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Zukunft für den Dortmunder Flughafen

Ryanair-Maschine auf dem Dortmunder Flughafen (Foto:Westerhoff)

Ryanair-Maschine auf dem Dortmunder Flughafen (Foto:Westerhoff)

„Millionenloch“, „Subventionsgrab“ – die Gegner des Dortmunder Flughafens haben in den vergangenen Jahren immer wieder mit den finanziellen Verlusten des Flughafens argumentiert. Die EU hat unter diese sieben Jahre andauernde Diskussion einen Schlussstrich gezogen. Die Überweisungen der Stadtwerke an den Airport sind legal. Genauso wie die Programme, mit denen Fluggesellschaften nach Dortmund gelockt wurden. 

Zeit, um eine Bilanz zu ziehen und genau hinzuschauen, wer die Gewinner und wer die Verlierer dieses Urteils sind.

Gewinner 1: Der Flughafen

Der Flughafen hat nun Planungssicherheit. Und spart sich zudem ein dickes Sümmchen für Juristen, die in den vergangenen Jahren auf Anfragen der EU antworten mussten. Flughafenchef Udo Mager hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er an den Plänen zur Verlängerung der Start- und Landebahn festhält. Er bekommt für diese Pläne nun Aufwind.

Gewinner 2: Die Passagiere

Der Flughafen darf mit Förderprogrammen neue Airlines anlocken. Die EU wertet Rabatte für neue Airlines und neue Verbindungen als in der Wirtschaft üblich, um Kunden anzulocken. Bislang herrschte bei den Fluggesellschaften eine gewisse Unsicherheit und die Gefahr, unrechtmäßig erhaltene Zuschüsse wieder zurückerstatten zu müssen. Da die EU die Subventionen für legal erklärt hat, kann der Flughafen wieder auf Akquise-Tour bei den Fluggesellschaften gehen. Die Passagiere kann es freuen.

Gewinner 3: Die Wirtschaft

Sie hat nun schwarz auf weiß, dass der Flughafen eine wichtige Bedeutung für das Ruhrgebiet hat. Das hat die EU ausdrücklich herausgestellt. Die Argumentation der IHK für den Flughafen erhält damit prominente Unterstützung aus Brüssel.

Gewinner 4: Die EU-Kommission

Die Kommission hat sich keinesfalls auf die Seite der Wirtschaft geschlagen und einen Freibrief für Flughafen-Subventionen ausgestellt. Andere Airports in Frankreich haben wegen staatlicher Subventionen schon Millionenstrafen aufgebrummt bekommen. Auch Zweibrücken und Klagenfurt droht Ungemach aus Brüssel. Die EU hat die Flughäfen sehr differenziert untersucht und kein politisches oder von der Wirtschaft getriebenes Urteil gefällt.

Verlierer 1: Die Schutzgemeinschaft Fluglärm

Die Bürgerinitiative hat die Ermittlungen gegen den Flughafen angestrengt. Sie hat regelmäßig Brüssel mit Daten gefüttert, um nachzuweisen, dass der Flughafen unzulässige staatliche Beihilfen erhält. Die Schutzgemeinschaft erhoffte sich durch die EU Unterstützung im Kampf gegen den Airport. Die EU-Kommission ist dieser Argumentation nicht gefolgt. Die Initiative muss ihre Strategie nun vollkommen neu ausrichten.

Verlierer 2: Die NRW-Landesregierung

Im Landesentwicklungsplan gewährt sie dem Airport keine landesweite Bedeutung. Durchaus ein politisches Urteil, denn Münster-Osnabrück hat diesen Status, obwohl dort weniger Menschen fliegen. Dieser Status ist wichtig, um einen Ausbau zu finanzieren. Die EU hat eindeutig die Bedeutung des Airports für das Ruhrgebiet festgehalten. Die rot-grüne Regierung wird nicht umhin kommen können und den Dortmunder Flughafen als landesweit bedeutend einzustufen.

Verlierer 3: Die Flughäfen Paderborn-Lippstadt und Münster-Osnabrück

Die Wettbewerber aus Westfalen haben politisch immer wieder gegen den Dortmunder Flughafen quer geschossen. Ihr Argument: Weil Dortmund Zuschüsse von den Stadtwerken bekommt, entstehen Wettbewerbsnachteile für Münster und Paderborn. Die EU ist dieser Argumentation nicht gefolgt. Sie betont, dass die Beihilfen für den Flughafen nicht zu Wettbewerbsverzerrungen führen.

Verlierer 4: Die Lufthansa

In ihrem regelmäßig verschickten Politikbrief an Entscheider in Deutschland hat die Lufthansa immer wieder gegen Regionalflughäfen gewettert. Niemand brauche die, so die Argumentation. Das war schon immer eine durchsichtige Strategie. Weil die großen Flughäfen ausgebucht sind, bekamen Billigflieger früher kaum Landerechte in Deutschland. Deshalb hatten unliebsame Konkurrenten wie Ryanair und Easyjet lange Zeit keine Chancen auf dem deutschen Markt. Lufthansa konnte die Preise hochhalten.

