die Waldorfschulen gar nicht erst beteiligt …  
 

Zugesand von Andreas Lichte



150 Kommentare und 15 Ping(s) zu »Wie gut sind Waldorfschulen?«

  1. #51 | sweetdreams sagt am 9. Oktober 2009 um 15:17

    Mir würde es zwar im nicht im Traume einfallen, Waldorfschulen zu verteidigen — wer sich eine Weile mit Herrn Steiner und seinen Ansichten befasst hat, hat damit schon genug Gründe, einen sehr großen Bogen um Anthroposophen und Waldorf zu machen.

    Trotzdem kann ich mich einem Kommentator hier in einer Beziehung anschließen, was dieses Zitat aus dem Bericht angeht:

    “Mein Sohn empfand die Eurythmie eher irdisch ?als schwul sein? oder ?schwul werden?.

    Bei sowas bleibt mir wirklich die Spucke weg. Warum gibt es Kinder, die solche Aussagen treffen? Entweder von den Eltern gelernt — in dem Fall ist wahrscheinlich sowieso Hopfen und Malz verloren, Waldorf oder nicht. Oder in der Schule gelernt — in dem Fall müßte Sohnemann mal ordentlich der Kopf gewaschen werden, statt den Ausdruck auch noch zu zitieren.

    Schwul sein ist nichts Schlimmes, und schwul “wird” man nicht plötzlich. Wer das Wort trotzdem in diesem Sinne benutzt, ordnet sich selbst in jeder Beziehung als “unterste Schublade” ein. Herzlichen Glückwunsch.

  2. #53 | Louis sagt am 9. Oktober 2009 um 17:10

    Prof. Dr. Pfeiffer? Ach ja…

    Der Professor war schon für einige wichtige wissenschaftliche Durchbrüche verantwortlich.

    Erinnert sich noch einer an seine Entdeckung, wonach der (angebliche) Hang ostdeutscher Jugendlicher zum Rechtsextremismus daher kommt, dass sie in der Kinderkrippe gemeinsam auf dem Töpfchen sitzen mußten?

    Aber dass der SWR bei dem Namen nicht zusammenschreckt, war er doch mit einem Gutachten Gutachten Auslöser einer der größten Enten der jüngsten Mediengeschichte: Den “Fall Sebnitz”. Genauer: http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Pfeiffer_(Politiker)

  3. #54 | Sebastian Hartig sagt am 9. Oktober 2009 um 17:47

    @kutikinsusinak
    Das mit Aleister Crowley ist doch auch wieder eines dieser unbewiesenen Gerüchte, die von erklärten Waldorfgegnern ausgestreut wurden, mehr brauche ich dazu jetzt nicht zu sagen.

    @Andreas Lichte
    Gut, dann sind sie in diesem Sinne nicht für die Kirche tätig.
    Das Verhalten der evangelischen Kirche scheint mir in der Tat sehr widersprüchlich zu sein. Auf der einen Seite Dialog und Zusammenarbeit, auf der anderen Seite die Sektenbeauftragten, die ja nicht ihre privaten Meinungen vertreten, sondern staatlich gefördert werden, weil sie angeblich eine gemeinnützige Arbeit tun, nämlich über die bösen Sekten aufklären. In Wirklichkeit heißt das dann aber alles, was mit dem eigenen Glaubenssystem nicht vereinbar erscheint, zu diffamieren, damit das eigene als alternativloses Nonplusultra dasteht.
    Die von Ihnen erwähnte Tagung wurde nicht wirklich abgesagt, sondern verschoben, aber aufgrund der Beschwerde eines Anthropoposophen, dessen Bitte auch einen Vertreter der Anthroposophie zu Wort kommen zu lassen aber nicht entsprochen wurde. Das muss nun mal so wirken, als wenn den Veranstaltern nicht um einen konstruktiven Dialog, sondern um Ausgrenzung ging.

    @John Dean
    “Ich finde Skepsis gegenüber destruktiven Sekten grundsätzlich gut.” Im Prinzip ja, aber was destruktiv ist, sieht jeder von seinem weltanschaulichen Standpunkt anders. Wenn damit lediglich kriminelles Verhalten gemeint sein sollte, reicht für die Bekämpfung das Strafrecht. In diesen Diskussionen um die Legitimität der Waldorfpädagogik geht es aber ja oft geradezu darum Rudolf Steiner wegen seiner okkulten Lehren als einen Psychopathen darzustellen, dessen Konzepte verboten oder zumindest keineswegs gefördert werden dürfen, weil sie mit der modernen Wissenschaft nicht vereinbar seien. Aus diesem Grund meint ja auch Andreas Lichte, dass die Waldorflehrerausbildung nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei.
    Was dabei völlig vergessen wird ist dass jede Art von Religion vor diesem Dilemma steht, ob sie mit der modernen Welt und deren aufgeklärtem Denken vereinbar ist. Dennoch werden kaum an die etablierten Religionen dieselben Maßstäbe angelegt wie an die Anthroposophie oder andere “Sekten”. Außer manchen konsequenten Atheisten fordert kaum einer das Verbot von konfessionellen Schulen und von Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, sondern Leute wie Andreas Lichte bekämpfen einseitig eine bestimmte religiöse Lehre, ohne zu merken, dass einige ihrer Argumente in ihrer Konsequenz jede Art von Religion treffen würden.

  4. #55 | Andreas Lichte sagt am 9. Oktober 2009 um 18:17

    Damit mal klar ist, über was wir reden, wenn wir über Rudolf Steiner, die Autorität der Waldorfschulen reden. Möchte irgendeiner der hier immer zahlreicher erscheinenden Anthroposophen die Bundesbehörde BPjM als Teil einer Verschwörung gegen die Anthroposophie bezeichnen?

    Aus der Entscheidung der ?Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien? (BPjM) zu Rudolf Steiner, ?Geisteswissenschaftliche Menschenkunde?, Original-Wortlaut:

    ?Nach § 18 Abs. 1 S. 2 JuSchG sind Medien jugendgefährdend, wenn sie unsittlich sind, verrohend wirken, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizen.

    Der Inhalt des Buches ist nach Ansicht des 12er-Gremiums in Teilen als zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen.
    Der Begriff der zum Rassenhass anreizenden Medien konkretisiert das allgemeine verfassungsrechtliche Diskriminierungsverbot des Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG. Mithin ist der Begriff ?Rasse? weit auszulegen. Zum Rassenhass anreizende Träger- und Telemedien sind solche, die geeignet sind, eine gesteigerte, über die bloße Ablehnung oder Verachtung hinausgehende feindselige Haltung gegen eine durch ihre Nationalität, Religion oder ihr Volkstum bestimmte Gruppe zu erzeugen, welche zugleich bei Kindern und Jugendlichen einen geistigen Nährboden für die Bereitschaft zu Exzessen gegenüber diesen Gruppen schafft (Nikles, Roll, Spürck, Umbach; Jugendschutzrecht, 2. Auflage; § 18 Rn. 5). Ein Medium reizt mithin zum Rassenhass an, d.h. stellt Rassenhass als nachahmenswert dar, wenn darin Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer anderen Rasse, Nation, Glaubensgemeinschaft o.ä. als minderwertig und verächtlich dargestellt oder diskriminiert werden (Ukrow, Jugendschutzrecht, Rn. 284). Auch wenn ein Medium nicht direkt zum Rassenhass anreizt oder aufstachelt, fällt es dennoch unter § 18 Abs. 1 S. 1 JuSchG, wenn es das namentlich aus Art. 3 und 4 GG ersichtliche Toleranzgebot der Verfassung z.B. dadurch verletzt, dass es Kinder und Jugendliche dazu verleitet, andere zu missachten, die eine andere Hautfarbe, einen anderen Glauben und eine andere Weltanschauung haben (Ukrow; a.a.O.; Rn. 284).

    Nach Auffassung des Gremiums finden sich im Achtzehnten Vortrag vom 3.5.1909 (S. 277-294) Textpassagen, die aus heutiger Sicht als Rassen diskriminierend einzustufen sind, weil der Autor darin Menschen verschiedener ethnischer Herkunft aufgrund körperlicher Merkmale in unterschiedliche Wertungsstufen einteilt. Dort wird u.a. ausgeführt:

    Was wäre nun geschehen, wenn nun keine Veränderung innerhalb der Erdentwickelung eingetreten wäre? Dann hätten überhaupt die besten der Seelen der polarischen Länder nicht hineinsteigen können in eine physische Körperlichkeit. Und auf der anderen Seite wäre sozusagen die Bevölkerung um den Äquator herum mehr oder weniger dem Untergange verfallen. Weil sie zu früh in eine physische Leiblichkeit hinuntergestiegen war, verfiel sie ja gerade in jene Laster und Untugenden, die zum Untergange von Lemurien geführt haben. Und die Folge war, dass der beste Teil der Bevölkerung auswanderte in jene Gegenden, die zwischen dem Äquator und den nördlichen Ländern lagen. Denn in den lemurischen Zeiten haben wir die zukunftssichersten Glieder der Menschheit in den Zwischenländern zwischen dem Äquator und dem Nordpol. Gerade am besten entwickelten sich die Menschenleiber, die dann wieder Träger werden konnten der besten Menschenseelen, in jenen Gegenden der alten Atlantis, die in der heute sogenannten gemäßigten Zone lagen. (S. 283)

