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Absichtliche Niederlagen?

Las Vegas, Glücksspiel, Showstars und bald auch Football. Foto: Robin Patzwaldt

Las Vegas, Glücksspiel, Showstars und bald auch Football. Foto: Robin Patzwaldt


Glitzer, Glücksspiel und Showgeschäft. Las Vegas ist die amerikanischste aller Städte in den USA. Bisher gibt es in Vegas keinen Football. Das soll sich bald ändern: Die Oakland Raiders ziehen um. Derzeit gehört das Team zu den erfolglosesten in der NFL – dahinter könnte aber ein Plan stecken.

San Diego Chargers, Houston Oilers oder Baltimore Colts – Namensänderungen und Umzüge von Franchises kommen in der NFL deutlich häufiger vor als im traditionsbewussten Fußball. Wenn ein Standortwechsel Geld verspricht, vollzieht die Liga diesen gegen jeden Fanprotest. Kommerz wird so gnadenlos wie in kaum einem anderen Sport angestrebt.

Zum Kommerz gehört im Football auch das Merchandising. Die Logos der Teams prangern auf Trikots, Mützen, Jacken, Tassen, Kugelschreibern, Kühlschrankmagneten… Kurzum: Auf allem, was sich verkaufen lässt. Das Raiders-Logo mit dem einäugigen Piraten ist weltweit begehrt.

2019 soll das Team nach Las Vegas umziehen. Dort wird gerade für 1,8 Milliarden Dollar eine Arena gebaut, die 72 000 Zuschauern Platz bieten soll. Wahrscheinlich wird der Bau aber nicht bis zum Beginn der kommenden Saison fertig sein – die startet im September 2019.

Die Saison 2018 ist für die Raiders definitiv am Sonntag vor Silvester vorbei. Chancen auf die Playoffs hat die Franchise keine mehr. Mit jeweils nur zwei Siegen streitet Oakland mit dem Nachbarn, den San Francisco 49ers, um den schlechtesten Platz in dieser Saison.

Der Ausgang dieses Rennens ist für die kommende Saison relevant: Beim Draft im April werden die besten Spieler des College-Footballs auf die NFL verteilt. Das schlechteste Team des Vorjahrs hat den ersten Zugriff, kann sich also unter allen Anwärtern einen Favoriten auswählen.

In den nächsten beiden Jahren kommen die Raiders auf fünf Zugriffe in den ersten Runden der beiden Drafts. Denn das Team hat gehandelt: Erstrundenpicks gab es von den Chicago Bears und von den Dallas Cowboys. Dafür gaben die Raiders einen der besten Passverteidiger der Liga ab, Khalil Mack sowie einen starke Pass-Empfänger mit Amari Cooper.

Nun läuft die Debatte, ob die Raiders ihr Team absichtlich geschwächt haben. Denn neben dem frühen Zugriff im Draft gewinnen sie auch Luft im Salary Cap. Die NFL begrenzt die Gehälteretats der Franchises, um die Liga so ausgeglichen zu halten. Die Raiders haben sich durch die Abgänge Spielräume geschaffen. In der Folge könnten sie Geld in die Hand nehmen und Stars verpflichten, die anderswo zu teuer geworden sind – etwa der Runningback LeVeon Bell von den Pittsburgh Steelers.

Das Kalkül, das den Raiders unterstellt wird: Sie nehmen Niederlagen in ihrer alten Heimat in Kauf, um in ihrer neuen Heimat Las Vegas eine junge, talentierte Star-Formation vorzeigen zu können.

Das wäre ein Stück weit Wettbewerbsverzerrung. In der NFL spielen in einer Saison nicht alle 32 Teams gegeneinander. Jedes Team tritt jeweils zweimal gegen seine drei Divisions-Rivalen an. Nach einem komplizierten System werden zehn weitere Gegner ermittelt. Die Divisions-Rivalen hätten also einen Vorteil, wenn eines der Teams die Saison abschenkt.

Dass die Raiders langfristig planen, haben sie zu Saisonbeginn bewiesen. Mit einem teuren Vertrag über zehn Jahre haben sie ihren neuen Cheftrainer Jon Gruden an sich gebunden. Im 27-jährigen Derek Carr verfügen sie über einen jungen Starting-Quarterback. Wobei die Süddeutsche spekuliert, die Raiders könnten Interesse am derzeit spannendsten Quarterback des College-Footballs haben: Justin Herbert von der University of Oregon.

Sollte es tatsächlich die Langfrist-Strategie geben, wäre die riskant. Auch bei den Cleveland Browns gab es die Idee, mit Hue Jackson durchs Tal zu gehen, um dann mit einer starken und jungen Mannschaft aus diesem wieder hervorzukommen. Doch letztlich verlor die Teamführung irgendwann die Geduld und trennte sich von dem Erfolglostrainer. Wie viele von den zehn Jahren hält Gruden ohne Erfolg durch.

Die Saison 2018 jedenfalls geht als Flop in die Geschichte der Raiders ein, die 1976, 1980 und 1983 den Super Bowl gewonnen haben: Die beiden Siege in dieser Saison holten sie gegen Teams, die ebenfalls im unteren Drittel der NFL stehen: die Browns und die Arizona Cardinals. Bei den erzielten Punkten liegen sie auf Platz 29, bei den zugelassenen sogar auf dem vorletzten 31. Platz.

 

Schenken die Oakland Raiders die Saison ab? #nfl
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Ein Kommentar zu “Absichtliche Niederlagen?

  • #1
    strubbi77

    Sind die roten Teufel nicht als Rote Bullen nach Leipzig gezogen?

    Die Methode mag zwar verschieden sein, das Ergebnis ist aber gleich.

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