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148.000.000.000

Der Bundestag wird heute  den deutschen Anteil am Euro-Rettungspaket diskutieren. Es geht laut ZDF-Morgenmagazin um bis  zu 148.000.000.000 Euro.

Das ist eine Menge Geld – mehr als man sich vorstellen kann. Ich habe mal nachgeschaut was man mit 148.000.000.000 Euro so alles machen kann:

– 7400 große Gymnasien oder Gesamtschulen bauen

– 94 Jahre lang die Fraunhofergesellschaft finanzieren

– 1,5 Jahre lang sämtliche Bildungsausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden finanzieren

– 3148 Jugendkliniken bauen

– Fast zehn Jahre die Haushalte aller Städte und Gemeinden ausgleichen

– etwas weniger als zehn Prozent der Staatsschulden tilgen

– 64.347.826.089 Biere im Intershop trinken

148.000.000.000 Euro sind also wirklich viel Geld. Richtig viel Geld. Und wenn wir Pech haben werden wir in ein paar Jahren glücklich sein, wenn wir für  148.000.000.000 eine Packung Zigaretten bekommen. Denn wenn die Rettung des Euros scheitert, wenn nicht gespart wird, ist eine hohe Inflation nicht unwahrscheinlich. Und aus der könnte eine Hyperinflation werden.

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25 Kommentare zu “148.000.000.000

  • #1
    Jens Kobler

    @Stefan: Fährst Du jetzt auch noch die Zurück-zur-Mark-und-raus-aus-Europa-Schiene? Oder wieso fällt Dir nur so nationales Stammtischgewitter ein, aber nicht einmal Hilfe für andere Staaten oder ähnliches? Und apokalyptisch klingt das auch. Kleinere EURO-Zone? Griechenland hätte man nie aufnehmen sollen? Oder worum geht es?

  • #2
    Barbara Underberg

    Vor allem die Anzahl der täglichen Artikel wird langsam inflationär 🙂

  • #3
    Frank

    Also, so unrecht hat Stefan nicht. Wenn man Inflation als Differenz zwischen Gelddruckmenge und Bruttosozialprodukt rechnet, dann haben wir schon seit Jahren ziemlich hohe Inflation. Eine wesentlich höhere jedenfalls, als uns das statistische Bundesamt anhand seines politisch gesteuerten Warenkorbes monatlich verkündet.

    Man muss kein D-Mark Romantiker sein, um vom EURO Stabilität bzw. Gegenwert zu erwarten. Schließlich basiert eine Währung auf dem Vertrauen, dass man sie gegen Waren tauschen kann.

  • #4
    Werner Jurga

    „64.347.826.089 Biere im Intershop trinken“
    Ouzo trinken! Auf jeden Fall Ouzo trinken. Wenn Du vielleicht auch mal ausrechnen könntest, wieviele Pinnekes man bekäme – meinetwegen im Intershop … wenn, könnte, Hyperinflation … mehr Ouzo bitte!

  • #5
    Arnold Voß

    Das Problem ist nicht das Euro-Rettungspaket, sondern dass es nur mit einer stärkeren Regulierung der Banken funktioniert. Wenn das nicht schnellstens passiert könnte Stefan allerdings recht behalten.

  • #6
    Armer Schlucker

    Könnte die Fraunhofergesellschaft bitte am letzten Tag des 94. Jahres halbtags schließen und das eingesparte Geld an mich überweisen? Kontonummer…..
    🙂

  • #7
    dissenter

    Tja, Herr Laurin. Da hat sich die Bundesregierung heute ein 148-Milliarden-Paket genehmigen lassen, blanko, ohne dass die genaue Ausgestaltung schon klar wäre. Gemunkelt wird von einer „Zweckgesellschaft“ nach luxemburgischen Recht, aber nichts genaues weiß man nicht. Der Finanzminister begründet das Eilverfahren – was dazu führt, dass kaum ein Abgeordneter überblickt, über was er abstimmt – mit „der Entwicklung an den Märkten“.

    Frage: Wo sitzen eigentlich die Verfassungsfeinde?