    Diejenigen Völker, bei denen der Ich-Trieb zu stark entwickelt war und von innen heraus den ganzen Menschen durchdrang und ihm die Ichheit, die Egoität aufprägte, die wanderten allmählich nach Westen, und das wurde die Bevölkerung, die in ihren letzten Resten auftritt als die indianische Bevölkerung Amerikas. Die Menschen, welche ihr Ich-Gefühl zu gering ausgebildet hatten, wanderten nach dem Osten, und die übriggebliebenen Reste von diesen Menschen sind die nachherige Negerbevölkerung Afrikas geworden. Bis in die körperlichen Eigenschaften hinein tritt das zutage, wenn man die Dinge wirklich geisteswissenschaftlich betrachtet. Wenn der Mensch sein Inneres ganz ausprägt in seiner Physiognomie, in seiner Körperoberfläche, dann durchdringt das gleichsam mit der Farbe der Innerlichkeit sein Äußeres. Die Farbe der Egoität ist aber die rote, die kupferrote oder auch die gelblichbraune Farbe. Daher kann tatsächlich eine zu starke Egoität, die von irgendeinem gekränkten Ehrgefühl herrührt, auch heute noch den Menschen von innen heraus sozusagen gelb vor Ärger machen. Das sind Erscheinungen, die durchaus miteinander zusammenhängen: die Kupferfarbe derjenigen Völker, die nach Westen hinübergewandert waren, und das Gelb bei dem Menschen, dem die ?Galle überläuft?, wie man sagt, dessen Inneres sich daher bis in seine Haut ausprägt. Diejenigen Menschen aber, die ihre Ich-Wesenheit zu schwach entwickelt hatten, die den Sonneneinwirkungen zu sehr ausgesetzt waren, sie waren wie Pflanzen: sie setzten unter ihrer Haut zuviel kohlenstoffartige Bestandteile ab und wurden schwarz. Daher sind die Neger schwarz. ? So haben wir auf der einen Seite östlich von Atlantis in der schwarzen Negerbevölkerung, auf der andern Seite westlich von Atlantis in den kupferroten Völkern Überreste von solchen Menschen, die nicht in einem normalen Maße das Ich-Gefühl entwickelt hatten. Mit den Normalmenschen war am meisten zu machen. Sie wurden daher auch dazu ausersehen, von dem bekannten Orte in Asien aus die verschiedenen anderen Gebiete zu durchsetzen. (S. 286)

    Diejenigen, die nach dem Osten hinüberwanderten und die schwarze Bevölkerung wurden, waren stark beeinflussbar durch die Außenwelt, besonders für die Sonnenwirkung, gerade weil sie ein geringes Ich-Gefühl hatten. Nun aber wanderten in dieselben Gegenden, wenigstens in dieser Richtung, Völkerschaften, die ein starkes Ich-Gefühl hatten. Das ist eine Bevölkerung, die sozusagen die östliche Richtung der westlichen vorgezogen hat. Diese hat gemildert die kupferrote Farbe, welche sie bekommen hätte, wenn sie nach Westen gezogen wäre. Und aus ihr entsprang jene Bevölkerung, die ein starkes Ich-Gefühl hatte, das sich die Waagschale hielt mit dem Hingegebensein an die Außenwelt. Das ist die Bevölkerung Europas, von der wir im letzten öffentlichen Vortrag sagen konnten, dass das starke Persönlichkeitsgefühl von Anfang an bei ihr das Wesentliche war. (S. 287)

    Sehen Sie sich diese Farben an, von den Negern angefangen bis zu der gelben Bevölkerung hin, die in Asien zu finden ist. Daher haben Sie dort Leiber, die wiederum Hüllen der verschiedensten Seelen sind, von der ganz passiven Negerseele angefangen, die völlig der Umgebung, der äußeren Physis hingegeben ist, bis zu den anderen Stufen der passiven Seelen in den verschiedensten Gegenden Asiens. (?) So dass wir im Grunde genommen zwei Gruppen von Bevölkerungen haben, welche die verschiedenen Mischungsverhältnisse darstellen: auf europäischem Boden die einen, welche den Grundstock der weißen Bevölkerung bildeten, die das Persönlichkeitsgefühl am stärksten ausgebildet hatten, aber sich nicht dort hinwandten, wo das Persönlichkeitsgefühl den ganzen Leib durchdrang, sondern wo das Ich-Gefühl sich mehr verinnerlichte. Daher haben Sie in Westasien, zum Teil auch in den älteren Zeiten in Nordafrika und in den europäischen Gegenden eine Bevölkerung, die innerlich ein starkes Ich-Gefühl hat, aber äußerlich im Grunde genommen wenig sich verliert an die Umgebung, die innerlich starke und gefestigte Naturen sind, aber diesen inneren Charakter nicht der äußeren Leiblichkeit aufgeprägt haben. Dagegen haben wir in Asien Bevölkerungen, die passive, hingebende Naturen sind, bei denen gerade das Passive im höheren Grade zum Ausdruck kommt. (S. 288)

    Wenn wir jetzt in die Zeiten zurückschauen, können wir sagen: Daran, dass gewisse Bevölkerungsteile der Erde nicht die Möglichkeit gefunden haben, richtig mit der Erdentwickelung Schritt zu halten in der Herausentwickelung ihres Ichs, daran können wir uns die Lehre nehmen, wie viel verfehlt werden kann in bezug auf die Entwickelung des höheren Ichs aus dem niederen Ich. (S. 291)

    Da gab es zum Beispiel in der alten Atlantis Völker, die dann zu Indianern geworden sind, die sich sozusagen verloren haben von der Erdenbevölkerung. (?) Und sie haben dieses Ich so stark entwickelt, dass es bei ihnen bis in die Hautfarbe gegangen ist: sie wurden eben kupferrot. Sie haben sich in der Dekadenz entwickelt. (S. 291/292)

    Das andere Extrem waren die, welche da sagten: Ach, das Ich ist nichts wert! Das Ich muss sich selber ganz verlieren, muss ganz und gar aufgehen, muss sich alles sagen lassen von außen! ? In Wirklichkeit haben sie es nicht gesagt, denn sie reflektierten ja nicht so. Aber das sind die, welche so ihr Ich verleugnet haben, dass sie schwarz davon wurden, weil die äußeren Kräfte, die von der Sonne auf die Erde kommen, sie eben schwarz machten. Nur diejenigen, welche imstande waren, die Balance zu halten in bezug auf ihr Ich, das waren die, welche sich in die Zukunft hinein entwickeln konnten. (S. 292)

    Da gab es auch schon diese drei Teile unter den Menschen: Die einen, die ihr Ich wirklich entwickeln wollten, Neues und immer Neues aufnahmen und dadurch wirklich zu Trägern der nachatlantischen Kultur wurden. Es gab die anderen, die ihren Gottmenschen nur aus sich sprechen lassen wollten, und ihr Ich durchdrang sie mit der kupferroten Farbe. Und die dritten, welche nur nach außen hin den Sinn wandten, und dieser Teil wurde schwarz. (S. 294)?

  5. #56 | philipp sagt am 9. Oktober 2009 um 21:08

    ich bin absolut kein anhänger der zum teil sehr abenteurlichen, jeder grundlage entziehenden waldorf-weltanschauung, habe aber – per zufall kam ich an diese stelle – wärend des studiums zwei jahre an einer waldorf-schule in gelsenkirchen als integrationshelfer gearbeitet.

    ich kann über die pädadgogische leistung an dieser schule nur den hut ziehen. man hat mit den kindern gut und geduldig gearbeitet. von einer indoktrination der kinder oder sonstiges habe ich nichts mitbekommen. Auch wenn es gewöhnungsbedürftig war, dass die Kinder beispielsweise nicht fussball spielen sollten, da es nach waldorf nicht gut für die entwicklung sei. die runde gestalt, so das argument der lehrerin, erinnere an die form des kopfes, so dass die gefahr bestünde, dass die auf den ball gerichtete agression auf den kopf des mitschülers übertragen wird.

    was ich aber auch an dieser schule mitbekommen habe, ist, dass ich bisher in keiner menschlichen konstellation so viel niedertracht, missgunst und lästereien wie im lehrer-kollegium erlebt habe.

    aber vielleicht ist das an vielen arbeitsstätten der fall, ich weiß es nicht.

  6. #57 | Sebastian Hartig sagt am 9. Oktober 2009 um 21:14

    “Möchte irgendeiner der hier immer zahlreicher erscheinenden Anthroposophen die Bundesbehörde BPjM als Teil einer Verschwörung gegen die Anthroposophie bezeichnen?”

    Wenn Sie es so nennen wollen, meinetwegen. Unterschlagen Sie aber bitte nicht, dass ausschließlich Sie es waren, der diese Prüfung veranlasst hat. Sonst hätte dieser Text mit Sicherheit nicht eine solche Brisanz erreicht. Der Gedanke, dass dieser hundert Jahre alte Text einen modernen Jugendlichen zum Rassenhass aufstachelt, ist ja wohl nicht ernst zu nehmen. Oder sind die ausländerfeindlichen Jugendlichen in den neuen Bundesländern alles Waldorfschüler und aufgrund dieses Textes zu ihrer rassistischen Einstellung gekommen? Wenn dies ansatzweise der Fall wäre, aber nur dann, würde ich die Entscheidung der BpjM für berechtigt halten, sonst niemals! So handelt es sich meines Erachtens um inquisitorische Zensur und nichts anderes. Der Jugenschutz ist nur ein Vorwand. Ich betone immer wieder, dass diese deutsche Zensurpraxis ein Sonderfall innnerhalb der westlichen Demokratien ist. Zumindest hat für mich Lorenzo Ravagli glaubhaft dargelegt, dass Anthroposophie gerade nichts mit Hass gegen Menschen zu tun hat. Meines Wissens nach wird im Bereich der Anthroposophie nichts gelehrt, was nicht im Rahmen der Religionsfreiheit zulässig ist. Jedenfalls erscheint mir diese Richtung glaubwürdig schon aufgrund ihrer prominenten Anhänger wie Christian Morgenstern oder Michael Ende. Sollen deren Lektüre jetzt auch für jugendliche verboten werden? Dagegen gibt es evangelikale fundamentalistische Strömungen auch im Vorfeld des großkirchlichen Bereichs und entsprechendes im Islam, die energisch behaupten, dass gewisse Texte wörtlich Gottes Wort seien und kaum einer merkt, dass in diesen Texten offen zur physischen Vernichtung Andersglaubender aufgerufen wird.