 

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161 Kommentare zu “Zukunft für den Dortmunder Flughafen

  • #151
    Michael Westerhoff Beitragsautor

    Klaus, sage ich doch gar nicht. Ich sage nur: Die Leitlinie IST eine Lockerung. Weil damit der Zeitpunkt, schwarze Zahlen schreiben zu müssen, zehn Jahre ins Jahr 2023 verschoben worden ist. Hätte die EU das nicht getan, wäre es ja heute schon eng für die Flughäfen geworden, so frühestens in zehn Jahre. Wenn das mal nicht eine Lockerung ist…

  • #152
    Arnold Voss

    Das ist gut möglich, aber es könnte auch wieder ein anderer politischer Wind aus Europa wehen. Die Subventionslandschaft bleibt nie stabil, weil es dabei um zuviel Geld geht. Deswegen muss man da möglichst bald raus, wenn man dauerhaft überleben will, und genau das wird beim Flughafen Dortmund nicht gelingen.

  • #153
    Klaus Lohmann

    Michael, der FH hätte ohne die EU-Neufassung und die 10-Jahre-Ausnahmeregelung weiter so auf unsere Kosten rumgeprutscht wie bisher, um den DSW21 ein schönes Verlustvortrags-Polster zu gewährleisten. Es ist in der hiesigen Politik doch Niemand bereit gewesen, diesem Subventionsmodell Einhalt zu gebieten, damit der FH auf eigenen Füßen stehen könnte.

    Die Bedingung, in 2023 eine ausgeglichene Bilanz anfertigen zu müssen, sehe ich nicht als Lockerung, da ohne die Neufassung sich Niemand um die Schulden gekümmert hätte, sondern als letzte Chance, bevor die Lichter endgültig ausgehen.

    Dass es der DSW21 mitterweile selbst etwas eng um den finanziellen Kragen wird, liegt an *deren* Fehlentscheidungen, nicht an EU-Regelungen oder Gesetzen.

  • #154
    Michael Westerhoff

    Gut, Arnold, nehmen wir mal an, die EU bleibt hart und Dortmund gelingt es nicht, die Vorgaben zu erfüllen. Was passiert denn dann aus Ihrer Sicht?

    Frage richtet sich auch an Klaus und Co. Bin gespannt auf eure Antworten.

  • #155
    cuate

    Die Ruhrnachrichten haben hier zu Wizzair ein paar Daten veröffentlicht. In der Reihenfolge der beliebtesten Ziele 2013 stehen auf den vorderen Plätzen

    Kattowitz
    Bukarest
    Kiew
    Budapest
    Danzig

    Dazu eine Passagierstatistik von 2004 bis 2013
    mit kontinierlichem Wachstum.

    http://www.ruhrnachrichten.de/staedte/dortmund/44319-Wickede~/Neue-Wizz-Air-Linie-Ab-Maerz-Direktfluege-nach-Warschau;art930,2443403

  • #156
    Thomas Weigle

    @139 Stefan Laurin Nicht jeder Markt muss auch bedient werden. Obwohl heute die Flieger um einiges leiser sind als in meiner Kindheit, schlafe ich bei meinen Besuchen in Mühlheim nur bei geschlossenem Fenster, weil sonst die Nacht um sechs vorbei ist. Wie an einer Perlenschnur fliegen die ein, Minute um Minute, irre. In manchen Orten ist es noch heftiger, in Flörsheim bspw holt es immer mal wieder Ziegel vom Dach- Wirbelschleppen nennt sich das.
    @ 141 Martin W Stimmt, hat zuletzt Paderborn-Lippstadt erleben müssen.

  • #157
  • #158
    Arnold Voss

    Michael,ob du es jetzt glaubst oder nicht, das Dingen macht schon vorher dicht. Die Stadt Dortmund wird in nicht allzu weiter Zukunft in solche finanziellen Turbulenzen geraten, dass sie sich diesen Flughafen einfach nicht mehr wird leisten können.

  • #159
    cuate

    Ab April 2015 erhöht WizzAir die Flugfrequenz von Dortmund nach Vilnius, der Hauptstadt Litauens, von wöchentlich 2 auf dann 4 Flüge.

  • #160
    Michael Westerhoff Beitragsautor

    …und nimmt Riga, Sibiu und Warschau dazu. Aber die sind ja angeblich unwichtig…

    Die Kollegen dürfen sich darüber übrigens auch in meinem eigenen Blog aufregen. Der ist allerdings eher beschreibend als politisch, aber den Flughafen gibt es da seit heute auch. http://colorfulcities.de/flughafen-dortmund/

  • Pingback: Zukunft für den Dortmunder Flughafen – Ruhrbarone | News von Parken-oder-Hotel-am-Flughafen

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