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Bei Alemannia Aachen hat sich nichts geändert

Schon seit einigen Wochen war auf der Homepage der Aachen Ultras ein Countdown zu sehen, der pünktlich zum Anpfiff des heutigen Auswärtsspiels der Alemannia bei Viktoria Köln endete. An gleicher Stelle hatte die Gruppe, die sich seit einiger Zeit offen gegen Diskriminierung im Stadion eingesetzt hatte, vor einem Jahr ihren letzten Auftritt. Danach kapitulierten die Ultras vor der immer heftigeren Gewalt anderer Fangruppen wie der Karlsbande und zogen sich zurück.

Dass sich seitdem nichts am Tivoli geändert hat, zeigen die aktuellen Reaktionen auf Gerüchte um eine Rückkehr der Ultras, die durch den Countdown auf der Website aufgekommen waren.

„Verpisst euch ACU!!! Hass Hass Hass!“ schrieb etwa ein gewisser Dominik K. bei Facebook. Ein anderer Nutzer krakelte „Auf die fresse auf die fresse“, und die Facebook-Page „Südtribüne Aachen“ forderte: „AnsCheißer Ultras Wegboxen!!!“. Das bringt die Stimmung in der Aachener Fanszene auf den Punkt: Als Problem wurden und werden nicht rechte Hooligans und Nazis empfunden, sondern jene, die den Verein für den laxen Umgang mit rechtsradikalen Schlägern „anscheißen“ – also kritisieren.

Um den Wünschen der Kurve tatkräftig nachzukommen, haben erwartungsgemäß besonders viele hochnervöse Nazis ihren Verein heute nach Köln begleitet oder suchten die heimische Innenstadt ab. Schließlich gilt es einen historischen ‚Erfolg‘ zu verteidigen. Die gewaltsame Vertreibung der Aachener Ultras markiert einen Wendepunkt in der deutschen Ultrabewegung. Alte und neue Hooligans drängen seither wieder vermehrt in die Fanblöcke und sagen der modernen, liberalen Fankultur den Kampf an. In Braunschweig waren sie – unter bereitwilliger Hilfe des Vereins – ebenfalls erfolgreich. Und auch in Duisburg und Düsseldorf gehen sie derzeit zum Angriff über, andernorts brodelt der Konflikt noch unter der Oberfläche oder wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu Gunsten der stärkeren beziehungsweise brutaleren Partei entschieden.

Übrigens: Statt einer Rückkehr der AcU in’s Stadion stand am Ende des Countdowns nur die Ankündigung zu einer Jubiläumsfeier im Mai. Mehr hätten die angeblich ach so „unpolitischen“ Fans von Alemannia Aachen den Ultras auch kaum durchgehen lassen, und mehr hat dieser Verein deshalb auch nicht verdient.

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