  7. #58 | Andreas Lichte sagt am 10. Oktober 2009 um 09:54

    @ Sebastian Hartig

    Lorenzo Ravagli, Bund der Freien Waldorfschulen und Vordenker der Anthroposophie, hat zum BPjM-Verfahren gegen Rudolf Steiner eine ganz andere Verschwörungstheorie als Sie. Mit der “geheimen Agenda Helmut Zanders” meint Ravagli zu allererst, dass Zander die BPjM kontaktierte:

    “Kampf bis zur Erleuchtung – Lorenzo Ravagli und der Glaubenskrieg der Anthroposophie gegen Helmut Zander. Von unserem Gastautor Andreas Lichte.

    Frühjahr 2009. Als Antwort auf Helmut Zanders preisgekröntes Standardwerk ?Anthroposophie in Deutschland? erscheint Lorenzo Ravaglis Schmähschrift ?Zanders Erzählungen?. Im Vorwort sagt Dr. Walter Kugler, Leiter des Rudolf Steiner Archivs in Dornach, Ravagli habe das Ziel gehabt, ?zu retten, was noch zu retten ist? und dabei Mut bewiesen. Zum Beispiel so:

    Ravagli beschuldigt Zander, dieser verfolge mit seiner publizistischen Tätigkeit zur Anthroposophie eine ?verdeckte Agenda? [S. 24].

    Ravagli stellt Zander als ?Enthüllungsjournalisten marxistischer Orientierung? dar, der ?trotz seiner katholischen Vergangenheit einem marxistisch inspirierten, historischen Materialismus verpflichtet ist? [S. 35].

    Ravagli stellt klar, dass nicht etwa die Anthroposophie eine Sekte ist, sondern: ?Zander als Eingeweihter einer trivialaufklärerischen Entmythologisierungtradition strebt wie alle Angehörigen von Wissenschaftssekten (sic!) danach, die Normativität seiner partikularen Rationalität zu universalisieren und alle Angehörigen abweichender Traditionen oder Diskursgemeinschaften als Ketzer zu stigmatisieren.? [S. 372]

    Möchte jemand versuchen, das zusammenzufassen? Wie wäre es damit: Helmut Zander ? ein katholisch-marxistischer, materialistischer Verschörer der Sekte Wissenschaft gegen die Anthroposophie?”

    weiter: http://www.ruhrbarone.de/kampf-bis-zur-erleuchtung/

  8. #59 | Sebastian Hartig sagt am 10. Oktober 2009 um 14:50

    Mir ist neu, dass auch Helmut Zander mit dieser Diskussion zu tun hat, aber ich halte die Einschätzung für einleuchtend und überhaupt nicht spektakulär, dass Zander nicht objektiv ist, sondern auch nur von einem bestimmten weltanschaulichen Standpunkt aus arbeitet; natürlich steht er dabei nicht für “den” Katholizismus, auch nicht für den Marxismus, wohl aber für eine bestimmte Richtung in der modernen Theologie, die versucht das Übernatürliche weitgehend aus dem christlichen Glauben zu eliminieren – “Entmythologisierung”.

  9. #60 | Creamneuron sagt am 10. Oktober 2009 um 17:28

    So, muss da mal was zu sagen:
    Ich bin alles – nur kein Walddorf-Fan. unsere Kinder gehen zum Teil auf Walddorfschulen – nicht aus meinem Antrieb heraus. Aber ich finde einige gute Ansätze dabei.

    Dieser Artikel beschreibt EINE Schule. Und zwar ein sehr sehr krasses negativ-beispiel. Wir waren bis jetzt auf 2 Schulen, die erste war frisch gegründet, und nah an dieser hier. katastrophe. Inzwischen ist sie zu – lehrgenehmigung entzogen.

    Aber fast alle beschriebenen Aussagen hier im Artikel kann cih nicht bestätigen. Haben guten Kontakt zu fast allen Lehrern und selbst ich mag sie – und ich hab eine “Öko-allergie” =)

    Ich hätte es schön gefunden wenn hier stärker darauf hingewiesen worde wäre das es sich um EIN Beispiel handelt und auch noch um eine extremes. Ich könnte wetten diese Schule ist/war noch keine 2 jahre alt. Und wird auch nicht viel älter werden.

    Auch wenn ich Walddorfschulen nicht besonders mag, finde ich es ungerecht hier zu verallgemeinern und dieses Bild auf alle W-Schulen zu setzen.

    Ich habe nach langem befassen mit dem Thema beschlossen das Walddorfschule die ersten 4 jahre (das sind die “wichtigen” jahre für die Kinder) eine für unsere Kinder sehr gute Wahl sind. Danach ab zur “normalen” Schule. So wars bei unserer ältesten und es hat prima geklappt.

    Eine Walddorfschule idealerweise hat einen sehr ausgeprägten Epochenunterricht z.B. da Wird viel unternommen, und es hängt von Schule + Lehrer ab ob das Wischi Waschi ist oder eben nicht.
    Hausbesuche, Einmischen in Erziehung, nicht-annehmen von Wünschen, abblocken, Maßregeln, “Strafgefangene”, etc… all das was hier beschrieben wird kann ich NICHT bestätigen für das Allgemeinbild einer Walddorfschule. Im Gegenteil, idealerweise ists genau andersrum. Sehr starke Slebstbeteiligung, Kooperation mit dem Lehrer, etc…

    Wenn hier eine Frau berichtet, die nicht “Walddorfkomatibel” ist, sprich, die sich garanicht mit dieser Lebensweise identifizieren kann UND WILL, dann ist doch klar das das in die Hose geht. Die Schule ist bestimmt ein extrembeispiel, aber das sollt eman auch berücksichtigen bitte.

  10. #61 | Andreas Lichte sagt am 10. Oktober 2009 um 19:52

    @ Creamneuron

    Du schreibst: “Ich könnte wetten, diese Schule ist/war noch keine 2 jahre alt. Und wird auch nicht viel älter werden.”

    Die Wette hast du verloren. Es gibt die im Erfahrungsbericht beschreibene Waldorfschule schon lange.

    Ich verstehe nicht, warum du von deinen Erfahrungen nicht mit deinem Realnamen und mit den Namen der 2 Waldorfschulen berichtest. Kannst du das bitte nachholen? Danke!

  11. #62 | Phil sagt am 12. Oktober 2009 um 19:26

    was für eine knallcharge lorenzo ravagli als verteidiger steiners ist, fällt selbst anthros unangenehm auf:

    “Ravagli, die ?Rassen? und die Rechten

    (…) Gemeint sind die Arbeiten des Religionswissenschaftlers Zander. Diese ?Linksextremisten? und ihre katholischen Marionetten seien in ihrer Kritik an Steiners Rassismus ?den völkischen Anhängern des Mythos der jüdischen Weltverschwörung geistig verwandt? (S. 11). Gewiss gibt es üble Diffamierungen der Anthroposophie. Aber vielmehr weist hier Ravaglis phobische Behauptung Verwandtschaft mit jedem Typ von Verschwörungstheorien auf(…)”

    http://waldorfblog.wordpress.com/2009/07/15/ravagli-die-rassen-und-die-rechten/

  12. #63 | Ansgar sagt am 15. Oktober 2009 um 18:55

    @Phil

    Danke für den Verweis auf meinen Blog. Wobei es immernoch nicht zieht, mich als “Anthro” zu bezeichnen…

  13. #64 | maik sagt am 15. Oktober 2009 um 23:07

    Zugesand von Andreas Lichte – ich lach mich kaputt :-) . Dem erscheint der Steiner sicherlich jede Nacht im Traum…

    Sorry, aber wer diesen Lichte ernst nimmt, glaubt auch an den Weihnachtsmann.

  14. #65 | Andreas Lichte sagt am 16. Oktober 2009 um 09:02

    @ maik

    würden Anthroposophen mal an den Weihnachtsmann glauben … und nicht den, Zitat WaldorfBlog,”unglaublichen, psychotischen Wahnsinn? Rudolf Steiners:

    http://waldorfblog.wordpress.com/2009/09/22/die-machte-des-lichts-symptome-steinerschen-geisterkenntnis-eine-philosophische-stellungnahme/

  15. #66 | wuerstelstand sagt am 16. Oktober 2009 um 11:42

    Potentielle Einsteiger kann man nicht genug warnen. Wir hatten unsere zeitweise Kinder an einer ganz anderen Waldorfschule, aber das im Artikel geschriebene erscheint mir eher typsich für diese Schulen zu sein. Nach aussen eine weltoffene Oberfläche, und am “Tag der offenen Tür” werden auch ganz ordentliche Lehrer vorgezeigt. Im Inneren ist die Struktur knallautoritär. Da die viele Lehrer es nicht schaffen sich die Autorität (wie in den Einführungsveranstaltungen dargestellt) gegenüber Schülern zu erarbeiten – hilft nur noch ein Strafenregister von der Strafarbeit bis zum Ausschluss von Veranstaltungen. Schüler und auch Eltern haben nichts zu melden – selbst wenn sie sich in den offiziellen Gremien engagieren. Ganz im Inneren der Lehrerschaft beherrschen ein paar Ober-Anthros die Szene.

    Mit tun die Kinder leid, die sich in Waldorfschulen unwohl fühlen, im Extremfall krank werden – und deren Eltern nicht die Kraft haben sie dort herauszuholen.