  • #8
    ch_we

    Zur Abstraktion „Die Märkte“ war letztens ein schöner Text im Guardian:

    http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2010/may/18/brain-food-markets-politics-religion?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter

  • #9
    pmn

    Man sollte vielleicht dazu sagen, dass das Geld nicht weg ist, sondern für Garantien/Kredite herhalten wird (so ganz blick ich da auch noch nicht durch) darstellt. Bedenklicher ist das Verfahren selber: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-05/euro-parlament-eilverfahren

  • #10
    Frank

    @CH-WE: Es gibt zwei Mythen, an die die Bürgersöhne und -töchter von CDU und FDP glauben: Die Jungfrauengeburt und die „unsichtbare Hand des Marktes“.

  • #11
    Hans

    Eine unglaubliche Dreistigkeit, wie sich das Parlament gegen die riesige Mehrheit der Bevölkerun gegen diesen ökonomischen Schwachsinn stellt. Ich gebe Stefan recht, dass es über kurz oder lang eine Inflation großen Ausmaßs geben wird bzw. geben muss. Das war immer so und wird auch immer so sein, das Gesetz wirkt hier noch als Brandbeschleuniger. Jetzt hilft man sich vielleicht noch ein Jahr mit billigem Geld das keinen Wert hat über die Runden aber der nächste Knall kommt bestimmt und dann ist endültig Sense.
    Aber ist doch auch schön, dann sind wir bald alle Millionäre.

  • #12
    ch_we

    @Frank

    Wie alle Mythen ist auch die „unsichtbare Hand“ ein Erklärungsversuch für im Alltag schwer zu Begreifendes. 🙂 Aber: Der Glaube an die Märkte als Indikator für irgendwas ist leider nicht nur bei CDU/FDP-Mitgliedern zu finden, sondern gerade bei Leuten ohne Parteibuch.

  • #13
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @ch@Frank: Hat irgendeiner was besseres als den Markt im Angebot? Ich kenne keine funktionierende Alternative.

  • #14
    Frank

    @Stefan:

    Wir wissen ja nun, dass die Kunst in der weisen Regulierung eines freien Marktes liegt. Aber warum erklärt ihn uns die liberale Theorie mit einer „unsichtbaren Hand“, also mythisch?

    Allerdings halte ich die Qualität der Handelnden inzwischen für mindestens genauso wichtig wie die Qualität des Systems. Mit guten Leuten in einem schlechten System erreicht man mehr als mit schlechten Leuten in einem guten System. Darunter leiden bei uns ja inzwischen Wirtschaft, Verwaltung und Politik.

  • #15
    Hans

    @ stefan
    „Hat irgendeiner was besseres als den Markt im Angebot?“

    Ganz offensichtlich die CDUFDPSPDGRÜNLINKE 🙂

    Der Markt war immer da, ist immer da und wird immer da sein. Der Markt an sich ist auch nicht böse oder schlecht, aber auch nicht gut und edel. Der Markt wurde von den Menschen gemacht mit all deren guten und schlechten Charakterzügen. Jegliches Herumdoktoren an dieser natürlichen Ordnung führt zu Unfreiheit, Knechtschaft und Tod.

  • #16
    Jens

    @Frank (3):

    Man muss kein D-Mark Romantiker sein, um vom EURO Stabilität bzw. Gegenwert zu erwarten. Schließlich basiert eine Währung auf dem Vertrauen, dass man sie gegen Waren tauschen kann.

    Ach, ich dachte der Euro wäre bis jetzt eigentlich immer stabiler gewesen als die D-Mark in den 80’er und 90’er Jahren.

  • #17
    ch_we

    @Stefan:

    Nur selber lesen macht klug. Der Artikel sagt, dass es „der Markt“ ein Abstraktum ist, wir können maximal von vielen kleinen Märkten reden und die auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, geht nicht. Von daher kann man auch nicht sagen dass „der Markt“ etwas verlangt. Letztendlich existiert „der Markt“ nur durch das Sprechen darüber, bei dem er immer wieder als Begründung angeführt wird. Ähnlich funktionieren auch „die Wirtschaft“, „die Börse“ oder auch „the national interest“, was gerade Buzzword der Stunde im UK ist. Das ist nicht sonderlich sophisticated, aber wahr.

    Und ja, zu „der Markt“ gibt es eine Alternative. Man könnte z.B. sagen, wer Einfluss auf legislative Verfahren und vor allem, wem diese nutzen und wem diese schaden – Politikberichterstattung halt.