    Was im Netz fehlt ist eine “Ausstiegsberatungsseite” für Eltern. Für die Kinder wäre es am einfachsten, wenn sie in eine andere, weniger idiologiebelastete Reformschule wechseln könnten, aber das wird sich in den wenigsten Fällen realisieren lassen. Beim Umstieg in eine staatliche Schule ist oft das Wiederholen von mindestem einem Jahr notwendig und dazu noch oft sehr sehr viel Nachlernen. Auch manche Eltern haben viele Ihrer Kontakte im Umfeld der Schule, und die sind nach einem Ausstieg voraussichtlich schlagartig weg.

    Eine Ausstiegshilfe wäre auch für Lehrer sinnvoll, die denken alleine wegen mangelnder anderer Berufsperspektiven dort weiter machen zu müssen.

  16. #67 | Kurt sagt am 23. Oktober 2009 um 16:05

    Voll innerem Grausen lese ich im obigen Artikel Parallelen zu meinen Erfahrungen mit der Waldorfpädagogik. Ich mache mir inzwischen täglich selbst Vorwürfe, dass ich meine Kinder nicht aus den Klauen der Lifestylesekte mit dem Etikett “Waldorfpädagogik” gerissen habe, als ich noch die Möglichkeit dazu hatte.
    Mir scheint, dass es derzeit einfacher ist über die Kalabresische Mafia zu berichten als über das dubiose Wirken der selbstbeweihräucherten Lehrgurus.

  17. #68 | reniets sagt am 23. Oktober 2009 um 19:50

    Ich bin gerade zufällig hier drauf gestoßen und muss mich leider #67 Anschließen. Allerdings habe ich die Waldorfpädagogik aus erster Hand erlebt und erst nach der 6ten Klasse einen Wechsel vollzogen. Bis dahin kann ich aber erschreckende Parellelen zu den in dem Artikel genannten Geschehnissen erkennen. (Thema Mobbing/schlechte Ausbildung/übervolle Klassen/[Heil-]Eurythmie/Freies Denken uvm.) Wenn das nicht im Ruhrgebiet gewesen wäre hätte ich meine Mutter hinter dem Artikel vermutet.
    Kommentar #60 kann ich auch Widersprechen meine Schule ist zum einen eine der ältesten Deutschlands zudem kenne ich “Leidensgenossen” aus mindestens 3 Verschiedenen Waldorfschulen.

  18. #69 | Gertrud Kiefer-Volkert sagt am 25. Oktober 2009 um 10:40

    Um folgendes nochmals zu klären: in meiner Waldorflehrerausbildung haben wir Steiner, Steiner und nochmals Steiner gelesen! Die Waldorfpädagogik gründet ausschliesslich auf Rudolf Steiner, hinzugekommen sind im Laufe der Jahrzehnte einige praktisch-pädagogische Elemente, doch am Fundament ist nichts geändert worden. Auch der anthroposophische Schulungsweg (Literatur: Anleitungen zu einer esoterischen Schulung von Steiner) ist uns aufgezeigt worden, in subtiler Art und Weise hat man uns deutlich gemacht, dass Dornach Ziel und Zentrum darstellt.
    Grundsätzlich ist es eine Frage, ob und wie Waldorfpädagogik erweitert werden kann, wenn von Steiner nicht abgesehen werden kann/darf.
    Doch noch einen wesentlichen Punkt möchte ich ansprechen: Waldorfpädagogik fängt im Kindergarten an.
    Hier scheint mir die pädagogische Klemme noch ausgeprägter zu sein: Steiners hermetische
    Weltsicht schränkt die pädagogischen Aktionsmöglichkeiten massiv ein, die vom Konzept vorgegebene Prägung der Kinder wirkt im Vorschulalter stärker als in der Schulzeit.
    Konsequenterweise müssten die weltanschaulichen Vorgaben dieses Teiles der Waldorfpädagogik erst einmal geprüft werden: Wo Zwerge, Elfen, Gnome und andere Naturwesen für real existierend gehalten werden, wo Systemspielzeug aus Plastik verboten ist, Märchen zur moralischen Erbauung herangezogen werden und weder Fleisch noch Fisch auf den Tisch kommen darf, wo die ausgewählte Getreidekost mit kosmisch-gesetzmässiger Begründung serviert wird, da sollte schon einmal nachgefragt werden, ob dies alles der umfassenden Bildung der Kinder zuträglich ist. Kindern wird im Waldorfkindergarten viel zugemutet und es wird ihnen zugleich vieles vorenthalten, was für die Orientierung in der Welt der Gegenwart nötig ist.

  19. #70 | Andreas Lichte sagt am 25. Oktober 2009 um 12:27

    @ Gertrud Kiefer-Volkert

    Danke für Ihren Kommentar! Verbreiten Sie die Nachricht bitte nach Kräften, von Waldorf-offizieller Seite wird ja stets behauptet, dass es in der Waldorfschule und im Waldorfkindergarten gar keine Anthroposophie gibt. Wie jemand mit dieser Riesen-Lüge auf lange Sicht durchkommen kann, ist mir ein Rätsel.

    Wie angehende Waldorflehrer einer Steiner-?Gehirnwäsche? unterzogen werden, beschreibe ich in meinem Bericht aus dem ?Seminar für Waldorfpädagogik Berlin?, siehe:

    ?Wundersame Waldorf-Pädagogik oder Atlantis als Bewusstseinszustand?

    http://www.novo-magazin.de/71/novo7138.htm

  20. #71 | Gertrud Kiefer-Volkert sagt am 25. Oktober 2009 um 17:49

    An Andreas Lichte,

    tue ich seit geraumer Zeit. Kennen Sie z.B. meinen Leserbrief aus der Süddeutschen Zeitung vom 18. September 2008, den ich als Kommentar zu dem Artikel >> Schwarzbuch Waldorf: Frostriesen und Mondbrüller << in der Süddeutschen Zeitung vom 5. September 2008 geschrieben habe.
    Übrigens war der Redaktion dieses Thema eine ganze Seite Leserbriefe wert.
    Die absolut nötige öffentliche Diskussion um das Konzept von Waldorfschule und -kindergarten wird hoffentlich noch einige weitere Aussteiger ermutigen, ihre persönlich oft schwierigen, doch wertvollen Erfahrungen und vor allem ihr Wissen um diese abgeschlossene Welt mitzuteilen – es lohnt sich, so meine ich.

  21. #72 | Andreas Lichte sagt am 25. Oktober 2009 um 20:45

    @ Gertrud Kiefer-Volkert

    Ich kenne Ihren Leserbrief aus der Süddeutschen nicht: können Sie ihn bitte hier posten? Danke!

    Ich kenne eine Menge Insider. Das Problem: man kann ihre Erfahrungen nicht veröffentlichen, weil sie aus verschiedenen Gründen Schwierigkeiten befürchten, bzw. weil sie mit einem düsteren Kapitel ihres Lebens abschliessen wollen. Darunter auch ein Bericht aus einem Waldorfkindergarten. Von einer Sechsjährigen auf Video gesprochen. Sehr eindrucksvoll.

  22. #73 | N. Peternek sagt am 25. Oktober 2009 um 22:37

    Habe eine “vollständige Waldorfkarriere” hinter mir und muß sagen, daß ich ähnliche Erfahrungen gemacht habe, wie die Autorin des Artikels. Ich war ebenfalls auf einem Kindergarten und einer Schule aus dem Ruhrgebiet (nicht die auf dem Foto:-)). Mir wurde im Kindergarten, nach der Erwähnung enes schlimmen Wortes mit Sch. der Mund ausgewaschen. Mit Seife.
    Probleme wurden immer unter den Teppich gekehrt, oder mit einer Einladung zu einer Art “Tribunal mit allen beteiligten Lehrern” gelöst. Ich möchte jeden, der hier von einem “gemeinschaftlichen Lösungsansatz” spricht bitten, sich die Situation- daß man im besten Fall zu dritt (wenn Vati kann…) ALLEN Lehrern seiner Klasse gegenüber sitzt.

  23. #74 | Gertrud Kiefer-Volkert sagt am 26. Oktober 2009 um 10:30

    Zur Wiederholung besagter Leserbrief:

    Die durch Rudolf Steiner begründete Anthroposophie stellt explizit die Grundlage der Waldorfpädagogik dar. In meiner Waldorflehrerausbildung war das Studium der Schriften Steiners die Grundlage, die der Fundierung der Waldorfpädagogik dienen sollte. Bis zu einem Drittel der Pflichtstundenzeit nahm die Steiner-Lektüre in Anspruch. In Wirklichkeit war es eine Einführung in die Anthroposophie. Anthroposophie hat aber mit Schule erst einmal gar nichts zu tun. Den Zusammenhang von Anthroposophie und Schule hat Rudolf Steiner mit seinem sozialpolitischen Engagement durch die Gründung der Waldorfschulen als neuer Schulform erst hergestellt.
    Hier muss nun gefragt werden: Was zeichnet die Schriften Steiners aus, dass sie zur Grundlegung von Pädagogik taugen? Wie wird die Überprüfung der Waldorfpädagogik vorgenommen? Was ist wirklich Waldorfpädagogik?
    Diese Grundlagenfragen müssen beantwortet werden. Staatliche Pädagogik stellt sich längst solchen Themen. Im Unterschied zu staatlicher Pädagogik, die an den Lehrer hohe Anforderungen stellt, die u.a. eine wissenschaftliche Fachbildung voraussetzt, detaillierte Lehrpläne mit ausgewiesenen verbindlichen Lerninhalten, Lernzielbeschreibungen mit einem dichten Netz an methodischen und didaktischen Vorgaben, Abstimmung mit Unterrichtswerken, Lernerfolgskontrollen (Klassenarbeiten), Leistungsbewertungen schriftlich und mündlich (Noten) sowie Versetzungen und Abschlussprüfungen kennt, unterrichtet der Waldorflehrer in Pfadfindermanier mit intern weitergereichten Unterlagen, eigenverantwortlich ausgesuchten Stoff, in der Regel ohne Lehrbuch, ohne Noten, ohne Versetzungen, auf den Bildungs- und Unterhaltungswert seines Unterrichts achtend, immer in der Hoffnung, dass seine Schüler die große Hürde der Abschlussprüfung mit in der Schule erworbener Charakterstärke nehmen werden.
    In der Praxis gilt: Viele Waldorfschüler nehmen privaten Nachhilfeunterricht, organisieren sich selber oder kompensieren Unterrichtsmängel durch den Besuch von Volkshochschulkursen. Für die Waldorfpädagogik müssen einheitliche Bildungsstandards, überprüfbare Schulqualität und Transparenz her, ähnlich wie in staatlichen Schulen.

    Hier ist nur ein Teil aus dem Spektrum der Problematik um Waldorfschulen angesprochen.
    Waldorfschulen sind als Alternativschulen in eigener Trägerschaft konzipiert. Sie setzen sich bewusst von den öffentlichen Schulen ab und führen damit ein Eigenleben, das mit letzteren kaum verglichen werden kann. Insbesondere ist keine Abstimmung in den Lehrplänen vorhanden, die mangelnde Durchlässigkeit gegenüber dem öffentlichen Schulsystem kann Schulwechsel erheblich erschweren.
    Da die Verfassungskonformität der Grundlagen der Waldorfpädagogik zurecht in Frage steht, ist die Zukunft unserer Waldorfschulen ungewiss.

    Weit weniger Beachtung als den Waldorfschulen wird nun den Waldorfkindergärten geschenkt, die bei der Waldorfpädagogik schon dazugehören. Hier besteht meiner Meinung nach mindestens so viel Diskussionsbedarf wie bei den Schulen.

  24. #75 | Andreas Lichte sagt am 26. Oktober 2009 um 11:49

    @ Gertrud Kiefer-Volkert

    Sehr guter Leserbrief! Besonders gefallen hat mir:

    “… unterrichtet der Waldorflehrer in Pfadfindermanier …”

    (ich lese natürlich auch: alle Pfade führen zu Steiner …)

  25. #76 | goldfish sagt am 28. Oktober 2009 um 12:25

    “Die Wahnvorstellungen Rudolf Steiners werden in der Waldorfschule ausgelebt ? mit kräftiger finanzieller Unterstützung des Staates. Dieser lässt diese Sekte schalten und walten, wie es ihr gefällt.”

    wieso unterstützt der staat die schulen des geisteskranken steiner? :(

  26. #77 | Gertrud Kiefer-Volkert sagt am 29. Oktober 2009 um 20:05

    An Goldfisch,

    darüber lässt sich nur spekulieren:

    - aus Gründen der Liberalität
    - weil niemand durchblickt
    - weil sich Waldorfschule als avantgardistische Schule versteht, von der
    sich andere etwas abgucken können
    - weil Alternativmodelle prinzipiell wichtig sind
    - weil sonst manche Eltern dem Staat Bildungsmonopolismus vorwerfen würden.
    - weil bei den Grundgesetzmachern auch die anthroposophische Lobby am Werk war.
    - weil Waldorfschulen sich als christliche Schulen nach außen darstellen und damit
    Vertrauen erwecken usw.
    - weil noch niemand Steiner vollständig widerlegen konnte
    - weil Waldorfschulen letztendlich dem Staat Geld sparen helfen.

  27. #78 | SeRaPHiN sagt am 4. November 2009 um 13:04

    Schwerwiegender ist ohnehin immer das Fazit aus einer Gesammtbetrachtung resultierend und die Grundintention einer Institution, nicht das heraustellen von einzelfällen/-schicksalen. Erstere Betrachtungsweise lässt die Waldorfschulen auf viele Faktoren bezogen in einem einem besseren Licht dasrtehen als konventionelle Schulformen, die in zweiterer Betrachtungsweise den Waldorfschulen an tragischen Einzelfällen in nichts nachsteht.

  28. #79 | Andreas Lichte sagt am 4. November 2009 um 13:55

    @ SeRaPHiN

    “Einzelfälle” können Sie ganz schnell wieder vergessen: Mir liegen zahlreiche Aussagen von Waldorfeltern vor. Leider bisher nicht in einer Form, die man veröffentlichen könnte.

    Betroffene können sich gerne bei mir melden – bitte Stefan Laurin, Ruhrbarone ? stefan.laurin(at)ruhrbarone.de ? mit der Bitte um Weiterleitung anschreiben.

    Die Aussagen des Berichts der Mutter lassen sich verallgemeinern. Beispielsweise sind unqualifizierte Lehrer typisch für Waldorfschulen, vergleiche:

    FRONTAL21, 10.03.2009, Kritik an Waldorf-Lehrern: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/710932?inPopup=true

  29. #80 | Nachrichten aus der Welt der Anthroposophie sagt am 5. November 2009 um 01:21

    @ Gertrud Kiefer-Volkert

    Sie haben vieles treffend ausgedrückt, ebenso wie die Autorin des Texters, um den es hier geht. Nicht zuletzt weil hier einige der erleuchteten Menschenfreunde/Erziehungskünstler sich zu Wort meldeten, möchten wir auch ein paar Worte beitragen.

    aus Gründen der Liberalität

    Scientology wird die Gründung von Schulen nicht gestattet.

    weil niemand durchblickt.

    Inkompetenz, Gleichgültigkeit, Kollaboration spielen zweifellos eine Rolle.

    - weil sich Waldorfschule als avantgardistische Schule versteht, von der sich andere etwas abgucken können

    Weil dieses groteske Selbstsilisierung propagandistisch erfolgreich war und ist.

    - weil Alternativmodelle prinzipiell wichtig sind

    Sekten als Alternative zur Demokratie pädagogisch wertvoll?

    - weil sonst manche Eltern dem Staat Bildungsmonopolismus vorwerfen würden.

    Es gibt andere Alternativen und der Staat hat die Monopolkontrolle (und ?pflicht)

    - weil bei den Grundgesetzmachern auch die anthroposophische Lobby am Werk war.

    Nicht am GG beteiligt! (sondern an dessen Aushöhlung)

    - weil Waldorfschulen sich als christliche Schulen nach außen darstellen und damit Vertrauen erwecken usw.

    Nicht durch Christentum, sondern durch vermeintlich sensible Pädagogik.

    - weil noch niemand Steiner vollständig widerlegen konnte

    Offenbar ein Scherz.

    - weil Waldorfschulen letztendlich dem Staat Geld sparen helfen.

    Seltsame Rechnung, aber in der Praxis relevant.

    _____________

    Noch zwei Gründe für die Situation in der Bundesrepublik: Den Anthroposophen ist die Tolerierung 1945 gelungen, weil sie es verstanden, sich stets als Philanthropen darzustellen, ausgestattet mit dem unzutreffenden Nimbus einer besonderen Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Später verhalfen dann das ?alternative? Image und schließlich noch die Wiedervereinigung und die PISA-Studien, begleitet von ökonomischen und soziologischen Veränderungen (Wohlstand und Scheidungsrate) zu einer regelrechten Expansion der anthroposophischen Schulen.

    Die verantwortlichen Behörden und Politiker sind nicht einmal in krassen Fällen von Kindesmisshandlung zu einer Revision bereit. Das generelle Eingeständnis, seit Jahrzehnten eine Sekte mit menschenverachtender Programmatik und bisweilen todbringender Praxis nach Kräften gefördert zu haben, scheint nicht unmittelbar bevorzustehen.

    MfG,
    NWA

  30. #81 | Gertrud Kiefer-Volkert sagt am 5. November 2009 um 18:20

    Immer wieder trifft man auf die Aussage, dass es Waldorflehrern an Qualifikation fehlt. Welche Qualifikation damit gemeint sein könnte? So kehrt man immer wieder zu allgemeinen Positionen zurück, solange nicht genau ausgeführt ist, was gemeint ist. Irgendwie hat jeder ein Bild von dem, was gute Schule, guter Unterricht, gute Lehrer sind, das ist bei Waldorflehrern sicher auch so. Damit lässt sich aber noch keine Schule machen, die (gute) Arbeit beginnt bei den Details.
    Waldorflehrer sollen idealerweise einerseits dem selbstgestellen anthroposophischen (und am besten nebenbei dem allgemeinen) Wissenschaftlichkeitsanspruch genügen, andererseits gemäß dem Waldorfkonzept besonders durch ihre Persönlichkeit wirken. Kaum ein Mensch wird auf Dauer einem solchen Anspruch nachkommen können, ein solcher Anspruch ist zu hoch und wird selten eingelöst werden.
    Liest man die Werbetexte von Waldorfschulen, sieht sich die Internetportale an und vergleicht damit die Realität der betreffenden Schulen, wird man oft enttäuscht sein.
    Statt auf das Engagement einzelner würden auch die Waldorfschulen besser mehr Wert auf qualifizierte Konzepte setzen, die personalunabhängig eingesetzt werden können, wie dies z.B. bei ausgearbeiteten Unterrichtsmaterialien der Fall ist. Bislang stehen Waldorflehrer unter der strikten Observanz der Eltern, Lehrerwechsel können bisweilen kleine Katastrophen auslösen und manche Elternhäuser glauben, dass sie persönliche Bindung als Dienstleistung in der Waldorfschule eingekauft haben.