    Und das habt ihr bei den Ruhrbaronen ja auch früher mal gemacht und das mochte ich gerne. Auch die „Enthüllungen“ über die Linkspartei find ich ok. Mich interessiert das, aber mich interessiert das auch bei den Parteien, die an der Macht sind, die Einfluss im Land und den Kommunen haben. Und die nicht nur aus Hobbypolitikern bestehen.

  • #18
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Che_We: Wir hatten hier ja auch viele Geschichten die sich mit der CDU beschäftigt haben und heute hat noch die FDP ihr Fett abbekommen. Mir ist schon klar dass wir keinen perfekten Markt haben und wir werden auch in Zukunft darüber berichten wem welche Politik nutzt und wie diese Politik zustande kommt. Das lief übrigens die ganze Zeit parallel – wurde nur ein wenig über die Berichterstattung zur Landtagswahl überdeckt.

  • #19
    Pan

    Ich wundert mich sehr das in der ganzen aufgeregten Diskussion der Ruf nach massiven Lohnerhöhnungen in Deutschland fehlt – was glaubt man eigentlich was passiert wenn jetzt in Deutschland die Lohnstück-Kosten weiter sinken und der Export-Überschuß (wegen der „bösen Schwäche“ des Euros noch weiter steigt.

    Das riesen Haushaltsloch geht doch zu fast 100% auf Kosten der Bankenrettung – damit wir nicht böse auf die Banken sind die nun das Geld für neue Straßen und Schulen als Gewinn in Ihren Bilanzen haben – missbrauchen wir mal schnell die Griechen als Buh-mann.

    Und erwähnen dabei auf keinen Fall das der Kredit an Griechenland auch nur eine Sozialisierung von Ausfallrisiken deutscher Banken ist.

    Pan

    P.S.: Mir sind übrigens 5% Inflation auch lieber als 5% Arbeitslose.

  • #20
    ch_we

    @Stefan

    Ja, die Stories hattet ihr: PFT, Kraft und Zenit, Silvana-Mehrin etc. Das weiß ich doch – mehr davon!

    Aber die Debatte mit dem „perfekten Markt“, die führen wir mal in Ruhe, ok?

  • #21
    Stefan Laurin Beitragsautor

    CH_WE: Gerne. Sag wann und wo. Vielleicht bald in der neuen Goldkante?

  • #22
    Jens Kobler

    @Pan: Das ist das Zutreffendste, das ich (hier) seit langem dazu gelesen habe. Alle gehen in Deckung und stellen die für Deutschland typischen Charakteristika wie den Export-Wirtschaftsterrorismus nicht ansatzweise in Frage. Alle hübsch genügsam, ängstlich und jobdevot hier, und auch immer brav gegen das Ausland stänkern. Plus wie blöd zwischen SPD und CDU (und anderen wechseln) als ginge es immer nur darum, irgendeine Kinder-Rache zu üben und „Denkzettel zu verpassen“. Von sich aus Veränderungen vornehmen, international denken, sich nicht ständig wie ein BILD-lesender, hiesigen Medien generell höriger Mob behandeln lassen von den Regierungen: Fehlanzeige. Und die deutschen Banken? Sind das nicht eh alle irgendwie „bad banks“? Und anstatt deshalb Europa dankbar für den Versuch der Re-Zivilisierung Deutschlands zu sein, kämpft die deutsche Regierung weiter gegen des Rest der EU, und die Bürger hecheln hinterher – außer mensch stürzt sich zur Abwechslung mal auf den Islam, das Judentum, die Amerikaner, selten Moskau oder China. Nicht viel gelernt, Deutschland.

  • Pingback: Sigmar Gabriel (SPD) rechnet mit Angela Merkel und Schwarz-Gelb ab » Pottblog

  • #24
    Abnick Grabotki

    148000000000/80000000=1850/10=185 Schulden durch Einwohner macht 1850€ pro Kopf. Bei 10€ pro Stunde macht das 185 Eurostunden pro Bundesbürger.

  • #25
    Angelika

    „…Denn wenn die Rettung des Euros scheitert, wenn nicht gespart wird, ist eine hohe Inflation nicht unwahrscheinlich. Und aus der könnte eine Hyperinflation werden.“ (Artikel s.o.)

    Es kann auch eine Deflation geben u. die kann auch sehr unangenehm werden.

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