  31. #82 | Andreas Lichte sagt am 5. November 2009 um 19:27

    @ Gertrud Kiefer-Volkert

    Was soll das denn sein, Zitat “… dem selbstgestellen anthroposophischen … Wissenschaftlichkeitsanspruch …”

    Anthroposophie und Wissenschaft ? wenn Welten aufeinander prallen.

    In den Waldorfseminaren werden die angehenden Lehrer einer Steiner-Gehirnwäsche unterzogen. Wer anschliessend sagt, dass er Steiner Klasse findet, bekommt den Job. Das ist die Qualifikation des Waldorflehrers. Siehe:

    http://www.novo-magazin.de/71/novo7138.htm

    “Wundersame Waldorf-Pädagogik oder Atlantis als Bewusstseinszustand”

  32. #83 | Andreas Lichte sagt am 5. November 2009 um 19:39

    Hier ein Brief an den Berliner Bildungssenator, der die Ausbildung zum Waldorflehrer am “Seminar für Waldorfpädagogik Berlin” beschreibt:

    “M.S. [Name und Adresse entfernt, Datenschutz]

    Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung
    Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner
    Beuthstr. 6-8
    10117 Berlin

    Bitte um staatliche Prüfung der Lehrerbildung und damit verbundener Lehrinhalte am Waldorf- Lehrerseminar Berlin- Mitte

    Berlin, 28.2.2007

    Sehr geehrter Prof. Dr. Zöllner,

    ich habe von September 2006 bis Ende Februar 2007 an der Weiterbildung zum Waldorflehrer/ Abendkurs am Seminar für Waldorfpädagogik e.V. in Berlin- Mitte, Weinmeisterstraße 16, 10178 Berlin, teilgenommen.

    Was dort als Lehrerbildung bezeichnet wird, ist meiner Erfahrung nach die Vermittlung anthroposophisch- esoterischer Inhalte, ohne Duldung sachlicher Kritik, die seitens der teilnehmenden Seminaristen geäußert wurde. Zur Weiterbildung gehört die Besprechung und Auslegung esoterischer Texte des Begründers der Anthroposophie Rudolf Steiner. Diese Besprechungen und Auslegungen haben den Charakter einer ideologischen Schulung, die das anthroposophische Menschenbild im zukünftigen Lehrer fest verankern soll. Das bedeutet, dass die äußerst fragwürdigen Anschauungen Steiners in den zu lehrenden Unterrichtsstoff der Waldorfschulen einfließen.

    Noch vor Beginn des Seminars wurde mir vom Dozenten und Seminarleiter Michael Handtmann beim Vorstellungsgespräch versichert, dass ich keinesfalls zum ?willigen Schüler Rudolf Steiners? ausgebildet werden solle. Das Gegenteil war der Fall. Ich möchte klarstellen, dass ich nicht im Verlauf einer offenen Auseinandersetzung das Seminar verlassen habe, sondern schlicht um eine Auflösung meines Lehrgangsvertrages gebeten habe.

    Viele meiner Mit- Seminaristen waren ebenso verwundert und abgestoßen von der Indoktrination esoterischer Schulungsinhalte, doch offene Kritik kam nur bei den wenigsten auf. Grund dafür ist die berufliche und ökonomische Lage der meisten Seminaristen, die sich durch die Weiterbildung zum Waldorflehrer eine berufliche Perspektive erhoffen. Die meisten der Seminaristen sind ebenso wie ich über 30 Jahre und älter ? viele von ihnen von Arbeitslosigkeit bedroht. Da Kritik von den Dozenten des Seminars mit Schweigen oder beleidigter Ablehnung beantwortet wurde, ist es nicht verwunderlich, dass die Mehrheit schweigt, obwohl viele anders denken ? niemand möchte seinen zukünftigen Arbeitsplatz gefährden.

    Zur Methodik des Unterrichts: Ich besuchte die Oberstufenmethodik. Auch hier war die Grundlage jeglicher Betrachtung seitens der Dozenten Rudolf Steiner: alles beginnt und endet mit ihm. Jede Empfehlung, jedes Betrachten des Schülers und des Unterrichts wird durch die Texte Steiners erklärt und interpretiert. Da bleibt kein Raum für Veränderungsvorschläge oder eine wissenschaftliche Auseinandersetzung ? ein Vergleich mit pädagogischen Standardwerken findet nicht statt.

    Ich frage mich ernsthaft, wo dabei das eigene Denken eines zukünftigen Lehrers bleiben soll, es wird einfach ersetzt, denn die obskuren Schriften Steiners liefern nach Ansicht der Dozenten die Antworten auf alle Fragen. Diese Art von Lehrerbildung verstößt gegen das Selbstbestimmungsrecht im Denken und Handeln der Teilnehmer, sie ist sektiererisch und esoterisch- ideologisch. Deshalb bitte ich sie nachdrücklich, das Aufsichtsrecht des Staates zu nutzen, um die Lehrerbildung des Seminars für Waldorfpädagogik eingehend kritisch zu prüfen.

    Mit freundlichen Grüßen

    M.S.”

  33. #84 | Gertrud Kiefer-Volkert sagt am 6. November 2009 um 14:55

    An Andreas Lichte,

    es ist viel hohles Geschwätz dabei, da stimme ich Ihnen zu. Ich meine, man sollte nicht die Waldorflehrer einzeln kritisieren, was ich unfair finde, sondern das gesamte Konzept. Nach wie vor verwundert es mich, dass unsere Ministerien nichts unternehmenen, dass Waldorfpädagogik weltweit verbreitet wird, Waldorfschulen UNESCO-Status erhalten, Interkulturelle Waldorfschulen in Deutschland gegründet werden, die anthroposophischen Hochschulen ausgebaut werden, ein Institut für Interkulturelle Pädagogik in Mannheim eröffnet worden ist und z.B. die SEKEM-Farm des alternativen Nobelpreisträgers Ibrahim Abouleish (der in Mannheim gelegentlich zu Gast ist) vielleicht mit hierzulande erarbeiteten “Know-how” eine eigene Universität (Heliopolis Universität für nachhaltige Entwicklung) gründet.
    Geschockt hat mich das Foto (Foto in der Zeitschrift “die Drei” vom November 2009, S. 60) von der SEKEM-Farm (man kann diese Farm besichtigen: http://www.sekem-reisen.de oder http://www.demeterreisen.de), das am Eingang links wie rechts eine dynamisch gestaltete Abwandlung der Swastika zeigt. Welche Bedeutung man dem nun wieder beimisst?

    Mit den kulturvergleichenden Arbeiten an der Schrift “Sonnenkarma und Mondenkarma” (oder andersrum – GA 240) ist zwar der interkulturelle Rahmen (kurz gesagt: Islam als Mondenreligion, Christentum als Sonnenreligion) angesprochen, wie er jedoch ausgefüllt wird?
    Der waldorftypische Idealismus scheint mir hier mit einiger Naivität einherzugehen, was gefährlich werden kann – engagierte Zeitgenossen sind es auf jeden Fall.

  34. #85 | Jens Gerlach sagt am 7. November 2009 um 00:50

    @ Gertrud Kiefer-Volkert

    Zwei Hinweise kann ich mir nun doch nicht verkneifen:

    1. Achten Sie doch ein wenig darauf, wo Sie kommentieren. Die Internetseite des Rechtsextremisten Detlef Nolde ist sicher auch aus Ihrer Sicht nicht die erste Wahl, auch, wenn dieser widerliche Typ zufällig etwas gegen Anthros hat.

    2. Achten Die doch am Besten zudem darauf, was Sie schreiben. Ihr letzter Kommentar hier läuft darauf hinaus, zu sagen: Kritisiert doch gerne ein Regime, aber bitte nicht dessen Exponenten und Lakaien. Das ist schierer Unsinn.

    J.G.

  35. #86 | Die Waldorfschulen informieren » ruhrbarone sagt am 8. Dezember 2009 um 18:05

    [...]  „Wie gut sind Waldorfschulen?“ Erfahrungsbericht einer Mutter [...]

  36. #87 | Gertrud Kiefer-Volkert sagt am 11. Dezember 2009 um 19:31

    An Jens Gerlach,

    zu (1): Danke für den Hinweis.
    zu (2): da widerspreche ich Ihnen: Waldorfs sind (Gott sei Dank) noch kein Regime. Aber Sie sprechen den entscheidenden Punkt an.
    Sicher sind die Vertreter der anthroposophischen Einrichtungen erwachsene Menschen, die ihre Handlungen selber verantworten können und sollen, gegebenenfalls müssen. Was meinen Sie, warum ich ausgestiegen bin?
    Die Frage nach dem rechtlichen Status eines Waldorflehrers ist z.B. völlig ungeklärt, wenn es um verfassungsrelevante Unterrichtsinhalte geht. Diesbezüglich müssen alle Waldorflehrer gewarnt werden. Es könnte sein, dass Sie alles (Inhalte und Methoden des Unterrichts) selber verantworten müssen, falls einer klagt, weder BdFW noch Pädagogische Sektion Dornach bieten Schutz.
    Die ganze rechtliche Konstruktion um die Elternitiative als Trägerverein von Waldorfschule mit dem angeblich selbst ausgesuchten pädagogischen Konzept der Waldorfpädagogik (was auch immer das sein mag) ist mehr als schwierig, erweist sich vielleicht als Falle. Kommt es zu einem Gerichtsprozess, werden die Verantwortungen hin und her geschoben, wird viel schmutzige Wäsche gewaschen werden.
    Ich muss aus eigener Erfahrung sagen, dass es mich ziemlich viel Arbeit gekostet hat, diesen “Sumpf” wirklich zu durchblicken und dass ich einige Zeit gebraucht habe, zu realisieren, welche essentiellen Abhängigkeiten zu Dornach bestehen.
    Ich halte Waldorfpädagogik für nicht zukunftsfähig.

    Schlussendlich muss gesagt werden, dass der Staat per Grundgesetz zur Aufsicht verpflichtet und sein Bildungsmonopol durchsetzen kann.
    Bislang wird jedoch nur zugewartet und debattiert, und es werden
    fleissig neue Waldorfschulen gegründet.
    Vertrauen schafft diese politische Praxis nicht.

  37. #88 | Pali sagt am 14. Dezember 2009 um 09:52

    Mein Sohn geht auf eine Waldorf-Schule und ich bin zufrieden. Was für eine Alternative ist denn im Ruhrgebiet eine staatliche Schule?
    Der Eignungstest in einer staatlische Grundschule hat mir schon gereicht.
    1 Klasse mit 30 Kindern. Beim Klingeln kamen 2 blonde Kinder und 28 Dunkelhaarige raus.
    Was für eine Alternative!
    Das hat auch nix mit Rassismus zu tun, aber es wird einem ja schon förmlich aufgedrängt.
    Mein Sohn hat aber sehr wohl Ausländer in seiner Klasse, aber die kommen aus gutem Hause!
    Mein Sohn spielt Geige, hat Heileurethmie und kann sehr wohl Lesen und Schreiben!
    Es gibt keine gewaltätigen Kinder oder sonst welchen kranken Mist den der Autor von sich gibt!
    Ich habe mich aber köstlich amüsiert über diesen Bericht und kann nur sagen: Macht Euch ein eigenes Bild oder laßt es. Wir Waldörfler sind froh, wenn keine normalen Grundschulkinder dazukommen. Bringen alles aus dem Gleichgewicht.
    Ausserdem habe ich schon sehr oft festgestellt, das eine positive Meinung über die Waldorfschule auch vom Geldbeutel abhängt!

  38. #89 | Arnold Voss sagt am 14. Dezember 2009 um 13:30

    Herr Pali,danke dass sie Klartext sprechen, worum es den meisten Eltern bei der Waldorfschule wirklich geht: Dass die Kinder “aus gutem Hause” unter sich bleiben. Wobei natürlich klar ist,dass das “gute Haus” nur das eigene sein kann. Egal wieviel Armleuchter sich im Einzelfall dort versammelt haben.

    Welch grandiose Selbstüberschätzung und Borniertheit, welch in der tiefsten Seele verankerter Rassismus, welch harter antidemokratischer Geisteskern. Da weiß man, warum man sein Kind dort nicht hingeschickt hat.

  39. #90 | Rudolf Steiner sagt am 14. Dezember 2009 um 13:33

    Liebe Pali,

    ich habe mich so sehr über Deinen Kommentar gefreut, daß ich mich einmal aus der Geistigen Welt bei Dir bedanken möchte!

    Deine Schau der Ewigen Wahrheiten ist hellsichtig, ganz besonders dies, ich zitiere Dich:

    “Der Eignungstest in einer staatlische Grundschule hat mir schon gereicht. 1 Klasse mit 30 Kindern. Beim Klingeln kamen 2 blonde Kinder und 28 Dunkelhaarige raus. Was für eine Alternative! Das hat auch nix mit Rassismus zu tun, aber es wird einem ja schon förmlich aufgedrängt.”

    Vergleiche, was ich selber dazu gesagt habe:

    ?Die Menschen würden ja, wenn die Blauäugigen und Blondhaarigen aussterben, immer dümmer werden, wenn sie nicht zu einer Art Gescheitheit kommen würden, die unabhängig ist von der Blondheit. Die blonden Haare geben eigentlich Gescheitheit.?

    ?Geradeso wie sie [die Blonden] wenig in das Auge hineinschicken, so bleiben sie im Gehirn mit ihren Nahrungssäften, geben ihrem Gehirn die Gescheitheit. Die Braunhaarigen und Braunäugigen, und die Schwarzhaarigen und Schwarzäugigen, die treiben das, was die Blonden ins Gehirn treiben, in die Augen und Haare hinein. Daher werden sie Materialisten, gehen nur auf dasjenige, was man sehen kann, und es muss das durch geistige Wissenschaft ausgeglichen werden. Man muß also eine Geisteswissenschaft haben in demselben Maße, als die Menschheit mit der Blondheit ihre Gescheitheit verliert. Wir haben nicht zum Spaß diesen Bau, das Goetheanum, hierhergebaut [...].?

    Steiner, Rudolf: Über Gesundheit und Krankheit. Grundlagen einer geisteswissenschaftlichen Sinneslehre. Achtzehn Vorträge, gehalten vor den Arbeitern am Goetheanumbau in Dornach vom 19. Oktober 1922 bis 10.
    Februar 1923, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1994 (GA 348 / TB 722), Vortrag vom 13. Dezember 1922, S.103.

    ?Also selbst das, daß die Blondhaarigen aussterben, versteht man, wenn man begreift, wie die Nahrungssäfte bis in die Augen hinein kommen, und auch bis in die Haare hinein. Die Haare hängen nämlich sehr stark mit den Augen zusammen.? Steiner, R. (GA 348), a.a.O., S.104.

    ?Die Haare sind nämlich tatsächlich wie Pflanzen, die dem Boden eingesetzt sind, und ihr Wachstum hängt mit dem Licht zusammen. Wenn daher das Licht nicht imstande ist, bis in die Haare hinein die Nahrungssäfte zu ziehen, so bleiben die Haare blond. Wenn einer mehr materiell ist, so kriegt er schwarze Haare, und die Nahrungssäfte
    gehen hinein, vertragen sich dann nicht mit dem Licht. Das haben die Alten noch gewußt, vor ein paar Jahrhunderten noch, und haben daher die Mähne des Löwen nicht kräuselig gemacht, sondern strahlend gemacht, so wie wenn die Sonne die Lichtstrahlen in seinen Kopf hineinsteckte. Das ist auch sehr interessant zu beobachten.? Steiner, R. (GA 348), a.a.O., S.105.

  40. #91 | Pali sagt am 14. Dezember 2009 um 21:30

    Sie haben mal wieder nur oberflächlich gedacht. Ich komme aus dem Ruhrgebiet. Mir war es wichtig, das mein Kind noch mit der deutschen Sprache nach Hause kommt und das ist hier NICHT mehr möglich. Das “Blond” war nur ein oberflächlicher Hinweis darauf, warum Waldorfschulen so einen Boom haben. Wie sie das im Endeffekt auslegen ist ihre Sache.
    Da es bei uns an Auswahl nur katholische Privatschulen oder diese besagte Waldorfschule gab, war es für mich klar das es diese werden sollte.
    Sie hetzen gegen Waldorfschulen und verallgemeinern.
    WIR sind zufrieden. Es wird auf mein Kind eingegangen, es wird gefördert und der ABI- Durchschnitt unserer Schule ist nicht zu verachten.
    Haben Sie sich eigentlich mal staatlische Grundschulen angeschaut? Besonders im tiefsten Ruhrgebiet? Haben Sie mal “live” gesehen wie das hier abläuft?
    Wenn sie unterscheiden könnten zwischen den einzelnen Waldorfschulen, dann hätte ich wirklich nur über ihren Bericht gelacht und gut wär es gewesen. Nein, sie schmeißen alle in einen Topf, trampeln drauf rum und verunsichern viele Eltern, was diese Schulform betrifft.
    Das ist das Letzte!
    Was Rudolf Steiner betrifft: Ich bin keine Verfechterin dieses Mannes, ich kenne nicht mal seine Lehren. Ich lebe nicht von Sprüchen und Aussagen eines Mannes, der nicht mehr lebt. Das ist der Unterschied von mir zu vielen Eltern. Ich schaue auf das, was aktuell mit meinem Kind gemacht wird und vor allem auf das wie!
    Wir sind mit dem Sohn des Begründers dieser Schule befreundet und das sind ganz sicher keine Leute, die sektenähnlich Rudolf Steiner Lehren vertreten!
    ich könnte jetzt noch alles ins kleinste Detail ihre Mail auseinander pflücken, aber Sie sind bei mir auch nur auf einen Punkt eingegangen. Also beende ich das mal hier und kann nur hoffen, das viele sich von so einem Bericht nicht abschrecken lassen und trotzdem ihre Kinder dort anmelden. Besser als jede staatliche Schule ist es allemal!

  41. #92 | De steinerschool informeert « Steinerscholen.com sagt am 15. Dezember 2009 um 21:21

    [...] Wie gut sind Waldorfschulen? Ervaringsbericht van een moeder [...]

  42. #93 | Gertrud Kiefer-Volkert sagt am 16. Dezember 2009 um 12:43

    Liebe Pali,
    sie werden sicher zustimmen, dass die Bedarfslücke, die die Waldorfschulen hier ausfüllen, zwar willkommen ist, aber auch ihre Abgründe hat. Und die sollte man als Eltern kennen, damit man nicht nach einigen Jahren enttäuscht wird. Für noch wichtiger halte ich es, dass den oben aufgezeigten rassistischen Abgründen gesetzlich vorgebeugt wird. Bislang ist es immer noch so, dass die persönliche Integrität des Waldorflehrers als Ersatz für den in öffentlichen Schulen gesetzten politischen Rahmen genommen wird – ein unmöglicher Zustand.
    Der praktisch verbindliche Rahmen Anthroposophie, der für die Waldorfpädagogik in ihrem Selbstverständnis gültig ist, muss untersucht werden. Eltern können und dürfen dies nicht leisten.
    Während für die öffentlichen Schulen z.B. die Lehrpläne ministeriell genehmigt, sämtliche Schulbücher und Unterrichtsmaterialien, die zum Einsatz kommen, geprüft werden, die Lehrer entsprechende Verpflichtungen haben, ist es eine gute Frage, an welchen Maßstäben Waldorflehrer gemessen werden.
    Ob der Unterricht den Schülern und Eltern gefällt, die Schüler zufrieden sind, etwas lernen, wieviel Seiten im Epochenheft geschrieben stehen, kann wohl nicht zum Maßstab genommen werden.
    Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich für eine Epoche, in der ich die von Ulrich Schmutz, einem Schweizer Geologen, erarbeitete Tetraederstruktur der Erde (ein durchaus interessanter Inhalt, der auf Angaben von Rudolf Steiner aufbaut und intern veröffentlicht ist) für den neuen Messias ausgerufen worden wäre, eine Rolle, die mir überhaupt nicht passte. Ich fühlte mich total vereinnahmt und bin nur geflüchtet aus dieser Welt, denn für meine ansonsten vorgetragene Kritik wurde ich nicht gelobt. Dafür wurde ich dann gechasst.

  43. #94 | wuerstelstand sagt am 16. Dezember 2009 um 20:26

    Wenn man Beitrag Nr 88 liest braucht man wohl nicht weiter zu diskutieren wie rassistisch der ganze Laden ist. Nebenbei: so wie die meisten Süddeutschen hatte auch Steiner hatte dunkle Haare ..

    An unserer Waldorfschule gabs auch mal nen “Vorzeigeneger”, der wurde aber von seinen Mitschülern so gemobbt, dass er bald wieder verschwunden ist. Für einige weinge türkischstämmige Kinder gilt ähnliches.

    Was den Vergleich mit normalen Grundschulen angeht: Eigentlich alle mir bekannten Kinder fanden das Klima in einer normalen Grundschule – oft mit recht hohem Anteil von Migrantenkindern – viel respektvoller, ruhiger und weit weniger gewalttätig als in der recht rauen Waldorfschule.

  44. #95 | Gertrud Kiefer-Volkert sagt am 17. Dezember 2009 um 00:58

    Ein wesentliches Problem besteht doch darin, dass Anthroposophie sich selbst als Wissenschaft versteht, eine Meinung, die in der scientific community praktisch von keinem sonst geteilt wird. Nur die auf Anthroposophie aufbauende Waldorfpädagogik soll nun mit der Pädagogik der öffentlichen Schulen auf einmal verglichen werden. Die Pädagogik der öffentlichen Schulen basiert auf den an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen gelehrten Wissenschaften auf.
    Dabei sind die jeweiligen Grundlagen nicht auf einen Nenner zu bringen, ein Dissens, der oft nicht überwindbar, in manchem jedoch bewertbar ist.
    Um ein Beispiel zu nennen: Die Tetraederstruktur der Erde nach der Interpretation von Ulrich Schmutz zu betrachten, ist sicher eine legitime Möglichkeit, die Dynamik in der Erdkruste im Unterricht zu behandeln. Ulrich Schmutz hat dieses Thema ausgearbeitet, er stützt sich auf eine Angabe von Rudolf Steiner, begründet u.a. phänomenologisch und geometrisch. So hat Schmutz neuen Unterrichtsstoff für die Waldorfpädagogik entwickelt, was anthroposophischerseits anerkannt, doch von der universitären Wissenschaftsgesellschaft wenig gewürdigt wird, weil an den Universitäten von der Ausrichtung und auch systematisch anders gearbeitet wird, es stehen andere Fragestellungen im Vordergrund. Bei diesem Thema tut sich sicher noch kein Verfassungsrechtsfall auf, es handelt sich um ziemlich “harmloses” Gebiet, solange keine okkulten Schlussfolgerungen bzw. Ursachenerklärungen herangezogen werden oder dogmatisiert wird – beides ist in den inneren Zirkeln (Dornacher Sektionen) jedoch möglich und auch üblich. Über solche esoterische Sichtweisen wird jedoch nach außen hin Stillschweigen gewahrt, gewissermaßen eine Arkanpflicht eingefordert.
    Nicht nur die Tatsache, dass Dornach in der Schweiz liegt, macht also den Zugang zu der anthroposophischen Sicht der Dinge schwierig, darüberhinaus ist die Hermetik dieses Wissens eine weitere Hürde bei der Erschliessung dieser waldorfspezifischen Grundlagen.

  45. #96 | Torti sagt am 17. Dezember 2009 um 09:46

    @Pali
    Guter Mensch sie sind ein Rassist. Und Träger eines ganz finsteren Gedankengutes. Und Ihre Behauptung an staatlichen Grundschulen, gerade mit hohem Migrantenanteil, sei kein deutsch mehr möglich, ist schlichtweg falsch.

    Ich lebe in Dortmund, mein Sohn geht in die Grundschule Kleine Kielstrasse. Diese Schule hat einen sehr hohen Migrantionsanteil und ist doch eine der besten Grundschulen in Deutschland, sogar mit dem deutschen Schulpreis ausgezeichnet.

    Ihr Kind mag ein gutes ABI machen, ist aber zu Bedauern, weil es Menschenverächter als Eltern hat.

  46. #97 | Gertrud Kiefer-Volkert sagt am 17. Dezember 2009 um 13:37

    An Torti,

    in gewisser Weise richtig, doch so hart würde ich dennoch nicht
    urteilen. Die Angst vor Überfremdung in diesem Land muss auch meiner Meinung nach ernster genommen werden, da sind noch nicht alle Argumente auf dem Tisch.
    Fatal ist es, wenn die Waldorfschulen nun zum deutschen Zufluchtsort werden und damit diese Pädagogik erneut aufwerten, die in vielem überholt ist, in der alte Weltbilder in die Gegenwart transportiert werden, die sich nicht mit der wissenschaftlich betriebenen Pädagogik öffentlicher Schulen austauscht usw. Schlimm, dass diesbezüglich die Politik nicht reagiert.
    Um bei meinem oben erwähnten Beispiel der Tetraedergestalt der Erde zu bleiben. In meiner eher pragmatischen Sicht kam ich für mich zu dem Schluss, dass es zumindest kein Schaden sein kann, die anthroposohisch hochgelobte Auffassung von der Tetraedergestalt der Erde zu unterrichten.
    Im Nachhinein wurde mir dennoch ziemlich flau in der Magengegend, denn diese von mir nicht zuletzt als Anpassung erbrachte Unterrichtsleistung wurde flugs vereinnahmt, ich wurde nun von den einen wegen meiner angeblichen anthroposophischen Pionierarbeit glorifiziert, von den anderen bekämpft (auch von Kollegen), die die betreffende Waldorfschule
    für ihre Zwecke umfunktionieren wollten.
    Vonseiten der Anthroposophie gesehen hat der besagte Unterrichtsgegenstand Kultstatus und Offenbarungscharakter, da hörte man Männerstimmen zittern vor Erregung beim Sprechen über die neuen Erkenntnisse bei dieser Art der Naturbetrachtung, die als zutiefst religiös-gebunden aufgefasst wird. Dass ansonsten aufgeklärte Zeitgenossen solche Haltungen zeigten, war für mich fast nicht zu glauben, befremdete mich und scheint mir auch heute noch völlig überbewertet zu sein.
    Schüler ahn(t)en natürlich nichts von solcherlei Zusammenhängen, auf Schüler-Lehrer-Ebene geht es mehr darum, ob (in meinem Fall) die Lehrerin cool ist oder nicht, locker und verständnisvoll, welchen Unterhaltungswert der Unterricht hat etc. Eltern zählten indes die Heftseiten, ließen sich von sogenannt geordnetem Unterricht berichten, der oft nur am Grad der Beschäftigtheit gemessen wird; Eltern sind schließlich in die Verantwortung eingebunden, kontrollieren “ihre” Lehrer selber, wählen sie auch selber aus, hoffen, dass die Kinder die gewünschte Charakterbildung erfahren und dennoch die Abschlussprüfung bestehen werden.
    Der von mir als solcher empfundene “Hoheitsstreit” verlief unbemerkt von der Öffentlichkeit,
    hatte aber wahrscheinlich schlimme Konsequenzen, die bis heute tabuisiert sind. Wechselseitig wollte man sich mit mir verbünden, doch ich blieb und bleibe standhaft bei meiner Aufklärungsarbeit und verleihe mir Medaillen sowieso lieber selber.

  47. #98 | Detlef Nolde sagt am 21. Dezember 2009 um 18:51

    Jens Gerlach am 7. November 2009:

    “@ Gertrud Kiefer-Volkert

    Zwei Hinweise kann ich mir nun doch nicht verkneifen:

    1. Achten Sie doch ein wenig darauf, wo Sie kommentieren. Die Internetseite des Rechtsextremisten Detlef Nolde ist sicher auch aus Ihrer Sicht nicht die erste Wahl, auch, wenn dieser widerliche Typ zufällig etwas gegen Anthros hat.”

    ——

    @Jens Gerlach

    Jeder kann sich anhand der Beiträge auf meinem Weblog davon in Kenntnis setzen, daß Deine Behauptungen (“Rechtsextremist” usw.) pure Verleumdungen darstellen. Vor diesem Hintergrund ist die Frage, welchen Wert Du bei anderen Themen der seriösen Recherche beimißt.

  48. #99 | Gertrud Kiefer-Volkert sagt am 1. Januar 2010 um 20:53

    Jens Gerlach, wo Ihre rechte Seite Schwachstellen hat, kann Ihnen Detlef Nolde sicher aufzeigen. Ich beziehe mich auf seinen Artikel und nicht auf seine Person.

  49. #100 | Wie gut sind Waldorfschulen? « RatgeberNewsBlog sagt am 11. Januar 2010 um 15:47

    [...] Hier geht es zum Rest des Artikels. [...]

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